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Methoden der Prozessmodellierung. Modellierungsmethoden "ARIS" und "Semantisches Objektmodell" mit Beispielprozess.

Seminararbeit 2005 25 Seiten

BWL - Controlling

Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Definitionen
2.1 Geschäftsprozesse
2.2 Prozessmodellierung

3 Modellierungsaspekte
3.1 Gegenstand der Prozessmodellierung
3.2 Ziele der Prozessmodellierung

4 Methoden der Prozessmodellierung
4.1 Architektur integrierter Informationssysteme (ARIS)
4.1.1 Konzeption von ARIS
4.1.2 Prozessmodellierung auf der Basis von ARIS
4.1.3 Modellierung des Geschäftsprozess „Bestellung“ mit ARIS
4.2 Das Semantische Objektmodell (SOM)
4.2.1 Methodische Konzeption des Semantischen Objektmodells
4.2.2 Prozessmodellierung mit dem Semantischen Objektmodell
4.2.3 Modellierung des Geschäftsprozess „Bestellung“ mit SOM
4.3 Überblick über weitere Modellierungsmethoden
4.3.1 INCOME
4.3.2 Petri-Netze
4.3.3 SYCAT

5 Kritische Punkte bei der Prozessmodellierung

6 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Im Zeitalter der Diskontinuität oder nach Peter Drucker „Age of Discontinuity“ finden sich Unternehmen in einer sich ständig wandelnden Umwelt wider. Entwicklungszyklen für neue Produkte werden immer kürzer. Kunden verändern ihre Wünsche und Erwartungen an Produkte und Dienstleistungen ständig. Aufgrund der Globalisierung wächst der Wettbewerbsdruck auf Unternehmen stetig an. Ein Unternehmen kann in der heutigen Welt nur überleben, wenn es seine Strukturen optimal auf die Bedürfnisse dieser Wettbewerbssituation ausrichtet. Um Potentiale möglichst effizient nutzen zu können, müssen alle Mitarbeiter eines Betriebs eng zusammenarbeiten. Das traditionell verbreitete Funktionsdenken, wonach jeder Mitarbeiter nur seinen Tätigkeitsbereich für wichtig ansieht, sollte der Vergangenheit angehören. Unternehmen müssen lernen, prozessorientiert entlang der Wertschöpfungskette zu denken. Nur optimal gestaltete Prozesse bieten die Möglichkeit eines effizienten und effektiven Arbeitens.

Die Gestaltung von Geschäftsprozessen spielt für den Erfolg eines Unternehmens somit eine enorm wichtige Rolle. An dieser Stelle ist unter anderem das Controlling eines Unternehmens gefordert, für schlanke und effiziente Abläufe zu sorgen. In Wissenschaft und Praxis wurden zahlreiche Modelle, Methoden und Werkzeuge zur Prozessmodellierung entwickelt.

Ausgehend von Definitionen werden in dieser Seminararbeit Methoden der Prozessmodellierung vorgestellt. Zusätzlich wird aufgezeigt, welche Aspekte bei der Geschäftsprozessmodellierung nicht außer Acht gelassen werden dürfen.

2 Definitionen

Um ein grundlegendes Verständnis des behandelten Themas sicherzustellen, werden zunächst die Begriffe Geschäftsprozess und Geschäftsprozessmodellierung definiert.

2.1 Geschäftsprozesse

Die Fachliteratur bietet verschiedene Definitionsansätze für Geschäftsprozesse. Deshalb werden zunächst einige Ansätze vorgestellt, die die sich etabliert haben.

- Ferstl / Sinz:

"Unter einem Geschäftsprozess wird eine Transaktion oder eine Folge von Transaktionen zwischen betrieblichen Objekten verstanden."[1]

- Davenport:

"A specific ordering of work activities across time and place, with a beginning, an end,

and clearly identified inputs and outputs: a structure for action."[2]

- Hammer / Champy:

"Wir definieren einen Unternehmensprozess als Bündel von Aktivitäten, für das ein oder mehrere unterschiedliche Inputs benötigt werden und das für den Kunden ein Ergebnis von Wert erzeugt."[3]

- Rump:

"Ein Geschäftsprozess ist eine zeitlich und sachlogisch abhängige Menge von Unternehmensaktivitäten, die ein bestimmtes, unternehmensrelevantes Ziel verfolgen und zur Bearbeitung auf Unternehmensressourcen zurückgreifen."[4]

- Scheer:

"Allgemein ist ein Geschäftsprozeß eine zusammengehörende Abfolge von Unternehmungsverrichtungen zum Zweck einer Leistungserstellung.

