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Kindliche Lebenswelt: Medien

Kinder und ihr Umgang mit modernen Kommunikations- und Interaktionsformen

Hausarbeit 2003 23 Seiten

Didaktik - Sachunterricht, Heimatkunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Medienkindheit

2 Stellung der Medien

3 Kindermedien
3.1 Bücher
3.2 Comics
3.3 Hörspiele

4 Fernsehen als Freizeitbeschäftigung
4.1 Sehgewohnheiten von Kindern
4.2 Gesundheitliche Folgen
4.3 Soziale Folgen

5 Computernutzung
5.1 Computerspiele
5.2 Wirkungen der Spiele
5.3 Lernprogramme

6 Das Internet

7 Veränderte Kindheit
7.1 Mediatisierung der Kindheit
7.2 Verschwinden der Kindheit

8 Medienerziehung
8.1 Aufgaben
8.2 Warum Medien

9 Medien in der Schule
9.1 Medieneinsatz im Unterricht
9.2 Medienerziehung im Sachunterricht

10 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Medienkindheit

Wenn man heutzutage von Kindheit spricht, dann wird diese häufig in Verbindung mit den neuen Medienwelten gebracht. Aus diesem Grund spricht man auch von einer Medienkindheit.

Eigentlich vertritt dieses Charakteristikum jede Generation von Kindern im 20. Jahrhundert. Die erste lernte das Kino kennen und danach kam das Radio. Nach dem Zweiten Weltkrieg hielt das Fernsehen gefolgt vom Videorecorder seinen Einzug in die Lebenswelt. Im Ausgang des vergangenen Jahrhunderts eroberten schließlich Computer und Internet die Kindheit. Vergessen werden, dürfen nicht die Printmedien, welche in Buch- oder Comicform Kinder und Jugendliche in allen Jahrzehnten erfreuten und auch heute noch Freude bringen. Aber heutzutage stehen den Kindern und Jugendlichen noch viele andere mediale Kommunikations- und Interaktionsformen zur Verfügung. So wird beispielsweise das Handy benutzt, um kurze Nachrichten – SMS – zu verschicken. Via Internetzugang wird die E-Mail – elektronische Post – genutzt, um Nachrichten und Informationen auszutauschen. Des weiteren unterhält man sich im Chat – schriftsprachlicher Kommunikationsraum – oder mittels Internet-Messenger.

Die Frage ist, ob sich Kinder in dieser Medienfülle und vor allem in den neuen medialen Kommunikations- und Interaktionformen orientieren können.

2 Stellung der Medien

Zunehmend werden die Massenmedien zum mythischen Objekt. – Sie konstruieren unsere Wirklichkeit. Was wahr ist, entnehmen wir ihnen: Bücher, Fernsehen, Internet, Rundfunk, Zeitungen. Des weiteren bekommen etliche Ereignisse ihre Bedeutung erst durch die Präsenz in den Medien. Mit diesem Mythos wachsen Kinder und Jugendliche auf. Die elektronischen Medien sind Komponenten ihrer Jugend. Früher waren die Medien nur ein Teil der Lebenswelt von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, heute wird der Alltag nach ihnen gerichtet. Sie ergänzen nicht mehr nur, sondern sie sind Teil des Sozialisationsprozesses. Dies macht die 45 minütige Sequenz des Tagesablaufs eines neunjährigen Mädchens deutlich (Neumann 1981, S.91):

„Die LCD-Digitaluhr springt auf 6.45. Mit einem gedämpften Knackgeräusch setzt der Radiowecker flotte Morgenmusik in Gang und weckt damit Tanja. Beim Aufstehen tritt Tanja beinahe auf Fred, den superschlanken Dressmann, der von seinem Platz neben Teddy und dem Kopfkissen über Nacht heruntergefallen sein muß. Neuigkeiten im Bad: ‘Das Schlürfgespenst‘ – Blendis Abenteuer Nr. 6, ein Kurz-Comic auf der Schachtel der neuen Zahncreme. Nach dem Ankleiden nochmalige Kontrolle des Ranzeninhalts; ach ja, heute ist der Rückgabetermin in der Schulbibliothek, ‘Ferien auf dem Ponyhof‘ muß zurück. Dann noch die Kassette mit der Gruppe ‘Dschingis-Khan‘, die Katja zum Überspielen haben wollte. Am Frühstückstisch haben die natürlich wieder `n anderen Sender. Tanja erregt Vaters Unwillen, als sie ihm den Zeitungsteil mit den Familienanzeigen wegzieht. Mutter bekommt von Vaters Gereiztheit auch etwas ab, weil sie am Abend zuvor das Fernsehen wieder einmal nur per Fernsehschalter und nicht mit der Schlüsseltaste abgeschaltet hat. Wer hat denn die Sammelbilder aus der neuen Cornflakes-Packung herausgenommen? Und wie ist der ‘Tatort‘ ausgegangen? Die Stimme des Nachrichtensprechers bedeutet für Tanja, schleunigst den Schulweg anzutreten.“

