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Unterrichtsstunde zum Thema Cybermobbing (Fach: Englisch). Amanda Todd. A drastic example of cyberbullying

Unterrichtsentwurf 2015 10 Seiten

Englisch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

1. Unterrichtskontext

1.1. Informationen zur Lerngruppe

Seit Februar 2015 unterrichte ich die 9a, bestehend aus 28 Mädchen und Jungen, im Rahmen meines bedarfsdeckenden Unterrichts. Mit den Schülerinnen und Schülern1 macht das Arbeiten viel Freude, da die Lernbereitschaft gut ist. Die Su S folgen dem Unterrichtsgeschehen interessiert, beteiligen sich eifrig, sind lebhaft und aufgeschlossen und geben auch oft ihre Hausaufgaben freiwillig zum Korrigieren ab. Bei geöffneten Unterrichtsformen fällt es einigen manchmal schwer, konzentriert zu bleiben, sodass Unruhe entstehen kann. Die Ergebnisse, die sie bei der Projektarbeit We Love Big Cities auf Plakaten erarbeitet und präsentiert haben, sind besonders lobenswert hervorzuheben und zieren seitdem die Wand der Klasse.

Direkt zu Beginn des 2. Schulhalbjahres und meines bedarfsdeckenden Unterrichts habe ich den 3-Minute-Talk als Ritual eingeführt. Zum einen, weil es ein Wunsch der Su S war, mehr Sprechanlässe zu schaffen und zum anderen, da am 02.06.2015 die Mündlichen Prüfungen für die Jahrgangsstufe 9 stattfinden und dies eine sehr gute Vorbereitung ist, das selbstständige und freie Sprechen zu trainieren und verinnerlichen. Die Su S dürfen sich ihr Thema selbst aussuchen und die übrige Lerngruppe gibt danach ihr Feedback zu dem Vortrag. Aus organisatorischen Gründen fällt der 3-Minute-Talk aus.

Auch der vocabulary watchdog ist ein fester Bestandteil unseres gemeinsamen Englischunterrichts: ein kurz vorher festgelegter Su S notiert sich unbekannte bzw. neue Vokabeln. Wenn genügend Vokabeln auf der Liste gesammelt sind, bekommt die gesamte Klasse eine Kopie, lernt diese und anschließend findet eine schriftliche Überprüfung statt. Das letzte Ritual, das wir vor kurzem gemeinsam eingeführt haben, ist das „s“-Signal. Den Su S bereitet das 3. Person Singular- s teilweise noch große Schwierigkeiten. Also bekommt pro Stunde ein Schüler einen Geräusch-Button und drückt auf diesen, wenn vergessen wird, das „s“ an Verben zu hängen. Im Hinblick auf die Unterrichtsstunde am 22.04.2015 werde ich aber darauf verzichten, da das Thema eine notwendige Ernsthaftigkeit verlangt und ich hierbei das Geräusch als störend empfinde.

1.2 Einordnung in den Reihenkontext

Synoptische Skizzeüber den Verlauf der Unterrichtseinheit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das schulinterne Curriculum des Stadtgymnasiums Köln Porz sieht für die neunte Klasse die Verwendung des Lehrbuchs English G21(A5) vor, in diesem Jahr jedoch noch die „ältere“ Fassung von G9. Im Rahmen der Unterrichtseinheit Unit 4: Teen World, die im G8er Band nicht mehr vorkommt, liegt der inhaltliche Schwerpunkt auf der Behandlung von diversen Themen im Teenager Alter. Im grammatikalischen Bereich festigen die Su S das Futur. Die heutige Stunde dient vor allem der Schulung der kommunikativen und sozialen Kompetenzen, die für die Su S gerade im Hinblick auf die Mündliche Prüfung Anfang Juni von enormer Wichtigkeit ist. Die Prüfung besteht aus einer Einzelpräsentation und einer sich anschließenden Diskussion in der jeweiligen Prüfungsgruppe. Somit legt die Unterrichtseinheit den Hauptfokus auf die kommunikative Kompetenz, um optimal auf die Mündliche Prüfung vorzubereiten. Leider bietet das Lehrbuch English G21 (A5) in dieser Unit kaum Material, das sinnvoll für die anstehenden Unterrichtsziele eingesetzt werden kann. Gemäß des Kernlehrplans, sollten die Texte „jugendgemäß, problemorientiert“ und auch Themen „in komplexeren gesellschaftlichen Zusammenhängen2 “ behandeln.

