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Die normgerechte Gesprächsunterbrechung

Der Einfluss der ko-präsenten Smartphone-Nutzung auf die Face-to-Face-Kommunikation unter Einbeziehung von sozialen Erwartungen

Bachelorarbeit 2018 102 Seiten

Medien / Kommunikation - Interpersonale Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Hintergrund
2.1 (Medien-) Multitasking und geteilte Aufmerksamkeit
2.2 Expectancy Violation Theory
2.3 Forschungsstand
2.3.1 Effekte der ко-präsenten Smartphone-Nutzung auf die f2f-Kommunikation
2.3.2 Phubbing als normatives Verhalten
2.4 Herleitung der Hypothesen

3. Methodisches Vorgehen
3.1 Untersuchungsdesign und Ablauf
3.1.1 Experimentelles Design
3.1.2 Fragebogenkonstruktion
3.1.2.1 Vignetten-Design
3.1.2.2 Ablauf der Befragung
3.1.2.3 Pretest
3.2 Stichprobe
3.3 Skalen

4. Ergebnisse
4.1 Hypothesen
4.2 Beantwortung der Forschungsfragen

5. Diskussion
5.1 Interpretation der Befunde
5.2 Methodische Einschränkungen
5.3 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang
Al: Vignetten-Design (Variation der unabhängigen Variablen)
A2: Fragebogen
A3: Gewinnspiel
A4: Rekrutierung der Probanden
A5: Skalen
A6: Statistische Auswertung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Erwarteter linearer Trend der Bewertung

Abbildung 2: Pfadmodell des Einflusses von Phubbing auf die f2f-Kommunikation

Abbildung 3: Vorgefundener linearer Trend der Bewertung

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Korrelation nach Pearson

Tabelle 2: Shapiro-Wilk-Test (Hl-a)

Tabelle 3: Box-M-Test (Hl-a)

Tabelle 4: Levene-Test (Hl-a)

Tabelle 5: MANCOVA (Hl-a)

Tabelle 6: Deskriptive Statistik (Hl-b)

Tabelle 7: Shapiro-Wilk-Test (Hl-b)

Tabelle 8: Box-M-Test (Hl-b)

Tabelle 9: Levene-Test (Hl-b)

Tabelle 10: Multivariate Tests (Hl-b)

Tabelle 11: Univariate ANOVAs & lineare Kontraste (Hl-b)

Tabelle 12: Kontrast-Koeffizienten & -Tests (Hl-b)

Tabelle 13: MANCOVA (Hl-b)

Tabelle 14: Deskriptive Statistik (H2/RQ1)

Tabelle 15: Shapiro-Wilk-Test (H2/RQ1)

Tabelle 16: Box-M-Test (H2/RQ1)

Tabelle 17: Levene-Test (H2/RQ1)

Tabelle 18: Multivariate Tests (H2/RQ1)

Tabelle 19: Univariate ANOVAs & lineare Kontraste (H2/RQ1)

Tabelle 20: Kontrast-Koeffizienten & -Tests (H2/RQ1)

Tabelle 21: MANCOVA (H2/RQ1)

Tabelle 22: Games-Howell-Test (H2/RQ1)

Tabelle 23: Deskriptive Statistik (RQ2)

Tabelle 24: Shapiro-Wilk-Test (RQ2)

Tabelle 25: Box-M-Test (RQ2)

Tabelle 26: Levene-Test (RQ2)

Tabelle 27: Multivariate Tests (RQ2)

Tabelle 28: Univariate ANOVAs & lineare Kontraste (RQ2)

Tabelle 29: Games-Howell-Test (RQ2)

Tabelle 30: Deskriptive Statistik (H3)

Tabelle 31: Shapiro-Wilk-Test (H3)

Tabelle 32: Box-M-Test (H3)

Tabelle 33: Levene-Test (H3)

Tabelle 34: Multivariate Tests (H3)

Tabelle 35: Univariate ANOVAs & lineare Kontraste (H3)

Tabelle 36: Kontrast-Koeffizienten & -Tests (H3)

Tabelle 37: MANCOVA (H3)

Tabelle 38: Deskriptive Statistik (H4)

Tabelle 39: Shapiro-Wilk-Test (H4)

Tabelle 40: Box-M-Test (H4)

Tabelle 41: Levene-Test (H4)

Tabelle 42: Multivariate Tests (H4)

Tabelle 43: Univariate ANOVAs & lineare Kontraste (H4)

Tabelle 44: Kontrast-Koeffizienten & -Tests (H4)

Tabelle 45: MANCOVA (H4)

Tabelle 46: Korrelation nach Pearson

Abstract

Ein Großteil heutiger sozialer Phänomene kann der Allgegenwärtigkeit von Smartphones zugeschrieben werden. Mit dem Einzug dieser Geräte in nahezu alle Bereiche des alltäglichen Lebens, rückte die Smartphone-Nutzung vor allem auch im Kontext der Face-to-Face-Kommunikation (f2f) in den Fokus der Forschung. Dabei haben Studien gezeigt, dass sich die ко-präsente Smartphone-Nutzung äußerst negativ auf die f2f-Kommunikation auswirkt. Die Fierausbildung von sozialen Normen, die mit der Verbreitung dieses überaus kritisierten Verhaltens einhergegangen sind sowie die enorme Vielfalt an Nutzungsmöglichkeiten von Smartphones, zeugen allerdings davon, dass die Wirkungsweise einer ko- präsenten Smartphone-Nutzung im Vergleich zur bisherigen Forschung differenzierter betrachtet werden muss. Dies hat sich die vorliegende Bachelorarbeit zum Ziel gesetzt. So wurde im Rahmen einer Online­Befragung ein Vignettenexperiment durchgeführt (N = 236), in dem verschiedene Nutzungsarten sowie der Einfluss der normativen Wahrnehmung einer Ko-präsenz von Smartphones untersucht wurde. Die Ergebnisse zeigen, dass die normative Wahrnehmung keinen signifikanten Einfluss hat. Allerdings macht es einen Unterschied, ob die Smartphone-Nutzung eine soziale Interaktion mit dem sozialen Netzwerk ermöglicht und diese Nutzung proaktiv oder reaktiv erfolgt. Die Gesprächsqualität sowie die Aufmerksamkeit und Höflichkeit der Smartphone-Nutzer wurden bei einer nicht-sozialen Smartphone- Nutzung geringer eingeschätzt. Wurde das Smartphone zudem proaktiv und damit ohne offensichtlichen Grund benutzt, war die Wahrnehmung der Aufmerksamkeit und Höflichkeit des Gesprächspartners am geringsten. Die Gesprächsqualität wurde hingegen bei einer reaktiven Nutzung am geringsten eingeschätzt.

Many of today's social phenomena can be attributed to the ubiquity of smartphones. As those devices have been embedded in almost every part of an individual's life, especially their use in the context of a face-to- face communication (f2f) were brought into focus by research. Studies revealed that the co-present smartphone use has a predominantly negative effect on the outcome of f2f-communications. The emergence of social norms associated with this kind of criticized behavior as well as the variety of possibilities of how smartphones can be used show, however, that the effect of the co-present smartphone use has to be examined more differentiated compared to prior research. This has been the aim of this present bachelor thesis. Embedded in an online survey a vignette experiment had been conducted (N = 236) in which different kinds of usage categories as well as the influence of the normative perception of the co-presence of smartphones were tested. Results show that normative perception had no significant impact. Flowever, it makes a difference whether the smartphone use allows for social interaction with the social network and whether its use takes place proactively or reactively. The conversation quality as well as the attention and politeness of the smartphone user were rated inferior when using a smartphone for non­social concerns. Moreover, when the smartphone were used proactively and therefore without any obvious reason the smartphone user were rated as less attentive and polite. The quality of the conversation, however, were rated inferior when using the smartphone reactively.

