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Ein Vergleich der ersten Meditation Descartes‘ und Putnams Gehirn-im-Tank-Szenario anhand der Werke "Meditationen" und "Vernunft, Wahrheit und Geschichte"

Hausarbeit 2016 17 Seiten

Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Erkenntnisinteresse

2. Moderne Skepsis
2.1 Cartesische Skepsis
2.2 Pyrrhonische Skepsis

3. René Descartes
3.1 Die Sinnestäuschung
3.2 Das Traumargument
3.3 Der Täuschergott

4. Hilary Putnam
4.1 Vorwort als kurzer Einstieg in das Gehirn-im-Tank-Szenario
4.2 Gehirn im Tank

5. Vergleich

6. Fazit und Erkenntnisse

7. Literatur-/Quellenverzeichnis I

Hausarbeit Inwieweit hat sich die Auffassung der Welt bezugnehmend auf unsere Existenz verändert und unterliegt sie weiterhin einer Fallibilität?

Ein Vergleich der ersten Meditation Descartes‘ und Putnams Gehirn-im-Tank-Szenario anhand der Werke „Meditationen“ und „Vernunft, Wahrheit und Geschichte“

1. Einleitung und Erkenntnisinteresse

Die Welt bietet uns viel. Darunter zählt beispielsweise ein farbenfrohes Naturschauspiel, fließendes Wasser, das weiche Fell eines Tieres – all diese Dinge halten wir für wahr. Sie gelten als wahrnehmbar und somit als real. Das bedeutet jedoch nicht, dass alles, was wir für wahr halten, auch tatsächlich wahr ist. Unser Wissen ist anzweifelbar. Was ist, wenn all das, was wir als Mensch für selbstverständlich, für real halten, gar nicht wahr ist? Was ist, wenn unser Leben sowie dessen Qualität, die auf solchen Wissensfundamenten aufbauen, falsch oder gar nicht lebenswert ist? Was ist, wenn wir eigentlich gar nicht existieren? Diese Fragen sind dem Skeptizismus zuzuordnen, dessen Begriff ich später noch kurz definieren werde. Skepsis gehört zu jedem Menschen und wird vermutlich auf ewig Teil des menschlichen Denkens sein, auch wenn sie meistens nur zeitlich begrenzt ist. Jeder Mensch zweifelt etwas an, manche mehr und manche weniger, da wir irrtumsanfällig sind.

René Descartes (1596-1650) gilt als einer der einschlägigen Philosophen, die sich mit Skepsis beschäftigen. Er stellt einen Scheinskeptiker dar. Vieles stellt er zwar in Zweifel, allerdings will er in seinen Meditationen etwas beweisen, ein wissenschaftliches Fundament aufbauen. Eben dies spricht gegen Descartes als Skeptiker, da Skeptiker sich normalerweise darauf berufen, alles in den Zweifel zu ziehen, ohne konkrete Lösungsvorschläge zu geben. Allerdings benutzt er den Skeptizismus, um etwas herauszufinden, was Skeptiker intensiv zweifeln lässt (methodischer Skeptizismus). Descartes ist ein Philosoph, welcher die Ansicht vertritt, dass die Fragen nach einem Gott und der Seele die wichtigsten der Philosophie sind.1 In seinem Werk „Meditationen“ versucht er diese Fragen zu klären und eine Antwort auf diese zu finden, indem er sein Ich auf sich selbst zurückwendet. So ist sichergestellt, dass er nicht abgelenkt werden kann abgelenkt. Sein Geist hat dann die Möglichkeit, komplett frei sein zu können. Auf der anderen Seite hat Descartes seine Meditation für die Alltagssprache kompatibel und umgangssprachlich verfasst, weil er wollte, dass der Leser die Meditation mitverfolgt, miterlebt und nicht distanziert betrachtet. Der Leser soll sich in die Stelle des meditierenden Ichs versetzen (können) und damit zum Philosophen, zum Akteur, zum Meditierenden werden. Dieses Mitvollziehen des Lesers durch den Autor nennt man Protreptik. Durch seine subjektive Schreibweise lässt er den Text für den Leser nahbar werden. Damit ist gemeint, dass der Leser sich damit besser identifizieren kann.

Darüber hinaus geht Descartes in seinem Werk auf Sinnestäuschungen, Träume hinsichtlich seiner Wirklichkeit und auf die Frage nach Gott ein, indem er verschiedene Dinge anzweifelt. Circa 300 Jahre später tritt ein weiterer Philosoph auf, welcher sich u.a. mit einer sozusagen modernen Fassung dieses Traumarguments beschäftigt. Sein Name ist Hilary Putnam (1926-2016). In seinem Werk „Vernunft, Wahrheit und Geschichte“ versucht er das Gehirn-im-Tank-Szenario zu widerlegen (antikskeptisches Argument). In diesem Gedankenexperiment wird ein Gehirn in einen Tank gelegt und über einen Computer versorgt, sodass das Gehirn getäuscht wird. Wir als einzelnes Gehirn halten unsere Umgebung und die Welt, in der wir leben, für wahr. Jedoch sind wir nur ein Gehirn im Tank, gesteuert und versorgt über einen Computer, der unsere Wahrnehmung intensiv täuscht.

Nach dieser kurzen Vorstellung beider Philosophen beschäftigt sich die Arbeit hauptsächlich mit dem Vergleich beider oben genannten Werke hinsichtlich der Frage nach der Existenz, der Auffassung der Außenwelt sowie die dazugehörige Fallibilität. Um den Einstieg zu erleichtern, ist zuerst eine Erläuterung der modernen und antiken Skepsis hinsichtlich der pyrrhonischen und der cartesischen Skepsis gegeben. Darauffolgend wird die erste Meditation Descartes analysiert. Anschließend folgt eine Analyse des Gehirn-im-Tank-Szenarios hinsichtlich Putnam und zum Schluss folgt ein Vergleich sowie das Fazit und die Erkenntnisse dieser Arbeit.

