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Der Einfluss von Familie als erste Bildungs- und Sozialisationsinstanz auf den späteren Lebensverlauf einer Person

Vergleich des familiären und staatlichen Einflusses unter dem Aspekt "Bildung" und Betrachtung der nationalen, sowie internationalen Situation

Hausarbeit 2015 21 Seiten

Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Relevante Betrachtungsgegenstände - Definition
2.1 Begriff der „Sozialen Ungleichheit“
2.2 Klassenbegriff
2.3 Familienbegriff
2.4 Staatsbegriff

3 Vergleich des familiären und staatlichen Einflusses
3.1 Familie
- Familiäre, soziale Schichtzugehörigkeit- primärer Prägungseffekt
- Familiäres Umfeld - sekundärer Prägungseffekt
3.2 Einfluss des Staates auf den Lebensverlauf, Aspekt der schulischen Bildung
- Einfluss des Staates auf die Bildungsmöglichkeiten
- Momentane Bildungsungleichheiten in Deutschland
- Momentane internationale Bildungssituation

4 Zusammenfassung

Lektüre

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Effekte der Herkunft auf Kompetenzen - Unterschiedliche Lesekompetenzen 15-Jähriger von verschiedener sozialer Herkunft (S. 7)

Abb. 2: Einfluss der Sozialen Herkunft auf Bildung - Studienanfängerquoten nach dem Beruf des Vaters, in Westdeutschland, 1969 bis 2000 (S. 9)

Abb. 3: Wahrscheinlichkeit der Nutzung atypischer Bildungswege nach verschiedenen Merkmalen. (S. 11)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Die Platzierung einer Person in der Gesellschaft wird wesentlich durch den Erwerb von Bildung und darauf aufsetzend die Wahl des Berufs, beeinflusst. Nationale, staatlich Institutionelle Gegebenheiten, aber auch eine familiäre Prägung beeinflussen den individuellen Zugang und die Motivation zu Bildung. Die Arbeit hinterfragt besonders den Einfluss der sozialen Herkunft auf den weiteren Lebensverlauf und beleuchtet dabei sowohl die nationale, wie auch die internationale Situation.

Hauptsächliche Aufmerksamkeit gilt hierbei dem Bildungsweg einer Person, da dieser noch stärker als der Berufsweg durch Familie und Staat beeinflusst wird und die Grundlage für den späteren Lebensverlauf legt. Die Analyse des Lebensverlaufs konzentriert sich demnach hauptsächlich auf den Zeitraum von Lebensbeginn an, bis hin zum erworbenen Bildungsabschluss. Betrachtet man den Aspekt „Familie“ im Rahmen der internationalen Lebensverlaufsforschung, so spielt die „Soziale Mobilität“ im Zeitalter der Bildungsexpansion ebenso eine zentrale Rolle (Goldthorpe:1980)

Leitfragen im Rahmen der Bearbeitung des Themas war daher, ob die spätere soziale Schichtzugehörigkeit, welche sich anhand von Bildung, Beruf und Besitzgut zeigt, heute - nach der Bildungsexpansion - unabhängig von familiären Einflüssen wirklich individuell wähl- und wechselbar ist, wie so häufig behauptet wird. Oder ob frühere Lebensphasen und die Herkunftsfamilie einer Person mehr Einfluss auf den späteren Lebensverlauf und künftige Entscheidungen, haben als staatliche Einrichtungen und Institutionen.

In der Auseinandersetzung mit den aufgeworfenen Fragestellungen wurden einschlägige Untersuchungen bemüht. („Die Konstruktion des Klassenschemas nach (EGP) am Beispiel nationaler Datenquellen aus Deutschland, Großbritannien und Frankreich“1, „PISA 2000: Die Studie im Überblick. Grundlagen, Methoden und Ergebnisse.“2, „Jenseits des Klassen- zimmers. Der Einfluss der Familie auf Intelligenz, Motivation, Emotion und Leistung im Kontext der Schule“3 ) Diese stellen die einfachste Möglichkeit dar eine Sozialstruktur zu untersuchen.

