Lade Inhalt...

Das wiederkehrende Motiv des Verkaufs seelenspiegelnder Attribute des Menschen

Krüss' "Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen" und Chamissos "Peter Schlemihls wundersame Geschichte"

Hausarbeit (Hauptseminar) 2017 31 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Die Seele und ihre spiegelnden menschlichen Attribute
1.1 Lachen
1.2 Schatten

2. Teufel und Teufelspakt

3. Untersuchungsgegenstände der Werke
3.1 Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen
3.1.1 Inhalt
3.1.2 Protagonist
3.1.3 Antagonist
3.1.4 Teufelspakt
3.2 Peter Sehlem ih Is wundersame Geschichte
3.2.1 Inhalt
3.2.2 Protagonist
3.2.3 Antagonist
3.2.4 Teufelspakt

4. Vergleich der Werke Kriiss' und von Chamissos Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

Einleitung

Die Wette gilt, mein Herr! Doch glaubt es mir:

Das Lachen unterscheidet Mensch und Tier.

Und man erkennt den Menschen stets daran,

Daß er zur rechten Stunde lachen kann![1]

In der vorliegenden Arbeit werden wir uns mit dem wiederkehrenden Motiv des Verkaufs seelenspiegelnder Attribute des Menschen in der deutschen Literatur beschäftigen. Dazu ziehen wir einen Vergleich von James Krüss’ Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen und Adelbert von Chamissos Peter Schlemihls wundersame Geschichte.

Zu Beginn wird der Fokus auf Charakteristika der menschlichen Seele gelegt. Hierbei gehen wir im Speziellen auf das Lachen und den Schatten ein. Da der Verkauf jener Attribute in den untersuchten Werken einen Teufelspakt darstellt, wird dieser, ebenso wie der Teufel, in einem eigenen Kapitel behandelt. Im Anschluss daran vergleichen wir Krüss’ Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen mit von Chamissos Peter Schlemihls wundersame Geschichte. Gerade weil Krüss’ Jugendroman eine Adaption von von Chamissos Märchenerzählung ist[2], ziehen wir einzelne Aspekte, wie die Inhalte, die Protagonisten, die Antagonisten sowie die Teufelspakte, aus beiden Texten heraus und stellen diese gegenüber.

Im Bezug auf den immer wiederkehrenden Handel mit menschlichen Attributen der Seele gegen bedürfnisbefriedigende Güter zwischen sterblichen und Un­sterblichen, werden wir versuchen, abschließend folgende Frage zu beantworten: Warum strebt der Teufel nach Menschlichkeit?

1. Die Seele und ihre spiegelnden menschlichen Attribute

״Seele, die; [...] substanzieller und körperloser Teil des Menschen, der in religiöser Vorstellung als unsterblich angesehen wird, nach dem Tode weiter- lebt“.[3]

In der gegenwärtigen Literatur sind in den verschiedenen Fachgebieten die unterschiedlichsten Definitionen der Seele zu finden. So unterscheiden sich beispielsweise die Beschreibungen der Religionswissenschaft stark von der, der Psychologie. Wir werden in diesem Kapitel kurz auf den Begriff und die Funktion der Seele in der Religionswissenschaft eingehen, da sich dieser unserer Meinung nach am besten mit dem Inhalt dieser Hausarbeit deckt.

Hans-Peter Hasenfratz beschreibt die Seele als das, ״was sich dem (religiösen) Menschen (an ihm selber und an anderen und anderem) als Mächtigkeit physischen und hyperphysischen [...] Lebens offenbart“.[4] Allgemein zu erwähnen ist, dass die Seele stets an den Körper gebunden ist, lediglich nach dem Tod löst sich diese von dem jeweiligen Lebewesen. Die Seele kann in ihren unter­schiedlichen Funktionen verschiedene Gestalten annehmen. So kann sie sich als Mensch, Tier, Pflanze, Gegenstand, Element oder gar als ein optisches oder akustisches Phänomen manifestieren. Unter einem optischen Phänomen ist hier beispielsweise der Schatten aufzuführen.[5] So wird vor allem in Afrika der Glaube vertreten, dass der Schatten als Seele den Menschen tagsüber begleitet, nachts ins nächtliche Dunkel wandert, um dann bei Tageseinbruch wieder zu den Menschen zu Stoßen.[6] Dem widerspricht Gero von Wilpert, indem er Adelbert von Chamisso zitiert: ״Nachdem Chamisso zum Glück oder Unglück seiner Inter­preten dafür Sorge getragen hat, daß der Schatten nicht mit der Seele gleichzusetzen ist[7] So gilt er, unter anderem neben dem Lachen, als Teil der Seele bzw. als ein seelenspiegelndes Attribut.

