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Bildungschancen von Sinti und Roma in Deutschand

von MG GM (Autor)

Bachelorarbeit 2017 38 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Internetquellenverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Aufbau der Arbeit
1.2. Forschungsstand

2. Ausgangssituation für die Bildungsintegration von Sinti und Roma
2.1. Der geschichtliche Hintergrund von Sinti und Roma in Deutschland
2.1.1. Sinti und Roma mit deutschem Pass
2.1.2. Roma mit Flüchtlingshintergrund
2.1.3. Roma aus der EU
2.2. Die rechtlichen Umstände von Sinti und Roma in Deutschland
2.2.1. Das Recht auf Bildung als menschrechtlicher Grundsatz
2.2.2. Rechtsgewährung und Bildungsbeschränkung als Paradoxon
2.2.3. Bildungsbeteiligung nach europäischen Vorgaben
2.3. Der Integrationsbegriff

3. Bildungsbenachteiligung innerhalb und außerhalb des Systems
3.1. Ergebnisse diverser Studien zur Bildungssituation von Sinti und Roma
3.2. Einschränkung der Bildungschancen durch außerschulische Faktoren?
3.3. Bildungsungleichheiten bedingt durch Übergänge der Bildungslaufbahn?
3.4. Ist das deutsche Bildungssystem ein „Bildungsbenachteiliger“?
3.5. Handlungserfordernis für eine gleichberechtigte Teilhabe
3.6. Resümee

4. Ergebnis

Literaturverzeichnis

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Die Internetquellen wurden zuletzt am 30. September 2017überprüft.

1. Einleitung

Der Diskurs in Europa aber auch in Deutschland um die Integration, Anpassung und Einfügung von Ausländern sowie Minderheiten in die Mehrheitsgesellschaft hält nach wie vor an. Obwohl in Europa ca. zehn bis zwölf Millionen und in Deutschland ca. 80000 bis 120000 Sinti und Roma leben, fehlen sie fast in jeder dieser Debatten.

Die Sinti und Roma sind seit dem 15. Jahrhundert enormen Benachteiligungen ausgesetzt, Vorurteile beherrschen seit jeher das Vorstellungsbildüber die Bevölkerungsgruppe, sie werden mit Anfeindungen und Verfolgung konfrontiert. Die dramatische Spitze dieser Umstände stellte die nationalsozialistische Verfolgung und der Völkermord dar. In Europa wurden durch die Nationalsozialisten ca. 500000 Sinti und Roma ermordet, wobei diese Zahl in Deutschland und Österreich ca. 25000 betrug. Während der Völkermord zunächst nicht anerkannt wurde, holten dies die Bundeskanzler Helmut Schmidt und Helmut Kohl in den 1980er Jahren nach. Die Sinti und Roma wurden 1997 schließlich als nationale Minderheit in Deutschland anerkannt.[1]

Die Debatten rund um die Integration nennen Bildung zwar als unabdingbare Voraussetzung für die erfolgreiche Teilhabe von Einwanderern am Gesellschaftsleben, an Wirtschaft und Kultur, sowie an Politik und Lebensstandard in Deutschland. Jedoch sind die in Deutschland lebenden Sinti und Roma als nationale Minderheit hierbei kaum Gesprächsthema. Hinzu kommt, dassüber deren Bildungssituation nach wie vor wenig bekannt ist. Dies, obwohl politische Maßnahmen hätten ergriffen werden müssen, da die im dritten Reich erfolgten Ausschulungen und Bildungsabbrüche seit den 1950ern aufgrund des Bundesentschädigungsgesetztes bekannt waren, aber für die Minderheit hinsichtlich von Bildungsmöglichkeiten ohne Folgen blieben.[2]

