Lade Inhalt...

Die Rolle des präfrontalen Kortex bei ausgeübtem Täuschungsverhalten

Eine Hinführung von neuropsychologischen Grundlagen zum Forschungsdiskurs der praktischen Übertragung

Hausarbeit 2018 25 Seiten

Psychologie - Biologische Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Einführung
1.1 Definition des Lügenbegriffs
1.2 Historie der Lügenforschung

2. Der präfrontale Kortex
2.1 Anatomie des präfrontalen Kortex
2.2 Funktionen des präfrontalen Kortex

3. Methodik
3.1 fMRT (funktionelle Magnetresonanztomographie)
3.2 tDCS (transcranial direct-current stimulation)
3.3 GKT (guilty knowledge test)

4. Die Rolle des präfrontalen Kortex bei ausgeübtem Täuschungsverhalten
4.1 Rezensionen wichtiger Studien
4.2 Diskussion der Ergebnisse

5. Validität und praktischer Nutzen: Ein Fazit

Anhang

Literatur

Einleitung

„He who has eyes to see and ears to hear may convince himself that no mortal can keep a secret. If his lips are silent, he chatters with his fingertips; betrayal oozes out of him at every pore” (Vrij 2008 S. 37 nach Freud, 1959, S.94). Gemäß diesen freud'schen Zitates ist es die Lügenforschung, die des Stummen Geheimnis entlocken will. Doch wäre eine Welt ohne Lügen eine bessere? Aldert Vrij, Professor der Sozialpsychologie, argumentiert, dass die Lüge neben eigennütziger Zweckerfüllung vor allem als soziales Schutzmittel (social lubricant) diene (vgl. Vrij, 2008). Diesem Nutzen stehen Verbrechen, die durch strategische Täuschungen zu Stande kommen gegenüber. Die Detektion der Lüge im Straffall mittels Polygraph ist ethisch jedoch problematisch und in vielen Ländern verboten. Neue Möglichkeiten zur Detektion der Lüge sind dank moderner Technik im Begriff zu entstehen. So auch die kognitive Lügenforschung. Hier wird der „Entstehungsort der Lüge“, das Gehirn, direkt untersucht, um durch Aktivität spezifischer Regionen eine Lüge zu identifizieren. Ergebnisse bisheriger Forschung zeigen immer wieder die Bedeutsamkeit des präfrontalen Kortex (PFC) bei ausgeübtem Täuschungsverhalten (z.B. Mameli et al., 2016).

Diese Arbeit widmet sich daher einer genauen Untersuchung der Bedeutung des PFC bei ausgeübtem Täuschungsverhalten. Dabei sollen zunächst wichtige Begriffe definiert werden und eine kurze historische Einordnung der Lügenforschung erfolgen. In einem nächsten Schritt wird die Anatomie des PFC im Gehirn veranschaulicht, wobei auch mögliche Funktionen erläutert werden sollen. Als letzte Vorbereitungsmaßnahme erfolgt eine Einführung in die - für diese Arbeit relevanten - neurowissenschaftlichen Methoden um kognitive Lügenforschung zu betreiben. Das dadurch generierte Wissen dient dem Verständnis der ausgewählten Forschungsergebnisse, die als zentraler Gegenstand der Arbeit vorgestellt und diskutiert werden sollen. Anhand der gewonnenen Erkenntnisse soll darlegt werden, ob die neuronale Lügenforschung in der Forensik praktischen Nutzen fände. Das Ziel der Arbeit ist es, durch die Erarbeitung ausgewählter Forschungsarbeiten, den Forschungsstand der kognitiven Lügenforschung am PFC, in ihrem Verlauf und momentanen Problematiken, aus verschiedenen Quellen, zusammenführend zu erfassen um eine Übertragbarkeit der Ergebnisse zu diskutieren.

1. Einführung

Im folgenden Kapitel sollen zunächst die eng zusammenhängenden Begriffe Lüge und Täuschung definiert werden. Anschließend erfolgt ein grober Anriss der Geschichte der Lügenforschung um das aktuelle Geschehen auch im historischen Kontext begreifen zu können.

1.1 Definition des Lügenbegriffs

Seit Anbeginn der Lügenforschung wurde der Begriff der Lüge und der Begriff Täuschung vielfältig definiert. Das Dorsch Lexikon der Psychologie definiert die Lüge als:

[A]bsichtliche wahrheitswidrige Darstellung, die gegeben wird, als ob es eine wahrheitsgemäße Darstellung wäre, und ohne das Einverständnis des Berichtsempfängers zum Getäuschtwerden. [Dabei befasst sich] die Forschung mit den Vorgängen beim Lügen und mit den Möglichkeiten (…) das Lügen zu erkennen. (Wirtz, 2013, S. 979).

