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Kognitive Grundlagen. Der Behaviorismus und welche Rolle er für den modernen Fremdsprachenerwerb spielt

Hausarbeit 2015 12 Seiten

Didaktik - Deutsch - Deutsch als Fremdsprache

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Definition elementarer Begriffe
1.1 Behaviorismus
1.2 Fremdsprachenerwerb

2 Begründer und Modelle
2.1 Pavlovs klassische Konditionierung
2.2 Watsons Übertragung von Tier auf Mensch
2.3 Skinners operante Konditionierung

3 Kritiken
3.1 Kritik Chomskys an Skinner
3.2 Kritik an der black box

4 Relevanz für den heutigen Fremdsprachenerwerb und Fazit

Literaturverzeichnis

1 Definition elementarer Begriffe

In diesem Abschnitt werden Begrifflichkeiten, die für die Einführung in den Fremdsprachenerwerb essentiell sind, vorgestellt. Zunächst wird der Behaviorismus definiert. Anschließend wird erläutert, was unter Fremdsprachenerwerb verstanden wird.

1.1 Behaviorismus

Der Begriff Behaviorismus stammt von dem englischen Verb (to) behave ab und bedeutet etwa 'sich verhalten'. Mit dem Verhalten der Tiere und Menschen haben sich vor allem ab den 1910er Jahren viele Geisteswissenschaftler intensiv beschäftigt. Watson beschreibt die vorherrschende Stimmung um 1912 wie folgt: ״In dem Bemühen, Einheitlichkeit der Hauptbegriffe und Methoden zu erlangen, wurden sofort alle mittelalterlichen Begriffe von Behavioristen fortgeräumt. “

(Watson 1930: 24).

Der Behaviorismus ist eine wissenschaftliche Strömung, die in mehreren Bereichen der Wissenschaften einen hohen Bekanntheitsgrad genießt, vorrangig jedoch in den Geistes- und Sprachwissenschaften. Sowohl in der Soziologie als auch in der Germanistik gilt der Behaviorismus als eine bekannte und geschätzte Theorie. Die Vertreter des Behaviorismus sind der Auffassung, dass nur beobachtbares Verhalten analysierbar sei (vgl. Watson 1930: 25).

Die vorliegende Arbeit erläutert die wichtigsten Begriffe und Strömungen kurz und verweist auf die praktische Wichtigkeit für den heutigen Fremdsprachenunterricht (FSU). Dabei wird nicht zwingend zwischen Deutsch als Fremdsprache (DaF) und Deutsch als Zweitsprache (DaZ) unterschieden, vielmehr soll an dieser stelle ein allgemeiner Überblick zum Behaviorismus und deren Folgen für das Erwerben einer anderen Sprache als der Muttersprache (L1) geschaffen werden.

1.2 Fremdsprachenerwerb

Unter Fremdsprachenerwerb wird die Aneignung einer neuen Kompetenz verstanden. Unterschieden wird zwischen dem Erwerben und dem Erlernen einer Sprache. Sprachwissenschaftler, die sich mit dem Erwerb der Fremdsprache auseinandersetzen, erforschen die Prozesse im menschlichen Gehirn, die bei der Aneignung besagter Kompetenz ablaufen. Flier gehen Behavioristen davon aus, dass das Gehirn eine sogenannte black box darstellt. Der Lerner einer Fremdsprache erwirbt zusätzlich zu seiner Muttersprache (L1) eine weitere Sprache (L2). Schmidt (2010) stellt fest, dass der ״L2-Erwerb ein Zusammenspiel zwischen intuitiven und bewussten kognitiver Prozessen ergibt“ (Schmidt 2010: 788).

2 Begründer und Modelle

Im folgenden Abschnitt werden wichtige Begründer und Modelle zum Fremdspracherwerb vorgestellt und erläutert. Dies umfasst Pavlovs klassische Konditionierung, Watsons anschließende Übertragung vom Tier auf den Menschen und abschließend die operante Konditionierung durch Skinner.

