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Kommunikation von Führungskräften. Das Kommunikationsquadrat von Friedemann Schulz von Thun

Seminararbeit 2015 19 Seiten

Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe

Leseprobe

Inhalt

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Schulz von Thun
2.1 Leben und Werdegang
2.2 Modelle

3. Vorstellung des Kommunikationsmodells / Kommunikationsquadrates
3.1 Die vier Ebenen einer Kommunikation
3.2 Sachinhalt
3.3 Selbstkundgabe / Selbstoffenbarung
3.4 Beziehungshinweis
3.5 Appell
3.6 Die Nachricht als Gegenstand der Kommunikationsdiagnose

4. Das Kommunikationsmodell in Unternehmen

5. Resümee und Ausblick

Abkürzungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Das Modell des Kommunikationsquadrats in seiner gegenwärtigen Gestalt („Sender mit vier Schnäbeln“ und „Empfänger mit vier Ohren“)

Abb. 2: Beispiel Friedemann Schulz von Thun – Frau am Steuer

Abb. 3: Das Botschaftsgeflecht einer Nachricht, wie es unter der kommunikationspsychologischen Lupe sichtbar wird.

Abb. 4: Wichtigste Eigenschaft einer Führungskraft

1. Einleitung

„Man widerspricht oft einer Meinung, während uns nur der Ton, mit dem sie vorgetragen wurde, unsympathisch ist.“[1] Dieses Zitat von Nietzsche drückt mit einem Satz aus, was in der vorliegenden Hausarbeit ausgearbeitet werden soll. Nicht nur der Inhalt der Kommunikation wird bewertet, sondern Kommunikation geht weit über die Inhaltsseite hinaus und lässt Spielraum für weitreichende Interpretationen.

Seit Menschengedenken beschäftigen sich Gelehrte und Philosophen wie Nietzsche, ganz egal aus welchem Kulturkreis sie stammen, mit dem „Problem“ der Kommunikation. Denn erst die Sprache macht den Menschen zum Menschen und hat einen wesentlichen Einfluss darauf, wie sich die Menschheit im Laufe der Jahre entwickelt hat. Sprache ist jedoch auch der Auslöser für viele Missverständnisse, da Kommunikation häufig nicht evident geschieht, sondern Gesagtes auf unterschiedliche Art und Weise interpretiert werden kann.

Aus diesem Grunde beschäftigt sich die vorliegende Arbeit mit dem Kommunikationsmodell von Friedemann Schulz von Thun, das sich explizit mit den unterschiedlichen Interpretationsweisen von Kommunikation befasst. Zu Beginn der Arbeit wird Schulz von Thun und seine Arbeiten kurz vorgestellt. Im nächsten Schritt stützt sich die Arbeit auf das Kommunikationsquadrat, welches von Schulz von Thun entwickelt wurde und erläutert die vier Ebenen der Kommunikation, um im vierten Kapitel die theoretischen Ansätze des Modells in die berufliche Praxis für Unternehmen und deren Führungskräfte zu transportieren und zu überlegen, welche Auswirkungen die Überlegungen und das Wissen von Schulz von Thun für die Kommunikation innerhalb eines Unternehmens, speziell in den Führungspositionen, mit sich bringen. Speziell soll der Frage nachgegangen werden, weshalb Führungskräfte Kenntnisse über das Modell haben sollten.

Die Arbeit zielt darauf, die unterschiedlichen Aspekte des Kommunikationsquadrates aufzuzeigen und zu hinterfragen, ob eine Notwendigkeit gegeben ist, dass die Arbeitswelt/ die Ausbildungsstätten dieses in der Ausbildung der Führungskräfte integrieren sollen bzw. bereits integriert haben. Des Weiteren soll die Arbeit erläutern, wie wichtig der Aspekt der „Kommunikation“ für die Aufgabe von Führungskräften ist.

Der Schluss der Arbeit bildet ein Fazit zu den theoretischen Grundlagen des Modells und seine Verwendung für die Praxis.

2. Schulz von Thun

Kaum ein anderer Kommunikationswissenschaftler ist so bekannt wie Friedemann Schulz von Thun. Seine Kommunikationsmodelle werden in Schulen, Universitäten und Unternehmen gelehrt und bilden die Grundlage für weitreichende Untersuchungen der Kommunikation in unterschiedlichen sozialen Gefügen.

