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Wieso wächst die Vermögensungleichheit in Deutschland?

Hausarbeit 2018 16 Seiten

Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hinführung – Was ist Vermögen, was ist Einkommen?

3. Datenlage – Verteilung und Entwicklung der Vermögen in Deutschland

4. Ursachenbetrachtung – Warum sind Vermögen in Deutschland so ungleich, wieso nimmt die Ungleichheit der Vermögen zu?
4.1 Welchen Effekt hat die Globalisierung der Wirtschaft für die Vermögensungleichheit?
4.2 Wer ist in Deutschland arm, wer ist reich? – Der Einfluss der Einkommensentwicklung in Deutschland
4.3 Welchen Einfluss hat die deutsche Steuer- und Sozialpolitik auf die Vermögensungleichheit?

5. Fazit

6. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Kaum ein Thema wird in der neueren Menschheitsgeschichte so intensiv diskutiert wie die Frage der Vermögensverteilung in einer Gesellschaft. Stellte Karl Marx das Proletariat der Bourgeoisie gegenüber und erklärte die Geschichte aller bisherigen Gesellschaften als Klassenkampf um Vermögen bzw. Kapital, herrscht heute eher die Annahme in der Politik vor, dass wenn es Unternehmern gut geht, auch den Arbeitnehmern gut gehe. Immerhin schaffe der Wohlstand eines Unternehmers auch Arbeitsplätze, welche dann auch Wohlstand für die Arbeitnehmer zur Folge hätte, so die Mehrzahl der deutschen Ökonomen und Politiker.

Seit Marx hat sich viel verändert, die Globalisierung schritt voran, die klassischen „Klassen“, wie er sie beschrieb, scheinen im westlichen Raum der Vergangenheit anzugehören. Doch seine Literatur erfährt weltweit eine Renaissance. Während die Deutsche Bank ihren Managern scheinbar unabhängig von ihrer Leistung, Boni in Milliardenhöhe auszahlt, wächst in Deutschland die Armutsgefährdung vieler Bürger, teilweise trotz Beschäftigung. Es herrscht das Gefühl vor, dass Fleiß und Leistung nicht mehr unbedingt zu Wohlstand führen. Viele fühlen sich von der Politik nicht mehr vertreten, es wächst der Eindruck, dass die Lobbyverbände der Unternehmen die politische Agenda zugunsten ihrer Interessen diktieren. Als Ursache für das wachsende Misstrauen in der Bevölkerung sehen viele Experten auch die Vermögensungleichheit. Internationale Bestseller wie „ Das Kapital im 21. Jahrhundert“ des Ökonomen Pikkety , welches die wachsende Ungleichheit als zentrales Problem der Stabilität von Gesellschaften beschreibt, fanden in Deutschland nur wenig Anklang. Inzwischen warnt auch der Internationale Währungsfond (IWF) vor Instabilität und negativen Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum durch starke Ungleichheit (vgl. Spiegel 2017). Auch die Forschung in Deutschland schreitet voran, das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung widmet sich immer mehr der Forschung über die Ungleichheit der Deutschen und deren Auswirkungen.

Weshalb wächst die Vermögensungleichheit in Deutschland? Um diese Frage zu beantworten, sollen in folgender Arbeit verschiedene Einflussfaktoren betrachtet werden. Nach einer kurzen Hinführung wird zunächst die Vermögensaufteilung in Deutschland dargelegt. Es werden Methoden der Vermögensabfrage vorgestellt und gängige Indikatoren zur Messung von Ungleichheit präsentiert. Nach diesem Schritt soll der Einfluss der Globalisierung auf die Vermögensaufteilung untersucht werden. Welche Dynamik verursacht die Globalisierung? Wer profitiert von ihr - was hat sie für Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt? Im Weiteren wird die Entwicklung der Einkommen in Deutschland beleuchtet, insbesondere an den Rändern der Gesellschaft - Wer ist arm, wer verdient besonders viel und weshalb? Wie beeinflusst Bildung die Chancen auf ein hohes Einkommen? Zuletzt wird der Steuer- und Sozialpolitische Einfluss dargelegt. Wie ist die Steuerlast in Deutschland aufgeteilt und welche Auswirkungen hat die sogenannte „Agenda 2010“ auf die Einkommen und Vermögen der Deutschen? Natürlich ist dieses Thema sehr umfangreich, weshalb das Fazit am Ende die erzielten Erkenntnisse der Ursachenbetrachtung zusammenfassen wird, ohne dabei den Anspruch auf Vollständigkeit erheben zu wollen. Um weitere Fragen nach den Ursachen zu beantworten, könnte man noch weitere Aspekte untersuchen, wie bspw. die Wirksamkeit von Transferleistungen, wem kommen diese besonders zugute? Sind sie in der Verhinderung von Armut effektiv, oder profitieren Gruppen die eigentlich keinen Bedarf haben? Um die tatsächlichen Ursachen der Vermögensungleichheit vollständig zu erfahren, wären weitere vertiefende Forschungsarbeiten von Nöten, da es sich bei der Frage der Ursache um ein sehr komplexes und vielseitiges Thema handelt.