2 Antike und moderne Skepsis

Aus Zweifelsgründen entsteht Skeptizismus. Skeptiker halten die Erkenntnis von Wahrheiten für unmöglich² und zweifeln die fundamentalsten Erkenntnisse an. Bereits Sokrates sagte damals „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“, ein Zitat, welches in vielen modernen Songs wiederzufinden ist und deutlich zeigt, was Skeptizismus bedeutet.

2.1 Cartesische Skepsis

Der cartesische Skeptizismus wird von René Descartes verkörpert.2 Die Aufgabe eines cartesischen Skeptikers besteht darin zu zeigen, welche möglichen Täuschungen uns (im Alltag) begegnen. Mit Hilfe dieser möglichen Täuschungen wird gezeigt, dass Dinge, die der Mensch für wahr und selbstverständlich hält, irreführend und fehlerhaft sind oder zumindest sein können wie beispielsweise auch Halluzinationen.3 Zusammenfassend zeigt sie also, dass der Mensch nicht wissen kann, ob es eine Außenwelt gibt oder nicht. Wenn nicht bedeutet dies zudem, dass wir uns ebenso nicht absolut sicher sein können, ob unsere Mitmenschen, zu denen sich unsere Familien, Freunde, Bekannte und Unbekannte zählen, möglicherweise Hologramme oder roboterartige Wesen sind.4

2.2 Pyrrhonische Skepsis

Die pyrrhonische Skepsis ist eine von Pyrrhon begründete Form des praktischen und klassischen Skeptizismus und lässt sich durch ihr Verfahren beschreiben.5 Pyrrhon postuliert, dass es unmöglich sei festzustellen, ob eine Erklärung bezüglich etwas absolut wahr oder falsch sei.6 Zuerst betrifft sie das Entgegensetzung von Meinungen, die inhaltlich entgegengesetzt sind (diaphonía). Dann wird die Gleichwertigkeit der Argumente herausgestellt (isosthenía) und zuletzt enthält sie sich der Frage nach Wahrheit und Falschheit bezüglich der Meinungen (epoché). In Anbetracht dessen gilt es also festzustellen, dass dieses Prozedere eine Funktion erfüllt, denn die Pyrrhoniker haben ein praktisches Ziel. Sie wollen Seelenruhe, als ataraxía, erreichen.

Nach Hegel stellt der antike pyrrhonische Skeptizismus die radikalste Form des Skeptizismus dar.7

„Indem Hegel die Reichweite der pyrrhonischen Skepsis auf den Bereich der sinnlichen Wahrnehmung und endlichen Reflexion einschränkt, sucht er den pyrrhonischen als partiellen Skeptizismus darzustellen, dessen Zweifel sich nur auf die Sphäre des Endlichen erstreckt.“8

Hier lassen sich Parallelen zu Descartes erkennen, welcher ein Vertreter der cartesischen Skepsis ist. Hegel möchte den Versuch beginnen, die pyrrhonische Skepsis als partielle Skepsis darzustellen. Da aber nicht die pyrrhonische Skepsis partiell ist, sondern die cartesische, gibt es Parallelen zwischen beiden Skeptizismen. Der große Unterschied liegt hierbei in dem letzten Nebensatz des obigen Zitats, da er schreibt, dass der Zweifel sich nur auf die Sphäre des Endlichen erstreckt. Descartes als cartesischer Skeptiker jedoch spricht von Zweifeln, die sich sowohl auf die Sphäre des Endlichen als auch den Unendlichen erstrecken.

3. René Descartes

Bereits der Titel in Descartes Meditationen gibt dem Leser eine Auskunft darüber, um was es geht, nämlich um die Meditation über die erste Philosophie. Der Titel formuliert bereits eine Zielsetzung, denn Meditation leitet sich vom lat. meditatio ab und bedeutet das Nachdenken, Überlegen, Betrachten, Erwägen. Bei Descartes steht der Begriff in einem engen Zusammen-hang mit seinem Methodenbewusstsein (Analyse statt Synthese als Beweisverfahren). Die Meditation erfordert ein gemeinsames aufmerksames Betrachten und ein in sich hinein-versetzendes Mitdenken (attente considerare et meditari). Das umgekehrte Motiv hierzu findet sich im Moment des Zweifels.

Die erste der Meditationen über die erste Philosophie stellt dar, inwiefern die Existenz Gottes und die Unterscheidung zwischen der menschlichen Seele und dem Körper bewiesen wird. Descartes sagt hierzu, dass er bereits vor einigen jahren bemerkt habe, wie viel Falsches er von seiner Jugend an als wahr hat gelten lassen.9

[...]


1 Descartes, René. Meditationen. Felix Meiner Verlag. Hamburg. 2009. S.3

2 http://www.philolex.de/skeptizi.htm

3 Gabriel, Markus. Antike und Moderne Skepsis. Zur Einführung. Junius Verlag GmbH. Hamburg.2008. S.108

4 ebd.

5 http://www.philolex.de/skeptizi.htm

6 ebd.

7 Heidemann, Dieter. Der Begriff des Skeptizismus: Seine systematische Formen, die pyrrhonische Skepsis und Hegels Herausforderung (Quellen und Studien zur Philosophie, Band 78). De Gruyter Verlag. 2007. S.117

8 ebd. S.119

9 Descartes, René. Meditationen. Felix Meiner Verlag. Hamburg. 2009. S.19

Details

Seiten
17
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668729360
ISBN (Buch)
9783668729377
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v429302
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
3,0
Schlagworte
Descartes Mediationes Putnam Gehirn im Tank

Autor

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