1980 erschien eine sozialpsychologische Studie, deren Fokus schulrelevante Verhaltensmerkmale von Sinti und Roma-Kindern waren.[3] Darauf folgte 1982 eine weitere Studie „Soziale Situation der Sinti in der Bundesrepublik Deutschland“.[4] Deren Inhalte sind Befunde, die eine defekte Bildungssituation von Sinti und Roma widerspiegeln.[5] Dennoch gab es keine angemessene Reaktion im bildungspolitischen Sinne. Dies hat auch das Ministerkomitee des Europarates bemerkt und kritisiert seit 2002, dass es in Deutschland keine repräsentativen Daten zur Lebens- und Bildungssituation von deutschen Sinti und Roma gibt. Außerdem fordert seit April 2011 die Europäische Union von den Mitgliedsstaaten innerstaatliche Maßnahmen zur gesellschaftlichen Einbindung und Integration dieser Minderheit bis 2020. Dabei wird insbesondere die Bedeutung der Bildung hervorgehoben. Es müsse dringend in die Bildung der Roma Kinder investiert werden, um ihnen so später einen erfolgreichen Weg in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen.[6]

Folglich handelt es sich um ein Thema, das im sozialen Fokus steht, da die Sinti und Roma in Deutschland mit extremen Bildungsbenachteiligungen konfrontiert werden. Dies hat für viele den Anlass, diese als „Zigeuner“ abzustempeln und erneut eine Reihe von Vorurteilen zu entfachten. Daher sollen auch im Fokus dieser Arbeit die Bildungssituation und die Bildungschancen von Sinti und Roma-Kindern stehen.

1.1. Aufbau der Arbeit

Wie bereits erwähnt, sind Sinti und Roma in Deutschland Bildungsbenachteiligungen ausgesetzt, woraus sich auch die Zielsetzung dieser Arbeit ergibt: Die Feststellung der Gründe für diesen desolaten Zustand. Dafür wird der geschichtliche Hintergrund näher betrachtet, woran sich eine Erörterung der Notwendigkeit einer Integration knüpfen wird.

Dabei ist zu erwähnen, dass jedoch die Grundlage für eine statistische Analyse fehlt, da zu ethnischen Minderheiten in Deutschland die entsprechenden Daten nicht vorhanden sind. Aus diesem Grund wird auf empirische Studien aufgebaut, deren Repräsentationsfähigkeit nicht allzu hoch sein mag, zumal die Angaben größtenteils durch schlichte Befragungen gewonnen wurden. Auf der Basis dieser Studien wird sodann die Bildungssituation herausgearbeitet und versucht zu beschreiben, worin die Gründe für die Bildungsbenachteiligung keimen.

1.2. Forschungsstand

Sofern es um die soziologische und ethnologische Forschung von Sinti und Roma geht, ist eine Bandbreite von Arbeiten zu finden, wobei der Inhalt qualitativ variieren mag. Die Problematik aber, die sich im Rahmen dieser Forschungsarbeiten ergibt, ist, dass die Erforschung der Sinti und Roma durch Wissenschaftler erfolgt, die nicht dieser Minderheit, sondern der Mehrheitsgesellschaft angehören.

Im Hinblick auf den Bildungsstand und den situativen Kontext gibt es hingegen nur unzureichende Forschungen. Es fällt auf, dass es bezüglich der Sinti und Roma keine gesonderten Daten in der Bildungsstatistik oder in Schulleistungsstudien gibt. Anders ist dies bei Kindern mit Migrationshintergrund, sodass auch ein Diskursüber die Bildungsgleichheit erfolgen kann, was bei erstgenannter Gruppe nicht der Fall ist.[7]

2. Ausgangssituation für die Bildungsintegration von Sinti und Roma

Sinti und Roma in Deutschland haben nicht alle denselben migrationstechnischen Hintergrund. Vielmehr gibt es unterschiedliche Gründe für deren Einwanderung in Deutschland, sodass sich auch für die Bildungsintegration und somit für deren Bildungschancen unterschiedliche Ausgangssituationen ergeben. Um diese effektiv herausarbeiten zu können, bietet es sich an, die Sinti und Roma in Deutschland in Gruppen einzuteilen. Folglich wird in den untenstehenden Ausführungen zwischen Sinti und Roma mit deutschem Pass, Roma als Arbeitsmigranten, Bürgerkriegsflüchtlinge und Roma aus EU- Mitgliedstaaten unterschieden.[8]

