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Wie definiert Gustav Schmoller den Großbetrieb des 18. Jahrhunderts mit Bezug auf frühere Verhältnisse und die soziale Differenzierung?

Essay 2015 5 Seiten

Geschichte - Sonstiges

Leseprobe

Essay: Wie definiert Gustav Schmoller den Großbetrieb des 18. Jahrhunderts mit Bezug auf frühere Verhältnisse und die soziale Differenzierung?

Großbetriebe hatten früher wie heute eine große Rolle in der Entwicklung der Staaten und der allgemeinen Bevölkerung. Gustav Schmoller versuchte diese, im 18. Jahrhundert noch junge Erscheinung in Relation zu den früheren Verhältnissen zu setzen, sowie in Betrachtung des damals vorherrschendem Zeitgeistes zu definieren und zu verstehen. Dazu bringt er die Ideen der sozialen Differenzierung und Klassenbildung ein und erklärt, warum diese einen Einfluss auf den Wechsel vom Klein- zum Großbetrieb haben.

Der Ursprung des Großbetriebs war nach Schmoller die Familienwirtschaft. Diese beschreibt er so, dass alle Berufstätigen, wie zum Beispiel Bauern oder Handwerker, einen eigenen Haushalt betrieben, welcher sowohl dem Familienleben, als auch dem Geschäft diente. Diese Form des Familienlebens definiert Schmoller als Familiengenossenschaft. Innerhalb dieser Familiengenossenschaft sei nach Schmoller ein arbeitsteiliger Geschäftsmechanismus vorhanden gewesen, der durch die Familienoberhäupter, also Vater und Mutter, geleitet wurde und in dem sowohl Knechte als auch Kinder nur untergeordnet waren. 1

Den geschäftlichen Aspekt begründet er damit, dass das erwirtschaftete Einkommen nicht an eine Person alleine, sondern vielmehr an die gesamte Familie geht. Der geschäftliche Aspekt war jedoch stets dem familiären untergeordnet. Dies ließe sich nach Schmoller daran erkennen, dass das geschäftliche Handeln und Denken nicht auf Gewinnmaximierung ausgerichtet war, sondern nur dazu diente allen Mitgliedern einer Familiengenossenschaft ein geregeltes Auskommen zu ermöglichen.

Dies führte nach Schmollers Ansicht dazu, dass ein Großteil der normalen Arbeiter, wie Handwerker oder Bauern, weder einen ausgeprägten Geschäftsinn besaßen, noch die technischen Fortschritte ihrer Zeit in ihre Arbeit miteinbezogen. Auf Grund dessen war es ihnen auch nicht möglich den gesamt möglichen Fortschritt, wie auch eine damit einhergehende Optimierung des Familienbetriebs zu erreichen. Dies war Schmoller zufolge lediglich großen Familiengenossenschaften möglich, da diese differenzierter und im Hinblick auf den Weltmarkt agierten. Diese Entwicklung durch Fortschritt und differenzierterem Handeln führte im Verlauf der Zeit zu einem stetigem Wachstum dieser Familiengenossenschaften. 2

Nach Schmoller lag das Fundament für das Entstehen von Großbetrieben im Westeuropa des 15. und 16. Jahrhunderts. Die Ausdehnung dieser fand aber erst im 17. Jahrhundert statt und war auch zu seiner Lebzeit noch sehr auf bestimmte Industrien und Regionen beschränkt. Die Voraussetzungen für ein Wachstum der Betriebe waren vor allem der zu dieser Zeit einsetzende technische Fortschritt, sowie die größeren Märkte, welche beispielsweise durch die Kolonialisierung entstanden. Auch führte eine bessere Organisation dieser Märkte zu weiterem Wachstum. Die fundamentale Voraussetzung war nach Schmoller jedoch das Aktiengeschäft. Durch den Aktienhandel und das somit entstandene Kapital war es den Unternehmen ein Einfaches, ehemals langwierige und teure Prozesse, wie etwa die Instandhaltung von Maschinen, zu beschleunigen. Dadurch wurde ein konstanter Arbeitsablauf möglich. 3

