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Die Verringerung des negativen Affekts beim instrumentellen Networking durch edukative Maßnahmen

Forschungsarbeit 2018 32 Seiten

Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

1 Einleitung und theoretischer Hintergrund
1.1 Definition und Nutzen von Networking
1.2 Negativer Affekt beim Networking
1.2.1 Entstehung des negativen Affekts beim Networking
1.2.2 Konsequenzen des negativen Affekts beim Networking
1.3 Fragestellung und Hypothesen

2 Methoden
2.1 Versuchspersonen und Design
2.2 Durchführung
2.3 Messungen
2.3.1 Unabhängige Variable
2.3.2 Abhängige Variablen und Manipulationscheck

3 Ergebnisse
3.1 Manipulationscheck
3.2 Hypothesengeleitete Auswertung
3.3 Explorative Datenanalyse

4 Diskussion
4.1 Diskussion der Ergebnisse
4.2 Stärken und Limitationen der Studie
4.3 Künftige Forschung und praktische Implikationen

Literaturverzeichnis

Anhang

Zusammenfassung

Trotz positiver Effekte haben viele Menschen Hemmungen, instrumentell zu networken. Sie haben das Gefühl, andere dabei gezielt für ihre eigenen Zwecke zu benutzen, woraus ein negativer Affekt und das Gefühl schmutzig zu sein resultieren. Die hier durchgeführte Studie soll prüfen, ob edukative Maßnahmen, die neben eigenen Vorteilen den zusätzlichen Profit des Networking-Partners und der Organisation aufzeigen, die negativen Gefühle beim Networking reduzieren.

In einer experimentellen Fragebogenstudie wurde berufstätigen Probanden eine Networking­Kurzgeschichte präsentiert und anschließend der Affekt, das Gefühl schmutzig zu sein sowie das Wohlbefinden beim Networking untersucht. Die Probanden der Experimentalgruppe erhielten edukative Hinweise und Aufgaben.

Weder beim Manipulationscheck noch bei den affektiven Auswirkungen zeigten sich jedoch signifikante Unterschiede zwischen der Experimental- und der Kontrollgruppe. Univariate Tests fanden allerdings gesteigertes Wohlbefinden beim Networking in der Experimentalgruppe.

Wohlbefinden scheint möglicherweise im deutschen Sprachraum eine wichtigere Rolle als das Schmutzig-Gefühl zu spielen. Künftige Forschung sollte untersuchen, ob positive oder negative Gefühle möglicherweise eine Mediatorfunktion beim Networking-Verhalten einnehmen und wie diese gezielt beeinflussbar sind. Die hier durchgeführte Studie ist ein wegweisender Ansatz, um künftig Networking­Verhalten wissenschaftlich fundiert zu steigern.

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Deskriptive und Inferenzstatistiken zum Manipulationscheck Seite

Tabelle 2: Korrelationen nach Spearman zwischen den einzelnen Variablen des Manipulationschecks Seite

Tabelle 3: Korrelationen nach Spearman zwischen den Variablen zum Manipulationscheck und den abhängigen Variablen Seite

Tabelle 4: Korrelationen nach Spearman zwischen Networking-Verhalten und den abhängigen Variablen Seite

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Übersicht des Studienablaufs Seite

Abbildung 2: Deskriptive Statistiken (Mittelwert und Standardfehler) der untersuchten Variablen Seite

1 Einleitung und theoretischer Hintergrund

In der heutigen Berufswelt ist Networking eine wichtige Verhaltensweise für die Karriereentwicklung (Wolff, Moser & Grau, 2008). Trotz zahlreicher positiver Effekte (Wolff et al., 2008) scheint es jedoch bei vielen Menschen Hemmungen zu geben, aktiv Networking zu betreiben (Tonge, 2008). Um Networking-Verhalten wirklich zu verstehen, müssen deshalb zugrundeliegende moralische und psychologische Mechanismen betrachtet werden (Casciaro, Francesca & Kouchaki, 2014). Ein zentrales Hindernis stellt das Gefühl schmutzig zu sein dar. Personen haben den Eindruck, andere Menschen beim Networking bewusst für ihre eigenen Zwecke zu benutzen und der Profit des Networking-Partners (Wolff & Moser 2006) sowie der Organisation wird oftmalsübersehen (Casciaro et al., 2014). Dies ist mit den eigenen moralischen Vorstellungen schlecht vereinbar und erzeugt einen negativen Affekt und das Gefühl schmutzig zu sein (Casciaro et al., 2014). Wie die bisherige Forschung zeigt, wird in der Konsequenz das Networking-Verhalten reduziert (Kuwabara, Hildebrand & Zou, 2016; Wanberg, Kanfer & Banas, 2000). Dies ist nicht nur für die eigene Karriereentwicklung, sondern auch für den Arbeitgeber ungünstig, da Networking die Arbeitsleistung signifikant verbessert (Sturges, Conway, Guest & Liefooghe, 2005).