1.1 Lachen

Der Duden beschreibt das Lachen als Freude, Spott 0. Ä., das durch hervorbringen einzelner Laute ausgedrückt wird.[8]

Helmuth Plessner und Henri Bergson, auf die wir uns in diesem Abschnitt beziehen werden, gehen einen eher anthropologischen Weg, das Lachen und seine Funktion zu beschreiben. Beide behandeln das Lachen im engen Bezug zur Komik, auf die wir allerdings nicht näher eingehen werden.

Plessner definiert das Lachen als eine Äußerungsform, über die alleine der Mensch verfügt. Dies grenzt ihn, neben vielen anderen Charakteristika wie der Sprache, den Gebärden oder gezielten Absichten, von anderen Wesen ab. Das Lachen stellt, wie übrigens auch das Weinen, einen Verlust der Selbstbe­herrschung dar.[9] Weiterhin gibt er an, dass Lachen kein rein physischer Vorgang ist, sondern eher ein Zusammenspiel aus der gesellschaftlichen Situation und des eigenen Ichs. "Nicht mein Körper, sondern ich lache [...] aus einem Grunde.“[10] Auch Bergson beachtet die soziale Komponente als eine sehr wichtige. Lachen kann sich innerhalb einer Gruppe aufbauen, ja kann sich fast lawinenartig ausbreiten: "etwas, was, indem es überall widerhallt, immer weiter gehen möchte, etwas, was wie mit einer Explosion einsetzt, um dann, dem Donner in den Bergen gleich, langsam weiter zu rollen.“[11] Dies zeigt die enorm große Macht des Lachens innerhalb der Gesellschaft auf. Diese Macht oder auch einfach nur der Zweck des Lachens, kann nur erfüllt werden, wenn es in seinem eigentlich und ursprünglichen Verwendungsrahmen, der menschlichen Gesell­schaft und eben von einem menschlichen Wesen ausgeübt wird.

1.2 Schatten

Laut Peter Jackob, der sich mit der Begrifflichkeit des Schattens und seinem Wandel als Metapher in der europäischen Literatur beschäftigt hat, tritt der Schatten in verschiedenen kulturellen Ausprägungen auf. Zum Ersten erwähnt er den physikalischen Schatten, der primär vom Licht abhängt. So ist der Schatten ein wesentlicher Bestandteil jedes belebten Wesens und unbelebten Gegen­Standes. Zum Zweiten wird der symbolische Schatten beschrieben, der seit vielen Jahrhunderten ein Symbol im kulturellen und literarischen Hinblick dar­stellt. Zum Dritten beschäftigt er sich mit dem Schatten im Volks- und Aberglaube, auf den wir uns hauptsächlich beziehen werden.

Generell betrachtet tritt der Schatten in zwei Grundformen auf. Die erste Grundform nimmt Bezug auf den physikalischen Schatten. Die zweite Grundform, für uns deutlich interessanter, beinhaltet die Aussage, dass der Schatten das Wesentliche, das Lebensprinzip, ja die Seele eines Menschen darstellt.[12]

In dieser zweiten Grundform, dem Schatten als Teil der menschlichen Seele, nimmt dieser unmittelbaren Einfluss auf den psychischen und physischen Zustand eines Menschen. Es wird beschrieben, dass in einigen eher östlich gelegenen Kulturen, das Entfliehen eines Schattens auf Schwächung des Menschen zurückzuführen ist. Das komplette Ausbleiben des Schattens ist hingegen ein Zeichen für den bevorstehenden Tod innerhalb eines Jahres. Sowohl im Christentum, als auch im Volks- und Aberglauben ist der Teufel schattenlos. Einer bulgarischen Überlieferung zufolge, entstand der Teufel aus dem Schatten Gottes und kann somit keinen eigenen Schatten besitzen. Auch Teufelsbündner sind im christlichen Glauben, Volks- und Aberglauben schattenlos. Der Schatten wird oft als Honorar gegen vom Teufel vermittelten Wissen O.Ä. gegeben.