2.1 Pavlovs klassische Konditionierung

Es handelt sich hierbei um eine Form des Lernens, bei der ein Individuum allmählich Reize koppelt und verarbeitet (vgl. Myers). Die Grundlage für das Modell der klassischen Konditionierung schafft Pavlov. In seinem berühmten Experiment mit einem Flund fand der russische Verhaltensforscher heraus, dass Verhalten erlernt und antrainiert werden kann. Die genauen Phasen können Bild 1 im Abbildungsverzeichnis entnommen werden. Zunächst erhält der Flund Futter, welches als konditionierter Reiz wahrgenommen wird. Als Folge ist vermehrte Speichelproduktion zu beobachten Diese unkonditionierte Reaktion erfolgt vor der Konditionierung.

Myers (2015) beschreibt dies als ein Ereignis, das natürlicherweise in Reaktion auf irgendeinen Reiz (Speichelfluss) auftritt. Erklingt eine Glocke (neutraler Reiz), zeigt der Flund zunächst kein besonders auffälliges Verhalten. Während der Konditionierung werden beide Aktionen gleichzeitig ausgeführt (Futter + Glocke) und eine unkonditionierte Reaktion ist zu beobachten (Speichelfluss). In der letzten Phase des

Experiments, nach der Konditionierung, genügt ausschließlich das Hören der Glocke, damit der Speichelfluss des Hundes angeregt wird. Der gesamte Prozess wird als klassische Konditionierung bezeichnet (vgl. Holzkamp 1993: 46 ff). Diese Erkenntnisse legten den Grundstein für weitere Erkenntnisse, die sich mit dem Erlernen im Allgemeinen befassen.

Pavlov zeigt, dass Lernprinzipien ״[...] über die Spezies hinweg angewandt werden können und dass biologische Prädispositionen dem assoziativen Lernen Grenzen setzen.“ (Myers 2015).

Zudem befasste sich Myers mit den zeitlichen Voraussetzungen, die für eine Reiz- Reaktions-Verbindung gegeben sein müssen. Er stellt fest, dass der ideale zeitliche Abstand zwischen den Phasen vor der Konditionierung (Phase 1 und 2 in Bild 1: Der Pavlovsche Hund) etwa eine halbe stunde beträgt. Der Organismus hat so die Möglichkeit, sich auf das bevorstehende Ereignet vorzubereiten. Myers geht von einer biologischen Anpassung der klassischen Konditionierung aus. Des Weiteren merkt er folgendes an:

״Bei der klassischen Konditionierung besteht Löschung in einer abgeschwächten Reaktion, wenn der cs nicht mehr als Signal für einen bevorstehenden US dient. “ (Myers 2015).

CS meint hier den ursprünglich neutralen Reiz (Glocke). US hingegen ist etwas, das auf natürliche Weise die nicht erlernte Reaktion auslöst. Als Beispiel bei hier der Zustand genannt, wenn Futter bzw. Speisen den Speichelfluss anregen (vgl. Myers 2015). ״Als spontane Erholung wird das Auftreten einer zuvor gelöschten Reaktion nach einer Ruhepause bezeichnet.“ (Myers 2015). Mit Reizdiskrimination wird die erlernte Fähigkeit beschrieben, zwischen einem cs und unerheblichen Reizen unterscheiden zu können.

2.2 Watsons Übertragung von Tier auf Mensch

Der Psychologe John B. Watson gilt als Urvater des Behaviorismus. Er beschäftigte sich mit der menschlichen Verhaltensweise (Watson 1930) und übertrug die Ideen Pavlovs von Tieren auf den Menschen. In seinem Studium der menschlichen ״[...] Talente, Neigungen und Vererbung der sogenannten Geisteszüge“ (Watson 1930: 123) wurde festgestellt, dass jedes menschliche Individuum jede erdenkliche Spezialisierung erlangen kann. Watson beschränkt sich dabei auf Kinder im Kleinkindalter und bemerkt, dass man Menschen frühzeitig formen kann. Es wird nicht (nur) von genetisch bedingter Vererbung aus biologischer Sicht ausgegangen, es kommt die Fähigkeit hinzu, jegliches Talent frühzeitig auszubauen zu können (vgl. Watson 1930: 123 ff).

