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Eine ethische Abhandlung zum unternehmerischen Denken und Handeln in der Sozialen Arbeit

Hausarbeit 2018 25 Seiten

Ethik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung.. 3

2. Grundlagen der Ethik und Reflexion ethischer Theorien aus unternehmerischer und sozialarbeiterischer Perspektive.. 5

2.1. Definition Ethik und Moral ..5

2.2. Zugänge und Herangehensweisen.. 6

2.2.1. Philosophische und theologische Ethik.. 6

2.2.2. Grundlagenethik und angewandte Ethik.. 7

2.3. Reflexion themenrelevanter Ethiktheorien.. 7

2.3.1. Utilitarismus John Stuart Mill und Weitere.. 8

2.3.2. Pflichtethik Immanuel Kant.. 10

3. Ökonomische Prinzipien und ethische Auseinandersetzung.. 11

3.1. Marktprinzip.. 11

3.2. Mikroökonomische Grundlagen und Ziele unternehmerischen Handelns.. 12

3.3. Humanökonomischer Wandel Homo Oeconomicus versus Homo Empathicus.. 14

3.4. Angewandte Ethik der Wirtschaft und des Sozialen.. 15

4. Soziale Arbeit und Unternehmertum in der Sozialen Arbeit unter ethischen Gesichtspunkten ..17

4.1. Menschenrechte und ethische Maxime der Profession.. 17

4.2. Ethiktheoretische Beziehungen..18

4.3. Metaethische Diskussion der Begrifflichkeiten.. 18

4.4. Dilemma unternehmerischen Denkens und Handelns in der Sozialen Arbeit.. 19

4.5. Ethisch vertretbares Unternehmertum und Zukunftsaussichten.. 20

5. Schluss.. 20

6. Quellen- und Literaturverzeichnis.. 23

1. Einleitung

„Ethik, die zur Sozialen Arbeit gehört, betrifft nicht nur einen Teil, nicht nur einen Ausschnitt, nicht nur ein Niveau – sie umfasst das Ganze, durchdringt Praxis und Theorie und verlangt nach wissenschaftlicher Positionierung […]“ (2013, S. 14), so leitet Thomas Schumacher sein Lehrwerk „Lehrbuch der Ethik in der Sozialen Arbeit“ ein. Diese Formulierung des philosophischen Autors positioniert die Ethik im Zentrum der Wissenschaft der Sozialen Arbeit und ihrem praktischen Handeln. Weitergehend entwickelt er, dass die Soziale Arbeit in der Lage ist, die Lebensqualität unserer Gesellschaft zu sichern (vgl. Schumacher, 2011c, S. 260, zit. n. Schumacher, 2013, S. 15). Zu Beginn der Recherche stellt sich die Frage nach dem Grund für die Verankerung der Sozialen Arbeit. Zum einen begonnen in einer historisch entwickelten Fürsorge, liegt diese Verankerung jedoch auch in unserer Staatsform begründet.

Die an der sog. Sozialstaatsklausel des Art. 20, I GG orientierte Sozialpolitik der Bundesrepublik impliziert einen generealisierten Anspruch der Bürger auf gesellschaftliche Teilhabe in allen relevanten Lebensbereichen […]. (Plankensteiner, 2013, S. 43)

Die Sozialstaatklausel legt somit den Grundstein unseres Auftrags, die Sicherung der Lebensqualität. Dieser Sozialstaat geriet jedoch in eine Krise (vgl. ebd., S. 45 - 47). Der Ruf nach Veränderungen wurde laut. Die sozialen Leistungen seien so hoch, dass die Bürgerinnen und Bürger in Lethargie verfallen würden und ihre private Verantwortung selber nicht tragen würden (vgl. Braun/Klages 2000, zit. n. Plankensteiner, 2013, S. 56). Die Aufgabe der Sozialpolitik ist es diese Veränderungen zu lenken oder einzuleiten (vgl. Boeckh, et.al., 2017, S.2). Mit Beginn der Rot-Grünen Regierung 1998, wurden sozialpolitische Änderungen und Privatisierung beispielsweise in der Altersvorsorge oder Arbeitslosensicherung eingeleitet. Die Menschen sollten nicht mehr entmündigt, sondern eigenverantwortlich aktiv werden. Diese Veränderungen sind heute weitreichend in der Gesellschaft im privaten, wie im öffentlichen Raum spürbar. Seither verändert sich auch die Soziale Arbeit von der begleitenden hin zur aktivierenden Sozialen Arbeit. Die Soziale Arbeit stürzte bedingt durch diese Veränderungen in eine Identitätskrise, die es bis heute zu überwinden gilt. Legitimierte sich die Soziale Arbeit in früheren Zeiten durch ihre ethischen Vorstellungen Menschen zu begleiten, ist sie nun gefordert die Menschen zu aktivieren und muss sich selbst neuen Anforderungen stellen, die ihre Existenz rechtfertigen. Das Berufsverständnis Sozialer Arbeit wirkt dadurch momentan gespalten und uneins (vgl. Schumacher, 2013, S.14).

