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"Do you think I'm crazy?" Eine Analyse des Werdegangs Elon Musks unter besonderer Betrachtung wirtschaftsethischer Gesichtspunkte

Seminararbeit 2018 18 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Leben und Wirken Elon Musks
2.1 Kindheit, Jugend und Studium
2.2 Erste Gründungserfahrung
2.3 SpaceX, Tesla und Co

3 Elon Musks Führungsstil
3.1 Einordnung der Analyse
3.2 Nachhaltigkeit der Unternehmen von Elon Musk
3.3 Musks Persönlichkeit und der Einfluss auf seine Unternehmen
3.3.1 Arbeitsethik und Charakterzüge Musks – verstehen, wie Elon Musk tickt
3.3.2 Managementmethoden – wie Musk die gesetzten Ziele erreicht
3.3.3 Mögliche Beweggründe für sein Tun

4 Fazit und Stellungnahme des Autors

1 Einleitung

„Do you think I am crazy?“[1] – der erste Satz in Elon Musks Biografie, eine Frage, die er der Autorin seiner Biografie bei dem ersten Aufeinandertreffen gestellt hat und die eine Vielzahl weiterer Fragen aufwirft. Was ist das Erfolgsrezept eines Serienentrepreneurs wie Musk, der mit seinen bekanntesten Unternehmen wie SpaceX oder Tesla ganze Industriezweige revolutioniert? Was treibt einen Menschen an, der zum Vorbild vieler junger Unternehmer wurde und im Silicon Valley eine Berühmtheit ist? Einen Mann, der laut Forbes Magazine mit rund 19 Milliarden USD Nettovermögen aktuell den 54. Platz der reichsten Menschen der Welt belegt.[2] Allen voran stellt sich aber die Frage: was für ein Mensch ist Elon Musk und was hat ihn zu dem gemacht, was er heute ist – einem Unternehmer, unter dessen Führung multiple Unternehmen aus dem Cleantech-Sektor sich des augenscheinlich Unmöglichen angenommen und sich beispielsweise die Besiedelung anderer Planeten auf die Fahnen geschrieben haben.[3]

Ziel dieser Arbeit ist das Leben und Wirken Musks, sowie auch seinen einzigartigen Führungsstil unter wirtschaftsethischen Gesichtspunkten und unter Beachtung der Corporate Social Responsibility, beschränkt auf seine Mitarbeiter, zu analysieren. Wie schaffte es Elon Musk mehrmals gewagte Unternehmenskonzepte erfolgreich durchzusetzen und sich an die Spitze ebendieser Unternehmen zu setzen?

Die vorliegende Arbeit orientiert sich vornehmlich an Elon Musks Biografie um im ersten Teilabschnitt einen Überblick über seinen Werdegang zu geben und mögliche Einflussfaktoren auf seinen heutigen Führungsstil zu identifizieren. Es wird dargestellt, was Musk schon seit der frühen Kindheit prägte, welche Stationen er in seinem Leben durchlaufen hat und prägende Schlüsselmomente hervorgehoben. Das Kernelement des zweiten Teils stellt eine Analyse des Führungsverhaltens von Elon Musk dar, unter besonderer Betrachtung der Nachhaltigkeit seines Führungscharakters und gibt anschließend eine Antwort auf die Übergeordnete Frage: Ist sein einzigartiger Führungsstil ein Best Practise Beispiel, dem nachgeeifert werden sollte?[4]

2 Leben und Wirken Elon Musks

2.1 Kindheit, Jugend und Studium

Elon Reeve Musk wurde am 28. Juni 1971 als Sohn einer kanadischen Einwanderin in zweiter Generation und eines Südafrikaners in Pretoria, Südafrika geboren. Schon in seiner frühen Kindheit zeigte sich eine Eigenschaft, die ihn durch sein gesamtes späteres Unternehmerleben begleiten sollte: eine schnelle Auffassungsgabe und Begierde Neues zu lernen. So berichten nahe Angehörige Musks davon, dass er als Kind an manchen Tagen zwei Bücher las und in tranceähnliche Zustände verfiel, in denen er hochkonzentriert über Gelesenes oder andere Problemstellungen nachdachte. Vor allem Science-Fiction Themen fanden seine Begeisterung und so ist es nicht verwunderlich, dass sein eigens formuliertes, von Douglas Adams Buch „Per Anhalter durch die Galaxis“ inspiriertes Mission Statement lautet: „Das einzig Sinnvolle ist, sich für mehr kollektive Aufklärung einzusetzen“[5].

