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Ein Vergleich von Textsorte und Textmuster

Hausarbeit 2017 13 Seiten

Didaktik - Deutsch - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Einleitung

2.) Hauptteil
2.1) Textsorte
2.2) Textmuster & Musterwissen
2.3) Kurzer Vergleich von Textsorte und Textmuster

Fazit

Literaturverzeichnis:

1.) Einleitung

Der Grund, dass ich diesen Text mit den Worten “Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit den Themen “Textsorte und Textmuster“…” einleiten könnte und sich der Großteil der Menschen etwas unter der allgemeinen Beschaffenheit des Textes vorstellen kann, soll zum Gegenstand dieser Hausarbeit werden. So löst auch dieser Satz gewisse Verknüpfungen und Assoziationen aus, die aktiviert werden und den Rezipienten verstehen lassen mit was für einer Sorte Text er es zu tun hat. Aufgrund einer gewissen Vorbildung erlangt durch Schule und Ausbildung finden wir uns in unserer durch Texte dominierten Welt zurecht und schaffen es sie auch selber zu reproduzieren. Dabei verfolgen wir gewisse Schemata, um in unterschiedlichen kommunikativen Situationen angemessen und erfolgreich agieren und reagieren zu können.

Ein Teil der Sprachwissenschaft und der Textlinguistik beschäftigt sich mit genau diesen Bereichen der Kommunikation und versucht seit einiger Zeit das Thema „Textsorte“ und das Thema „Textmuster“, sowie „Texttyp“ näher zu definieren, unterscheidbar und erkennbar zu machen. Unterschiedliche Forscher und Forschergruppen haben differenzierte Herangehensweisen an das Thema entwickelt, die hier kurz versucht werden darzustellen. Grundlegend geholfen haben mir bei dem Verfassen dieser Arbeit dabei drei Werke bzw. Autoren. Zum einen liegen der Arbeit Texte von Barbara Sandig zugrunde, die sich seit den 1970-er Jahren unteranderem mit den Themen Stil, Pragmatik, Textsorten, Textmuster und Musterwissen auseinandergesetzt hat und darüber auch ihre Habilitationsschrift an der Universität Heidelberg verfasst hat (Sandig, 1978). Zum anderen hält das „Internationale Handbuch zeitgenössischer Forschung der Text- und Gesprächslinguistik“ (Brinker, 2000) viele gut aufbereitete Texte zu diversen Themen der Textlinguistik bereit. Hier stand für meine Arbeit der Text von Wolfgang Heinemann zu dem Thema Textsorten (Heinemann, Textsorte, Textmuster, Texttyp, 2000) im Vordergrund der Betrachtung, von dem ich weiterführend viele andere Quellen erschließen konnte. Überblicksliteratur zu dem Thema findet sich ebenfalls gut aufgearbeitet bei Kirsten Adamzik. Hier war ihr Werk von 1995 „ Aspekte und Perspektiven der Textsortenlinguistik“ (Adamzik, 1995) wegbereitend, um sich dem Thema allgemein zu nähern.

Der Arbeit zugrunde liegt somit die Frage inwiefern sich Textsorte und Textmuster voneinander abgrenzen, wo die Gemeinsamkeiten liegen und inwiefern sich die textlinguistischen Unterscheidungen und Wichtigkeiten in der schulischen Ausbidlung niederschlagen. Der zuletzt angesprochene Punkt kann allerdings wiederum alleiniges Thema einer Hausarbeit sein und wird hier nur kurz angerissen. Die Schwierigkeit der Arbeit bestand hierbei zumeist die verschiedenen Werke Standpunkte allumfassend einzuarbeiten und sich auf eine Forschungspostion festzulegen. Besonders in Bezug auf die Merkmale der Textsorte gibt es sehr viele unterschiedliche Ansätze und Möglichkeiten das Themenfeld zu erarbeiten. Zusammenfasen ist es aber gelungen ein Überblick über gewisse Teile der Textlinguistik zu geben, die sich der Klassifikation von Texten auseinandersetzten.