Die weiteste Verbreitung fand das Motiv des verlorenen oder verkauften Schattens und seine Variation des verlorenen Spiegelbildes. Handlungs- technisch ermöglicht das Motiv den Aufbau einer Erzählfolge der fortgesetzten Bemühung des Handlungsträgers, seinen verlorenen Schatten wieder zu erlangen.[13]

In der deutschen Literatur war Adelbert von Chamisso der erste Autor, der das Motiv vom verlorenen bzw. verkauften Schatten in einer Erzählung verwendet.[14] In dem von uns in Kapitel 4.2 untersuchten Werk Peter Schlemihls wundersame Geschichte stellt der Schatten ״das jedem einzelnen angeborene Recht dar, in der bürgerlichen Gesellschaft zu existieren, in ihr einen Schatten zu werfen“.[15]

2. Teufel und Teufelspakt

Ich rief den Teufel und er kam,

Und ich sah ihn mit Verwundrung an.

Er ist nicht hässlich und ist nicht lahm,

Er ist ein lieber, scharmanter Mann,

Ein Mann in seinen besten Jahren,

Verbindlich und höflich und welterfahren [...][16]

Der Teufel, auch Beelzebub, Luzifer oder Satan genannt, spielt sowohl in der Religion, als auch in der Literatur eine bedeutende Rolle. Er ist Handlungsträger sowie Gegenspieler und ist der, der dramatische Konflikte auslöst. So hat er eine zentrale Funktion in Ereignisfolgen, in denen er jeden seiner Schachzüge und die der Protagonisten sorgsam abwägt und mit seinen eigenen Eigenschaften verziert. Durch den Teufel als Antagonisten in literarischen Werken entstehen Motive wie die Versuchung durch das Böse, sowie Persönlichkeitsverluste in den Individuationsprozessen der Protagonisten.[17] Laut Ingrid Daemmrich hat sich die Figur des Teufels in der Literatur zwar im Laufe der Zeit verändert, nichts­destotrotz sind einige seiner Eigenschaften und Charakteristika über die

Jahrhunderte gleichgeblieben. Zu erwähnen ist hier der Teufel als gefallener, strahlender Engel, der sich mit Gott auf eine stufe stellt, aber aus dem Himmel vertrieben und in die Hölle verbannt wurde. Sein ständiges streben nach Weltherrschaft, seine Gefühllosigkeit gegenüber Dritten, als auch, dass er bei den Lesern sowie anderen literarischen Figuren Gefühle wie Bewunderung oder Mitleid auslösen kann. Seine äußere Gestalt kombiniert Figuren der Mythologie als auch heidnischer Götzenbilder. Charakteristisch Stehen hierfür der Klumpfuss, die Hörner und sein Schwanz.[18] Zugleich soll er ein Meister der Anpassungs­kunst und ein großer Illusionist sein. So tritt er als Wissenschaftler, Künstler, Philosoph, Intellektueller der modernen Zeit, hilfsbereiter Diener oder Höfling auf. Auch verkörpert er die Wünsche und Träume seiner Freunde und Feinde und hat so auch bei all dem Negativen den Ruf des Gewissens auf seiner Seite. ״Seine Bedeutung übertrifft die jeder berühmten Persönlichkeit und rechtfertigt den fiktiven autobiographischen Anspruch.“[19]

ln der weiteren Entwicklung seines Erscheinungsbildes läßt sich eine zunehmende Vermenschlichung der Teufelsgestalt feststellen. [...] In der anthropologischen Gestalt sind dem Teufel fast keine Grenzen gesetzt, wenngleich sich auch hier Lieblingsgestalten abzeichnen: der Fahrende, der Kavalier, der Jäger.[20]