Obwohl Musk in einem wohlhabenden Elternhaus aufwuchs, berichtet er von einer schwierigen Kindheit. Als Grund wird die emotionale Distanz seines Vaters angegeben. Dieser förderte zwar die Lernbegierde Elons und galt ihm als Ingenieur bei der logischen Herangehensweise an technische Probleme als Vorbild, doch scheint die Beziehung der beiden eine komplizierte gewesen zu sein, so dass Musk bis heute ungern über seinen Vater spricht. Ein weiterer Grund für die Empfindung einer schwierigen Kindheit wird auch die Tatsache gewesen sein, dass Musk kein beliebtes Kind war und während seiner Schulzeit oft gehänselt wurde. Dies ging so weit, dass er in der High-School von einer Gruppe Mitschüler in dem Maße verprügelt wurde, dass er eine Woche im Krankenhaus verbrachte. Seine Wissbegierde und hohe Auffassungsgabe waren in diesem Sinne Segen und Fluch zugleich, da er durch das immense angelesene Wissen auch einen Drang dazu hatte andere zu verbessern und weithin als Besserwisser galt. Seine grobe und nicht einfühlsame Art andere zu korrigieren führte dazu, dass Elon Musk Zeit seiner Jugend Schwierigkeiten hatte Freunde zu finden und, mit Ausnahme seiner Geschwister und Cousins, isoliert aufwuchs. Seine schulischen Leistungen waren ebenfalls kein Indiz für seine spätere außergewöhnliche Karriere; Musk wird als unauffälliger, durchschnittlicher Schüler bezeichnet, der nur in Fächern glänzte, die ihn interessierten. Hatte er etwas gefunden, das sein Interesse weckte, so wird ihm die Fähigkeit zugeschrieben sich völlig darin zu verlieren. So deuten erste unternehmerische Gehversuche als Kind und vor allem die Tatsache, dass er sich im Alter von zwölf Jahren im Selbststudium die Programmiersprache BASIC beibrachte, erst auf den Elon Musk hin, den die Öffentlichkeit heute kennt. Sein selbst programmiertes Spiel „Blastar“ verblüffte sogar Computerexperten, gewann den ersten Preis in der Zeitschrift „PC and Office Technology“ im Jahr 1984 und brachte Musk erstmals öffentliche Aufmerksamkeit ein.

Nach Abschluss der High-School in Südafrika, fasste Musk das Ziel in die USA auszuwandern, da er der Überzeugung war als Technologiebegeisterter junger Mensch am besten im Silicon Valley aufgehoben zu sein. Als Sprungbrett sah er dabei seine kanadischen Wurzeln, nahm die kanadische Staatsbürgerschaft an und wanderte im Alter von 17 Jahren nach Kanada aus. Es folgten eine Reihe von Gelegenheitsjobs bei denen Musk sich ausprobierte, bis er sich schließlich 1989 an der Queens University in Kingston einschrieb. Im Studium blühte er auf, da er endlich unter Gleichgesinnten war, die ihn nicht für einen Streber hielten, sondern viel eher seine ungewöhnliche Arbeitsethik bewunderten. Auch nach dem Wechsel an die University of Pennsylvania im Jahr 1992, an der er später Abschlüsse in BWL und Physik machen sollte, stach er durch außergewöhnlich gute Studienleistungen heraus, wurde von Professoren für sein logisches Denkvermögen gelobt und entwickelte erstmals ein Interesse für Elektroautos und Solarenergie. Hervorzuheben sind zwei Eigenschaften Musks, die er bereits während des Studiums entwickelte. Zum einen zeigte sich in seinen schriftlichen Hausarbeiten erstmals seine Fähigkeit wissenschaftlichen Fortschritt und die Entwicklung neuer Produkte in Businessplänen zu gewinnorientierten Unternehmen zu erstellen. Zum anderen zeigte sich auch seine Eigenschaft ein „Nein“ nicht als Antwort zu akzeptieren. So rief er beispielsweise, gemeinsam mit seinem Bruder Kimbal, Führungspersönlichkeiten größerer Unternehmen an und bat um ein Treffen ohne weitere Gründe zu nennen. Diese Verbissenheit, das damit einhergehende Selbstbewusstsein und die Fähigkeit das Internet, erneuerbare Energien, sowie die Raumfahrt als zukunftsweisend zu identifizieren, brachte ihm nicht nur Praktika während des Studiums ein, sondern sollte ihn auch während seiner Zeit als Unternehmer prägen.[6]