Aufgrund dieser Relevanz soll an die bisherigen Forschungsergebnisse anknüpfend in der folgenden Studie untersucht werden, ob Personen der negative Affekt und das Schmutzig-Gefühl beim Networking genommen werden kann. In einer experimentellen Fragebogenstudie wird der Experimentalgruppe mit einer edukativen Maßnahme explizit aufgezeigt, wie ihre Organisation und Networking-Partner von ihrem Networking-Verhalten profitieren können. Es ist zu erwarten, dass der negative Affekt hierdurch reduziert werden kann.

1.1 Definition und Nutzen von Networking

Networking definiert sich ist als eine Reihe von Verhaltensweisen, die dem Aufbau und der Aufrechterhaltung zwangloser Beziehungen dienen (Wolff et al., 2008). Die beteiligten Personen stellen ihre eigenen Ressourcen, wie beispielsweise Hilfestellungen bei einer Aufgabe oder das Aussprechen einer Empfehlung, zur Verfügung, wodurch alle beteiligten Networking-Partner aus dieser Beziehung profitieren können (Wolff & Moser, 2006). Networking ist demnach eine Investition in Beziehungen, die sich später auszahlt und hat einen signifikant positiven Effekt für den Karriereerfolg (Forret & Dougherty, 2004; Wolff & Moser, 2009; 2010). Durch die verbesserte Arbeitsleistung profitieren nicht nur die Networking-Partner, sondern auch die jeweilige Organisation (Sturges et al., 2005). Bei Networking­Beziehungen müssen freundschaftliche oder spontane Beziehungen von sogenannten instrumentellen, arbeitsbezogenen Beziehungen unterschieden werden. Die in dieser Studie betrachteten instrumentellen, arbeitsbezogenen Beziehungen sind proaktiv und haben die Intention, selber zu profitieren (Casciaro et al., 2014).

1.2 Negativer Affekt beim Networking

Obwohl viele Beschäftigte durchaus wissen, dass Networking viele Vorteile mit sich bringt, werden sie oftmals durch einen negativen Affekt daran gehindert. In einer Studie von Tongue (2008) beschrieben die Studienteilnehmer Networking als unangenehm, gewinnsüchtig, geschmacklos sowie als einschleimendes und auf den eigenen Vorteil bedachtes Verhalten.

1.2.1 Entstehung des negativen Affekts beim Networking

Der negative Affekt bezüglich Networking-Verhaltensweisen lässt sich durch Moral- und Selbstwahrnehmungstheorien erklären. Menschen möchten grundsätzlich Entscheidungen treffen, die sie in einem guten Licht dastehen lassen (Casciaro et al., 2014). Werden beim instrumentellen Networking aktiv und strategisch Interessen und Ziele für den eigenen Vorteil verfolgt, hat das Konsequenzen für den Moralitätssinn und die Annahmenüber den eigenen Charakter (Bodner & Prelec, 2003). Insbesondere wenn das eigene Verhalten nur schwer moralisch vor sich selbst zu rechtfertigen ist, entsteht in der Folge ein negativer Affekt und das Gefühl schmutzig zu sein (Casciaro et al., 2014).