Bei vielen Menschen ist der historische Faust der Inbegriff für einen Vertrags­partner mit dem Teufel. Doch war er weder der erste, noch der einzige, der sich mit dem Teufel einließ. Und solange der christliche Glaube auf der Welt existiert, ״existiert auch ein ,Gegenglaube‘ an den ,Widersacher Christ¡‘, den Teufel“.[21] Um sich mit dem Teufel einzulassen, kann man laut Mariannen Sorvakko-Spratte einen von zwei Wegen wählen: Zum einen den Teufelsbund, auf den wir hier nicht näher eingehen werden, und zum anderen den Teufelspakt.[22]

Der Teufelspakt ist ein verbindlicher Vertrag zwischen einem Menschen und dem Teufel, indem es meist darum geht, dass der Mensch einen Teil seiner Seele, ein seelenspiegelndes Attribut oder gar seine gesamte Seele an den Teufel verkauft. Dafür erlangt er im Gegenzug eine meist überirdische Macht, wie nicht enden wollender Reichtum oder die Fähigkeit jede Wette zu gewinnen. Bemerkenswert ist an dieser stelle, dass es nicht der Teufel ist, der versucht diese Verträge zu brechen, sondern der Mensch. Satan hält an seinen Verpflichtungen fest, während der Mensch versucht aus dem Vertrag durch List oder göttliche Gnade zu entfliehen.[23] Doch so gibt es für diese ehrliche Frömmigkeit des Teufels eine perfide Erklärung. Bei den beiden Vertragsparteien handelt es sich nicht um gleichwertige Partner. Der Mensch ist dem Teufel als überirdisches Wesen unterlegen und ergibt sich erst blind seinem Schicksal, als dann er versucht, den Vertrag aufzulösen, was nicht einfach ist. ״Der Pakt mit dem Teufel muß durch Blut beglaubigt werden.“[24] Dem Protagonisten bleibt in der Regel nichts anderes übrig, als eine List anzuwenden oder auf Gott zu vertrauen. Auf diesem Weg begegnet er den Themen wie Freiheit, Individualität, Schicksal, die Anatomie des menschlichen Willens sowie gesellschaftssoziologische Perspektiven. Der Reichtum kann den verkauften Teil des Menschen nicht ersetzen und so bleibt dem Menschen meist nichts, als die Isolation. ״Das Bündnis von Satan mit Menschen [...] löst gewaltsame Konflikte zwischen dämonischen Kräften und den nach Läuterung, Aufklärung und Erlösung strebenden Neigungen aus.“[25]

Literaturwissenschaftlich ist zu beobachten, dass das Motiv des Teufelspakts einem literarischen Werk die Konzeption eines Spielplans überträgt, an dem sich die Handlung hält.[26] Die Enden sind allerdings zumeist unterschiedlich. So können einige Protagonisten den Teufelspakt brechen, während andere ihm zur Gänze verfallen.

3. Untersuchungsgegenstände der Werke

3.1 Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen

Der Roman Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen wurde von dem deutschen Autor James Krüss geschrieben und 1962 veröffentlicht. Krüss' Werk besteht aus einer Rahmenhandlung, unterteilt in ein Vor- und Nachspiel und sieben Tage als Überkapitel. In diesen Tagen wird die Binnenhandlung in 33 Bögen erzählt. In den folgenden Unterkapiteln gehen wir auf den Inhalt, den Protagonisten Timm Thaler, seinen Gegenspieler Herr Baron L. Lefuet und den Vertrag zwischen ihnen ein, der zu den Teufelspakten zählt. Wir beziehen uns bei allen Punkten auf die Erstausgabe von 1962.

3.1.1 Inhalt

״Der Jugendroman von James Krüss ist eine phantastische Parabel der kapitalistischen Warenwelt, in der der Mensch sein Menschsein verliert, wenn er den materiellen Verführungen nicht widersteht.“[27]

Die Rahmenhandlung wird von dem Ich-Erzähler Boy[28] erzählt, spielt allerdings eine untergeordnete Rolle. Boy sitzt nach dem Ende des zweiten Weltkriegs in einem Zugabteil nach Leipzig, in dem er von einem fremden Mann zum Mittagessen eingeladen wird. Dieser Mann wird im Laufe der Geschichte noch eine Rolle spielen und Boy am Ende ein Angebot machen.

