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Weibliche Identitätsentwürfe im Chicano-Roman "The House on Mango Street" und deren Auswirkungen auf die Identitätsbildung der Protagonistin Esperanza Cordero

Seminararbeit 2018 17 Seiten

Literaturwissenschaft - Vergleichende Literaturwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Hintergrundinformationen zu The House on Mango Street
2.1 Über die Autorin
2.2 Inhaltsangabe

3. Theoretischer Teil
3.1 Immigration aus Mexiko in die Vereinigten Staaten

4. Weibliche Charaktere in The House on Mango Street
4.1 Unterdrückung und Abhängigkeit
4.2 Armut
4.3 Bildung und Sprache
4.4 Stereotypen

5. Auswirkungen der Weiblichkeitsentwürfe auf Esperanzas Identitätsbildung

6. Schlusserklärung

Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Im Rahmen dieser Arbeit soll analysiert werden, inwieweit sich die weiblichen Identitätsentwürfe im Chicano-Roman The House on Mango Street auf die Identitätsbildung und Persönlichkeitsentwicklung der Protagonistin Esperanza Cordero auswirken. Diese durchläuft im Verlauf des Romans eine signifikante emotionale und intellektuelle Entwicklung, welche ich im Folgenden zu analysieren gedenke. Ich beschäftige mich mit diesem Thema im Rahmen des Proseminars „Zwischen Welten Leben: Interkulturalität in Literatur und Film untersucht anhand von Beispielen aus dem anglophonen Kulturraum“ und entschied mich für den Roman The House on Mango Street aufgrund seiner Relevanz für die Chicano-Literatur und die Latino-Gemeinschaft. Im ersten Teil der Arbeit wird die Autorin Sandra Cisneros vorgestellt und ein Überblick über die Handlung des Romans gegeben. Im zweiten Teil wird ein Überblick über thematisch relevante Theorie zu mexikanischer Immigration in die Vereinigten Staaten und dem stereotypen femininen Rollenbild in der mexikanischen Gesellschaft gegeben. Weiterhin sollen die ungerechten Rollenverhältnisse sowie die ökonomischen und sozialen Zustände in Esperanzas lateinamerikanischem Stadtviertel am Beispiel der Frauenbilder und ihrer desolaten Schicksale und Lebensgeschichten dargestellt werden. Diese werde ich aufgrund der großen Menge an Beispielen kategorisiert erläutern. Abschließend wird zur Analyse übergegangen, in der ich Esperanzas Identitätsentwicklung in Bezug auf diese weiblichen Identitätsentwürfe im Roman erforsche und die Entwicklung ihrer Persönlichkeit, ihrer Sichtweise und ihrem Zugehörigkeitsgefühl im Ganzen auslote. Insbesondere hinsichtlich der begrenzten Länge dieser Hausarbeit gilt es zu beachten, dass ich mich im Bezug zur Auswahl der Theorie und der relevanten Situationen und Erkenntnisse im Roman auf die wichtigsten Informationen beschränkt habe. Da die Zielsetzung dieser Arbeit die Analyse der Entwicklung von Esperanzas Identität in Bezug auf unterschiedliche Charaktere und Situationen ist, bietet sich die Verwendung der Methode des close reading an. Der Begriff der kulturellen Hybridität wird in der vorliegenden Arbeit nach Homi K. Bhabha als Mischform zweier vorher getrennter Kulturen verstanden. (Kreutzer 2001)

2. Hintergrundinformationen zu The House on Mango Street

2.1 Über die Autorin

Sandra Cisneros ist eine mexikanisch-amerikanische Schriftstellerin und Lyrikerin, die 1954 in Chicago geboren wurde und aufwuchs. In ihrer Kindheit reiste sie häufig nach Mexiko, um die Familie ihres Vaters zu besuchen, weshalb sie keine starke Bindung zu Chicago aufbaute und sich wenig verwurzelt fühlte. (“Sandra Cisneros Biography” o.D.) Cisneros‘ kulturelle Hybridität spiegelt sich sehr stark in einigen ihrer Romane wie auch unter anderem The House on Mango Street wider. Der Roman basiert partiell auf eigenen Erfahrungen, jedoch wurde Cisneros vorwiegend von Erzählungen und Schicksalen ihrer Schüler inspiriert, die sie an einer High-School unterrichtete und die sie seelsorgerisch betreute. (Cisneros 2009:XIX) Sie selbst nennt den Roman eine “invented autobiography”.(“Sandra Cisneros Biography” o.D.)