Wie diese Definition der Lüge zeigt, stellt der prozesshafte Vorgang der Lüge die Täuschung dar. Da die Arbeit sich dem Bereich der neurologischen Forschung widmet, wird die Definition der Täuschung diesem entnommen. Nobuhito Abe, außerordentlicher Professor für kognitive Neurowissenschaften, definiert Täuschung folgendermaßen:

Deception is a psychological process by which one individual deliberately attempts to convince another person to accept as true what the liar knows to be false, typically for the liar, or sometimes for others, to gain some type of benefit or avoid loss. (Abe, 2011, S. 560 nach Abe, 2009)

Abes Definition beinhaltet mindestens zwei Personen. Somit schließt er die Selbsttäuschung aus seinem Konzept aus, welche auch in dieser Arbeit nicht weiter berücksichtigt wird. Des Weiteren wird von einer Täuschung ausgegangen, die durch die Aspekte des Vorsatzes und des Wissens über ihre Existenz von Seiten des Täuschenden charakterisiert ist. Problematisch könne sich die Definition somit bei Konfrontation mit dem pathologischen Lügner verhalten (vgl. Abe, 2011) oder überall dort, wo Täuschung als intentionaler Akt stattfindet (vgl. Vrij, 2008). Jedoch wird in den Neurowissenschaften die Lüge zumeist kontrolliert herbeigeführt. In vielen Definitionsvorschlägen findet sich ebenfalls der Aspekt, dass Täuschung hauptsächlich dem Vorteil nütze. In der Forschung findet sich dieser Aspekt weitgehend bestätigt (z.B. bei Greene und Paxton, 2009), sodass es sinnvoll, aber nicht unabdingbar ist, von ihm auszugehen.1

1.2 Historie der Lügenforschung

Menschliche Täuschungen zu entdecken und ihnen Herr zu werden erwies sich als treibende Kraft in der frühen Lügenforschung. So finden sich erste Ansätze eines niedergeschriebenen Lügentests im alten Ägypten vor 3600 Jahren (vgl. Karim et al., 2010b). Der erste Baustein für den Beginn moderner Lügendetektion wurde durch den italienischen Psychiater und Gerichtsmediziner Cesare Lombroso (1895) gelegt. Lombroso versuchte Tatverdächtige zu überführen, indem er auf mögliche Pulsveränderungen und Blutdruckwerte achtete (vgl. Karim et al., 2010b). Eine erste Messung anhand der Darstellung mehrerer biologischer Parameter gelang Larson (1921). Dieser zeichnete gleichzeitig Blutdruck, Puls, Atmung und Hautleitfähigkeit auf, um durch sympathische Erregung eine Täuschung zu überführen (vgl. Karim et al., 2010b). Der von John E. Reid (1947) entwickelte Control Question Test (CQT) zur Lügendetektion traf als Testmethode in der forensischen Praxis auf großen Anklang. David T. Lykken (1960), Kritiker des CQT, entwickelte den Guilty - Knowledge - Test (GKT), welcher vergleichsweise hohe Trefferraten bieten konnte (vgl. Karim et al., 2010b). Dennoch steht die Lügenforschung vor einem ungelösten Problem. Bisher entwickelten Methoden ist es nicht gelungen, die Lüge als Solches zu messen. Polygraphen sind durch ihre Abhängigkeit von Hautleitwert, Herzrate und Atmung in ihrer Validität eingeschränkt (vgl. Langleben et al., 2002). Die Beobachtung von sog. „non - verbal - cues“ hat ebenfalls nur sekundären Zugang zur Lüge. Ein Beispiel von Vrij (2008) illustriert, warum es unter manchen Umständen nicht möglich ist, mit bisherigen Methoden, eine Lüge von der Wahrheit zu unterscheiden:

Experiencing emotions and cognitive effort, or attempting to appear credible, is not exclusive to liars. (…) Suppose that, when asked whether he killed his wife, a suspect answers ¸No, I did not do that' (…). Is this man lying? That is impossible to say. (…) He may be nervous because he is trying to hide the fact that he killed his wife. He may be nervous (...) because he is afraid that the police detective will not believe him. (S. 61)

