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Brasilianische Energiepolitik 2003 - 2013. Ein Vergleich zwischen Energieinnenpolitik und außenpolitischer Positionierung

Diplomarbeit 2014 242 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Mittel- und Südamerika

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Einheiten

1. Einleitung
1.1. Theoretischer Bezugsrahmen
1.2. Hypothese
1.3. Durchführungsmodalitäten der empirischen Analyse
1.4. Forschungsstand

2. Die brasilianische Energiepolitik im historischen Rückblick

3. Energierelevante Ausgangssituation
3.1. Energiemix
3.2. Energieressourcen
3.3. Energieverbrauch und Energienachfrage

4. Brasiliens Engagement im internationalen Energieregimekomplex

5. Forderungen und Ziele der brasilianischen Energiepolitik
5.1. Forderungen aus dem gesellschaftlichen Umfeld
5.1.1. Privatverbraucher und öffentliche Meinung
5.1.2. Wirtschaft
5.1.3. Zivilgesellschaft
5.2. Forderungen aus der internationalen Umwelt
5.2.1. Staatengemeinschaft und IGOs
5.2.2. Internationale Zivilgesellschaft
5.3. Binnenselektion und Ziele
5.3.1. Einflussstärke der Akteursgruppen
5.3.2. Grund- und Sektorziele
5.3.3. Ziele der brasilianischen Energiepolitik
5.3.4. Ergebnis der Binnenselektion
5.3.3. Zielsystem

6. Energiepolitische Maßnahmen und internationale Positionierung
6.1. Untersuchungszeitraum 2003 / 2004
6.1.1. Energiepolitische Maßnahmen und deren Ziele
6.1.2. Internationale Positionierung in Energiefragen
6.1.3. Vergleich
6.2. Untersuchungszeitraum 2007/ 2008/ 2009
6.2.1. Energiepolitische Maßnahmen und deren Ziele
6.2.2. Internationale Haltung in Energiefragen
6.2.3. Vergleich
6.3. Untersuchungszeitraum 2011/ 2012/ 2013
6.3.1. Energiepolitische Maßnahmen und deren Ziele
6.3.2. Internationale Haltung in Energiefragen
6.3.3. Vergleich

7. Übergreifende Ergebnisinterpretation der Vergleiche

8. Fazitund Ausblick

Literaturverzeichnis

Literaturverzeichnis Forderungen

Anhang: Experteninterviews
a. Interview vom 22. Juli 2013
b. Interview vom 26. Juli 2013
c. Interview vom 31. Juli 2013
d. Interview vom 8. August 2013

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Elektrizitätserzeugung nach Energieträger

Abbildung 2: Energieverbrauch / Elektrizitätsverbrauch nach Sektoren

Abbildung 3: Binnenselektionsprozess

Abbildung 4: Zielsystem

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Nationaler Energieverbrauch nach Energieträger

Tabelle 2: Energieressourcen

Tabelle 3: Energieverbrauch/ BIP/ Bevölkerung

Tabelle 4: Kooperations-und Distributionsrelation 1

Tabelle 5: Kooperations- und Distributionsrelation 2

Tabelle 6: Kooperations-und Distributionsrelation 3

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Einheiten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Danksagung

An dieser Stelle möchte ich gerne allen danken, die mich mit Rat und Tat bei meiner Diplomarbeit unterstützt haben.

Dabei gilt mein erster Dank meiner Familie und insbesondere meiner Mutter, die mir, so sehr sie konnte, in der Nähe und in der Ferne bei allem was in ihrem Ermessen stand geholfen hat. Ich bedanke mich bei meinen Eltern für die Ermöglichung meines Studiums und meines Forschungsaufenthaltes in Brasi­lien.

Einen besonderen Dank möchte ich Dr. Johannes Kissel von der GIZ in Rio de Janeiro aussprechen, der mich während mei­nes Forschungsaufenthaltes betreut hat und durch seine Un­terstützung maßgeblich zum Erfolg dieser Arbeit beigetragen hat. An dieser Stelle möchte ich würdigen, dass er sich trotz seiner hohen Arbeitsbelastung immer viel Zeit für mich ge­nommen und Interesse an meinerArbeit gezeigt hat.

Für die Seelsorge in Brasilien und die Hilfe beim Feinschliff die­ser Arbeit möchte ich gerne Matheus Kelson und Claudius Holdermann danken. Sie haben mir diese schwierige Diplom­arbeitsphase stets durch kleine Ausbrüche aus dem Alltags­stress versüßt.

1. Einleitung

Brasilien steht als eines der aufstrebenden Schwellenländer des 21. Jahrhunderts vor der Herausforderung eines stark ansteigenden Energiebedarfs gekoppelt mit hohem Wirtschaftswachstum. Dabei wird das Land vor die Herausforderung eines ressourcenschonenden Wachstums gestellt, welches eine nachhaltige Entwicklung des Energiesektors impliziert. Trotz der privilegierten Position Brasiliens im Bereich der „sauberen“ Energieerzeugung ist die Energiepolitik ein Spannungsfeld, indem traditionelle und wirtschaftspragmatische Interessen zunehmend mit sozialen und ökologischen Interessen konkurrieren und in Konflikt geraten. Dazu in Beziehung steht Brasiliens Engagement im internationalen Energieregime sowie im für den Handlungszusammenhang Energie relevanten Klimaregime.

Die Ausrichtung der Energiepolitik unterliegt in Brasilien daher einem komplexen, von vielseitigen innergesellschaftlichen und internationalen Forderungen gepräg­ten Zusammenspiel. Einerseits sind das Erreichen von Versorgungssicherheit, die Sicherstellung einer preiswerten Energieversorgung und die Ausweitung des Energieangebots die Prämissen der brasilianischen Energiepolitik, um die wirt­schaftliche und soziale Entwicklung des Landes voranzutreiben. Die von den tradi­tionellen Wirtschaftseliten des Landes geforderte und oftmals praktizierte Wachs­tums- und Niedrigpreispolitik im Energiesektor lässt sich dabei nicht immer mit den international geforderten Prinzipien einer nachhaltigen Energieerzeugung verein­baren. Andererseits versucht das Land, die Förderung erneuerbarer Energien vo­ranzutreiben. Dabei leistet es durch seinen relativ „sauberen“ Energiemix einen beachtlichen Beitrag zu den weltweiten Bestrebungen einer Verringerung des An­teils fossiler Energiequellen in der Energieerzeugung. Brasilien nahm in der Ver­gangenheit eine aktive und vermittelnde Rolle in internationalen Verhandlungen im Energieregimekomplex ein und trug durch seine Soft Balancing-Politik zur Schaffung von Rahmenbedingungen für internationale Kooperation bei. Der eige­ne, hohe Anteil der aus erneuerbaren Energiequellen produzierten Elektrizität und die Stellung als einer der Weltmarktführer in der Biotreibstoffproduktion wurden dabei gezielt eingesetzt, um sich in Energie- und Klimafragen als Global Player zu etablieren und an Einfluss zu gewinnen. Brasilien positionierte sich international als Staat, dessen Energiepolitik sich stark an dem Ziel einer nachhaltigen Energie­erzeugung orientiert.

Betrachtet man die innenpolitische Zielsetzung der Energiepolitik, lässt sich hinge­gen darauf schließen, dass die Förderung von erneuerbaren Energien oftmals auf­grund wirtschaftlicher und versorgungstechnischer Kriterien erfolgte. Dies lässt eine Priorisierung des Hauptziels der nationalen Energiepolitik der Gewährleistung einer sicheren und kostengünstigen Energieversorgung, verbunden mit der Aus­weitung des Energieangebots, vermuten. Der brasilianische Reichtum an Energie­ressourcen trug dabei zwar oftmals zur Vereinbarkeit der beiden übergeordneten Ziele bei. Auf der anderen Seite jedoch standen die innenpolitischen Distributi­onsmuster bisweilen in Divergenz zu international vertretenen Positionierungen.

Der Diversifizierung des Energiesystems durch den Ausbau des Anteils erneuerba­rer Energien am Gesamtenergiemix steht der rigorose Ausbau der Erdölförderung entgegen. Kernelement der Vergrößerung der Stromerzeugungskapazitäten ist der Ausbau der Großwasserkraft. Von der brasilianischen Regierung als Schlüssel einer C02-armen Energieerzeugung angepriesen, führten die ökologischen und sozialen Risiken von Großwasserkraftprojekten zu internationalen Debatten, in­wieweit die negativen Auswirkungen unter dem Vorwand der Emissionseinspa­rung im Gegensatz zur fossil basierten Energieerzeugung hinnehmbar sind. Des Weiteren strebt Brasilien eine Ausweitung der Biotreibstoffexporte an, während in den letzten Jahren nicht einmal die interne Versorgung mit Ethanol gewährleistet werden konnte. Biodiesel wird in Brasilien hauptsächlich aus Soja produziert; einer von mehreren Indikatoren dafür, dass die Produktion von Biotreibstoffen nach wie vor mit Problemen veränderter Landnutzung und Entwaldung sowie ungleicher Besitzstrukturen und damit einhergehenden prekären Arbeitsverhältnisse verbun­den ist.

Förderpolitiken in den Bereichen der Wind- und Solarenergie erfolgten trotz der enormen Kapazitäten Brasiliens im Untersuchungszeitraum nur zögerlich. Die bra­silianische Regierung wies die Notwendigkeit eines höheren Anteils erneuerbarer Energien am Gesamtenergiemix zurück, da bereits rund 89 Prozent des erzeugten Stroms aus erneuerbaren Energien, hauptsächlich Wasserkraft, erzeugt werden. Mit dieser Argumentationslogik werden auch die jüngsten Entwicklungen in der Energieexpansionsplanung, in der fossile Brennstoffe eine zunehmend wichtigere Rolle einnehmen, zu relativieren versucht.