"I'm a translator. I'm an amphibian. I can travel in both worlds. What I'm saying is very important for the Latino community, but it is also important for the white community to hear. What I'm saying in my writing is that we can be Latino and still be American." (“Sandra Cisneros” o.D.)

2.2 Inhaltsangabe

The House on Mango Street ist ein 1984 erschienener Roman aus dem Bereich der Chicano-Literatur, sprich, Literatur, die von mexikanisch-stämmigen Amerikanern verfasst wird. Der Bildungsroman setzt sich zusammen aus einer Abfolge von 44 Kurzgeschichten (Vignetten), die in der Ich-Perspektive Gedanken und Szenen aus dem Leben der schätzungsweise 12-jährigen, hispano-amerikanischen Protagonistin Esperanza Cordero erzählen . Die gesamte Geschichte, die ein Jahr im Leben des Mädchens erfasst, spielt sich in einem hispanischen Stadtteil von Chicago ab. Esperanza zieht mit ihrer Familie in ein kleines Haus in der Mango Street, welches jedoch nicht ihre Erwartungen von einem Zuhause erfüllt und nicht die Privatsphäre zulässt, die sie sich wünscht. Esperanza macht Bekanntschaften in der Nachbarschaft, erlebt Abenteuer mit ihren Freundinnen und wird mit Armut und sexueller Ungleichheit in ihrem barrio, also ihrem Stadtteil konfrontiert. Sie träumt davon ein eigenes Haus zu besitzen und sich außerhalb der Mango Street eine Zukunft aufbauen zu können. Im Verlauf des Romans entwickelt sich Esperanza emotional, sexuell und künstlerisch weiter und beginnt überdies Gedichte zu schreiben.