Brauns, Hildegardamp; Steinmann, Susanne amp; Haun, Dietmar (2000): Die Konstruktion des Klassenschemas nach Erikson, Goldthorpe und Portocarero (EGP) am Beispiel nationaler Datenquellen aus Deutschland, Großbritannien und Frankreich, In: ZUMA-Nachrichten 46, Jg. 24

Unter einem Lebensverlauf versteht man die Folge von Tätigkeiten und Geschehnissen in

verschiedenen Milieus bzw. unter verschiedenen Lebensbedingungen im Lauf des Lebens. Am Wandel von Lebensläufen kann dementsprechend der historische Wandel einer ganzen Bevölkerung dargestellt werden. Des Weiteren machen sie die Einflüsse früherer Lebensereignisse auf ein Individuum sichtbar.

Die Analyse der Lebensverläufe erfolgt im Rahmen der Arbeit anhand struktureller Merk- male.

1) Vorgeschichte amp; Grundeinstellung

Die Vorgeschichte hat Auswirkungen auf die aktuelle und künftige Situation eines Menschen und beeinflusst dessen Optionsspektrum. (Gottfried: 2001)

2) Familie

Anhand verschiedener Erziehungsstile und deren Auswirkungen auf die Entwicklung eines Kindes übt dessen Familie Einfluss auf dessen Grundausbildung, und -Einstellung aus.

3) Staat

Auch nationale Institutionen, wie Arbeitsmarkt-, Bildungs- und Wohlfahrtssystem haben großen Einfluss auf soziale Ungleichheiten. Da unterschiedliche Lebensbereiche stets voneinander abhängig sind beeinflussen vor allem die ersten Bildungsmöglichkeiten einer Person den weiteren Verlauf des Lebens drastisch. Daher soll diese bedeutungsvolle Bildungsphase und die internationale Situation der Bildungsungleichheiten im weiteren Verlauf der Arbeit betrachtet werden. Der internationale Vergleich soll dazu dienen, zu zeigen wie unabhängig die familiäre Prägung von unterschiedlichen, nationalen Gegebenheiten und Institutionen ist.

2 Relevante Betrachtungsgegenstände - Definition

Im Wechselspiel zwischen familiären und staatlichen Einflüssen entsteht individuelle Prä- gung. Soziale Mobilitäten und spätere Klassenzugehörigkeit einerseits oder aber Soziale Ungerechtigkeit andererseits entwickelt sich in dem so aufgespannten Prägungsrahmen Auf die relevanten Begriffsdefinitionen soll in diesem Sinne im folgenden grundsätzlich eingegangen werden.

2.1 Begriff der „Sozialen Ungleichheit“

„In der wissenschaftlichen Auseinandersetzung zum Thema „Soziale Ungleichheit“ kommt dem Aspekt der „sozialen Zuweisung“ eine zentrale Bedeutung bei. Dabei wird immer wieder die Frage aufgeworfen, inwieweit eine ursprüngliche soziale Schichtzugehörigkeit den späteren Zugang zu Bildung und anderen gesellschaftlich wichtigen Ressourcen de- terminieren und so die spätere soziale Plastzierung maßgeblich beeinflusst (sog. „soziale Ungleichheit“, oder ob Wechsel in der Sozialstruktur frei und selbstbestimmt möglich sind.) Dabei lässt sich der Begriff der „sozialen Ungleichheit“ wie folgt strukturieren und dient in dieser Differenzierung in der Folge als Orientierung:

1) Chancenungleichheit

Die sog. „Chancenungleichheit“ zeigt sich durch ungleiche Chancen beim Zugang zu bestimmten Positionen

2) Ergebnisungleichheit

„Ergebnisungleichheit“, beleuchtet Vor- und Nachteile die sich aus dem ungleichen Besitz bestimmter Güter ergeben.4