Lässt sich das von Vrij pointierte Problem durch die kognitive Lügenforschung lösen? Um diese Frage zu beantworten muss auf bisherige Forschungsarbeiten der kognitiven Lügenforschung eingegangen werden. Dazu werden in dieser Arbeit wichtige, problemorientierte Forschungsergebnisse angeführt und anschließend diskutiert. Da das Gebiet der kognitiven Lügenforschung noch sehr jung und unorganisiert ist, ist es von hoher Relevanz mehr wissenschaftliche Arbeiten zu verfassen, die versuchen, bisherige Forschungen zu verbinden und zu vergleichen. Durch die Hinführung von den Grundlagen zum Diskurs von Forschungsergebnissen dieses Gebiets ist diese Arbeit in ihrer Art einzigartig.

2. Der präfrontale Kortex

Da wichtige Begriffe nun definiert wurden, wird sich als Nächstes den neurologischen Grundlagen zugewandt. In einem ersten Schritt wird auf die Anatomie des PFC eingegangen, wobei in einem zweiten Schritt mögliche Funktionen des PFC erläutert werden.

2.1 Anatomie des präfrontalen Kortex

Der Kortex (Hirnrinde) stellt „die äußere Schicht der Großhirnhemisphären“ (Schandry, 2016, S.144) dar. Er setzt sich überwiegend aus grauer Substanz (v.a. Nervenzellkörpern) zusammen. Weiße Substanz (myeliniserte Nervenfasern und Gliazellen) befinden sich im tieferen Bereich des Großhirns (vgl. Schandry, 2016). Durch die Beschaffenheit der grauen Substanz lässt sich der Kortex in Neokortex und Allokortex unterteilen, die sich jeweils aus mehreren Schichten zusammensetzen (vgl. Schandry, 2016). „Der Neokortex ist der phylogenetisch jüngste Teil der Großhirnrinde“ (Schandry, 2016, S.150). Daher lassen sich in dem sechsschichtigen Gebilde besonders anspruchsvolle geistige Leistungen lokalisieren. Berücksichtigt man ebenso die Einteilung des Kortex nach den vier Hirnlappen, lässt sich der PFC als Teil des Neokortex auf dem Frontallappen lokalisieren. Zur genaueren Bezeichnung der Aspekte der kortikalen Teilbereiche werden die Brodmann - Areale (BA) verwendet. Abbildung 1 zeigt die BA des PFC und lässt erkennen, dass dieser aus zusammenhängenden BA im vorderen Bereich besteht. Da die Forschung im PFC relativ jung ist, variieren die weiteren Unterteilung innerhalb des PFC je nach Literatur. Die vorliegende Arbeit nimmt die Unterteilung des PFC nach Murray (2017) mit Ergänzungen durch Goebel (2007) vor, wobei auf andere Möglichkeiten eingegangen wird, um die in der Literatur jeweils variierenden Unterteilungen referenzieren zu können:

- Orbitofrontaler Kortex (OFC; BA: 11, 13, 14)
- Medialer präfrontaler Kortex (mPFC; BA: 9 medial, 10, 24, 25, 32) mit dem anterioren cingulären Kortex (ACC; BA: 24, 25)
- Lateraler präfrontaler Kortex aus dorsolateralem präfrontalem Kortex (DLPFC; BA: 9 lateral, 46) und ventrolateralem präfrontalem Kortex (VLPFC; BA: 12, 44, 45, 47)
- Anteriorer präfrontaler Kortex oder frontopolarer präfrontaler Kortex (aPFC; BA: 10) Je nach Literatur wird das frontale Augenfeld (BA: 8) als kaudaler Bereich dazu gezählt (vgl. Birbaumer und Schmidt, 2010; Goebel, 2007). Des Weiteren ergibt sich eine mögliche Einteilung in linken Präfrontalkortex sowie rechten Präfrontalkortex (vgl. Schandry, 2016). Die Bezeichnung ventromedialer präfrontaler Kortex (VMPFC), die in macher Literatur verwendet wird (vgl. Schandry, 2016), besteht aus Anteilen des mPFC und des OFC (vgl. Murray, 2017). Die Zuordnung der BA zu den Arealen des PFC variiert ebenfalls in der Literatur leicht.

