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Die Bedeutung des Kolonialismus für die Entwicklung

Seminararbeit 2005 17 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Afrika

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zum Begriff des Kolonialismus

3. Geschichte des afrikanischen Kolonialismus

4. Die Möglichen Auswirkungen der Kolonialen Vergangenheit

5. Die Unterschiedlichen Kolonisierungspraktiken und ihre Auswirkungen

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Sucht man nach den Gründen für den wirtschaftlichen Zustand Afrikas, kommt man um das Thema des Kolo nialismus nicht herum. Vor allem weil nahezu alle Länder Afrikas eine koloniale Vergangenheit haben, die zudem auch nicht lange zurückliegt.

Die zentrale Frage dieser Arbeit ist, ob der Kolonialismus Schuld an der desolaten Lage der afrikanischen Volkswirtschaften ist, oder ob die betroffenen Länder ausreichend Gelegenheit gehabt haben, um die Erblasten ihrer Vergangenheit zu überwinden, oder anders ausgedrückt, ob das Wachstum dieser Volkswirtschaften pfadabhängig ist.

Wie die entwicklungspolitischen Diskussionen zu diesem Thema vermuten lassen, wird sich diese Frage aber nicht völlig klären lassen. Auch aufgrund der Unbekanntheit einer alternativen Entwicklung. Es gibt praktisch kein afrikanisches Land, welches ein Beispiel völlig freier Entwicklung darstellen könnte. Diese Arbeit versucht deswegen verschiedene Aspekte des kolonialen Einflusses auf Wirtschaft und Gesellschaft zu beleuchten, um so einer Antwort näher kommen zu können.

Prinzipiell lassen sich die Hindernisse aus einer kolonialen Vergangenheit überwinden. So stand zum Beispiel Argentinien lange Zeit unter Kolonialherrschaft, konnte sich aber nach seiner Unabhängigkeit im Jahre 1816 so weit entwickeln, dass es vor allem zwischen 1900 und dem Ende der 20er Jahre sich durch wirtschaftliche Prosperität auszeichnete. [vgl. Waldmann (1992), S.147f ] In den Afrikanischen Ländern lassen sich aber bis jetzt keine eindeutigen Tendenzen feststellen, die auf eine erfolgreiche Überwindung der kolonialen Erblasten hin arbeiten.

Noch schwieriger gestaltet sich die Frage nach dem Erkenntniswert. Denn eine gewisse politische Brisanz birgt diese Fragestellung in der Hinsicht, dass wenn der Kolonialismus uneingeschränkt Schuld wäre somit auch die ehemaligen Kolonialmächte bzw. die jeweiligen Profiteure bis zu einem bestimmten Grad Afrikas Lage zu verantworten hätten. Diese müssten sich dann mit der Frage nach ihrer Vergangenheitsbewältigung auseinandersetzen und gegebenenfalls Reparationsforderungen gerecht werden.

Ein weiteres Problem ergibt sich daraus, dass viele Politiker aus Entwicklungs- ländern gerne Schuldzuweisungen an die Industrieländer machen, um von ihrer eigenen Unfähigkeit abzulenken. Denn unbestreitbar ist, dass viele Fehlentwicklungen nach der Zeit der Dekolonisation von einheimischen Machthabern zu verantworten sind. So trat zum Beispiel der haitianische Präsident Aristide erst vor kurzem an die französische Regierung mit der Forderung nach Reparationszahlungen, dass aber ausgerechnet zu einer Zeit, in der seine Macht zunehmend von der eigenen Bevölkerung in Frage gestellt wurde.

Wenn man die Unfähigkeit der politischen Institutionen in den betroffenen Ländern aber auch als Resultat des Kolonialismus betrachtet, wird eine Schuldzuweisung noch weiter erschwert.

Für die Entwicklungspolitik wäre eine Klärung dieser Frage wichtig, wenn sie sich an den Ursachen der Unterentwicklung orientieren will. Sind die Ursachen einer Unterentwicklung auf die Folgen des Kolonialismus zurückzuführen, so sollte die Entwicklungspolitik dann gezielt an diesen Folgen ansetzen.

2. Zum Begriff des Kolonialismus

Der Begriff des Kolonialismus geht mit einer terminologischen Ungenauigkeit einher, denn es gibt eine unermeßliche Vielfalt jener Erscheinungen, die man unter Kolonialismus versteht.

