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Criminal Profiling. Methoden zur Erstellung von Täterprofilen bei Gewaltverbrechen

Bachelorarbeit 2004 46 Seiten

Psychologie - Forensische Psychologie, Strafvollzug

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Zusammenfassung

Einleitung

Historische Entwicklung
Die ViCLAS Datenbank
Europäische Entwicklungen

Criminal Profiling
Definitionen und Ziele
Anwendungsgebiete
Theoretische Prämissen
Tatortverhalten
Modus Operandi
Täterhandschrift
Inszenierung des Tatorts
Profiling Prozess

Profiling Methoden

Induktives Profiling

Intuition, Vorwissen und Verhaltenssyndrome

Statistisch-empirische Modelle

Die klassischen FBI-Typologien

Neuere empirische Studien

Die Harbort-Studien

Kritik an der induktiven Profilerstellung

Deduktives Profiling

Theoretische Annahmen zur deduktiven Profilerstellung

Tatrekonstruktion bei der deduktiven Profilerstellung

Hypothesentestung bei der deduktiven Profilerstellung

nach Brent Turvey (1999)

Kritik an der deduktiven Profilerstellung

Diskussion

Literatur

Anhang

ZUSAMMENFASSUNG

Das rekonstruierte Tatverhalten eines Gewaltverbrechers liefert einem „Criminal-Profiler“ angeblich sämtliche Informationen um detaillierte Aussagen über Geschlecht, Alter, Lebensraum, Intelligenz, Charakter, Persönlichkeitsstruktur, usw. generieren zu können. Criminal Profiling entwickelte sich zu einer Disziplin, welche zahlreiche akademische und wissenschaftliche Bereiche impliziert. Im Verlaufe der Entwicklung dieser noch jungen Disziplin kristallisierten sich zwei grundverschiedene Methoden bei der Vorgehensweise zur Profilerstellung heraus. Zum einen die induktive Profilerstellung, welche auf statistische und empirische Daten, sowie auf die individuellen Erfahrungswerte und Intuitionen des jeweiligen Profilers basiert. Zum anderen gibt es die deduktive Vorgehensweise, nach der jeder Fall als einzigartig angesehen wird. Die Profilerstellung erfolgt hier nach streng logischen Schlussfolgerungen und Syllogismen, basierend auf den vorgefundenen Tatortspuren und Beweisen.

In dieser Arbeit wird aufgezeigt, mit welchen psychologischen und methodischen Werkzeugen ein Profiler seine Arbeit verrichtet, welche wissenschaftlichen Theorien dieser Tätigkeit zugrunde liegen und wo die Grenzen des Profiling sind. Es stellte sich heraus, dass keine der beiden Philosophien eine alleinige Existenzberechtigung beanspruchen kann. Beide Methoden sind aufgrund der mangelnden empirischen Evaluation noch sehr stark kritikanfällig. Ferner musste festgestellt werden, dass zur Ausübung des Profiling weder nationale noch internationale Standards festgelegt sind.

EINLEITUNG

Unter Criminal Profiling versteht man die Zusammenstellung von möglichen Persönlichkeitsmerkmalen, Verhaltensauffälligkeiten und Lebensumstände eines unbekannten Täters auf Grund genauer Analyse der Tatortspuren, sowie weiterer kriminalistischer und viktimiologischer Erhebungen (Meyer 2002).

Nicht zuletzt die in jüngster Verhangenheit erfolgreich lancierten Kinofilme „Das Schweigen der Lämmer“, „Hannibal“ und TV-Serien wie beispielsweise „Profilier“ und „Das FBI ermittelt“ haben zu einem wahren Boom des Phänomens „Profiling“ beigetragen. Der ermittelnde „Profiler“ wird in den populärwissenschaftlichen Beiträgen sehr häufig als eine Art Wahrsager dargestellt, welcher scheinbar mittels hellseherischer Eingebung aus minimalen Tatortspuren eine nahezu perfekte Rekonstruktion des Geschehens inklusive einer detaillierten Täterbeschreibung erstellen kann.