2.3 Skinners operante Konditionierung

Die sogenannte Skinner-Box ist in allen Wissenschaften berühmt, die sich sowohl mit tierischem als auch menschlichem Verhalten beschäftigen. Der Psychologe F.B. Skinner untersuchte die Verhaltensweise von Tauben in einer Box unter verschiedenen Bedingungen. Er setzte sich vor allem mit den Auswirkungen von positiver Bestrafung als auch mit den Folgen der negativen Bestrafung auseinander (vgl. Myers 2015).

Zur Veranschaulichung des Experiments dient Bild 2 im Anhang. Die Taube sitzt in einer Box, in der sich 3 Plebei und 3 verschiedenfarbige Lampen befinden, die mit den Hebeln in Verbindung stehen. Nach unkonditioniertem Picken löst die Taube zufällig durch Berührung eines Hebels eine bestimmte Reaktion aus. Die grüne Lampe leuchtet auf und die Taube erhält Futter. Bei Aktivierung des Hebels, der mit der gelben Lampe verbunden ist, bleibt eine Reaktion aus. Wird der Hebel mit der roten Leuchte angepickt, erhält die Taube kein Futter, allerdings einen leichten Stromschlag (vgl. Holzkamp 1993: 55 ff). Die Taube wird die unerwünschte Folge, die mit Aufleuchten der roten Lampe verbunden ist, vermeiden wollen und pickt fortan nur noch auf die Hebel der anderen beiden Lampen. Wird die grüne Lampe aktiviert, spricht man von positiver Verstärkung durch Belohnung eines gezeigten Verhaltens (Erhalt von Futter).

Mitschian (2010: 794) bezeichnet das Aus- oder Unterbleiben negativer

Erscheinungen als negative Verstärkung und nennt als praktisches Beispiel aus dem Unterricht einen Schüler, der sich erneut seinen Hausaufgaben widmet und dem der vorher auferlegte Hausarrest wieder erlassen wird.

Abschließend kann festgestellt werden, dass die klassische und die operante Konditionierung einander ähneln. Beide sind Formen assoziativen Lernens. ״Zu beiden gehören Erwerb, Löschung, spontane Erholung, Generalisierung und Diskrimination.“ (Myers 2015).

3 Kritiken

Im folgenden Abschnitt sollen die bisher vorgestellten Modelle kritisch beleuchtet werden. Zunächst wird Chomskys Kritik an Skinner erläutert. Anschließend wird Kritik an der black box verübt.

3.1 Kritik Chomskys an Skinner

Skinners Auffassungen waren nicht überall in der Wissenschaft beliebt. Die scheinbar problemlose Übertragung von tierischem Verhalten auf das des Menschen war einigen Wissenschaftlern unverständlich. Die Kontroversen, die sich um seine Ansicht von menschlichem Lernen drehen, fasst Myers (2015) zusammen. Der größte Kritikpunkt sei die Unterschätzung der Kognition und biologische Einschränkungen beim Lernen. Außerdem sah sich Skinner mit der Frage konfrontiert, was Freiheit sei und ob man ethisch richtig handele, wenn man mit Bestrafung arbeite (vgl. Myers 2015). Einer der größten Kritiker war seinerzeit Chomsky.

Dieser war ein Schüler Skinners und kritisierte dessen Erkenntnisse innerhalb der operanten Konditionierung stark. Myers stellt zusammenfassend fest, dass ein Umbruch bei Verhaltensforschern stattfindet. Es herrsche die allgemeine Auffassung vor, dass die ״[...] Konditionierungsprinzipien durch unsere Gedanken, Wahrnehmungen und Erwartungen beeinflusst werden.“ (Myers 2015).

Auch Mitschian macht deutlich, dass Linguisten und Sprachlehrer psychologische Konzepte vollständig ablehnten, (vgl. Mitschian 2010: 799). Behavioristische und kognitive Elemente wurden gegenübergestellt, der Behaviorismus scheiterte. Mitschian begründet dies besonders mit dem Anspruch der Behavioristen, alle Formen des Lernens erklären zu wollen und zu können. Erwähnenswert ist, dass unter anderem durch Einführung neuer Techniken und Medien ab den 1960er Jahren vor allem computergestützte Methoden entwickelt und angewandt wurden.

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