Verschiedene Haupttypen der Kolonisation kann man wie folgt systematisieren, wobei es in der Praxis auch zu Mischformen kommt: [vgl. Osterhammel (1995) ]

- Beherrschungskolonien:

Hier wurde die Herrschaft eines Volkes über ein anderes errichtet. Zweck war die wirtschaftliche Ausbeutung, die strategische Absicherung imperialer Politik und nationaler Prestigegewinn. Es hing von den politischen Traditionen der erobernden Macht ab wie die unterworfenen Gebiete in den jeweiligen Reichsverband eingegliedert wurden. Oft wurden die neu gewonnenen Gebiete an die bestehenden Territorialregierungen des Reiches angeschlossen (Provinzialprinzip).

- Stützpunktkolonien:

Beim Aufbau von Militär - oder Handelsstützpunkten gab es kaum Bestrebungen zur binnenländischen Kolonisation oder zur großräumigen Landnahme. Sie sollten Handel ermöglichen oder einen Beitrag zur Logistik maritimer Machtentfaltung und informeller Kontrolle über formell selbständiger Staaten leisten. So sollte zum Beispiel der Seeweg nach Indien über den Afrikanischen Kap durch Stützpunktvernetzung gesichert werden.

- Siedlungskolonien:

Emigranten der Kolonialmacht siedelten in den Kolonien und wurden zu permanent ansässigen Farmern. Oft regierten die Kolonisten sich selber. Bei einer Siedlungskolonie des „neuenglischen“ Typs wurde die indigene Bevölkerung nicht der Kolonie im Untertanenstatus eingegliedert oder zur Arbeit gezwungen, sondern gewaltsam zurückgedrängt. Der klassische Fall sind die Anfänge der englischen Besiedlung Nordamerikas. Die Siedler waren weder auf Nachschub aus dem Mutterland noch auf Handel mit der einheimischen Bevölkerung existenziell angewiesen.

Beim sogenannten „afrikanischen“ Typ bleibt die politisch dominante Siedlerminderheit auf die Arbeitsleistung der einheimischen angewiesen. In den Kolonien „karibischen“ Typs wurde der Arbeitskräftebedarf mit Import von Sklaven gedeckt.

Die Kolonialherrschaften über Afrika, die hier zum Gegenstand gemacht werden, haben die Gemeinsamkeit dass die Herrschaft einer fremden Kultur über eine einheimische Bevölkerung errichtet wurde, wobei eine Gesellschaft ihrer historischen Eigenentwicklung beraubt, fremdgesteuert und auf die vor allem wirtschaftlichen Bedürfnisse und Interessen der Kolonialherren hin ausgerichtet wurden. „Periphere“ Gesellschaften wurden also den „Metropolen“ dienstbar gemacht. Von den Kolonisierten wurde eine weitgehende Anpassung an die Werte und Gepflogenheiten Europas erwartet, ohne selbst den unterworfenen Gesellschaften entgegenzukommen. Stets lag die Überzeugung von der eigenen kulturellen Höherwertigkeit zugrunde.

Diese Klassifizierung ist deshalb wichtig, weil es entscheidende Unterschiede zwischen den Kolonien in Afrika und einigen anderen auf der Welt gibt, diese aber trotzdem oft miteinander verglichen werden. So kann zum Beispiel der Wohlstand von Neuseeland nicht als Beispiel einer erfolgreichen Bewältigung von Erblasten herangezogen werden, da hier die Entwicklung von den Siedlern getragen wurde, die eine große Mehrheit in der Bevölkerung darstellen. Auch Hongkong unterscheidet sich stark von anderen Fällen, da es hauptsächlich eine Stützpunktkolonie war. Eine positive Entwicklung dieser Kolonie kann auch im Sinne politischer Überlegungen gewesen sein, in dem man zum Beispiel bewusst einen Kontrast zu anderen Ländern in dieser Region bilden wollte.

