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Technische Möglichkeiten, Anwendungsfelder und Regelungsbedarf der Digitalisierung

Hausarbeit 2018 39 Seiten

Jura - Rechtsphilosophie, Rechtssoziologie, Rechtsgeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1-Einleitung.. 2

2-Digitalisierung – definitorischer Rahmen.. 3

3-Technische Möglichkeiten und Anwendungsfelder.. 5

3.1-Öffentlicher Sektor.. 5

3.1.1-Verwaltung.. 6

3.1.2-Bildung.. 7

3.1.3-Energie.. 9

3.1.4-Gesundheit.. 11

3.1.5-Verkehr.. 13

3.1.6-Zwischenfazit.. 14

3.2-Privatwirtschaft.. 15

3.2.1-Weitere Potenziale der Digitalisierung in der Privatwirtschaft (Auswahl).. 16

3.2.2-Big-Data-Analytics.. 16

3.2.3-E-Commerce.. 18

3.2.4-IT-Sicherheit.. 18

3.3-Gesellschaft.. 19

3.3.1-Social Media.. 20

4-Herausforderungen und Regelungsbedarf.. 22

4.1-Öffentlicher Sektor.. 22

4.1.1-Verwaltung.. 22

4.1.2-Bildung.. 23

4.1.3-Energie.. 24

4.1.4-Gesundheit.. 25

4.1.5-Verkehr.. 26

4.2-Privatwirtschaft.. 27

4.2.1-Weitere Potenziale der Digitalisierung in der Privatwirtschaft (Auswahl).. 27

4.2.2-Big-Data-Analytics.. 27

4.2.3-E-Commerce.. 28

4.2.4-IT-Sicherheit.. 28

4.3-Gesellschaft.. 29

4.3.1-Social Media..29

5-Fazit.. 32

6-Literaturverzeichnis.. 35

1-Einleitung

Immer mehr vernetzen sich die Lebensbereiche in unserem von Digitalisierung geprägten Alltag. Dadurch entstehen nicht nur neue Abhängigkeiten und Souveränitätsverluste, sondern auch bis dahin nicht gekannte Chancen und neue Handlungsmöglichkeiten. Digitale Transformation oder Reformation, Industrie 4.0 oder schlicht Digitalisierung: Die Digitalisierung ist in aller Munde. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte in einer Videobotschaft kurz vor der Cebit 2016: „Daten sind der Rohstoff des 21. Jahrhunderts“. [1] Der Vorsitzende des Weltwirtschaftsforums, Klaus Schwab, meint sogar, die Digitalisierung sei keine reine Produktrevolution mehr, ,,sondern eine Systemrevolution“. [2] Dass wir der Digitalisierung nicht mehr entkommen werden, scheint also außer Frage zu stehen. Entscheidender scheint zu sein, ob wir auch an dieser Entwicklung teilhaben und ihre Chancen zu unserem Nutzen verwerten, oder auf der Strecke bleiben. Die Konsequenzen mögen momentan von der Entwicklerseite ebenso wenig wie von der Anwenderseite absehbar zu sein. Auch wenn der Begriff also scheinbar großes Potenzial für viele Lebensbereiche birgt, so scheint doch auch eine Ohnmacht und Unsicherheit von ihm auszugehen. So beschreibt Volker Wittpahl, der Herausgeber des „Themenbands Digitalisierung“ vom Institut für Innovation und Technik treffend: „Wenn der gesellschaftliche Wandel ein Wind ist, dann ist die Digitalisierung ein Orkan, durch den wir uns alle gerade bewegen.“ In der Zivilbevölkerung löst die Digitalisierung einerseits Aufbruchsstimmung, andererseits Abschottungswünsche aus. [3]

Spätestens seit der Debatte um die Vorratsdatenspeicherung sind in der deutschen Bevölkerung etwa viele Menschen für das Thema IT-Sicherheit sensibilisiert und auch, dass das Internet kein rechtsfreier Raum sein darf, ist mittlerweile eine gängige Redewendung. Kaum ein anderer Begriff scheint so inflationär verwendet zu werden und besitzt zugleich eine solche inhaltliche Unschärfe und Inkonsistenz. Um sich fundiert mit den durch Digitalisierung entstehenden technischen Möglichkeiten, den Anwendungsfeldern und dem Regelungsbedarf auseinandersetzen zu können, muss dieser Problematik entgegengewirkt werden. Dafür ist das Festlegen auf einen definitorischen Rahmen zu Beginn der Arbeit obligatorisch. Dieser soll zunächst dabei helfen, nicht nur den jetzigen Stand der technischen Möglichkeiten durch die Digitalisierung, sondern auch zukünftige Chancen und das Potenzial davon in den verschiedenen Lebensbereichen zu beleuchten. Dabei muss sich natürlich auch zwangsläufig mit den Anwendungsfeldern beschäftigt werden, die je nach angesprochener technischer Möglichkeit variieren.