1. Einleitung

Im Mai 2012 wurde eine Bewegung ins Leben gerufen, die mit der Kreation eines fiktiven Wortes eine globale Diskussion rund um das Smartphone-Verhalten entfachte. Initiiert durch eine Website und einer Facebook-Community verbreitete sie sich innerhalb eines Jahres in der medialen Öffentlichkeit von über 180 Ländern (Mc Cann, 2013, 2016). Doch was hinter dem vermeintlichen Versuch eines 23-Jährigen Australiers steckte, in kreativer Weise auf ein soziales Phänomen aufmerksam zu machen, das scheinbar so weit verbreitet ist, wie das Smartphone selbst, war in Wirklichkeit eine Marketingkampagne für das australische Wörterbuch Macquarie Dictionary (Mc Cann, 2016). Die Rede ist von ״stop Phubbing", ein Kunstwort, das sich aus den Wörtern phone und snubbing (englisch für Telefon und jemanden vor den Kopf stoßen) zusammensetzt und jene Handlung beschreibt, bei der eine Person in einem sozialen Setting eine andere grob und gleichgültig abweist, indem sie auf ihr mobiles Gerät schaut, statt ihrem Gegenüber die volle Aufmerksamkeit zu schenken (Haigh, 2015). Was als PR Strategie gedacht war, aufgrund des Wandels von Sprache und der Wichtigkeit von Wörtern, soziale Phänomene beschreiben zu können, auf die Bedeutsamkeit aufmerksam zu machen, ein entsprechend zeitgemäßes Wörterbuch zu besitzen, macht das Ausmaß deutlich, in welchem das Smartphone inzwischen Einfluss auf das soziale Miteinander genommen hat. Es ist ein Beispiel dafür, dass soziale Phänomene in unserer modernen Gesellschaft zu einem erheblichen Teil auf die technischen Innovationen der Kommunikationstechnologie zurückzuführen sind (Jäckel & Mai, 2005, s. 7). Die rasante Verbreitung und Weiterentwicklung von Smartphones sowie das nahezu global verfügbare Breitbandinternet (GSMA Intelligence, 2017) haben dazu geführt, dass heute Milliarden von Menschen in der Lage sind, so gut wie überall und zu jeder Zeit auf Online-Inhalte zuzugreifen, miteinander zu kommunizieren und folglich ״permanently online, permanently connected" (POPC) zu sein (Vorderer & Kohring, 2013; Vorderer, 2015). Dieses POPC-Phänomen durchzieht den Alltag und mediatisiert die unterschiedlichsten Lebensbereiche, ״weil zunehmend mehr Handlungen unter Zuhilfenahme von Online-Kommunikation geplant und umgesetzt werden" (Vorderer, 2015, s. 260). Es schließt eine beständige Medienrezeption sowie einen psychischen Zustand der dauerhaften kommunikativen Wachsamkeit mit ein (Vorderer, Krämer & Schneider, 2016, s. 695), was den idealen Nährboden darstellt, mobile Aktivitäten bei Bedarf auch simultan zu anderen (nicht­medialen) Aktivitäten auszuüben (vgl. Xu & Wang, 2017, s. 72). So haben sich in kürzester Zeit neue Formen des ״Multitaskings" gebildet, wodurch das Kommunikationsverhalten der Menschen vor allem dahingehend beeinflusst wurde, ״as people now think that they can deal with various acts of communication simultaneously" (Vorderer & Kohring, 2013, s. 190). Die Folge: eine Auflösung der Grenzen zwischen der Online- und Offline-Kommunikation, was sich in der zunehmenden Anwesenheit und Nutzung von Smartphones innerhalb alltäglicher Face- to-Face-Interaktionen (f2f) zeigt und Phubbing schließlich zu einem weitverbreiteten Phänomen entstehen lassen hat. Dass es sich dabei um ein überaus stark kritisiertes Verhalten mit nachweisbar negativen Auswirkungen auf die f2f-Kommunikation handelt, lässt sich nicht allein aus der enormen Medienresonanz der Stop-Phubbing-Kampagne schließen. So geben berühmtere Stimmen, wie jene von Dr. Sherry Turkle, Soziologin und Professorin am MIT, tieferen Einblick darin, inwieweit das soziale Miteinander durch die permanente Nutzung von Kommunikationstechnologien beeinträchtigt werden kann (2011) und diese Beeinträchtigung vor allem durch den qualitativen Schwund der f2f-Kommunikation hervorgerufen wird (Turkle, 2015). So sind es gerade die bedeutsamen f2f-Gespräche im Alltag, die essentiell für unser menschliches Dasein sind, da sie uns helfen, soziale Kompetenzen wie Empathie zu entwickeln, die durch die Ko-Präsenz von Smartphones allerdings vermindert wird (Dizikes, 2015; Turkle, 2015). Die Koexistenz der Allgegenwärtigkeit von Phubbing und des Konsenses über die damit verbundenen negativen Effekte spiegelt sich auch in einer Bevölkerungsumfrage des Pew Research Centers wider (Rainie & Zickuhr, 2015), in welcher 89% der befragten Amerikaner1 angaben, in ihrer letzten sozialen Interaktion ein mobiles Gerät betätigt zu haben (s. 4), während 82% der Meinung war, dass das Gespräch in solch einem Setting häufig darunter leidet (s. 3). So empfinden die meisten die Nutzung eines Smartphones während eines f2f- Gesprächs als eher störend und ablenkend, nutzen ihr Smartphone aber dennoch in solch einem Setting und beobachten andere in ihrem sozialen Umfeld, die dasselbe tun (s. 4). Wenn Phubbing auch generell mit negativen Auswirkungen auf die f2f-Kommunikation einhergeht, ist die Frage, inwieweit es sich inzwischen dennoch zu einer, in manchen sozialen Umgebungen mehr oder weniger, normativen und damit ״geteilten und akzeptierten Verhaltensweise" entwickelt hat, was die Wahrnehmung der negativen Effekte zu einem gewissen Grad relativieren würde (Pereli¡- Harris & Bernardi, 2015, s. 706). Denn neue Technologien bringen einen Wandel von Interaktionssituationen mit sich und das wiederum einen Wandel von sozialen Normen (Sprecher, Flampton, Heinzei & Felmlee, 2016, s. 425). Soziale Normen regulieren das eigene Nutzungsverhalten und schaffen ״einen Rahmen, durch den Menschen bestimmen, welches Verhalten gebilligt wird oder nicht״ (Mc Laughlin & Viták, 2012, p. 300), welche Verhaltensweisen in bestimmten Interaktionen von einer Vielzahl von Akteuren als gewöhnlich aufgefasst werden (vgl. Perelli-Flarris & Bernardi, 2015, s. 707f.) und folglich auch erwartet, bzw. antizipiert werden können (vgl. Burgoon, 1993, s. 31). Ein Beispiel sei hier die computer-vermittelte Kommunikation (Cv K) im Kontext persönlicher Beziehungen, die einst mit kritischen Augen betrachtet und der f2f- Kommunikation als qualitativ unterlegen angesehen wurde (Kiesler, Siegel, & Mc Guire, 1984; Walther, 1992), sich aber bis heute (in Form der mobilen Kommunikation) zu einem integralen Bestandteil in der Aufrechterhaltung von sozialen Beziehungen entwickelt hat (Tong & Walther, 2011). Permanent erreichbar zu sein und umgehend zu antworten gehört in diesem Zusammenhang zu den modernen Erwartungshaltungen des persönlichen sozialen Netzwerks (Seo, Kim & Yang, 2016; Ling, 2012), wenn es auch oft als Last empfunden wird (Fox & Moreland, 2015; Hall & Baym, 2012). Demnach scheint der normative Charakter einer Handlung, als erwartbares Verhalten in einer sozialen Interaktion, eine signifikante Rolle zu spielen, wenn es um deren Beurteilung geht. Dieser Aspekt wurde in der empirischen Forschung zum Einfluss von Phubbing auf die Qualität der f2f-Kommunikation bisher allerdings nicht berücksichtigt. Die Vielfalt an Nutzungsmöglichkeiten, die ein Smartphone bietet (Bitkom, 2017, s. 5; Rainie & Zickuhr, 2015, s. 4), zeigt zudem, dass das Smartphone im Kontext von Phubbing in unterschiedlichster Weise während eines Gesprächs zum Einsatz kommen kann. In diesem Zusammenhang haben sich sogenannte ״mobile Etiketten" herausgebildet - eine Bezeichnung für sozial anerkannte Verhaltensregeln im Umgang mit mobilen Geräten -, die deutlich machen, dass sich Menschen in verschiedener Weise mit der ко-präsenten Nutzung von Smartphones in sozialen Situationen arrangiert haben (Forgays, Hyman, & Schreiber, 2014; Keppler, 2014). Dies impliziert, dass nicht gleich jede Ko-Präsenz von Smartphones von vornherein abgelehnt oder störend wahrgenommen wird, es stattdessen auf die in der Situation angemessenen Art und Weise ankommt, in der das Smartphone zum Einsatz gebracht wird. Ziel dieser Bachelorarbeit soll es daher sein, den näheren Zusammenhang zwischen sozialen Normen und den Auswirkungen der ко-präsenten Smartphone-Nutzung auf die bilaterale f2f-Kommunikation empirisch zu untersuchen und die genaue Art und Weise der Nutzung dabei differenziert zu betrachten.

Ob die Wahrnehmung von Phubbing als mögliches normatives und damit sozial erwartbares Verhalten allgemein einen Unterschied in der Bewertung der durch Phubbing verursachten negativen Effekte macht, mündet in der ersten Forschungsfrage: Inwiefern beeinflussen soziale Erwartungen bezüglich der ко-präsenten Smartphone-Nutzung die Bewertung eines Gesprächs und des Gegenübers. Ob sich Phubbing zudem per se negativ auf die f2f-Kommunikation auswirkt, oder dieser Effekt von der Art und Weise der Smartphone-Nutzung abhängig ist, soll durch die Beantwortung der zweiten Forschungsfrage herausgefunden werden: Inwiefern beeinflusst die Art und Weise der ко-präsenten Smartphone-Nutzung die Bewertung eines Gesprächs und des Gegenübers?

So wird zunächst im zweiten Kapitel der theoretische Hintergrund sowie der aktuelle Forschungsstand dieser Arbeit skizziert, auf dessen Grundlage die für die Beantwortung der Forschungsfragen relevanten Hypothesen hergeleitet werden. Im dritten Kapitel wird das methodische Vorgehen erläutert, was sich primär auf die theoretischen Überlegungen zum Untersuchungsdesign und den genauen Ablauf der Untersuchung bezieht. Im vierten Kapitel werden die Ergebnisse der Datenauswertung aufgezeigt und in einer anschließenden Diskussion (Kapitel fünf) mit Rückbezug zum theoretischen Hintergrund dieser Arbeit interpretiert. Die Arbeit schließt mit einer Erläuterung der methodischen Einschränkungen und einem anschließenden Fazit.

2. Theoretischer Hintergrund

2.1 (Medien-) Multitasking und geteilte Aufmerksamkeit

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, wurde das heutige Kommunikationsverhalten unter POPC-Bedingungen vor allem dahingehend verändert, dass oft mehrere Formen der Kommunikation simultan getätigt werden und Kommunikation deshalb in Form von Multitasking stattfindet. Da sich dies auch auf den Einzug von Smartphones in die f2f- Kommunikation bezieht, sollen in diesem Abschnitt die damit verbundenen Konsequenzen durch eine zunächst allgemeine Erläuterung des Phänomens Multitasking theoretisch fundiert werden. Damit wird auch ein wesentlicher Teil des theoretischen Hintergrunds skizziert, auf dessen Basis sich der Großteil jener Studien in verschiedener Weise zurückbezieht, die den aktuellen Forschungsstand dieser Arbeit ausmachen.

