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Rumänien im Zweiten Weltkrieg. Wie kam es zum Kriegseintritt? Was waren die Folgen des Putsches im August 1944?

Seminararbeit 2005 18 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Situation vor Kriegseintritt
2.1 Innenpolitik
2.2 Außenpolitik
2.3 Das Ende Großrumäniens

3. Der Krieg
3.1 Außenpolitische Folgen
3.2 Kriegsführung
3.3 Versuch eines Separatfriedens

4. Der Umsturz
4.1 Die sowjetische Seite
4.2 Die deutsche Seite
4.3 Folgen für den Kriegsverlauf

5. Schlußwort

Literaturverzeichnis

Anhang: Karte Rumäniens zu Kriegsbeginn

1. Einleitung

Wie kam es zum Kriegseintritt des Königreiches Rumänien in den Zweiten Weltkrieg, an der Seite des Deutschen Reiches und Finnlands gegen den großen Nachbarn Sowjetunion? Wie kam es zum Umsturz in Bukarest am 23.VIII.1944, wer war beteiligt, und was waren die Folgen für den weiteren Kriegsverlauf? Mit diesen Fragen soll sich die vorliegende Arbeit beschäftigen.

Eine Annäherung an die historischen Fakten ist nur durch Gegenüberstellung und kritisches Hinterfragen der einzelnen Quellen möglich, da die verschiedenen Autoren die Ereignisse teils unterschiedlich, teils sogar widersprüchlich darstellen und bewerten, wobei oftmals ein Zusammenhang zu deren jeweiligem Hintergrund zu erkennen ist. Dazu werden Werke west(kontinental)europäischer, osteuropäischer und angelsächsischer Autoren verwandt und, wo möglich, einander gegenübergestellt.

Bei den osteuropäischen Autoren Margot Hegemann[1], Boris Telpuchowski[2] und Ilie Ceauşescu (u.a.)[3] ist der Hintergrund des real existierenden Sozialismus’ deutlich herauszulesen, der sich nicht nur in Darstellung und Bewertung der Ereignisse zeigt, sondern auch in der Verwendung einer typischen, teils unsachlich wirkenden Diktion.[4]

In Sir Winston Churchills Erinnerungen[5] findet sich leider nur wenig zu Rumänien; und Stephen Fischer-Galati[6] entwickelt unter anderem sehr feinsinnige politikphilosophische Überlegungen zu einer (kontrafaktischen) bestmöglichen Lösung für Rumänien, auf die leider aus Platzgründen nicht eingegangen werden kann.

Bei Viorel Roman[7] ist die Liebe zu seinem Vaterland Rumänien deutlich herauszulesen, an verschiedenen Stellen scheint er um Mitleid zu heischen für sein kleines Land, das sich den Großen unterwerfen mußte.

Harald Laeuen wiederum ist seine Nähe zur NS-Ideologie deutlich anzumerken.[8]

In der vorliegenden Arbeit wird nun die innen- und außenpolitische Entwicklung Rumäniens von der Vorkriegszeit bis zum Kriegsende dargestellt, wobei insbesondere auf die für die Kriegsbeteiligung besonders bedeutsamen territorialen Veränderungen eingegangen wird. Der Kriegsverlauf wird nur in seinen Auswirkungen auf Rumänien behandelt, es soll auch keine Operationsgeschichte geschrieben werden. Von Interesse ist jedoch das Mit- und Gegeneinander hier besonders Deutschlands, Rumäniens und Ungarns an und hinter der Front. Geschildert werden ferner die Versuche sowohl der Regierung als auch der Opposition Rumäniens, einen Separatfrieden herbeizuführen, sowie die dramatischen Ereignisse des Umsturzes im August 1944 mit ihren Folgen für den weiteren Kriegsverlauf.

Aus Platzgründen kann die hochinteressante Entwickelung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Reich und Rumänien nur am Rande behandelt werden, nicht eingegangen werden kann auf die Judenfrage und die Frage der Aufteilung Südosteuropas in Einflußzonen.

Im Anhang findet sich zur Erleichterung der Einordnung der geographischen Bezeichnungen eine Karte Rumäniens vor Kriegsbeginn.

Einleitend soll zunächst die Situation Rumäniens vor Kriegseintritt geschildert werden, beginnend mit der Machtübernahme durch Carol II. von Hohenzollern-Sigmaringen, König von Rumänien.

