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Usambara und der Kilimandscharo als Motiv des Wettlaufs um Afrika

Hausarbeit 2016 12 Seiten

Afrikawissenschaften

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Definition der Begriffe Imperialismus, Kolonialismus und Wettlauf um Afrika

3. Der Wettlauf um Afrika in Christof Hamanns „Usambara“

4. Kilimandscharo als treibendes Motiv Afrikas

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wenn von Afrika gesprochen wird, setzt sich bei vielen Menschen das Bild des dunklen, abenteuerlich und wild wirkenden Kontinents durch. Dieser Eindruck kommt nicht von ungefähr und hat sich über viele Epochen entwickelt.

Schon seit der Antike ist Afrika, zu mindestens mit den an das Mittelmeer grenzenden Gebieten, den Menschen Europas bekannt - sei es durch Völker wie Karthago oder Ägypten, welche die Ausgangspunkte für den Handel ins Innere des Kontinents darstellten.

Wie es im Inneren von Afrika jedoch tatsächlich aussah, blieb den Europäern vorerst verwehrt. Ab dem 11. Jahrhundert erfolgte ein erster Wandel in Folge der Verbreitung des Islams und der Niederlassung bzw. Eroberung verschiedener Gebiete in Nord und Ostafrika. Dies stellte nicht nur eine Art „erste Kolonisierung“ Afrikas dar, sondern brachte langsam auch vermehrt Informationen über den fremdartig wirkenden Kontinent nach Europa.

Mit der frühen Neuzeit fingen europäische Mächte - unter anderem Portugal - an sich mit Afrika eingehender zu beschäftigen. Jene errichteten z.B. Handelsstützpunkte oder Niederlassungen an den Küsten Afrikas um u.a. den Seeweg nach Indien zu sichern, Sklaven zu kaufen. Dennoch erfolgte immer noch eine externe Betrachtung des Kontinentes bzw. den peripheren Gebieten der Küsten Afrikas. Endgültig änderte sich dieser Zustand mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts. Es wurden vermehrt Expeditionen organisiert und verwirklicht, deren Aufarbeitung die verschiedensten Erkenntnisse über das Landesinnere (u.a. topographisch und geologisch) und dessen Bewohner brachten.

Zum Ende des 19. Jahrhunderts führte dieser neue Kenntnisstand als einer der Gründe dazu, dass es zum Kolonialismus und damit zum „Wettlauf um Afrika“ kam, in welchem es zu willkürlichen Landeinnahmen, Grenzziehung und Versklavung der indigenen Bevölkerung kam.

Christof Hamanns Roman „Usambara“ setzt genau in dieser Zeit ein. Das Werk rückt das Wettlaufmotiv dabei in den Vordergrund und projiziert es auf den höchsten Bergs Afrikas, den Kilimandscharo. Erzählt wird die Handlung aus den Perspektiven Fritz Benders in der Gegenwart und seines Urgroßvaters Leonhard Hagebucher zur Kolonialzeit in Deutsch-Ostafrika. Der Kilimandscharo wird für beide aus unterschiedlichen Gründen zum Punkt ihrer Faszination, ihres Interesses und bewegt sie zu einem Wettlauf auf dessen Gipfel.

Inwiefern hat der Kilimandscharo etwas mit einem „Wettlauf um Afrika“ zu tun? Wodurch entsteht die Faszination? Steht er stellvertretend als Symbol für Afrika und u.a. die Fremdheit, die damit verbunden wird? Hierbei soll die These untersucht werden, inwieweit der Kilimandscharo als Motiv des Wettlaufs um Afrika verstanden werden kann.

Auf den nachfolgenden Seiten sollen zunächst schwierige Begrifflichkeiten geklärt werden, um zu verstehen, in welchem Kontext die Handlung des Textes steht. Weiterhin soll beschrieben werden, wie sich die Thematik des „Wettlaufs um Afrika“ in der Bezwingung des Kilimandscharo äußert.

2. Definition der Begriffe Imperialismus, Kolonialismus und Wettlauf um Afrika

Wie bereits erwähnt ist es schwer die Begriffe Imperialismus und Kolonialismus in Gänze zu fassen und zu definieren. Je nach Schwerpunkt, den man sich setzt, rücken einzelne charakteristische Elemente dieser Begriffe in den Vordergrund.