2. Hinführung – Was ist Vermögen, was ist Einkommen?

Der Begriff Vermögen ist nicht klar definiert, weder in der Literatur, noch in der alltäglichen Benutzung. Die Bedeutung variiert, je nach Kontext. Laut Duden ist Vermögen „der gesamte Besitz, der einen materiellen Wert darstellt“, diese Definition ist einfach und entspricht wohl dem Verständnis der meisten Menschen. Zu diesem gehören: Geldvermögen, Finanzanlagen, Immobilien, Wertsachen, Versicherungen und Betriebsvermögen. Die Summe des Wertes der Güter nennt man Bruttovermögen. Zieht man Schulden, Hypotheken und sonstige Konsumentenkredite ab, erhält man das Nettovermögen. Vermögen kann in Form von Dividenden, Mieten, Zinsen, Pachten und ausgeschütteten Gewinnen, neues Einkommen generieren (vgl. Bpb 2016, S.191). Um die Entwicklung und Konzentration der Vermögen zu verstehen, muss deshalb auch das Einkommen betrachtet werden. Das Arbeitseinkommen besteht aus Lohn (Arbeitsstunden x Stundenlohn) und Zuschlägen. Rechnet man zum Arbeitseinkommen, Erbschaften, Schenkungen, Kapitalerträge und Einkommen aus selbstständiger Arbeit mit ein, so erhält man das Markteinkommen. Um das verfügbare Einkommen zu erhalten, muss man zum Markteinkommen Zahlungen des Staates einberechnen, wie beispielsweise Arbeitslosengeld und Kindergeld, und direkte Steuern wie die Einkommenssteuer abziehen.

Auch durch den Besitz von Sachvermögen, wie beispielsweise eine Immobilie, die selbst bewohnt wird, wird leichter Vermögen gebildet, da ein Teil des Arbeitseinkommens dann zur Vermögensbildung genutzt werden kann. Natürlich wird auch durch den Besitz einer vermieteten Immobilie neues Einkommen generiert, welches dann wieder zu Vermögen wird. Das Vermögen kann auch zum Einkommen für die Nachfahren werden. Laut der „London School of Economics“, besteht über die Hälfte (50,53%) des deutschen Gesamtvermögens aus Erbe oder Schenkungen, das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) geht davon aus, dass jährlich 400 Milliarden Euro in Deutschland vererbt bzw. verschenkt werden. Zum Vergleich: In den Siebzigern machten Erbe und Schenkung circa 23% des gesamten Vermögens aus (vgl. Fratzscher 2017b). Erbe und Schenkungen spielen also in der Vermögensbildung in Deutschland eine erhebliche Rolle. Ob die steuerpolitischen Umverteilungsmaßnahmen effektiv sind, bzw. vorhanden sind, um die daraus resultierende Ungleichheit auszugleichen, wird in der späteren Ursachenbetrachtung untersucht.

3. Datenlage – Verteilung und Entwicklung der Vermögen in Deutschland

Die Vermögen der Deutschen sind deutlich ungleicher verteilt als die Einkommen. Da wie oben erläutert, Einkommen im Zusammenhang mit den Vermögen steht, wird im Folgenden auch auf die Ungleichheit dieser eingegangen.