2. Die Situation vor Kriegseintritt

2.1 Innenpolitik

Nach seiner Rückkehr aus dem Ausland 1930, wo er drei Jahre im selbstgewählten Exil verbracht hatte, strebte König Carol II. unverhohlen eine Alleinherrschaft an. Am 10.II.1938 ließ er eine neue Verfassung vorlegen, die auf seine Person zugeschnitten war. Die Gewaltenteilung war abgeschafft, die Regierung nur noch ihm allein verantwortlich, das Parlament hatte eher beratende Funktion. Die Unabhängigkeit der Justiz wurde „erst im August 1938 aufgehoben, als die Unabsetzbarkeit der Richter erlosch.“[9] Sein von inneren Gegnern bedrängtes sogenanntes monarcho-faschistisches Regime kam jedoch bereits im September 1940 zu einem wenig glanzvollen Ende.[10] Durch die Gebietsabtretungen im Sommer 1940 (siehe Kapitel 2.3) kam es zu einer Staatskrise; zu deren Beilegung „hatte sich Carol II. gezwungen gesehen, General Ion Antonescu, einen der kritischsten Offiziere der rumänischen Armee, zum Ministerpräsidenten zu ernennen und ihm damit faktisch die Macht zu übergeben.“[11]

Zwei Tage nach Antonescus Ernennung zum Conducătorul Statului Român[12] am 4.IX.1940 zwang er den König zur Abdankung zugunsten dessen Sohnes Mihai,[13] der von seinem Vater nur noch Repräsentationsrechte übernahm, da am 5.IX.1940 die Verfassung von 1938 aufgehoben worden war. Auch das Parlament war aufgelöst.[14] Auch Antonescu unterstützte die Eiserne Garde, eine der NSDAP nahestehende politische Bewegung, und beteiligte sie an der Regierung, um mit ihrer Hilfe das Land wieder zu stabilisieren.[15] Nachdem die Legionäre[16] jedoch gewaltsame Unruhen angezettelt hatten, um die ganze Macht zu erringen, ließ Antonescu diese niederschlagen[17] und bildete nach einem Besuch auf dem Obersalzberge mit Billigung des Führer s Adolf Hitler am 27.I.1941 eine Regierung ohne Legionäre.[18] Nun führte er „ein Militärregime, ohne Verfassung, ohne Partei, ohne Parlament. Er regierte als Staatschef und als Regierungschef“[19] und ließ sich per Volksabstimmung mit offiziell überwältigendem Ergebnis bestätigen. Die autoritäre Herrschaft war jedoch nur als Übergang gedacht, eine Errichtung eines dauerhaften Regimes nach faschistischem Vorbild war nicht geplant.[20]

2.2 Außenpolitik

Außenpolitisch hatte Rumänien sich traditionell eher an die romanischen Staaten, hier vor allem Frankreich, angelehnt. Daher schienen auch die ungebeten abgegebenen englisch-französischen Garantieerklärungen für Polen, Griechenland und Rumänien vom 13.IV.1939 die rumänische Außenpolitik zu stabilisieren. Denn Rumänien war zunehmend diplomatisch isoliert und Bedrohungen von allen Seiten ausgesetzt, gegen die man sich in Neutralität zu flüchten suchte. Die Garantien wurden jedoch für Rumänien schnell nutzlos, da Frankreich als Verbündeter bald ausfiel und Großbritannien sich außerstande sah, in Rumänien vor Ort einzugreifen. Zudem waren sie vor allem gegen Deutschland und Italien (und deren Satelliten) gerichtet und halfen nicht gegen sowjetische Ansprüche[21] (siehe Kapitel 2.3). Deutschland hingegen stand auf „einem Höhepunkt seiner Macht“.[22] Daher entschied Antonescu sich für eine offene Anlehnung an Deutschland, was sich im Öl-Waffen-Pakt vom 29.V.1940, im einseitigen Verzicht auf die französisch-britische Garantie (1.VII.1940) „und im formellen Austritt aus dem Völkerbund (11.VII.1940) niederschlug.“[23] Antonescu bat mehrfach um die Entsendung deutscher Truppen nach Rumänien, was Hitler am 11.IX.1940 zusagte; er „strebte ein Militärbündnis mit Deutschland an und wollte deutsche Truppen im Lande haben, weil er einen sowjetischen Angriff jederzeit für möglich hielt.“[24] Und so trat Rumänien am 23.XI.1940 dem Dreimächtepakt bei „und verstärkte die Anstrengungen zur Modernisierung und besseren Ausbildung seiner Armee.“[25] Ab dem 3.X.1940 rückten eine Wehrmachts-, eine Luftwaffen- und eine Marinemission in Rumänien ein, insgesamt 20 000 Mann. Offiziell sollten sie als Lehrtruppen Schulungsaufgaben wahrnehmen und die rumänischen Erdölanlagen bei Ploeşti schützen, sie bildeten jedoch tatsächlich die Vorhut des Aufmarsches gegen die Sowjetunion.[26] Im April 1941 befanden sich bereits 55 000 deutsche Soldaten in Rumänien, am 4.V.1941 waren es 105 000. „In den folgenden Wochen nahmen die Truppentransporte weiter zu, so daß am 21. Juni 1941 200 000 deutsche Soldaten in der Moldau standen.“[27] Am 22.VI.1941 trat Rumänien an der Seite des Reiches in den Zweiten Weltkrieg ein, indem es den „,Heiligen Krieg’ zur Wiedergewinnung Bessarabiens und der Nordbukowina“[28] proklamierte. Weshalb sie wiedergewonnen werden mußten, wird im folgenden Kapitel dargestellt.

[...]


[1] Hegemann, Margot: Der antifaschistische Volksaufstand vom 23. August 1944 in Rumänien, in: Jahrbuch für Geschichte der sozialistischen Länder Europas, Band 29, Berlin (Ost) 1985, 29-59. Die DDR war insbesondere nach angelsächsischem Verständnis Osteuropa zuzurechnen.