Multitasking VS. Task-Switching

Zunächst definiert der Begriff Multitasking jenes Handlungsszenario, in welchem eine Person im selben Moment zwei oder mehrere Tätigkeiten verrichtet und somit mehrere Informationen simultan verarbeiten muss (Ophir, Nass, & Wagner, 2009, s. 15583). So ist es beispielsweise möglich ein Instrument zu spielen und gleichzeitig zu singen, ohne dabei eine dieser Tätigkeiten zu unterbrechen. Dass die simultane Verarbeitung von Informationen allerdings zu Schwierigkeiten in der Ausführung der damit verbundenen Tätigkeiten führen kann, konnte zureichend empirisch bestätigt werden (z.B. Pashler & Johnston, 1998; Lien, Ruthruff, & Johnston, 2006). Erklären lässt sich dieser Effekt durch eine Reihe von theoretischen Modellen, die dem Dual-Task-Paradigma (Kahneman, 1973; Sperling & Dosher, 1998) unterliegen. Hierbei stützt sich die Forschungsliteratur vor allem auf die Theorien der limitierten Kapazität (Lang, 2000, 2006; Kahneman, 1973) und der multiplen Ressourcen (Basil, 1994; Wickens, 2002). Diese gehen davon aus, dass die menschliche Informationsverarbeitung insoweit limitiert ist, als dass die kognitiven Ressourcen, die dafür zur Verfügung Stehen, begrenzt sind. Diese können zwar flexibel für verschiedene kognitive Teilprozesse genutzt werden, wie dem Kodieren, Abrufen oder Speichern von Informationen (Lang, 2000, 2006), konkurrieren allerdings sobald nun zwei oder mehrere Tätigkeiten gleichzeitig ausgeführt werden und damit der Bedarf die Verfügbarkeit der involvierten Ressourcen übersteigt. Es kommt zu einer Abnahme der Leistungsfähigkeit in den jeweils zu verrichtenden Tätigkeiten. Der wesentliche Unterschied dieser beiden theoretischen Modelle (limitierte Kapazität VS. multiple Ressourcen) liegt darin, dass nicht nur der quantitative Umfang der zu benötigten kognitiven Ressourcen in der simultanen Informationsverarbeitung in Betracht gezogen wird, sondern auch der qualitative Charakter dieser Ressourcen (Jeong & Hwang, 2016, s. 600). So wird im Ansatz der multiplen Ressourcen angenommen, dass das kognitive System verschiedene Pools an Ressourcen aufweist, die jeweils für unterschiedliche Aufgaben verantwortlich sind und gleichzeitig arbeiten können. Abhängig von der Art der zu verarbeitenden Informationen während dem Multitasking werden daher entweder dieselben oder aber mehrere (multiple) Pools in Anspruch genommen. So wird Z.B. zwischen sensorischen und motorischen Aufgaben unterschieden, was eine Erklärung dafür ist, dass die Fahrleistung nicht beeinträchtigt wird, wenn man während dem Autofahren (primär visuelle und motorische Ressourcen) Musik hört (auditive Ressourcen) (Nijboer, Borst, van Rijn, & Taatgen, 2016). Maßgeblich für den Verarbeitungsprozess in beiden Modellen ist jedoch die Aufmerksamkeit, welche ebenso einen kognitiven Prozess mit begrenzter Gesamtkapazität darstellt. Diese kann auf eine bestimmte Tätigkeit fokussiert sein oder zwischen verschiedenen Aktivitäten aufgeteilt werden (Styles, 2006, s. 156). In dem Maße, in welchem beim Multitasking verschiedene kognitive Ressourcen beansprucht werden, muss nun auch die Aufmerksamkeit auf die jeweils zu verarbeitenden Informationen aufgeteilt werden. Bei zwei simultan zu verrichtenden Aufgaben Stehen der Zweiten demnach nur noch eine Restkapazität an Aufmerksamkeit zur Verfügung, die mit steigenden Anforderungen in den Aufgaben abnimmt (Styles, 2006, s. 158f.) und schließlich bei beiden zu einem Leistungsabfall führt.

Entgegen diesem Dual-Task-Paradigma steht allerdings noch ein weiterer Ansatz, welcher die Möglichkeit der simultanen kognitiven Verarbeitung verschiedener Informationen bestreitet. So postuliert die Central Bottleneck Theory (Pashler, 1984, 1994a, 1994b) ein generelles Strukturproblem - im Sinne eines sogenannten Flaschenhalses als prozeduraler oder struktureller Engpass - in der kognitiven Informationsverarbeitung, womit diese insofern eingeschränkt ist, als dass Informationen während dem ״Multitasking" nur sequenziell verarbeitet werden können. So ist an dieser stelle die Rede von Task-Switching (Monsell, 2003), das im Vergleich zum simultanen Multitasking ein zeitliches Pausieren zwischen den zu verarbeiteten Information, resp. zu verrichtenden Tätigkeiten impliziert. Dabei ist auch hier auf die Aufmerksamkeitsdivision zu verweisen, die durch diese sequenzielle Informations­Verarbeitung hervorgerufen wird und die Minderung der Leistung in den zu verrichteten Tätigkeiten erklärt.

Beide theoretischen Ansätze2 ״repräsentieren [schließlich] zwei Enden eines Kontinuums für Multitasking-Verhalten" (Xu & Wang, 2017, s. 73). Demnach lässt sich Multitasking entlang dieses Kontinuums hinsichtlich der Zeit charakterisieren, die für eine Aufgabe aufgewendet wird, bevor man zu einer nächsten wechselt (Salvucci, Taatgen & Borst, 2009, s. 1819).

Medien-Multìtasking

Neben dieser Differenzierung von Multitasking als simultane VS. sequenzielle Verarbeitung, resp. Multitasking VS. Task-Switching, wird zudem noch der Einbezug von Medien in Betracht gezogen. Dies wird in der Forschung als Medien-Multitasking spezifiziert, das als simultanes Ausführen von zwei oder mehreren Aufgaben verstanden wird, bei dem mindestens eine dieser Aufgaben durch die Nutzung von Medien erfolgt (Foehr, 2006; Lang & Chrzan, 2015, s. 100). Wallis (2010) unterscheidet hierbei zwischen drei verschiedenen Formen von Medien­Multitasking: (1) Ein Medium wird neben einer nicht-medialen Aktivität genutzt, (2) zwei verschiedene Medien werden gleichzeitig genutzt, (3) mit nur einem Medium werden gleichzeitig verschiedene mediale Aktivitäten ausgeführt. Als Beispiel lässt sich folglich sowohl das Erledigen von Flausaufgaben während dem Fernsehen (Jeong & Fishbein, 2007), das gleichzeitige Nutzen von Fernseher und Computer (Brasei & Gips, 2016), als auch das gleichzeitige Surfen im Internet und E-Mail-Schreiben am selben Computer (Yeykelis, Cummings, & Reeves, 2014) als Medien-Multitasking bezeichnen. Mit der rasanten Verbreitung und Zugänglichkeit mobiler Geräte in dem letzten Jahrzehnt, allen voran das Smartphone, haben die Integrationsmöglichkeiten von Medien in das alltägliche Geschehen zugenommen und Medien-Multitasking daher zu einem allgegenwärtigen Phänomen gemacht. Ganz neue Nutzungs- und Kombinationsmöglichkeiten von Aufgaben haben sich etabliert und somit das Multitasking-Verhalten entlang des Multitasking-Kontinuums verändert und intensiviert (Xu & Wang, 2017, s. 76).

Der Einzug von Smartphones in die f2f-Kommunikation stellt demnach ein Beispiel für eine Form von Medien-Multitasking dar, bei dem ein Medium neben einer nicht-medialen Aktivität genutzt wird. Dass bei einer solchen Kombination eine Aufmerksamkeitsdivision hervorgerufen wird und sich im Allgemeinen unabhängig von der kognitiven Beanspruchung der nicht­medialen Aktivität negativ auf deren Leistung auswirkt, findet empirische Bestätigung: Sowohl beim Spazierengehen, einer vergleichsweise simplen Aktivität, als auch während der Beteiligung am Unterricht, was als kognitiv intensive Aufgabe postuliert wird und deshalb ein erhöhtes Maß an Wachsamkeit und aktives Zuhören voraussetzt (Titsworth, 2004, s. 315), ist die Nutzung von Smartphones ausschlaggebend für eine Leistungsabnahme, die bei Nicht­Nutzern unter gleichen Bedingungen nicht beobachtet werden konnte. Nutzer mobiler Geräte waren beim Spazierengehen entweder langsamer und unaufmerksam hinsichtlich dem Geschehen in ihrer direkten Umgebung (Flyman, Boss, Wise, Mc Kenzie & Caggiano, 2010) oder konnten sich nach einer Unterrichtseinheit an weniger Informationen und Details erinnern (Kuznekoff & Titsworth, 2013). Im Bezug auf die ко-präsente Smartphone-Nutzung während einer f2f-Kommunikation kann eine Aufmerksamkeitsdivision vor allem deshalb erwartet werden, als dass zum Teil dieselben kognitiven Ressourcen bzw. Ressourcen-Pools beansprucht werden müssen. Selbst unabhängig von der spezifischen Tätigkeit, die mit dem Smartphone verrichtet wird, bedarf sowohl der Blick auf das Smartphone-Display, als auch die visuelle Zuwendung zum Gesprächspartner dasselbe Maß an Ressourcen, die für die visuelle (perceptual) Informationsverarbeitung verantwortlich sind (Wickens, 2002, s. 165). In diesem Fall lässt sich das Multitasking-Verhalten als Task-Switching einordnen, da diese Verarbeitung an identischen Informationen nur sequenziell erfolgen kann. Die Aufmerksamkeit muss zwischen diesen beiden Tätigkeiten aufgeteilt und abwechselnd auf die momentan fokussierte Tätigkeit ausgerichtet werden. Zur Folge hat dies ein Pausieren der f2f-Kommunikation sobald sich ein Gesprächsteilnehmer seinem Smartphone zuwendet, womit der natürliche Gesprächsfluss unterbrochen werden muss (vgl. Sacks, Schegloff, & Jefferson, 1974). So zeigt sich, dass die Beeinträchtigung der f2f-Kommunikation, als nicht-mediale Aktivität mit ähnlich hoher kognitiver Beanspruchung wie die Smartphone-Nutzung selbst, im Kontext von Phubbing primär eine geteilte Aufmerksamkeit zur Ursache hat, die nicht verhindert werden kann.