Der sogenannte Gini-Koeffizient ist das gängige Maß um Ungleichheit, bzw. Gleichheit zu messen. Sind die Einkommen oder Vermögen identisch, wäre der Gini-Koeffizient null, umso höher er ist, desto ungleicher die Verteilung (eins wäre die absolute Ungleichheit). Betrachtet man das verfügbare Einkommen der Deutschen im Verhältnis, nach dem OECD „ Income inequality“ Bericht 2012, so liegt die Ungleichheit, mit einem Gini-Koeffizienten von 0,293, zunächst ziemlich genau im Durchschnitt aller OECD-Staaten. Betrachtet man nun aber das Markteinkommen, so beträgt der Gini-Koeffizient 0,518 und weist somit eine größere Ungleichheit der Einkommen auf, als beispielsweise in den Vereinigten Staaten (vgl. Fratzscher 2016, S.59). Das, so Fratzscher, „(…) bedeutet einerseits, dass die relative Gleichheit der Lebensverhältnisse in Deutschland durch die staatliche Umverteilung auf den Durchschnitt aller OECD-Staaten angehoben wird.“ (ebd. 2016). Zum anderen, dass die Umverteilung in anderen Staaten nicht so stark nötig ist, da die Markteinkommen nicht so sehr auseinanderstreben. Der Marktprozess führt in Deutschland also zu stark ungleichen Löhnen bzw. Arbeitseinkommen, welche der Staat, dann durch Transferleistungen und vergleichsweise hohen Steuern auszugleichen versucht (vgl. ebd. 2016, S.59-60).

Nun zu den Vermögen und deren Verteilung. Eine der bekanntesten Langzeitstudien zum Thema Vermögen ist das Sozio-oekonomische Panel, des Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Es handelt sich dabei um eine repräsentative Wiederholungsbefragung, die es bereits seit 1984 gibt und derzeit jährlich 30.000 Menschen, aus ca. 11.000 Haushalten, über Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung oder Gesundheit, ausfragt (vgl. SOEP 2018). Auch die sogenannte „ World Wealth and Income Database“ oder die „ Private Haushalte und ihre Finanzen“ (PHF-Studie) geben Auskunft über die Vermögen der Deutschen. Von der Europäischen Zentralbank geht die sogenannte „ Household Finance and Consumption Survey“ (HFCS) aus, die ebenso über die privaten Haushalte und deren Vermögen Auskunft gibt.

Der Gini-Koeffizient, beträgt hierzulande 0,76, das ist ein hoher Wert, Deutschland liegt auf einer Höhe mit Österreich und liegt dicht hinter den Vereinigten Staaten, in denen der Gini-Koeffizient 0,80 beträgt. Der Durchschnitts Gini-Koeffizient, für den Euro-Raum, liegt bei 0,69 (vgl. Deutsche Bundesbank, 2016, S.1). 1993 war das Deutsche Vermögen noch etwas gleicher aufgeteilt, damals betrug der Gini-Koeffizient 0,62 (vgl. Berger 2014, S.33). Insgesamt ist das durchschnittliche Nettovermögen eines deutschen Haushaltes, mit 50.000€, im europäischen Vergleich, indem ein Haushalt durchschnittlich 110.000 € Nettovermögen besitzt, unterdurchschnittlich (vgl. Fratzscher 2016, S.39). Die unteren 40% der Haushalte verfügen praktisch über kein Nettovermögen, betrachtet man die unteren 50%, so verfügen diese gerade einmal über 2,5% des Gesamtvermögens in Deutschland (Brunner und Ebitsch 2016). Auch die Betrachtung der oberen 1% ist interessant, so besitzt laut HFCS, das oberste 1%, knapp 29% des gesamten Nettovermögens, die Top 10% circa 63% und die Top 20% circa 80% (vgl. Fratzscher 2016, S.43-44). „1993 besaßen die oberen 10% noch 44 Prozent des gesamten Nettovermögens der Haushalte.“ (Wehler 2013, S.77).