Ebenso wie weitere soziale Bereiche ist sie nun von ökonomischen Messverfahren, Einsparungen und Prozessen umgeben, die ihre eigene Legitimation in Frage stellen. Sichtbar wird dies an in der Sozialen Arbeit auftauchenden Konzepten wie Empowerment, Resilienzförderung, Hilfepläne, Zielvereinbarungen, etc. Diese tragen nicht nur dem Versuch Rechnung, dem Menschen Unterstützung zu bieten, sondern auch dem aktivierenden ökonomischen Druck standzuhalten und aufzuzeigen, dass die Soziale Arbeit es schafft, Menschen zu aktivieren, um ökonomisch vorgegebene Ziele einzuhalten. Nun ist die Frage, wen die Soziale Arbeit vorrangig sieht. Den Menschen, den sie in seiner Lebensführung unterstützen möchte, oder den oben aufgeführten Gedanken des Ausmerzens der Lethargie. Deutlich wird, dass sich die Soziale Arbeit durch die Transformation des Sozialstaates mit der Ökonomisierung aufgrund begrenzter Ressourcen auseinandersetzen muss. Durch die Wandlung unseres Sozialstaates und durch die Tatsache, dass die Soziale Arbeit ein öffentliches Gut ist, ist sie direkt von den Veränderungen betroffen. Ein Beispiel hierfür ist die Einführung des Neuen Steuerungsmodells in den 90er Jahren. So schreibt Plankensteiner, (2013, S. 16) „Unter dem Label Ökonomisierung des Sozialen werden all jene Prozesse und Praktiken verhandelt, die dazu beitragen die freie Wohlfahrtspflege in wettbewerbsfähige Unternehmen zu transformieren“.

Der dritte Sektor, der unter Auflagen einen großen Teil des sozialen Bereiches abdeckt, zählt mittlerweile zu einem schnellwachsenden Markt. In den Medien ist seither die Diskussion darüber entfacht, dass die Schere auseinandergeht, immer mehr Menschen unter größerer Armut leiden und auf der anderen Seite mehr Geld angehäuft wird. Die Unterstützung dieser Menschen z.B. in Form Sozialer Arbeit verändert sich. Sie wird unter Sparzwängen und Auflagen immer fordernder, auch bedingt durch ihren eigenen Legitimationsdruck. In vielen Bereichen, z.B. in der Jugendhilfe wird die Privatisierung vorangetrieben und rückt somit auch das unternehmerische Denken und Handeln immer mehr in den Fokus der Sozialarbeitenden. Dies birgt ethische Fallen in der Sozialen Arbeit.

Der dritte Sektor, der einstmals hauptsächlich durch Non-Profit-Organisationen geprägt war, bringt immer mehr gewinnorientierte Unternehmen wie z.B. die Social Entrepreneure hervor. Die Social Entrepreneure sehen die ursprüngliche Soziale Arbeit als ineffizient, ineffektiv und betiteln sie als Zuarbeiterin des Staates und vorhandener Strukturen (vgl. Dölle, 2011, S. 208 - 210). Auf welcher Grundlage entstand diese scharfe Kritik? Bedingt durch die Unsicherheit im Zuge der Ökonomisierung, geraten die Grundfesten der Sozialen Arbeit ins Wanken. Die Soziale Arbeit kann mehr als nur Hilfe gewähren und Aktivieren, sie sichert die gesellschaftlichen Zusammenhänge (vgl. Schumacher, 2013, S. 15). Ein Versuch diese Probleme zu lösen, stellt das Unternehmertum.

Die Fragestellungen, unter den angeführten Veränderungen und Problematiken lautet daher: Wie verhält sich das Gefüge zwischen Sozialer Arbeit, unternehmerischem Denken und Handeln und ökonomischen Prinzipien unter ethischem Blick?

Wie kann sich die soziale Arbeit in ihrer eigenen Art und Weise legitimieren und dem ökonomischen Druck standhalten?

Der erste Teil der Arbeit befasst sich zur Beantwortung der Fragestellung, mit der ethischen Theorie. Der Unterschied zwischen Ethik und Moral sowie für das Thema relevante ausgewählte Theorien der Ethik werden hier erarbeitet. Im weiteren Verlauf werden die Grundlagen des Marktes und die Ziele des unternehmerischen Denkens erläutert. Den Abschluss der Arbeit bildet eine Verknüpfung zwischen den Grundlagen des Wirtschaftens in Verbindung mit den ethischen Vorstellungen der Sozialen Arbeit, sowie dem unternehmerischen Denken in der Sozialen Arbeit. Eine abschließende Schlussbetrachtung rundet die Arbeit ab.