Brasiliens Rolle als Staat mit „grüner" Energieerzeugung steht dabei im Hinblick auf das veränderte Emissionsprofil des Landes auf wackligen Beinen: Während die Gesamtemissionen im Untersuchungszeitraum durch die Entwaldungsbegrenzung stark vermindert werden konnten, nahmen hingegen die energiebedingten Emis­sionen anteilsmäßig und absolut zu1.

Aufgrund der widersprüchlichen Forderungen aus Gesellschaft, Wirtschaft und internationalem Umfeld wird vermutet, dass die energiepolitische Wertzuteilung einen Balanceakt für das politische System darstellt, bei dem die teilweise vonei­nander abweichenden Ziele der Energiepolitik auf nationalem und internationalem Niveau pragmatisch miteinander zu verbinden versucht werden. Aufgrund Brasili­ens privilegierter Stellung im Energieregimekomplex durch den relativ „sauberen" Energiemix kann davon ausgegangen werden, dass der Staat versucht, durch ko­operatives Verhalten auf internationaler Ebene Bedeutungsgewinne zur erzielen, ohne dabei eine Änderung der energieinnenpolitischen Regelungsmuster einleiten zu wollen.

In dieser Arbeit sollen sowohl die verschiedenen Forderungen als auch die Zielset­zung der brasilianischen Regierung näher betrachtet werden. Dabei wird der Ein­fluss der Interessengruppen auf den politischen Selektionsprozess und die innen­und außenpolitische Zielsetzung ermittelt. Daraufhin erfolgt eine Analyse der energiepolitischen Maßnahmen und deren Zielsetzung. Anschließend werden die Maßnahmen in Beziehung zu Brasiliens internationaler Positionierung als Staat, der eine nachhaltige Energieerzeugung anstrebt, verglichen. Divergenzen der in­ternationalen Kooperationsmuster zu den internen Distributionsmustern sollen erklärt werden. Somit wird aufgezeigt, welche strategischen Ausrichtungen und

Ziele der brasilianischen Energiepolitik zu den aktuellen Entwicklungen der brasili­anischen Energiepolitikführten.

Die Untersuchung ist dabei ein Fallbeispiel dafür, wie ein Staat, der in einem inter­nationalen Regime über eine priorisierte Ausgangsposition verfügt, entsprechend seiner Positionierung interne Regelungsmuster verändert oder beibehält. Dadurch werden Rückschlüsse des Einflusses internationaler Kooperationsbestrebungen auf die innenpolitischen Wertzuteilungen möglich. Darüber hinaus kann diese Ar­beit einen Beitrag zur Forschung über Transformationsprozesse in Schwellenlän­dern leisten, indem Tendenzen des entwicklungsrelevanten Energiesektors aufge­zeigt werden.

1.1. Theoretischer Bezugsrahmen

Für den Aufbau der Analyse wurde ein theoretischer Rahmen gewählt, der die komplexen Austauschbeziehungen des politischen Systems mit seinem gesell­schaftlichen Umfeld einerseits und seiner internationalen Umwelt andererseits darstellen lässt. Somit können die von außen gestellten Forderungen und die da­rauffolgenden Wertzuteilungen des Systems, die im Handlungszusammenhang Energie zu einer bestimmten Ausrichtung der brasilianischen Politik geführt haben, erklärbar gemacht werden. Die strukturfunktionale Theorie des politischen Sys­tems von David Easton2 enthält diese Voraussetzungen und wurde von Harald Mül­ler dahingehend modifiziert3, um das ihr zugrunde liegende Modell für die Analyse begrifflich besser auszudifferenzieren und empirisch besser überprüfbar zu ma­chen. Es soll im Folgenden kurz dargestellt und seine Anwendung auf den Gegen­stand skizziert werden, um „den Umfang und den möglichen Zusammenhang der für die Untersuchung relevanten Interaktionen wiederzugeben“ (Czempiel 1981: 109).

David Eastons Systemmodell ähnelt einem an die Kybernetik angelehnten Regel­kreis. Das politische System steht dabei in enger Beziehung zu den anderen sozia­len Systemen die es umgeben, welche als innergesellschaftliches Umfeld und inter­nationale Umwelt unterschieden werden. Aus diesen Umfeldern werden Bedürf­nisse und Interessen formuliert, die von den Grenzselektoren, zum Beispiel Partei­en und Interessengruppen, in einem ersten Selektionsprozess verarbeitet und in Forderungen und Unterstützung umgewandelt werden und als inputs in das politi­sche System gelangen. Im nächsten Schritt, der Binnenselektion, findet in einem weiteren Selektionsprozess eine thematische Verdichtung der Forderungen statt, die diese bis zur Grenze der Entscheidungsreife verarbeitet;ein Beispiel hierfür sind Gesetzesvorlagen (Müller 1989: 23). Die Entscheidungsträger des politischen Systems beschließen in Folge über die formalisierten Forderungen und verab­schieden verbindliche Verordnungen. Diese werden daraufhin von den Implemen- toren, der Verwaltung des Systems, in Form von outputs umgesetzt. Die Resultate der Outputs gelangen in einem Rückkopplungsprozess, der Feedback-Schleife ent­weder zurück in die Umfelder des politischen Systems und führen dort zu neuen Interessen und Bedürfnissen, oder ihre Wirkung gelangt auf direktem Wege zu­rück in das politische System.

Das politische System ist laut Easton ein analytisches Konstrukt, dessen Struktur nicht manifest und daher auch nicht Gegenstand der Untersuchung sein kann. Als Untersuchungsgegenstand dient politische Interaktion, die handelnden Akteure sind die politischen Rollenträger, nicht aber Individuen. Das analytische System­konstrukt dient dazu, die relevanten politischen Interaktionen von anderen sozia­len Interaktionen zu trennen (Easton 1963: 49). Diese Abgrenzung erfolgt durch das bestimmende Element politischer Interaktion: die verbindliche Allokation von Werten innerhalb einer Gesellschaft (Easton 1963: 30). Trotz dieser Abgrenzung ist das politische System dem ständigen Einfluss der ihn umgebenden sozialen Sys­teme unterworfen und hat Anpassungsleistungen in Bezug auf deren Forderungen zu erbringen. Angetrieben wird es dabei vom primären Ziel der Persistenz, dem Fortbestand des Systems. Werden zu viele oder zu widersprüchliche Forderungen innerhalb zu kurzer Zeit an die Entscheidungsträger gestellt oder unterlassen die Entscheidungsträger notwendige Zuteilungen in Bezug auf gewichtige Forderun­gen, gerät das System unter Druck, unter dem es sich entweder verändert und an den Druck anpasst oder versucht, sein Umfeld zu manipulieren (Easton 1965: 87). Unterstützung stellt eine positive Form von Input dar, Beispiele dafür sind Partei­identifikation oder demokratische Grundhaltung (diffuse Unterstützung) oder die direkte Zustimmung zu politischen Entscheidungen (spezifische Unterstützung) (Fuhse 2005: 41).

Müller verwendet in seinem modifizierten Modell eine Systemgrenze, die anhand der politischen Rollen definiert wird (Müller 1989: 24) und zwar dort, wo lose Be­dürfnisse in Forderungen nach autoritativer Wertallokation umgewandelt werden. Er bemerkt, dass sich die von Easton undeutlich definierte Systemgrenze vor der Grenzselektion befinden muss und die Grenzselektoren somit Rollen des politischen Systems bilden (Müller 1989: 23). Des Weiteren präzisiert er die systematischen Positionen der Entscheidungsträger im politischen System und weist diesen unter dem „Systemtypus Organisation“ die Aufgaben Binnenselektion und Entscheidung zu (Müller 1989: 23). Daher sind die generellen Rollen des politischen Systems die Grenzselektoren, die Entscheidungsträger und die Implementoren. Unter Ihnen bestehen Subsysteme aus spezifischen Rollenmengen wie zum Beispiel den Inte­ressengruppen, denen ebenso wie den generellen Rollen des politischen Systems Akteursqualität zugesprochen werden kann (Müller1989: 24).

Darüber hinaus weicht Müller von der streng strukturfunktionalen Theorie ab, in der Anpassungsleistungen des Systems einzig als Mittel zur Erfüllung der Funktion Selbsterhaltung angesehen werden. Er betont die Notwendigkeit, im Sinne Par­sons strukturfunktionaler Theorie das Handlungsziel zwischen Funktion und Hand­lung zu setzen: „Indem Akteure bestimmte Ziele erstreben, erfüllen sie gewisse Funktionen oder auch nicht;sie handeln jedoch nicht so, weil sie diese Funktionen erfüllen wollen“ (Müller 1989:13). Selbsterhaltung kann daher nicht als Grund für die Anpassungsleistungen politischer Systeme angesehen werden. Stattdessen orientieren sich die Handlungsziele der politischen Entscheidungsträger laut Mül­ler an einem Agglomerat von über einen längeren Zeitraum wiederholt gestellten, inhaltlich gleichartigen Forderungen des gesellschaftlichen Umfeldes und der in­ternationalen Umwelt an das politische System (Müller 1989: 25). In Form von Grundzielen werden sie in das „Gedächtnis“ des politischen System übernommen und üben dort Steuerungsfunktionen aus. Durch ihre „Deutung [...] durch hand­lungszusammenhangspezifische Sektorziele, die ihrerseits von den „Maßnahmen, auf die sich die konkreten politischen Forderungen beziehen, ausgedeutet wer­den“ (Müller 1989: 25) lässt sich ein empirisch überprüfbares Zielsystem erstellen, mit dem das Codierungsproblem Eastons gelöst wird: die im politischen System verarbeiteten Informationen unterliegen damit Selektionskriterien, die Entschei­dungsabläufe erklärbar machen (Müller 1989: 26). Forderungen können daher nur dann weiterverarbeitet werden, wenn sie der Codierung des Systems entsprechen (Müller 1989: 26).