2.2 Erste Gründungserfahrung

Elon Musks erwähnte Arbeitsethik zeigte sich unter anderem während zweier Praktika, die er neben seinem Studium parallel absolvierte. Er arbeitete gleichzeitig an Superkondensatoren in einem Technologie Start-Up und entwickelte abends als ungelernter Softwareentwickler Treiber für einen Videospielproduzenten.[7] Mitte der 1990er Jahre fand er den Ruf des Internets unwiderstehlich und setzte seine Energie dazu ein nach Ideen für eine eigene Unternehmung zu suchen. Er erkannte früh, dass das Internet eine zukunftsweisende, massentaugliche Technologie ist und so war die Idee geboren Unternehmen dabei zu helfen ihre Präsenz im Internet zu stärken.[8] 1995 gründete er Global Link Information Network, das später zu ZIP2 umbenannt werden sollte. Die Idee war denkbar simpel, doch zu jener Zeit revolutionär: das Internet wurde für Unternehmen gewinnbringend eingesetzt, indem ein durchsuchbares Verzeichnis von Unternehmen in Karten eingebunden wurde. Mit einer Finanzierungsspritze in Höhe von $28.000 von seinem Vater standen dem jungen Unternehmen anfangs nur sehr geringe Geldmittel zur Verfügung, so dass Musk selbst die Programmierung der Software übernahm. ZIP2 musste in seiner Anfangszeit viel Überzeugungsarbeit leisten um den noch nicht an das Internet gewöhnten Unternehmung eine Listung zu verkaufen.

Trotz aller Widerstände schaffte es das kleine Team um Elon Musk erste Erfolge zu erzielen und konnte in einer ersten Finanzierungsrunde 1996 drei Millionen Dollar von Wagniskapitalgebern einsammeln. In der darauffolgenden zweiten Finanzierungsrunde waren es alsdann 50 Millionen. Die neu zur Verfügung stehenden Geldmittel ermöglichten ZIP2 neue, hochqualifizierte Programmierer einzustellen und das bestehende Geschäftsmodell weiterzuentwickeln. Die Außenfinanzierung bedeutete für Musk jedoch auch, dass er nicht mehr die volle Kontrolle über sein Unternehmen hatte und nach Meinungsverschiedenheiten mit dem Aufsichtsrat als CEO abgesetzt wurde. Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten und der Unstimmigkeiten zwischen Gründern und Geldgebern, gelang es 1999 ZIP2 für rund 307 Millionen Dollar an Compaq zu verkaufen.

Ohne zu zögern war Musk bereit, sein Vermögen direkt in neue Ideen zu reinvestieren. Seine neue Idee basierte auf der Überzeugung, dass die Finanzwelt schon bald zu Onlinesystemen übergehen sollte. Die seinerzeit ehrgeizige und aufgrund der Neuheit der Technologie unmöglich scheinende Idee war es, die erste Online Bank zu schaffen. Zwölf seiner mit dem Verkauf von ZIP2 verdienten Millionen nutzte Musk für die Gründung von X.com Anfang 1999. Trotz hoher regulatorischer Hürden und fehlendem Fachwissen, war das Unternehmen Ende des Jahres bereit ersten Kunden präsentiert zu werden. Erneut hatte sich Musks Fähigkeit gezeigt in ein komplexes Geschäft ohne Vorerfahrung einzusteigen, währenddessen dazuzulernen und am Ende etwas Nichtdagewesenes zu erschaffen. Mit X.com hatten Menschen zum ersten Mal die Möglichkeit schnell und ohne das Zutun von Banken Geld von Privatperson zu Privatperson per Emailadresse zu versenden. Noch im selben Jahr trat ein direkter Konkurrent auf die Bildfläche: Confinity. Da beide Unternehmen von Synergieeffekten profitierten, fusionierten diese auf Wunsch der Aufsichtsräte im Jahr 2000 und Musk wurde erneut als CEO verdrängt. Das fusionierte Unternehmen trug fortan den Namen PayPal und wurde 2002 für 1,5 Milliarden Dollar an eBay verkauft. Musks Anteil in Höhe von 250 Millionen Dollar machte ihn über Nacht zu einer der bekanntesten Persönlichkeiten des Silicon Valley.