Im späteren Verlauf soll sich dann der Problematik der Herausforderungen und des Regelungsbedarfs gewidmet werden. Auch hier soll das zuvor festgelegte Definitionsschema helfen, diese direkt mit den technischen Möglichkeiten der verschiedenen Anwendungsbereiche abgleichen zu können. Betrachtet werden soll Digitalisierung dabei vor allem aus deutscher Sicht. Zeitlich versucht die Arbeit die Digitalisierung weder retrospektiv noch prospektiv zu ergründen, sondern vor allem ,,Digitalisierung in progress“ zu erklären. Mit anderen Worten heißt das, dass sich nur mit tatsächlich existenten, aktuell genutzten oder sich in fortgeschrittenem Entwicklungsstadium befindlichen Bereichen der Digitalisierung beschäftigt werden soll, welche auch im aktuellen politischen und rechtlichen Diskurs stehen.

Da im zweiten Teil der Arbeit eine Vielzahl an Herausforderungen für den zukünftigen Umgang mit der Digitalisierung offengelegt werden, kann auch erst hiernach ein Ausblick im Fazit gewagt werden. Zum Ende der Arbeit soll aber auch in Verbindung zum Regelungsbedarf noch einmal der Mensch und das Menschsein Berücksichtigung finden. Denn trotz der scheinbar unaufhaltbaren digitalen Entwicklung und der großen Chancen die damit einhergehen bleiben doch Bereiche, welche die Digitalisierung niemals ersetzen können wird.

2-Digitalisierung – definitorischer Rahmen

Wie bereits angesprochen gestaltet sich eine konkrete Definition des Begriffs als äußerst schwierig. Nicht nur, weil das Wort selbst ständig im öffentlichen Diskurs verwendet wird, sondern auch weil zudem noch Synonyme wie Industrie 4.0 oder digitale Transformation auftauchen. ,,Dieses breite, inkonsistente Spektrum führt zwangsläufig zu einer Verwässerung des Begriffes sowie zu teilweise konträren Zielvorstellungen“. [4] Daher soll im Folgenden versucht werden, eine konkrete Definition zu finden. So kann Digitalisierung den gesellschaftlichen Wandel bezeichnen, ,,der auf globaler, nationaler und individueller Ebene nachhaltig unser Leben verändert“. [5] Dieser Wandel vollzieht sich längst nicht mehr nur in der Privatwirtschaft – wo er schon alle Sektoren, vom produzierenden bis hin zur Dienstleistungsbranche erfasst hat. Auch (verwaltungs-)politische Prozesse sind zunehmend davon betroffen und auch im Privatleben der einzelnen Bürger hat die Digitalisierung Einzug gehalten. Folglich lässt sich der Wirkungsbereich der Digitalisierung also in drei Bereiche teilen: Den öffentlichen Sektor, die Privatwirtschaft und die Gesellschaft.