2.1. Der geschichtliche Hintergrund von Sinti und Roma in Deutschland

Zumal es nur einen geringen schriftlichen historischen Fortbestandüber die Sinti und Roma gibt, ist auch die Erforschung des geschichtlichen Kontextes mit Problemen belastet. Daher war es viel mehr die Sprachwissenschaft - und nicht die Geschichtswissenschaft -, die durch Sprachvergleiche ein Näheverhältnis des Romanes zum indischen Sanskript festgestellt haben.[9]

Auf der Grundlage dieser Arbeiten ist es heute anerkannt, dass die ersten Sinti und Roma von Indien in Richtung Westen gegen Ende des ersten Jahrtausends auswanderten.[10] Allerdings war es bisher nicht möglich, die Sinti und Roma zu einem bestimmten Volk oder zu einer bestimmten Kaste in Indien zu lokalisieren.[11] Jedoch lassen sich die Zeichen der Wanderung bzgl. des elften Jahrhunderts im europäischen Abschnitt des Byzantinischen Reichs und bzgl. des 14. und 15. Jahrhunderts im derzeitigen Südteil Griechenlands finden.[12]

2.1.1. Sinti und Roma mit deutschem Pass

Als „deutsche Sinti‘ werden diejenigen bezeichnet, die innerhalb der heutigen Staatsgrenzen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz geblieben sind. Sie sind somitüber einen großen Zeitraum von mehreren Jahrhunderten mit der Historie und der Sprache dieser Länder eng vertraut. In Deutschland hatten die Sinti ihren ersten Einschlag 1407.[13] Dabei lebten sie hier als Bettler, Handwerker und Künstler, wobei dies zu einer Zeit war, in der sich das dauerhafte Wohnen von Menschen an einem bestimmten Ort standardisierte.[14] Dieser Zustand fand seinen Wendepunkt im fünfzehnten Jahrhundert. Aufgrund des Umstandes, dass die Sinti keinen dauerhaften Wohnplatz favorisierten, sondern vielmehr pilgerten, wurden sie als „Tartaren“ und „Heiden“ herabgewürdigt.[15] Ihnen wurde in der Folgezeit das Gebrauchen ihrer eigenen Sprache, das Romanes, versagt. Die Kinder wurden ihren Familien fortgenommen und der Besuch von bestimmten Orten wurden den Sinti untersagt. Dieser Zustand dauerte bis ins 18. Jahrhundert an, als dann anschließend zu einer Phase der „Sozialisierung“ umgeschlagen wurde. Dies fing damit an, dass den deutschen Sinti 1758 ein Reiseverbot ausgesprochen wurde und sie der landwirtschaftlichen Arbeit zugewiesen wurden. Das Ziel lag hierbei darin, die Sinti zu Menschen zu erziehen bzw. „umzuerziehen“, die sauber, ordentlich, gehorsam, sowie arbeitsam sind.[16] Auch wenn man in diesem Akt eine Vermittlung der Aufklärung sehen mag[17], ist hierin dennoch eine Art der Machtausübung gegenüber der Sinti als Minderheit zu sehen.

