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Selige und Heilige. Der Jesuitenheilige Ignatius von Loyola

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 18 Seiten

Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte

Leseprobe

INHALT

Einleitung

1. Quellenlage

2. Jugend des Ignatius von Loyola

3. Beginn der Reise

4. Pilgerreise nach Jerusalem

5. Studienjahre, Häresie Anschuldigungen und Priesterweihe
5.1 Alcalá & Salamanca
5.2 Paris & Venedig

6. Die Gesellschaft Jesu

7. Tod & Heiligsprechung

8. Ignatius Visionen

Schluss

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

EINLEITUNG

In der katholischen Kirche haben Heilige und Seligen eine sehr lange Geschichte und Tradition. Sie nehmen bei den Gläubigen einen besonderen Platz ein und werden von vielen Menschen verehrt. Diese Verehrung der Heiligen ist dabei im Sinne von Hochschätzung und Bewunderung, der sogenannten „veneratio“, zu verstehen und sollte nicht darüber hinausgehen, denn die tatsächliche Verehrung „adoratio“ gebühre nur Gott.[1] Die Anfänge dieser Hochachtung gehen dabei nicht, wie viele es fälschlich vermuten, auf die Apostel zurück, sondern in erster Linie auf die Verehrung von Märtyrern im zweiten Jahrhundert und wurde erst in späterer Zeit auf die Apostel ausgeweitet. Im vierten Jahrhundert kam es sodann zur Ausweitung der Heiligenverehrung auf Personen der monastischen Welt und einzelne Bischöfe.[2] Im Laufe der Zeit ehrte die Kirche viele verschiedene Menschen und ernannte sie zu Heiligen und Seligen, wie zum Beispiel Martin von Tours, Franz von Assisi, Hildegard von Bingen und viele mehr. Diese Menschen zeichneten sich durch besondere Taten aus, die sie während ihres Lebens vollbrachten und dienen anderen Christen als Vorbilder für ihr eigenes Leben. Aber wer waren diese Menschen, dass sie die spezielle Ehrung erhielten und als Selige beziehungsweise Heilige bezeichnet werden? Um diese Frage zu beantworten, bietet es sich an, das Leben und Wirken einer dieser Personen näher zu betrachten. Bei der Wahl des Heiligen für eine nähere Untersuchung bietet sich das durch den neuen Papst Franziskus hervorgerufene Interesse am Orden der Jesuiten an. Papst Franziskus ist nicht nur der erste aus Südamerika stammende Papst, sondern auch der erste aus den Reihen der Gesellschaft Jesu. Dieser Orden stellt in vielen Punkten etwas Besonderes dar, da er sich von Grund auf sehr von anderen Ordensgemeinschaften unterscheidet. Er wurde im Laufe der Geschichte des Öfteren kritisiert und in vielen Ländern Europas sogar verboten. Nichtsdestotrotz besteht er immer noch und listet zum jetzigen Zeitpunkt 51 Heilige sowie 148 Selige, die dem Orden entstammen, auf. Einer von ihnen ist der Ordensgründer Ignatius von Loyola selbst, dessen Biografie sich selbst wie eine Heiligenlegende liest und sich somit im Besonderen für eine nähere Betrachtung anbietet. Aber wer war Ignatius von Loyola eigentlich? Wie lebte er sein Leben und was machte ihn zu etwas Besonderem, so dass er von der katholischen Kirche in den Stand eines Heiligen erhoben wurde?

1. QUELLENLAGE

Die wohl wichtigste Quelle bezüglich des Lebens des Ignatius von Loyola ist die von ihm selbst diktierte Biographie „Der Bericht des Pilger“. Am Ende seines Lebens, in den Jahren 1553 bis 1555, diktierte Ignatius dem portugiesischen Jesuiten Luis Goncalves da Cämara die Geschichte seiner frühen Jahre, wie er sie selbst in Erinnerung hatte.[3] Dabei wird nicht das ganze Leben des Ignatius von Loyola erzählt, sondern erst zu einem viel späteren Zeitpunkt, nämlich als die große Wende in seinem Leben eintrat. Von da an zählt der Bericht die wichtigsten Stationen seines Lebens auf, seine Pilgerjahre, sein Studium bis hin zur Gründung des Ordens. Der „Bericht des Pilgers“, wäre somit die authentischste und ausführlichste Quelleüber das Leben des Ignatius.