2.2 Expectancy Violation Theory

Als eine Theorie der interpersonalen Kommunikation, welche die zentrale Rolle von Erwartungen innerhalb sozialer Interaktionen thematisiert, wird die Expectancy Violations Theory (EVT) (Burgoon, 1993) als zweite theoretische Grundlage dieser Arbeit herangezogen. Sie erklärt, wie Menschen auf die Übertretung (violation) und Bestätigung (confirmation) von Erwartungen in einer interpersonalen Kommunikation reagieren. Die Erwartungen richten sich dabei auf das non/verbale Verhalten der Interaktionspartner. Die Theorie basiert auf der Prämisse, dass Menschen Erwartungen hinsichtlich ihrem eigenen Verhalten sowie dem Verhalten der anderen haben. Ein Verhalten kann somit den Erwartungen entsprechen oder aber gegen die Erwartungen verstoßen. Entgegen der allgemeinen Intuition und einer Vielzahl von traditionellen Ansichten, behauptet die EVT nun, dass ein Verstoß von Erwartungen manchmal sogar der Einhaltung von Erwartungen vorzuziehen ist und bessere Ergebnisse in der Interaktion hervorbringen kann.

Diese Ansicht hat ihren Ursprung in dem Versuch, die Konsequenzen von Übertretungen im Bezug auf das proxemische Verhalten - der Organisation, Nutzung und Interpretation von persönlicher Nähe und Distanz - in der interpersonalen Kommunikation zu erklären (Burgoon & Jones, 1976). Der Proxemik, die der Anthropologe Edward T. Flail als eine ״verstecke Dimension" von Kultur bezeichnet (1966), da sie innerhalb einer Kultur als ״stille Sprache" verwendet wird, die intersubjektiv nachvollziehbare Bedeutungen transportiert (1959), wurde vor allem in den 1960ern und 1970ern ein hohes Forschungsinteresse zugeschrieben. FHierbei beschäftigte sich ein Großteil der Forschungen mit den sozialen Normen der interpersonalen Distanzregulation. Studien gaben Aufschluss darüber, dass die erwartete (soziale) Distanz, in welcher Akteure während einer interpersonalen Kommunikation zueinander Stehen oder sitzen, von diversen Faktoren abhängig ist. So sind demographische Faktoren wie Kultur oder Geschlecht Z.B. eine Erklärung dafür, warum Menschen aus mediterranen Kulturen im Vergleich zu skandinavischen in näherer Distanz zueinander interagieren (Little, 1968) oder Männer in größerer Entfernung und indirekterer Körperausrichtung zueinander Stehen als Frauen (Pedersen, 1973; Rosegrant & Mc Croskey, 1975). Auch die Art der Beziehung und Interaktion hat insofern einen Einfluss, dass Menschen näher bei Personen Stehen, die sie mögen, wertschätzen und vertrauen (Burgoon, 1978) oder persönliche und private Interaktionen tendenziell in unmittelbarer Nähe stattfinden, größere Abstände hingegen bei eher unpersönlichen und formalen Interaktionen eingehalten werden (Mehrabian, 1969). Dem Raumverhalten von Akteuren wird demnach ein zentraler kommunikativer Charakter beigemessen, da der Abstand, den sie zueinander einnehmen, Z.B. auf den Grad der Vertrautheit oder den Zweck der Kommunikation hinweist. Unstimmigkeiten in der Forschungsliteratur gab es nun aber im Hinblick darauf, ob eine Übertretung dieser normativen sozialen Distanzen immer mit unerwünschten Konsequenzen einhergeht, oder, abhängig von Person und Situation, auch erwünscht sein kann und sich stattdessen positiv auf die Interaktion auswirkt. Um hierfür eine Erklärung zu finden, formulierte Burgoon die ״Nonverbal Expectancy Violations Theory", aus der sich später die EVT entwickelte: ein theoretisches Modell, in welchem sie die widersprüchlichen Ansichten zur Proxemik in der menschlichen Interaktion zusammenführte und aus einer kommunikationswissenschaftlichen Perspektive betrachtete (Burgoon & Jones, 1976). Dabei setzte sie ihren Fokus auf die Übertretung, bzw. dem ״Eindringen" in den persönlichen Raum, eine der von Flail identifizierten Distanzzonen (Flail, 1966), die eine Person stets um sich herum beansprucht, um einen gewissen Grad an Privatsphäre und Schutz zu wahren. Sie war daran interessiert, welches Maß an persönlichem Raum Leute während einer sozialen Interaktion in Anspruch nehmen und inwiefern sich Änderungen in den proxemischen Verhaltensweisen auf den Ausgang der Interaktion auswirken (Burgoon & Jones, 1976, s. 131). Da die EVT seit ihrer Entstehung erweitert wurde und nunmehr eine Reihe an nonverbalem und verbalem Verhalten umfasst (z.B. Afifi & Burgoon, 2000; Burgoon, Buller, Fiale & de Turck, 1984; Burgoon, Coker & Coker, 1986; Burgoon & Fiale, 1988; Burgoon, 1993), lässt sie sich auf die unterschiedlichsten Phänomene der interpersonalen Kommunikation anwenden. Bevor ich den Bezug zu meinem Forschungsthema herstelle, werden im Folgendem zunächst die Grundkonzepte der Theorie näher skizziert.

Das zentrale Konstrukt der Theorie sind die Erwartungen (expectancies). Wie bereits erwähnt, richten sich diese an das kommunikative Verhalten des Gegenübers. Sie definieren, welche Verhaltensweisen in einer gegebenen Situation angemessen sind (präskriptiv) und vorausgesagt werden können (prädiktiv). Erwartungen sind ein Produkt aus sozialen Normen und den individualisierten Informationen, die ein Akteur über den spezifischen Interaktionsstil des Anderen hat. Kennen sich die Akteure zu einem gewissen Grad, spielen beide Komponenten eine Rolle. Ist dies nicht der Fall, basieren die Erwartungen ausschließlich auf den sozialen Normen, die sich aus drei Faktoren ableiten lassen: a) den Persönlichkeits­merkmalen des Akteurs, wie der Flerkunft oder dem Geschlecht, b) die Beziehung zum Gegenüber, wie dem Grad der Bekanntheit oder Affinität und c) dem Kontext der Interaktion, wie deren Art oder Setting. Somit wird jede interpersonale Interaktion beständig von sozialen - im Sinne von ״als soziale Norm geltenden" - Erwartungen begleitet und durch diese geprägt: ״Menschen planen und passen ihre Kommunikation gemäß der Art der Begegnung und dem Kommunikationsstil an, den sie von einem anderen Akteur antizipieren" (Burgoon, 1993, s. 32).

Inwiefern sich nun eine Übertretung, bzw. ein Verstoß von Erwartungen auf den Ausgang der Kommunikation auswirkt, erklärt die Theorie anhand eines weiteren Konstrukts, das hierfür den wichtigsten Moderator darstellt: die communicator reward valence. Diese sagt aus, wie lohnenswert oder bereichernd (rewarding) es ist, mit dem Gegenüber zu interagieren. Sie basiert auf a) eine Reihe von Eigenschaften (z.B. Vertrautheit, Charisma, physische Attraktivität oder Status), die dem Akteur zugeschrieben werden, der eine Übertretung begeht - dem Übertreter (violator) - und b) der (positiven und/oder negativen) Bewertung dieser Eigenschaften durch den Akteur, gegen dessen Erwartungen verstoßen wird - der Zielperson (target). Diese Eigenschaften werden von denselben Faktoren bestimmt, die auch die sozialen Normen und Erwartungen beeinflussen: Persönlichkeitsmerkmale, Beziehung und Kontext. Bezogen auf das Ausgangsbeispiel des proxemischen Verhaltens, wäre die Erwünschtheit darüber, wie nah ein Akteur während einer Interaktion kommen darf, abhängig davon, wie attraktiv oder vertraut er der Zielperson ist. Die ״Lohnenswertigkeit" des Gegenübers spielt demnach eine signifikante Rolle in der Reaktion auf dessen Verhalten.

