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Klassiker der Pädagogik - am Beispiel von Ignatius von Loyola und den Jesuiten

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 16 Seiten

Pädagogik - Geschichte der Päd.

Leseprobe

Inhalt

1. Biografie
1.1. Bedeutende Werke

2. Ein fiktives Inerview
2.1. Vorüberlegung
2.2. Interview

3. Reflexion / Bewertung

4. Quellen

5. Lerntagebuch – Drei Protokolle
5.1. Veranstaltung vom 20. April 2004
5.2. Veranstaltung vom 27. April 2004
5.3. Veranstaltung vom 18. Mai 2004

6. Persönliche Reflexion zu denen im Seminar behandelten Klassiker
6.1. J.A. Comenius
6.2. John Locke
6.3. Jean Jaques Rousseau
6.4. Johann Heinrich Pestalozzi

1. Biografie (SCHEUERL, S.33 ff –und- MÄRZ, 266 ff.)

Der genaue Geburtstag von Ignatius von Loyola ist unbekannt. Lediglich das Jahr ist den Historikern bekannt. Der gebürtige Baske wurde im Jahre 1491 im Schloss Loyola unter dem bürgerlichen Namen Iñigo López de Oñoz y Loyola geboren. Das Schloss war Teil der Provinz Guipúzca in den westlichen Pyrenäen. Die Basken waren sowohl auf spanischem Gebiet als auch auf französischem Gebiet verteilt. Aber aufgrund einer gemeinsamen Sprache bildeten sie eine eigenständige und selbstbewusste Kultur.

Das Gebiet von Ignatius war politisch ein annektiertes Gebiet von Spanien. Die Annexion führt aber kaum zu politischen und nationalen Gegensätzen. Im Jahre 1518 trat Ignatius sogar unter die Dienste des damaligen spanischen Vizekönigs und verteidigte das Land als Offizier gegen die französischen Truppen.

Bevor ich aber genauer auf sein Leben als Erwachsener eingehen werde, möchte ich einige Informationen zu seiner Zeit als Kind und Jugendlicher geben, über die recht wenig bekannt ist.

Seine Kindheit auf Schloss Loyola verlief in streng höfischen Bahnen. Man weiß zumindest, dass die Erziehung seiner Kindheit nicht humanistisch ausgerichtet war – beispielsweise war Latein kein Teil der Ausbildung junger baskischer Adliger, demnach auch nicht der des Ignatius. Erst gegen viel später, als 30-Jähriger musste sich Ignatius klassische Sprachen mühsam aneignen. Ignatius lebte im Humanismus. Auch wenn dies kaum Einfluss auf seine Erziehung und Bildung hatte, war der streng katholische Glauben Teil seines Lebens. Weiterhin wäre noch zu erwähnen, dass Ignatius zur Zeit der Reconquista seine Jugendzeit erlebte. Nachdem die Mauren (so wurden die Besetzer von den Spaniern genannt) ihre Macht wieder an Spanien abgeben mussten, entfaltete sich ein sehr starkes Nationalbewusstsein, das auch bis zu Ignatius durchdrangt. Das Land entwickelte das Bewusstsein „Vormacht der römisch-katholischen Kirche in der Welt zu sein“ (SCHEUERL, S.35). Auch viel später wurde „die Ausbreitung des katholischen Glaubens nach innen und nach außen, durch Gegenreformation und Missionierung, […] zur Hauptaufgabe der spanischen Politik…“ (SCHEUERL, S.35).

Nach seiner privaten schulischen Ausbildung im Schloss Loyola trat Ignatius, wie schon erwähnt, in die spanische Armee ein. Ignatius verbrachte „zuerst als Page, dann als Offizier, beinahe bis zur Lebensmitte seine militärische Karriere“ (MÄRZ, S.266). Dieser militärische Lebensweg endete, als er aufgrund einer Verwundung ein Jahr lang im Lazarett verbringen musste. Nach diesem Aufenthalt verlor Ignatius zuerst sein Ziel im Leben. „Nach einer Zeit inneren Trostes folgten heftige Skrupel, Anfälle von Trostlosigkeit und Verzweifelung bis zu Selbstmordgedanken. Dann aber wurde unerwartet mit hohen mystischen Erleuchtungen begnadet“ (SCHWAIGER, S.243). Er entschloss sich, sich völlig dem Glauben an Gott hinzugeben. Daraufhin unternahm er eine Pilgerreise ins „Heilige Land“ und zum Kloster Montserrat. Diese Pilgerreisen festigten für Ignatius den Entschluss für den Einsatz in der Kirche. Nur dieser Weg erwies oft als beschwerlich. Nach Arbeiten in der Armenpflege und Seesorge entschloss sich Ignatius zu philosophischen und theologischen Studien.