2.2 Klassenbegriff

„Der aktuelle Diskurs zum Thema der „Soziale Ungerechtigkeit“ bedient sich weniger dem Bereich früherer Klassentheorien wie beispielsweise der von Karl Marx oder Max Weber, sondern orientiert sich eher am sog. „EPG Klassenschema“.5 Dieses beschreibt die soziale Platzierung eines Individuums „entlang der beiden Dimensionen „Besitztum“ und „Er- werbsarbeit“. Das EGP Schema fasst die Gesellschaft nach Berufen zusammen, in denen die Lebenschancen der Individuen und ihren Familien miteinander vergleichbar sind. Au- ßerdem steht die Reproduktion von Ungleichheiten durch soziale Beziehungen mehr im Vordergrund als Früher.6 Im Folgenden sollen Klassen auch nach diesen beiden Ansätzen- Besitzgut und Position- verglichen werden.

2.3 Familienbegriff

Bei „Familie“ handelt es sich immer um eine Gemeinschaft mit großem Einfluss auf Auf- wachsen, Erziehung, Bildung und Wertewelt einer Person.7 Als sog. „moving-target“ ist Familie „ein Gegenstand, der sich mit dem sozialhistorischen und kulturellen Kontext wandelt.“ 8

Da die Familie die erste , ursprüngliche Form des menschlichen Zusammenlebens ist, sie macht einen Großteil der erlebbaren Wirklichkeit (Lebenswelt) des Kindes aus, kommt ihr in den ersten Lebensjahren eines Menschen auch ein wichtiger Teil der Verantwortung zu, dem ihr anvertrauten Menschen die besten Entfaltungsmöglichkeiten zu bieten. Grundgesetz Artikel 6 beschreibt die Familien Aufgabe so: „ Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst obliegende Pflicht “

Die Vorstellung vom idealen Großwerden eines Kindes hat sich stark gewandelt.9 Als erste Sozialisationsinstanz lehrt die Familie das Kind, bestimmte Rollen anzunehmen, die mit bestimmten Erwartungen gekoppelt sind, die für das Funktionieren des jeweiligen sozialen Systems notwendig sind (Sozialisation).

Somit vollzieht sich die zweite Prägung durch Familie auf die Einstellung des Kindes zu Schule, Beruf, Freizeitgestaltung und Bildung, welche eine große Wirkung auf das außerfamiliäre Handeln eines Kindes ausübt.

Da also ein Zusammenhang zwischen Erziehung und späterer Entwicklung besteht, steigen die Ansprüche an die Elternschaft stetig.

Die Gestaltung des Tagesablaufs, gewisse Gewohnheiten oder auch Interaktionen zwischen den Familienmitgliedern, sind demnach bereits alltägliche Elemente der fundamentalen Prägung.

2.4 Staatsbegriff

Der Staat ist ein Zusammenschluss sesshafter Bevölkerung (Staatsvolk) innerhalb eines

bestimmten Gebietes (durch Grenzen festgelegt) unter einer souveränen Gewalt (Staatsge- walt). Dabei ist die Staatsgewalt eine souveräne Organisation zur Verwirklichung der rechtsstaatlichen Ordnung, die das Zusammenleben des Volkes regelt (u. a. Grundgesetz) und schützt (vgl. Bertelsmann: 1991). Artikel 6 des Grundgesetzes proklamiert in der Wechselwirkung zwischen Staat und Familie: „Ehe und Familie stehen unter dem besonde- ren Schutz der staatlichen Ordnung. (...) Über ihre Tätigkeit wacht die staatliche Gemein- schaft.“

3 Vergleich des familiären und staatlichen Einflusses

Die Sozialschicht der Eltern übt den „primären Effekt“ auf spätere Kompetenzen und schulische Leistungen eines Kindes aus. Das familiäre Umfeld, den „sekundären Effekt“. Dieses beeinflusst beispielsweise die Ausbildungswahl eines Kindes.10

3.1 Familie

- Familiäre, soziale Schichtzugehörigkeit- primärer Prägungseffekt

Im Rahmen der Erziehung entwickeln sich bestimmte Werte und die Basis für die spätere Leistungsfähigkeit wird gelegt. Die „Herkunftsfamilie“ bedingt den kulturellen Rahmen einer Person und determiniert die zukünftige Lebensplanung. Dies unter dem Einfluss der Eingliederung der Herkunftsfamilie in eine bestimmte soziale Klasse.11 Folgende Grafik illustiert den Effekt sozialer Herkunft auf die ersten Kompetenzen eines Kindes, anhand der Lesekompetenzen von 15-Jährigen aus unterschiedlichen sozialen Schichten. . Deutschland fällt dabei durch die deutlichsten Effekte im internationalen Ver- gleich auf.