Ein weiterer wichtiger Punkt den Schmoller anbringt ist, dass nur reiche Länder, in denen die neuen Technologien bereits Einzug gehalten haben eine Großindustrie unterhalten könnten. Weiterhin beobachtete Scholler, dass in diesen Ländern der Machtbereich des Staates immer größer wurde. Diesen Aspekt begründet Schmoller mit der Aussage, dass der Staat in der früheren Familienwirtschaft zwar keine bedeutende Rolle besaß, jedoch im modernen Betrieb, durch seinen Einfluss auf die vielen beteiligten Individuen, ein Gesamtinteresse dieser zu vertreten habe. Damit diese Macht nicht durch die leitenden Individuen missbraucht werde, habe der Staat die Pflicht diese in ihrem Handeln einzuschränken. Schmoller ist sich bewusst, dass diese Einschränkungen, allem voran durch die immer noch vorhandenen Traditionen, innerhalb der Großunternehmen nur schwer und auch nicht in kurzer Zeit durchzusetzen seien. Jedoch bringt er ebenfalls an, dass es in einigen Ländern bereits ein gebildetes Beamtentum gäbe, welches eine gerechte Verwaltung dieser Großunternehmen ermögliche. 4

Die von Schmoller angeführten Gründe für den Fortschritt einiger Länder und somit von Großbetrieben, sind beispielsweise die Ausdehnung des Weltmarktes, eine ausgeprägtes Konkurrenzverhalten und dem damit stets verbundenen Aufspüren von neuen Märkten, sowie neuen Kunden. Weiterhin sei der Fortschritt, welcher zur Entstehung von Großbetrieben geführt habe, auf die ursprünglichen Sitten der Familienwirtschaft zurückzuführen. Zu diesen Sitten zählt Schmoller eine feststehende soziale Klassenordnung und eine daraus resultierende Tradition innerhalb eines Großunternehmens. Schmoller erkennt zu seiner Zeit zwei verschiedene Arten von Großbetrieben. Zum einen gäbe es den Großbetrieb der seinen Ursprung in den Sitten und Traditionen der Familienwirtschaft hatte, sowie den anderen neu entstandenen Großbetrieb, welcher nach Schmollers Aussage mit Kapital gut ausgestatten sei und diese Traditionen nicht aufweisen könne. 5

Schmoller erkennt bereits zu seiner Zeit die negativen sozialen Aspekte der Großbetriebe. Er bringt an, dass die früheren Gesellen und Knechte der Familiengenossenschaft alle zu Arbeiter innerhalb einer der Großbetriebe wurden und sich ihre soziale Stellung, wie auch ihre gesamte Lebenssituation dadurch verschlechterte. Sie mussten nun in schlechteren Wohnungen leben und hatten keine Möglichkeit sich dem Beruf und der Stellung des Arbeiters zu entsagen. Die früheren Oberhäupter der Familiengenossenschaften hingegen erlebten einen Aufschwung, weil anders als früher nicht mehr ein gemeinsamer Wohlstand das Ziel war, sondern sie sich nun auf ihren Nutzen fixierten und sich gewinnmaximierend orientierten. Ihre Wohnungen konnten sie nun von den Geschäftsstellen trennen. Dies führte nach Schmoller jedoch zu einer Entfremdung der Inhaber gegenüber ihren Arbeitern, welche sich vorallem in häufigen Entlassungen und der stetigen Suche nach billigen Arbeitskräften widerpiegelte. 6