In der heutigen Zeit sind viele Kinder für längere Zeit sich selbst überlassen, da die Eltern arbeiten oder sich nicht um sie kümmern wollen. Diese sogenannten Schlüsselkinder bezeichnen oft den Fernseher oder Computer als ihren besten Freund. – Wenn Kinder und Jugendliche ein eigenes Fernsehgerät, einen Videorecorder bzw. DVD-Player oder einen Computer besitzen, dann werden vielfach soziale Kontakte dem Umgang mit Medien untergeordnet. – Auf der anderen Seite nimmt das soziale Ansehen bei Gleichaltrigen sowie die sozialen Kontakte für einige Zeit zu, wenn die Kinder neue Medien erhalten haben.

Kinder und Jugendliche sind für die Gerätehersteller gute Einnahmequellen, weshalb es zu einer kinder- und jugendspezifischen Gruppierung kommt. So werden beispielsweise für die Zielpersonen ansprechende tragbare modische Radiorecorder und CD-Player hergestellt.

Vom 6. bis 10. Lebensjahr nimmt die Ausstattung mit eigenen medialen Geräten allmählich zu. Seit den 90er-Jahren verfügen etliche 9- bis 10jährige über ein eigenes Fernsehgerät, wobei es sich in der Regeln entweder um das ausgemusterte Erstgerät der Familie handelt oder um einen billigen kleinformatigen Fernseher.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Tabelle (Glogauer 1998, S.24) macht deutlich, dass nicht nur der Umgang mit Geräten in den Familienhaushalten selbstverständlich geworden ist, sondern auch das Nutzen der Medien durch Kinder. Die Vielzahl von Medien lassen das Kinderzimmer zu einer Mediothek werden. Eingesetzt werden die unterschiedlichen Medien meist im Wechsel. – Aus diesen Gründen werden die Kinder heutzutage auch als Multimediakonsumenten bezeichnet.

3 Kindermedien

3.1 Bücher

Die meisten Kinder kommen schon ein- bis zweijährig mit Bilderbüchern in Berührung. Danach lesen meist die Eltern ihren Kindern einfache Kindergeschichten vor, bis sie später in der Grundschule selbst lesen lernen und sich somit an das selbstständige Lesen von Kinderbüchern machen können.

Die charakteristische Kinderliteratur hat sich seit dem 18. Jahrhundert entwickelt. Ursprünglich waren sie dazu gedacht, die Kinder auf die Erwachsenenwelt vorzubereiten. Erst allmählich gesellten sich Märchen und Abenteuerbücher hinzu, um die Kinder zu unterhalten. Heutzutage ist nicht mehr wichtig, was für eine Botschaft den Kindern vermittelt werden soll, sondern dass die Bücher gute Verkaufszahlen erreichen. – Bücher stehen an 7. Stelle der Freizeitbeschäftigungen von Kindern. – Mit dem Schulbeginn nimmt das Interesse am Lesen zu und im Laufe der Schulzeit nimmt es ab. Dabei ist anzumerken, dass die Zahl der gerne lesenden Mädchen größer ist, als die der Jungen. Des weiteren sind Kinder aus der Mittelschicht eher lesend anzutreffen, als Kinder aus der unteren Schicht. Denn das Leseverhalten eines Kindes ist eng mit der Familie verknüpft. Dabei geht es nicht nur um die gewählte Lektüre der Eltern, sondern auch um deren Vorbild- und Kommunikationsverhalten.

„Heutige Kinderbücher sind dünner geworden, und in Anlehnung an die elektronischen Medien werden Fotos, comicartige Formen und viele ‘Action‘-Elemente verwendet“ (Rolff/ Zimmermann 1997, S.87). Sehr beliebt sind Bücher, welche in ihrer Aufmachung stark an Fernsehsendungen erinnern bzw. Fernsehserien nacherzählen. Die Kinder wollen sich nicht in neue, noch unbekannte Welten, sondern an Erinnerung an bekanntes aus der Fernsehwelt anknüpfen. Die Kinder lesen in der heutigen Medienwelt viel unkonzentrierter. Sie richten ihren Blick mehr auf das kommende Bild, als auf den davor stehenden Textabschnitt. – Deshalb werden Kinderbücher in der Regel mit einem reduzierten und vereinfachten Wortschatz sowie mit einfacher Grammatik in einer Text-Bild-Form hergestellt.

