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Humboldts Sprache des Denkens und Hackers Kritik

Hausarbeit (Hauptseminar) 2018 18 Seiten

Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.0 Einleitung

2.0 Humboldts Verständnis von Sprache
2.1 Energeia
2.2 Form der Sprache
2.3 Idee vom Weltbild
2.4 Sprache als Organismus

3.0 Kritiken von Humboldt, Heidegger, Nietzsche und Wittgenstein
3.1 Humboldts Kritik an Kant
3.2 Kritiken an Humboldts Sprachtheorie

4.0 Fürsprecher der Humboldtschen Theorie

5.0 Aktuelle Kritiken von Schumann und Hacker
5.1 Kritik von Schumann
5.2 Kritik von Hacker

6.0 Fazit

1.0 Einleitung

In dieser Hausarbeit wird die sprachphilosophische Auffassung von Humboldt anhand der Aufteilung nach Energeia, Form der Sprache, Idee vom Weltbild und Sprache als Organismus1 dargestellt, um der Frage nachzugehen, ob die Sprache das Organ des Denkens ist. Zu Humboldts Sprachauffassung ist zu sagen, dass seine Theorie zwar in vier Teile aufgeteilt werden kann, jedoch in ein und demselben Zusammenhang, als eine ganze Idee, gedacht werden muss2. Man kann die einzelnen Teile nicht ohne die anderen, für sich alleinstehend, betrachten, um Humboldt zu verstehen. Diese einzelnen Teile werden im weiteren Verlauf noch zu erläutern sein. Im Anschluss daran werden einige Kritikpunkte an dieser Theorie kurz dargelegt, die aus der herangezogenen Literatur hervorgingen, um aufzuzeigen welche Punkte Humboldt selbst nicht bedachte. So zum Beispiel Heidegger, Nitzsche und Wittgenstein als Vertreter eines Universalismus, allerdings gab es auch Befürworter der Humboldtschen Theorie. Auch diese werden kurz dargestellt. In neuer Zeit wurde Humboldts Position von Schumann und Hacker kritisiert. Diese Kritik wird am Ende der vorliegenden Arbeit aufgegriffen, wobei hier hauptsächlich auf die Arbeit von Schumann Bezug genommen wird, da hierin auch die Position von Hacker mit einbezogen wurde und die Position von Schumann zudem auch dem aktuellsten und neusten Stand entspricht.

Bei der Darstellung der Sprachtheorie von Humboldt, in der er der Frage nachgeht, wie die Sprache mit dem Denken und der Welt im Zusammenhang steht3, stößt man zunächst auf die Problematik, dass Humboldt selbst in seinen Ausführungen nicht systematisch vorgeht. Eine Systematik darzustellen zeigt sich auch als sehr schwierig, weil eben für Humboldt alles mit allem in einem großen Zusammenhang steht und nicht eins auf das andere aufbaut oder daraus hervorgeht.

Im Verlauf dieser Arbeit werden auch Beispiele zur Verdeutlichung gebracht, allerdings ist es nicht immer ganz eindeutig, wo dieses Beispiel, respektive der Teil der Theorie unter der oben genannten Aufteilung, anzusiedeln ist. Hierzu wird im Text aber auf die Zugehörigkeit bzw. Verbindung zu mehreren Teilen nochmal hingewiesen.

Für die Theorie von Humboldt stellt sich zuerst die Frage, wo man mit seinen

Ausführungen beginnen soll. Wo ist bei einem Reifen der Anfang? Humboldt selbst folgte, vielleicht auch daher, bei seiner Darstellung seiner Intuition4. Für diese Arbeit, halte ich mich an die Aufteilung, die Coserius im Band 2 seiner Geschichte zur Sprachphilosophie5 aufnahm, da dieser Weg und die Trennung der doch zusammengehörenden Teile praktisch und didaktisch einen gewissen Sinn zu machen scheint. „Zu machen scheint“ deshalb, weil, wie schon gesagt, aber um es nochmals zu betonen, diese Trennung für eine Charakterisierung nicht ausreicht6.

2.0 Humboldts Verständnis von Sprache

In diesem ersten Teil der Arbeit wird nun die Theorie von Humboldt, aufgeteilt nach den oben schon genannten vier Teilen aufgezeigt, um Humboldts Verständnis von Sprache zu vermitteln.