Die Roma hingegen fanden ihren ersten Einschlag in Deutschland in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, wobei die Tätigkeitsbereiche der Sinti und Roma zu dieser Phase von der Schaustellerei, Kleinhandel, bis zur Sieb- und Korbmacherei reichten. Bei der Ausübung dieser Arbeiten waren sie zwar mobil, hatten jedoch eine feste Anbindung zu ihrem regionalen Umfeld, sodass sie beispielsweise feste Wohnorte zu bestimmten Jahreszeiten hatten.[18]

Die rassistische Haltung in Deutschland gegenüber den Sinti und Roma begann schon weit vor der Zeit des Nationalsozialismus. Zunächst rückten sie gegen Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts in den zentralen Aufgabenbereich der polizeilichen Tätigkeit, sodass sie polizeilich registriert wurden und ab 1905 sogar eine Veröffentlichung ihrer Daten stattfand.[19] Ferner wurde in Süddeutschland ein Gesetz erlassen, dessen Schutzzweck die „Bekämpfung von Zigeunern, Landfahrern und Arbeitsscheuen“ war.[20] Bei der Subsumtion unter den gesetzlichen Tatbestand „Zigeuner“ sei dabei die Rassenkunde heranzuziehen. Die Rechtsfolge der Norm war es, diese Gruppen in ein Arbeitshaus einzuweisen, solange und soweit ein Nachweisüber eine geregelte Tätigkeit iSd. Norm nicht möglich war.[21] Aufgrund dieser fremdenfeindlich motivierten Gesetzlage, war es aus Sicht der Nationalsozialisten nach ihrer Machtergreifung zunächst nicht erforderlich, diese Lage zu verschärfen. Diesänderte sich allerdings mit der Gesetzesnovelle im Jahr 1935. Hier wurde kodifiziert, dass die Reichsbürgerschaft „deutsches Blut“ voraussetze. Im Umkehrschluss bedeutete dies für die meisten Sinti und Roma mit deutschem Pass, dass sie „entbürgert“ wurden.[22]

Aber auch damit fanden die Maßnahmen nicht ihr Ende. Sie wurden ferner als Objekte der Forschung degradiert, um sie dann im Rahmen einer „Rassenhygiene“ zwangssterilisieren zu können.[23]

Im Hinblick auf schulische Maßnahmen, wurde im Jahr 1941 ein Schulverbot erlassen. Dieses war eine Ermächtigungsgrundlage für Behörden, um Sinti und Roma- Kinder vom Unterreicht auszugrenzen, da diese eine sittliche Gefahr für Deutsche darstellen würden.[24]

Parallel zu den Verhaftungen und Deportationen von Juden, wurde dies 1943 auch bzgl. der Sinti und Roma angeordnet. So wurden zum Zwecke der medizinischen Forschung in Auschwitz-Birkenau 23.000 Sinti und Roma untergebracht. Dabei wurden sie als bloße Verfügungsobjekte angesehen und herabwürdigend in Pferdeställen, den sog. „Zigeunerlagern“ eingepfercht. Der Lagerarzt Dr. Josef Mengele führte dann an ihnen menschenverachtende Experimente durch. Außerdem wurden sie zur Zwangsarbeit eingesetzt, wobei insgesamt bis zu 500000 Sinti und Roma ermordet wurden.[25]

Aber auch diejenigen Sinti und Roma, dieüberlebten, hatten keine leichte Zukunft vor sich. So hatte der Krieg ihr ganzes Leben zerstört, insbesondere war durch das Bildungsverbot und staatliche Enteignungen eine Lebensführung wie in der Vorkriegszeit kaum noch möglich. Trotz der offensichtlich rassistisch motivierten Maßnahmen in der Vergangenheit, wurde den Sinti und Roma in der Nachkriegszeit auch keine Entschädigung zugebilligt. Vielmehr war man der Meinung, dass die Maßnahmen vor den Ereignissen in Auschwitz-Birkenau keinen rassistischen, politischen oder religiösen Grund hatten. Es habe sich um Zwangsmaßnahmen gehandelt, die der nationalen Sicherheit gedient hätten und daher kriminalpolitisch erfolgt seien.[26]