Eine ebenfalls wichtige Veränderung am Modell unternimmt Müller mit der Wei­terentwicklung von Eastons Kategorie der withinputs, mit der erklärt werden soll, warum Regierungen selbsttätig Entscheidungen treffen, die nicht auf konkrete Forderungen aus dem Umfeld zurückzuführen sind. Müller bezeichnet diese als „unzulängliche Hilfskonstruktion“ und bestimmt stattdessen Veränderungen in den sogenannten Zustandsvariablen als den Hintergrund für die unabhängige Ein­leitung von Maßnahmen der Rollenträger des politischen Systems (Müller 1989: 26f). Zustandsvariablen im Handlungszusammenhang Energie sind beispielsweise Energieverbrauch oder Elektrifizierungsrate.

Harald Müller hat mit seinen Modifikationen an Eastons Theorie des politischen Systems auf wichtige Kritikpunkte an dessen Modell reagiert und diese zu behe­ben versucht. Das Problem der Betrachtung des politischen Systems als „Black Box“, in der Entscheidungsabläufe undurchsichtig bleiben und kein aktives Ak­teurshandeln beobachtbar ist, wurde durch Müllers Entwicklung des Zielsystems als empirischen Bezugsrahmen behoben. Durch dieses können Informationen an­hand deren Vereinbarkeit mit den Grund- und Sektorzielen und der möglichen Ausgestaltung der Forderungen (Maßnahmen) codiert und Selektionsprozesse nachvollziehbar gemacht werden. Forschungsfragen werden anhand der Selekti­onskriterien überprüfbar (Müller 1989:26).

In dieser Arbeit sollen in einem ersten Schritt durch die historische Betrachtung der Energiepolitik und der relevanten Zustandsvariablen die Grund- und Sektorzie­le der brasilianischen Energiepolitik ermittelt werden, die Steuerungsfunktion für das System haben. Für die Untersuchung der brasilianischen Energiepolitik ist die eingehende Betrachtung der Forderungen aus gesellschaftlichem Umfeld und in­ternationaler Umwelt ausschlaggebend: Czempiel bemerkte, dass sich der Koope­rationszwang des politischen Systems mit den Akteuren seines gesellschaftlichen Umfeldes, aber auch seiner internationalen Umwelt durch deren Bedeutungszu­nahme stetig vergrößert hat (Czempiel 1981:120). Da die Forderungen im interde- pendenten Handlungszusammenhang Energie als recht widersprüchlich gelten, dürfen die damit zu erbringenden Wertzuteilungen an Umfeld und Umwelt gleich­ermaßen als erschwert angesehen werden. Es muss daher aufgezeigt werden, welchen Charakter die in der Grenzselektion gestellten Forderungen haben. Da­raufhin wird die Abschwächung und Verstärkung der Forderungen im Prozess der Binnenselektion untersucht werden. Die im Binnenselektionsprozess zugelassenen Forderungen werden daraufhin in die möglichen politischen Maßnahmen des Sys­tems im Handlungszusammenhang Energie ausgedeutet. Aus der Ermittlung der Grund- und Sektorziele und Maßnahmen lässt sich das Zielsystem für die brasiliani­sche Energiepolitikerarbeiten.

Anhand der Analyse der Outputs durch das Zielsystem wird ermittelt, in welchem Maße die Entscheidungsträger des politischen Systems die Wertzuteilungen an das Umfeld und die Umwelt vornehmen. Diese werden in Beziehung zur internationa­len Positionierung gesetzt und Divergenzen aufgezeigt. Die Beziehung der Ener­gieinnenpolitik zur internationalen Positionierung und die Prioritätensetzung in der energiepolitischen Zielsetzung werden durch die Befragung von Experten bra­silianischer Energiepolitik mittels Experteninterviews ergänzt. Da im Rahmen der vorliegenden Arbeit eine Betrachtung des gesamten politischen Prozesses nicht möglich ist, werden die Faktoren Unterstützung und die Wirkung der Feedback­Schleife vernachlässigt.

1.2. Hypothese

Die für die Untersuchung verwendete Hypothese impliziert einen Zusammenhang über die Ausprägungen der Forderungen des gesellschaftlichen Umfeldes und der internationalen Umwelt mit der politischen Zielsetzung und dem Wertzuteilungs­prozess des politischen Systems:

A Je stärker Umweltforderungen von Umfeldforderungen abweichen,

B desto höher wird die Wahrscheinlichkeit einer abweichenden Zielsetzung der innenpolitisch praktizierten Politik zur außenpolitischen Positionierung.

Um die beiden Prozessstufen des politischen Systems der Binnenselektion einer­seits und der Entscheidung und Organisation andererseits untersuchen zu können, erfolgt eine Trennung in zwei Teilhypothesen:

Teilhypothesen:

A: Wenn die an das politische System gestellten Forderungen aufgrund ihrer widersprüchlichen Inhalte die Responsivität des Systems überfordern, dann kommt es in der Binnenselektion zur vermehrten Verstärkung und Abschwächung von Forde­rungen in Einklang mit den etablierten Grundzielen und der Einflussstärke bestimm­ter Akteursgruppen.

Aus der Teilhypothese A kann daher der Selektionsgrad des politischen Systems im Binnenselektionsprozess erklärt und die möglichen politischen Maßnahmen als Ausgestaltung der in der Binnenselektion zugelassenen Forderungen erarbeitet werden. Der Einfluss von Grundzielen und Akteursgruppen im Binnenselektions- prozesswird nachvollziehbar.

B: Wenn in einem asymmetrisch- interdependenten Handlungszusammenhang ein Akteur eine privilegierte Stellung einnimmt, dann wird er versuchen, seine Machtbasis auf internationaler Ebene durch kooperatives Verhalten zu vergrößern, während jedoch gleichzeitig die traditionellen Distributions- und Regelungsmuster in der politischen Zielsetzung priorisiert werden.

Bi: dann weicht die auf Kooperation ausgerichtete außenpolitische Positionie­rung von der Zielsetzung der innenpolitisch praktizierten Politik ab.

B2: dann kommt es zu einer wechselnden Prioritätensetzung des politischen Systems, in der temporäre Unvereinbarkeit der Ziele auftritt.

Unter einem interdependenten Handlungszusammenhang versteht sich ein Hand­lungszusammenhang, indem durch internationale Verflechtungen Gewinne und Verluste eines Staates Auswirkungen auf alle Staaten haben. Asymmetrisch ist die­ser Handlungszusammenhang dann, wenn die Gewinn- und Lastenverteilung un­gleich ist, was zu einer Herausbildung von starken und schwachen Akteuren in­nerhalb dieses Handlungszusammenhangs führt (Spindler 2010: 97, 101). Koopera­tion in einem interdependenten Handlungszusammenhang findet im internationa­len System oft unter Erstreben der Verwirklichung von Eigeninteressen statt. In der Teilhypothese В ist das Eigeninteresse des privilegierten Akteurs Machtge­winn.

Durch die Untersuchung der politischen Maßnahmen und deren Zielsetzung einer­seits (Distributions- und Regelungsmuster) und der außenpolitischen Positionie­rung (Kooperationsmuster) andererseits lässt sich durch deren Vergleich ein Er­gebnis über die Wertzuteilungen an das gesellschaftliche Umfeld und internationa­le Umwelt vornehmen.

1.3. Durchführungsmodalitäten der empirischen Analyse

Zunächst werden im zweiten und dritten Kapitel Überblicke des historischen Ver­laufs der brasilianischen Energiepolitik und der energiepolitischen Ausgangssitua­tion und damit der relevanten Zustandsvariablen in der Energiepolitik gegeben. Aus dieser Betrachtung lassen sich die Grund- und Sektorziele der brasilianischen Energiepolitik ermitteln.

Im vierten Kapitel wird kurz umrissen, was unter dem Energieregimekomplex zu verstehen ist und welche Rolle Brasilien dort einnimmt, um die internationale Posi­tionierung des Landes in einem späteren Kapitel systematisch analysieren zu kön­nen.

Für die Untersuchung der Forderungen des gesellschaftlichen Umfeldes und der internationalen Umwelt erfolgte im fünften Kapitel eine umfangreiche Material­analyse. Im nationalen und internationalen Kontext wurden die Internetauftritte und zusätzliche Dokumente energiepolitisch relevanter Interessengruppen, Ver­bände und Organisationen untersucht und durch die Analyse von Zeitungsartikeln ergänzt. Des Weiteren erfolgte eine Überprüfung von Gesetzesentwürfen und Vorschlägen der Abgeordneten im Parlament auf Artikulierung von Interessen des gesellschaftlichen Umfeldes. Für die Forderungen der internationalen Interessen­gruppen wurden darüber hinaus Earth Negotiations Bulletin, die zentrale Doku­mentationsplattform für internationale Verhandlungen, herangezogen. Die Quel­len, aus denen die Ermittlung der Forderungen erfolgte, sind im Fließtext nicht genannt, da die Ergebnisse dieser Analyse durch quantitative Verifizierung erarbei­tet und anschließend zusammengefasst wurden. Sie sind in einem getrennten Lite­raturverzeichnis dieser Arbeit zu finden.

Die Analyse der politischen Maßnahmen und deren entsprechender Sektorziele erfolgte aus Regierungsdokumenten sowie Informationen aus den Internetseiten des Energie- und Bergbauministeriums MME4, der nationalen Energieplanungsbe­hörde EPE5, der nationalen Agentur für Erdöl, Erdgas und Biotreibstoffe ANP6, des Systemoperators ONS7 und der Stromregulierungsbehörde ANEEL8. Zusätzlich wurden online-Zeitungartikel und Artikel aus dem größten brasilianischen Inter­netportal im Energiebereich, Portal Canal Energia und Gesetzestexte hinzugezo­gen. Um einen Überblick über übergreifende energiepolitische Planungsfaktoren zu bekommen wurden Informationen aus den jährlich erscheinenden Zehnjahres­plänen zur Energieexpansion PDE9 der EPE extrahiert. Für die Analyse der interna­tionalen Positionierung erfolgte eine weitreichende Analyse der relevanten Earth Negotiations Bulletins. Zusätzliche Ergebnisse wurden durch Recherche von Zei­tungsartikeln erarbeitet.