Das DIW Berlin gab in einer Pressemitteilung 2015 bekannt, dass sich die realen Nettovermögen der Deutschen innerhalb von 2003 bis 2013 kaum verändert haben, bezieht man die Inflation mit ein, seien die Nettovermögen sogar um 15% geschrumpft. Das heißt ein durchschnittlicher Verlust von 20.000€ Nettovermögen, pro Haushalt. Aus der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) kommt dagegen ein reales Plus von 20% der Vermögen in der genannten Zeitspanne. Diese Differenz, so erklärt Grabka vom DIW in einer Pressemitteilung, lässt sich durch unterschiedliche Methoden der Erfassung erklären (vgl. DIW Wochenbericht 2015, S.727-731). Einen genauen Marktwert der Vermögensgegenstände festzustellen ist nicht einfach, deshalb wird über die Zahlen gestritten, aber am Durchschnitt der niedrigen Privatvermögen in Deutschland, ändert sich im Vergleich zu der europäischen Nachbarschaft nichts, so Fratzscher (vgl. Fratzscher 2016, S.42). Ein Grund für die vergleichsweise geringen Vermögen der Deutschen sei ihr Anlageverhalten, so sparen sie durchschnittlich rund 10% ihres Einkommens, jedoch investieren sie das Ersparte meist in liquide Anlagen, wie bspw. Sparbücher, auf denen ihr Vermögen schließlich wegen dem Niedrigzins Verlust erleidet (vgl. DIW Wochenbericht 2015, S.739).

Die allgemeine Problematik aller vorhandenen Daten über die Vermögen in Deutschland, liegt darin, dass sie auf freiwillige Befragungen basieren. Berger beschreibt diese in seinem Buch „Wem gehört Deutschland?“, treffend: „Während es zahlreiche Studien zur Armut in Deutschland gibt, klafft bei den Studien über den Reichtum ein akademisches Loch.“ (Berger 2014 S. 22). Er bemängelt im Weiteren, dass selbst der Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung kaum Auskunft über die Superreichen gibt. Die Regierung sei an einer klaren Datenlage über den Reichtum in Deutschland nicht interessiert, worin er sich dadurch bestätigt fühlt, dass das damalige (von der FDP geführte) Wirtschaftsministerium die Formulierung im oben genannten Bericht vom Jahre 2013, es gäbe eine extreme Verteilungsschieflage, streichen lies (vgl. Berger 2014, S.22). Die Experten vom DIW schätzen das Vermögen der Reichen noch deutlich höher als gedacht (vgl. Freiberger 2015). Die Vermögenssteuer, welche exakte Daten über Vermögen in Deutschland gab, wurde 1996 abgeschafft. Das führt dazu, dass sich Diskussionen ausschließlich auf Basis von mehr oder weniger wissenschaftlichen Spekulationen geschieht und sie somit oftmals nicht sachlich, sondern sehr emotional geführt wird.

4. Ursachenbetrachtung – Warum sind Vermögen in Deutschland so ungleich, wieso nimmt die Ungleichheit der Vermögen zu?

4.1 Welchen Effekt hat die Globalisierung der Wirtschaft für die Vermögensungleichheit?

Fratzscher beschreibt den Einfluss der Globalisierung für die Volkswirtschaften zunächst, für den Wohlstand einer Gesellschaft, als positiv. „Der globale Handel bietet den einzelnen Ländern viele Vorteile: Sie können sich auf ihre jeweiligen komparativen, wirtschaftlichen Vorteile konzentrieren und somit auf Bereiche, in denen sie Güter und Dienstleistung effizienter und günstiger herstellen können als andere.“ (Fratzscher 2016, S.123-124). Zudem schildert er den großen Anteil der deutschen Exporte in der Wirtschaftsleistung Deutschlands, die deutsche Wirtschaft ist also stark auf den Weltmarkt ausgerichtet, circa 40% der gesamten Wirtschaftsleistung entsteht durch Export, somit hänge fast jeder zweite Job direkt oder indirekt mit Export zusammen (vgl. ebd.). Vor allem in den Bereichen Pharmazie, Chemie, Maschinenbau und Automobil, sind deutsche Unternehmen global führend. Dies führe zu einer hohen Nachfrage von hochqualifiziertem Personal und einer Abnahme der Nachfrage von schlecht qualifiziertem Personal, was zu einer höheren Ungleichheit in den Einkommen führt. Die Löhne der hoch qualifizierten Arbeiter steigen also durch die erhöhte Nachfrage, die Löhne der schlecht qualifizierten Arbeiter hingegen sinken wegen der nachlassenden Nachfrage.

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Details

Seiten
16
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668755901
ISBN (Buch)
9783668755918
Dateigröße
531 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v433612
Institution / Hochschule
Evangelische Hochschule Nürnberg; ehem. Evangelische Fachhochschule Nürnberg
Note
1,3
Schlagworte
wieso vermögensungleichheit deutschland

Autor

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