Dieser Einstellung der Behörden folgte der BGH[27] nicht und stellte 1963 in seiner Rechtsprechung klar, dass die Zwangsmaßnahmen schon ab 1938 eindeutig rassistisch gewesen seien.[28] Die Rechtsfolge waren allerdings keine beträchtlichen Entschädigungszahlen, da die nach dem Krieg erfolgten Sozialleistungen an die zu zahlenden Entschädigungen angerechnet wurden. Außerdem war von der Entschädigung auch nicht jeder staatliche Eingriff abgedeckt. So gab es beispielsweise für die Zwangssterilisation, die einen unfreiwilligen Eingriff in die körperliche Integrität und somit eine Körperverletzung gemäߧ 223 Absatz 1 StGB[29] darstellt, keine Entschädigung.[30]

Erst 1995 wurden die Sinti und Roma als Minderheit anerkannt, nachdem eine Sinti­Bürgerrechtsbewegung und der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma in den 1980er Jahren begannen, sich für ihre Rechte im Sinne von Entschädigungsleistungen und die fehlende Auseinandersetzung mit der Verfolgung im Dritten Reich einzusetzen.

2.1.2. Roma mit Flüchtlingshintergrund

Zwischen 1991 und 1993 wanderten viele Bosnier in Folge des Bürgerkrieges aus dem ehemaligen Jugoslawien nach Westen. Dabei waren viele von ihnen Roma-Abstammung. Das Ende des kalten Krieges bewegte aber auch viele Roma aus Serbien-Montenegro nach Europa, sodass bei Hochrechnung all dieser Zuwanderungszahlen in den 90er Jahren bis zu 350000 solcher Flüchtlinge nach Deutschland kamen und den Status geduldeter Asylbewerber bekamen.[31]

Als kurz vor der Jahrtausendwende im Jahr 1999 der Bürgerkrieg im Kosovo ausbrach, fand nach dem Zweiten Weltkrieg der bisher größte Anfall auf die Sinti und Roma statt. Im Zuge dessen kam es durch ethnische Albaner zu einer Vertreibung von ca. 100000 Roma unter dem Vorwand der „ethnischen Säuberung“. Deutschland nahm 15000 dieser Flüchtlinge als Zeichen humanitären Beistands auf, wobei die Meisten von ihnen Deutschland wieder verließen und nur eine unbekannte Zahl zurückblieb und in Deutschland geduldet wurde.[32]

2.1.3. Roma aus der EU

Die Armut in Rumänien und Bulgarien, aber auch deren diskriminierende Haltung hat mit dem Beitritt dieser Länder in die EU viele derer Bürger dazu bewegt, in westeuropäische Länder auszuwandern. Dabei machten sie von den Grundfreiheiten der EU, namentlich der Personenfreiheit nach Art. 45 und Art. 49 AEUV[33] Gebrauch.[34] Hinsichtlich der Arbeitnehmerfreizügigkeit nach Art. 39 EGV[35] gab es allerdings noch Einschränkungen bis 2013.

Diese ohnehin schon Besorgnis erregende Situation dieser Länder hat sich weiter zugespitzt, als es in Folge des Beitritts in die Union (2007) und der Weltwirtschafts- und Finanzkrise (2008) zu erhöhter Arbeitslosigkeit, Kürzungen von Sozialleistungen sowie Verteuerungen kam. Somit schöpften die Roma Hoffnung auf ein besseres Leben in westeuropäischen Ländern, sodass es zu Zuwanderungszuflüssen kam und die Zahl der migrierten Roma nach dem Ende des Kalten Krieges auf 80000 - 120000 geschätzt wird.[36]

Die unterschiedlichen Erfahrungen der oben aufgeführten Gruppen zeigen, dass es für die Bildungschancen von Sinti und Roma keinen Universalzusammenhang gibt, sondern, dass vielmehr die Umstände und der Zeitpunkt der Migration prägend waren. Insbesondere fällt auf, dass auf die Bildungssituation der ersten Gruppe Verfolgungs- und Diskriminierungserfahrungen in der Zeit des Nationalsozialismus (aber ach davor und danach) Einfluss hatten, während dies für die letzteren beiden Gruppen aufenthaltsrechtliche Bedingungen sind.