Die Auswahl der drei Untersuchungszeiträume erfolgte anhand der bedeutends­ten Maßnahmen und Veränderungen im brasilianischen Energiesektor während des Untersuchungszeitraums, welche zu anderen Maßnahmen im Untersuchungs­zeitraum in Beziehung gesetzt wurden.

Im Vergleich der innenpolitischen Maßnahmen mit der außenpolitischen Positio­nierung wurden der Teilhypothese B gemäß die internationalen Kooperationsmus­ter auf Konvergenzen und Divergenzen zu den internen Distributionsmustern überprüft. Dabei erfolgte eine Einbeziehung der Sektorzielbewertung aus der in­nenpolitischen Maßnahmenanalyse.

Die Ergebnisverifizierung und Ergänzung der Analyse durch zusätzliche Informati­onen erfolgte anhand von Experteninterviews mit brasilianischen Wissenschaft­lern. Dabei waren alle der vier Befragten in der Vergangenheit bereits in Regie­rungsinstitutionen des Energiesektors oder dem Energieministeriumtätig gewe­sen. Für die Interviews wurde ein Leitfaden basierend auf den Ergebnissen der vorhergehenden Untersuchung erarbeitet, der nach jedem der Interviews in Anbe­tracht des Gesprächsverlaufs und des Informationszugewinns noch einmal verbes­sert und überarbeitet wurde. Ausgewertet wurden die Interviews mit einer der qualitativen Inhaltsanalyse nach Gläser und Laudel folgenden Vorgehensweise. Dabei wurden das zuvor erarbeitete Zielsystem der brasilianischen Energiepolitik sowie weitere Indikatoren zur Ermittlung von Kooperations- und Distributions­mustern zur Kodierung und Extraktion verwendet. Die Interviews lassen sich in portugiesischer Sprache im Anhang dieser Arbeit finden.

1.4. Forschungsstand

Wicklungen, Problemen und politischen Handlungsmöglichkeiten lässt sich bei­spielsweise in Adriano Pires „Politica Energetica para o Brasil“ finden. Eine mit so­zialwissenschaftlicher Methodologie erfolgte Maßnahmenbewertung im Energie­sektor stellt Celio Bermanns „As novas Energias no Brasil“ dar, in dem das Förder­programm für alternative Energiequellen PROINFA und das Biodiesel­Förderprogramm bewertet werden. Einen Überblick über Probleme und Heraus­forderungen des brasilianischen Energiesektors im Hinblick auf nachhaltige Ent­wicklung bietet die IAEA-Publikation „Brazil: A Country Profile on Sustainable Energy Development“.

Die Forschung zur Außenpolitik und außenpolitischen Positionierung ist im Zuge von Brasiliens Bedeutungszuwachs als Wirtschaftsmacht, Schwellenland und BRICS-Mitglied ein Thema, zu dem viel Forschung im Entstehen begriffen ist. Einen Überblick über die brasilianische Außenpolitik und Positionierung bietet Marcus Hölzls „Brasilien auf dem Weg zum Global Player“. Tatsächliche Vergleiche zwi­schen Innenpolitik und außenpolitischer Positionierung ließen sich vor allem in Form von Studien von Stiftungen oder unabhängigen Forschungsinstituten wie der Heinrich-Böll-Stiftung und der Friedrich-Ebert-Stiftung finden.

An diese Stelle soll bemerkt werden, dass sich auffälligerWeise keine Literatur zu Brasiliens Beziehung mit der Internationalen Agentur für erneuerbare Energien, IRENA, finden ließ. Dies stellt augenscheinlich eine Forschungslücke zu Brasiliens energieaußenpolitischer Positionierung dar.

2. Die brasilianische Energiepolitik im historischen Rückblick

ln Kapitel 2 wird zunächst ein historischer Überblick zur brasilianischen Energiepo­litik gegeben. Dieser lässt Rückschlüsse auf die im brasilianischen Energiesektor über Steuerungsfunktion verfügenden Grundziele zu.

Zwischen Agrargesellschaft und Industrialisierung (1900 -1929)

Die Nutzung der nationalen Energieressourcen neben Brennholz begann in Brasili­en relativ spät. Kohle wurde nur in geringem Maße aus Großbritannien importiert.

Das Land war dünn besiedelt, die Industrialisierung schritt nur langsam voran, bis auf die aufkeimenden urbanen Zentren Rio de Janeiro und Sao Paulo war Brasilien eine Agrargesellschaft. In der ersten, im Jahr 1891 verabschiedeten Verfassung wurden die Themen Energieressourcen und Bodenschätze sowie öffentliche Ener­gieversorgung kaum reglementiert (Leite 2009:3).

Mit dem Ziel einer flächendeckenden Elektrizitätsversorgung Sao Paulos wurde 1901 das erste Wasserkraftwerk, Parnaiba, mit einer Leistung von 2000 Kilowatt (kW) von der Sao Paulo Tramway Light and Power Company in Betrieb genom­men. 1903 räumte die Regierung derselben Gesellschaft10 Stromversorgungskon­zessionen zur Versorgung der damaligen Hauptstadt Rio de Janeiro ein. Damit kam zum Bau einer Reihe von Wasserkraftwerken im Bundesstaat Rio und damit zur Elektrizitätsversorgung der beiden wichtigsten Wirtschaftsmetropolen des Lan­des. Diese Ereignisse gaben den Impuls für die darauffolgende Kapazitätssteige­rung und konsolidierten damit die Vormachtstellung der hydroelektrischen Ener­gieerzeugung mit einem Anteil von 84 Prozent im Gesamtenergiemix 1913 (ebd.: 3) und einer installierten Leistung von 360 Megawatt (MW) im Jahr 1920 (ANEEL 2008: 20). Zu Beginn des ersten Weltkriegs und in den 20er Jahren führte die vo­ranschreitende Industrialisierung zu einer raschen Zunahme der Erdölimporte11.

Die Ära Gétulio Vargas und der Estado Novo (1930 -1945)

Mit der gewaltsamen Machtübernahme durch Gétulio Vargas 1930 gewannen in der öffentlichen Politik zunehmend nationalistische Tendenzen die Oberhand. In der Energiepolitik ist unter den staatlichen Eingriffen vor allem der 1934 verab­schiedete Código das Aguas (Wasserkodex) zu nennen. Er bestimmte fortan die Trennung zwischen dem Besitzverhältnis von Land und dem Recht der Nutzung der sich auf diesem Land befindlichen Wasserressource, welche dem Staat oblag. Das bedeutete, dass fortan die Regierung durch Konzessionen über den Betrieb der Wasserkraftwerke entschied, ebenso wie über die Tarife und Konditionen der

Nutzung. Ähnlich wurde der Código das Minas (Minenkodex) gestaltet, der den rechtlichen Rahmen für die Ausbeutung von Rohstoffen und Bodenschätzen schaffte, welche bereits zuvor per Verfassungsdekret für Ausländer verboten worden war.

Die Regierung Vargas setzte auf Rohstoffautarkie, Importsubstituierung und auf die staatliche Zentralisierung der Entscheidungsbefugnisse im Energiesektor. Die Betrachtung des Themas Energie erfolgte erstmals in Korrelation mit nationalen Sicherheitsinteressen. Nach der Entdeckung der ersten Erdölfunde 1939 im Bun­desstaat Bahia leitete die Regierung durch den 1939 gegründeten Nationalrates für Erdöl CNP12 die Prospektion und Erschließung brasilianischer Ölfelder ein, wenn auch zunächst mit geringem Erfolg. Politikmaßnahmen wie das Exportverbot für Rohöl stellten bereits erste Wegschritte zu einem späteren Staatsmonopol im Erdölsektor dar (Calabi u.a. 1983:133 f).

Die nationale Kohleförderung wurde im Süden des Landes im Bundesstaat Santa Catarina initiiert und damit einhergehend eine staatliche Mindestquote für den Verbrauch einheimischer Kohle eingeführt. Aufgrund der Instabilität des internati­onalen Zuckermarktes wurde im Zuge der Suche nach einem Zweitprodukt das erste Programm zur Verwendung von Zuckerrohrethanol als Kraftstoffzusatz auf­gesetzt13. Wasserkraft spielte nach wie vor die größte Rolle in der Elektrizitätser­zeugung; der Kraftwerkspark wurde stetig erweitert. 1943 kam es mit der Grün­dung der CHESF14, bis heute einer der größten Elektrizitätserzeuger Brasiliens, zur Konsolidierung der staatlichen Aktivität im Elektrizitätssektor.

Staatlicher Interventionismus und Monopolisierung (1946 -1964)

Die 1946 nach dem Ende der 13-jährigen Amtszeit Vargas' verabschiedete Verfas­sung der Regierung Dutra galt zunächst als Abkehr der nationalistischen Grund­ausrichtung. Der Erdölsektor wurde ausländischem Kapital geöffnet. Im Elektrizi­tätssektor jedoch fehlte es, unter anderem, wegen nicht verlängerter Konzessio­nen und mangelndem Interesse der Privatwirtschaft am Stromsektor infolge der Verabschiedung des Wasserkodex an privaten Investitionen. Der Staat übernahm daher eine immer stärkere Rolle und es wurden zahlreiche staatliche Energiever­sorgungsunternehmen gegründet. Nachdem Getulio Vargas 1951 ins Präsidenten­amt zurückkehrte, kam es per Gesetz in den darauffolgenden Jahren zur Gründung der bis dato wichtigsten staatlichen Unternehmen im Energiesektor: Petrobras (1953) und Eletrobras (1961).