1.2.2 Konsequenzen des negativen Affekts beim Networking

Eine in der Psychologie zugrundeliegende Theorie ist die Annahme, dass Menschen unangenehme Dinge meiden (Higgins, 1997). Ein Verhalten, das einen negativen Affekt auslöst, wird demnach weniger oft gezeigt (Skinner, 1963). Solange Networking-Verhalten als schmutzig oder schlecht wahrgenommen wird, zeigen Personen dieses Verhalten deshalb deutlich weniger häufig und intensiv, als sie es aufgrund ihrer Fähigkeiten könnten (Kuwabara et al., 2016; Wanberg et al., 2000). Dies ist nicht nur für die eigene Karriereentwicklung, sondern auch für den jeweiligen Arbeitgeber ungünstig. Personen, die verstärkt instrumentelles Networking betreiben, zeigen eine signifikant bessere Arbeitsleistung (Casciaro et al., 2014). Außerdem konnte Fredickson (2001) zeigen, dass positive Emotionen die Arbeitsleistung ebenfalls verbessern. Demnach wirkt sich nicht nur das verminderte Networking, sondern auch der aus dem Networking-Verhalten resultierende negative Affekt ungünstig für die Organisation aus.

1.3 Fragestellung und Hypothesen

Während die bisherige Forschung lediglich feststellt, dass instrumentelles Networking einen negativen Affekt und das Gefühl schmutzig zu sein mit sich bringt (Casciaro et al., 2014), konzentriert sich die gegenwärtige Studie auf Möglichkeiten, diesem entgegenzuwirken. Dies hat eine hohe praktische Relevanz. Es ist anzunehmen, dass bei einer erfolgreichen Intervention und einer Aufhebung des negativen Affekts, Networking-Verhalten deutlich häufiger gezeigt wird, was vielfältigen Nutzen mit sich bringen würde.

Insbesondere aus der klinischen, aber auch aus der Wirtschaftspsychologie ist der Nutzen psychoedukativer Maßnahmen vielfach belegt (Cuijpers, 1998; Shimazu, Kawakami, Irimajiri, Sakamoto & Amano, 2005). Aus diesem Grund untersucht die gegenwärtige Studie die Forschungsfrage, ob der negative Affekt, insbesondere das Schmutzig-Gefühl, wie es beim instrumentellem Networking entsteht, durch edukative Maßnahmen reduziert werden kann. Wie Casciaro et al. (2014) feststellen, lässt sich persönliches Networking, bei dem man anderen Menschen einen Gefallen erweist und altruistisch handelt, moralisch deutlich besser vor sich selbst rechtfertigen, als instrumentelles Networking, bei dem es in erster Linie um das Erreichen eigener Interessen geht. Insbesondere in Situationen, in denen solche Rechtfertigungen schwierig zu entwickeln sind, wird das eigene Networking-Verhalten schnell als moralisch verwerflich bewertet und erzeugt einen negativen Affekt sowie ein Schmutzig-Gefühl. In der hier durchgeführten Studie wird diese Annahme aufgegriffen. Im Rahmen einer edukativen Maßnahme wird der Experimentalgruppe aufgezeigt, wie nicht nur sie selbst, sondern auch ihre Networking-Partner und Arbeitgeber von ihrem instrumentellen Networking-Verhalten profitieren können. Somit soll erreicht werden, dass das eigene Verhalten gut gerechtfertigt werden kann und moralisch positiv bewertet wird. Aus diesen Überlegungen heraus ergeben sich die beiden folgenden Hypothesen:

la) Versuchspersonen mit vorheriger edukativer Maßnahme fühlen sich durch instrumentelles Networking weniger schmutzig als Versuchspersonen ohne edukative Maßnahme.

sowie

lb) Versuchspersonen mit vorheriger edukativer Maßnahme geben einen geringeren negativen Affekt durch instrumentelles Networking an als Versuchspersonen ohne edukative Maßnahme.

Explorativ soll außerdem untersucht werden, ob durch die edukative Maßnahme und das Aufzeigen altruistischer Komponenten das Wohlbefinden beim Networking gesteigert werden kann. Es scheint naheliegend, dass Menschen bei moralisch gut zu rechtfertigendem Verhalten nicht nur weniger negativen Affekt zeigen (Casciaro et al., 2014), sondern auch mehr Wohlbefinden und weniger Unbehagen dabei verspüren.

Diese Überlegung führt zu folgender explorativer Hypothese:

2) Versuchspersonen mit vorheriger edukativer Maßnahme geben ein höheres Wohlbefinden bei Networking-Verhaltensweisen an als Versuchspersonen ohne edukative Maßnahme.