2.1 Leben und Werdegang

Prof. Dr. Friedemann Schulz von Thun studierte in Hamburg Psychologie, Pädagogik und Philosophie und beendete das Studium mit seiner Promotion im Jahre 1973. Zwei Jahre später folgte seine Habilitation.

Von 1976 bis 2009 hatte er an der Universität Hamburg den Lehrstuhl für Pädagogische Psychologie.

Von 1971 bis heute wendete er sich auch der Praxis zu und befasst sich mit Konzeptionen und der Durchführungen von Kommunikationstraining für Lehrer und Führungskräfte – kurze Zeit später auch für Angehörige aller Berufssparten. Zu seinen berühmtesten Veröffentlichungen zählen die Werke „Miteinander Reden Band 1 – 3“.

Nach seiner Pensionierung gründetet er das „Schulz von Thun Kommunikations-Institut“, welches sich als Aufgabe gemacht hat, das menschliche Miteinander aufzuklären und dieses mit Hilfe seiner Kommunikationsmodelle zu vereinfachen.[2]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 : Das Modell des Kommunikationsquadrats in seiner gegenwärtigen Gestalt („Sender mit vier Schnäbeln“ und „Empfänger mit vier Ohren“) [3]

2.2 Modelle

Friedemann Schulz von Thun hat verschiedene bekannte Modelle zum Thema Kommunikation entwickelt. Auf dem Fachgebiet gilt er als der „Experte“, der bereits mit seinen Arbeiten und Erkenntnissen die Wissenschaft im Bereich der Kommunikation weit vorangetrieben hat.

Zu seinen Modellen gehören

- Das Kommunikationsquadrat
- Das Innere Team
- Das Riemann-Thomann Modell (Persönlichkeits-, Beziehungs- und Entwicklungslehre)
- Das Werte und Entwicklungsquadrat
- Der Teufelskreis
- Das Situationsmodell

Das Kommunikationsquadrat (siehe Abb.1) oder Kommunikationsmodell ist das bekannteste Modell, welches aus diesem Grund als Grundlage für die vorliegende Arbeit genommen und im weiteren Verlauf näher analysiert wird.

3. Vorstellung des Kommunikationsmodells / Kommunikationsquadrates

Das Kommunikationsquadrat (damals „Nachrichtenquadrat“) entwickelte Friedemann Schulz von Thun im Jahr 1974. Dies war eine glückliche Fügung; so wie er selbst sagt: „Ich „erfand“ es für den Einführungsvortrag Kommunikation, für den ich zuständig war.“[4]

Seine Ausarbeitung wurde zu allererst 1977 veröffentlicht - damals noch ohne die „vier Ohren“ (Interpretationsohren unterschiedlicher Kanäle): Die vier Seiten einer Nachricht auf der Seite des Empfängers.

3.1 Die vier Ebenen einer Kommunikation

Eine der zentralen Aussagen seiner Arbeit ist die grundlegende These, dass jeder Mensch als Empfänger bei jeder Äußerung mit verschiedenen Ohren eine Nachricht kodiert. Eine simple Nachricht, wie etwa „Ich habe fünf Mal bei dir angerufen“, kann mehrfache Bedeutungen und Interpretationen zulassen. Ohne das Kommunikationsquadrat zu kennen, wird jeder Empfänger mit verschiedenen Ohren versuchen, die Nachricht zu entschlüsseln. Dabei ist der Modus der Stimme sehr wichtig (wie wird etwas gesagt?) Die Sachlage – das Neutrale ist dabei eindeutig.

Es gibt jedoch dabei noch drei weitere Aspekte, die bei der Interpretation von Kommunikation berücksichtigt werden müssen,- der Appell (ein Auftrag), die Selbstoffenbarung (welche Emotionen, Wünsche, Ängste gibt der Sender von sich preis) und die Beziehung (in welcher Beziehung sprechen die Individuen miteinander). Eine Gefahr dabei ist immer, dass die Nachrichten vom Empfänger – z.B. je nach Gefühlslage – falsch gedeutet oder gar vollkommen fehlinterpretiert werden kann. Menschen neigen dazu, in eine Nachricht etwas, je nach Phantasie oder Wunsch, hineinzuhören, was nicht der Realität entspricht.[5]