2. Grundlagen der Ethik und Reflexion ethischer Theorien aus unternehmerischer und sozialarbeiterischer Perspektive

Innerhalb des ersten Kapitels dieser Abhandlung, wird sich mit den Grundbegriffen der Ethik auseinandergesetzt. Es soll geklärt werden, wie sich Ethik und Moral voneinander abgrenzen und welche unterschiedlichen Herangehensweisen zur Ethik es gibt. Der Unterschied zwischen angewandter und Grundlagenethik, sowie der Grund für die Wichtigkeit theoretischer Hintergründe werden aufgezeigt. Weiterhin werden ethische Theorien erörtert, die das Thema berühren. Die Erarbeitung dieser theoretischen Zusammenhänge ist für das tiefgreifende Entwickeln und Verständnis eines ethischen Zusammenhangs von zentraler Bedeutung. Diese Erkenntnis ist für die Füllung ethischer Grundbegriffe unabdingbar, da sie ohne theoretische Betrachtung jederzeit durch subjektive Vorstellungen gefüllt werden könnten. Die Übertragung subjektiver Vorstellungen widerspricht einer ethischen Auseinandersetzung, da die Ethik sich vom Grundsatz her als Wissenschaft moralischer Vorstellungen versteht und die innere und äußere Diskussion mit subjektiven Werten zu entfachen versucht.

2.1. Definition Ethik und Moral

Unter Moral sammeln sich alle Bezugspunkte, die die Ethik betreffen möchte (vgl. Schumacher, 2013, S.40). Moral bildet Normen und Verhaltenserwartungen ab und neigt zur Vereinzelung (vgl. Hoerster, 2003, S.61, zit. n. Schumacher, 2013, S. 41). Eine klare und allgemeingültige Abgrenzung zwischen den Begriffen Ethik und Moral gibt es nicht, allerdings gibt es auch keine vollständige Überschneidung dieser (vgl. Schlittmaier 2014, S.23). Häufig taucht in der Literatur eine Abgrenzung dahin gehend auf, dass Moral als subjektiv gefüllter Begriff des Alltags verwandt wird, der über das subjektive Handeln hinaus für eine gelingende Gemeinschaft durch ethische Grundlagen reflektiert werden muss (vgl. Schumacher 2013, S. 39 – 42). Jedoch gilt Moral nicht als vollständig subjektive Sichtweise. Sie bezieht auch die Bildung und somit die Weitergabe moralischer Werte innerhalb einer Gemeinschaft ein. Viele moralische Entscheidungen und Handlungen, erhalten ihre moralische Wertung durch die Gesellschaft, wie z.B. ihr Standpunkt zu Ehen mit Kindern. Somit sind sie nicht mehr rein subjektiv (vgl. Schlittmaier, 2014, S.23). Die Herleitung des Begriffs Ethik erfolgt durch den Wortursprung èthos, gefüllt durch Aristoteles, der für die wissenschaftliche Begründung der philosophischen Ethik benannt wird (vgl. Schumacher, T., 2013, S.39).

„Aristoteles bestimmt Ethik als Tugend (aretè) und damit als `lobenswerte Haltung` (hexis), […] “ (Schumacher, 2007, zit. n. Schumacher, 2013, S.40). Der weitgehend anerkannte Zugang zur Ethik, ist das Ethik die Wissenschaft der Moral bildet. (vgl. Schumacher, 2013, S.44)

2.2. Zugänge und Herangehensweisen

Vorab erscheint die ethische Wissenschaft ein schwer zu überschauendes Feld zu sein. Ethik unterliegt gesellschaftlich bedingt stetigen Wandlungen und scheint durch ihre Historie in einer Widersprüchlichkeit zu enden. Bei nähren Recherchen, lassen sich jedoch Strukturen finden und in einen Zusammenhang bringen. Die unterschiedlichen Zugänge und Einteilungen werden in den folgenden Unterpunkten erörtert.

2.2.1. Philosophische und theologische Ethik

Ethische Philosophen wie Sokrates und Aristoteles etc. sind in unserem Allgemeinwissen verankerte Größen. Gleiches gilt für theologische Ethiker wie Jesus, Mohammed etc. (vgl. Spaemann, 2007, S. 11). Auch wenn der Begriff der Ethik nicht in jedem Menschen eine Wiedererkennung erzeugt, sind fast jedem diese Personen und ihre Wertvorstellungen geläufig.