2.2 Funktionen des präfrontalen Kortex

Als gemeinsamer Funktionsschwerpunkt im PFC ergeben sich vor allem „Aufbau stabiler Erwartungshaltungen und Zukunftsorientierungen des Verhaltens“ (Birbaumer und Schmidt, 2010, S. 788). Aus Betrachtungen von Patienten mit Läsionen im PFC geht hervor, dass sich dieser ebenso in den Bereichen Persönlichkeit, langfristige Handlungsplanung, Kontrolle motivationaler und emotionaler Impulse, Konzentrationsfähigkeit und motorischem Antrieb beteiligt (vgl. Schandry, 2016). Bei isolierter Betrachtung werden folgende Funktionen in den verschiedenen Bereichen vermutet:

Der VLPFC diene der „Aufrechterhaltung von Informationen“ (Goebel, 2007, S. 47). Die Verarbeitung (Selektion, Manipulation und Überwachung) der Informationen finde dabei im DLPFC statt (vgl. Goebel, 2007). So scheint der DLPFC maßgeblich am Arbeitsgedächtnis (working memory) beteiligt zu sein (Birbaumer und Schmidt, 2010). Dem aPFC werden vor allem metakognitive Funktionen zugeschrieben sowie eine Aktivierung bei selbst - initiiertem Verhalten (vgl. Goebel, 2007). Über die Funktionalität des ACC bestehen verschiedene theoretische Ansichten. Viele Forscher glauben an die Beteiligung des ACC an der Kontrolle der Aufmerksamkeit sowie einer Lösung von Konflikten zwischen konkurrierenden Antwortbedingungen (vgl. Goebel, 2007). Der OFC spiele einerseits eine Rolle beim operanten Konditionieren (vgl. Goebel, 2007), indem hier Emotionsregulation auf folgende Belohnung oder Bestrafung erfolge (vgl. Birbaumer und Schmidt, 2010). Andererseits gehe durch Läsionen des OFC hervor, dass dieser maßgeblich an der Beteiligung von moralischer und sozialer Verantwortung mitwirke (vgl. Schandry, 2016). Viel weist auf eine zentrale Rolle des PFC im Bereich der Exekutivfunktionen hin. Exekutivfunktionen setzen sich dabei aus höheren kognitiven Prozessen zusammen, die der flexiblen Anpassung von Gedanken und Verhalten bei sich verändernden Kognitiven- und Umweltbedingungen dienen (vgl. Christ et al., 2009). Das System der Exekutivfunktionen lässt sich in „working memory“, „inhibitory control“ und „task switching“ unterteilen (vgl. Christ et al., 2009).2

3. Methodik

Um die verwendeten Methoden in der kognitiven Lügenforschung besser zu verstehen, werden im Folgenden die Zentralsten für die Fragestellung vorgestellt. Dazu gehören das fMRT, das Stimulationsverfahren tDCS und der GKT.

3.1 fMRT (funktionelle Magnetresonanztomographie)

Mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie werden beim Zeitpunkt der Aufnahme aktivierte Gehirnareale abgebildet. So können auch Bilder von wechselnden Funktionszuständen abgebildet werden. (vgl. Schandry, 2016) Die fMRT funktioniert, indem sie das BOLD - Signal (blood - oxygene - level dependent) nutzt. Durch erhöhte neuronale Aktivität steigt der Sauerstoffgehalt in den aktivierten Regionen. Da das dadurch vermehrt vorkommende Desoxyhämoglobin paramagnetisch ist, wird es mittels MRT nachweisbar (vgl. Schandry, 2016). Wird die fMRT im Gehirn angewandt, kann man auf Grund von Vorwissen annehmen, wo bestimmte Regionen liegen. Dabei wird ein Koordinatennetz an den einzelnen Voxel des 3 - D Gehirn Modells anlegt. So kann sich das Computerprogramm auf bestimmte sog. „Regions of Interest“ (ROI) festlegen, wodurch Rechenzeit eingespart werden kann, sollte man nur bestimmte ROI untersuchen wollen (vgl. Brinkmann, 2008).

3.2 tDCS (transcranial direct-current stimulation)

Bei der tDCS wird mit schwachen Gleichströmen die Schädeldecke durchdrungen und so der Kortex erregt oder gehemmt (vgl. Birbaumer und Schmidt, 2010). Zwischen zwei Elektroden wird über den Arealen für bestimmte Zeit Gleichstrom geschickt. Eine Reizung unter der positiv polarisierten Elektrode sollte zu einer erhöhten Erregbarkeit des Nervengewebes führen, während eine Reizung unter der negativ polarisierten Elektrode im Umkehrschluss zu einer Hemmung führen sollte (vgl. Birbaumer & Schmidt, 2010; Abb. 4). Ein anderes oft verwendetes stimulierendes Verfahren stellt die TMS (transcranial magnetic stimulation) dar.