Im Folgenden werden alle vier Aspekte einer Nachricht anhand von Beispielen erklärt und sollen das theoretische Modell des Kommunikationsquadrats erläutern.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 : Beispiel Friedemann Schulz von Thun – Frau am Steuer [6]

3.2 Sachinhalt

Zur Verdeutlichung des Sachinhalts wird das bekannteste Beispiel, das im Zuge des Kommunikationsquadrats erwähnt wird, herangezogen. Der Mann – hier der Sender, sagt zu seiner Frau – der Empfänger „Du, da vorne ist grün!“ (siehe Abb.2)

Der Sachinhalt dieser Nachricht ist, dass die Ampel tatsächlich grün ist. Der Sender möchte auf der Sachinhaltsebene den Empfänger lediglich darüber informieren, dass die Ampel auf grün steht.[7] „Allgemein gesagt: Jede Nachricht enthält einen Sachinhalt.“[8] Dieser Sachinhalt ist jedoch nur ein geringer Teil, der sich zwischen dem Sender und dem Empfänger abspielt.

Auf der Ebene der Sachinhalte gelten drei Kriterien, die automatisch vom Empfänger überprüft werden müssen.

1. Das Wahrheitskriterium – ist die Aussage zutreffend oder nicht zutreffend
2. Das Relevanzkriterium – sind die angesprochen Fakten für das Thema von Belang oder sind diese irrelevant
3. Das Hinlänglichkeitskriterium – Sind die erhaltenen Informationen für das Thema ausreichend, oder muss ich noch weitere Informationen/ Fakten erfragen.

Der Empfänger hat auf der Sachebene genug Möglichkeiten, das „Gesagte“ anzuzweifeln, für übertrieben zu halten oder weitere Informationen zu erfragen.[9]

3.3 Selbstkundgabe / Selbstoffenbarung

Die Selbstkundgabe ist die Äußerung, in der der Sender etwas über sich selbst sagt - zum Beispiel über seine Persönlichkeit oder seine momentane Gefühlslage. Dies kann von bewusster, übertriebener Selbstdarstellung bis hin zur unfreiwilligen Selbstoffenbarung reichen.[10]

Einige Menschen benutzen ihre Selbstkundgabeseite entweder zur positiven Selbstdarstellung oder sie möchten den Mitmenschen als sehr authentisch oder integer erscheinen und benutzen die Selbstkundgabeseite im Sinne der Authentizität. So oder so gibt der Sender immer einen Einblicke in seine Persönlichkeit. Er gibt preis, wofür er steht und wie er seine eigene Rolle auffasst.[11]

Jede Nachricht gibt dem Empfänger die Möglichkeit, etwas über den Sender in Erfahrung zu bringen. Rückführend auf das Ampelbeispiel („Die Ampel ist auf Grün!“) wird hier dem Empfänger durch die Aussage deutlich, dass der Sender deutschsprachig ist, Farben richtig deuten kann und es eilig hat. Auch andere Indizien lassen sich beim Dekodieren der Nachricht erkennen wie etwa die Gefühlslage, die Bildung, die Art der Artikulation oder die Wünsche bzw. die Hoffnungen des Gegenübers.[12]

3.4 Beziehungshinweis

Den Beziehungshinweis erklärt Friedemann Schulz von Thun wie folgt: Was ich von jemanden halte und wie die beiden Personen zueinander stehen.

Eine Nachricht senden, bedeutet immer, dass zwei Kommunikationspartner in irgendeiner Beziehung zueinander stehen. Bei dem oben erwähnten Ampel-Beispiel könnte für die Frau, als Empfänger, der Eindruck entstehen, dass ihr Mann ihr das Autofahren nicht zutraut, ganz egal, ob sie dem Sachaspekt, dass die Ampel tatsächlich auf Grün steht, zustimmt. Wird die Beziehung der Beiden als Gegenstand der Interpretation des Gesagten eingeschlossen, könnte es auf der Empfängerseite zu einer Gegenreaktion führen, da sie sich gegen die Bevormundung ihres Mannes wehren möchte. Zusätzlich könnte die Empfängerseite die Senderseite so interpretieren, dass der Mann seine Frau für „hilfebedürftig“ oder gar für eine schlechte Autofahrerin hält.[13]

In der Regel werden Beziehungssignale implizit, d.h. zwischen den Zeilen gesendet. Festzuhalten ist, dass die Gestik und die Mimik oder der Tonfall (das Nonverbale) eine viel größere Bedeutung als das gesprochene Wort hat. Bei einer gestörten Beziehung kann es dazu führen, dass jedes Wort pedantisch interpretiert oder analysiert wird.