3. Geschichte des afrikanischen Kolonialismus

Die koloniale Geschichte Afrikas reicht mehrere Hundert Jahre zurück. Bereits am Anfang des 16. Jahrhunderts hatten die Portugiesen mit der Okkupation von Mocambique begonnen [vgl. Lye (2002), S.269]. Aber eine entscheidende Entwicklung in der Geschichte Afrikas ist die in den beiden letzten Jahrzehnten des 19. Jh. Stattfindende koloniale Expansion gewesen: „Ein einzigartiger Vorgang der zeitlich konzentrierten Enteignung eines Kontinents.“ [ Osterhammel (1995), S.40] Die Epoche des Sklavenhandels war zu jener Zeit formell zu Ende gegangen. Bis in die Mitte des 19. Jh. gab es nur einige Handelsniederlassungen und befestigte Stützpunkte an den Küsten und im unmittelbaren Hinterland. 1880 hatten die Europäer kaum 10% des Kontinents in ihrem Besitz, 1900 war schon fast der ganze Rest vereinnahmt. [ vgl. Michler (1991), S.88 ]

Einflussreiche Bevölkerungsgruppen, wie Offiziere, Kaufleute, Industrielle, Missionare und Forscher forderten von ihren Regierungen die Rolle einer Schutzmacht in afrikanischen Territorien zu übernehmen. Die national aufgeheizten Stimmungen in den meisten europäischen Ländern zu dieser Zeit erleichterte es ihnen Druck auf die Regierungen auszuüben. [vgl. Mair (1991), S.14 und Rostow (1967), S.135 f.]

Ein Wettlauf um afrikanische Besitzungen bahnte sich an und damit stiegen die Risiken von Konflikten zwischen den Kolonialmächten. Um die Spielregeln für weitere Eroberungen festzulegen, lud Reichskanzler Bismarck 1884 die Vertreter von 14 Staaten zur Berliner Kongo-Konferenz ein. Hier verpflichteten sich die Länder zur gegenseitigen Anerkennung der Kolonien, Protektoraten und Einflußsphären und teilten den Kontinent unter sich auf. Dabei entstanden jene künstlichen Grenzen, die für die heutigen afrikanischen Staaten so charakteristisch sind.

Ein wichtiges Merkmal der darauf folgenden Expansion war der Ausbau der kolonialen Exportwirtschaft. Neue Sektoren wurden entwickelt und die Exportproduktion ins Binnenland hinein ausgeweitet. Die wirtschaftlichen Aspekte des Kolonialismus gewannen für die europäischen Unternehmer zunehmend an Bedeutung, da auf den einheimischen Märkten ein tendenzieller Fall der Profitrate stattfand. Durch einen Kapitalexport in die Kolonien, wo die durchschnittliche Kapitalintensität erheblich geringer war, ließ sich die Profitrate steigern. Demnach sollten die Kolonien Rohstoffe und Nahrungsmittel liefern und einen Markt für industrielle Fertigprodukte bilden, um die in Europa ständig wachsenden Betriebsgrößen auszulasten und das Entstehen von Kapazitätsüberschüssen zu vermeiden. [vgl. Hemmer (2002), S. 297f.] Ein Magnet für internationales Kapital wurde vor allem Südafrika gegen Ende des 19.Jh., weil hier 1867 Diamantenvorkommen und 1886 Goldlagerstätten entdeckt wurden. [ vgl. Osterhammel (1995), S. 40]

Der Ausbau der Kolonien wurde durch die Kooperationsbereitschaft vieler afrikanischer Vertragspartner erleichtert. Sie hatten ein Interesse an der Aufrecht- erhaltung von Handelsbeziehungen und versuchten externe Schutzmächte als Trümpfe in internen Auseinandersetzungen oder Konflikten mit Nachbarn und Konkurrenten auszuspielen. Oft waren sie sich auch den Folgen der Verträge nicht bewußt und unterschrieben diese, um sich Unannehmlichkeiten mit den europäischen Mächten zu ersparen. Ein interessantes Beispiel bieten die Niederlassungen von Adolf Lüderitz in Südwestafrika (Namibia): Der Nama- Häuptling Joseph Fredericks gab für 200 Gewähre und 100 Englische Pfund dem Bremer Kaufmann fast sein gesamtes Stammesgebiet ab, weil er den Unterschied zwischen deutschen und englischen Meilen nicht kannte. [ vgl. Bröhm (2004), S.75] Auch ohne vorherige militärische Landnahme schlossen Händler mit Herrschern vor Ort Handelsabkommen, die ihnen wirtschaftliche Monopol- oder zumindest Vorrechte garantierten.

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Details

Seiten
17
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638412247
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v43427
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
14/20
Schlagworte
Bedeutung Kolonialismus Entwicklung

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Titel: Die Bedeutung des Kolonialismus für die Entwicklung