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Corporate Governance Typologien. Merkmale und kritische Würdigung

Hausarbeit 2018 11 Seiten

VWL - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen
2.1 Definition und Aufgaben von Corporate Governance
2.2 Interessensgruppen eines Unternehmens

3. Vergleich von Corporate-Governance-Systemen
3.1 Markt VS. Netzwerkorientierte Corporate-Governance-Systeme nach Weimer und Pape
3.2 Kritische Stellungnahme

4. Zusammenfassung

5. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: A taxonomy of systems of corporate governance

1. Einleitung

״ Der ehrbare Kaufmann erscheint aktueller denn je.“ (Dr. Manfred Gentz, scheidender Vorsitzende der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex, 2017)

Hiermit trifft Herr Dr. Manfred Gentz den Nerv von Corporate Governance. Heutzutage wird kein relevantes Wort, ohne dass dieses von den internen Juristen geprüft wird, ein Unternehmen verlassen. Ein Skandal jagt jedoch den nächsten - mal wird von millionenschweren Gehältern gesprochen, mal von Bilanzfälschungen oder Schmiergeldaffären. Dadurch rückt Corporate Governance immer wieder ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Ein ehrbarer Kaufmann scheint dadurch in weite Feme gerückt zu sein.

Aber genau deshalb ist der ehrbare Kaufmann aktueller denn je - das Management sollte nicht nur die Legalität des Unternehmens sondem auch die Legitimität des Unternehmens hinterfragen. Beides - Legitimität und Legalität sind von Bedeutung. (Fockenbrock, 2017, Michler & Zschäpitz, 2016)

Traditionell wird der rechtliche Ordnungsrahmen von Unternehmen auf nationaler Ebene festgelegt. Dadurch sind unterschiedliche CG-Systeme entstanden, die durch Besonderheiten des Landes geprägt sind. (Welge & Eulerich, 2012) Jedoch kommt es durch die Globalisierung und somit der zunehmenden Intemationalisierung der Untemehmenstätigkeit immer häufiger zu der Frage, ob eine Konvergenz der Corporate-Govemance-Systeme realistisch ist oder ob sich diese trotzdem weiterhin nachhaltig unterscheiden werden. Dadurch kommt es immer wieder zum internationalen Vergleich von Corporate-Govemance-Systemen. (Siems, 2005, O.V., O.J.) Hierbei steht die Frage im Mittelpunkt, welches Corporate-Governance-System die Performance von Unternehmen steigert.

Ziel dieser Ausarbeitung ist es deshalb unterschiedliche Corporate-Governance-Systeme mit Hilfe von Typologien, welche zur Erklämng dieser Unterschiede entwickelt wurden, zu untersuchen. Der Fokus wird hierbei auf die Typologien von Weimer und Pape gelegt. Zunächst werden die theoretischen Grundlagen zur Corporate Governance erläutert. Hierauf erfolgt eine intensive Auseinandersetzung mit den Typologien von Weimer und Pape. Abschließend wird der Autor insbesondere zu den entwickelten Unterscheidungskriterien Stellung nehmen. (Schwerk, 2007)

2. Theoretische Grundlagen

2.1 Definition und Aufgaben von Corporate Governance

In der deutschen Literatur wird meist der englische Ausdruck Corporate Governance verwendet. Übersetzt werden kann dieser mit Organisation der Untemehmensführung oder Organisation der Leitung. (Witt, 2002, S.41) Konkret wird unter dem Begriff Corporate Governance ״der faktische und rechtliche Ordnungsrahmen von Unternehmen verstanden, der eine gute und ordnungsgemäße Untemehmensführung, -kontrolle und -Überwachung im Sinne aller Shareholder und Stakeholder gewährleistet und unterstützt.“ (Welge & Eulerich, 2014)