2 Methoden

2.1 Versuchspersonen und Design

Die experimentelle Onlinebefragung fand vom 13.12.2017 bis 21.01.2018über die Plattform SoSciSurvey (www.soscisurvey.de) statt und ist vollständig im Anhang zu finden. Der Studie liegt ein einfaktorielles Design mit dem Between-Subject-Faktor „Gruppenzugehörigkeit“ zugrunde. Dieser Faktor unterteilt sich in zwei Stufen: Experimentalgruppe mit edukativer Maßnahme und Kontrollgruppe ohne edukative Maßnahme.

Die Teilnehmer wurdenüber den Mitarbeiter-Mailverteiler der Universität Tübingen sowie private Kontakte rekrutiert und randomisiert den beiden Bedingungen zugeordnet. Insgesamt füllten 141 berufstätige Personen den Online-Fragebogen vollständig aus. Um Teilnehmer auszuschließen, die die zur Manipulation verwendete Kurzgeschichte vermutlich nicht vollständig gelesen haben, wurden anhand eines Box-Plots die Ausreißer festgestellt. Unter Ausschluss dieser wurde anschließend die Standardabweichung berechnet und die durchschnittliche Lesezeit der Kurzgeschichte minus eine Standardabweichung nach unten als Cut-Off-Wert festgesetzt. Außerdem wurde ein Teilnehmer ausgeschlossen, der mehr als die dreifache Zeit des Durchschnitts auf der Seite der Kurzgeschichte verweilte. Von den verbleibenden 124 Versuchspersonen wurden anschließend 9 weitere Teilnehmer aufgrund fehlender Antworten beim Manipulationscheck ausgeschlossen, sodass die finale Stichprobe aus 115 Teilnehmern bestand (Experimentalgruppe n = 53; Kontrollgruppe n = 62).

66 % der Teilnehmer waren weiblich (n = 76) und 34% männlich (n = 39). Das Durchschnittsalter betrug M = 41.4 Jahre (SD = 11.5 Jahre; min = 18 Jahre; max = 68 Jahre). Sowohl für Geschlecht als auch für Alter bestanden keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen. Als höchsten Bildungsabschluss gaben 10% aller Teilnehmer Realschulabschluss (n = 12), 13% (Fach)Abitur (n = 15) und 77% Hochschulabschluss (n = 88) an. Die Gruppen wiesen keinen Unterschied in den Variablen Bildung, Art des Arbeitsverhältnisses, Führungsverantwortung, Nutzen von Online-Plattformen sowie der Relevanz von Networking im Beruf auf. Als weitere Kontrollvariable wurden die interne, die externe sowie die gesamte Networking-Aktivität der Teilnehmer mit der gekürzten Networking-Skala von Wolff & Moser (2006) erhoben. Die Gruppen zeigten für alle drei Networking-Aktivitäten vergleichbare Werte ohne signifikanten Gruppenunterschied.

2.2 Durchführung

Nach einer kurzen Einführung sowie der Erhebung der Networking-Aktivität in beiden Gruppen wurde in der Experimentalgruppe die edukative Maßnahme eingeleitet. Beide Gruppen erhielten die Anweisung, sich bei der folgenden Kurzgeschichte in den Protagonisten hineinzuversetzen. Die Experimentalgruppe sollte sich zusätzlich Folgendes vor Augen halten: „Ziel von Arbeitsbeziehungen ist es, sich gegenseitig beruflich zu unterstützen, zu helfen und zu kooperieren, um arbeitsbezogene Handlungen und das zur Verfügung stellen von Ressourcen für die beteiligten Personen zu erleichtern“. In beiden Gruppen folgte anschließend angelehnt an die Geschichte von Casciaro et al. (2014) eine Kurzgeschichteüber Networking-Aktivität auf einer Firmenparty. Diese Geschichte diente der Perspektivübernahme von professionell-instrumentellem Networking. Der Kontrollgruppe wurden danach zwei inhaltliche Fragen zum Text gestellt. Die Experimentalgruppe erhielt als edukative Maßnahme zwei Aufgaben. Es folgte ein Manipulationscheck sowie die Messung des positiven und negativen Affekts, des Schmutzig-Gefühls sowie des Wohlbefindens beim Networking. Die Befragung endete mit der Erhebung der demographischen Daten. Die genaue Übersicht des Studienablaufs ist in Abbildung 1 zu finden.