Aus diesem Grund hatte ich mich dazu entschlossen, die Su S selbst Vorschläge zu dem Themenkomplex zusammentragen zu lassen, die sich glücklicherweise mit meinen Ideen deckten: social media, relationships/friendships, family conflicts, teenagers in trouble (drugs, binge drinking, pregnancy), volunteer work, coming of age/emotions und teens‘interests and free time activities sind somit Schwerpunkte der Unterrichtseinheit Teen World.

2. Zielsetzung der Stunde Ziel der Stunde:

In Kleingruppen werden zentrale Aspekte des menschlichen Miteinanders, wie Verantwortungsgefühl und Empathiefähigkeit, am Beispiel des Cybermobbings erörtert. Die Su S werden dabei für Gefahren der sozialen Medien sensibler gemacht und teilen ihre Erfahrungen diesbezüglich miteinander.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Erläuterungen zu didaktisch-methodischen Entscheidungen

Die Su S der 9a gehören zu der Generation der Sozialen Netzwerke, sind mit Smartphones, Tablets und Konsolen groß geworden. Heutzutage gibt es für fast alles Apps und man kann immer und überall mit einem Klick online sein. Soziale Netzwerke machen aber nicht nur Spaß und sind ein schöner Zeitvertreib, sondern gerade im Umgang mit Plattformen wie facebook oder instagram können auch Gefahren lauern. Dies wird ebenfalls in dieser Reihe thematisiert und speziell in der heutigen Stunde werden die Auswirkungen an einem Extrembeispiel, aber sicherlich keinem Einzelfall vor Augen geführt. Den Su S sind die Dimensionen bewusst, die das Teilen oder Verschicken privater Bilder im Netz erreichen können.

In der heutigen Stunde lernen die Su S die traurige Geschichte der Amanda Todd aus Kanada kennen. Als 12-Jährige entblößte sie in einem Chat per Webcam vor einem Fremden ihren Oberkörper und wurde von diesem Mann später mit dem gespeicherten Video erpresst. Er verbreitete und veröffentlichte ihr Bild bei facebook, weswegen sie in der Schule gemobbt wurde. Es folgten mehrere Schulwechsel, Selbstverletzungen und ein gescheiterter Suizidversuch. Mit 15 Jahren erhängte sich Amanda. Einige Wochen vor ihrem Tod veröffentlichte sie bei youtube ein knapp 9-minütiges Video (My story:Struggling, bullying, suicide, self harm3 ), indem sie über ihre Geschichte schweigend mit handgeschriebenen Zetteln berichtete.

Das Thema der heutigen Stunde wurde vorentlastet durch die Analyse von Cartoons über Cybermobbing und vorgetäuschter Identitäten im Internet.

Der Einstieg in die Stunde steht ganz im Fokus der Schüleraktivierung. Seit einigen Wochen führen wir die Warming-up activity Milling Around regelmäßig durch. Die Su S gehen im Klassenraum umher und bei einem Signal suchen sie sich jeweils einen Gesprächpartner und reden mit ihm/ihr über die auf dem OHP relevanten Fragen. Der Einstieg verfolgt dabei das Ziel, die Su S - gerade auch durch die besondere Situation der Lehrprobe und der zuschauenden Gäste- dass sie vorab in einer gewohnten Übungsform eine Vorentlastung des Themas erfahren und in der Zielsprache miteinander reden können. Hier wird noch einmal drauf hingewiesen, dass es sich um eine ‚speaking exercise‘ ausschließlich in Englisch handelt.

Ich habe mich bewusst für das Video von Amanda Todd entschieden, da es sich hierbei um eine ganz besondere Textauswahl handelt. Das Mädchen ist nur teilweise, schwarz/weiß und undeutlich im Hintergrund zu erkennen. Doch wie sehr Cybermobbing ihr Leben zerstört hat wird mehr als deutlich. Bei dem Video handelt es sich um eine Mischung aus Hör-, Lese- und Sehverstehen. Außerdem wird es noch mit tragender, trauriger Musik begleitet4. Mit knapp neun Minuten ist das Video natürlich länger als übliche Videos, da es sich aber nicht um reines Hör- und Sehverstehen handelt, ist es für eine while-viewingactivity geeignet. Bei meinen Su S sehe ich darin keine Überforderung das Video nur einmal zu zeigen, da sie auch ausreichend Zeit haben, die Karten sogar mehrmals zu lesen. Amanda zeigt jede Karte einige Sekunden lang in die Kamera.