Sein akademischer Lebensweg begann an den Universitäten von Alcalá und Salamanca. Im stellten sich viele Hürden in den Weg: Neben oft hoch gesteckten Zielen und zu früh begonnenen höheren Studium machten ihm vor allem die Lateinstudien stark zu schaffen, denn Latein war ihm fremd, da er in der Kindheit in diesem Bereich nie unterrichtet wurde. Weiterhin gilt es zu bemerken, dass er zu Beginn seiner Studien schon über 30 Jahre alt war – dieser Umstand macht das Lernen nicht unbedingt leichter.

Erst als er Pariser Sorbonne, er studierte hier von 1528 bis 1535, konnte er sein Studium nicht nur abschließen, sondern auch mit Bravour bestehen und den Titel Magister Artium, „was etwa dem heutigen Doktorgrad entspricht“ (SCHEUERL, S.36), erlangen.

Hier in Paris nannte er sich zum ersten Mal Ignatius und stiftete eine neue Ordensgemeinschaft, die der Vorläufer des späteren Jesuitenordens darstellte. Auch in Paris sammelte er seine ersten Gefährten zu einer Gemeinschaft um sich.

1536 unternimmt er Studien in Venedig und empfängt die Priesterweihe. Anschließend entschließt er sich „dem Willen des Papstes bedingungslos zu Verfügung zu stellen“ (SCHEUERL, S.38). Paul III. nimmt diesen Entschluss an und empfängt Ignatius in Rom. Bis zu seinem Lebensende verließ Ignatius Rom nicht mehr. 1540 wird seine „Gesellschaft Jesu“ (auch: Compañia de Jesús, Societas Jesu) durch Papst Paul III. bestätigt. 1541 wird Ignatius zum ersten Jesiutengeneral gewählt. Ignatius hält Exerzitien und arbeitet an der Konstitution seiner „Gesellschaft Jesu“.

Sein Tod am 31.7.1556 war unerwartet, aber seine Stiftung hatte eine feste Gestalt, kirchliche Approbation und weltweites Wirken erreicht.

1.1. Bedeutende Werke

Für Ignatius von Loyola war die schulische Erziehung lediglich Mittel zum Zweck – „Pädagogisches hat er selbst eigentlich nicht im Sinn“ (MÄRZ, S.266). Daher existiert ein „pädagogisches“ Werk, das die Erziehung in den Mittelpunkt stellt, nicht. Die meisten Ansichten, die für pädagogisches Denken von Interesse sein könnten, sind Anmerkungen innerhalb seiner Niederschriften. Natürlich können aus den Werken des Jesuitengenerals pädagogische Schlussfolgerungen hergeleitet werden.

Zu den bedeutendsten Werken des Ignatius jedoch zählen sowohl die Exercitia Spiritualia als auch die Geistlichen Übungen:

Die Exercitia Spiritualia, das Exerzitienbuch, begann Ignatius schon im Krankenlazarett zu schreiben. Er konnte es jedoch erst 1548 veröffentlichen. Dieses Exerzitienbuch ist die Grundlage für die „Gesellschaft Jesu“, somit auch natürlich für sein Leben und seine Botschaft.

Die „erzieherische Dimension seiner Ideen und Absichten“ (MÄRZ, S.267) hat Ignatius hauptsächlich in seinen Geistlichen Übungen niedergeschrieben. Somit ist dieses Werk wohl für die Pädagogik am ehesten von Interesse.

Weitere Inhalte folgen im fiktiven Interview.

Der Vollständigkeit halber, nicht für den pädagogischen Kontext, stellt folgende Liste die Werke des Ignatius von Loyola dar, neue Ausgaben teilweise auch in deutscher Sprache:

- Catalogus Societatisjesu 1991 (Germaniae, Austriae, Helveriae), Anhang, S. 4 gnatius von Loyola und die Gesellschaft jesu, 1491-1556. Hrsg. von Andreas Falklier und Hans Imliof. Würzburg 1990.
- Monumenta Ignatiana, Series secunda, Exercitia spiritualia sancti Ignatii de Loyola et eorum Directoria. Madrid 1919 (enthält außer dem spanischen sog. Autograph, das heißt einer von Ignatius selbst verbesserten Abschrift, die "Versio prima", die etwas glattere "Versio vulgata" des P. de Freux und die genau dem spanischen Original angeglichene "Versio litteralis" des P. Roothaan).
- Monumenta Ignatiana, Series secunda, Directoria exercitiorum spiritualium (1540-1599). Rom 1955.
- Monurnenta Ignatiana, Series tertia, Sancti Ignatii de Loyola Constitutiones Societatis jesu (3 vol.). Roma 1934-1938.
- Monurnenta Ignatiana, Series prima, Epistulae et Instructiones S. Ignatii de Loyola (12 vol). Madrid 1903-1911.
- Obras conipletas de San Ignacio de Loyola, transcripciön, introducciones y notas del P. I. Iparraguirit, BAC. Madrid 1952.
- Haas, Adolf (Hrsg.): Geistliche Obungen des Ignatius von Loyola, Freiburg i. Br. 3. Aufl. 1977.
- Haas, Adolf - Peter Knauer (Hrsg.): Ignatius von Loyola, Das geistliche Tagebuch. Freiburg i. Br. 1961.
- Rahner, Hugo (Hrsg.): Ignatius von Loyola, Geistliche Briefe. Einsiedeln 1956.
- Rahner, Hugo (Hrsg.): Ignatius von Loyola, Briefwechsel mit Frauen. Freiburg i. Br. 1956.
- Schneider, Burkard (Hrsg.): Ignatius von Loyola, Der Bericht des Pilgers. Freiburg i. Br. I Aufl. 1977.