2.) Hauptteil

2.1) Textsorte

Textsorten und ihre Namen wie zum Beispiel eine Nachricht, ein Rezept oder auch eine Gebrauchsanweisung sind in unserer Alltagssprache häufig verwendete Bestandteile der Kommunikation. Es wird sich über Textsorten ausgetauscht und dabei ohne viel Nachdenken eine Klassifizierung erstellt. In der Schule wird der Grundstock für die Erarbeitung der verschiedenen Kategorien von Textsorten gelegt. Ein typisches Beispiel ist hierfür das Schreiben eines Briefes oder das Verfassen eines Rezeptes nach genauen Vorgaben im Deutschunterricht.

Es ist dem Sprecher und dem Rezipienten also möglich sich über Textsorten auszutauschen und im weiteren Verlauf den Text, der mit der Textsorte in Verbindung gebracht wird, auch adäquat zu rezipieren (Heinemann, Textsorte, Textmuster, Texttyp, 2000, S. 507). Weiter bietet das Wissen über Texte und Textsorten einen allgemeinen Orientierungsrahmen für Prozesse der Textproduktion und des Textverstehens und, dadurch ein problemfreier Umgang mit neuen unbekannten Textsorten ermöglicht (Heinemann & Viehweger, Textlinguistik. Eine Einführung (= Reihe Germanistische Linguistik 115), 1991, S. 14).

Das metakognitive Wissen um die Erstellung von Texten ist somit eine Schlüsselqualifikation für das Rezipieren von Texten, die durch die Schule und später durch den Beruf oder die universitäre Ausbildung weiter vertieft wird. Die kommunikative Handlungsfähigkeit des Sprechers wird somit bestärkt, ein Zustand, der in der heutigen stark illustrierten und vertextlichten Welt eine große Bedeutung hat.

Aufgrund dieser Wichtigkeit haben sich verschiedenen Wissenschaften, wie die Psychologie oder die Soziologie mit dem Oberthema Textsorten bzw. Text im Allgemeinen angefangen auseinanderzusetzten (Heinemann, Textsorte, Textmuster, Texttyp, 2000, S. 507)

Grundlage, Voraussetzung und/oder die Folge davon waren und sind linguistische Modelle, die Textsorten versuchen zu klassifizieren und sie untersuchbar zu machen. Im Mittelpunkt der Betrachtung stand hierbei oftmals die frühe Formel von Peter Hartmann: „Textsorten sind Mengen von Texten mit bestimmten gemeinsamen Eigenschaften.“ (Hartmann, 1964). Diese recht pragmatische und einfache Definition sollte immer weiter aufgefächert werden und es rückten Fragen nach dem Textcharakter, der Beschaffenheit und der Funktion, sowie dem Erfüllen oder Nichterfüllen der Funktion eines Textes in den Mittelpunkt der Wissenschaft vom Text. Texte sollten also in anhand ihrer Gemeinsamkeiten oder ihrer Unterschiede in verschiedenen Sorten unterteilt werden und die Tatsache, dass in gewissen Situationen der Kommunikation immer wieder auf bereits vertraute Strukturierungen des Textes, sowie Wortreihungen oder Formulierungen zurückgegriffen wurde, veranlasste die Sprachwissenschaftler zu der Annahme, dass diese Häufung nicht zufällig, sondern auf die Kommunikationssituation abgestimmt erfolgte. Auch hier ist aber noch die Beliebigkeit des Begriffs Textsorte spürbar. Trotz dieser Uneindeutigkeit lassen sich laut Heinemann vier Grundkonzepte von einander abheben, die er in seinem Text aus dem Handbucht zeitgenössischer Forschung über Text- und Gesprächslinguistik vorstellt. (Heinemann, Textsorte, Textmuster, Texttyp, 2000, S. 509ff.) Es wird im Folgenden unterschieden zwischen dem Grammatikmodell, Themamodell, Situationsmodell und dem Funktionsmodell. Diese Modelle im Ansatz zu vereinen versuchen die Mehrebenenmodelle, die aber nur kurz Gegenstand dieses Kapitels werden. Die verschiedenen Modelle unterscheiden sich in der Art und Weise, wie sie Texte grundlegend und die zugrundeliegende Produktionsabsicht verstehen.