״Eine zentrale Aufgabe von Corporate Governance besteht darin eine Kontrolle der Unternehmensleitung durch die verschiedenen Interessensgruppen des Unternehmens (Stakeholder) zu ermöglichen.“ Die Aufgaben bestehen darin einen maximalen Überschuss aus den eingesetzten Ressourcen zu erwirtschaften und diesen dann anschließend mit geeigneten Mechanismen auf die Stakeholder zu verteilen. Damit kann die Machtverteilung zwischen den verschiedenen Interessensgruppen eines Unternehmens geregelt werden. (Witt, 2002, s.41 f.) Je besser das System von Corporate Governance funktioniert, desto höher ist der vom Unternehmen erwirtschaftete Überschuss, da die Kosten für Interessenskonflikte, reduziert werden. (Witt, 2003, s. 2)

2.2 Interessensgruppen eines Unternehmens

Als Interessensgruppen oder Stakeholer eines Unternehmens werden alle Personen, Gruppen und Organisationen bezeichnet, die eine vertragliche Bindung mit dem Unternehmen besitzen und deshalb ein Interesse an Konfliktlösungs- und Überschussverteilungsmechanismen haben. Die Stakeholder werden in verschiedene Gruppen unterteilt, die sich aufgrund von verschiedenen, vertraglichen Bindungen unterscheiden und dabei unter Umständen verschiede Ziele verfolgen (Witt, 2013, s. 6.) Als erste Interessensgmppen sind zunächst die Aktionäre bzw. Anteilseigner zu nennen, die Kapital zur Verfügung stellen, ohne dabei ein vertraglich gesichertes Recht auf Verzinsung- oder Rückzahlung zu erhalten. Jedoch erhalten sie das Recht auf Gewinnbeteiligung, ein Mitbestimmungsrecht bei Eigentümerveranstaltungen sowie einen Anteil des Unternehmensvermögens im Falle einer Auflösung. (Witt, 2003, S.42)

Als zweite Interessensgruppe können die Mitarbeiter angeführt werden, die alle Angestellten außer Vorstände und Aufsichtsräte umfassen. Die Mitarbeiter unterscheiden sich individuell, haben jedoch in unterschiedlich starker Ausprägung in etwa identische Ziele. Diese umfassen beispielsweise die Auszahlung der vereinbarten Löhne und Gehälter, die Einhaltung der Rentenvereinbarungen oder den Erhalt des Arbeitsplatzes. (Witt, 2013, S.7-8).

Einen weiteren Stakeholder stellen die Fremdkapitalgeber dar, die ein Interesse an der Rückzahlung des geliehenen Kapitals als auch der vertraglich vereinbarten Zinsleistung für den Kredit haben. (Witt, 2013, S.8-9)

Weiter sind die Lieferanten eines Unternehmens zu nennen, die Interesse an einer fortlaufenden Lieferbeziehung haben und dabei auf ein liquides Unternehmen angewiesen sind, um eine fortlaufende Bezahlung der gelieferten Waren zu sichern. (Witt, 2013, S.9) Für den weiteren Stakeholder Kunden ist der Fortbestand des Unternehmens nicht von Interesse. Dieser verfolgt vielmehr das Ziel, ein Produkt zu erwerben, das die höchste Qualität zum gleichzeitig niedrigsten Preis bietet. Somit sind Kunden am Wettbewerb zwischen Unternehmen interessiert und profitieren folglich. (Witt, 2013, S.9-10) Der Wettbewerb ist auch für die Interessensgruppe des Staates von großer Bedeutung. Letztgenannter Stakeholder ist an möglichst großen Steuereinnahmen interessiert, die durch einen Wettbewerb zwischen Unternehmen maximiert werden. (Witt, 2013, S.10) Der Kreis der Stakeholder wird durch die letzte Gruppe der Anwohner und Öffentlichkeit komplettiert. Ihr Ziel liegt in einer möglichst geringen Belästigung durch ortsansässige Unternehmen unter Einhaltung des Umweltschutzes. (Witt, 2013, s.l 1)