In Leipzig angekommen, trifft Boy auf Timm, der ihm an den darauffolgenden sieben Tagen eine Geschichte erzählen wird, die eine Adaption zu Adelbert von Chamissos Peter Schlemihls wundersame Geschichte ist.[29]

Zu Beginn des phantastischen Jugendromans ist Timm Thaler ein kleiner Junge, der in ärmlichen Verhältnissen aufwächst. Von seiner Stiefmutter und seinem Stiefbruder Erwin erfährt er nur Demütigung und Zurücksetzung. Durch den Ver­lust des geliebten Vaters, erlebt Timm Einsamkeit und ihm droht, sein Lachen abhanden zu kommen. Durch diese Masse an Unglücken wachsen in dem kleinen Timm die Wünsche nach Anerkennung und Reichtum. "Fast tut Krüss des Negativen etwas zuviel, aber nur die miserablen Verhältnisse erklären ja Timms glühenden Wunsch nach einem besseren Leben."[30] So wünscht er sich, er hätte genug Geld, so dass er für sich, seine Stiefmutter und Erwin ein großes Haus mieten könne, indem Timm ein eigenes Zimmer hätte. Sein Stiefbruder solle jeden Tag Taschengeld bekommen und seine Stiefmutter so viel Geld, dass sie sich alles kaufen könne, was ihr Herz begehrt. Dem Vater möchte er einen großen Marmorgrabstein aufstellen. Doch diese Wünsche bleiben erst einmal unerreichbar, hat Timm Thaler doch keinen Pfennig. Er träumt vom großen Geld, ist er doch der Meinung, dass dieses ihm alles Unglück in Glück verwandeln würde. Timm besucht am Tag der Beerdigung seines Vaters die Pferderennbahn, um mit seiner Trauer allein sein zu können. Für den Jungen und seinen Vater war dies zu einer lieben Tradition geworden und so fühlt sich Timm am traurigsten Tag seines jungen Lebens an diesem Platz wohler, als sonst irgendwo. Auf dieser Rennbahn lernt Timm den Baron Lefuet kennen. Dieser verleitet Timm mit einem gefundenen Fünfmarkstück zum Wetten und lässt den Jungen so den Reichtum kurz schmecken. Lefuet bietet dem Jungen nach mehrmaligen Treffen, bei denen Timm immer auf das richtige Pferd setzte, an, auch in Zukunft jede Wette gewinnen zu können und so Anerkennung und Reichtum zu erhalten. Der Preis dafür sei Timms herzergreifendes und strahlendes Lachen. Der Junge, dem schon lange nicht mehr nach Lachen zumute war, der nach Geld und Sorglosigkeit strebt, ist von diesem Angebot angetan.

Timm willigt in den Handel [...] ein, gewinnt beim Pferderennen bald eine Menge Geld und muß trotz seines Reichtums und seines steigenden Ansehens erfahren, daß er eine entscheidende humane Qualität eingebüßt hat. Das Lachen, so hört er in einem Marionettenspiel, unterscheide den Menschen vom Tier.[31]

Nachdem Timm genug Geld gewonnen hat, das er komplett seiner Stiefmutter übergeben musste, verlässt er seine Heimat, um als Schiffsjunge in See zu stechen. Doch zuvor kauft er seinem Vater vom gesparten Taschengeld noch den ersehnten Marmorgrabstein.

[...]


[1] Krüss, James (1962): Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen. Hamburg: Verlag Friedrich Oetinger, S.79.

[2] Vgl.: Ebd., s.16f.

[3] Müller, Wolfgang (1985): Duden. Das Bedeutungswörterbuch. Wortbildung und Wortschatz. Ein Lernwörterbuch mit Bedeutungsangaben, Anwendungsbeispielen und Abbildungen, mit sinn- und sachverwandten Wörtern und den Bausteinen des Wortschatzes. Mannheim: Bibliographisches Institut (Duden Band 10), s. 576.