Doch was steckt hinter dem mystischen Schleier dieser hellseherisch anmutenden Ermittler? Welche konkreten Vorgehensweisen und Instrumente werden verwendet? Wie valid und reliabel sind die Methoden?

Diese Arbeit liefert zunächst einen historischen Abriss über die Entwicklung dieser noch jungen Disziplin. Die ersten, Aufsehen erregenden Täterprofile werden kurz dargestellt. Anschliessend werden die Pionierleistungen des Federal Bureau of Investigation (FBI), sowie die in Europa entstandenen Entwicklungen und deren Ausprägungen dargestellt. Anschliessend werden die Voraussetzungen und Anwendungsgebiete diese kriminalistischen Instrumentes erläutert. Der Hauptaugenmerk dieser Arbeit richtet sich dann auf die aktuellen, methodischen Vorgehensweisen der Profilersteller. Hier haben sich zwei generell unterschiedliche Methoden entwickelt. Es handelt sich hierbei einerseits um die induktive Profilerstellung, welche auf statistische und empirische Daten, sowie auf die individuellen Erfahrungswerte und Intuitionen des jeweiligen Profilers basiert. Zum anderen gibt es die deduktive Vorgehensweise, nach der jeder Fall als einzigartig angesehen wird. Die Profilerstellung erfolgt hier nach streng logischen Schlussfolgerungen und Syllogismen, basierend auf den vorgefundenen Tatortspuren und Beweisen. Für beide Methoden werden aktuelle Studien erörtert und diskutiert. Es soll dem Leser somit ein möglichst umfassender und abgerundeter Eindruck über die Methoden der Täterprofile bei Gewaltverbrechen vermittelt werden.

HISTORISCHE ENTWICKLUNG

Eines der ältesten Täterprofile stammt von Dr. Thomas Bond, der im Jahre 1888 die möglichen Charakterzüge des berüchtigten „Jack the Ripper“ in einem Brief an den Leiter der Kriminalpolizei London skizzierte (Meyer 2002).

Der wissenschaftliche Grundstein wurde 1943 in den USA durch den Militärdienst OSS, dem Vorläufer der „Central Intelligence Agency (CIA)“ gelegt. Dort wurde ein erstes, aussergewöhnliches Täterprofil in Auftrag gegeben: Um politischen Entscheidungsträgern in der amerikanischen Regierung Anhaltspunkte zur Einschätzung Adolf Hitlers zu vermitteln, sollte vom Psychiater Walter C. Langer und seinem Forschungsteam eine umfassende psychologische Analyse Hitlers erstellt werden. Grundlage für Langers Ausführungen waren vielfältige Schriften und Reden von und über Hitler, sowie Aussagen von Personen, die den Diktator persönlich kannten. Aus heutiger Sicht ist diese Herangehensweise ungewöhnlich, da die Vorhersagen nicht über einen unbekannten „Täter“ erstellt wurden und somit gegen eine grundlegende Prämisse der Fallanalyse verstösst. Dennoch waren die Ergebnisse beachtlich: Von acht Möglichkeiten vermutete Langer die Selbsttötung Hitlers für die wahrscheinlichste Verhaltensweise im Falle einer Niederlage (Musloff 2002).[1]

Als die ersten psychologischen Täterprofile im engeren, kriminalistischen Sinne gelten die Arbeiten des amerikanischen Psychiaters James Brussel aus den 1970´er Jahren (Musloff 2002). Brussel fertigte seine Profile aus bereits gelösten Kriminalfällen an. Sein wohl berühmtester Fall war der des New Yorker Bombenlegers „Mad Bomber“ aus den 1950´er Jahren (Brussel 1971). Seine Analysen bezüglich des Persönlichkeitsprofils erwiesen sich in vielen Details als äusserst exakt. Trotz der Bemühung Brussels, Transparenz und Wissenschaftlichkeit in seine psychologische und psychiatrische Charakterisierung zu bringen, gelang es ihm nicht, das Bild eines mystischen Wahrsagers zu überwinden (Musloff 2002).