Das Grammatikmodell hat die Textstruktur im Vordergrund und versucht Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Texte anhand von grammatischen Strukturen herauszustellen. Textsorten werden in dieser Sichtweise wenig fest definiert, sondern größtenteils versucht voneinander abzugrenzen.

„Textsorten werden als dominant, formale und strukturelle Einheiten verstanden, die nach bestimmten von einer Textgrammatik zu liefernden Merkmalen bzw. Merkmalbündeln voneinander abzugrenzen sind“ (Heinemann, Textsorte, Textmuster, Texttyp, 2000, S. 510).

Grammatische Merkmale sind hierbei die Merkmale, die schlussendlich die Zugehörigkeit zu einer Textsorte definieren. Diese strukturalistische, inhaltsferne Definition ist schwer auf die Anwendung im Alltag zu übertragen. So kann ein Werbetext in Gedichtform präsentiert werden und sich z.B. der grammatischen Strukturen eines Sonettes bedienen und würde demnach mit eben diesen in eine Kategorie gesteckt werden. Dass die Grundposition und die Ansprache, sowie Intention des Textes grundverschieden ist, würde nicht miteinfließen in die Diskussion um die Zugehörigkeit eines Textes. Auch Heinemann bemängelt diese Art der Charakterisierung in Teilen und erklärt, dass grammatische Strukturen von Pressetexten oder Verträgen ähnlich sein können, sich aber in der Realität in zu vielen Dingen unterscheiden, als dass man sie zu einer gemeinsamen Textsorte zusammenfassen mag (Heinemann, Textsorte, Textmuster, Texttyp, 2000, S. 510).

Das Themamodell geht in einer ähnlichen Art und Weise von der Kategorisierbarkeit von Texten anhand wiederkehrender sich aufeinander beziehenden Textteilen aus und erweitert die Beziehung dieser Textteile von einer rein grammatischen auf eine semantische Struktur (Franke, 1991, S. 165). Ein Text wird demnach aufgrund eines Themas strukturiert. Ein weiterer Aspekt der Themenmodelle ist die Zusammenfassung von Textsorten unter grundthematischen Aspekten, wie Wissenschaft, Sport, oder z.B. Politik. Hier wird sich demnach stark von dem zugrundeliegenden Text entfernt. Für das Zuordnen einer Textsorte ist nur noch die thematische Aufarbeitung relevant. Auch hier wird recht schnell deutlich, dass dieses Prinzip Textsorten zu klassifizieren stark von der Alltagsvorstellung abweicht und einige Probleme mit sich bringt. Man stelle sich beispielsweise Wahlwerbung einer Partei und ein Artikel in einer Zeitung über die selbige Partei als eine Textsorte vor.

Ein Modell, das eine erste Vereinigung der beiden oben vorgestellten Modelle im Ansatz versucht, ist das Situationsmodell. Hempfer bescheinigt der Kommunikationssituation hierbei eine weitreichende Wichtigkeit in Bezug auf das Verfassen eines Textes und bezieht syntaktische und semantische Bestandteile gleichermaßen mit in das Modell ein (Hempfer, 1977, S. 7). Die Textsorte ergibt sich also aufgrund der Kommunikationssituation. Daraus hervorgehend wurden folgende Bestandteile der Kommunikation in Bezug auf das Situationsmodell näher untersucht: Das Medium, der Kanal, die Kommunikationsrichtung, der Handlungsbereich, die Umgebungssituation, die sinnlich wahrnehmbaren Handlungsfelder, Redekonstellationstypen, Anzahl der Gesprächspartner, der Bekanntheitsgrad dieser, soziale Beziehung zwischen den Gesprächspartnern und zusammengefasst die Bereiche der Kommunikation im Sinne der Funktion (Heinemann, Textsorte, Textmuster, Texttyp, 2000, S. 511). Diese Begrifflichkeiten haben sich im weiteren Verlauf in der Kommunikationswissenschaft niedergeschlagen und prägen dort gewisse Forschungszweige, die sich intensiv mit einzelnen Aspekten der aufgezeigten Bereiche auseinandersetzen (Medienwirkungsforschung, Kommunikatorforschung, Mediennutzungsforschung usw.). Im Vordergrund der Betrachtung der Kommunikation durch Sprachwissenschaftler stehen hier aber nur diejenigen Bereiche, die relevant werden, wenn es zu einer Situation kommt in der ein Text oder im weitesten Sinne ein Sprechakt vollzogen wird und aufgrund der den Akt umgeben Situation ein Text produziert wird, durch den auf die Situation reagiert wird. Sprache ist somit soziale Aktivität und eine Textsorte bzw. ein Text richtet sich nach dieser (Heinemann, Textsorte, Textmuster, Texttyp, 2000, S. 511).