Imperialismus:

Der Begriff „Imperialismus“ ist abgeleitet aus dem lateinischen „Imperium“, welches für „Weltreich“ steht. Intention (Ziel) dieses Systems ist es, dass ein Staat daraufhin arbeitet, seine Macht in verschiedenen Bereichen auszubauen und auf andere Länder auszudehnen. Dazu zählen sowohl die wirtschaftliche, militärische, kulturelle und politische Macht eines Staates als auch die Größe des Einflussbereichs über den eigenen Staat hinaus. Zwangsläufig führt diese Art des Systems unweigerlich dazu andere Länder von sich abhängig zu machen und indirekt auszubeuten.1, 2

Auf die zeitliche Einteilung bezogen lässt sich der Begriff Imperialismus auch, als eine kurze Epoche verstehen im Zeitraum zwischen ca. 1870 und dem Ende des zweiten Weltkriegs 1918, in der Afrika unter den damaligen europäischen Großmächten u.a. Deutschland (bzw. deutsches Kaiserreich) aufgeteilt wurde.

Kolonialismus:

Beim Kolonialismus handelt es sich um eine direkte Herrschaftsbeziehung zwischen Kollektiven. Anders gesagt ist es die durch einen zumeist europäischen Staat geförderte Unterwerfung eines anderen Landes, die Einverleibung von dessen Territorium sowie dessen systematische, direkte wirtschaftliche Ausbeutung. Das so neu geschaffene, politische Gebilde wird auch Kolonie genannt. Dessen landfremde Herrschaftsträger, auch Kolonialherren genannt, stehen in einer dauerhaften Abhängigkeitsbeziehung zu einem räumlich weit entfernten imperialen Zentrum, das Besitzansprüche geltend macht.3, 4

Weiterhin entwickelte sich ein spezielles Denken bzw. Sichtweise von den Kolonialmächten auf die Kolonien, ergo ein „koloniales Denken“, das sich durch verschiedene Elemente charakterisierte. Die Einnahme der Territorien als auch die Versklavung der Bevölkerung wurde oft sowohl rassistisch als auch religiös begründet, dass die Indigenen (z.B. Afrikaner) als Wilde, teilweise auch als Kinder ansahen, welche zivilisiert werden müssten.

„ Die B ü rde des wei ß en Mannes “.5

Darüber hinaus setzten die europäischen Mächte auf eine Politik des „geistigen Jochs“, was bedeutete, dass es weitestgehend kein Entgegenkommen im kulturellen Bezug gab und der indigenen Bevölkerung die europäische Kultur aufgezwungen wurde. 6

Zusammenfassend zeichnet sich der Kolonialismus somit durch Rassismus, Bevormundung, Missionierung, Ausbeutung und kulturellen Zwang aus.

Wettlauf um Afrika:

Es handelt sich hierbei um die Blütezeit des Imperialismus und der Kolonisierung Afrikas. Führende europäische Großmächte wie Frankreich und Großbritannien versuchten als Erste neue Märkte zu erobern und betrieben in den jeweiligen Gebieten zunächst eine Art indirekten Imperialismus, in welchem ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen einem Land Afrikas und der Großmacht geschaffen wird. Formell war das Land unabhängig, durch verschiedene Faktoren jedoch an die Großmacht gebunden.

Seit 1880 stießen weitere Großmächte wie Belgien und sehr spät um 1884/85 das deutsche Kaiserreich dazu. Es wurde nun verstärkt auf den Kolonialismus, dem sogenannten direkten Imperialismus gesetzt. Die europäischen Großmächte konkurrierten fortan immer mehr um strategische Zugänge7 oder Ressourcen8.

Die zunehmenden Spannungen zwischen diesen schlugen sich auch in den Kolonien wieder. Es setzte sich ein Teufelskreis in Bewegung aus steigenden Spannungen der Großmächte und härterer Ausbeutung. Die Beweggründe des deutschen Kaiserreichs sich letztendlich am Kolonialismus zu beteiligen, lagen in der innenpolitischen Situation begründet. Es gab ein sehr großes Interesse der Wirtschaft - speziell der Industrie - im deutschen Kaiserreich, aber auch sozial und wissenschaftlich wurden an dem Kolonialismus und den zukünftigen Kolonien große Erwartungen gestellt. Es hatten sich bereits Gesellschaften gebildet, die Expeditionen finanzierten und die Besitzansprüche an Territorien forderten.