Ein Meilenstein in der Institutionalisierung und Professionalisierung des Profiling wurde im Jahre 1972 gelegt. Aufgrund der steigenden Zahl ungeklärter Mordfälle wurde in den USA an der FBI Akademie in Quantico die „Behavioral Science Unit (BSU)“ gegründet. Diese Abteilung für Verhaltensforschung widmete sich unter der Leitung der Agenten Howard Teten und Pat Mullany erstmalig mit wissenschaftlichen Methoden der Täterprofilerstellung (Turvey 1997). Auf Basis empirischer Daten von bereits überführten Serientäter wurden psychologische Modelle, Tätertypologien und Methoden zur Täterprofilerstellung entwickelt (Meyer 2000).

Durch politische und finanzielle Unterstützung wurde 1984 die Spezialeinheit des FBI verstärkt und das „National Center of the Analysis of Violent Crime (NCAVC)“ gegründet. Neben anspruchsvollen Forschungsprojekten und umfangreichen Ausbildungsseminaren wurde erstmalig auch ausländischen Behörden Unterstützung bei der Aufklärung ungelöster Mordfällen gewährt. Des Weiteren wurde 1985 erstmals mit dem „Violent Criminal Apprehension Programme (VICLAP)“ eine landesweite Datenbank zur Unterstützung der einzelnen Polizeidienststellen bei der Aufklärung von Tötungsdelikten eingerichtet (Meyer 2000).

1991 wurden die Aktivitäten der FBI-Mitarbeiter bezüglich des Profiling durch Einsparungen und durch das Aufkommen anderer Problemfelder[2] reduziert. Der internationale Beratungsservice und das Ausbildungsprogramm ausländischer Ermittlungsbeamte wurden gestrichen (Musloff 2002).

Die ViCLAS-Datenbank

Aufbauend auf dem sehr anwenderunfreundliche VICLAP des FBI wurde in den Jahren 1992 bis 1994 in Kanada das „Violent Crime Linkage Analysis System (ViCLAS)“ aufgebaut (Musloff 2002). Im Gegensatz zum US-amerikanischen System ist ViCLAS ein flexibles System, in welchem nebst Mordfälle auch Sexualdelikte erfasst werden. Diese zweisprachige Software (englisch und französisch) ist in der Lage, durch einen umfassenden Datenabgleich bei Morden und Sexualdelikten Parallelen zwischen verschiedenen Delikten aufzudecken, um so bei der Identifizierung von Serientätern behilflich zu sein (Hoffmann 1999).

Ein weiterer Vorteil ist, dass das System kostenlos an interessierte, ausländische Behörden weitergegeben wird und entsprechend länderspezifisch modifiziert werden kann. So wurde beispielsweise in Deutschland neben Tötungs- und Sexualdelikten auch das „verdächtige Ansprechen von Kindern und Jugendliche mit verdächtigem Hintergrund“, sowie Vermisstenfälle mit aufgenommen (Nagel 2002).

In einem, mehr als 250 Fragen umfassenden Eingabebogen wird das Verhaltensmuster des Täters („Modus Operandi“) detailliert erfasst. Die so gesammelten, landesweit zugänglichen Daten ermöglichen eine tiefgehende Fallanalyse. Diese kann nebst Verknüpfungsmöglichkeiten zu anderen Delikten auch als Grundlage für ein Täterprofil dienen (Hoffmann 1999). ViCLAS kommt mittlerweile in den meisten europäischen Ländern zum Einsatz und wurde im Jahre 2003 erfolgreich in der Schweiz eingeführt.