Obwohl die theologische Ethik die Soziale Arbeit in vielen Bereichen berührt und für die Verfasserin persönlich die evangelische Ethik relevant ist, hält sich diese ethische Ausarbeitung an dieser philosophischen Ethik, um ihr einen allgemeingültigen konfessionsfreien Charakter zu verleihen. Es wird dennoch einen kurzen Aufriss dieser beiden unterschiedlichen Herangehensweisen der Vollständigkeit halber und zur besseren Zuordnung gegeben.

Die theologische Ethik ist eher anwendungsorientiert. Sie gibt Anleitungen für das gute gemeinschaftliche Leben (vgl. ebd.). Hierfür stehen beispielsweise die 10 Gebote. In der theologischen Ethik, wird ein fester Handlungsrahmen gegeben. Die Umsetzung dieser Wertevorgaben unterscheidet sich innerhalb der Konfessionen, so kann es sich um Gebote oder sogar um Verbote handeln. Die philosophische Ethik vor allem in der Grundlagenethik bleibt subtiler. Die philosophische Ethik versteht sich nach Spaemann (2007, S. 12) als wissenschaftliche Diskussion vorhandener Moralvorstellungen mit sich selbst oder der Gesellschaft. Sie zeigt auf, was gutes gemeinschaftliches Leben ist, gibt aber im Gegensatz zur theologischen Ethik wie z.B. innerhalb der Gebote keine so konkreten Verhaltensweisen vor. Ethische Begriffe bedürfen einer Füllung durch die Gemeinschaft (vgl. Schuhmacher, 2013, S. 44).

Ethik ist somit die Wissenschaft, die moralische Grundsätze untersucht und bewertet. Sie verändert sich stetig im Wandel der Gesellschaft. Im Zuge der heutigen immer fortschreitenden Verknappung der Ressourcen und somit der einhergehenden Ökonomisierung auch der Sozialen Arbeit ist es elementar sich in der Profession und ihrer Praxis für eine ethische Umsetzung der Ökonomisierung einzusetzen.

2.2.2. Grundlagenethik und angewandte Ethik

Weiterhin unterteilt sich die philosophische Ethik in zwei große Bereiche, die Grundlagenethik und die angewandte Ethik (vgl. Großmaß, 2011, S.22-23).

Vorerst wollen wir uns mit der Grundlagenethik befassen. Sie bildet das Fundament der angewandten Ethik, dennoch steht sie der angewandten Ethik gegenüber (vgl. ebd.). Hier wird in drei verschiedene Betrachtungsweisen unterteilt. In die empirische Ethik, die normative Ethik und die Metaethik. Die empirische Ethik befasst sich mit dem was tatsächlich an Moralvorstellungen vorhanden ist, sie setzt sich somit mit den Fakten und deren Gründen auseinander, bewertet diese jedoch nicht. (vgl. Schlittmaier 2014, S.26). Die normative Ethik bewertet die Begründungen und nimmt somit keine wertfreie Position ein. (vgl. ebd., 2014, S.27).

„Die Metaethik beschäftigt sich mit dem ethischen Diskurs, […]“ (Großmaß 2011, S. 24).

Die Metaethik wird diese Arbeit vor allem im Teil der sprachlichen Diskussion treffen. Was ist der „Kunde“, “Klient“ oder der „Hilfesuchende“ der Sozialen Arbeit? Hier wird sich auf metaethischer Basis mit Begrifflichkeiten auseinandergesetzt, die die Wahl der Bezeichnungen in der Sozialen Arbeit unter unternehmerischen und professionsethischen Gesichtspunkten aufgreift und bewertet.

Die angewandte Ethik bezieht sich auf das praktische, ethische Handeln innerhalb verschiedenster Aufgabenfelder. So gibt es nahezu für jeden Bereich eine ethische Auseinandersetzung, hier seien erwähnt politische Ethik, ökologische Ethik, ökonomische Ethik und die hier neben der ökonomischen Ethik relevanteste, die Sozialethik (vgl. Großmaß 2011, S. 25).

2.3. Reflexion themenrelevanter Ethiktheorien

Dieses Kapitel wird sich mit ausgewählten ethischen Theorien auseinandersetzen. Die Theorie des Nutzens von John Stuart Mill schafft eine Grundlage für die unternehmerischen Entscheidungen, die getroffen werden. Wirtschaftswissenschaftler befassen sich vorwiegend mit dem Gedanken des Nutzens, so betrifft diese Theorie auch das unternehmerische Denken und Handeln im sozialen Bereich. Als Gegenpol zum Utilitarismus wird hier die Pflichtethik der Niederschrift Kants Grundlegung zur Metaphysik der Sitten von 1785 herangezogen.

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Titel: Eine ethische Abhandlung zum unternehmerischen Denken und Handeln in der Sozialen Arbeit