3.5 Appell

Der Mensch sagt nie etwas ohne Grund. Die meisten Nachrichten dienen dazu, um seinen Gegenüber zu etwas zu bewegen, gar zu manipulieren. Kurz gesagt, in der Nachricht ist ein Appell versteckt. Bei unserem Beispiel möchte der Mann, dass seine Frau endlich einmal auf die „Tube“ drückt und schneller fährt.

Wichtig dabei zu erwähnen ist, dass man von offenen und versteckten Appellen spricht. Bei offenen Appellen nutzt der Sender dies als direkte Handlungsaufforderung. Bei versteckten Appellen spricht man von einer Manipulation. Der Empfänger ist sich hierbei jedoch nicht bewusst, dass es sich um eine Manipulation handelt. Der manipulierende Sender versucht alles ihm nur Mögliche, um auch die anderen Seiten einer Nachricht dazu zu nutzen und aufzubauen, um die gewünschte Reaktion des Empfängers zu bekommen und eine gewünschte Wirkung, wie etwa Bewunderung oder Hilfsbereitschaft zu erlangen. Manipulation kann auch subtil durch Wünsche und Hoffnung auf der untersten Ebene der maslowschen Bedürfnispyramide entstehen. Ein klassisches Beispiel ist, dass eine attraktive Frau weniger attraktive Männer manipuliert, da diese sich Wärme und Zuneigung erhoffen.[14]

Die Gefahr bei einem Apell kann zusätzlich noch sein, dass man es zur Gewohnheit werden lässt, ihn mit einer subtil herabsetzenden Beziehungsbotschaft zu verbinden. Z.B: „Herr Müller, damit Sie auch mal was tun haben, können Sie das Protokoll übernehmen?“ Dies nennt man einen „Appell mit abwertender Beziehungsbotschaft“[15]

3.6 Die Nachricht als Gegenstand der Kommunikationsdiagnose

Es kann zusammengefasst werden, dass jede Nachricht aus vier unterschiedlichen Botschaften besteht (siehe Abb.3), welche vom Empfänger kodiert werden und ihn situationsbezogen reagieren lassen. Dabei ist es wichtig, dass es explizite und implizite Botschaften gibt.

Explizit bedeutet, dass etwas ausdrücklich ausformuliert wurde. Zum Beispiel, dass jemand erwähnt, dass er aus Berlin kommt. Implizit würde sein Dialekt seine Herkunft verraten.[16]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3 : Das Botschaftsgeflecht einer Nachricht, wie es unter der kommunikationspsychologischen Lupe sichtbar wird. [17]

Der Sender und der Empfänger haben viele Möglichkeiten, die Elemente einer Botschaft zu entschlüsseln. Friedemann Schulz von Thun spricht aus diesem Grund auch von einem Sender mit „vier Schnäbeln“ oder von dem Empfänger mit „vier Ohren“.

Wird die Seite des Empfängers betrachtet, hat dieser verschiedene Möglichkeiten, sich mit seinen unterschiedlichen Ohren auf eine Nachricht einzustellen.

Zur Verdeutlichung nimmt man folgende Situation: Ein Mann kommt abends spät nach Hause und seine Frau meint zu ihm: „So selten, wie du Zuhause bist, da leiden die Kinder auch schon darunter.“ Der Mann, als Empfänger hat nun verschiedene Möglichkeiten, sich auf die Nachricht einzustellen und dementsprechend zu reagieren.