Übersicht des Studienablaufs

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1. Ablauf der Studie: Oben Ablauf Experimentalgruppe; Mitte Ablauf beide Gruppen; Unten Ablauf Kontrollgruppe.

2.3 Messungen

2.3.1 Unabhängige Variable

Zur Überprüfung der Forschungsfrage, ob edukative Maßnahmen den negativen Affekt und das Schmutzig-Gefühl reduzieren und das Wohlbefinden beim Networking steigern können, erhielt die Experimentalgruppe an verschiedenen Stellen des Fragebogens Manipulationen mit edukativen Maßnahmen. Bereits in der Instruktion wurde bei der Experimentalgruppe der Fokus auf die gegenseitige Unterstützung und den Profit aller Beteiligten beim Networking gelenkt. Die edukative Hauptmanipulation fand nach dem Lesen der Kurzgeschichte statt. Während die Kontrollgruppe zwei inhaltliche Fragen erhielt, musste die Experimentalgruppe zwei edukative Aufgaben bearbeiten. In der ersten Aufgabe sollten sie vier verschiedene Aussagen, in denen der Profit anderer Personen oder der Organisation durch das eigene Networking-Verhalten beschrieben wurde, nach ihrer persönlichen Wichtigkeit sortieren. In einer weiteren offenen Frage sollten die Probanden außerdem beschreiben, wie ein Networking-Partner der Kurzgeschichte längerfristig von ihnen profitieren kann. Bei der Kontrollgruppe wurde der Fokus nicht explizit beeinflusst. Durch diese Manipulation entstand die unabhängige Variable „edukative Maßnahme“ versus „keine edukative Maßnahme“.

2.3.2 Abhängige Variablen und Manipulationscheck

Manipulationscheck

Um zuüberprüfen, ob die edukative Maßnahme der Manipulation erfolgreich war, sollten die Probanden mit einem Schieberegler angeben, wie stark sie selbst, ihr Networking-Partner und die Organisation durch ihr Networking-Verhalten profitieren. Bei erfolgreicher Manipulation sollte die Experimentalgruppe stärker als die Kontrollgruppe den Profit des Networking-Partners und der Organisation wahrnehmen.

Positiver und negativer Affekt

Zur Messung des positiven und negativen Affekts wurde die deutsche Version der „Positive and Negative Affect Schedule“ (PANAS; Krohne, Egloff, Kohlmann & Tausch, 1996) verwendet. Dabei mussten die Probanden auf einer 5-stufige Likert-Skala mit den Stufen „gar nicht“ bis „äußerst“ angeben, wie sie sich als Protagonist der Kurzgeschichte fühlten. Zehn Items mit Adjektiven maßen hierbei den positiven Affekt ^ = .90) und zehn weitere den negativen Affekt (α = .83).

Schmutzig-Gefühl

Bei der Erhebung des positiven und negativen Affekts mit der PANAS wurden angelehnt an die Studie von Casciaro et al. (2014) drei Items mit den Adjektiven „unauthentisch“, „unwohl“ und „schmutzig“ randomisiert eingestreut, um das Schmutzig-Gefühl beim Networking zu erfassen ^ = .58).

Wohlbefinden

Um explorativ zuüberprüfen, ob die edukative Maßnahme einen Einfluss auf das Wohlbefinden beim Networking hat, wurden angelehnt an die Networking-Comfort-Scale von Wanberg, Kanfer und Banas (2000) vier weitere Items zur Messung des Wohlbefindens verwendet ^ = .74). Die Probanden mussten auf einer 5-stufigen Likert-Skala mit Stufen von „stimme gar nicht zu“ bis „stimme voll zu“ angeben, wie stark sie der jeweiligen Aussage zustimmten (z.B. „Mir macht es nichts aus, andere Personen nach beruflichen Tipps für meine Karriere zu fragen.“).