Entspricht das Verhalten des Gegenübers den Erwartungen der Zielperson, spricht man von erfüllten, bzw. bestätigten Erwartungen (expectancy confirmations), die keine bedeutende Reaktion auslösen. Weicht das Verhalten von den Erwartungen der Zielperson allerdings ab, ist die Rede von der Übertretung, bzw. dem Verstoß von Erwartungen (expectancy Violation). Diese Übertretung wird laut Theorie als physisch und psychisch erregend postuliert (dessen Ausmaß von der stärke der Abweichung abhängig ist), lenkt die Aufmerksamkeit der Zielperson vom Gesprächsthema weg und stellt den Übertreter und dessen Übertretung in den Fokus. An dieser stelle wird ein zweistufiger Interpretations-Bewertungs-Prozess (interpretation­evaluation appraisal process) seitens der Zielperson in Gang gebracht: Zunächst wird das Verhalten des Übertreters mit Bedeutung versehen, indem die Zielperson es interpretiert. Da manche Verhaltensweisen mehrdeutig sein können (abhängig von der Art und dem Setting der Interaktion), dienen kontextuelle Informationen dazu, den Umfang an alternativen Bedeutungen einzugrenzen. Doch auch die Frage danach, von wem die Übertretung verursacht wurde, kann hier ein entscheidender Faktor sein, welche der möglichen Interpretationen schließlich gewählt werden. Basierend auf dieser Interpretation und ebenfalls darauf, wer die Übertretung verübt hat, wird dieses Verhalten schließlich bewertet. In beiden Fällen spielt die communicator reward valence eine signifikante Rolle, da sie sowohl die Interpretation als auch die Bewertung moderiert. Eine Übertretung kann schließlich als wünschenswert oder negatív wahrgenommen werden. Das bedeutet, dass die Übertretung von Erwartungen sowohl positiv als auch negativ sein kann, was die Theorie als die Wertigkeit von Übertretungen (violation valence) bezeichnet und sich auf den kommunikativen Ausgang der Interaktion auswirkt. Da auch die Bestätigung von Erwartungen sowohl positiv als auch negativ sein kann, kann das Verhalten eines Akteurs folglich vier verschiedene Ausgänge annehmen: 1) das Verhalten ist besser als das erwartete (positiver Verstoß), 2) das Verhalten entspricht den Erwartungen und ist wünschenswert (Bestätigung eines positiven Verhaltens), 3) das Verhalten entspricht den Erwartungen und ist unerwünscht (Bestätigung eines negativen Verhaltens), 4) das Verhalten ist schlechter als das erwartete (negativer Verstoß). Hieraus wird argumentiert, dass positive Verstöße bessere Ergebnisse in der Kommunikation hervorbringen, als positive Bestätigungen und negative Verstöße schlechtere Ergebnisse hervorbringen, als negative Bestätigungen. Der Ausgang einer Kommunikation hängt somit maßgeblich davon ab, in welche Richtung ein Verhalten von den Erwartungen abweicht.

Erwartungen spielen nach dieser Theorie also eine zentrale Rolle in der Bewertung einer interpersonalen Kommunikation. Sie richten sich auf das Kommunikationsverhalten des Gesprächspartners und leiten sich, neben den individualisierten Informationen, die ein Akteur über den spezifischen Interaktionsstil seines Gesprächspartners hat, aus den sozialen Normen jener Umgebung ab, in welche die Kommunikation eingebettet ist. In dem Maße, in dem eine Verhaltensweise normativ geworden ist, lässt sie sich demnach erwarten, resp. antizipieren. Phubbing stellt hierbei ein nonverbales Verhalten dar, das gegen die Erwartungen einer Zielperson verstoßen kann, oder aber erwartungskonform ist. Die Bewertung einer f2f- Kommunikation, die durch Phubbing ״gestört" wurde, ist daher im Wesentlichen davon abhängig, ob Phubbing als soziale Norm wahrgenommen wird und/oder zu dem spezifischen Kommunikationsverhalten des Gesprächspartners gehört, nach dem sich ein Akteur richtet.

2.3 Forschungsstand

2.3.1 Effekte der ко-präsenten Smartphone-Nutzung auf die f2f-Kommunikation

Einer der ersten, die sich konkret mit dem Einfluss mobiler Kommunikationsgeräte auf die Qualität einer dyadischen f2f-Kommunikation auseinandergesetzt haben, waren Przybylski und Weinstein (2012). Anhand zweier separater Experimente untersuchten die Forscher, inwieweit die bloße Präsenz solcher Geräte die Beziehungsqualität zwischen zwei fremden Personen beeinflusst. In diesem Zusammenhang wurde auch die Nähe zum Partner, das Vertrauen zum Partner sowie das Empathie-Empfinden evaluiert, jeweils sowohl im Kontext einer bedeutsamen als auch einer unbedeutenden Konversation. Die Befunde aus beiden Experimenten bestätigen schließlich deren Vorannahme, dass die Präsenz mobiler Geräte eine Barriere für menschliche Interaktionen darstellt, insbesondere wenn Leute eine bedeutungsvolle Konversation führen. Sowohl die Beziehungsqualität, die Nähe zum Partner, als auch das Empathie-Empfinden wurden durch die Anwesenheit mobiler Geräte negativ beeinflusst. Im Rahmen einer bedeutsamen Konversation, hat sich nur die Beziehungsqualität und das Vertrauen zum Partner verringert. Ко-präsente Mobilgeräte können demnach den Aufbau von persönlicher Nähe und Vertrauen behindern und geben dem Gegenüber das Gefühl, weniger verstanden zu werden. Ohne dass diese Geräte überhaupt aktiv genutzt werden, wirken sie sich bereits negativ auf die f2f-Kommunikation aus.

Aufbauend auf dieser Studie, untersuchten auch Misra, Cheng, Genevie und Yuan (2014) den Zusammenhang zwischen der Präsenz von mobilen Geräten und der Qualität von f2f- Interaktionen. Dabei replizierten sie die Studie von Przybylski und Weinstein (2012) in einem natürlichen Setting. So waren die Beziehungen zwischen den untersuchten Konversations­partnern im Vergleich echt und bereits etabliert und die präsenten Mobilgeräte den Probanden gehörend und nicht den Versuchsleitern, wie es in der vorherigen Studie der Fall war. Evaluiert wurde die interpersonale Verbundenheit sowie das Empathie-Empfinden, die beide ein hohes Maß an Aufmerksamkeit voraussetzen. Beide Variablen wurden erneut innerhalb eines bedeutsamen und unbedeutenden Gesprächskontextes getestet, zusätzlich aber auch in Abhängigkeit davon, wie nah sich die Konversationspartner standen. Die Befunde ergaben, dass die Gespräche, in denen sich ein mobiles Gerät sichtbar in unmittelbarer Reichweite befand, im Vergleich signifikant schlechter bewertet wurden als jene, in denen keine Mobilgeräte präsent waren. Sowohl die innere Verbundenheit, als auch das Empathie-Empfinden litten unter der Anwesenheit mobiler Kommunikationsmedien. Im Bezug auf die Nähe zum Partner, litt das Empathie-Empfinden bei engeren Beziehungen stärker als bei weniger engen Beziehungen. Die Tiefe des Gesprächsthemas hatte in diesem Experiment keinen Einfluss auf die abhängigen Variablen. So lässt sich auch in einem natürlichen Setting ein ausschließlich negativer Zusammenhang zwischen der Präsenz von mobilen Geräten innerhalb einer f2f-Kommunikation und der Bewertung des Gegenübers hinsichtlich der wahrgenommenen Beziehungsqualität beobachten.

In der Studie von Vanden Abeele, Antheunis und Schouten (2016) wurde nun auch die konkrete Geräte-Nutzung in Betracht gezogen. Die Forscher untersuchten anhand zweier Teilstudien den Einfluss der textbasierten Smartphone-Nutzung im persönlichen Zweier­gespräch einerseits auf die Bildung eines ersten Eindrucks, andererseits auf die Wahrnehmung der Gesprächsqualität und die Einschätzung der sozialen Anziehung des Gegenübers, die sich hierbei auf den Grad der Selbstauskunft (self-disclosure) als ein Indikator für Interesse und Empathie beziehen soll. In der ersten Studie lag der Fokus darauf, wie die Bildung des ersten Eindrucks beeinflusst wird, wenn ein Proband während eines Kennenlerngesprächs mit einer unbekannten Person sein Smartphone auf Textnachrichten überprüft. In diesem Kontext wurde die Smartphone-Nutzung ferner in zwei Arten unterschieden: Proaktiv und reaktív, wobei letztere die Nutzung als Reaktion auf eine eingehende Benachrichtigung meint. Evaluiert wurde hierbei die Einschätzung der Aufmerksamkeit und Höflichkeit jener Person, die ihr Smartphone während des Gesprächs in irgendeiner Weise genutzt hat. Beide Vorannahmen, dass eine solche Person als weniger aufmerksam und höflich eingeschätzt wird und diese Einschätzung von keiner, reaktiven hin zur proaktiven Smartphone-Nutzung sinkt, wurden bestätigt. In der zweiten Studie wurde in einem ähnlichen Setting die Gesprächsqualität und die Einschätzung der sozialen Anziehung des Gegenübers evaluiert. Im Vergleich zur ersten wurde hierbei zusätzlich die Art der Beziehung zwischen den Konversationspartnern unterschieden, womit sich die Probanden entweder kannten oder fremd waren, hieraus kam, dass eine Person die Qualität des f2f-Gesprächs geringer einschätzt, wenn ihr Gesprächspartner währenddessen eine (textbasierte) mobile Kommunikation führt. Die Art der Beziehung hatte dabei allerdings keinen Effekt. Auch der Zusammenhang mit der sozialen Anziehung konnte nicht belegt werden. So wirkt sich eine aktive Smartphone-Nutzung während eines Kennenlerngesprächs negativ auf das Bild aus, das man sich von seinem Gegenüber bildet und verringert die eingeschätzte Gesprächsqualität, allerdings unabhängig davon, ob sich die Konversations­partner bereits kennen oder nicht.