3.3 GKT (guilty knowledge test)

Der GKT gehört zu den indirekten Verfahren, Lügendetektion zu betreiben. Dabei wird ein relevantes Item (z.B. die konkrete Tatwaffe) in einem Multiple - Choice - Format mit verschiedenen irrelevanten Items nacheinander vorgelesen. Trift der Täter auf das relevante Item, so müssten sich eine erhöhte Erregung gegenüber den irrelevanten Items ergeben (vgl. Karim, 2010b; Wirtz, 2014). In Kombination mit fMRT Studien kann durch Wiederverwendung dieses Frageformates die Standardisierung zwischen verschiedenen Studien erhöht werden. Ein anderes oft verwendetes Multiple - Choice - Format in der kognitiven Lügenforschung ist der Concealed Information Test.

4. Die Rolle des präfrontalen Kortex bei ausgeübtem Täuschungsverhalten

In einem ersten Schritt sollen nun für das Themengebiet relevante Studien chronologisch vorgestellt werden. Dabei wurden wichtige Pionierstudien, Metaanalysen sowie Studien, die besonders interessant für den Forschungsdiskurs sind, ausgewählt.

In einem zweiten Schritt erfolgt die Diskussion der Ergebnisse. Diese stellt ein Zusammenspiel aus Diskussionsvergleichen der genannten Forschungsarbeiten sowie vorgenommene Abgleiche der jeweiligen Interpretationen mit den funktionellen Zuordnungen der Grundlagenbücher dar. Wichtig ist dabei, dass hier durch den jungen Forschungsstand keine Sicherheit gegeben ist und meist im wahrscheinlichen Bereich spekuliert wird.

4.1 Rezensionen wichtiger Studien

Seit der Pionierstudie von Spence et al. (2001) etablierte sich allmählich ein eigener Forschungszweig im Bereich kognitiver Lügenforschung (vgl. Ito et al., 2012; Mameli et al., 2016, Vrij, 2008). Spence et al. (2001) fanden in ihrer fMRT - Studie längere Reaktionszeiten im Antwortverhalten bei ihren Probanden, wenn diese logen, sowie damit einhergehende höhere Aktivität im VLPFC und ACC (vgl. Mameli et al., 2016).

Langleben et al. (2002) benutzten eine modifizierte Version des GKT um neuronale Aktivität zur Lügendetektion zu verwenden (vgl. Mameli et al., 2016). Dabei wurden den Probanden vor dem Versuch Spielkarten ausgeteilt. Die Probanden bekamen Instruktionen, den Versuchsleiter bei einer bestimmten Karte über deren Besitz anzulügen. Die Ergebnisse wiesen auf eine erhöhte Aktivität des Gyrus frontalis superior, des ACC sowie des premotorischen, motorischen und anterioren Parietallappen hin (vgl. Langleben et al., 2002), während die Probanden versuchten den Versuchsleiter zu täuschen. Christ et al. (2009) kritisieren jedoch, dass das durchgeführte Experiment durch die Konfundierung von Täuschung und Erinnern an die spezifische Karte, an Aussagekraft verliere (vgl. Christ et al., 2009).

Ganis et al. (2003) testeten den Unterschied zwischen den Dimensionen spontanen Lügens und einstudierten Lügens. Dabei wurde bei beiden Dimensionen der bilaterale aPFC und der bilaterale parahippokampale Gyrus während der Täuschung stärker aktiviert (vgl. Christ et al., 2009; Mameli et al., 2016). Der rechte aPFC wurde während des einstudierten Lügens stärker aktiviert, wobei der ACC bei spontanem Lügen stärker involviert war (vgl. Ganis et al., 2003; Karim et al., 2010a).

[...]


1 Eine ausführlichere Argumention zur Täuschungsdefinition findet sich in Vrij (2008).

2 Die Vorstellung der Exekutivfunktionen ist für eine spätere Problemstellung relevant.

Details

Seiten
25
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668763784
ISBN (Buch)
9783668763791
Dateigröße
1.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v435379
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau – Institut für Psychologie Koblenz
Note
1.0
Schlagworte
Lüge Täuschung PFC Präfrontalkortex präfrontaler Kortex Neurologie Psychologie Forschung Kognitive Psychologie Neuropsychologie Biologische Psychologie

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die Rolle des präfrontalen Kortex bei ausgeübtem Täuschungsverhalten