3 Ergebnisse

Die Auswertung der Daten erfolgte anhand der Statistiksoftware SPSS. Das statistische Signifikanzniveau wurde auf α = .05 festgelegt. Bei fehlender Normalverteilung der Daten wurden, sofern vorhanden, nicht-parametrische Alternativen verwendet.

3.1 Manipulationscheck

Bei der Einschätzung des Profits durch Networking für die Person selbst, den Networking-Partner sowie die Organisation ergaben sich keine signifikanten Gruppenunterschiede (Tabelle 1). Bei deskriptiver Betrachtung der Daten zeigte sich zumindest ein hypothesenkonformer Trend für Profit „Selbst“ und Profit „Networking-Partner“. Gemäßden inferenzstatistischen Ergebnissen des Manipulationschecks lässt sich jedoch nicht sicherstellen, dass die edukative Maßnahme die gewünschte Wirkung auf die Probanden hatte.

Tabelle 1 Deskriptive und Inferenzstatistiken zum Manipulationscheck

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.2 Hypothesengeleitete Auswertung

Trotz fehlender Nachweise für das Gelingen der edukativen Maßnahme wurden die Hypothesen auf Gruppenunterschiede hin statistisch untersucht, sollten allerdings nur unter Vorbehalt weiter interpretiert werden. Die deskriptiven Daten sind in Abbildung 2 zu sehen. Beide Gruppen gaben eher niedrige Werte hinsichtlich negativer Affektivität und Schmutzig-Gefühlen und höhere Werte beim Wohlbefinden an.

Abbildung 2. Deskriptive Statistiken (Mittelwert und Standardfehler) der untersuchten Variablen.

Zur Untersuchung von Gruppenunterschieden wurde eine einfaktorielle multivariate Varianzanalyse durchgeführt. Unter der Annahme, dass das a-priori Networking-Verhalten der Probanden die abhängigen Variablen mit beeinflussen könnte, wurde dieses als Kovariate mit in das Modell aufgenommen. Unter Verwendung der Pillai’s Spur wurde ein marginal signifikanter Effekt der Gruppe auf die abhängigen Variablen gefunden (V = 0.11, N(3,110) = 2.46, p = .067). Für das Networking-Verhalten als Kovariate ergab sich ein signifikanter Effekt auf die erhobenen abhängigen Variablen (V= 0.11, N(3,110) = 4.45, p < .01). Separate univariate Tests zeigten einen signifikanten Effekt auf das Networking-Wohlbefinden (N(1, 113) = 13.39, p < .001), nicht aber auf den negativen Affekt (N(1, 113) = 0.54, p = .46) oder die Schmutzig-Skala (N(1, 113) = 0.67, p = .41).

3.3 Explorative Datenanalyse

Für mögliche Erklärungen der bisher dargestellten Ergebnisse wurden die Daten explorativ genauer betrachtet. Dazu wurden Korrelationen zwischen den Variablen des Manipulationschecks untereinander und zwischen diesen und den abhängigen Variablen bestimmt. Aufgrund des signifikanten Effekts des Networking-Verhaltens als Kovariate auf die abhängigen Variablen wurden außerdem korrelative Zusammenhänge zwischen diesen Variablen unabhängig von der Gruppenzugehörigkeit berechnet. Es ergaben sich die in Tabelle 2, 3 und 4 dargestellten Korrelationen nach Spearman.

Tabelle 2 Korrelationen nach Spearman zwischen den einzelnen Variablen des Manipulationschecks

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Berechnung der Korrelationen nach Spearman zwischen den einzelnen Variablen des Manipulationschecks ergab Folgendes: Es zeigte sich, dass der eingeschätzte eigene Profit sowohl mit einem höher eingeschätzten Profit für den Networking-Partner (beide Gruppen) als auch mit einem höher eingeschätzten Profit für die Organisation (Kontrollgruppe) verbunden war. Zudem ging eine höhere Bewertung des Profits für den Networking-Partner in beiden Gruppen mit einer höheren Bewertung des Profits für die Organisation einher.

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Details

Seiten
32
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668729629
ISBN (Buch)
9783668729636
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v429596
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
1,0
Schlagworte
Networking Dirty Affekt edukative Maßnahme

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Titel: Die Verringerung des negativen Affekts beim instrumentellen Networking durch edukative Maßnahmen