2. Ein fiktives Inerview

2.1. Vorüberlegung

Ein fiktives Interview mit der „Person“ Ignatius von Loyola zu führen, würde zu einem vielleicht eher wirren Ergebnis führen. Ignatius war ein Mensch, für den Bildung eher als Mittel zum Zweck war, und keine Plattform für Pädagogische Grundsätze. In der „Geschichte der Pädagogik wird ihm allenfalls eine Fußnote […] Kapitel über die Pädagogik der Jesuiten zugestehen können“ – somit spielen „spezifisch pädagogische Fragestellungen […] in seinem Leben und Werk keine Rolle…“ (MÄRZ, S.266).

Somit wäre es ein schwieriges Unterfangen die Interviewfragen an Ignatius „selbst“ zu stellen. Ergiebiger wäre dann doch eine „Unterhaltung“ mit einem fiktiven Experten, der pädagogische Fragen zu Ignatius und dem zu ihm gehörende Orden, der „Gesellschaft Jesu“ beantworten kann, denn „die pädagogischen Grundanliegen des Ignatius […] können nur im Blick auf sein literarisches Gesamtwerk […] sowie auf das tatsächliche Wirken des Ordens […] interpretiert werden“ (SCHEUERL, S.44). Die Grundlagen der Bildungsarbeit der Jesuiten wurde zwar zu Lebzeiten des Ignatius gelegt, „Ignatius [selbst] hat kein pädagogisches Schrifttum im engeren Sinne hinterlassen“ (SCHEUERL, S.45). Der Ausbau, wie auch die Verwirklichung fand dagegen in späteren Zeiten durch den Jesuitenorden selbst ab.

2.2. Interview

Bevor wir zu den Grundsätzen der jesuitischen Pädagogik kommen: Was soll mit Erziehung bezweckt werden, oder vielmehr was ist das Ziel der „ignatianischen“ Pädagogik?

In einem Teil der Ordenskonstitution der „Gesellschaft Jesu“ wird das Schulwesen behandelt, und zwar noch zu Lebzeiten des Ignatius. Erst vier Jahrzehnte nach seinem Tod, im Jahre 1599, wurde vom Orden die Studienordnung, die „Ratio atque Instituitio Studiorum Societatis Jesu“ (MÄRZ, S.269) erlassen. In dieser Studienordnung sind die wichtigsten Regeln zusammengestellt, die für die Gestaltung des Unterrichts und der Erziehungsarbeit relevant sind. Hier lautet nach „dem Willen des Ordensbegründers das oberste Ziel der Erziehung […]: Alles zur größeren Ehre Gottes“ (ebd.). Der Dienst an Gott ist also das oberste Ziel, alle anderen Ziele, die in den erzieherischen Kontext kommen, müssen sich dem ersten unterordnen. Dieses Ziel sollte allerdings nicht nur in den Schulen und Universitäten erreicht werden, sondern in allen Bereichen des alltäglichen und nicht alltäglichen Lebens.

Ein Ziel des Unterrichts an sich ist die „weise und sprachgewandte Frömmigkeit“, ein Ziel das mit dem Bildungsziel des Humanismus völlig zu vereinbaren ist.

Weiterhin hat der Unterricht das Ziel das Individuum auf den Weg völligen Glaubens zu führen. Neben der vollständigen Hingabe an Gott „gilt es neben der Vernunft durch den Unterricht mit Hilfe geeigneter Erziehungsmaßnahmen den Willen zu formen, die Selbstzucht zu stärken, die Frömmigkeit zu fördern und den Gehorsam zu festigen“ (ebd.). Diese Einstellung ist zweifelsohne ein Produkt der militärischen Vergangenheit von Ignatius. Jesus Christus ist nicht nur Erlöser, sondern „oberster Feldherr“ (ebd., S.270). Diese Ansicht hat zur Folge, nicht nur Christus, sondern auch dem Papst als Stellvertreter Jesus Christus und allen anderen der kirchlichen Hierarchie völligen Gehorsam entgegenzubringen. Ignatius gab eine Empfehlung, nämlich „etwas, das man als weiß erkennt, für schwarz zu halten, wenn es die Kirche für schwarz erklärt“ (ebd.). Diese Empfehlung ist natürlich nur eine Überspitzung, denn auch Ignatius wusste, dass die Kirche einen solch unsinnigen Befehl niemals erteilen würde.

[...]

Details

Seiten
16
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638413442
Dateigröße
372 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v43582
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Weingarten
Note
1,0
Schlagworte
Klassiker Pädagogik Beispiel Ignatius Loyola Jesuiten Comenius Pestalozzi

Autor

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