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Nachhaltiger Konsum. Welche Verantwortung tragt man als KonsumentIn?

Seminararbeit 2018 15 Seiten

Ethik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Wissenschaftliche Auseinandersetzung
1.1 Einleitung
1.2 Geschichte des nachhaltigen Konsums
1.3 Dimensionen der Nachhaltigkeit
1.4 Relevanz des Konsumenten / der Konsumentin
1.5 Praktische Umsetzung und ethische Herausforderungen

2. Didaktischer Zugang fur die praktische Arbeit
2.1 Beschreibung und Begrundung der Methode
2.2 Ablauf
2.3 Umsetzung in der Schule

Literaturverzeichnis

1. Wissenschaftliche Auseinandersetzung

1.1 Einleitung

Unsere heutige Gesellschaft ist gepragt von materiellem Wohlstand und davon, samtliche Guter mehr oder weniger unbeschrankt und quasi jederzeit zur Verfugung zu haben. Der moderne Konsum geht weit uber die BefTiedigung von Grundbedurfnissen nach Nahrung, Bekleidung oder Unterkunft hinaus und dient vielmehr der Befriedigung von Kulturbedurfnissen, die in unserer Gesellschaft den uberwiegenden Anteil des Gesamtkonsums einnehmen und meist dazu dienen, Zugehorigkeitsgefuhle oder die freie Personlichkeitsentfaltung zum Ausdruck zu bringen.[1] Zudem hat es sich in der Vergangenheit immer starker etabliert, Kleidung, elektronische Gerate etc. nur mehr fur einen relativ kurzen Zeitraum zu nutzen bevor diese wieder entsorgt und ersetzt werden.

In den letzen Jahren hat ein Umdenken hin zu verantwortlichen Kaufentscheidungen stattgefunden, das im Zusammenhang zum allgemeinen Trend in Richtung moralisch verfasster Markte steht. Immer mehr VerbraucherInnen interessieren sich fur die schadlichen Folgen des Konsums, dennoch wird im Alltag oft an alten Konsumgewohnheiten festgehalten.[2]

Im Rahmen dieser Arbeit mochte ich mich im wissenschaftlichen Teil mit den geschichtlichen Hintergrunden der Nachhaltigkeit sowie deren Dimensionen auseinandersetzen und der Frage nachgehen, welche Verantwortung jedem einzelnen von uns als KonsumentIn zukommt und inwieweit man Handlungsspielraum bei seinen Kaufentscheidungen hat um dadurch eine nachhaltige Entwicklung und faire Arbeitsbedingungen zu unterstutzen bzw. zu beeinflussen.

1.2 Geschichte des nachhaltigen Konsums

In der Diskussion um eine nachhaltige Entwicklung ruckte das Thema nachhaltiger Konsum in den letzten Jahren immer mehr in den Mittelpunkt. Bereits 1992, als auf der UN-Konferenz fur Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro das globale Aktionsprogramm „Agenda 21“ von uber 170 Staaten verabschiedet wurde, nahm der Konsum einen zentralen Stellenwert ein, ebenso in beinahe alien wichtigen deutschsprachigen Publikationen der letzten Jahre zum Thema Nachhaltigkeit.[3]

Als Grundlage der UN-Konferenz 1992 gilt der Brundtland Bericht, der 1987 unter dem Titel „Our Common Future“ von der World Commission on Environment and Development (WCED) veroffentlicht wurde und erstmals ein Leitbild fur nachhaltige Entwicklung formulierte. Als nachhaltige Entwicklung definierte die Kommission „eine Entwicklung, die den Bedurfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Moglichkeiten kunftiger Generationen zu gefahrden, ihre eigenen Bedurfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wahlen“.[4] Die Veroffentlichung des Brundtland Berichts gilt als der Beginn des darauf folgenden weltweiten Diskurses uber Nachhaltigkeit bzw. nachhaltige Entwicklung und bildete die Grundlage einer integrativen globalen Politikstrategie.[5]

1.3 Dimensionen der Nachhaltigkeit

Im Brundtland Bericht werden drei Dimensionen fur nachhaltige Entwicklung angefuhrt, die sich mit den okologischen, sozialen und okonomischen Auswirkungen von bzw. Anforderungen an Nachhaltigkeit beschaftigen:

Die okologische Dimension: Das Prinzip der Nachhaltigkeit zielt hinsichtlich der Dimension Umwelt auf einen zukunftsfahigen Umgang mit den vorhandenen Ressourcen ab, indem nur deren Ertrage genutzt werden, ohne dass die Substanz gefahrdet wird. Neben dem Verbrauch von Energie und Rohstoffen spielt auch die Beeintrachtigung der Umwelt durch Schadstoffe in Boden, Luft, Wasser und Produkten, (gefahrlicher) Abfall, Larm, Landverbrauch/ Erosion oder Verlust der Biodiversitat eine groBe Rolle. Diese Schaden zu vermeiden ist ebenfalls Ziel der nachhaltigen Entwicklung.[6]

Die soziale Dimension: Im Brundtland-Bericht wird auch die soziale Dimension mit dem Schwerpunkt auf Entwicklungslander stark betont, insbesondere die Notwendigkeit der Bekampfung von Hunger und Armut (auch durch Umverteilung des Reichtums), der Drosselung des Bevolkerungswachstums und der Verhinderung der Diskriminierung (z.B. von Frauen oder indigenen Volkern). Zudem gilt es, den Schutz der ArbeitnehmerInnen vor Ausbeutung (z.B. durch Arbeitsnormen der ILO) zu gewahrleisten oder ganz generell die Einhaltung der Menschenrechte zu garantieren. In den entwickelten Landern brauchte man Kriterienkataloge auf hoherem Niveau, die sich z.B. mit Gleichstellung und der verstarkten Beschaftigung von jugendlichen, alteren oder behinderten Arbeitskraften auseinandersetzen.[7]

Die okonomische Dimension: Die wirtschaftliche Entwicklung und das Wirtschaftwachstum, vor allem in Hinblick auf die sudlichen Lander, stellen eine weitere Saule des Berichtes dar. Auch wenn wirtschaftliches Wachstum zumindest in den hoch entwickelten Landern heute etwas differenzierter zu sehen ist und okonomische Verhaltensweisen, die nicht im Sinne der Nachhaltigkeit sind, verstarkt im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit liegen, stellt die okonomische Dimension die dritte Saule der Nachhaltigkeit dar weil unser heutiges Wirtschaftssystem, welches auf Wachstum und Profitmaximierung beruht, der Nachhaltigkeit kaum forderlich ist.[8]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Die drei Saulen der Nachhahigkeit

1.4 Relevanz des Konsumenten / der Konsumentin

Wahrend der Beschaftigung mit okologischen und sozialen Fragen in den 1970er und 1980er Jahren galt in erster Linie der Staat als Akteur, der das Verhalten von Unternehmen im Sinne okologischer und sozialer Ziele beeinflussen konne und nicht der/ die Konsumentin selbst. In den letzten Jahren ist das Bewusstsein fur Nachhaltigkeit in der Gesellschaft stark gestiegen, wie es sich z.B. am Wachstum alternativer Markte ablesen lasst. Fur die Perspektivenverschiebung von der Produktion und der Anbieterseite hin zum Konsum sind nach Hansen und Schrader (2001) in erster Linie zwei Aspekte verantwortlich, namlich die Erfolge staatlicher und unternehmerischer Umweltpolitik sowie das Erkennen der vorhandenen Konsumentinnenautortat am Markt.[9]

Was als Objekt der moralischen Verantwortung in Frage kommt, wird kontrovers diskutiert. Umweltethisch relevant sind in diesem Zusammenhang in erster Linie die Diskussionen daruber, wie weit die moralischen Fursorgepflichten reichen. Sind nur gegenwartig lebende Menschen Gegenstand der unmittelbaren moralischen Verantwortung oder zahlen auch zukunftig lebende Personen dazu? Und inwieweit besteht eine unmittelbare moralische Fursorgeverantwortung fur (zumindest gewisse) Tiere, Pflanzen, Okosysteme und Landschaften? Jedenfalls kann man genannte Objekte als Schutzguter betrachten, umstritten ist jedoch, ob es sich auch um moral patients, also Schutzbefohlene, handelt.[10]