Dass es in der Forschung zur ко-präsenten Smartphone-Nutzung in der f2f-Kommunikation konträr zur den bisherigen Ergebnissen auch positive Befunde gibt, zeigt ein Forschungsprojekt über die Veränderung von alltäglichen Gesprächen durch Smartphones auf (Keppler, 2014). So haben Forscher herausgefunden, dass ״technische Kommunikationsmedien . . . vielfach in die alltäglichen Formen des Gesprächs integriert [werden], weswegen die beiläufige Verständigung ihre Bedeutung für die Erzeugung individueller wie gemeinschaftlicher Orientierungen keineswegs verloren hat" (Keppler, 2015, s. 5). Fliernach dienen Smartphones als Bereicherung unserer Kommunikation, da sie als Medium des Teilens von Information und Erfahrungen betrachtet werden und jene Gespräche fördern, in denen sie eingebettet werden. Allerdings muss diese Studie im Kontext von Phubbing als Abgrenzung zu diesem Phänomen betrachtet werden und wird an dieser stelle nur der Vervollständigung des Forschungsstandes halber erwähnt. Bei Phubbing handelt es sich nicht um eine gemeinsame Smartphone-Nutzung, in welcher das Smartphone in den Gesprächskontext integriert wird. Stattdessen wird der Gesprächspartner in der Zeit der einseitigen Nutzung außer Acht gelassen, was den Gesprächsfluss unterbricht und im Gegensatz zu einer Bereicherung der Kommunikation die genannten negativen Folgen mit sich bringt.

Zusammenfassend lässt sich also bisher festhalten, dass sich sowohl die Präsenz als auch die aktive Smartphone-Nutzung ausschließlich negativ auf die f2f-Kommunikation auswirkt. Ferner können zwei Dimensionen identifiziert werden, auf die sich diese negativen Effekte beziehen: die Bewertung des Gesprächs in seiner Qualität und Quantität und die Bewertung des Gegenübers hinsichtlich der verschiedenen Variablen, die mit der Beziehungsqualität einhergehen. Während Przybylski und Weinstein (2013) und Misra et al. (2014) in ihren Experimenten die Bewertung der Gesprächsqualität zwar implizieren, allerdings nur die Beziehungsqualität - und somit die Bewertung des Gegenübers - explizit anhand der genannten Variablen (interpersonale Verbundenheit, Empathie etc.) evaluieren, so wurden in der Studie von Vanden Abeele et al. (2016) jeweils beide Dimensionen empirisch getestet: die Gesprächsqualität als eigene abhängige Variable (AV), die Bewertung des Gegenübers anhand der Aufmerksamkeit und Höflichkeit, womit auch die Beziehungsqualität insofern impliziert ist, als dass die Aufmerksamkeit in den vorherigen Studien für all die getesteten Variablen zumindest theoretisch als zentraler Prädiktor suggeriert wurde und die gleichen Effekte auf die Bewertung der Beziehungsqualität vermutet werden können. Angesichts der genannten Vielfalt an Nutzungsmöglichkeiten, die Smartphones heute aufweisen, geben die Studien allerdings keinen bis wenig Aufschluss darüber, inwiefern sich die verschiedenen Arten der Smartphone- Nutzung auf die genannten Dimensionen auswirken. Die textbasierte Online-Kommunikation aus der Studie von Vanden Abeele et al. (2016) deckt zwar einen Großteil des Nutzungsspektrums in Phubbing-Situationen ab, lässt als einzige Variable aber keinen Vergleich zu, der auf mögliche Normen und Etiketten in der Nutzungsvielfalt hinweisen könnte. Zudem handelte es sich um eine künstlich erzeugte Labor-Situation, in welcher die Probanden ihre Smartphones auf Anweisung der Versuchsleiter hin nutzten.

2.3.2 Phubbing als normatives Verhalten

Es gibt eine Vielzahl an Studien, die Einblick darin geben, wie Menschen gegenüber der ko- präsenten Nutzung mobiler Geräte eingestellt sind und welche sozialen Normen, bzw. mobilen Etiketten sich folglich in diesem Zusammenhang herausgebildet haben. Dass es beispielsweise einen Unterschied in der Wahrnehmung und Bewertung macht, wann und wie ein mobiles Gerät genutzt wird, zeigt eine Studie zu den Nutzungsgewohnheiten verschiedener Alters- und Geschlechtsgruppen sowie deren Einstellungen darüber, in welchen (sozialen) Kontexten die Nutzung mobiler Geräte angemessen ist (Forgays et al., 2013). Eine andere Studie, die sich mit dem Zusammenhang von sozialen Normen und der Auswirkung der Smartphone-Nutzung auf die Beziehungsqualität in Liebesbeziehungen beschäftigte (Hall, Baym & Miltner, 2014), hat gezeigt, dass gesellschaftlich anerkannte Normen zum angebrachten Smartphone- Nutzungsverhalten im Vergleich zu dem Einhalten jener Verhaltensnormen, die sich spezifisch im Rahmen der jeweiligen Beziehung konstituiert haben, bei der Bewertung der Smartphone- Nutzung eine untergeordnete Rolle spielen. Das Problem dieser ganzen Studien ist allerdings, dass sich der Einbezug von sozialen Normen ausschließlich auf die Wahrnehmung der normativen Angemessenheit von Handlungen bezieht und deshalb nur präskriptive Normen (injunctive norms) miteinschließt. Somit steht nur im Fokus, was theoretisch getan oder unterlassen werden sollte. Nach Cialdini, Källgren und Reno (1991) lassen sich daneben aber auch deskriptive Normen (descriptive norms) unterscheiden, die sich auf die Wahrnehmung, bzw. der Annahme darauf beziehen, was die meisten Akteure innerhalb einer sozialen Gruppe tatsächlich tun. Bedeutsam wird diese Differenzierung nun vor allem im Hinblick auf die mit den Normen einhergehenden sozialen Erwartungen (Bicchieri & Xiao, 2007). Nimmt ein Akteur ein Verhalten als präskriptive Norm wahr, verbindet er es mit einer normativen Erwartung (normative expectation): andere (und er selbst) sollten dieses Verhalten ausüben. Ist ein Verhalten normativ im deskriptiven Sinne, wird dieses mit einer empirischen Erwartung (empirical expectation) in Verbindung gebracht: andere werden dieses Verhalten (zumindest mit hoher Wahrscheinlichkeit) ausüben. So kann ein Verhalten gesellschaftlich unangemessen sein, was bei Phubbing der Fall ist und dennoch eine soziale Norm im deskriptiven Sinne darstellen, weil man es viele andere tun sieht.

Dieser Aspekt wird in einer Studie berücksichtigt, die sich primär mit den Determinanten von Phubbing auseinandergesetzt hat und suggeriert, dass Phubbing im Allgemeinen normativ geworden ist (Chotpitayasunondh & Douglas, 2016). In diesem Zusammenhang wurde herausgefunden, dass in einer Umgebung, in welcher Menschen regelmäßig ״phubben" und ״gephubbt" werden, Phubbing als normativ wahrgenommen wird. Was zum einen als eine Folge von Phubbing interpretiert werden kann, wird im Kontext dieser Studie aber vor allem als weiterer Determinant betrachtet, der das Phubbing-Verhalten begünstigt, da man erwarten kann, dass Menschen dieses Verhalten erwidern, wenn sie es regelmäßig beobachten. Erklärt wird dieser Effekt anhand dem Konzept der Reziprozität, das zu den wesentlichen Tauschregeln in der menschlichen Interaktion zählt (Cialdini, 1993, s. 13-42; Falk & Fischbacher, 2006) und besagt, dass ein Akteur eine soziale Flandlung in solcher Weise erwidert, dass ״Gutes für Gutes und Schlechtes für Schlechtes [vergolten wird]" (Keohane, 1986, s. 8). Dies deckt sich auch mit den Befunden einer Studie zum Einfluss von sozialen Normen auf das Medien­Multitasking während eines Geschäfts-Meetings (Stephens & Davis, 2009), in welcher die Entscheidung, während eines Meetings ein mobiles Gerät zu verwenden, maßgeblich davon beeinflusst wird, ob man andere dasselbe tun sieht. Je häufiger Menschen in solch einem Setting auf mobile Kommunikations-, resp. Informationsmedien zurückgreifen, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass es (im deskriptiven Sinne) sozial anerkannt und reziprok praktiziert wird.

Insgesamt lässt sich also ein negativer Zusammenhang zwischen Phubbing und der Qualität von f2f-Kommunikationen sowie einen positiven Zusammenhang zwischen Phubbing und der Wahrnehmung von Phubbing als soziale (deskriptive) Norm feststellen. Doch gibt es bisher keine Studie, in der beide Aspekte vereint wurden, womit unklar ist, inwiefern Phubbing als wahrgenommene soziale Norm - und damit die einhergehenden sozialen Erwartungen an das Phubbing-Verhalten - eine bisher nicht berücksichtigte Drittvariable bei der Evaluation durch die von Phubbing gestörte f2f-Kommunikation darstellt und die bisherigen Ergebnisse beeinflusst. Ferner lassen sich bei dem Einfluss von Phubbing auf die f2f-Kommunikation bisher auch keine Rückschlüsse auf die Art des Phubbings im Sinne der vielfältigen Möglichkeiten der ко-präsenten Smartphone-Nutzung ziehen. Während es zwar Studien zu mobilen Etiketten gibt, die im Kontext von Phubbing die Angemessenheit verschiedener Smartphone-Nutzungsarten identifiziert haben, bleibt ein Vergleich aus, inwiefern sich verschiedene Nutzungsarten tatsächlich unterschiedlich stark oder schwach auf die Bewertung der betroffenen f2f- Kommunikation auswirken. Angesichts der Nutzungsvielfalt von Smartphones muss Phubbing in seinen Erscheinungsformen differenziert werden. Aus diesen Forschungslücken haben sich schließlich die bereits erwähnten Forschungsfragen abgeleitet: 1) Inwiefern beeinflussen soziale Erwartungen hinsichtlich der ко-präsenten Smartphone-Nutzung die Bewertung eines Gesprächs und des Gegenübers?, 2) Inwiefern beeinflusst die Art und Weise der ko-präsenten Smartphone-Nutzung die Bewertung eines Gesprächs und des Gegenübers?