Die Gründung der Petrobras stellt einen Meilenstein in der Geschichte des brasilia­nischen Erdöls dar und etablierte den Kurs der staatlichen Intervention im Energie­sektor. Die umfassende Kontrolle des Erdölsektors wurde von der Regierung Var­gas als ausschlaggebender Faktor der nationalen Sicherheit und des Wirtschafts­wachstums proklamiert. Der Petrobras oblag fortan die Kontrolle über alle Aktivi­täten des Erdöl- und Erdgassektors15. Das staatliche Erdölmonopol war damit ge­schaffen.

Durch eine intensive Trockenperiode in den Jahren von 1951 bis 1956, fehlende In­vestitionen privater Unternehmen und zunehmende Industrialisierung und Urbani­sierung kam es in den 50er Jahren zu einer Energiekrise mit großflächigen Strom­ausfällen und Rationierungen (ANEEL 2008: 21). Präsident Kubitschek ordnete da­raufhin den Bau des ersten Großwasserkraftwerks Furnas mit einer Leistung von 1.216 MW im Bundesstaat Minas Gerais an16. Die Größenordnung der hydroelektri­schen Energieerzeugung war von nun an verändert (Leite 2009:12) und es entwi­ckelte sich eine politische Präferenz für Großprojekte im Energiesektor. Kubitschek konnte sein Ziel einer Ausweitung des Elektrizitätsangebots erreichen (ANEEL 2008: 21). 1960 wurde das MME17, das Ministerium für Bergbau und Energie, ge­gründet, dessen Kompetenzbereiche zuvor noch auf drei verschiedene Institutio­nen verteilt gewesen waren. Damit kam es zu einer Zentralisierung der Entschei­dungsbefugnisse im Energiesektor. 1961 wurde die Eletrobras gegründet, um die Aktivitäten des Elektrizitätssektors zu koordinieren. Als staatliche Holding übte sie fortan die Kontrolle über die staatlichen Energieunternehmen aus18. Trotzdem er­langte die Eletrobras keine vergleichbare Monopolstellung im Elektrizitätssektor, wie die Petrobras im Erdöl- und Erdgassektor.

Im Zuge der weltweiten Entwicklungen geriet Nuklearenergie in den Fokus der Regierung Kubitschek und Brasilien begann, Institutionen zur Erforschung von Kernenergie und zur Prospektion der relevanten Rohstoffe für die nukleare Ener­gieerzeugung zu schaffen.

Die Militärdiktatur und die Ölkrise (1964 -1985)

Hohe Inflationsraten und Stagnation der Wirtschaft kennzeichneten die erste Pha­se (1964 bis 1974) der Militärregierung. Die Petrobras wirkte wie gelähmt, sie be­schränkte sich hauptsächlich auf Import, Transport und Verarbeitung von Erdöl und investierte nur zögerlich in die Erschließung von inländischen Reserven (Calabi u.a. 1983: 172), obwohl der Energiemix des Landes immer mehr durch zunehmen­den Erdölverbrauch gekennzeichnet war. Kleine Erfolge waren lediglich 1968 mit der Erschließung des ersten Offshore-Feldes im Campus-Becken und Fortschritten in der technologischen Entwicklung für Tiefseebohrungen zu verzeichnen. 1967 wurde der Bau des ersten Atomkraftwerks in Angra dos Reis im Bundestaat Rio de Janeiro beschlossen. Entscheidend vorangetrieben wurde im Bereich der Stromer­zeugung jedoch weiterhin die Hydroenergie: 1973 kam es mit Paraguay zur Über­einkunft bezüglich des Baus des binationalen Großwasserkraftwerks Itaipu im Bundesstaat Paraná an der Grenze zu Paraguay, mit 12.000 MW bei seiner Inbe­triebnahme 1984 das größte Wasserkraftwerk der Welt19. Mit der Auftragsvergabe dieser Großprojekte bildete sich eine oligopolistische Marktstellung der drei Fir­men Odebrecht-Braskem, Andrade Gutierrez und Camargo Correa im öffentlichen Bausektor heraus.

Nachdem Brasilien von Beginn der ersten Ölkrise 1973 an aufgrund der hohen Ab­hängigkeit von Erdölimporten wirtschaftlich stark angeschlagen war und zuneh­mend in Zahlungsschwierigkeiten geriet, wurde nach Möglichkeiten der Imports­ubstitution gesucht. Im Zuge dessen sowie aufgrund der extrem niedrigen Welt­marktpreise für Rohzucker kam es zu einem intensiven Wiederaufleben der Etha­nolproduktion. Mithilfe staatlicher Subventionen wurde 1982 das Langzeitförder­programm Pro-Alcool gestartet, um Zuckerrohralkohol als Treibstoff wettbe­werbsfähig zu machen. Kohle wurde ebenfalls subventioniert, um den Erdölbedarf zu verringern.

Die veranschlagten Investitionen der Großwasserkraftprojekte Itaipu und Tucururi im Bundesstaat Tocantins und des Nuklearreaktors Angra I konnten infolge von Brasiliens marodem Staatshaushalt nicht zeitgerecht aufbracht werden. Die Pro­jekte verteuerten sich, während die Nachfrage nach Elektrizität aufgrund der Krise entgegen vorheriger Prognose deutlich langsamer wuchs. Die Energieversorgung wurde, gekennzeichnet durch eine Zunahme von staatlichen Elektrizitätsfirmen, immer stärker zentralisiert. Die unterinflationäre Anpassung der Strompreise zur Inflationskontrolle führte zu einer finanziellen Schieflage im Energiesektor und im gesamten Staatshaushalt. Vor allem ab 1980, als die internationalen Kreditzinse in die Höhe schossen, geriet die Finanzierbarkeit des staatlichen Elektrizitätssystems an den Rand des Kollapses.

Der neoliberale Regierungskurs bis zur Stromkrise (1986 - 2003)

Nach dem Ende des autoritären Regimes 1983 wurde unter anderem die Vergabe von Konzessionen der öffentlichen Elektrizitätsversorgung durch Ausschreibun­gen festgelegt. Die Investitionsmöglichkeiten ausländischen Kapitals im Energie­sektorwurden verbessert. Das Erdölmonopol des Staates wurde aufgelockert und flexibler gestaltet. Auch im Bereich der öffentlichen Versorgung bemühte sich die Regierung Sarney, Privatisierungen einzuleiten und die staatliche Beteiligung im Elektrizitätssektor zu verringern.

Da sich die wirtschaftliche Lage in Brasilien verschlechtert hatte und die Inflation galoppierte, schlug die Regierung Cardoso ab 1993 den neoliberalen Kurs ein, zu dem die Entwicklungsländer schon seit längerem von den USA, dem Internationa­len Währungsfonds und der Weltbank aufgefordert worden waren: „This revision [...] was based on the triple objective of eliminating the state from entrepreneuri­al activities, abolishing restrictions to foreign capital and establishing competitive markets in formerly monopolistic areas, [...].” (Leite 2009:21).

Im Elektrizitätssystem wurde eine große Privatisierungswelle eingeleitet wurde, die die Belastung des Staatshaushalts verringern und das Funktionieren der als ineffizient geltenden Staatsunternehmen verbessern sollte. Jedoch wurden in die­ser Reform gravierende Fehler begangen: Die Privatisierungen erfolgten, bevor ein geeigneter rechtlicher Rahmen für einen privatwirtschaftlich organisierten Stromsektor geschaffen worden war. Es kam zu einem Mangel an staatlichen und privaten Investitionen im Elektrizitätssektor und die Erzeugungskapazitäten wur­den nicht mehr dem Nachfragezuwachs entsprechend ausgebaut. Große Energie­infrastrukturprojekte erfolgten nicht mehr wie zur Zeit der Militärdiktatur. Das Atomkraftwerk Angra 2 verzögerte sich erheblich in der Fertigstellung, dessen Kapazität von 1.309 MW fehlte zur Gewährleistung der nationalen Versorgung. Aufgrund einer längeren Trockenperiode und technischer Mängel im Übertra­gungsnetz kam es kam es 2001 zu einer bundesweiten Stromversorgungskrise, die weitreichende Rationierungsmaßnahmen nach sich zog. Trotzdem konnte der volkswirtschaftliche Schaden der Krise durch Energieeffizienzmaßnahmen und Stromkontingenthandel zwischen den Unternehmen in Grenzen gehalten werden, nach dem sich wirtschaftliche Entwicklung der 90er Jahre vergleichsweise positiv vollzogen hatte. Jedoch konnte die soziale Entwicklung des Landes, welche sich nach wie vor durch enorme Kluften in der Einkommensverteilung auszeichnete, durch den neoliberalen Kurs der Regierung Cardoso nicht verbessert werden.

Weitere Sektorentwicklungen der 90er Jahre

1992 wurde im Zuge eines wissenschaftlichen Pilotprojekts auf der Insel Fernando de Noronha die erste Windkraftanlage Brasiliens in Betrieb genommen, welche bis zum Jahr 2000 die einzige bleiben sollte. 1993 kam es zur Unterzeichnung eines Vertrags zwischen den Regierungen Brasiliens und Boliviens über die Lieferung von bolivianischem Erdgas sowie dem Bau einer 2.233 Kilometer langen Erdgas­Pipeline mit einer maximalen Kapazität von 29,7 Mm3 pro Tag (IEA 2006: 6). Nach deren Einweihung 2000 wurde der Bau diverser thermoelektrischer Kraftwerke eingeleitet, Erdgas gewann im nationalen Energiemix zunehmend an Bedeutung. 1997 wurde das Erdölgesetz verabschiedet. Damit kam es zur Gründung der brasi­lianischen Erdölagentur ANP und zur Definition der zentralen Aufgaben des staat­lichen Erdölmonopols. Im selben Jahr wurde in der Förderung die Marke von 1 Mio. Barrel Erdöl am Tag erreicht. Die ersten Funde der brasilianischen off-shore Erdöl­reserven des Pre-Sal und weitere, bedeutende Erdölfunde rückten das Ethanol­Programm in den 90er Jahren in den Hintergrund.