2.3 SpaceX, Tesla und Co.

Anders als die meisten Internetmillionäre der Dotcom-Zeit wollte sich Musk nicht auf seinem Vermögen ausruhen, sondern suchte nach dem nächsten Projekt, mit dem er seine Vision verwirklichen konnte. Durch die eingangs beschriebene Neigung zu Science-Fiction Erzählungen, gab Musk auch als Erwachsener den Traum vom Weltraum nie auf.[9] Er musste jedoch schnell feststellen, dass bisher existierende Raumfahrtunternehmen zumeist schwerfällige Riesen und von Staatsaufträgen abhängig waren. Trotz seines beachtlichen Vermögens hätte sein Vorhaben die Weltraumerforschung voranzutreiben, seinen Bankrott bedeutet. Nachdem Elon Musk sich ein Netzwerk aus Fachleuten auf dem Gebiet aufgebaut und in für ihn typischem Selbststudium alles, was es über Raketentechnik zu wissen gab in sich aufgesogen hat, formte sich die Idee ein Weltraumunternehmen zu gründen, dessen erklärtes Ziel es war, kleine Frachten in den Weltraum zu befördern. Darauf bedacht bei seinem neuen Unternehmen die Kontrolle zu behalten, gründete Elon Musk mit einer hohen Eigeninvestition Space Exploration Technologies. SpaceX sollte nach dem Silicon Valley Vorbild ein schlankes, schnelles Unternehmen werden und Musks Handschrift insofern tragen, als dass möglichst viel selbst produziert werden sollte um Kosten zu sparen und schnell reagieren zu können. Trotz der hohen Investition Musks musste SpaceX hocheffizient arbeiten und in einem kleinen Zeitfenster Erfolge produzieren um zu überleben. Obwohl 2007, vier Jahre nach Musks versprochenem Termin, erste erfolgreiche Startversuche folgten, gingen dem Unternehmen im Jahr 2008 beinahe die Geldmittel aus. Nur durch einen Großauftrag der NASA konnte das Unternehmen gerettet werden und entwickelte sich in den Folgejahren zu einem verlässlichen Anbieter der Raumfahrtbranche. Heute ist SpaceX weitestgehend profitabel, bietet die Beförderung von Frachten weit unter marktüblichen Preisen zu 60 Millionen Dollar an und ist das erste private Unternehmen, das Weltraumkapseln an der ISS andockte. Der aktuellste Meilenstein in der Geschichte des nicht börsennotierten Unternehmens ist der erfolgreiche Start der Falcon Heavy Rakete am 06. Februar 2018.[10]

Parallel zu den laufenden Geschäften von SpaceX, kaufte sich Elon Musk 2004 als größter Aktionär in das 2003 gegründete Start-Up Tesla Motos ein. Entgegen der weithin verbreiteten Meinung gehörte Musk nicht zum Gründerteam, sondern war anfangs nur Mitglied des Aufsichtsrates, das dem Unternehmen jedoch immer wieder seinen Willen aufzudrücken vermochte. Obwohl Tesla ebenfalls nach dem Vorbild der Start-Up Szene im Silicon Valley aufgebaut war, junge und leistungsfähige Ingenieure beschäftige und sich an die Speerspitze der technischen Entwicklung der Lithium-Ionen-Batterien setzen konnte, mussten Auslieferungstermine immer wieder verschoben werden und das Unternehmen geriet in eine finanzielle Schieflage. Tesla sollte nach Musks Ansicht eine Imageveränderung bei Elektroautos bewirken - jedoch ging der Schuss 2007 nach hinten los und Tesla wurde vom Magazin Valleywag zum Versagerprojekt erkoren.[11] Die schlechte Situation Teslas gab Musk die Möglichkeit den damaligen CEO ab- und sich selbst an die Spitze des Unternehmens zu setzen. Nach dem Krisenjahr 2008 folgte die Enthüllung des Model S im Jahr 2009. Seit Beginn der Auslieferung in 2012, steigerten sich die Absatzzahlen des Model S, bis sie schließlich 2015 zum ersten Mal eine fünfstellige Marke erreicht hatten.[12] Tesla wird jedoch noch zeigen müssen, ob mit der Auslieferung des Model 3 der Massenmarkt erfolgreich angegriffen werden kann oder ob es weiterhin die Probleme in der Produktion nicht in den Griff bekommt.[13]