Es gibt dabei vier unterschiedliche Hauptreaktionen. Hört er zum Beispiel auf sein „Sach-Ohr“, wird er auf die Sachlage der Nachricht reagieren. Interagiert er auf Grund der Deutung des „Selbstkundgabe-Ohrs“, wird er sich fragen, wie seine Frau über ihn denkt. Hört er auf sein „Beziehungs-Ohr“, wird er sich selbst fragen, wie seine Frau zu ihm steht und wie er sich von ihr behandelt fühlt. Die letzte Möglichkeit ist das „Appell-Ohr“ – und er hinterfragt, was seine Frau eigentlich von ihm will. Er versucht einen Auftrag aus der Nachricht zu interpretieren. Eine mögliche Reaktion wäre: „Du willst also, dass ich öfters zu Hause bleibe?“

Als abschließende Frage bleibt jedoch noch zu klären, ob sich der Empfänger bewusst ist, dass er die „freie Wahl hat“. Dies bleibt ungeklärt, er muss so oder so jedoch reagieren.[18]

„Man kann nicht nicht kommunizieren.“[19] Dies zeigt uns, dass es unmöglich ist, nicht zu kommunizieren und jedes Verhalten einen Mitteilungscharakter hat und auf unterschiedliche Art und Weise interpretiert werden kann.

4. Das Kommunikationsmodell in Unternehmen

Gerade im beruflichen Alltag wird es immer wichtiger, dass Vorgesetze sich ihrer Kommunikationsschwächen bzw. Stärken bewusst werden. Obwohl tagtäglich viel miteinander kommuniziert wird, kann es passieren, dass stundenlang aneinander vorbeiredet, oder eine Aussage falsch gedeutet oder gar fehlinterpretiert wird. Klärende und deutliche Worte könnten hier zur Aufklärung dienen.[20]

Auf der Ebene der Sachinhalte in Bezug auf die Kommunikation von Führungskräften ist es wichtig, dass Nachrichten der Führungsposition klar und deutlich formuliert werden und ausreichende Informationen enthalten, so dass es zu keinen Missverständnissen kommt und Anweisungen schnell und präzise von den Mitarbeitern durchgeführt werden können. Zur Ebene der Selbstoffenbarung ist zu sagen, dass sich Führungskräfte nicht scheuen sollten, öfters in sich selbst hineinzuhorchen und auch gewisse Dinge per „Selbstkundgabe“ an ihre Mitarbeiter zu senden. Das Problem, welches viele Vorgesetzte haben, ist, dass sie nach außen auf beruflicher Ebene, vor ihrem Team stehen und möglichst wenig Signale senden möchten. Die Mitarbeiter dürfen nicht die Möglichkeiten haben, die Position der Führungskraft zu erkennen. Doch ist es in gewissen Situationen hilfreich, die Selbstoffenbarung zuzulassen und dem Mitarbeiter Signale zu geben, denn eine Selbstoffenbarung ist immer zugegen und kann eventuell fehlinterpretiert werden. Wichtig ist es, dass Führungspersönlichkeiten authentisch bleiben und sich innerhalb ihrer Rolle glaubhaft bewegen, um vom Team akzeptiert und verstanden zu werden. Die Führungskraft soll sich aber den wichtigen Leitsatz der Kommunikationsschulung vor Augen halten: „Willst du ein guter Leiter sein, dann schaue auch in dich selbst hinein!“ Bevor eine Kommunikation mit dem Team oder dem Angestellten geschieht, sollte die Führungsposition sich selbst bewusst machen, für was er steht, oder wie er führen möchte, um keine mehrdeutigen Signale zu senden.

Gerade das Auftreten und die Kommunikation auf der „Beziehungshinweis“ Ebene sind von zentraler Bedeutung. Hierbei hat nicht die verbale, sondern die nonverbale Kommunikation eine viel bedeutungsvollere Wirkung. Folgende Kanäle für nonverbale Kommunikation sind vorhanden: Blickkontakt (ausdauernd, einnehmender, nicht vorhanden), Mimik/ Gesichtsausdruck, Gestik, Körperhaltung, Merkmale der Stimme (Lautstärke, Stimmlage, Modulation, Sprechtempo, Pausen), Abstand zischen den Gesprächspartnern, Winkel zwischen den Gesprächspartnern und weitere situative Einflüsse (z.B. Vorgesetzter isst während der Kommunikation). Der wichtigste Einflussfaktor ist dabei der Blickkontakt, da er eine Art Verstärkerfunktion hat, die einen Zuhörer aktiviert, etwas zu tun.[21] Ganz egal, ob dies in der privaten oder in der beruflichen Beziehung zwischen Vorgesetzten und Mitarbeiter geschieht. Gerade für Führungskraft ist es umso wichtiger, dass diese sich der Bedeutung des Beziehungsaspektes verdeutlichen. „Der Ton macht die Musik!“. Führungskräfte müssen eine Balance zwischen Leiten und Freiheiten lassen schaffen und dieses in ihrem Beziehungsaspekt kommunizieren, um eine gelungene Arbeitsatmosphäre in dem Team zu schaffen. Es ist nötig versteckte Hierarchien in einem Unternehmen zu verdeutlichen, aber eine gelungene Atmosphäre geschieht nur durch ein respektvolles Miteinander, was auf der Beziehungsebene verdeutlicht werden soll.