3. Energierelevante Ausgangssituation

Als Dilma Rousseff 2003 ihr Amt als Energieministerin der neuen Regierung unter Präsident Lula da Silva antrat, oblag ihr die Aufgabe einer Neuausrichtung der Energiepolitik. Laut Angaben der neuen Regierung war das Wirtschaftswachstum im Zuge der Stromkrise 2001 gebremst worden (MME 2003: 24). Die Wachstumsra­te des Bruttoinlandsprodukts war von 4,36 Prozent im Jahr 2000 auf 1,42 Prozent im Jahr 2001 gefallen und erreichte 2002 nur 1,32 Prozent (ebd.: 23). Der Gesamte­nergieverbrauch war aufgrund der Rationierungsmaßnahmen 2001 um 6,6 Prozent zurückgegangen; der Elektrizitätsverbrauch im Haushaltsbereich hatte sich in den Krisenjahren erheblich verringert (2001: -11,8; 2002: -1,4) (ebd.: 23f). Der Ressour­cenreichtum und die energetischen Kapazitäten des Landes sollten fortan besser genutzt werden. Im Folgenden sollen diese kurz vorgestellt und somit eine Be­standaufnahme gemacht werden.

3.1. Energiemix

Brasiliens Energiemix zeichnet sich durch einen vergleichsweise hohen Anteil an erneuerbaren Energien am Gesamtenergiemix aus. Während 2011 rund 44 Prozent des gesamten Energieverbrauchs aus erneuerbaren Energien bestanden (vgl. Ta­belle 1), waren es im weltweiten Durchschnitt gerade einmal 13 Prozent (Statista

2013)· Die prozentuale Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien am Energie­verbrauch erfolgte im Untersuchungszeitraum vor allem durch die Wiederbele­bung der Biotreibstoffproduktion in Form von Zuckerrohrethanol und Biodiesel zur Substituierung von Erdöl, dem Ausbau der Großwasserkraft und dem vermehr­ten Nutzung von Biomasse als Energieträger· Seit 2009 konnte auch Windenergie in den brasilianischen Energiemarkt integriert werden· Darüber hinaus avancierte Brasilien zum weltweiten Exportführer für Biotreibstoffe· Im Bereich der fossilen Energieträger konnte der Anteil von Erdgas am Gesamtenergiemix erhöht werden·

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Nationaler Energieverbrauch nach Energieträger in Prozent (EPE 2012: 36)

2011 betrug der Anteil erneuerbarer Energien an der Elektrizitätserzeugung rund 89 Prozent (EPE 2012: 16). Diese Bilanz kam vor allem durch das enorme Wasser­kraftpotenzial Brasiliens zustande (vgl. Abbildung 1), weltweit belegte das Land 2009 mit 391 Terrawattstunden (TWh) Platz zwei in der Erzeugung von Hydro- energie (ebd.: 187). Die geringe C02-Intensität der Energiegewinnung ist darüber hinaus auf die relativ unbedeutende Rolle von Kohle im Energiemix zurückzufüh­ren. 2012 wurden 2,7 Prozent der Elektrizität aus Atomkraft produziert. Der Ausbau der Atomenergie wird unter Berücksichtigung der Erschöpfung des Wasserkraft- Potenzials in der Energieplanung immer wieder in Erwägung gezogen, ist in Brasi­lien jedoch wirtschaftlich unrentabel. Trotzdem wird der dritte Kernreaktor Angra 3 nach längerem Baustopp voraussichtlich 2016 ans Netz gehen (Eletronuclear).

5.2. Energieressourcen

Die Entdeckung großer Erdölvorkommen vor der Küste Brasiliens dominierte die nationale Energiedebatte der letzten Jahre und veränderte das internationale Ge­wicht des Landes als Erdölförderstaat. Durch die Steigerung der Förderkapazität stieg Brasilien 2006 zum Nettoexporteur von Rohöl auf20, jedoch blieb das Land letztlich Importeur von Erdölderivaten aufgrund der noch fehlenden Raffinerieka­pazitäten. Technischen Prognosen zufolge wird Brasilien die Fördermenge von rund 2 Millionen Barrel pro Tag 2012 bis zum Jahr 2020 auf rund 4,3 Millionen Barrel pro Tag fast verdoppeln können (Maugeri 2012: 37). Die Funde des Pre-sal zählen zu den weltweit Größten der vergangenen Jahre und katapultierten den Staat 2013 mit 26 Milliarden Barrel gesicherten Ölreserven auf Platz 13 der ölreichsten Staaten (CIA 2013). Ein Großteil davon befindet sich off-shore, weshalb sich Brasilien als Weltmarktführer im Bereich Technologieentwicklung für Tiefseebohrungen etab­liert hat. Im Gesamtuntersuchungszeitraum wurden darüber hinaus beträchtliche Erdgasreserven erschlossen, die nationale Produktion stieg von 2002 bis 2011 um 6o Prozent an, jedoch verdoppelten sich aufgrund der stark gesteigerten Nachfra­ge aller Sektoren auch die Erdgasimporte. Dies führte im Untersuchungszeitraum zu einer annähernden Verdopplung des Erdgaskonsums von rund 15 Millionen Ku­bikmeter (m3) zu rund 28 Millionen m3. Die Importe machten dabei ein knappes Drittel des Verbrauchs aus (EPE 2012: 41).

Das noch ungenutzte Wasserkraftpotenzial befindet sich größtenteils in der Ama­zonasregion, die bisher wenig zur nationalen Stromerzeugung beiträgt. Dies soll sich mit dem Bau der Wasserkraftwerke der sogenannten „zweiten Generation“ in Amazonien ändern. Die beiden Kraftwerke Santo Antonio (3.150 MW) und Jirau (3.750 MW) nahmen 2011 und 2012 ihren Betrieb auf. Belo Monte, mit dessen Inbe­triebnahme aufgrund diverser Bauverzögerungen nun 2015 zu rechnen ist, soll mit einer installierten Kapazität von 11.233 MW das drittgrößte Wasserkraftwerk welt­weit werden.

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Tabelle 2: Energieressourcen 2011 (EPE 2012:117)

Beinahe ungenutzt bleiben im Land bisher vor allem die erheblichen Potenziale der Wind- und Solarenergie. 2001 wurde das nationale Windkraftpotenzial laut einer Studie des Forschungsinstituts CEPEL21 auf 143 GW bemessen (Camargo u.a. 2001: 43). Die installierte Kapazität stellte 2013 mit rund 2.137 MW (ANEEL 2013a) nur einen Bruchteil davon dar, auch wenn die neuesten Entwicklungen im Windsektor Aufbruchsstimmung verursachten. Mit jährlichen horizontalen Sonneneinstrah-21 lungswerten von 1.500 - 2400 kWh/m2 (Kulakow 2012: 18) liegt das brasilianische Solarpotenzial erheblich höher als zum Beispiel das Deutschlands (Höchstwert: 1.220 kWh/m2) oder Spaniens (Höchstwert: 1.850 kWh/m2). Trotzdem spielte So­larenergie in der brasilianischen Energieversorgungsstrategie bisher eine sehr ge­ringe Rolle. Oft bemängelt wird auch die fehlende Nutzung des Biogaspotenzials in Form von Vinasse und Schlempe aus der Zuckerrohrverarbeitung zur thermi­schen Energieerzeugung.

3.3. Energieverbrauch und Energienachfrage

Während das Bevölkerungswachstum im Untersuchungszeitraum mit durch­schnittlich 0,9 Prozent pro Jahr deutlich langsamer zunahm als in den Vorjahren, stieg der Energiekonsum pro Kopf proportional an (vgl. Tabelle 3). Wirtschafts­wachstumsraten von über fünf Prozent in den Jahren 2004, 2007, 2008 und 2010

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Tabelle 3: Energieverbrauch/ BIP/ Bevölkerung (Eigene Darstellung nach EPE 2012, World Bank)

Der zukünftig erwartete Anstieg des Endenergieverbrauchs von 2011 bis 2021 wird mit jährlich durchschnittlich 4,7 Prozent noch höher ausfallen als im Untersu­chungszeitraum, der Pro-Kopf-Energiekonsum wird von 1,22 auf 1,76 Tonnen Erd­öläquivalent pro Kopf und Jahr bis 2021 ebenfalls einen starken Anstieg verzeich­nen (MME/ EPE 2012: 35).

Im Transport- und Energiesektor kam es von 2002 bis 2011 zu einer 50 prozentigen Steigerung des Energieverbrauchs, die Industrie als größter Sektor (vgl. Abbildung 3) konsumierte 35 Prozent mehr Energie (EPE 2012: 129). Dort erhöhte sich der Verbrauch von Erdgas und Diesel um 50 Prozent, der von Zuckerrohrprodukten um ein Drittel, ähnliche Konsumsteigerungen der Primärenergieträger Erdgas und Zu­ckerrohr waren im Transport- und Energiesektor zu verzeichnen (EPE 2012: 72,78,82). Prozentual gesehen sank der Anteil von Erdölderivaten am nationalen Gesamtenergiekonsum im Untersuchungszeitraum trotz zunehmender Förder­menge durch den zunehmenden Nutzung von Biotreibstoffen von 46 Prozent auf 43 Prozent (ebd.: 25). Im Bereich des Erdgases, dessen größter Verbraucher die Industrie darstellt, kam es während des Untersuchungszeitraums immer wieder zu Versorgungsengpässen, zum Beispiel 2006, als die Erdgasindustrie in Bolivien mit dem Amtsantritt der Regierung Morales verstaatlicht wurde. Strom nahm in den meisten Sektoren anteilsmäßig zu, im Haushaltssektor betrug der prozentuale An­teil im Energiemix 2011 rund zwölf Prozent mehr als 2002, im kommerziellen und öffentlichen Sektor rund elf Prozent (ebd.: 74f). In beiden Sektoren stieg der abso­lute Stromverbrauch um über 50 Prozent an, im nationalen Durchschnitt um 48 Prozent (ebd.: 23).