3. Theoretischer Teil

3.1 Immigration aus Mexiko in die Vereinigten Staaten

Für ein besseres Verständnis der Thematik erscheint es sinnvoll sich näher mit der mexikanischen Immigration in die Vereinigten Staaten, deren Hintergrund und den Wünschen und Hoffnungen der Immigranten zu beschäftigen. Die Geschichte dieser weiterhin aktuellen Migrationsbewegung geht zurück auf das Jahr 1848, welches das Ende des Mexikanisch-Amerikanischen Kriegs markiert, und ist dementsprechend umfangreich. (Vgl. Massey 2002:24) Aufgrund der zahlreichen illegalen Einwanderer (indocumentados) ist es schwer zu sagen, wie hoch die Zahl der mexikanisch-stämmigen Amerikaner tatsächlich ist, jedoch wird diese auf ungefähr 27 Millionen geschätzt und ist somit die größte nationale Minderheitengruppe in den Vereinigten Staaten. (Stiegler 2005:1) Ein Großteil der Hispanoamerikaner hat sich in südwestlichen Staaten der USA wie Kalifornien und Texas angesiedelt, welche früher zu Mexiko gehörtem und nah an der stark militarisierten, 3144 km langen Grenze liegen. Die zweitgrößte hispanoamerikanische Community findet sich jedoch in Chicago, wo auch Sandra Cisneros aufwuchs. (Stiegler 2005:210) Mexikanische Immigranten verbringen ihr Leben vorwiegend in ihren eigenen Communities, also wohnen in lateinamerikanischen Stadtvierteln und haben häufig wenig Kontakt zu Amerikanern oder anderen Minderheitsgruppen, pflegen also hauptsächlich innerethnische Beziehungen. Seit den 80er Jahren kann man jedoch einen Rückgang dieses Verhaltens vermessen, interethnische Beziehungen werden zunehmend üblicher. Es kann hier von kultureller Assimilation gesprochen werden. (Vgl. Portes 1985:303) Einige der Migranten leben nicht dauerhaft in den USA, sondern sind sogenannte Transmigranten, die zwischen Mexiko und den USA pendeln, um zeitweise zu arbeiten und anschließend mit dem erarbeiteten Geld zu ihren Familien zurückzukehren. Auch sogenannte finanzielle Rücküberweisungen (remesas) an Verwandte sind sehr üblich. (Vgl. Stiegler 2005:2011) Gründe für diese massive Migrationsbewegung können nach Lee (1972) mit zwei Begriffen der Migrationstheorie kategorisiert werden – den Push- und den Pull-Faktoren. Der Begriff „Push-Faktor“ wird verstanden als die Gesamtheit der Faktoren, die Menschen aus einem Gebiet „wegdrückt“, wohingegen die Pull-Faktoren alle Faktoren umfassen, von denen Menschen in einem Zielland „angezogen“ werden. Die Vorstellung des “American Dream” ist der wohl bedeutendste Pull-Faktor. Die USA werden von vielen Mexikanern als das “Land der unbegrenzten Möglichkeiten”, des Reichtums, des Überflusses und der Superlative angesehen, in dem keine gesellschaftlichen oder ökonomischen Limits gesetzt werden und mit Disziplin und Arbeit alle persönlichen Ziele erreichbar sind. Ein Neubeginn in besseren Verhältnissen und die Hoffnung Arbeit auf ein besseres Leben sind treibende Kräfte bei der Migrationsentscheidung. (Vgl. Artacker 2009:19) Migranten erhoffen sich aus dem Ausland ihre Familien mit den bereits zuvor erwähnten Rücküberweisungen besser unterstützen zu können und somit den Lebensstandard ihrer Angehörigen zu verbessern. Außerdem spielen die Nähe zu ihrem Heimatland Mexiko und die schon bestehenden Verwandtschafts- und Freundschaftsbeziehungen in den USA eine große Rolle bei der Entscheidung zu Emigrieren. (Pries 1996:459) Auf der anderen Seite existiert jedoch auch eine große Anzahl von Push-Faktoren, die die mexikanischen Migranten aus ihrem ursprünglichen Gebiet “wegdrücken”. Einige dieser Push-Faktoren sind wirtschaftlicher und sozialer Natur, wie beispielsweise die fehlende ökonomische Perspektive Mexikos, sowie die beträchtliche Armutsrate, die hohe Arbeitslosenrate, das niedrige Lohnniveau, steigende Kriminalität, spärliche soziale und berufliche Aufstiegschancen und die nahezu nicht vorhandene Sozialvorsorge. Andererseits existieren auch politische Push-Faktoren wie politische Korruption, Rechtsunsicherheit, sowie politische Instabilität, welche dazu führen, dass sich mexikanische Bürger in ihrem Heimatland nicht mehr sicher fühlen. (Vgl. Artacker 2009:19) Ebenso spielt laut der Bundeszentrale für politische Bildung (2009) anwachsende Gewalt von mexikanischen und kolumbianischen Banden und Drogenkartellen eine essenzielle Rolle. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass mexikanische Auswanderer zum einen in den USA auf ein besseres Leben hoffen und zum anderen viele von ihnen im Zielland einen transkulturellen Lebensstil als kulturelle Hybriden führen, sprich in den Vereinigten Staaten, jedoch trotzdem in ihren eigenen Communities leben um ihre ethnischen Wurzeln nicht zu verlieren.

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Details

Seiten
17
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668762756
ISBN (Buch)
9783668762763
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v434915
Institution / Hochschule
Technische Hochschule Köln, ehem. Fachhochschule Köln – Institut für Translation und Mehrsprachige Kommunikation
Note
1,0
Schlagworte
Chicano The House On Mango Street Sandra Cisneros Identitätsbildung Literatur Esperanza Cordero Lateinamerikanische Literatur Coming Of Age Weiblichkeitsentwürfe Frauenbilder

Autor

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Titel: Weibliche Identitätsentwürfe im Chicano-Roman "The House on Mango Street" und deren Auswirkungen auf die Identitätsbildung der Protagonistin Esperanza Cordero