Für eine Führungskraft ist es zwingend erforderlich eine „Apell Ohr“ zu entwickeln, um selbst die versteckten Wünsche und Hoffnungen der Mitarbeiter zu erkennen. Bleiben diese unerfüllt, führen sie zu Vorwürfen, oder dazu, dass der Mitarbeiter in seiner Arbeitsleistung nachlässt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4 : Wichtigste Eigenschaft einer Führungskraft [22]

Viele Unternehmen werden sich der Bedeutung der adäquaten Schulung richtiger Kommunikation bewusst. Sie beauftragen eigene Coaching / Training Abteilungen, damit ihre Führungskräfte/ Mitarbeiter zum Thema Kommunikation geschult werden. Auch Friedemann Schulz von Thun hat ein Institut gegründet, um seine Modelle „aus erster Hand“ den Unternehmen etc. näher zu bringen.[23]

Viele Arbeitgeber sehen auch die Fähigkeit der Kommunikation als eine der wichtigsten „soft skill“ Fähigkeiten an und lassen diese, in ihren Auswahlkriterien für neue Führungskräfte einwirken. Lt. Statista sehen 100 Prozent der Arbeitgeber die Kommunikationsfähigkeit als wichtige Eigenschaft einer Führungskraft an (siehe Abb. 4).[24]

Falls die Fähigkeiten bei den Führungskräften nicht vorhanden sind, stellt sich die Frage, wie das Kommunikationsquadrat im Unternehmen umgesetzt werden kann. Zunächst, wie bereits erwähnt durch sogenannte „in House Seminare“, des Weiteren muss danach ständig kontrolliert und evaluiert werden, ob oder wie das Verhalten des Vorgesetzten von seinen Mitarbeitern wahrgenommen wird. Die Kommunikation ist das Agieren mit der Umwelt, ergo das Aushängeschild der Führungskraft. Dies kann durch Mitarbeiterbefragungen mit anschließendem Maßnahmenplan realisiert werden.

Der Begriff der „Kommunikationspädagogik“ entwickelt durch Klaus Schaller, Karl-Herrmann Schäfer, Dieter Baacke und Klaus Mollenhauser, entstand in den 70er Jahren, da sich die Gesellschaft bewusst wurde, dass es erforderlich war, eine neue Kommunikationskultur zu erschaffen. Der Begriff der Pädagogik beschreibt das frühmenschliche Lernen von Kommunikationswerkzeugen und Fähigkeiten.[25]

Abschließend soll noch einmal zusammenfasst werden, was die Führungskräfte bei der Kommunikation beachten sollen und wie das Kommunikationsquadrat von Friedemann Schulz von Thun sie dabei unterstützen kann. Wichtig dabei ist die konsequente Anwendung und die Beachtung aller vier Aspekte einer Nachricht:

- Die richtige Sachinhalt – was möchte ich konkret meinen Mitarbeitern mitteilen?
- Selbstkundgabe – die Führungskraft sollte so viel von sich preis geben, so dass er authentisch von seinen Mitarbeiten wahrgenommen wird, jedoch nicht an Ernsthaftigkeit und Integrität verliert
- Der richtige Beziehungshinweis – hier spielt die Anwendung des demokratischen Führungsstil eine wichtige Rolle
- Der richtige Appell – hierbei offene Appelle anwenden, versteckte Appelle (Manipulation) können das Vertrauen der Mitarbeiter zerstören

→ Beachtung der richtigen Kommunikationstechniken und die Anwendung des Kommunikationsquadrates führt zu einer besseren Arbeitsatmosphäre.