[2] Hillgruber, Andreas und Jacobsen, Hans-Adolf (Hrsg.): Telpuchowski, Boris Semjonowitsch: Die sowjetische Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges 1941-1945. Im Auftrag des Arbeitskreises für Wehrforschung, Stuttgart, herausgegeben und kritisch erläutert, Frankfurt 1961.

[3] Ceauşescu, Ilie und Constantiniu, Florin und Ionescu, Mihail: 200 Tage früher. Der Beitrag Rumäniens zur Verkürzung des Zweiten Weltkrieges, Bukarest 1987

[4] Wenn ausschließlich Ausdrücke wie antifaschistischer Volksaufstand, verbrecherischer Hitlerkrieg, faschistische Militärdiktatur und Hitlerdeutschland verwendet werden.

[5] Churchill, Winston: Der Zweite Weltkrieg. Mit einem Epilog über die Nachkriegsjahre, Bern, Stuttgart 1960.

[6] Fischer-Galati, Stephen: Historical Background, in: Ders. (Hrsg.): Romania, New York, London 1957, 2-13, und Fischer-Galati, Stephen: Twentieth Century Rumania [sic!], New York, London 1970.

[7] Roman, Viorel: Rumänien im Spannungsfeld der Großmächte 1878-1944. Von der okzidentalen Peripherie zum orientalen Sozialismus, Offenbach 1989.

[8] Laeuen, Harald: Marschall Antonescu, Essen 1943

[9] Völkl, Ekkehard: Rumänien. Vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart, Regensburg 1995, 118.

[10] vgl. Fischer-Galati 1970, 62.

[11] Müller, Florin: Autoritäre Regime in Rumänien 1938-1944, in: Oberländer, Erwin (Hrsg.): Autoritäre Regime in Ostmittel- und Südosteuropa 1919-1944, Paderborn u.a. 2001, 471-498, hier 491.

[12] „Rumänischer Staatsführer“. Förster (B), Jürgen: Die Gewinnung von Verbündeten in Südosteuropa, in: Militärgeschichtliches Forschungsamt (Hrsg.): Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Band 4. Der Angriff auf die Sowjetunion, Stuttgart 1983, 327-364, hier 335.

[13] vgl. Völkl 1995, 127.

[14] vgl. Völkl 1995, 126.

[15] vgl. Müller 2001, 491.

[16] Die Eiserne Garde war aus der faschistischen „Legion Erzengel Michael“ hervorgegangen, daher „Legionäre“.

[17] vgl. Fischer-Galati 1970, 62.

[18] vgl. Müller 2001, 492. Besonders bemerkenswert ist, daß Hitler „preferred collaboration with the monarchy to subversion of royal authority through the Iron Guard,“ Fischer-Galati 1970, 59.

[19] Völkl 1995, 146; vgl. weiter Maner, Hans-Christian: Voraussetzung der autoritären Monarchie in Rumänien, in: Oberländer, Erwin (Hrsg.): Autoritäre Regime in Ostmittel- und Südosteuropa 1919-1944, Paderborn u.a. 2001, 431-470, hier 466.

[20] Mergl, Georg: Rumänien. Der Weg zur Kapitulation 1940-1944, in: Osteuropa. Zeitschrift für Gegenwartsfragen des Ostens, Heft 2, Berlin, Stuttgart 1952, 379-385, hier 380.

[21] Mergl 1952, 379. Die Regierungen von Polen und Rumänien nahmen zwar die britische Garantie an, „waren aber nicht bereit, eine ähnliche Verpflichtung in der gleichen Form von der russischen Regierung entgegenzunehmen.“ Auch die anderen Grenzländer der Sowjetunion fürchteten, deren Hilfe anzunehmen, denn sie „wußten nicht, ob der Angriff von seiten Deutschlands oder die Rettung durch Rußland sie mit größerem Schrecken erfüllte.“ Churchill 1960, 177 und 180.

[22] Mergl 1952, 380.

[23] Huber, Manfred: Grundzüge der Geschichte Rumäniens, Darmstadt 1973, 129 (= Wissenschaftliche Buchgesellschaft (Hrsg.): Grundzüge, Band 23).

[24] Förster 1983 (B), 335f.

[25] Gosztony, Peter: Hitlers Fremde Heere, Düsseldorf, Wien 1976, 72.

[26] vgl. Völkl 1995, 145.

[27] Gosztony 1976, 75.

[28] Hillgruber, Andreas: Hitler, König Carol und Marschall Antonescu. Die deutsch-rumänischen Beziehungen 1938-1944, 2. Auflage, Wiesbaden 1965, 263 (=Göring, Martin und Lorz, Joseph: Veröffentlichungen des Instituts für europäische Geschichte Mainz, Band 5).

Details

Seiten
18
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638411363
ISBN (Buch)
9783638763271
Dateigröße
702 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v43309
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Abteilung für Osteuropäische Geschichte
Note
2,0
Schlagworte
Rumänien Zweiten Weltkrieg Kriegseintritt Folgen Putsches August Proseminar

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