2.1 Energeia

In Anlehnung an Aristoteles versteht Humboldt Sprache als Energeia, also als „Thätigkeit“7, als das “Insgesamt der konkreten Arbeiten des menschlichen Geistes“8, das Insgesamt ist nach Humboldt „die Gesamtheit der inneren Erscheinungen, Empfindungen und Gesinnungen“9, eben all das, was in uns vorgeht und sich als „Schöpferische Tätigkeit in der Sprache äußern“10 kann und damit auch zur Natur des Menschen gehört, also so auch keinen Ursprung hat. Bei Humboldt selbst liest man: „…wie es aus ihrer Natur selbst hervorgeht, der Seele in ihrer Totalität gegenwärtig...“11. Die Sprache ist also etwas Gemachtes. Das Gemachte hat dann den Ursprung nur im Augenblick, im immer wieder neu Gemachten als Tätigkeit des neu Erschaffenen12.Somit ist die Sprache also kein Ergon (Werk), das als etwas Fertiges und Ganzes uns so vorliegt, sondern eine Tätigkeit, etwas, das in zwischenmenschlichen

Beziehungen und Unterhaltungen zum Vorschein kommt. Hier entsteht es immer wieder aufs Neue, durch die Bildung immer wieder neuer Sätze mit den uns bekannten Begriffen. Die Sprache ist eben nichts starres, festgeschriebenes, sondern wird in jedem Gespräch und immer wieder neu formuliert, den Umständen und dem Zusammenhang, in dem die Wörter benutzt werden, angepasst. Es wäre ohne Sprache schlichtweg keine verbale Kommunikation möglich, es könnte keine ausreichende Unterhaltung geführt werden, und so ist die Sprache das unverzichtbare Mittel dazu. Alles was der Mensch einem anderen Menschen mitteilen möchte, oder von ihm mitgeteilt bekommt, muss in und über Sprache kommuniziert werden.

2.2 Form der Sprache

Aristoteles Theorie, der Hylemorphismus, also das Paradigma, das besagt, dass eine Materie immer auch eine Form hat und es das eine nicht ohne das andere geben kann, lässt sich auch auf die Sprache übertragen. So hat eben zum Beispiel jeder Gegenstand (ein Teller) eine Materie (Plastik) aus der dieser gefertigt wurde und jede Masse (Plastik) eine bestimmte (Teller) oder noch wenig bestimmte (Plastik, bevor es in die bestimmende Form gegossen wird) Form.

Auf die Sprache übertragen ist demnach der Stoff das Gestaltete, also das, was in der Aussprache Gestalt annimmt, das, was gesagt wurde. Es ist mit den Worten von Coserius statisch und passiv13 und durch die Formgebung werden daraus die Wörter und die Begriffe für die Grammatik14 geformt. Die Gestaltung des außersprachlichen kommt durch den Wortschatz zustande. Die Wörter finden durch die Grammatik ihre Gestalt, die Grammatik wiederum durch ein bestimmtes System und dieses System wiederum durch den Sprachtypus15. Coserius schreibt im Weiteren sinngemäß, dass unter den formativen Tätigkeiten die Sprache die primäre Tätigkeit ist, da sie allen anderen Tätigkeiten vorausgeht16. Hier zeigt sich auch wieder die Problematik einer Aufteilung der Sprachtheorie von Humboldt. In dem Übergang vom Wort zur Grammatik, über ein System hin zum Sprachtypus, der der Sprache dann ihre Form gibt, der Vorgang an sich aber eben eine Tätigkeit und somit Energeia ist, passt dieses Beispiel sowohl zum Kapitel „Energeia“ als auch zu „Form der Sprache“. Es ist bei Humboldt, wie schon eingangs gesagt, alles mit allem verbunden.

Hingegen ist die Form das Gestaltende, das, was dynamisch und aktiv17 ist und immer wieder neu formt und bei jeder neuen Unterhaltung auch wieder eine neue Form gibt, denn „ihr gleichsam todter Theil muss immer im Denken aufs neue erzeugt werde“18. So ist die Sprache aber auch ein Vermittler. Sie steht in der Mitte zwischen der Welt, die auf uns einwirkt (Gegenstände oder ein anderes Ich, das Du) und dem eigenen Ich. Durch den Begriff wird der Gegenstand zwischen der Außenwelt und dem Ich vermittelt. Darauf wird weiter unten, bei dem Beispiel mit dem Pferd19, noch genauer eingegangen. Auch hier ist wieder die Verschränkung und Zusammengehörigkeit der Theorie zu bemerken, dass alles mit allem zusammengehört.

Das Wort ist also die Form des Gegenstandes und mehr noch, „Sprache ist die Form der Erfahrung des Außersprachlichen“20. So hat jede einzelne Sprache und die dazugehörende Grammatik auch ihre eigene mehr oder weniger bestimmte Form. Die Form lässt sich noch weiter in „innere“ und „äußere“ Form aufteilen. Das Konzept der „inneren Form“ begegnet uns schon bei Aristoteles, der das Ding/Abbild mit den Bewusstseinsinhalten gleichsetzt, da diese für Aristoteles identisch sein müssen. Dies entspricht bei Humboldt dem Sprachbau, der diesem auch den Namen „innere Form“ gab21. Der inneren Form gegenüber steht also die äußere Form, die die Gestaltung der lautlichen, materiellen Seite der Sprache ist22.