Im der strukturell schwachen Nordost-Region des Landes verdoppelte sich der Stromverbrauch (ebd.: 144), was auch auf eine gesteigerte Elektrifizierungsrate durch die ländlichen Elektrifizierungsprogramme der Regierung zurückzuführen ist. Laut dem brasilianischen Institut für Statistik IBCE 22 lag die Elektrifizierungsrate in Privathaushalten 2010 bei 97,8 Prozent, in ländlichen Gegenden jedoch nur bei 89,7 Prozent (IBGE 2011). In der Nord-Region, der geographisch am schwierigsten zugänglichen Brasiliens, waren 2010 sogar noch 24,1 Prozent der Haushalte ohne Stromzugang (ebd.), da einige Gebiete vom nationalen Hauptübertragungsnetz SIN23 zu weit abgelegen sind und zum Teil durch isolierte Inselsysteme versorgt werden.

Der gesamte Elektrizitätsverbrauch stieg von 2002 bis 2011 um 48 Prozent (EPE 2012: 32), die Produktion um 53 Prozent (ebd: 65). Die installierte Kapazität betrug 2012 rund 119 GW (Secretaria de Energia SP 2012: 9), die Gesamtproduktion belief sich 2011 auf 531,8 TWh (EPE 2012:15). Der Kapazitätsausbau vollzog sich im Unter­suchungszeitraum hauptsächlich in der Großwasserkraft. In den letzten Jahren wurde darüber hinaus stark auf die Erweiterung des Kraftwerkparks gasbetriebe­ner thermoelektrischer Kraftwerke gesetzt. Auf diese Reservekapazitäten soll im Falle von Dürreperioden mit einhergehenden Kapazitätsverlusten in der Wasser­krafterzeugung zurückgegriffen werden können.

Nachdem die für den Energiesektor relevanten Zustandsvariablen damit erfasst sind, wird im nächsten Kapitel Brasiliens Beteiligung im internationalen Energiere­gimekomplex dargelegt und damit die Basis zum Verständnis der internationalen Positionierung geschafft werden.

4. Brasiliens Engagement im internationalen Energieregimekomplex

Um die internationale Positionierung in der Energieaußenpolitik Brasiliens zu ver­stehen, muss zunächst auf die generelle außenpolitische Ausrichtung Brasiliens verwiesen werden. Seit Mitte der 1990er Jahre strebt Brasilien nach einem ständi­gen Sitz im UN-Sicherheitsrat. Langfristige Ziele der Außenpolitik bestehen in der Etablierung einer multipolaren Weltordnung im Zeichen eines gleichberechtigten Nord-Süd-Dialogs und in einer Stärkung der Süd-Süd-Kooperation (Hölzl 2011: 204). Des Weiteren beansprucht Brasilien eine Führungsrolle im lateinamerikanischen Integrationsprozess, welcher durch die Gründung der Union Südamerikanischer Staaten UNASUL24 2008 maßgeblich vorangetrieben wurde und will international als Fürsprecherder Region agieren.

Dabei verfolgt das Land seit dem Antritt der neuen Regierung 2003 eine selbstbe­wusste Soft-Balancing-Politik: auf der einen Seite soll durch Süd-Süd-Allianzen der Schwellen- und Entwicklungsländer ein machtpolitischer Gegenpol zur bestehen­den, von den Industrieländern dominierten Weltordnung geschaffen werden. Auf der anderen Seite stehen Verstärkung der Kooperation in internationalen Regimen und Intensivierung multilateral ausgerichteter Außenbeziehungen, um die Mög­lichkeiten der Einflussnahme und das Gewicht des Landes in global-governance- Strukturen zu vergrößern. Brasiliens machtpolitische Ambition, ein global player zu werden, darf somit als ausschlaggebender Einflussfaktor auf seine außenpolitische Positionierung in internationalen Verhandlungen und damit auch auf seine Ener­gieaußenpolitik angesehen werden. Dies impliziert für die vorliegende Untersu­chung, dass das Streben nach Macht im Sinne realistischer Theorien ein in den Grundzielen des politischen Systems verankertes, über Steuerungsfunktion verfü­gendes Kriterium darstellt.

Nun kann die brasilianische Regierung gerade im Handlungszusammenhang Ener­gie Gewicht in die internationale Waagschale werfen, welches ihr eine zentrale Stellung bei Verhandlungen einräumt. Dies liegt zum einen an dem außergewöhn­lich hohen Anteil von erneuerbaren Energien im Energiemix und der damit ver­bundenen, niedrigen C02-Intensität seines Energiesektors und zum anderen an der weltweiten Vormachtstellung im Biotreibstoffbereich. Durch Brasiliens unlängst entdeckten Erdölreichtum entstanden darüber hinaus Spekulationen über eine mögliche, zukünftige Mitgliedschaft in der OPEC25. Auf der anderen Seite sind ge­rade die Trümpfe in Brasiliens Händen internationaler Kritik unterworfen: die sozia­len und ökologischen Nachteile von Großwasserkraftprojekten sowie der Biotreib­stofferzeugung geraten immer wieder in die Kritik der internationalen Gemein­schaft und der nationalen und internationalen Zivilgesellschaft. Die Vereinbarkeit von C02-armer Energieerzeugung und Ausbau der Erdölförderung ¡ท Brasilien wird zunehmend angezweifelt.

Das energieaußenpolitische Engagement des Landes begann mit dem Interesse der Regierung Kubitschek an der zivilen Nutzung der Kernenergie, welches 1957 zum Beitritt der IAEA (International Atomic Energy Agency) führte. Brasilien enga­gierte sich als Mitbegründer der OLADE26, der lateinamerikanischen Organisation für Energie, welche im Schatten der drohenden Ölkrise 1973 entstand und die energiepolitische Integration Lateinamerikas vorantreiben sollte. Aufgrund der zersplitterten nationalstaatlichen Interessen ihrer 27 Mitglieder spielt die OLADE jedoch im internationalen Energieregimekomplex eine eher marginale Rolle. Infol­ge der Ölkrise gehörte Brasilien ¡ท den 70er Jahren zu einem Block von Entwick­lungsländern, die im Rahmen der globalen Verteilungskrise eine Änderung des Weltwirtschaftssystems und eine Behebung ungleicher Entwicklungen forderten (Fattouh; van der Linde 2011: 44). Mit der Gründung des International Energy Fo­rum IEF 1990 boten sich Brasilien fortan institutionalisierte Beteiligungsmöglich­keiten im internationalen Energieregimekomplex, welcher vorher von den Institu­tionen der IEA27 und der OPEC dominiert worden war.

Colgan, Keohane und van de Graaf haben das Netzwerk an für den Handlungszu­sammenhang Energie wichtigen Institutionen treffenderweise nach Raustialas und Victors Definition als Energieregimekomplex bezeichnet (Colgan, Keohane, van de Graaf 2011: 2): „an array of partially overlapping and non-hierarchical institutions governing a particular issue area“ (Raustiala, Victor 2004: 279). Im Zusammenhang des Energieregimekomplexes müssen daher Regime ¡ท den Handlungszusammen­hang mit einbezogen werden, die mit dem Thema Energie maßgeblich verknüpft sind. Da 31 Prozent aller Treibhausgas- und sogar 75 Prozent aller C02-Emissionen weltweit aus energiebedingten Aktivitäten stammen (Baumert, Herzog, Pershing 2005: 41), ist die Klimapolitik eines der internationalen Regime, ¡ท denen am meis­ten über Energie verhandelt wird. Daher ist Brasiliens Rolle ¡ท den internationalen Klimaverhandlungen mit Gründung der UNFCCC28 und in global-governance- Strukturen im Bereich nachhaltige Entwicklung zu betonen, welche 1992 auf der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung ihren Anfang fand. Die IEA begann Mitte der 90er Jahre, sich nicht-OECD-Mitgliedern zu öffnen (Van de Graaf 2012: 238), was zu Brasiliens Stellung als priority partner der IEA führte.

Der steigende Ölpreis und die zunehmende Dringlichkeit, effektive Maßnahmen gegen den Klimawandel zu ergreifen, sorgten Anfang des 21. Jahrhunderts für ge­steigerte Aufmerksamkeit der internationalen Staatengemeinschaft an erneuerba­ren Energien, welche mit der ersten Internationalen Konferenz für Erneuerbare Energien 2004 in Bonn ihren Ausdruck fand. Energierelevante Themen wurden fortan zunehmend auf den G8-Gipfeln der acht größten Industrienationen disku­tiert. Einen Meilenstein der internationalen Bedeutungszunahme Brasiliens im Energieregimekomplex stellt daher der G8-Gipfel 2003 in Gleneagles dar, zu des­sen sogenanntem Outreach Brasilien, China, Indien, Mexiko und Südafrika eingela­den waren, um über Themen wie Klimawandel, Energie und nachhaltige Entwick­lung zu verhandeln. Die zentrale Rolle der Schwellenländer und damit Brasiliens im Handlungszusammenhang Energie wurde hiermit konstatiert. Deren vermehrte internationale Einbeziehung fand mit der Gründung sogenannten G8+3- Gruppe in Gleneagles ihren Ausdruck. In den Klimaverhandlungen und auf den G20-Gipfeln versucht Brasilien seitdem vermehrt, im Kreise der BRICS-Staaten (Brasilien, Russ­land, Indien, China und Südafrika) die Einflussmöglichkeiten der Schwellenländer im Klimaprozess zu vergrößern. Brasiliens Stand in Klimaschutzbelangen ist dabei ambivalent einzuschätzen: einerseits hat das Land noch immer einen niedrigeren Pro-Kopf-CO2-Verbrauch als die OECD-Staaten und auch als andere Schwellenlän­der wie China oder Südafrika29. Jedoch stiegen die Emissionen im Einklang mit dem hohen Wirtschaftswachstum absolut gesehen stark an.