Ausgang und Ergebnis des Geschäftsprozesses ist eine Leistung, die von einem internen oder externen „Kunden“ angefordert und abgenommen wird."[5]

Die zitierten Definitionen stellen lediglich einen Bruchteil der in der Literatur vorhandenen Erklärungsansätze dar. Zusammenfassend kann ein Geschäftsprozess als

- Transaktionen bzw. Aktivitäten,
- die durch Inputs angestoßen,
- und mit deren Hilfe unternehmensrelevante Ziele verfolgt werden, gesehen werden.
- Das Ergebnis (Output) eines Geschäftsprozesses ist von Nutzen für Kunden (sowohl externe als auch interne).

Grafisch lässt sich diese Zusammenfassung wie folgt darstellen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Grafische Darstellung der Geschäftsprozessdefinition[6]

Die Begriffe „Prozess“ und „Geschäftsprozess“ werden im Allgemeinen nicht gleich definiert. In dieser Seminararbeit werden sie jedoch synonym verwendet.

2.2 Prozessmodellierung

Allgemein versteht man unter Modellierung „eine vereinfachende Darstellung eines Realweltausschnitts (Diskurswelt), anhand dessen die wichtigsten Eigenschaften eines Originals erkannt, verstanden und analysiert werden können.“[7]

Durch Modellierung sollen Geschäftsprozesse in Modellen dargestellt werden. Dabei sollen Inputgeber, relevante Abläufe, und die Ergebnisse des Prozesses abgebildet werden. Geschäftsprozessmodelle stellen als Ergebnis der Modellierung idealtypische Geschäftsprozesse dar.

Geschäftsprozessmodellierung ist somit die verbale und graphische Beschreibung von Geschäftsprozessen.[8]

3 Modellierungsaspekte

Geschäftsprozessmodellierung kann aus verschiedenen Blickwinkeln heraus angegangen werden. Ein Aspekt ist der Gegenstand der Modellierung. Des Weiteren spielen die mit der Modellierung verfolgten Ziele eine wesentliche Rolle.

3.1 Gegenstand der Prozessmodellierung

Gegenstand der Prozessmodellierung sind die Bestandteile eines Geschäftsprozesses:[9]

- Aktivitäten und Ablaufstruktur

Die Frage nach den ausgeführten Aktivitäten und deren Ablauf à „Was wird getan?“

- Daten-Objekte

Informationsträger und zu bearbeitende Objekte à „Welche Objekte werden in den Prozess einbezogen?“

- Rollen und Organisationsstrukturen

Die Festlegung von Verantwortlichkeiten und die organisatorische Eingliederung in das Unternehmen à „Wer tut etwas?“

- Kommunikationsstrukturen

Die genutzten Kommunikationsmittel und deren Verflechtung im Unternehmen à „Wie tauschen sich die Prozessbeteiligten aus?“

- Business Rules

Die Grundregeln des Geschäftsprozess: Zeitaspekte, Prioritäten (prozessintern / prozessübergreifend), Verhalten in Ausnahmesituationen, Qualitätsanforderungen, Sicherheitsanforderungen und Kostenaspekte à „Wie wird gehandelt?“

All diese Aspekte fließen in die Prozessgestaltung ein, wobei nicht jedem Punkt die gleiche Aufmerksamkeit geschenkt wird. „Um die komplexen Geschäftsprozesse besser darstellen zu können, reduziert man diese Komplexität durch Bildung von Sichten, d.h., man konzentriert sich auf einzelne Gesichtspunkte.“[10]

Es gibt demnach – abhängig von den Aspekten, die im Vordergrund stehen - verschiedene Ansätze der Modellierung. Unter Punkt 4 der Arbeit werden verschiedene Methoden der Prozessmodellierung vorgestellt.

3.2 Ziele der Prozessmodellierung

Hauptziel der Prozessmodellierung ist die Ablösung der funktionsorientierten Aufbauorganisation und die Einführung einer Prozessorientierung im Unternehmen, die häufig mit Effizienzsteigerung verbunden wird.

Unterziele der Prozessmodellierung Beschreibung/Dokumentation, Prozessanalyse, Prozesssimulation und Prozessausführung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Teilziele der Prozessmodellierung[11]

Prozessbeschreibung/ Dokumentation beinhaltet die Definition der Abläufe des Unternehmens, womit eine Informationsquelle für am Prozess beteiligte und auch nicht beteiligte Abteilungen und somit eine Diskussionsgrundlage zur Abstimmung innerhalb des Betriebs geschaffen wird. Durch Prozessanalyse sollen die Reihenfolge der Prozessschritte, deren Hierarchiestruktur, der zeitliche Ablauf und kausale Abläufe bzw. Zusammenhänge untersucht werden. Prozesssimulation beinhaltet die Validierung der analysierten Prozessschritte, das Erkennen von Schwachstellen und die Übertragung des Prozessmodells auf reale Strukturen. Die Übertragung des Prozessmodells auf reale Strukturen wird auch durch die praktische Ausführung der Prozesse übernommen.