Sollte wider Erwarten die Technik nicht funktionieren, habe ich im Vorfeld den Inhalt der gesamten Karten abgeschrieben und werde den Su S diese Abschrift als Text geben. Somit ist zwar der Effekt für das Video nicht mehr vorhanden, die Stunde aber nicht verloren.

Mit dem Video treffe ich den Zeitgeist der heutigen Generation. Tausende von Jugendlichen drehen youtube Videos, haben dort eigene Kanäle, tausende Abonnenten und zeigen z.B. Make-up Tutorials bei den Mädchen, oder Let’s Play Videos bei den Jungen. Ich knüpfe hiermit an die lebensnahen Erfahrungen der Su S an, es weckt Interesse und ist vor allem anders als herkömmliche Videos, was zur Folge haben wird, dass die Su S gespannt Amandas Geschichte verfolgen werden. Die Rechtschreibfehler Amandas, sind für unsere Zwecke nicht wichtig. Es handelt sich hierbei um authentisches Material, dass die Su S berühren und mitfühlen lassen wird. Für den Fall, dass einige der Mädchen und Jungen der 9a das Video bzw. die Geschichte schon kennen, werde ich vorab darum bitten, dass diese noch nicht den Ausgang verraten werden. Nach der Präsentationsphase wird aber hierfür noch Platz sein, was schließlich in die Hausaufgabe münden wird.

Nach dem Video folgt eine Redekette. „Hier gibt es keine falschen oder richtigen Antworten. Sie dient dem Erfahrungs- und Meinungsaustausch, wo Ideen zusammengetragen werden“5. In meinen Augen ist es ganz wichtig, den Su S nach dem gesehenen Video Raum zu geben, ihre eigenen Gefühle, Gedanken und Emotionen mitzuteilen. Somit dient diese Phase auch der ersten Zwischensicherung und kann auch eventuelle Verständnisfragen bzgl. des Videos beinhalten, obwohl eine Redekette ihren Platz normalerweise in der Einstiegsphase des Unterrichts hat.

„Beim Einsatz von Videos bzw. DVDs müssen medienadäquate Arbeitsweisen praktiziert werden“6, demnach bekommt die Klasse vor dem Video bereits Beobachtungs- und Arbeitsaufträge, die dann nachher gruppenteilig von den Su S bearbeitet werden. Hier habe ich mich für fünf Kleingruppen entschieden (2x5 und 3x6), da im Klassenraum an Gruppentischen gearbeitet wird und es sich um Stammgruppen handelt. Während der Gruppenarbeitsphasen ist Englisch als Ziel- und Arbeitssprache sehr wichtig, da das dialogische Sprechen vertieft werden muss. Sollten einige Gruppen Schwierigkeiten haben, sich in der Zielsprache auszudrücken, können sie sich ein support system vom Pult nehmen, zur Hilfestellung auf sprachlicher Ebene. Des Weiteren werden jedem Su S feste Rollen während der Arbeitsphase zugeteilt. Diese verhindern, dass sich einzelne Su S zurückziehen und nicht aktiv mitarbeiten. Zusätzlich dienen diese fördernd um Verantwortung zu übernehmen und auch um ein positives Gesamtergebnis zu erzielen. Die Rollen sind: language monitor, task manager, time monitor, presenter, recorder (emissary)7. Diese Rollenkarten werden zu Beginn der Gruppenarbeit selbstständig von den Su S am Pult abgeholt. Sollte eine Gruppe schneller als erwartet mit dem Arbeitsauftrag fertig sein, befindet sich noch eine weiterführende Aufgabe für sie auf dem Arbeitsblatt. Somit ist auch eine Binnendifferenzierung möglich.