2.2. Die rechtlichen Umstände von Sinti und Roma in Deutschland

Zur Beurteilung der Bildungschancen von Sinti und Roma ist es unerlässlich, auch deren rechtlichen Verhältnisse zu analysieren, die für sie in Deutschland vorherrschen. Daher soll im Folgenden erörtert werden, wie das Recht auf Bildung im Allgemeinen ausgestaltet und hinsichtlich der Sinti und Roma konkretisiert wurde. Dabei wird auffallen, dass die aufenthaltsrechtliche Lage nicht unbedeutend ist.[37]

2.2.1. Das Recht auf Bildung als menschrechtlicher Grundsatz

In Artikel 26 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der UN von 1948 (AEMR) ist erstmals kodifiziert worden, dass das Recht auf Bildung ein Menschrecht darstellt, womit klargestellt wird, dass dies universal und unabhängig von der Staatsangehörigkeit gilt.

Dies wurde erweitert im Internationalen Paktüber wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (bzw. Sozialpakt), wodurch es den Status eines kulturellen Menschenrechts bekam. Weiterhin wurde dieser Grundsatz auch in der Kinderrechtskonvention von 1988 und in der europäischen Sozialcharta von 1961 verankert. Weiteren Einschlag fand dieses Menschenrecht im Internationalen Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von rassistischer Diskriminierung (1965) und im Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (1979).[38]

Inhaltlich sehen diese Konventionen vor, dass das Recht auf Bildung Staaten dazu verpflichtet, unentgeltliche und verpflichtende Grundbildung für Alle zu gewährleisten, den Erziehungsberechtigten Wahlfreiheit anzuerkennen, und nichtdiskriminierend zu sein.[39]

Bei der Ausgestaltung dieses Rechts wurden vom Sozialpaktausschuss der Vereinten Nationen (UN) vier Kriterien herausgearbeitet, die empirischüberprüfbar sind:

Verfügbarkeit von Bildung (availibilty), Zugänglichkeit von Bildung (access), Eignung von Bildung (acceptability) und Anpassbarkeit von Bildung (adaptability).[40]

Diese völkerrechtlichen Verträge erfuhren eine Ratifikation auch durch Deutschland, wobei hier das Recht auf Bildung auch unmittelbar aus der Verfassung, namentlich Art. 12 GG und weiteren verfassungsrechtlichen Grundprinzipien abgeleitet werden kann. Soweit es um die Gewährung dieses Rechts geht, ergeben sich in Deutschland hinsichtlich der obengenannten Bestandteile nicht viele Probleme. Allerdings unterliegt der Art. 12 Absatz 1 Satz 1 GG gemäßdessen Satz 2 auch einer verfassungsrechtlichen Schranke, sodass sich aus rechtlichen aber auch tatsächlichen Gründen Einschränkung bzgl. der Zugänglichkeit von Bildung ergeben können.[41]

In Deutschland werden Zuwanderer mit einem fehlenden aufenthaltsrechtlichen Status zwar als Träger von „Jedermanns-Grundrechten“ und somit auch von Menschenrechten angesehen, jedoch können sie einige dieser Rechte nicht ohne Abschiebungsrisiken geltend machen.[42] Während dies für das Wohn- und Gesundheitsrecht noch immer gilt, war hiervon bis 2011 auch das Menschenrecht auf Bildung betroffen. Dies mag auch einen verfassungsrechtlichen Grund gehabt haben, da es sich bei Art. 12 Abs. 1 Satz 1 GG um ein sog. „Deutschen­Grundrecht“ handelt, wie es dem Wortlaut der Norm zu entnehmen ist: „Alle Deutschen haben das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen“.

