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Deontologie oder Utilitarismus? Darstellung und Diskussion anhand beispielhafter Dilemmata

Hausarbeit (Hauptseminar) 2018 22 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Deontologie
2.1 Deontologie nach Kant
2.2 Der gute Wille
2.3 Kategorischer Imperativ
2.4 Kategorischer Imperativ im Detail – die Pflicht
2.5 Kategorischer Imperativ im Detail – Allgemeingültigkeit und Folgen

3. Utilitarismus
3.1 Nützlichkeit und Glück
3.2 Gemeinwohl, Bilanz und Tendenz
3.3 Die gute Handlung und die Folgen

4. Ethische Dilemmata

5. Schluss und persönliches Resümee

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Was ist Europa? Sicherlich gehört dazu eine gemeinsame europäische Geschichte. Darunter wichtige gesellschaftliche Entwicklungen, politische Ereignisse und kulturelle Leistungen. All jenes formte über die Zeit ein europäisches Bewusstsein, eine Identität ein diffuses jedoch für jeden spürbares Gefühl der Verbundenheit und Gebundenheit. Was viele jedoch zunächst vergessen sind Gedanken. Gedanken gedacht von wichtigen Denkern, die unser Verständnis von uns selbst und der Welt in der wir uns bewegen prägten und nach wie vor prägen.

Unter diesem Aspekt sind insonderheit die Werte nach denen wir uns als Europäer orientieren zentral für ein europäisches Bewusstsein. Was ist uns wichtig? Wie verhalten wir uns? Wie gehen wir mit uns und mit den anderen um? Was ist der Mensch? Es stellt sich also ganz konkret die Frage nach den grundsätzlichen ethischen Paradigmen, die einem gemeinsamen Europa zugrundeliegend können.

In der folgenden Arbeit sollen daher zwei einflussreiche und miteinander in vielerlei Hinsicht konkurrierende ethische Theorien untersucht werden – die Deontologie nach Kant und der klassische Utilitarismus nach Bentham und Mill. Im Anschluss erfolgt der Versuch einer beispielhaften Anwendung auf ethische Dilemmata aus Politik und Gesellschaft.

Genauerhin sollen folgende Fragen erhellt werden:

- Was ist Deontologie?
- Was ist Utilitarismus?
- Was sind die Grundlagen beider Theorien?
- Wie unterscheiden sich die Ansätze voneinander? Und was bedeuten die verschiedenen Ansätze für unser Verständnis von Menschenwürde ?
- Wie lassen sich die Theorien ganz praktisch anwenden? Und vor allem wie untersuchen wir sensible gesellschaftliche und politische Probleme mithilfe beider Theorien?

2. Deontologie

Der Begriff Deontologie hat seinen Wortursprung im griechischen „deon“, was frei ins Deutsche übertragen „[…] >>das Nötige<< […]“ [1] im Sinne der Pflichterfüllung bedeutet.[2] Deontologische Theorien besagen, „[…] dass man einer Pflicht unbedingt nachkommen soll.“ [3] Es liegt hier also ein Sammelbegriff für ethische Ansätze vor, die bestimmte Handlungen an sich verpflichtend ge- oder verbieten. Deontologie ist in seiner Essenz radikale Pflichtenethik.[4]

Eine der bekanntesten und – zumindest im deutschsprachigen Raum – einflussreichsten deontologischen Ansätze fußt auf der Philosophie Immanuel Kants, deren wesentliche Grundlagen im Folgenden genauer besprochen werden sollen.

2.1 Deontologie nach Kant

Im Zentrum der kantschen Ethik steht die Vernunft.[5] Es ist die Basis des Moralgesetzes und der Ausgangspunkt aller folgenden Überlegungen und Operationen.[6] Vernunft ist für Kant der „[…] apodiktisch evidente(n) Anfang für die Entwicklung seines Moralsystems […].“ [7] Warum apodiktisch evident? Zunächst ist die Vernunft allen Menschen natürlich gegeben und in diesem Sinne objektiver Tatbestand über einzelne Individuen hinaus.[8] Insofern nicht eine schlichte empirische Argumentation angestrebt werden soll, ist dies wesentliche Grundvoraussetzung für die Ableitung allgemein gültiger moralischer Grundsätze.[9] Die Vernunft als nachvollziehbarer Anfang ethischer Überlegungen, hinter den wir nicht zurückkommen ist in diesem Sinne gegeben und bedarf keiner weiteren Rechtfertigung.[10]

Kant vermerkt:

„[…] die Vernunft (umfasst), […] die unverzichtbaren (und nichtempirischen) Voraussetzungen allen Erkennens und Handelns: Ohne Vernunft könnten wir uns in der Erfahrungswelt weder theoretisch orientieren noch in ihr handeln.“ [11]

Somit fallen laut Kant subjektive Neigungen wie beispielsweise Glückseligkeit als Grundlage für ein allgemeines Moralprinzip von vorn herein aus dem Raster. Diese sind nämlich nicht jedem Menschen von Natur aus gegeben. Glück hat beileibe nicht jeder von Natur aus. Es muss vielmehr erst einmal erstrebt werden. Da also nicht jeder von vorn herein Glück besitzt kann dies auch keine Basis für ein allgemeines Gesetz sein.[12] Auch variiert das jeweilige Verständnis von Glückseligkeit subjektiv. Allgemeine Regeln wären auch hier bestenfalls nur über eine empirische Ableitung möglich und können die Anforderungen Kants an ein belastbares Moralgesetz nicht erfüllen.[13]

2.2 Der gute Wille

Grundlage eines freien Willens ist das Vorhandensein von Vernunft. Nur vernunftbegabte Wesen können überhaupt potentiell einen freien Willen besitzen.[14] Entscheidend ist dabei die Wahlmöglichkeit.