Da die Studie von Vanden Abeele et al. (2016) eine sehr gute Grund- und Ausgangslage für die Untersuchung dieser Zusammenhänge darstellt und sich somit als sehr anschlussfähig erweist, stützt sich diese Arbeit in der empirischen Untersuchung auf deren Variablen­konstrukte sowie zum Teil an deren methodisches Vorgehen (siehe Kapitel 3.1). Damit wird diese Studie im Rahmen dieser Arbeit zu einem gewissen Grad repliziert.

2.4 Herleitung der Hypothesen

Als Erklärung für die negativen Effekte von Phubbing auf die f2f-Kommunikation beziehen sich auch Vanden Abeele et al. (2016) auf die Expectancy Violádon Theory (EVT) (Burgoon, 1993). Deren Argumentation ist, dass Phubbing ein Verstoß vor allem gegen jene Interaktionsnormen darstellt, die während einer f2f-Kommunikation ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit und Höflichkeit voraussetzen. Phubbing als nonverbales Verhalten signalisiert dem Konversations­partner eine geteilte Aufmerksamkeit und somit eine ״abwesende Anwesenheit" (absent presence, siehe Gergen, 2002) während dem Gespräch, beispielsweise durch eine unvermeidliche Unterbrechung des Augenkontakts. Dies wird abhängig von den Erwartungen als mehr oder weniger unhöflich aufgefasst (vgl. Park, 2008, s. 2055). Phubbing verkörpert im Kontext dieser Studie demnach ein ausschließlich negatives Verhalten, das deren theoretischen Herleitung nach keinen positiven Verstoß und im Vergleich ergo keinen (zumindest) positiveren Ausgang der f2f-Kommunikation zulässt. Dies könnte sich ändern, wenn Phubbing ein normatives Verhalten (im deskriptiven Sinne) darstellt und die damit einhergehende Aufmerksamkeitsdivision als Teil von sozialen Interaktionen erwartet wird; wenn einer f2f- Gesprächsunterbrechung durch Smartphones also wesentlich toleranter gegenübergestanden wird, wie das vor allem bei jüngeren Altersgruppen zu beobachten ist (Gonzales & Wu, 2016; Rainie & Zickuhr, 2015, s. 7). Ist dies der Fall, würde sich eine ко-präsente Smartphone-Nutzung während einer f2f-Kommunikation weniger negativ auf deren Ausgang auswirken, da der Effekt durch die normative Wahrnehmung von Phubbing moderiert werden würde. Laut EVT würde es sich im Vergleich zu einem negativen Verstoß von Erwartungen hierbei um eine bestätigte Erwartung handeln, wenn auch bezogen auf die Bestätigung eines stets unerwünschten Verhaltens. Aufgrund der Inkongruenz der mit den Phubbing zusammenhängenden sozialen Erwartungen existieren gleichzeitig normative Erwartungen (basierend auf den präskriptiven Normen), die aufgrund der überwiegend wahrgenommenen Unangemessenheit von Phubbing in sozialen Settings (Rainie & Zickuhr, 2015, s. 3) stets für die Abwesenheit solcher mobilen Geräte plädieren sowie empirische Erwartungen (basierend auf den deskriptiven Normen), die deren Ko-präsenz dennoch Voraussagen. So bezieht sich die Bestätigung der Erwartungen in diesem Szenario folglich auf die deskriptive ״Normativität" von Phubbing, die negativen Effekte resultieren hingegen aus dem Verstoß gegen die normativen Erwartungen, der in den meisten Fällen existiert, da Phubbing in den meisten Fällen als unerwünschtes Verhalten angesehen wird. Wenn auch nicht gänzlich positiv, wäre der Ausgang im Vergleich zum vorherigen Szenario zumindest ״weniger negativ".

Wird Phubbing als soziale Norm wahrgenommen, doch kommt es während einer f2f- Kommunikation zu keiner ко-präsenten Smartphone-Nutzung, wäre dies ein Fall eines positiven Verstoßes: das Verhalten wäre besser als das erwartete. Ferner wäre der Gesamtausgang hier im Vergleich zu einer bestätigten Erwartung, wenn Phubbing keine Norm darstellt, positiver. Unabhängig davon, wie stark Phubbing als soziale Norm wahrgenommen wird, geht die Abwesenheit von mobilen Geräten während eines Gesprächs im Vergleich zu deren Ko-Präsenz immer mit der besten (oder besseren) Bewertung des Gesprächs und die des Gegenübers einher. Dies lässt sich aus dem Forschungsstand und dem Fakt, dass Phubbing ein unerwünschtes Verhalten darstellt, ableiten. Aus diesen vier möglichen Bewertungen der ko- präsenten Smartphone-Nutzung, die in Abbildung 1 zusammenfassend visualisiert wurden, ergibt sich folgende Flypothese:

Hl Je stärker Phubbing als soziale Norm wahrgenommen wird, desto positiver die Bewertung der a) Aufmerksamkeit, b) Höflichkeit, c) Gesprächsqualität. Dabei ist die Bewertung am positivsten, wenn Phubbing als soziale Norm nicht praktiziert wird und am negativsten, wenn Phubbing praktiziert wird, ohne eine soziale Norm darzustellen.

Phubbing = Soziale Norm

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Erwarteter linearer Trend der Bewertung

Schaut man sich Umfragen zur Nutzungsintensität verschiedener Smartphone-Funktionen an (Bitkom, 2017, s. 5; Rainie & Zickuhr, 2015, s. 4; Statista Survey, 2017) wird ersichtlich, dass das Smartphone auf unterschiedlichste Art und Weise während einer sozialen Interaktion genutzt werden kann und wird. Eine differenzierte Untersuchung dieser Vielfalt an Nutzungsaktivitäten findet vor allem in den Studien zur Angemessenheit verschiedener Nutzungsarten innerhalb verschiedener sozialer Kontexte Anwendung: So unterscheiden Forgays et al. (2014) zwischen Text-Nachrichten-Schreiben und Telefonnieren. Moser, Schoenebeck und Reinecke (2016) schließen darüberhinaus die Nutzung von Social Media sowie das Internet (beschrieben als ״online gehen") mit ein. Diese verschiedenen Nutzungsaktivitäten können allerdings mit einer Reihe an verschiedenen nonverbalen Verhaltensweisen einhergehen (vgl. Nakamura, 2014), die wiederum verschiedene Bedeutungen transportieren (Vanden Abeele et al., 2016, s. 568). Im Rahmen der EVT hätte das verschiedene Auswirkungen auf den Interpretations-Bewertungs-Prozess dieser Verhaltens­weisen. Folglich werden verschiedene Nutzungsarten unterschiedlich bewertet, sollten sie in ihrer Wahrnehmung tatsächlich einen Unterschied machen. Generell lässt sich die Nutzungsvielfalt von Smartphones in zwei verschiedene Kategorien unterteilen: soziale Aktivitäten und nicht-soziale Aktivitäten. Erstere umfasst dabei jegliche Formen der Online­Kommunikation, die in irgendeiner Weise eine soziale Interaktion mit dem eigenen sozialen Netzwerk ermöglichen. Hierzu zählen neben dem klassischen Telefonieren3 vor allem der Austausch von persönlichen Nachrichten durch Instant-Messaging-Diensten (IM) sowie die Nutzung von Social Networking Sites (SNS), die beide primär zur Interaktion mit bekannten Menschen genutzt werden und allgemein zu den meistgenutzten Applikationen für mobile Geräte gehören (Kepios, 2018; Dogtiev, 2016). Nicht-soziale Aktivitäten hingegen schließen eine Online-Kommunikation mit dem sozialen Netzwerk aus. Hierzu zählt im Wesentlichen die Auseinandersetzung mit (nicht-sozialen) Informationen, sei es Z.B. durch das Lesen von Nachrichtenbeiträgen {News) oder der allgemeinen Informationssuche im World Wide Web.

Findet Phubbing nun in Form einer Interaktion mit dem sozialen Netzwerk statt, könnte dies ein Szenario darstellen, in welchem sich die Zielperson (jene, die ״gephubbt" wird) von seinem Gegenüber nicht nur kognitiv ignoriert, sondern auch sozial ausgegrenzt fühlt. Dies wiederum geht mit einer Bedrohung grundlegender menschlicher Bedürfnissen einher, wie Z.B. dem Zugehörigkeitsbedürfnis oder dem Selbstwertgefühl (Williams, 2007, 2009). So schließt diese Art der ко-präsenten Smartphone-Nutzung weit mehr ein als nur eine geteilte Aufmerksamkeit, die den natürlichen Fluß der Offline-Kommunikation behindert (vgl. Sacks, Schegloff, & Jefferson, 1974). Sie verstößt gegen eine Reihe an weiteren Normen, die ein gewisses Maß an Höflichkeit und Respekt einfordern (vgl. Robinson, O'Reilly & Wang, 2013; Ferris, Chen & Lim, 2017, s. 317) und den negativen Effekt auf die f2f-Kommunikation verstärken könnte. Daraus lässt sich Folgendes annehmen:

H2 Eine soziale Smartphone-Nutzung des Gesprächspartners wirkt sich negativer auf die Wahrnehmung seiner a) Höflichkeit und b) die Gesprächsqualität aus, als eine nicht­soziale Smartphone-Nutzung. Zudem ist die Bewertung am positivsten, wenn keine Smartphone-Nutzung stattgefunden hat.