3.2 Comics

Comics sind die bevorzugteste Unterhaltungslektüre von Kindern. Sie beziehen sich nicht auf die unmittelbare Lebenswelt der Kinder mit all ihren Problemen, sondern auf die durch Medien an die Kinder herangetragen Welt. Seit ein paar Jahren gibt es auch auf dem deutschen Markt die aus Japan stammenden Mangas. Diese Form der Comics kommt bei den Kindern und Jugendlichen gut an. Sie sind ganz wild auf die Serienbücher und Hefte und unterhalten sich auch in der Schule darüber.

Die für Comics und Mangas typische Bild-Zeichenschrift mit Lautmalerei strengt die Kinder beim Lesen nicht an. Sie sind so aufgebaut, dass Personen und Bilder vereinfacht dargestellt werden, damit die Kinder beim schnellen und fortschreitenden Schauen diese noch erkennen können. „Länger verweilende Gedanken, wie sie beim Schreiben oder Lesen möglich sind, werden durch die Bildfolge wenn nicht verhindert, so doch auf jeden Fall erschwert“ (Rolff/ Zimmermann 1997, S.90).

3.3 Hörspiele

Statt dem Vorlesen durch die Eltern, wird in vielen Familien die Hörspielkassette oder auch -CD eingesetzt. Früh lernen die Kinder den Umgang mit dem Kassettenrecorder bzw. CD-Player. Der elektronische Geschichtenerzähler ist jederzeit verfügbar. Im Kinderzimmer, im Auto und dank Walkman oder Discman auch sonst überall.

Mit einfachsten Mitteln werden Dialoge oder Quasidialoge sowie Informationen durch einen Erzähler vermittelt. Die Handlung ist in der Regel gradlinig. Beim erstmaligen Hören sind die Kinder aufmerksam bei der Sache. Es wird abgecheckt, ob die Geschichte gefällt. Wenn ja, dann bietet das Hörspiel beim erneuten Abspielen etwas vertrautes. So hören die Kinder beispielsweise sehr gerne solch eine Geschichte, um die Stille und das Alleinsein im Kinderzimmer vergessen zu können. Außerdem helfen die bekannten Stimmen vielen Kindern beim Einschlafen. Des weiteren dient es häufig der Untermalung anderen Tätigkeiten.

4 Fernsehen als Freizeitbeschäftigung

4.1 Sehgewohnheiten von Kindern

Heutzutage schauen Kinder im Alter von 6 bis 8 Jahren zu 35% täglich und zu 43,3% fast täglich fern. Diese Kinder schauen sich in der Regel mehrere Sendungen oder Filme hintereinander an. Dabei versuchen vor allem die privaten Fernsehanstalten die Kinder an den Bildschirm zu binden. Noch dazu ist zu erwähnen, dass desto älter die Kindern werden, umso weniger liegt die zeitliche Beschränkung der Fernsehnutzung bei 20 Uhr. – Dies hat auch der KIKA-Kanal erkannt, welcher sein Programm ganz auf Kinder und Jugendliche eingestellt hat. Dieser sendet seit einigen Monaten sein Programm bis 21 Uhr. – Die sogenannten „Vielseher“ kommen in der Woche auf bis zu 30 Stunden und mehr, welche sie vor dem Fernseher sitzen. Abschließend lässt sich dazu sagen, dass etliche Kinder innerhalb einer Woche und über die Grundschulzeit hinaus mehr Zeit vorm Fernseher als in der Schule verbringen.

Jedoch ist anzumerken, dass Studien belegen, dass schon im Jahre 1978 die 3- bis 7jährigen Kinder im Durchschnitt 54 Minuten an Werktagen, 79 Minuten an Samstagen und 62 Minuten an Sonntagen fern sahen. Im Jahr 1988 saßen die 7- bis 9jährigen Kinder durchschnittlich 81 Minuten vor dem Fernsehapparat. Wenn sie zudem die Gelegenheit hatten Kabelfernsehen zu schauen, dann saßen sie sogar 113 Minuten im Durchschnitt fern. Die GFK-Fernsehforschung ermittelte 1990 eine tägliche Sehzeit für 6- bis 13jährige von durchschnittlich 99 Minuten (vgl. Rolff/ Zimmermann 1993, S.72).

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Details

Seiten
23
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638408936
ISBN (Buch)
9783638656948
Dateigröße
411 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v42994
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
1,7
Schlagworte
Kindliche Lebenswelt Medien

Autor

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Titel: Kindliche Lebenswelt: Medien