Das Problem war jedoch, dass das deutsche Kaiserreich unter der politischen Führung Bismarcks sich an dem Wettlauf um Afrika zu spät beteiligt hatte.9

Daran konnte auch die Berliner Kongokonferenz die, die Aufteilung Afrikas regelte nichts mehr ändern. Man erhielt letztendlich nur einige wenige Küstenregionen, ohne großen Wert. Auch die erhoffen, schnellen Erfolge der Kolonialen Expansion für den sozialen Bereich, sowie der Wirtschaft blieben aus und führten eher noch zu hohen Kosten.

3. Der Wettlauf um Afrika in Christof Hamanns „Usambara“

Christof Hamanns Roman „Usambara“ zeigt verschiedene Elemente des Imperialismus auf, mit besonderer Fokussierung auf das Wettlaufmotiv.

Die Handlung wird dabei, wie bereits in der Einleitung vermerkt, durch zwei verschiedene Handlungsstränge erzählt und bedient sich einer Mischung aus Fiktion und historischen Ereignissen bzw. Personen. Bezugspunkt dabei ist der Kilimandscharo, der höchste Berg und gleichsam ein Symbol Afrikas.

Schon der Einstieg in den Text legt verschiedene Eindrücke nahe. Zum Einem wird in einem Zitat von Fritz Jäger von der Erstbesteigung des Berges sowie der damit verbundenen Thematik des Wettlaufs um Afrika gesprochen und das dadurch aus ihm ein deutscher Berg geworden sei. Es ist faktisch ein in Besitznehmen des Gebietes nach imperialistischen Vorbild.10 Zum Anderem wird durch die beiden Protagonisten Fritz Bender und seinem Urgroßvater Leonhard Hagebucher11 andere Eindrücke vermittelt. Bei Leonhard kommt zunächst einmal der Erkundungsdrang sowie das Erforschen der Fremde zum Vorschein. Die Grundlage dessen, was ihn scheinbar antreibt bzw. zum Laufen bringt, ist damit das Fernweh.

„ Von den Hagebuchers sagte man von Anfang an, dass sie es vor allem mit den Beinen hatten. Sie konnten, so hie ß es, tr ä umen mit ihren Beinen. Sich wegtr ä umen an Orte die noch kein Mensch gesehen hatte. “ 12

[...]


1 Schubert, Klaus/Martina Klein: Das Politiklexikon. 5., aktual. Aufl. Bonn: Dietz 2011. Suchbegriff: Imperialismus. (11.2.2016)

2 Osterhammel, Jürgen und Jansen, Jan C. : Kolonialismus. Geschichte, Formen, Folgen( Reihe C.H.Beck Wissen 1995), 7.Auflage. München 2012.

3 Osterhammel, Jürgen und Jansen, Jan C. : Kolonialismus. Geschichte, Formen, Folgen( Reihe C.H.Beck Wissen 1995), 7.Auflage. München 2012. Seite 7-28.

4 Deutsch-Ostafrika im Abhängigkeitsverhältnis zum deutschen Kaiserreich

5 Osterhammel, Jürgen und Jansen, Jan C. : Kolonialismus. Geschichte, Formen, Folgen( Reihe C.H.Beck Wissen 1995), 7.Auflage. München 2012. Seite 18 -28.

6 Cooper Frederick. Kolonialismus denken. Konzepte und Theorien in Kritischer Perspektive(Reihe Globalgeschichte, Band 2), Frankfurt am Main 2012. Seite 379-381.

7 Suezkanal.

8 Z.B. Tee, Kautschuk, Kupfer.

9 Stoecker, Helmuth : Die Annexionen von 1884/85. In: Stoecker, Helmuth(hrsg.) : Drang nach Afrika. Die deutsche koloniale Expansionspolitik und Herrschaft in Afrika von den Anfängen bis zum Verlust der Kolonien(2. Auflage), Berlin 1991. Seite 21-35.

10 Hamann, Christof: Usambara. Steidl Verlag. Göttingen,2007.Seite 7.

11 Fiktive Figuren: Leonhard: Sohn eines Gärtners und in Erfurt angesiedelt, Fritz ist Postbote, in Solingen angesiedelt.

12 Hamann, Christof: Usambara. Steidl Verlag. Göttingen,2007.Seite 10.

Details

Seiten
12
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668725393
ISBN (Buch)
9783668725409
Dateigröße
432 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v429206
Institution / Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,7
Schlagworte
usambara kilimandscharo motiv wettlaufs afrika

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