Mit der Rolle bzw. der Verantwortung jedes/r einzelnen KonsumentIn beschaftigen sich auch Ahaus, Heidbrink und Schmidt (2011) in einem Working Paper des CRR (Center for Responsibility Research). Ihnen zufolge sind der Klimawandel, die sozial prekaren Verhaltnisse in den Herstellungslandern und sich verselbsstandigende Finanzmarkte Grunde dafur, dass marktwirtschafliches Handeln zunehmend moralisch hinterfragt wird. Aufgrund der globalen Verflechtungen wirtschaftlicher Prozesse kann man nicht nur Unternehmen und Politik fordern, sich mit ihren Verantwortungsaufgaben auseinanderzusetzen, sondern muss sich auch als VerbraucherIn miteinbeziehen. Der/ die verantwortliche KonsumentIn zeichnet sich nach Ahaus, Heidbrink und Schmidt dadurch aus, dass er nicht nur seine eigene BedurfuisbefTiedigung oder sein personliches Gewissen im Auge hat, sondern daruber hinaus „die Konsequenzen fur das gesellschaftliche Gemeinwohl durch sozial und okologisch vertraglich Konsumpraktiken, die dem Prinzip der Nachhaltigkeit folgen“ berucksichtigt.[11]

Auf der Seite konsumentenfragen.at wird nachhaltiger Konsum wie folgt definiert:

„Fur einen nachhaltigen Konsum mussen soziale, okologische und okonomische Aspekte bei der Gewinnung der Rohmaterialien, der Herstellung, beim Vertrieb, bei der Benutzung beziehungsweise beim Verbrauch und auch bei der Entsorgung von Waren berucksichtigt werden. So sollten also nachhaltige Produkte sowohl sozial gerecht als auch unter Schonung der Natur produziert und vertrieben werden, das Verpackungsmaterial auf das technisch Minimum beschrankt sein, Gebrauchsgegenstande einen ressourcenschonenden (moglichst langen) Betrieb ohne Schadstofffreisetzung oder Larmbelastung ermoglichen und die Entsorgung unproblematisch sein. Analoges gilt fur Dienstleistungen.“[12]

[...]


[1] vgl. Heidbrink, Ludger / Schmidt, Imke: Das Prinzip der Konsumentenverantwortung - Grundlagen, Bedingungen und Umsetzung verantwortlichen Konsums, in: Heidbrink, Ludger / Schmidt, Imke / Ahaus, Bjorn (Hg.): Die Verantwortung des Konsumenten. Uber das Verhaltnis von Markt, Moral und Konsum, Frankfurt am Main: Campus Verlag GmbH 2011, 35.

[2] vgl. Bundeszentrale fur politische Bildung: Die neue Verantwortung der Konsumenten, in: http://www.bpb.de/apuz/31813/die-neue-verantwortung-der-konsumenten?p=all [abgerufen am 04.05.2018]

[3] vgl. Hansen, Ursula/ Schrader, Ulf: Nachhaltiger Konsum - Leerformel oder Leitprinzip?, in: Schrader, Ulf / Hansen, Ursula (Hg.): Nachhaltiger Konsum. Forschung und Praxis im Dialog, Frankfurt am Main: Campus Verlag GmbH 2001, 18.

[4] Lexikon der Nachhaltigkeit: Weltkommission fur Umwelt und Entwicklung (Brundtland Bericht), in: https://www.nachhaltigkeit.info/artikel/brundtland report 1987 728.htm [abgerufen am 04.05.2018]

[5] vgl. ebda

[6] vgl. Konsumentenfragen: Nachhaltige Produktion - nachhaltiger Konsum, in: http://www.konsumentenfragen.at/konsumentenfragen/Mein Alltag/Themen/Nachhaltiger Konsum/ [abgerufen am 05.05.2018]

[7] vgl. ebda

[8] vgl. ebda

[9] vgl. Hansen, Ursula/ Schrader, Ulf: Nachhaltiger Konsum - Leerformel oder Leitprinzip?, 18f.

[10] Werner, Micha: Verantwortung, in: Ott, Konrad / Dierks, Jan / Voget-Kleschin, Lieske (Hg.): Handbuch Umweltethik, Stuttgart: J.B. Metzler 2016, 132 - 135.

[11] Ahaus, Bjorn / Heidbrink, Ludger / Schmid, Imke: Der verantwortliche Konsument. Wie Verbraucher mehr Verantwortung fur ihren Alltagskonsum ubernehmen konnen, Essen: Center for Responsibility Research 2011, 3 - 5 (= Online-Paper).

[12] Konsumentenfragen: Nachhaltiges Handeln - praktische Ratschlage, in: http://www.konsumentenfragen.at/konsumentenfragen/Mein Alltag/Themen/Nachhaltiger Konsum/Nachhaltiges H andeln praktische Ratschlaege [abgerufen am 06.05.2018]

Details

Seiten
15
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668769823
ISBN (Buch)
9783668769830
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v436642
Institution / Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz
Note
1,0
Schlagworte
nachhaltiger konsum welche verantwortung konsumentin

Autor

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