3. Vergleich von Corporate-Governance-Systemen

Es gibt zahlreiche Ansätze zur Klassifikation von Corporate-Governance-Systemen. In der Literatur werden prinzipiell zwei unterschiedliche Corporate-Governance-Systeme unterschieden - nämlich der anglo-amerikanisch marktorientierte und der netzwerkorientierte Corporate Governance Ansatz. (Hilb, 2016, S.8)

Deshalb liegt der Fokus dieser Ausarbeitung auch auf diesen zwei von Weimer und Pape (1998) entwickelten Typologien. Es handelt sich hierbei um ein ganzheitliches Analysekonzept. Weitere ganzheitliche Analysekonzepte sind ״Common Law versus Civil Law“, ״Systeme der Unternehmenskontrolle“ und ״Kontrollphilosophien als Paradigmen“. Diese werden in dieser Ausarbeitung jedoch nicht weiter ausgearbeitet. (Brühl, 2009, S.12 f.)

3.1 Markt VS. Netzwerkorientierte Corporate-Governance-Systeme nach Weimer und Pape

Nach Weimer und Pape (1998) sind Corporate Governance Systeme als ״a more or- less country- specific framework of legal, institutional and cultural factors shaping the patterns of influence that stakeholders (e.g. managers, employees, shareholders, creditors, customers, suppliers and the government) exert on managerial decision-making“ definiert. (Weimer et ak, 1998, s.l)

Weimer und Pape (1998) differenzieren CG-Systeme demnach länderspezifisch. Sie unterscheiden hierbei vier unterschiedliche CG-Systeme, nämlich das anglo-amerikanische System (USA, Großbritannien, Kanada und Australien), das deutsche System (Deutschland, die Niederlande, Schweiz, Schweden, Österreich, Dänemark, Norwegen und Finnland), das romanische System (Frankreich, Italien, Spanien, Belgien) und das japanische System.

Ausgehend von dieser Klassifikation und qualitativen und quantitativen Daten haben Weimer und Pape acht Eigenschaften identifiziert, welche als Basis für die Zuordnung der länderspezifischen CG-Systeme in marktorientierte und netzwerkoriente CG-Systeme dienen.

Diese 8 Kriterien lauten:

- Das vorherrschende Firmenkonzept
- Das System der Führungsorganisation (Verwaltungsstrukturtyp)
- Wesentliche Stakeholder mit Einfluss auf Unternehmensentscheidungen
- Die Wichtigkeit des Aktienmarkts
- Die Existenz oder Abwesenheit eines externen Marktes für Unternehmenskontrolle
- Die Anteilskonzentration
- Das Ausmaß der erfolgsabhängigen Managementvergütung
- Die übliche Dauer von wirtschaftlichen Beziehungen

Diese Kriterien wurden für die vier definierten CG-Systeme - das anglo-amerikanische, das deutsche, das romanische und das japanische System ausgearbeitet (siehe Abbildung 1). Betrachten wir zunächst die länderspezifischen CG-Systeme.

In anglo-amerikanischen Ländern ist der Einfluss von Aktionären auf die Unternehmen von großer Bedeutung. Aktionäre werden in diesem System mit Hilfe von gesetzlichen Regelungen geschützt. In den USA zum Beispiel durch ״ the Securities Exchange Act (1934), the Securities Investor Protection Act (1970), the Insider Trading Sanctions Act (1984) and the Private Securities Litigation Act (1995)“. (Weimer et ak, 1998, s. 4)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: A taxonomy of systems of corporate governance (vgl. Weimer et al., 1998, s. 3)

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Details

Seiten
11
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668765924
ISBN (Buch)
9783668765931
Dateigröße
387 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v436014
Institution / Hochschule
AKAD University, ehem. AKAD Fachhochschule Stuttgart
Note
1,3
Schlagworte
corporate governance typologien merkmale würdigung

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