Allerdings hat der gesellschaftliche Druck zu einer Reform des bis 2011 geltenden § 87 Absatz 2 Nr. 1 AufenthG geführt, wonach Schulen, Bildungs- sowie Erziehungseinrichtungen, die Ausländerbehörde unverzüglich zu unterrichten hatten, wenn sie vom Aufenthalt eines Ausländers Kenntnis erlangten, „der keinen erforderlichen Aufenthaltstitel besitzt und dessen Abschiebung nicht ausgesetzt ist“. Von dieser Pflicht wurden durch das deutsche Parlament nun „Schulen, Bildungs- sowie Erziehungseinrichtungen“ gem. § 87 Absatz 1 AufenthG ausgenommen, sodass die hier bestehenden Abschiebungsrisiken beim Besuch einer Schule nun beseitigt sind.

2.2.2. Rechtsgewährung und Bildungsbeschränkung als Paradoxon

Im Unterschied zu Zuwanderern mit sicherem asylrechtlichen Status, haben geduldete Asylbewerber zwar ebenso einen Anspruch auf Leistungen zur Deckung einer angemessenen

[...]


[1] bpb\ Zur Bildungssituation von Sinti und Roma.

[2] a.a.O.

[3] Vgl. Studie zur aktuellen Bildungssituation deutscher Sinti und Roma.

[4] Vgl. Hundsalz, Situation der Sinti in der BRD.

[5] a.a.O. (Fn. 1).

[6] Vgl. EU-Kommission, 2011.

[7] Schlattmann, Sinti und Roma, S. 7.

[8] Von Mengersen, Sinti und Roma in der Schule, S. 80; a.a.O. (Fn. 7), S. 8.

[9] Vgl. Reemtsma, Sinti und Roma.

[10] EU-Kommission: Situation der Roma, 2006, S. 9.

[11] a.a.O. (Fn. 9), S. 16.

[12] a.a.O. (Fn. 10).

[13] a.a.O. (Fn. 9), S. 8; Krokowski, Sinti und Roma im Nationalsozialismus, S. 33.

[14] Krokowski, Sinti und Roma im Nationalsozialismus, S. 33.

[15] a.a.O., S. 34.

[16] a.a.O. (Fn. 9), S. 45.

[17] So z.B. a.a.O. (Fn. 14), S. 35.

[18] Unicef, Roma-Familien in DE, 2007, S. 3.

[19] a.a.O. (Fn. 14), S. 35.

[20] a.a.O.

[21] a.a.O.

[22] a.a.O.

[23] a.a.O., S. 37.

[24] a.a.O., S. 43.

[25] a.a.O., S. 47; vgl. Stiftung Denkmal, Chronologie, 2013.

[26] a.a.O. (Fn. 14), S. 52.

[27] Bundesgerichtshof.

[28] vgl. BGH RzW 1964 S. 209.

[29] Strafgesetzbuch.

[30] a.a.O. (Fn. 14), S. 53.

[31] a.a.O. (Fn. 7), S. 11.

[32] BMI, Integration der Roma, S. 18.

[33] Vertragüber die Arbeitsweise der Europäischen Union.

[34] Kyuchukov, Roma School Mediators, S. 3.

[35] Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft.

[36] Marx, APuZ 2011, S. 41.

[37] a.a.O. (Fn. 7), S. 12.

[38] Deutsche UNESCO-Kommission.

[39] a.a.O.

[40] a.a.O.

[41] a.a.O. (Fn. 32), S. 30; Motakef Menschenrecht auf Bildung, S. 97.

[42] Koch, Menschenrecht auf Bildung, S. 157.

Details

Seiten
38
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668730625
ISBN (Buch)
9783668730632
Dateigröße
924 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v429436
Institution / Hochschule
Universität Paderborn
Note
2,0
Schlagworte
Bildungschancen/ Migranten/ Roma/ Sinti/

Autor

  • MG GM (Autor)

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Titel: Bildungschancen von Sinti und Roma in Deutschand