2.3 Idee vom Weltbild

Über die äußere Form der Sprache können wir die Gegenstände, die uns umgeben, benennen und ihnen einen Ausdruck verleihen. Durch Sprache haben wir damit einen Zugang zur Welt. Mit Sprache haben wir aber nicht nur einen Zugang zur Welt, sondern Sprache ist der allererste Zugang überhaupt und damit fundamental, um überhaupt als Mensch in einer Gesellschaft, in der jeweiligen Kultur bestehen zu können, denn die Sprache ist der Schlüssel zum und Schema des menschlichen Überhaupt23. Was bei Coserius „Idee vom Weltbild“24 genannt wird, nennen Posselt und Flatscher, nach Humboldt, „Sprache als Medium der Welterschließung“25. Allerdings ist die Sprache auch „die erste nothwendige Stufe“26, wenn es darum geht, sein eigenes Inneres zu beschreiben und so ein Selbstverständnis zu haben.

Nun ist es also so, dass die Sprache die geistige Tätigkeit subjektiv27 darstellt. Doch wie ist das zu verstehen?

Durch den Terminus „subjektiv“ wird schon gezeigt, dass es sich hier um eine höchst private Angelegenheit handelt, denn all unsere Erfahrung, ob positiv oder negativ, fließt stets in unsere Wahrnehmung (Wahrnehmungsepisode der Psychologie, die besagt, dass man „sehen“ als reine Funktion von „wahrnehmen“ von „erkennen“ von „etwas als etwas Bestimmtes erkennen“ unterscheiden muss), mal mehr und mal weniger bewusst, und in die daraus hervorgehende Deutung mit ein. Humboldt bemerkte, dass: „Die äusseren, zu allen Sinnen zugleich sprechenden Gegenstände“28 und die Bedeutung eines Begriffs so in einem engen Zusammenhang stehen, dass man diesen nicht leicht wiedergeben kann.

Im Studienbrief Seite 72ff findet sich das Beispiel mit dem Pferd. Wir sehen ein Pferd oder einen anderen Gegenstand, und dies ist der Eindruck, also das, was in unserer Wahrnehmung dann bemerkt und als etwas Bestimmtes erkannt wird. Die Sprache übersetzt den Gegenstand für uns. In unserer Seele wird sodann das Bild vom Pferd erzeugt. Humboldt schreibt hierzu, dass nicht jeder dieselbe Vorstellung vom Pferd hat, und „Alles Verstehen ist daher immer zugleich ein Nicht-Verstehen, alle Uebereinstimmung in Gedanken und Gefühlen zugleich ein Auseinandergehen“29. Kant und Humboldt stimmen darin überein, dass es kein absolutes Verstehen und Erkennen geben kann30.

[...]


1 Coserius. Geschichte der Sprachphilosophie. Band 2. Seite 3582 Coserius. Ebd. Seite 358

3 Posselt / Flatscher. Sprachphilosophie. Eine Einführung. Seite 61

4 Coserius, Geschichte der Sprachphilosophie. Band 2. Seite 371

5 Coserius. Ebd. Band 2

6 Coserius. Ebd. Band 2 Seite 359

7 Humboldt. Sprachbau und Entwicklung des Menschengeschlechts. Seite 418

8 Ölmüller. Philosophische Arbeitsbücher 8. Diskurs Sprache. Seite 32

9 Humboldt. Sprachbau und Entwicklung des Menschengeschlechts. Seite 395

10 Coserius. Geschichte der Sprachphilosophie. Band 2. Seite 358

11 Humboldt. Sprachbau und Entwicklung des Menschengeschlechts. Seite 458

12 Coserius. Geschichte der Sprachphilosophie. Band 2. Seite 455

13 Coserius. Geschichte der Sprachphilosophie. Band 2. Seite 358

14 Coserius. Ebd. Band 2. Seite 443

15 Coserius. Ebd. Band 2. Seite 455

16 Coserius. Ebd. Band 2. Seite 455

17 Coserius. Geschichte der Sprachphilosophie. Band 2. Seite 358

18 Humboldt. Sprachbau und Entwicklung des Menschengeschlechts. Seite 43819 Humboldt. Ebd. Seite 559

20 Coserius. Geschichte der Sprachphilosophie. Band 2. Seite 358 21 Coserius. Geschichte der Sprachphilosophie. Band 1. Seite 92 22 Coserius. Geschichte der Sprachphilosophie. Band 2. Seite 441 ff

23 Coserius. Geschichte der Sprachphilosophie. Band 2. Seite 359

24 Coserius. Ebd. Seite 358

25 Posselt / Flatscher. Sprachphilosophie. Eine Einführung. Seite 19

26 Humboldt. Sprachbau und Entwicklung des Menschengeschlechts. Seite 414 27 Posselt / Flatscher. Sprachphilosophie. Eine Einführung. Seite 71 28 Humboldt. Sprachbau und Entwicklung des Menschengeschlechts. Seite 452 29 Humboldt. Ebd. Seite 439

30 Vgl. Studienbrief. Seite 74 ff

Details

Seiten
18
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668771703
ISBN (Buch)
9783668771710
Dateigröße
675 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v436890
Note
2,7
Schlagworte
humboldts sprache denkens hackers kritik

Autor

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