5. Resümee und Ausblick

Meiner Meinung ist das Kommunikationsquadrat und seine richtige Anwendung der Fahrplan zur richtigen Führung und bestmöglichen Kommunikation. Für mich kann ich sagen, dass ich persönlich folgende Schlüsse daraus ziehen kann:

a) Meinen Mitmenschen und Mitarbeitern klar und deutlich die erforderlichen Informationen zu geben und transparent in meinen Botschaften zu sein
b) Ich mich nicht verstellen möchte und meiner Umwelt so weit es geht authentisch gegenüber treten möchte
c) Sich selbst und die Mitmenschen ernst nehmen, schätzen und auch annehmen
d) Manipulatives Verhalten fehlinterpretiert werden kann und oftmals das Gegenteil zur Folge hat – wir sprechen Aufgaben und Wünsche offen an, versuchen die Mitmenschen oder Mitarbeiter nicht zu überreden, sondern zu überzeugen.

[...]


[1] Friedrich Nietzsche, Werke I - Menschliches, Allzu menschliches

[2] Zum ganzen Abschnitt: http://www.schulz-von-thun.de/index.php?article_id=149 08.07.15 (abgerufen am 08.06.2015)

[3] Quelle: http://www.bpb.de/lernen/grafstat/klassencheckup/46406/m-04-02-vier-ohren-und-ein-eisberg?type=galerie&show=image&i=46407

[4] Vgl. Zum ganzen Abschnitt http://www.schulz-von-thun.de/files/lebenslauf_von_friedo.pdf (abgerufen am 08.06.2015)

[5] Vgl. Zum ganzen Abschnitt Miteinander Reden 1 – Friedemann Schulz von Thun S. 13 ff

[6] Quelle: http://thomas-karl-osten.de/btz_webente1204/seite003.html

[7] Vgl. Miteinander Reden 1 – S. 26

[8] Kommunizieren lernen (und umlernen) – Fittkau, Müller-Wolf, Schulz von Thun – S. 18

[9] Vgl. Miteinander Reden – Kommunikation für Führungskräfte - Friedemann Schulz von Thun, Johannes Ruppel, Roswitha Stratmann – S. 33f

[10] Vgl. Zum ganzen Abschnitt Miteinander Reden 2 – Friedemann Schult von Thun – S. 20

[11] Vgl. Zum ganzen Abschnitt Miteinander Reden – Kommunikation für Führungskräfte - Friedemann Schulz von Thun, Johannes Ruppel, Roswitha Stratmann – S.37 f

[12] Vgl. Kommunizieren lernen (und umlernen) – Fittkau, Müller-Wolf, Schulz von Thun – S. 19

[13] Vgl. Zum ganzen Abschnitt Miteinander Reden 1 – Friedemann Schult von Thun – S 28 f

[14] Vgl. Zum ganzen Abschnitt Miteinander Reden 1 – Friedemann Schult von Thun – S 29 f

[15] Vgl. Miteinander Reden – Kommunikationspsychologie für Führungskräfte – S. 40f

[16] Miteinander Reden 1 – Friedemann Schulz von Thun – S. 31ff

[17] Quelle: Schulz von Thun, Miteinander reden S. 34

[18] Vgl. Kommunikation als Lebenskunst – B. Pörksen / F. Schulz von Thun – S. 20 ff

[19] Zitat Watzlawick 1969

[20] Kommunikation im Beruf – Theo Gehm – S. 29

[21] Kommunikation im Beruf – Theo Gehm – S. 37ff

[22] Quelle statista.com

[23] http://www.schulz-von-thun.de/index.php?article_id=20 (abgerufen am 08.06.2015)

[24] http://de.statista.com/statistik/daten/studie/191633/umfrage/meinung-zu-wichtigen-eigenschaften-von-fuehrungskraeften/ (abgerufen am 12.06.2015)

[25] Vgl. Kommunikationstheorie und Pädagogik – Studien zur Systematik „Kommunikativer Pädagogik“ – Jürgen Sammet – S. 7ff

Details

Seiten
19
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668752375
ISBN (Buch)
9783668752382
Dateigröße
829 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v429708
Institution / Hochschule
Fachhochschule Münster – Institut für technische Betriebswirtschaft
Note
2,0
Schlagworte
Friedemann Schulz von Thun Kommunikationsquadrat Vier Ohren Modell Führungskräfte Management

Autor

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Titel: Kommunikation von Führungskräften. Das Kommunikationsquadrat von Friedemann Schulz von Thun