Europäische Entwicklungen

Die Entwicklungen in Deutschland, Österreich, Grossbritannien, den Niederlanden, Dänemark, Schweden und Finnland waren vor allem zu Beginn sehr stark durch die amerikanischen Ideen und Vorstellungen geprägt (Vick 1998). In den 1980´er Jahren wurde an der Universität Liverpool durch den Psychologieprofessor David Canter mit der Abteilung Investigative Psychology ein eigener Forschungszweig gegründet. Dieser beschäftigt sich intensiv mit Anwendung und Erforschung empirischer-psychologisch Methoden bei der Aufklärung von Verbrechen (Meyer 2002). Hierbei werden vorwiegend Korrelationsstudien, Faktoren- und Clusteranalysen zur Erstellung eines empirischen Täterprofils angewendet.

Anders als in den Vereinigten Staaten ist der „Profiling-Boom“ in Europa ungebrochen (Hoffmann 1999). Die Pionierrolle übernahm Österreich mit der Einrichtung des Kriminalpsychologischen Dienstes unter der Leitung des bekannten Profilers Thomas Müller.

In der Schweiz wurde in den 1980´er Jahren bei ungeklärten Mordfällen vereinzelt die Dienste der damaligen BSU in Anspruch genommen. Seit 2003 arbeitet auch hier eine Spezialeinheit des Bundesamtes für Polizei mit der ViCLAS-Software.

CRIMINAL PROFILING

Definitionen und Ziele

Bei der Täterprofilerstellung handelt es sich um eine Methode, bei der ein unbekannter Täter hinsichtlich seiner Persönlichkeits- und Verhaltensmerkmalen so beschrieben wird, dass er von anderen Personen signifikant zu unterscheiden ist (Dern 2000). Allgemein versucht man mit einem Täterprofil Aussagen zu machen über Anzahl der Täter, Geschlecht, Alter, Familienstand, Lebensraum / Wohnraum, Ausbildung, Beruf, Mobilität, mentaler Typus, Umgang mit Autoritäten, Vorstrafen, Gewohnheiten / Freizeitaktivitäten, Erscheinungsbild sowie prä- und vordeliktisches Verhalten (Musloff 2002). Die oberste Grunddevise hierbei besagt, dass der Tatort die Persönlichkeit eines Täters reflektiert (Meyer 2002). Es wird demnach generell davon ausgegangen, dass für einen Täter die Wahl seiner vor, während und nach der Tat getroffenen Entscheidungen und Handlungen für seine Persönlichkeit charakteristisch und repräsentativ sind. Somit sollte es möglich sein, die Handlungsalternativen rekonstruieren und psychologisch bewerten zu können. Aufgrund dieser Bewertungen soll ein reliables Täterprofil zu erstellen sein. Wichtige Voraussetzung ist natürlich, dass die Persönlichkeit der gesuchten Person stabil bleibt. Weiterhin von Bedeutung für eine mögliche Profilerstellung ist, dass diese nur bei ausreichend vorhandenen objektiven Daten erstellt wird (Musloff 2002).

Anwendungsgebiete

Cook und Hinman (1999) manifestieren sechs grundlegende Aufgabenbereiche des Criminal Profiling:

(1) Die Fokussierung der Ermittlungsarbeit auf einen Personenkreis mit den wahrscheinlichsten Tätermerkmalen
(2) Hilfestellung bei der Erarbeitung proaktiver Strategien gewähren
(3) Vorschläge bezüglich investigativer Strategien unterbreiten
(4) Zusätzliche Informationen für die Prozesstaktik liefern
(5) Direkte Intervention bei noch aktiven, dynamischen Straftaten (z.B. Entführungen, Geiselnahmen und Erpressungen)
(6) Prävention von Gewaltverbrechen