Es kam jedoch alles anders, da die Ordensleitung den Entschluss fasste, eine offizielle Biographie des Ordensgründers in Auftrag zu geben, wobei der Auftrag an den Spanier Pedro de Ribadeneira ging. Damit Ribadeneira seiner Aufgabe nachkommen konnte, wurde an die Provinzialoberen des Ordens der Auftrag gesendet, alle für die Lebensgeschichte des Ordensgründers wichtigen Unterlagen nach Rom zu senden.[4] Der von Ignatius selbst diktierte „Bericht des Pilgers“ befand sich ebenfalls unter diesen Quellen. Ribadeneira vollendete sein Werk im Jahre 1572. Diese Biographie wurde sodann in mehrere Sprachenübersetzt und entwickelte sich später zur einzigen verbreiteten Version des Lebens des großen Ordensgründers, weil alle anderen umlaufenden Varianten von der Ordensleitung eingezogen worden waren. Ironischerweise verschwand durch diese Tilgung anderer Quellen auch der „Bericht des Pilgers“ fast vollständig und wurde erst 150 Jahre später in lateinischer Sprache erneut herausgegeben.[5] Der Grund für das Einziehen der wichtigsten Quellen und damit das Verschwinden sowie Vergessen lassen war, dass die von Ignatius erzählte Erinnerung seines Lebens sich nur schwer in das hagiographische Bild einordnen ließ, das sich der Orden im Laufe der Zeit von der Figur ihres Stifters gemacht hatte.[6] Die tatsächlichen Geschehnisse des Lebens des Ignatius wurden zwar durch Ribadeneiras Biographie beschönigt und geglättet, können aber im Großen und Ganzen als fundiert angesehen werden.

2. JUGEND DES IGNATIUS VON LOYOLA

Iñigo López de Loyola wurde im Jahre 1491 als 13tes Kind in einer hochadeligen, reichen und sehr kriegerischen Familie im Baskenland geboren. Seine Kindheit war jedoch von tragischen Ereignissenüberschattet. Seine Mutter starb unmittelbar nach seiner Geburt, so dass er sehr von seinem Vater und seinen sechsälteren Brüdern geprägt wurde, die eine sehr kriegerische und sexuell dominante Einstellung vertraten. Diese Einstellung entsprach den Idealen der damaligen Adelsgesellschaft, welche geprägt war von aristokratischem Stolz, einer aggressiven und kriegerischen Mentalität, einer Zurschaustellung sexueller Potenz und Energie sowie einer tiefen Religiosität.[7] Iñigo schlug trotz einer frühzeitigen Bestimmung einer kirchlichen Laufbahn eine weltliche-militärische Laufbahn unter dem Vizekönig von Navarra ein.

Iñigos Lebenswandel und vor allem seine Zieleänderte sich jedoch schlagartig, als er mit 30 in einer Schlacht durch eine Kanonenkugel verletzt worden war. Sein Bein wuchs schlecht zusammen und musste ein weiteres Mal gebrochen werden, was zu einer schweren Erkrankung und damit verbunden dem Tode nahe kam. In der Folge führte dies zu einer langen Genesungszeit im heimatlichen Schloss. In dieser Zeit war er gezwungen, das Bett zu hüten und konnte sich nur durch Lesen die Zeit vertreiben. Aus Mangel an Ritterromanen, die er eigentlich lesen wollte, beschäftigte er sich mit den einzigen Büchern, die im Haus waren. Es handelte sich dabei zum einen um ein Buchüber das Leben Jesu von Ludolf von Sachsen und zum anderen um eine Sammlung von Heiligenleben in spanischer Sprache.[8]

Die Erfahrung mit dem Leben von Heiligen konfrontiert zu sein, die in keiner Weise nach weltlichen Zielen strebten, führte dazu, dass Iñigo an seinen eigenen Ansichten zu zweifeln begann. Wenn er an seine eigenen Ziele dachte, empfand er zunächst Gefallen, doch hinterließen sie eine schlechte Stimmung in ihm, wohingegen die Bußübungen der Heiligen ihm Trost, Freunde und Zufriedenheit vermittelten.[9] In der Folge gedachte er auch all der Fehler und Sünden, die er in seinem Leben begangen hatte und erkannte die Notwendigkeit der Buße dafür. In dieser Phase kam ihm die Idee einer Pilgerfahrt nach Jerusalem.

3. BEGINN DER REISE

Nachdem Ignatius nun den Entschluss gefasst hatte, auf Pilgerschaft zu gehen, machte er sich 1522 auf den Weg. Eine seiner ersten Stationen war das kleine Städtchen Manresa, wobei er seinen Lebensunterhalt dabei als Bettler bestritt. Dieses Betteln war für ihn der einzige Weg, da erüberhaupt nicht ans Arbeiten gedacht hatte. Hier scheint die Mentalität des spanischen Hochadels durch, denn körperliche Arbeit wurde als unter ihrer Würde angesehen. Diese Mentalität gab er in späteren Jahren auch an die Gesellschaft Jesu weiter, die sich nur geistigen Tätigkeiten, dem Studium und religiösen Übungen widmete.[10] Neben dem Betteln machte es sich Ignatius zur Aufgabe, schwere Bußwerke zu tun, um damit die Sünden seiner Vergangenheit zu sühnen. Allerdings nahmen die sich von ihm aufgelegten Bußen immer mehrüberhand und steigerten sich ins Krankhafte. Er bettete sieben Stunden am Tag und strafte sich selbst mit Fasten und Schlafentzug, was seinem allgemeinen psychischen Befinden nicht sehr zuträglich war. In der Folgeüberkam ihn eine tiefe Verzweiflung, die ihn fast in den Selbstmord trieb.[11]