Um nun auch der Tatsache entgegenzuwirken, dass keine allgemeingültige Definition davon besteht, was Digitalisierung inhaltlich bezeichnet, soll anhand mehrerer Teildefinitionen eine ausreichende Definition durch Fusion geschaffen werden. Allgemein finden sich zwei Teildefinitionen immer wieder: Zum einen die ,,Überführung von Informationen von einer analogen in eine digitale Speicherung“. [6] Zum anderen ,,Digitalisierung […] auf der Ebene eines Individuums, einer Organisation oder einer Gesellschaft […]“. [7] Im Gabler Wirtschaftslexikon heißt es dazu, der Begriff könne zum einen die ,,digitale Umwandlung und Darstellung bzw. Durchführung von Information und Kommunikation oder die digitale Modifikation von Instrumenten, Geräten und Fahrzeugen“ meinen. [8] Damit wird die Digitalisierung also auch als konkreter Prozess beschrieben. Dieser hat Auswirkungen auf alle drei der zuvor angesprochenen Wirkungsbereiche.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie liefert die ergiebigste Definition: ,,Die Digitalisierung steht für die umfassende Vernetzung aller Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft sowie die Fähigkeit, relevante Informationen zu sammeln, zu analysieren und in Handlungen umzusetzen. Die Veränderungen bringen Vorteile und Chancen, aber sie schaffen auch ganz neue Herausforderungen“. [9] Wichtige Stichworte sind hier vor allem die ,,Vernetzung“ und ,,Informationen“, welche im weiteren Verlauf mehrfach Anwendung finden werden. Auch der Tatsache, dass die Digitalisierung eine Vielzahl an Herausforderungen schafft, ist hier Rechnung getragen. Darüber hinaus kann der Begriff auch die ,,digitale Revolution, […] bzw. die digitale Wende“ bedeuten (Bendel 2018 A). [10] Hier bezeichnet die Definition die Digitalisierung als etwas Größeres und Allumfassenderes. Dem Begriff wird dadurch schon eine historische Rolle zuteil, was insofern bemerkenswert ist, als dass die ,,digitale Revolution“ noch im vollen Gange zu sein scheint und keineswegs abgeschlossen ist.

Somit ist neben der räumlichen auch die inhaltliche Dimension hinreichend definiert. In den folgenden Kapiteln soll daher für jede räumliche Dimension (Öffentlicher, Wirtschafts- und gesellschaftlicher Sektor) sowohl auf die konkreten Prozesse der Digitalisierung, als auch auf die konkreten Auswirkungen die diese Prozesse nach sich ziehen eingegangen werden; letzteres dann vor allem im Hinblick auf den Regelungsbedarf und den damit verbundenen Ausblick. Schon aus der versuchten Definition ergibt sich also die Tatsache, dass die technischen Möglichkeiten nahezu unzählig sind. Daher soll sich bei diesen auf gängige und erwähnenswerte Bereiche beschränkt werden, um den Überblick zu behalten und den Rahmen nicht zu sprengen. Da letzterer der Datenschutz als Seminarthema ist, werden die später erläuterten Bereiche möglichst auch Bezug dazu haben. Gleiches gilt folglich auch für die Herausforderungen und den Regelungsbedarf.

3-Technische Möglichkeiten und Anwendungsfelder

Es mag scheinen, als biete die Digitalisierung die meisten Möglichkeiten im Bereich der Privatwirtschaft. Dass auch darüber hinaus auch im Öffentlichen Sektor und der Zivilgesellschaft wichtige Anwendungsfelder existieren, in denen großes Potenzial darauf wartet genutzt zu werden, scheint zwar selbstverständlich. Eine konkrete, allumfassende Übersicht ist jedoch – wie schon eine allgemeine Definition - nicht auffindbar. Daher soll im Folgenden versucht werden, einige nennenswerte technische Möglichkeiten in einigen ausgewählten Anwendungsfeldern zu benennen. Dadurch soll am Ende ein ausreichender Überblick entstanden sein, um die weitreichenden Folgen und Potenziale der Digitalisierung begreifen zu können.

3.1-Öffentlicher Sektor

Die Bereiche in denen Digitalisierung im öffentlichen Sektor stattfindet, sind sehr breit gefächert. Um einen Überblick und Rahmen zur Betrachtung zu erlangen, bietet sich eine Einteilung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Entwicklung an. Diese lässt zwar zwangsläufig auch einige Aspekte außer Acht, bezieht sich aber konkret auf eine der wichtigsten Begleiterscheinungen der Digitalisierung, die bereits in der Definition Erwähnung gefunden hat: die Intelligente Vernetzung. Die Einteilung erscheint daher ausreichend, einen Überblick über die wichtigsten technischen Möglichkeiten der Digitalisierung im öffentlichen Sektor liefern zu können. Intelligente Vernetzung erfolgt durch Einsatz von ,,Informations- und Kommunikationstechnologien“ (IKT). Unterschieden wird dabei zwischen Verwaltung, Bildung, Energie, Gesundheit und Verkehr. [11]

3.1.1-Verwaltung

Laut dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sind ,,effiziente Verwaltungsabläufe (…) eine Grundvoraussetzung für das reibungslose Funktionieren von Wirtschaft und Gesellschaft in Deutschland“. [12] Technische Möglichkeiten reichen hier von ,,der unkomplizierten Online-Abwicklung von Melde- und Berichtspflichten von Unternehmen an Behörden bis zur digitalen Bürgerbeteiligung an politischen Entscheidungen“. [13] Es zeigt sich bereits hier die Wichtigkeit der Digitalisierung im öffentlichen Sektor, nicht nur für die Verwaltung selbst, sondern auch für die Bereiche Privatwirtschaft und Gesellschaft.