Neben SpaceX und Tesla war Elon Musk auch Hauptaktionär des von seinen Cousins 2006 gegründeten Unternehmens SolarCity. Die Besonderheit dieser Unternehmung besteht darin, dass ein Abonnementmodell für Solaranlagen angeboten wird, welches Privatnutzern den Zugang zu Solaranlagen erschwinglich und langfristig lukrativ macht. Erwähnenswert ist überdies auch, dass sich das Unternehmen perfekt in die einheitliche Feldtheorie Musks einreiht und 2016 von Tesla übernommen wurde.[14]

Heute arbeitet Musk, neben den bereits erwähnten Unternehmen, noch an weiteren Projekten, mit denen er teils Gemeinnütziges umsetzt, teils aber auch persönliche Ziele verfolgt. So reihen sich Hyperloop, OpenAI, Neuralink, The Boring Company und sein aktuellstes Projekt Thud in die Liste seiner Gründungsbeteiligungen ein. Die aufgeführten Unternehmen beschäftigen sich mit Themen wie künstlicher Intelligenz, dem Aufbau eines Schnelltransportsystems, sowie auch exzentrischen Projekten Musks, wie beispielsweise dem Verkauf von Flammenwerfern.[15]

3 Elon Musks Führungsstil

3.1 Einordnung der Analyse

Der Verfasser dieser Arbeit hat die Biografie Musks als Grundlage genutzt, um Verhaltensweisen Musks in einen wirtschaftsethischen Zusammenhang zu versetzen. Der Erfolg seiner Unternehmen wird anhand ausgewählter Beispiele aus seiner Biografie untersucht, Elon Musks Charakteristika identifiziert, eingeordnet und anschließend in Zusammenhang mit Überbegriffen aus dem Feld der Wirtschaftsethik in Verbindung gebracht.

Zentral wird in diesem Abschnitt die Frage beantwortet, ob sein Führungsstil, wie auch seine Person, aktiv die Nachhaltigkeit seiner Unternehmen fördert und unter welchen Bedingungen für die Belegschaft die Ziele umgesetzt werden.

3.2 Nachhaltigkeit der Unternehmen von Elon Musk

Eine der Besonderheiten an Musks Rolle als Führungsperson ist seine Weitsicht und sein langfristiges Denken. Der besonders in den kapitalistisch geprägten Vereinigten Staaten von Amerika verbreitete Shareholder Value Ansatz sieht eine Maximierung des Unternehmenswertes, von dem die Aktionäre profitieren, als oberstes Ziel, auf das Unternehmen ausgerichtet werden.[16] Dieser grundlegende Ansatz kann in der logischen Konsequenz kurzfristiges, gewinnorientiertes Denken fördern. Wie bereits in den vorangehenden Kapiteln beschrieben, hat Elon Musk schon früh eine Vision für sich und seine Unternehmen formuliert. Diese Vision scheint auf den ersten Blick unerreichbar und brachte ihm in der Vergangenheit viel Kritik ein. Nichtsdestotrotz hielt Musk bei all seinen Unternehmungen an seiner Vision fest und legte die Geschäfte der Unternehmen langfristig aus. Ein Beweis für seine Weitsicht und langfristige Auslegung seiner Tätigkeiten, sind die Synergieeffekte seiner Unternehmen Tesla, SpaceX und SolarCity (mittlerweile Bestandteil von Tesla). Tesla produziert Batteriepacks, die nicht nur in den Autos verbaut werden, sondern auch als Stromspeicher der Solarzellen von SolarCity dienen. SpaceX entwickelt neue Materialverarbeitungsmethoden für die Raumfahrt, die auch gewinnbringend bei Tesla eingesetzt werden können. SolarCity wiederum beliefert Tesla mit Solarzellen, die in dessen Super Charging Stations verbaut werden. Es bildet sich ein Kreislauf aus Wissens- und Materialtransfer, von dem alle drei Unternehmen profitieren.