Nur langsamüberwand er mit der Zeit diesen krankhaften Zustand und kam zu der Erkenntnis, dass die Zwänge, die ihnüberfielen, nicht vom sogenannten „guten Geist“ kommen konnten.[12] Den letzten Schubs aus diesem Loch verschaffte ihm dabei eine Vision, die er am Fluss Cardoner hatte. Diese Vision brachte Ignatius schlussendlich das Verständnis und die Erkenntnis vieler Dingeüber das geistliche Leben, welches er für sich gewählt hatte.[13] Nach dieser Vision kristallisierte sich in den folgenden Monaten, die er in Manresa verbrachte, für Ignatius immer mehr heraus, dass Gott nicht nur sein Schulmeister ist, sondern dass alle Ereignisse, die ihm in seinem Leben widerfuhren, sich unter göttlicher Führung ereigneten und Gott somit seine Schritte lenkt und für ihn sorgt.[14]

All diese positiven sowie negativen Erfahrungen und Einsichten, welche Ignatius in seiner Zeit in Manresa machte, flossen in die von ihm später verfassten geistlichen Übungen ein, welche auch als „Exerzitien“ bekannt sind und zu einem der Grundpfeiler der Seelenhilfe wurde, die Ignatius sein Leben lang betrieb.

4. PILGERREISE NACH JERUSALEM

Nach den prägenden Erlebnissen in Manresa verfestigte sich sein Wunsch einer Pilgerfahrt nach Jerusalem zu einem konkreten Plan, so dass er sich im Jahre 1523 nach Barcelona begab, um von dort aus seine Reise zu beginnen. Dabei hatte er nun die Überzeugung angenommen, dass Gott seinen Weg leiten würde, in den er grenzenloses Vertrauen hatte und in der Folge totale Selbstaufopferung praktizierte.[15] Diese Selbstaufopferung ging dabei so weit, dass er zum einen alleine reisen wollte, um in jeder Notlage nur auf Gott zu vertrauen und zum anderen er, wie schon Franziskus von Assisi und seine Gefährten, jedwede Versorgung für den nächsten Tag ablehnte.[16] Dies führte zu einem Konflikt bei seiner Überfahrt nach Venedig, da er sich für die Reise verproviantieren musste, doch zerstreute sein Beichtvater die Bedenken und Ignatius konnte seine Reise antreten.

In Italien angekommen, begab er sich nach Rom, um von Papst Hadrian VI. zum einen den Segen für die Wallfahrt zu erhalten und zum andern, um die Erlaubnis einzuholen, da es Christen durch päpstliche Aussagen untersagt worden war, ins Heilige Land zu reisen.[17] Nachdem ihm die Erlaubnis erteilt worden war, machte er sich von Rom aus auf den Weg nach Venedig. Das Reisen war zu damaligen Zeiten ein gefährliches und umständliches Unterfangen. So grassierte zu der Zeit in Italien die Pest, so dass Ignatius erst nach Padua reisen musste, um sich seine Gesundheit bestätigen zu lassen, bevor es ihm erlaubt wurde, Venedig zu betreten. Auf dem Weg nach Padua kam es zu mehreren Begebenheiten, die Ignatius in seiner Auffassung bestätigten, dass Gott seinen Weg leite. Zum einen hatte er eine Vision von Jesus in Menschengestalt, die ihm Trost und neue Kraft spendete und zum anderenüberkam er viele Hindernisse auf dem Weg, wie zum Beispiel Einreisekontrollen und Gesundheitsüberprüfungen, auf sehr wundersame Weise und kam schlussendlich in Venedig an.[18]

Aufgrund der damaligen problematischen politischen Lage fungierte Venedig als einziger Anlaufort für Pilger ins Heilige Land. Venedig unterzeichnete mit den Sultanen von Istanbul und Ägypten einen Staatsvertrag, der es nur ihnen erlaubte, ein Schiff mit.

[...]


[1] T. Baumeister S. 1

[2] T. Baumeister S. 1

[3] H. Feld S. 9

[4] H. Feld S. 9

[5] H. Feld S. 9

[6] H. Feld S. 9

[7] H. Feld S. 5

[8] H. Feld S. 12

[9] H. Feld S. 13

[10] H. Feld S. 24

[11] H. Feld S. 27

[12] H. Feld S. 28

[13] P. Imhof S. 35

[14] H. Feld S. 32

[15] H. Feld S. 75

[16] H. Feld S. 75

[17] H. Feld S. 76

[18] H. Feld S. 77

Details

Seiten
18
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668730106
ISBN (Buch)
9783668730113
Dateigröße
757 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v429545
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1
Schlagworte
selige heilige jesuitenheilige ignatius loyola
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Titel: Selige und Heilige. Der Jesuitenheilige Ignatius von Loyola