Aus der Historie dieser Disziplin ging bereits hervor, dass die Anwendungsgebiete ursprünglich bei Gewalt- und Sexualdelikten lagen. Im späteren Verlauf fand die Fallanalyse jedoch auch bei einer Vielzahl anderer Verbrechen eine Anwendung. So zum Beispiel bei Bombenattentate, Brandstiftung, Geiselnahme, Entführung, Erpressung, Vergiftung von Produkten in Warenhäusern, Einbruchsdelikten, Vandalismus und Stalking (Hoffmann 2000). Als „Stalker“ bezeichnet man jene obsessiven Charaktere, die ihre Opfer meist über einen längeren Zeitraum nachspüren, diese beschatten oder belästigen. Oft handelt es sich bei den Opfern um prominente Persönlichkeiten, die durch ihr Medienpräsenz stark exponiert sind. Manchmal wird das Objekt der Begierde sogar auch körperlich attackiert. Gerade diese Form des Verbrechens geriet in den vergangenen Jahren immer mehr in das Blickfeld der Fallanalytiker (Hoffmann 2000).

Der Einsatz von Fallanalysen erfolgt jedoch nicht nur bei aktuell laufenden Ermittlungen. Beim sogenannten „cold case management“ werden länger zurückliegende Fälle analysiert, in der Hoffnung neue Ermittlungsimpulse gewinnen zu können (Hoffmann 2000, Musloff 2002).

Da sich alle Methoden des Profiling auf sichtbares und rekonstruierbares Täterverhalten stützen, stossen sie zwangsläufig bei Delikten, in denen wenig individueller Handlungsspielraum gegeben ist an ihre Grenzen. Dies gilt beispielsweise bei Verbrechen im Bereich der organisierten Kriminalität, des Terrorismus und der Wirtschaftskriminalität (Musloff 2002).

Wichtig ist jedoch bei jeglicher Art der Vorgehensweise, dass der Profiler nicht mit bereits verdächtigten Personen konfrontiert wird. Dies könnte sein Urteil massgeblich beeinflussen (Musloff 2002).

Criminal Profiling ersetzt nicht die herkömmliche, kriminologische Ermittlungsarbeit. Es wird mit der Täterprofilerstellung nicht bezweckt, nach einem konkreten Täter zu ermitteln, sondern es sollen die Persönlichkeitsmerkmale beschrieben werden, welche ein unbekannter Täter haben muss, um ein entsprechendes Verbrechen in genau dieser Art und Weise begehen zu können (Föhl 2001). Das Profil vermittelt den Ermittlern lediglich wertvolle Informationen über die Gewohnheiten, körperlichen Merkmale, demographische Daten, Einstellungen, Wertvorstellungen und Einblicke in das Täterverhalten vor, während und nach der Tat. (Füllgrabe 1993). Die Profilerstellung dient also den Ermittlungsbeamten als zusätzliches Werkzeug zur Erleichterung ihrer Arbeit. In dieses Instrument wird seitens der polizeilichen Ermittler ein hohes Mass an Vertrauen gesetzt (Alison et al. 2003). Ein weiteres Ziel liegt darin, mit der Veröffentlichung eines solchen Profils die Personen im Umfeld eines mutmasslichen Täters zu sensibilisieren. Somit können sich die Ermittler gezielte Hinweise aus der Bevölkerung zur Hilfe machen. Ein weiteres Aufgabengebiet liegt schliesslich in der so genannten „Tatserienanalyse“. Hierbei wird ermittelt, ob es sich bei einem gehäuften, zeitnahem Auftreten von Kapitaldelikten um einen Serientäter handelt (Meyer 2002).

Theoretische Prämissen

Der generelle Grundgedanke des Criminal Profiling liegt in der Annahme, durch die aufgefundenen Tatortspuren, die Vorgehensweise, die Wahl des Opfers, das sexuelle, physische und verbale Verhalten die Persönlichkeitsmerkmale des Täters reflektiert wird (Douglas 1986).