Schmoller bringt in Hinblick auf diesen Klassenunterschied die marxistischen und sozialistischen Ideen in seine Arbeit ein. Er kritisiert die Ansichten die Marx definiert, wie etwa das der Kapitalismus als ein den Arbeiter ausbeutendes System zu definieren sei. Schmoller ist der Ansicht, dass die fundamentalen sozialdemokratischen Ansichten hinblicklich der Klassenunterscheide nicht zutreffend wären . So behauptet er beispielsweise, dass die Klassenbildung, sowie die damit einhergehende soziale Differenzierung nicht durch die Ausbeutung der Kapitalisten entstand, wie Marx es darstellte. Vielmehr sei sie auf die Arbeitsteilung zurückzuführen. Neben dieser Arbeitsteilung seien auch die soziale und regionale Herkunft, sowie die damit verbundenen Lebensbedingungen der Individuen für die den Großbetrieb beeinflussende Klassenbildung verantwortlich. Eine wie von Marx vorgeschlagene Gleichmachung dieser Klassen führe nach Schmoller lediglich zu einer Zerstörung des Fortschritts. Stattdessen seien Reformen, welche durch den Staat oder aber Parteien hervorgebracht und durchgesetzt werden, der richtige Weg, um die Großbetriebe und den damit verbundenen Fortschritt zu erhalten, sowie weiterzuentwickeln. Insbesondere sei es innerhalb dieser Unternehmen wichtig die führenden Individuen, wie auch die Arbeiter, durch Organisation in Ausschüssen , auf einen modus vivendi zu bringen, um das Bestehen 7 zu sichern. 8

Im historischem Kontext wird Schmollers Arbeit mit Blick auf die sozialen Aspekte sehr geachtet. Besonders seine Erkenntnisse im Bereich der sozialen Organisation von Arbeitern in Form von Arbeiterausschüssen, wie sie heute in Betriebsräten vorhanden sind, haben sich im Verlauf der Zeit bewährt. Seine Theorien und Einflüsse waren sehr weitreichend. Sie 9 lassen sich in den politischen wie auch historischen Bereichen der Wirtschaft, sowie der Soziologie wiedererkennen. 0 Allerdings werden seine Ansichten auch kritisiert, da sie die 1 großen Probleme zum Anfang des 20. Jahrhunderts, wie etwa die hohe Arbeitslosigkeit durch die Inflation nicht antizipierten und diesen Problemen auch keine Lösungsansätze entgegensetzen konnten. 11

Literaturverzeichnis

- Schmoller, Gustav, Preußische Jahrbücher 69/1, 1892
- Schneider, Dieter, Geschichte und Methoden der Wirtschaftswissenschaft, München 2001
- Referat über Geschichte der ökonomischen Theorie, in: http://www.wiwi.uni-muenster.de/insiwo/studieren/vorl/ges11/pdf/Theorie_G.-Schmo ller.pdf (abgerufen am 01.06.2015)
- Über Gustav von Schmoller, in: http://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_von_Schmoller_%28%C3%96konom%29#Ehrun gen (abgerufen am 01.06.2015)

[...]


1 Schmoller, Gustav, Preußische Jahrbücher 69/1, 1892, S.458

2 Schmoller, preußische Jahrbücher, S.459

3 Schmoller, preußische Jahrbücher, S.460

4 Schmoller, preußische Jahrbücher, S.467 f.

5 Schmoller, preußische Jahrbücher, S. 461

6 Schmoller, preußische Jahrbücher, S. 459

7 Schmoller, preußische Jahrbücher, S. 476f.

8 Schmoller, preußische Jahrbücher, S. 463 ff.

9 Schneider, Dieter, Geschichte und Methoden der Wirtschaftswissenschaft, München 2001, S.633

10 Über Gustav von Schmoller, in: http://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_von_Schmoller_%28%C3%96konom%29#Ehrungen (abgerufen am 01.06.2015)

11 Referat über Geschichte der ökonomischen Theorie, in: http://www.wiwi.uni-muenster.de/insiwo/studieren/vorl/ges11/pdf/Theorie_G.-Schmoller.pdf (abgerufen am 01.06.2015)

Details

Seiten
5
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668771376
Dateigröße
383 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v436781
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
2,7
Schlagworte
gustav schmoller großbetrieb jahrhunderts bezug verhältnisse differenzierung

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