Vorteile genannter Verfahren sind etwa das schnelle Reagieren auf Bürgeranfragen, Terminvergaben sowie das Klären von Anliegen im Voraus, was wiederum Zeit spart, da somit gleich an die richtige Stelle verwiesen werden kann. Auch bietet eine digitale Präsentation der Behörde, in der Regel ein Internetauftritt, eine erhöhte ,,Transparenz und Nachvollziehbarkeit politischen Handelns“. [14] Das kann wiederum ,,zu mehr Zufriedenheit bei Bürgern“ führen und ,,auch die Attraktivität des Hauses als Arbeitgeber“ steigern. [15] Vorrangig ist mit Digitalisierung hier die Verlagerung von Prozessen und Interaktionen zwischen Bürger und Verwaltung auf die Online-Ebene gemeint. Das Internet ist also für die intelligente Vernetzung von enormer Wichtigkeit.

Verwaltungsdigitalisierung, in Form von ,,E-Government“ oder auch ,,E-Participation“ zeigt im Zuge der Digitalisierung mittlerweile auch erste Ansätze in Deutschland, jedoch gilt das Potenzial hier noch längst nicht als ausgeschöpft. [16] Dass sich die Digitalisierung der Behörden in Deutschland als schwierig gestaltet, zeigt etwa ein Artikel der FAZ mit dem Titel ,,Behörden fürchten Digitalisierung mehr als Flüchtlingskrise“. [17] Dieser bezieht sich auf eine Studie der Hertie School of Governance, laut der die meisten der befragten Behördenleiter davon ausgehen, bis 2020 vor allem mit ,,der Digitalisierung und dem Umstieg auf elektronisch geführte Akten“ beschäftigt zu sein. [18] Erst auf Platz fünf folgen Herausforderungen der Flüchtlingskrise. Laut dem Artikel findet der Autor der Studie, Gerhard Hammerschmid, dass Deutschland beim Thema Digitalisierung, verglichen mit anderen EU-Staaten, zehn bis 15 Jahre zurückliege. [19] Dennoch bestehen erste Ansätze in Deutschland. Ein konkretes Beispiel für E-Participation findet sich in Solingen, wo der Oberbürgermeister 2010 das jährliche Haushaltsdefizit senken wollte. Eine von ihm dazu ausgearbeitete Kürzungsliste über mögliche Einsparmaßnahmen wurde auf einer Homepage den Bürgern der Stadt vorgelegt, die dann über jene Maßnahmen abstimmen konnten, welche sie am ehesten befürworten würden. [20] E-Government hingegen funktioniert heute auf städtischer und kommunaler Ebene stärker als auf Länder- und Bundesebene. [21] Konkret genutzt werden meistens ,,Online-Anträge,z.B. für BAFöG oder Online-Auskünfte“. [22]

3.1.2-Bildung

Das Potenzial, welches die Digitalisierung für den Bildungssektor bietet, scheint nicht weniger vielfältig, als das der Verwaltung. Trotzdem scheint hier in den letzten Jahren bereits mehr geschehen zu sein. Digitales Lernen findet mittlerweile nicht mehr nur in der Schule Anwendung. Längst sind auch Hochschul- und Berufsbildung sowie das ,,dritte Lebensalter ab 60 Jahren“ davon betroffen. [23]