Hinsichtlich der in diesem Kontext wahrgenommenen Aufmerksamkeit des Gegenübers, bleibt allerdings fraglich, welche genauen Unterschiede sich hierbei herausbilden. Den theoretischen Ansätzen des Multitaskings und der Aufmerksamkeitsdivision nach, ist der Ausgang der kognitiven Informationsverarbeitung abhängig von der eignen kognitiven Gesamtkapazität sowie dem kognitiven Anspruch der jeweils zu verrichtenden Tätigkeiten. Aufgrund identischer kognitiver Ressourcen, die sowohl in der Online- als auch Offline- Kommunikation benötigt werden, stellt die Online-Kommunikation in Form der Verarbeitung und/oder dem Verfassen von Text-Nachrichten eine kognitív relativ hoch anspruchsvolle Aufgabe dar. Da das zeitliche hin und her Wechseln (Task Switching) zwischen diesen Tätigkeiten dadurch verlangsamt wird, wird die wahrgenommene Aufmerksamkeit geringer eingeschätzt. Ebenfalls kann aber auch die nicht-soziale Aktivität kognitiv stark beanspruchend sein. So bedarf die Verarbeitung komplexerer Medientexte ebenso eine hohe kognitive Beteiligung. Auf der anderen Seite kann das Scrollen durch Social-Media-Feeds im Vergleich zur textbasierten Online-Kommunikation eine kognitiv weniger anspruchsvollere Tätigkeit darstellen, doch zählen beide zu den sozialen Aktivitäten. Gleiches gilt für die nicht-sozialen Aktivitäten. Aus dieser Ambivalenz der zu bewerteten Tätigkeiten, stellt sich folgende Frage:

RQ1 Inwiefern wirkt sich eine soziale Smartphone-Nutzung im Vergleich zu einer nicht-sozialen Smartphone-Nutzung des Gesprächspartners auf dessen wahrgenommene Aufmerk­samkeit aus?

Bei der Differenzierung der sozialen Smartphone-Aktivitäten durch die Nutzung von IM­Diensten und SNS, als die gängigsten Anwendungen, wenn es um die mobile Online­Kommunikation geht, kann ebenfalls keine klare Vorhersage darüber getroffen werden, inwieweit diese Aktivitäten jeweils die Bewertung des Gesprächs und des Gegenübers beeinflussen. In der Studie zur Angemessenheit der Smartphone-Nutzung während eines gemeinsamen Essens (Moser et al., 2016) wurde der Nutzung von SNS oder dem ״Online- gehen" im Vergleich zur textbasierten Nutzung weniger tolerant gegenübergestanden. Als Erklärung wurde die eingeschätzte Bedeutsamkeit verschiedener Nutzungsarten hinzugezogen, womit erstere als tendenziell unbedeutend erscheinen, da sie als Vergnügen empfunden werden. Angesichts der genannten Effekte durch die soziale Ausgrenzung, ließe sich aber auch eine entgegengesetzte Wirkung annehmen. So könnte das Gefühl der sozialen Ausgrenzung stärker ausgeprägt sein, wenn das Gegenüber mit Personen interagiert, mit denen er eine engere Beziehung hat. Während nun sowohl beim IM als auch auf SNS sowohl mit engen (strong ties) als auch schwächeren Beziehungen (weak ties) kommuniziert werden kann, lässt sich IM dennoch eher mit engeren, SNS hingegen mit weniger engen Beziehungen assoziieren: Donath und Boyd (2004) nehmen an, dass durch SNS die Anzahl von schwachen Beziehungen, die sich bilden und unkompliziert aufrechterhalten werden können, im Vergleich zu engen Beziehungen stark zunehmen (s. 80); SNS dienen eher dazu, sich über die sozialen Aktivitäten des gesamten Netzwerks zu informieren, während es IM ermöglicht, sich in viel intimere Gespräche mit einzelnen Individuen zu verwickeln und intimerer Beziehungen aufrecht- zuerhalten (Quan-Haase & Young, 2010). Die Wahrscheinlichkeit ist demnach hoch, dass jemand mit engeren Beziehungen interagiert, wenn er eine textbasierte Online-Kommunikation führt und dies folglich auch von demjenigen angenommen wird, der ihn dabei beobachtet. Da nun keine eindeutige Aussage getroffen werden kann, welche der genannten Mechanismen tatsächlich in Kraft tritt, wird der Sachverhalt in dieser Arbeit durch folgende Frage näher untersucht:

RQ2 Inwiefern wirkt sich eine textbasierte Smartphone-Nutzung im Vergleich zu einer mobilen SNS-Nutzung des Gesprächspartners auf dessen wahrgenommene a) Aufmerksamkeit, b) Höflichkeit und c) Gesprächsqualität aus?

Unabhängig von der genauen Nutzungsart des Smartphones unterscheiden Vanden Abeele et al. (2016) ferner zwischen einer proaktiven und reaktiven Smartphone-Nutzung; sprich, der Weise, wie die Nutzung des Smartphones durch den Übertreter initiiert wird. Diesen Aspekt identifizieren sie als Kontext-Merkmal, das als Teil von sozialen Interaktionsnormen eine wichtige Rolle bei der Bewertung eines Verhaltens, bzw. der Übertretung einer Erwartung spielt (Burgoon, 1993). Die Forscher argumentieren, dass eine reaktive Nutzung aufgrund einer eingehenden Benachrichtigung mit einer sozialen Verpflichtung einhergeht, demjenigen zu antworten, der sich in dem Moment meldet. Wenn auch stets ein Verstoß von Erwartungen, ist dieser im Vergleich zu einer proaktiven Nutzung weniger stark und führt zu einer besseren Bewertung des Gegenübers hinsichtlich seiner Aufmerksamkeit und Höflichkeit. Da derselbe Effekt allerdings auch bei der Bewertung des Gesprächs zu erwarten ist, was in der Studie von Vanden Abeele et al. (2016) aber nicht berücksichtigt wurde, wird die Ursprungshypothese dieser Studie um den Aspekt der wahrgenommenen Gesprächsqualität erweitert:

H3 Eine proaktive Smartphone-Nutzung wirkt sich negativer auf die a) Aufmerksamkeit, b) Höflichkeit, c) Gesprächsqualität aus, als wenn sie reaktiv erfolgt. Zudem ist die Bewertung am positivsten, wenn keine Smartphone-Nutzung stattgefunden hat.

Eine letzte Hypothese ergibt sich aus der Kombination der Art der Smartphone-Nutzung aus Hypothese H2 mit dem Kontext (bzw. Weise) dieser Nutzung aus Hypothese H3 und ist in Abbildung 2 visualisiert:

H4 Eine proaktive, soziale Smartphone-Nutzung wirkt sich negativer auf die a) Aufmerksamkeit, b) Höflichkeit, c) Gesprächsqualität aus, als eine reaktive, soziale Smartphone-Nutzung, gefolgt von einer proaktiven, nicht-sozialen Smartphone-Nutzung und einer reaktiven, nicht-sozialen Smartphone-Nutzung. Zudem ist die Bewertung am positivsten, wenn keine Smartphone-Nutzung stattgefunden hat.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Pfadmodell des Einflusses von Phubbing auf die f2f-Kommunikation

Während die erste Hypothese (Hl) zur Beantwortung der ersten Forschungsfrage hinzugezogen wird, beziehen sich die restlichen Hypothesen (H2, H3, H4) und RQs (RQ1, RQ2) auf die zweite Forschungsfrage. Im nachfolgenden Abschnitt wird nun das methodische Vorgehen dieser Arbeit erläutert.

3. Methodisches Vorgehen

3.1 Untersuchungsdesign und Ablauf

ln diesem Kapitel wird das methodische Vorgehen der empirischen Untersuchung dieser Arbeit vorgestellt. Als Rahmen hierfür diente ein experimentelles Untersuchungsdesign, da in den Fragestellungen von verschiedenen Kausalzusammenhängen ausgegangen wurde, die überprüft werden mussten. Aufgrund der bereits erwähnten hohen Anschlussfähigkeit der Studie von Vanden Abeele et al. (2016), wurde sowohl deren Variablenkonstrukte als auch deren methodisches Vorgehen als Vorlage für die empirische Untersuchung in dieser Arbeit verwendet. Der Ablauf des Versuchsaufbaus beider Teilstudien, der im Forschungsstand bereits grob ausgeführt wurde, soll im folgenden Abschnitt nochmal im weiteren Detail rekonstruiert und hinsichtlich der eigenen Erweiterung erörtert werden. Auf dieser Grundlage erfolgt dann die eigene, auf das spezielle Forschungsinteresse dieser Arbeit angepasste Vorgehen.

[...]


1 Aus Gründen der einfachen Lesbarkeit wird innerhalb dieser Arbeit ausschließlich die männliche Form benutzt. Dabei sind Personen weiblichen wie männlichen Geschlechts gleichermaßen eingeschlossen.

2 Diese wurden in einem weiteren theoretischen Modell, der Threaded Cognition Theory (Salvucci & Taatgen, 2008), Integriert, um zusammenfassend zu erklären, wann und wie die simultane und sequenzielle Informationsverarbeitung während dem Multitasking stattfindet, was im Rahmen dieser Arbeit aber nicht weiter erläutert wird.

3 Die Nutzung der Telefon-Funktion wird im Rahmen dieser Arbeit nicht berücksichtigt, da sich die Zuwendung zu einem Telefon-Gespräch während eines f2f-Gesprächs im Vergleich zu den anderen Nutzungsarten nicht subtil ereignen kann und beinahe die komplette Aufmerksamkeit beansprucht; sie setzt eine tendenziell vollständige Abwendung von der simultanen f2f-Kommumkation voraus und stellt demnach kein klassisches Phubblng-Verhalten dar. Darüberhlnaus findet die Telefon-Funktion heute Im Vergleich zur textbasierten Kommunikation weniger Anwendung, was vor allem bei jüngeren Altersgruppen der Fall Ist (Open Market, 2017).

Details

Seiten
102
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668748705
ISBN (Buch)
9783668748712
Dateigröße
8.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v432512
Institution / Hochschule
Universität Mannheim – Medien- und Kommunikationswissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Phubbing f2f-Kommunikation geteilte Aufmerksamkeit Multitasking Smartphone Soziale Interaktion Kommunikation Soziale Normen Erwartungen EVT Expectancy Violation Theory

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Titel: Die normgerechte Gesprächsunterbrechung