Neben dem Situationsmodell gibt es ein weiteres Modell, das die kommunikative Situation und dadurch die Funktion eines Textes in den Vordergrund stellt. Das Funktionsmodell sieht Texte als Grund oder Ursache für eine Wirkung in Bezug auf einen Sprecher oder einen Rezipienten an. Ein Text wird demnach mit einer Absicht produziert bei dem Gesprächspartner etwas zu verändern oder zu bewirken und hat folglich eine Funktion (Heinemann, Textsorte, Textmuster, Texttyp, 2000, S. 513).

„Diese Funktionsmodelle (Franke 1991) sind teils aus dem Kommunikationsmodell Bühlers abgeleitet, teils gehen sie auf Leont’evs Tätigkeitsmodell vor allem aber auf sprechakttheoretische Grundlagen (insbesondere Searles Taxonomie) zurück.“ (Heinemann, Textsorte, Textmuster, Texttyp, 2000, S. 513)

Syntax und Semantik rücken hier im Vergleich zu den anderen Modellen in den Hintergrund und der Begriff der Funktion wird in den verschiedenen Ausführungen zu dem Thema unterschiedlich aufgefasst und ausdifferenziert. Ehlich formuliert dazu: „ Die Vielfalt sprachlichen Handelns ergibt sich aus der Vielfalt gesellschaftlicher Zwecke“, (Ehlich, 1986, S. 68). Mithilfe von sprachlichen Mitteln kann somit ein Ziel der Kommunikation festgelegt werden, das sich an gesellschaftlich normierten Konventionen der Gesellschaft orientiert. Auch hier gibt es Kritiker, die dieses Prinzip Textsorten anhand ihrer Funktion zu klassifizieren als zu einseitig empfinden und es nicht als alltagstauglich einstufen.

Isenberg ist einer dieser Kritiker und forderte Ende der 1970-er Jahre die Wissenschaftler dazu auf, einheitliche Kriterien zu finden, um Textsorten eindeutiger voneinander abzugrenzen. Er selbst versucht die Modelle zu vereinen und entwickelt daraus die Kriterien der Homogenität, Monotypie, Striktheit und Exhaustivität, die die Komplexität des Begriffs der Textsorte aber auch nicht schafften einzudämmen (Isenberg, 1978, S. 572).

Auch hier kommt es nicht zu einer klaren Definition von Textsorte, die Heinemann aber versucht zu resümieren:

Textsorten werden als sprachliche Manifestationen von auf Textganzheiten bezogenen kognitiven Mustern gefaßt (als finite Mengen von durch Übereinstimmung bestimmter Merkmale gekennzeichneten Textexemplaren), die sich zur Erreichung spezifischer Interaktionsziele als effektiv erwiesen haben.“ (Heinemann, Aspekte der Textsortendifferenzierung, 2000, S. 523)

[...]

Details

Seiten
13
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668781184
ISBN (Buch)
9783668781191
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v437085
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – IDSL II
Note
1,3
Schlagworte
Textsorte Textmuster Linguistik Sprachwissenschaft

Autor

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Titel: Ein Vergleich von Textsorte und Textmuster