Ein weiterer Beleg für die langfristige Auslegung seines Denkens war der Umgang mit der 2017 aufkommenden Kritik an der negativen CO2 Bilanz von Tesla. Laut Medienberichten war die Produktion der für Elektroautos notwendigen Batterien der Auslöser einer negativen CO2-Bilanz ebendieser, die erst nach acht Jahren Nutzungszeit des Autos wettgemacht werden könne.[17] Hauptkritikpunkt war der erhebliche Energieaufwand, der zur Produktion der Batterien benötigt wird. Wird die Energie auf konventionellem Weg, also aus fossilen Brennstoffen, produziert, entsteht eine negative CO2-Bilanz. Musks langfristige Auslegung seiner Tätigkeiten konnte dieser Kritik jedoch schnell den Wind aus den Segeln nehmen. Die von Tesla aktuell noch im Bau befindliche Gigafactory umgeht dieses Problem, indem der für die Produktion benötigte Strom ausschließlich aus erneuerbaren Energien gewonnen wird.[18]

Um den Themenblock Nachhaltigkeit in Verbindung mit den Unternehmen Elon Musks abzuschließen, ist die Betrachtung einer Ankündigung von Tesla Motors Mitte 2014 unvermeidbar. In einer Pressemitteilung gab Elon Musk am 12. Juni bekannt, dass Tesla all seine bisher eingetragenen Patente der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt. Musk geht in der Mitteilung auf die Mission Teslas ein die Entwicklung nachhaltiger Transportmittel zu beschleunigen. Er geht aber auch offen mit dem wirtschaftlichen Aspekt der Öffnung der Patente für die Öffentlichkeit um: der Verbrennungsmotor soll durch disruptive Innovationen des Automobilmarktes verdrängt werden.[19] Erneut beweist Musk damit, dass er seine Unternehmungen langfristig auslegt und dafür kurzfristige Nachteile, wie das auf die Bildfläche Treten neuer Konkurrenten, billigend in Kauf nimmt. Ein Punkt, der weder von Literatur noch Presse aufgegriffen wurde ist, dass Tesla bislang das einzige Unternehmen ist, das am Aufbau eines Netzes aus Ladestationen arbeitet. Für Besitzer eines Teslas ist das Aufladen an einer solchen Station kostenlos. Doch wie verhält es sich in Zukunft mit den Fahrzeugen anderer Anbieter? Tesla hat mit dem künftigen Netz aus Super-Charging-Stations schon heute einen Wettbewerbsvorteil, den Konkurrenten so schnell nicht aufholen können und der sich künftig monetär bezahlt machen könnte. Bis zu einem bestimmten Grad belegt das die Aussage Elon Musks Ex-Frau Justin, die anmerkte er strebe nicht nach Geld, sondern es passiere ihm einfach.[20] Es ist vielmehr jedoch auch ein Beleg für Musks Fähigkeit Zusammenhänge zu verstehen und für sich wie auch seine Unternehmen nutzbar zu machen.

[...]


[1] Vance, A., Elon Musk, 2018, S. 1.

[2] Vgl. Forbes, Forbes Billionaires List, 2018.

[3] Vgl. SpaceX, SpaceX Mission Statement, 2018.

[4] Vgl. Vance, A., Elon Musk, 2018, S. 29–59.

[5] Vance, A., Elon Musk, 2018, S. 30.

[6] Vgl. Vance, A., Elon Musk, 2018, S. 59–94.

[7] Vgl. Vance, A., Elon Musk, 2018, S. 60.

[8] Vgl. Vance, A., Elon Musk, 2018, S. 62.

[9] Vgl. Vance, A., Elon Musk, 2018, S. 97.

[10] Vgl. SpaceX, FALCON HEAVY TEST LAUNCH, 2018.

[11] Vgl. Paul Boutin, Top 5 FAILs of 2007, 2007.

[12] Vgl. Tesla Motors Inc., Tesla Fourth Quarter & Full Year 2015 Update, 2015.

[13] Vgl. Zeit Online, Tesla kündigt Umstrukturierung an, 2018.

[14] Vgl. Focus Money, Milliarden-Deal: Tesla-Chef Elon Musk setzt alles auf eine Karte, 2016.

[15] The Boring Company, The Boring Company not a Flamethrower, 2018.

[16] Vgl. Eberhardt, S., Wertorientierte Unternehmungsführung, 1998, S. 109 f.

[17] Vgl. Welt.de, E-Auto-Batterie, 2017.

[18] Vgl. Tesla Motors Inc., Tesla Gigafactory, o.J.

[19] Vgl. Elon Musk, All Our Patent Are Belong To You, 2014.

[20] Vgl. Vance, A., Elon Musk, 2018, S. 92.

Details

Seiten
18
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668760882
ISBN (Buch)
9783668760899
Dateigröße
533 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v432558
Note
1,0
Schlagworte
Elon Musk Wirtschaftsethik Tesla SpaceX

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