Des Weiteren konnten im Untersuchungszeitraum zwar die entwaldungsbeding­ten Treibhausgasemissionen, die 2003 noch für rund 77 Prozent der brasilianischen Gesamtemissionen ausmachten, gesenkt werden (Ministerio da Ciencia e Tecnolo­gia 2010:141). Die energiebedingten Emissionen jedoch verdoppelten sich anteils­mäßig von 16 Prozent im Jahr 2005 auf 32 Prozent im Jahr 2010 (Bocchini 2013) und entwickelten sich somit zum Problem für Klimaschutzstrategien und Brasiliens internationales „grünes“ Image.

Trotzdem liefert auch die fortschreitende Entwaldung des Amazonasgebietes in der internationalen Klima-und Nachhaltigkeitsdebatte immer wieder Zündstoff für Kritik an der brasilianischen Energieexpansionsstrategie. Die Regierung sieht sich Vorwürfen gegen, die Biotreibstoffproduktion und die damit veränderten Land­nutzungsmuster und das Vorantreiben von neuen Großwasserkraftprojekten in Amazonien würden die Abholzung der Region beschleunigen. Internationale Zwei­fel bestanden auch an den tatsächlichen Treibhausgasemissionen der Stauseen von Wasserkraftwerken in Tropenregionen.

Vermutlich infolge dieser internationalen Kritik ist Brasilien der auf der Internatio­nalen Konferenz für Erneuerbare Energien im Jahr 2009 gegründeten Internationa­len Agentur für Erneuerbare Energien IRENA30 bislang nicht beigetreten. Rege Be­teiligung hingegen zeigt der Staat in anderen Verhandlungsrunden des Energiere­gimekomplexes wie dem Global Renewable Energy Forum oder als Gastgeberland des dritten Erdgipfels, der UN-Konferenz für nachhaltige Entwicklung UNCSD31 in Rio de Janeiro 2012.

5. Forderungen und Ziele der brasilianischen Energiepolitik

Die Bandbreite der möglichen Maßnahmen und die Zielsetzung der brasilianischen Energiepolitik lassen sich anhand des Binnenselektionsprozesses ermitteln. Jene Forderungen, die, von den Akteursgruppen artikuliert, in diesen Prozess einflie­ßen, sollen im Folgenden dargestellt werden, wobei eine Abgrenzung zwischen Akteuren des gesellschaftlichen Umfeldes von denen der internationalen Umwelt erfolgen wird. Diese Abgrenzung muss aufgrund der analytischen Kategorien ge- troffen werden, sie ist jedoch durchlässig: zum Beispiel werden transnationale Konzerne in der Untersuchung zu den Akteuren der Wirtschaft des gesellschaftli­chen Umfeldes gezählt, da sie konkrete Interessen im nationalen Energiediskurs verfolgen. Hingegen wird den Forderungen der brasilianischen Zivilgesellschaft über einen Rückkopplungsmechanismus vermehrt Einfluss über die internationa­len Kanäle zurück auf die nationalen Entscheidungsträger zugesprochen. Gemäß der Hypothese wird vermutet, dass vielfältige und gegensätzliche Umfeld- und Umweltforderungen gestellt werden, die zu einem hohen Selektionsgrad der poli­tischen Rollenträger im Binnenselektionsprozess führen. Wie in Kapitel 1.3. er­wähnt sind die Quellen der Forderungsanalyse in einem separaten Literaturver­zeichnis im Anhang diese Arbeit zu finden.

Die übergeordneten Ziele der Energiepolitik lassen sich anschließend anhand der generellen Ausrichtung des politischen Systems durch Kategorisierung der Sektor­ziele in zwei zu unterscheidende Kategorien ermitteln. Die Ermittlung der Sektor­ziele erfolgt durch die Ausgestaltung der Grundziele des Systems im Handlungszu­sammenhang Energie.

5.1. Forderungen aus dem gesellschaftlichen Umfeld

5.1.1. Privatverbraucher und öffentliche Meinung

Die Forderungen der brasilianischen Privatverbraucher waren während der drei Regierungsperioden ab 2003 von den Nachwehen der Stromkrise 2001 geprägt: Eine Verbesserung der Versorgungssituation stand dabei im Vordergrund, die Ver­braucherverbände beklagten die aufgrund der Mängel im Übertragungsnetz re­gelmäßig widerkehrenden Stromausfälle und Unterbrechungen der Stromversor­gung. Darüber hinaus wurden vor allem die Kosten der Stromversorgung bemän­gelt32 und eine Entlastung der Privathaushalte gefordert.

[...]


1 Berechnungen zufolge von 329 Mt (Megatonnen) C02-Equivalent (2005) auf 436 Mt C02- Equivalent (2011) (Girardi 2012)

2 David Easton entwickelte seine Theorie des politischen Systems in drei aufeinanderfolgenden Werken: „The Political System. An Inquiry into the State of Political Science” (1953), “A Framework for Political Analysis” (1965) und “A SystemsAnalysis of Political Life” (1965)

3 In seinem Werk „Vom Ölembargo zum National Energy Act“ (1989)

4 Portugiesisch (Port.): Ministerio de Minas e Energía

5 Port.: Empresa de Pesquisa Energética

6 Port.: Agencia Nacional de Petróleo

7 Port.: Operador Nacional do Sistema Elétrico

8 Port.: Agencia Nacional de Energia Elétrica

9 Port.: Plano Decenal de Expansäo da Energia Die Literatur zum Forschungsgegenstand ließ sich innerhalb verschiedener The­mengebiete finden, da die vorhandene Forschung selten eine Verbindung zwi­schen Energieinnenpolitik und außenpolitischer Positionierung herstellt. Zur brasi­lianischen Energieinnenpolitik ist eine breite Wissensbasis vorhanden. Als bedeu­tendes Überblickswerk des brasilianischen Energiesektors gilt Antonio Dias Leites „Energy in Brazil: Towards a Renewable Energy Dominated System“. Eine wichtige Darstellung der verschiedenen Sektoren unter Einbeziehung von aktuellen Ent-

10 In Folge kam es zur Gründung der Rio de Janeiro Tramway Light and Power Company. Die beiden Gesellschaften wurden 1912 durch die Gründung einer Holding vereint. Die daraus entstandene Light ist bis heute der größte Stromversorger Rio de Janeiros.

11 1913 lag der Verbrauch Brasiliens bei 333,000 m3, was 0,6 Prozent des weltweiten Verbrauchs entsprach (Leite 2009: 6)

12 Port.: Conselho Nacional de Petróleo

13 Zunächst als 10-prozentigem Zusatz zu fossilen Kraftstoffen. 1933 wurde das Institut für Zucker und Alkohol IAA (Instituto do Adúcar e do Álcool) gegründet, welches fortan die Herstellung von Zucker und Alkohol durch Quoten regelte.

14 Port.: Companhia Hidro Elétrica do Säo Francisco

15 Abbau, Raffinierung, Transport, Weiterverarbeitung, Import und Export

16 Damit wurde 1957 das Unternehmen Furnas Centrais Eletricas gegründet, bis heute eines der größten Unternehmen im Elektrizitätssektor

17 Port.: Ministerio de Minas e Energia

18 1962 der Eletrobras untergegliedert: CHESF, Furnas Centrais Eletricas, Companhia Hidreletrica Vale do Paraiba, Termoeletrica de Charqueadas S/A, Grupo AMFORP.

19 2013 liegt Itaipu nach der Fertigstellung des Drei-Schluchten-Stausees in China 2006 weltweit Platz zwei mit heute 14 GW.

20 Mit Unterbrechung in den Jahren 2009/ 2010

21 Port.: Centro de Pesquisas de Energia Elétrica

22 Port.: Instituto Brasileiro de Geografia e Estatitica

23 Port.: Sistema Interligado Nacional

24 Port.: Uniao das NaçÖes Sul-Americanas

25 Engl.: Organization ofthe Petroleum Exporting Countries

26 Port.: Organizaqäo Latino-americana de Desenvolvimento de Energia

27 Engl.: International Energy Agency

28 Engl.: United Nations Framework Convention on Climate Change

29 Pro-Kopf-Co2-Emissionen 2009: Brasilien: 1,9 t (Tonnen), OECD: 10 t, Welt: 4,7 t, China: 5,8 t, Süd­afrika: 10,11 (Worldbank Human Development Indicators)

30 Engl.: International Renewable EnergyAgency

31 Engl.: United Nations Conference on Sustainable Development

32 Die Stromtarife wurden nach der Inbetriebnahme des Atomreaktors Angra 2 deutlich erhöht, da es dadurch gepaart mit den Rationierungsmaßnahmen nach der Stromkrise ab 2003 ein deutliches Überangebot an Strom gab. Die brasilianischen Strompreise zählen bis dato, je nach Bundesstaat, mit zu den höchsten weltweit.

Details

Seiten
242
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668755086
Dateigröße
2.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v433232
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2,0
Schlagworte
Energie Brasilien Energiepolitik Erneuerbare Energien Klimapolitik

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Titel: Brasilianische Energiepolitik 2003 - 2013. Ein Vergleich zwischen Energieinnenpolitik und außenpolitischer Positionierung