Zur Verdeutlichung postuliert Holmes (1996) folgende Basisannahmen:

- Der Tatort reflektiert die Persönlichkeit
- Hinweise dafür liefern: die Art der Tötung / Vergewaltigung, Beweismittel am Tatort, das Ausmass an Tatvorbereitung und die körperlichen Angriffsschwerpunkte[3]. Hierbei müssen Tatort und Ablauf als Ganzes betrachtet werden.
- Der Tathergang bleibt (bei Serienverbrechen) ähnlich
- Die Täterhandschrift ist (bei Serienverbrechen) identisch
- Die zentrale Persönlichkeit des Täters ist konsistent

In der einschlägigen Literatur lassen sich zusammenfassend noch weitere wichtige Annahmen und Voraussetzungen feststellen:

- Je mehr Manipulationen am Tatort vorgenommen wurden, desto mehr Anhaltspunkte bieten sich dem Ermittler, ein Profil zu erstellen (Douglas 1992, 1996).
- Je länger der Tatvorgang dauerte, desto mehr Spuren lassen sich finden (Föhl 2001).
- Je spektakulärer und bizarrer die Tat ist, desto besser ist diese für eine Profilerstellung geeignet, da sie die Phantasien des Täters am besten reflektiert (Douglas 1992).
- Jeder, auch noch so unauffälligen Handlung des Täters liegt eine Motivation zugrunde, auch wenn diese nur dem Täter bekannt ist (Turvey 1999). Der Ermittler muss somit die Perspektive des Täters übernehmen.

Tatortverhalten

Zentrales Element des Profiling ist der Rückschluss von Täterverhalten auf Täterpersönlichkeit (Täterprofil). Das Verhalten des Täters spiegelt sich in den drei Elementen „Modus Operandi“, „Täterhandschrift“ und „Inszenierung des Tatortes“ wider (Turvey 1999).

Modus Operandi. Der Modus Operandi beschreibt den Tatablauf samt Durchführung und Planung. Er liefert den Ermittlern wichtige Informationen über das Verhalten und somit indirekt über die Persönlichkeitszüge des Täters (Douglas 1992). Er ermöglicht den Ermittlern die Hypothesengenerierung, weshalb ausgerechnet dieser Modus angewendet wurde. Dennoch muss beachtet werden, dass der Modus Operandi gerade bei Serientätern nicht konstant ist. Er wird beeinflusst durch das Opferverhalten, die örtlichen und zeitlichen Gegebenheiten und nicht zuletzt wird die wiederholte Tatbegehung eines Verbrechers aufgrund eines Lernprozesses „perfektioniert“ und somit modifiziert (Douglas 1992). Der Modus Operandi ist somit ein dynamischer Prozess und orientiert sich vorwiegend an pragmatischen Überlegungen des Täters (Erreichen des Ziels, Geheimhaltung der Identität, Flucht). Der Modus Operandi war ursprünglich das einzige Element um Verbindungen zu mehreren Taten zu knüpfen (Turvey 1999).

[...]


[1] Nachzulesen unter http://nizkor.org/hweb/people/h/hitler-adolf/oss-papers/text/profile-index.html

[2] Neuere Forschungsansätze innerhalb der NCAVC beschäftigen sich derzeit u.a. intensiv mit Entführungen und dem mysteriösen Verschwinden von Kindern, sowie mit neuen Formen von Gewaltdelikten Jugendlicher, wie etwa dem Phänomen der Schiessereien an Schulen.

[3] Es stellt sich die Frage, welche Körperteile des Opfers attackiert werden.

Details

Seiten
46
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638411103
ISBN (Buch)
9783640474806
Dateigröße
3.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v43271
Institution / Hochschule
Universität Basel – Institut für Psychologie
Note
1,5 (CH: 5,5)
Schlagworte
Criminal Profiling Methoden Erstellung Täterprofilen Gewaltverbrechen

Autor

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Titel: Criminal Profiling. Methoden zur Erstellung von Täterprofilen bei Gewaltverbrechen