[4] Hasenfratz, Hans-Peter (2002): Religionswissenschaftliches zur Seelenkonzeption. Am Beispiel Altägyptens. In: Figl, Johann et al. (Hgg.): Der Begriff der Seele in der Religionswissenschaft. Würzburg: Verlag Königshausen & Neumann GmbH, S.121.

[5] Vgl.: Ebd., S.122.

[6] Vgl.: Ebd., S.126.

[7] Wilpert, Gero von (1978): Der verlorene Schatten. Varianten eines literarischen Motivs. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag, s. 38.

[8] Vgl.: Müller, Wolfgang (1985): Duden. Das Bedeutungswörterbuch. Wortbildung und Wortschatz. Ein Lernwörterbuch mit Bedeutungsangaben, Anwendungsbeispielen und Abbildungen, mit sinn- und sachverwandten Wörtern und den Bausteinen des Wortschatzes. Mannheim: Bibliographisches Institut (Duden Band 10), s. 403.

[9] Plessner, Helmuth (1961): Lachen und Weinen. Eine Untersuchung nach den Grenzen menschlichen Verhaltens. Bern, s. 185.

[10] Ebd., s. 32.

[11] Bergson, Henri (1914): Das Lachen. Jena: Eugen Diederichs, s. 8.

[12] Vgl.: Jackob, Peter (2001): Der Schatten. Wandel einer Metapher in der europäischen Literatur. Sulzbach: Konrad Kirsch Verlag, S.37.

[13] Daemmrich, Ingrid (1987): Themen und Motive in der Literatur. Ein Handbuch. Tübingen: Francke Verlag, s. 272f.

[14] Vgl.: Lehmann, Ruth (1995): Der Mann ohne Schatten in Wort und Bild. Illustrationen zu Chamissos ״Peter Schlemihl“ im 19. und 20. Jahrhundert. Frankfurt am Main: Europäischer Verlag der Wissenschaften, s. 21.

[15] Vgl.: Freund, Winfried (1999): Deutsche Phantastik. Die phantastische deutschsprachige Literatur von Goethe bis zur Gegenwart. München: Wilhelm Fink Verlag GmbH & Co. KG, s. 141.

[16] Heine, Heinrich (1827): Ich rief den Teufel und er kam. In: Buch der Lieder, Die Heimkehr. Hamburg: Hoffmann und Campe, s. 211.

[17] Vgl.: Daemmrich: Themen und Motive in der Literatur, s. 269.

[18] Vgl.: Daemmrich: Themen und Motive in der Literatur, s. 270f.

[19] Ebd., s. 269.

[20] Petzoldt, Leander (1990): Kleines Lexikon der Dämonen und Elementargeister. München: Verlag C. H. Beck, s. 158f.

[21] Sorvakko-Spratte, Mariannen (2008): Der Teufelspakt in deutschen, finnischen und schwedischen Faust-Werken: Ein unmoralisches Angebot? Würzburg: Verlag Königshausen & Neumann GmbH, s. 23.

[22] Neumann, Almut (1997): Verträge und Pakte mit dem Teufel: antike- und mittelalterliche Vorstellungen im "Malleus maleficarum". In: Saarbrücker Hochschulschriften, st. Ingbert: Röhrig Universitätsverlag (Band 30: Grundlagen- und Geisteswissenschaft), s. 53.

[23] Vgl.: Daemmrich: Themen und Motive in der Literatur, s. 270.

[24] Vgl.: Ebd., s. 269.

[25] Vgl.: Ebd., s. 270.

[26] Vgl.: Ebd., s. 270.

[27] Freund: Deutsche Phantastik, s. 235.

[28] Krüss: Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen, s. 15.

[29] Ebd., s. 16f.

[30] Freund: Deutsche Phantastik, s. 234.

[31] Ebd., s. 234f.

Details

Seiten
31
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668761575
ISBN (Buch)
9783668761582
Dateigröße
514 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v435254
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau – Institut für Germanistik
Note
1,0
Schlagworte
teufel schlemihl seele deutsche literatur Krüss Timm Thaler Das verkaufte Lachen Chamisso

Autor

Zurück

Titel: Das wiederkehrende Motiv des Verkaufs seelenspiegelnder Attribute des Menschen