[...]


1 Brauns, Hildegard Steinmann, Susanne Haun, Dietmar (2000): Die Konstruktion des Klassenschemas nach Erikson, Goldthorpe und Portocarero (EGP) am Beispiel nationaler Datenquellen aus Deutschland, Großbritannien und Frankreich, In: ZUMA-Nachrichten 46, Jg. 24

2 Stanat, Petra, et al. (2002): PISA 2000: Die Studie im Überblick. Grundlagen, Methoden und Ergebnisse. Berlin: Max-Planck-Institut für Bildungsforschung.

3 Zimmermann, Peter amp; Spangler, Gottfried (2001): Jenseits des Klassenzimmers. Der Einfluss der Familie auf Intelligenz, Motivation, Emotion und Leistung im Kontext der Schule, In: Zeitschrift für Pädagogik 47/4, S. 461-479

4 Vgl.: Solga, Heike amp;Powell, Justin amp; Berger, Peter A. (2009): Soziale Ungleichheit: Klassische Texte zur Sozialstrukturanalyse (Campus Reader), Frankfurt/ New York: Campus Verlag (S.21- 22)

5 Vgl.: Brauns, Hildegardamp; Steinmann, Susanne amp; Haun, Dietmar (2000): Die Konstruktion des Klassen- schemas nach Erikson, Goldthorpe und Portocarero (EGP) am Beispiel nationaler Datenquellen aus Deutschland, Großbritannien und Frankreich, In: ZUMA-Nachrichten 46, Jg. 24, S. 10

6 Vgl.: Brauns, Hildegardamp; Steinmann, Susanne amp; Haun, Dietmar (2000): Die Konstruktion des Klassen- schemas nach Erikson, Goldthorpe und Portocarero (EGP) am Beispiel nationaler Datenquellen aus Deutschland, Großbritannien und Frankreich, In: ZUMA-Nachrichten 46, Jg. 24, S. 10

7 Vgl.: Prof. Dr. Renate, Nestvogel: Studienbereich C - Sozialisation in der Familie“. Universität Duisburg Essen; https://www.uni- due.de/imperia/md/content/nestvogel/05_agip_sozialisation_in_der_familie__dez._08_.pdf 27. Februar 2015- 02-18

8 Konietzka Dirk amp; Kreyenfeld Michaela, 2012: Familie und Lebensformen. In: Steffen Mau, Nadine Schöneck (Hg.): Handwörterbuch zur Gesellschaft Deutschlands, Band 1. Wiesbaden: Springer (VS: 257-271) S. 257, Z. 14- 15 und S. 257, Z. 1-2

9 Vgl.: Konietzka Dirk amp;Kreyenfeld Michaela, 2012: Familie und Lebensformen. In: Steffen Mau, Nadine Schöneck (Hg.): Handwörterbuch zur Gesellschaft Deutschlands, Band 1. Wiesbaden: Springer (VS: 257- 271) S. 257, Z. 14- 15 und S. 260, Z.22ff

10 Vgl. Boudon, Raymond (1974): Education, Opportunity and Social Inequality: Changing Prospects in Western Society. Canada: John Wiley amp; Sons, S. 29f

11 Vgl.: Burkart, Günter (2008): Familiensoziologie. - Struktur und Funktion der modernen Familie. Konstanz: Universitätsverlag / UVK Verlagsgesellschaft ,UTB (s. 152-153)

Details

Seiten
21
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668740242
ISBN (Buch)
9783668740259
Dateigröße
620 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v431650
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
1,7
Schlagworte
Lebensverlauf Familie Sozialisationsinstanz Bildungsinstanz Bildung international national Klassenschema EGP PISA Pisa-Studie

Autor

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