Die technischen Möglichkeiten sind vielzählig. Es besteht die Möglichkeit zur ,,Verwaltung und zur Vernetzung der Bildungseinrichtungen untereinander“, an Schulen, Universitäten, der beruflichen Bildung oder der Fort- und Weiterbildung. [24] Zugleich bietet die Digitalisierung die Möglichkeit für E-Learning-Angebote wie ,,Webinare, virtuelle Workshops, Onlinekurse“, durch Videoübertragungen oder Lernplattformen. [25] Durch diese E-Learning Angebote steigt nicht nur die Flexibilität der Anwender, zum Beispiel um Bildungsangebote mit „anderen, insbesondere beruflichen Verpflichtungen in Einklang zu bringen“. [26] Vielmehr haben so auch Menschen Bildungschancen, die ,,ansonsten keinen Zugang zu höheren Bildungseinrichtungen hätten“. [27] Auch ein immer individueller werdendes Lernangebot ist durch E-Learning möglich. Doch nicht nur die Digitalisierung von Prozessen im Bildungssektor selbst gilt es zu berücksichtigen. Auch digitale Medien erhalten zusehends mehr Eingang in das Bildungsangebot. So können ,,Computer- und Lernspiele die gleiche kognitive Komplexität wie ein umfassendes literarisches Werk haben“. [28] Davon könnten nicht nur Schulen, Hochschulen und Universitäten profitieren, sondern auch Unternehmen, die solche Angebote für spezifische Schulungen nutzen. Auch würde sich der Bildungsprozess kosteneffizienter gestalten, da weniger Unkosten für Lehrkräfte, Dozenten oder auch Räumlichkeiten und materielle Lehrmaterialien entstehen würden. Laut dem bereits zuvor zitierten Themenband ,,Digitalisierung“ des Instituts für Innovation und Technik sind die digitalen Medien jedoch noch immer nicht ausreichend an deutschen Schulen etabliert. [29] Vor allem im internationalen Vergleich (besonders im skandinavischen Raum) müsse Deutschland daher aufschließen. Der Autor attestiert deutschen Schulen eine ,,vergleichsweise schlechte technische Ausstattung“ . [30]

Etwas positiver verhalte sich dies im Vergleich an Hochschulen und Universitäten. Studenten würden in der Regel ihre ,,eigene Hardware in Form von Laptops, Tablets und Smartphones“ mitbringen. [31] Digitale Lehr- und Lernsysteme, wie sie zuvor aufgeführt wurden, seien dort in den letzten 20 Jahren vermehrt eingesetzt worden. Allerdings bestünde auch hier Aufholbedarf, vor allem auch wieder auf internationaler Ebene. [32] In Bezug auf die berufliche Bildung sei die IT-Unterstützung, zum Beispiel durch Assistenzsysteme in der Produktion, in Deutschland bereits fortgeschritten. [33] Im ,,dritten Lebensalter“, also ab dem 60. Lebensjahr, gilt die Digitalisierung ebenfalls als wichtiger Aspekt der Bildung. Technische Möglichkeiten bestehen auch hier in Lehr- und Lernsystemen, wie zum Beispiel digitalen Denk- und Reaktionsspielen. ,,Sie eröffnen älteren Menschen damit neue Möglichkeiten des Lernens und der Partizipation.“ [34] Daraus lässt sich schließen, dass die Förderung der Medienkompetenz älterer Menschen vor allem wichtig ist, um diesen auch in der Zivilgesellschaft weiterhin Teilhabe zu ermöglichen.

Die Realität scheint jedoch ein konträres Bild abzugeben: Hier bestünden ,,Berührungsängste mit neuen Technologien“, die mehr von ,,sozioökonomischen Merkmalen wie Bildung und Einkommen“ abhängen würden, als vom Alter. [35] Auch hier zeigt sich die Vielschichtigkeit der Digitalisierung, sie betrifft also nicht nur jede Generation., sondern auch Bildungswege, von denen nahezu jeder mindestens einen in seinem Leben beschreitet. Alle vier der angesprochenen Bildungsbereiche haben so auch ihren jeweils eigenen Regelungsbedarf und stellen Herausforderungen an Gesellschaft und Politik, welche dann in Kapitel 3.1.2 behandelt werden sollen.

Neben den genannten Bildungsbereichen kommt Digitalisierung auch der Wissenschaft zugute. Technische Möglichkeiten sind hier vielzählig: ,,Supercomputer simulieren komplexe Vorgänge in diversen naturwissenschaftlichen Disziplinen“, zugleich bietet die gute internationale digitale Vernetzung Möglichkeiten zur besseren Zusammenarbeit, und begünstigt die ,,offene Wissenschaft“. [36] Recherchieren und Publizieren findet immer mehr im digitalen Raum statt, Datenbanken und Informationspools sind jederzeit, überall und in nahezu jeder Disziplin online abrufbar.