Als Lehrperson werde ich mich während der Arbeitsphase in den Kleingruppen bewusst zurücknehmen. Ich stehe den Su S dennoch bei Rückfragen zur Verfügung, falls Probleme auftauchen sollten. Um die Selbstständigkeit zu fördern liegen zweisprachige Wörterbücher bereit.

Bei der anschließenden Präsentationsphase wird jeweils eine Gruppe zu einer der beiden Fragen ihre Ergebnisse vorstellen. Die anderen Su S sind aufgefordert, Ergänzungen hinzuzufügen.

Meine Unterrichtsplanung sieht vor, dass ich nach dem Unterrichtsgespräch (Meldekette) auf jeden Fall genügend Zeit für die Gruppenarbeit und Vorstellung der Ergebnisse haben werde. Sollte die Klasse mehr Zeit benötigen, werde ich abwägen, ob ich die Ergebniskontrolle teilweise oder komplett in der nächsten Stunde zeigen und somit nach der Gruppenarbeit die Folien einsammle (um diese in der Folgestunde wieder mitzubringen) und die Stunde schließe, indem ich die Klasse danach befragen werde, wie das Ende ihrer Meinung nach aussieht und somit die Hausaufgabe erteile:

How could Amanda’s suicide have been avoided?

Show the different perspectives of family, classmates and school.

Fachspezifische Entscheidungen:

Hinweise zur Einsprachigkeit

Als Lehrperson nutze ich im Englischunterricht ausschließlich die Zielsprache. Den Su S fällt es allerdings noch schwer, konsequent die englische Sprache anzuwenden. Die Su S werden dann darauf hingewiesen, in der Zielsprache zu kommunizieren. Da die Su S in den vergangenen Jahren oftmals Wörter oder Sätze auf Deutsch sagen durften, wenn sie mit ihrem Vokabular nicht weiterkamen, muss ich sehr stark darauf achten, dass die funktionale Einsprachigkeit im Klassenzimmer durchgesetzt wird, denn nach dem Konzept der funktionalen Einsprachigkeit gilt der Gebrauch der Fremdsprache selbst als das Ziel und auch als der Weg zum Ziel. Dabei wirkt aber die Muttersprache immer mit und sollte deshalb nicht kategorisch aus dem Unterricht ausgeschlossen, sondern in manchen Fällen produktiv genutzt werden.

Die Su S sollen lernen, dass sie es zumindest versuchen sollen, ihren Gedanken auf Englisch zu formulieren, ganz egal, ob dieser fehlerhaft ist, denn in ich Verfolge das Prinzip message before accuracy.

Bemerkungen zur Fehlerkorrektur:

Die Su S der 9a befinden sich im fünften Lernjahr in Englisch und verfügen bereits über einen ordentlich aufgebauten Wortschatz. Es kommt noch zu Fehlern bei der sprachlichen Produktion. Da die Su S motiviert werden sollen, frei zu sprechen, gerade im Hinblick auf die mündliche Prüfung im Juni und einige sich nicht trauen oder aus sich heraus kommen, ihre Gedanken im Englischen zu verbalisieren, korrigiere ich während des freien Sprechens wenig, um den jeweiligen Su S nicht zu unterbrechen oder zu demotivieren.

Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Grieser-Kindel, C.,Henseler, R.,Möller, S. Method Guide. 2014. Paderborn. Schöningh
2. Haß, F. Fachdidaktik Englisch. 2015. Stuttgart. Klett.
3. Mattes, W., Methoden für den Unterricht. 2011. Paderborn. Schöningh.
4. Kernlehrplan NRW Sek I

Internetquellen:

1. https://www.youtube.com/results?search_query=amanda+todd+my+story+strugglin g+bullying (21.04.2015)

[...]


1 zur besseren Lesbarkeit wird im Folgenden auf die geschlechterspezifische Nennung verzichtet

2 vgl. KLP S. 36

3 Video: https://www.youtube.com/results?search_query=amanda+todd+my+story+struggling+bullying

4 “Hear you me” von Jimmy Eat World

5 S.106 Mattes, Wolfgang (2009)

6 S.82 Haß, Frank (2015)

7 vgl. S. 12 Grieser-Kindel, Christin (2014)

Details

Seiten
10
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668745216
ISBN (Buch)
9783668745223
Dateigröße
633 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v430140
Note
1,0
Schlagworte
Cyberbullying Amanda Todd youtube

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