Nicht mit Vernunft begabte Wesen unterliegen der schlichten Ursache – Wirkungs – Beziehungen der kausalen Naturwelt. Sie haben hierzu keine echte Alternative und folgen mit Notwendigkeit. Es liegt mangels Vernunft objektiv keine Wahlmöglichkeit vor. Der Wille ist damit nicht frei.[15] Ein Tier beispielweise gehorcht ausnahmslos seinen Instinkten und hat damit nicht wirklich und tatsächliche eigene Entscheidungsgewalt. Es folgt einfach seiner Natur.

Mit Vernunft begabte Wesen haben anders eine tatsächliche Wahlmöglichkeit. Sie können sich entweder bewusst den naturgesetzlichen Kausalitäten unterwerfen, oder sich anders durch vernünftige Erwägungen von diesen befreien. Die Vernunft ist dabei die Bedingung der Möglichkeit. Sie befähigt den Menschen erst alternative Gesetze und Prinzipien aufzustellen, um sich sodann diesen durch bewusste Entscheidung zu unterwerfen.[16] Durch die Vernunft macht sich der Mensch frei von der feststehenden und berechenbaren Natur und gibt sich daselbst und eigenverantwortlich „[…] das Gesetz des Handelns […].“ [17] Die Vernunft konstituiert damit den eigentlichen freien Willen.[18] Kant nimmt damit eine interessante perspektivische Verschiebung des freien Willens vor, die plausibel und konsistent ist.[19]

Der gute Wille ist dabei für Kant jener Wille, der allein durch die Vernunft bestimmt ist. Die eigentliche Motivation ist damit der Antrieb aus einem Bewusstsein vernünftiger Erwägungen heraus. Denn „[…] das Gute ist für Kant das Vernünftige […]“ [20] und der gute Wille gleichbedeutend mit praktischer Vernunft.[21]

Kant erklärt:

„[…] der Wille ist ein Vermögen, nur dasjenige zu wählen, was die Vernunft unabhängig von der Neigung als praktisch notwendig, d.i. als gut, erkennt.“ [22]

Ist hingegen der Wille durch persönliche Neigungen und Triebe bestimmt, kommt dies einer „[…] Nötigung […]“ [23] durch die naturgesetzlichen Kausalitäten gleich – eine Art „Vergewaltigung durch die Natur“. Der Wille ist durch persönliche Neigungen kompromittiert und verliert damit den Anspruch der Allgemeingültigkeit. Er ist nicht vernünftig motiviert und dadurch nicht gut. Es besteht dabei immer die Gefahr, dass in der Folge an sich positive Tugenden (Fleiß, Scharfsinn, Stärke, etc.) ins genaue Gegenteil umschlagen könnten.[24]

Kant stellt fest:

„Denn ohne Grundsätze eines guten Willens können sie (>>Mäßigung in Affekten und Leidenschaften, Selbstbeherrschung und nüchterne Überlegung […]<<) höchst böse werden, und das kalte Blut eines Bösewichts macht ihn nicht allein weit gefährlicher, sondern auch unmittelbar in unseren Augen noch verabscheuungswürdiger, als er ohne dieses dafür würde gehalten werden.“ [25]

Und weiter kann Insonderheit die Nützlichkeit …

[...]


[1] Hepfer, Karl: Philosophische Ethik, S.30

[2] Vgl. Horster, Detlef: Ethik, Grundwissen Philosophie, S.13

[3] Horster, Detlef: Ethik, Grundwissen Philosophie, S.13

[4] Vgl. Hübner, Dietmar: Einführung in die philosophische Ethik, S.151

[5] Vgl. Kant, Immanuel: GMS, II, S.204 Anm. d. Verf.: Kant wird zitiert nach der Textsammlung von Detlef Horster (2009) mit Seitenangabe.

[6] Vgl. Horster, Detlef: Ethik, Grundwissen Philosophie, S.14f

[7] Horster, Detlef: Ethik, Grundwissen Philosophie, S.17

[8] Vgl. Hepfer, Karl: Philosophische Ethik, S.141

[9] Vgl. ebd.

[10] Vgl. ebd.

[11] Hepfer, Karl: Philosophische Ethik, S.141

[12] Vgl. Hepfer, Karl: Philosophische Ethik, S.141

[13] Vgl. Horster, Detlef: Ethik, Grundwissen Philosophie, S.16

[14] Vgl. Kant, Immanuel: GMS, II, S.204

[15] Vgl. Hepfer, Karl: Philosophische Ethik, S.144

[16] Vgl. Kant, Immanuel: GMS, II, S.204

[17] Horster, Detlef: Ethik, Grundwissen Philosophie, S.17

[18] Vgl. Hepfer, Karl: Philosophische Ethik, S.145

[19] Vgl. Hübner, Dietmar: Einführung in die philosophische Ethik, S.168

[20] Hepfer, Karl: Philosophische Ethik, S.145

[21] Vgl. Kant, Immanuel: GMS, II, S.204

[22] Kant, Immanuel: GMS, II,.204

[23] ebd., S.205

[24] Vgl. Dieter Schönecker u.a.: Kants „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“, S.44f

[25] Kant, Immanuel: GMS, I, S.193

Details

Seiten
22
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668757868
ISBN (Buch)
9783668757875
Dateigröße
541 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v434439
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,7
Schlagworte
Kant Mill Bentham Deontologie Utilitarismus Menschenwürde Kathegorischer Imperativ europäische Werte teleologisch Ethik kategorischer Imperativ Imperativ utilitaristisch teleologie dentologisch adaption anwendung würde Leid Lust ethisch

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