Laut BMWi bestehen jedenfalls deutlich flexiblere Bildungsangebote durch die intelligente Vernetzung und Digitalisierung der Bildungslandschaft. [37] Die daraus gewonnenen Wachstumsimpulse beziffert das Ministerium auf ,,rund 2 Mrd. Euro pro Jahr“. [38] Zusätzlich entstünde die Möglichkeit, wie zuvor bereits angesprochen, gezielt Kosten einzusparen, etwa ,,Raum-, Reise sowie Übernachtungskosten“, aber auch ,,Kursanmeldungen oder die Ausstellung von Leistungsnachweisen“ könnten vereinfacht werden, wodurch sich ein Einsparpotenzial von ,,3 Mrd. Euro“ ergebe. [39]

3.1.3-Energie

Auch im Energiesektor bietet die Digitalisierung heute schon eine Vielzahl technischer Möglichkeiten. Viele davon weisen erhebliche Schnittmengen mit der Privatwirtschaft (s. Kapitel 4) auf. Grundsätzlich besteht Potenzial der Digitalisierung im Hinblick auf die Netz- und Versorgungsstruktur in Form von ,,Smart Grids“, ,,Smart Meter“ und ,,Smart Home“.

[...]


[1] Merkel , Video-Podcast der Bundeskanzlerin in Textform. Aussage von Bundeskanzlerin Merkel, 2016, abrufbar unter www.bundeskanzlerin.de (Stand v. 8.4.2018).

[2] Wittpahl , S.6.

[3] Wittpahl , S.18.

[4] Strohschen, Wolf , S. 57.

[5] Wittpahl, S.5.

[6] Strohschen, Wolf , S. 57.

[7] Ebd.

[8] Bendel (A), Digitalisierung. Definition, 2018, abrufbar unter www.wirtschaftslexikon.gabler.de , (Stand v. 28.4.2018).

[9] BMWi (A) , S.3.

[10] Bendel (A), Digitalisierung. Definition, 2018, abrufbar unter www.wirtschaftslexikon.gabler.de , (Stand v. 28.4.2018).

[11] BMWi (B), Netze neu nutzen, o.J., abrufbar unter www.bmwi.de (Stand 15.4.2018).

[12] Ebd.

[13] Ebd.

[14] Schmich , Digitalisierung im öffentlichen Sektor: transformation first, humans second?, THINK Blog DACH, 11.17.

[15] Ebd.

[16] Ebd.

[17] Creutzburg, Behörden fürchten Digitalisierung mehr als Flüchtlingskrise, 2016, abrufbar unter www.faz.net (Stand v. 20.4.2018).

[18] Ebd.

[19] Ebd.

[20] Polke-Majewski, Wenn User mitregieren, 2010, abrufbar unter www.zeit.de (Stand v. 10.6.2018).

[21] Weber, S.59 f.

[22] Hesse, Stember (A) : S.355.

[23] Wittpahl, S.72.

[24] BMWi (C), Fakten zur Intelligenten Vernetzung im Sektor Bildung, o.J., abrufbar unter www.bmwi.de (Stand v. 23.4.2018).

[25] BMWi (D), S.8.

[26] BMWi (C) , Fakten zur Intelligenten Vernetzung im Sektor Bildung, o.J., abrufbar unter www.bmwi.de (Stand v. 23.4.2018).

[27] Ebd.

[28] Wittpahl, S.67.

[29] Wittpahl, S. 69.

[30] Ebd.

[31] Wittpahl, S. 70.

[32] Ebd.

[33] Wittpahl, S. 71.

[34] Wittpahl, S. 72.

[35] Wittpahl, S. 73.

[36] Wittpahl , S. 87.

[37] BMWi (B), Netze neu nutzen, o.J., abrufbar unter www.bmwi.de (Stand 15.4.2018).

[38] BMWi (C), Fakten zur Intelligenten Vernetzung im Sektor Bildung, o.J., abrufbar unter www.bmwi.de (Stand 23.4.2018).

[39] Ebd.

Details

Seiten
39
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668775251
ISBN (Buch)
9783668775268
Dateigröße
601 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v437343
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Note
1,3
Schlagworte
technische möglichkeiten anwendungsfelder regelungsbedarf digitalisierung

Autor

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Titel: Technische Möglichkeiten, Anwendungsfelder und Regelungsbedarf der Digitalisierung