Neben oben angeführten, eher allgemein gehalten Unterzielen, verfolgt jedes Unternehmen mit der Modellierung von Prozessen konkrete Absichten. So könnte das Unternehmen zum Beispiel eine prozessorientierte Reorganisation und damit verbunden ein kontinuierliches Prozessmanagement beabsichtigen. Ein weiteres Ziel könnte die Zertifizierung des Unternehmens nach DIN ISO 9000ff sein. Da die Zertifizierung in den Augen der Kunden für effizientes und hoch qualitatives Arbeiten steht, stellt diese für ein Unternehmen einen klaren Wettbewerbsvorteil dar. Durch Benchmarking können Unternehmen nach der Durchführung von Prozessmodellierung ihre Abläufe mit denen anderer Betriebe vergleichen und auf diese Weise Verbesserungspotentiale aufdecken. Grundvoraussetzung der Prozesskostenrechnung, durch die im Zuge der verursachungsgerechten Zuordnung von Gemeinkosten Transparenz in die Kostenstrukturen eines Unternehmens gebracht wird, sind strukturierte Geschäftsprozesse. Die zielgerichtete Auswahl einer neuen (ERP-) Software für ein Unternehmen ist ohne modellierte Prozesse kaum möglich.

Die Intentionen der Prozessmodellierung sind weit gestreut. Es ist allerdings einleuchtend, dass die Steigerung von Effizienz, Produktivität, und Effektivität Hauptgründe für die Durchführung von Prozessgestaltungen sind.

4 Methoden der Prozessmodellierung

Methoden der Prozessmodellierung könne in drei Kategorien eingeteilt werden. Zur Darstellung von Abläufen gibt es formale, semiformale und nichtformale Methoden. Die semi-formalen Methoden unterteilen sich wiederum in Diagramm. und Skriptsprachen. Die in der Praxis am stärksten genutzte Methode ist die Prozessmodellierung mittels Diagrammsprachen. Grund dafür ist wohl, dass die grafische Darstellung dieser Methoden leicht nachvollziehbar, und die mathematisch/formale Darstellungsweise unproblematisch in DV-technischen Verfahren umgesetzt werden kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten
Abbildung 3: Methoden der Prozessmodellierung[12]

Die Diagrammsprachen werden in Petri-Netz (-orientierte), strukturierte und objektorientierte Methoden und auch in Vorgangs- und Aufgabenkettendiagramme kategorisiert.

[...]


[1] Ferstl, O. K.; Sinz, E. J.: „Der Ansatz des Semantischen Objektmodells (SOM) zur Modellierung von Geschäftsprozessen“, Wirtschaftsinformatik 1995, Nr. 3, S. 209-220.

[2] Vgl. Lauterbach, M. Einführung zum Thema Geschäftsprozesse, Seite 3 (04.04.2005)

[3] Hammer; Champy: a. a. O., S. 52.

[4] Vgl. Lauterbach, M. Einführung zum Thema Geschäftsprozesse, Seite 4 (04.04.2005)

[5] Scheer, A.-W. ARIS, 1998, S. 3

[6] Eigener Entwurf in Anlehnung an Schmelzer, H.J., Sesselmann, W.: GPM in der Praxis, 2004, S. 46

[7] Stickel, E.; Groffmann, H. D. ;Rau, K. H., Wirtschaftsinformatiklexikon 1997:, S. 449.

[8] Vgl. Ellis, A., INCOME-basierte Modellierung, 1998, S. 15

[9] Vgl. Oberweis, A., Geschäftsprozessmodellierung, 1997, Folie 12f

[10] Groh, G., Schröer, V. Sicher zur Industriekauffrau zum Industriekaufmann, 2004: S. 175

[11] Ellis, A., INCOME-basierte Modellierung, 1998, S. 16

[12] Lauterbach, M.; Einführung zum Thema Geschäftsprozesse, S. 7

Details

Seiten
25
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638410991
ISBN (Buch)
9783640862528
Dateigröße
2.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v43257
Institution / Hochschule
Hochschule für angewandte Wissenschaften Ingolstadt
Note
1,0
Schlagworte
Methoden Prozessmodellierung Seminar Schwerpunkt Controlling

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Titel: Methoden der Prozessmodellierung. Modellierungsmethoden "ARIS" und "Semantisches Objektmodell" mit Beispielprozess.