Lade Inhalt...

Der Raum des St. Galler Klosterplans im Spiegel der zeitgeschichtlichen Quellen und Ereignisse

Hausarbeit (Hauptseminar) 2015 30 Seiten

Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A) KOSMOS ST. GALLEN - KAROLINGISCHE KLOSTERARCHITEKTUR

B) DER KLOSTERRAUM ST. GALLEN IM SPIEGEL DER QUELLEN

I) Quellenwahl und Forschungsstand
1.1 Der St. Galler Klosterplan
1.2 Regula Benedicti
1.3 Die Aachener Reformsynoden 816/
1.4 Forschungslage zur Reform - Klosterplan Korrelation
1.5 Heuristik und analytische Methode

II) Raumanalyse des St. Galler Klosterplans
2.1 St. Gallen ein Grokkloster
2.2 Das Kloster als Zentrum der Grundherrschaft
2.3 Handwerk im Kloster - Das Kloster alsökonomisches Zentrum
2.4 Das Kloster als spirituell-kulturelles Zentrum

C) DER ST. GALLER KLOSTERPLAN - MIKRO- UND MAKROKOSMOS

3.1 Resümee
3.2 Ausblick - Campus Galli oder wie der Plan zum Leben erwacht

D) QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS

4.1 Quellen
4.2 Sekundärliteratur
4.3 Weblinks

E) ABBILDUNGEN

A) Kosmos St. Gallen - karolingische Klosterarchitektur

„Das Kloster galt als Stätte des Gebetes [...] Zudem war das Kloster Stätte der Kultur wie auch Zentrum einer ausgedehnten Ökonomie. Überhaupt bildete es so etwas wie einen bei­spielhaften Kosmos im kleinen.“1

Dieses Resümee Arnold Angenendts,über die Blütephase der Klosterkultur im Zuge der ania- nischen Reformen im ersten Viertel des 9. Jahrhunderts, lieferte den Denkanstoßfür die vorlie­gende Arbeit. Die Definition beschreibt zwei wesentliche, den Raum Kloster definierende Merkmale. Eine zentrale Determinante eines mustergültigen Klosterkomplexes scheint einer­seits der liturgisch-kulturelle und andererseits derökonomische Raum zu sein

Die Struktur eines karolingischen Klosterkomplexes unter dem Einfluss der Klosterreformen Ludwigs dem Frommen lässt sich wohl an keinem Beispiel so umfangreich erarbeiten, als am Raum des St. Galler Klosterplans. Die in der unmittelbaren Nachfolgezeit der Reformen ent­standene Planskizze eines Klosterkomplexes, stellt eine einzigartige Quelle für die Klosterar­chitektur des gesamten Frühmittelalters dar. In einer zweiteiligen Analyse soll im ersten Teil der Arbeit der Plan im Entstehungskontext seiner Zeit untersucht werden. Neben zeitgenössi­scher Reichs- und Kirchenpolitik stellen vor allem die Beschlüsse der Aachener Synoden 816 und 817 wesentliche Einflussfaktoren für die karolingische Klosterbaukultur dar. Im Hinblick darauf, dass die Reformen Benedikts von Aniane unter dem Ziel standen, das Mönchtum auf einen reichsweiten Regelkanon, nach den Grundsätzen der Regula Benedicti zu verpflichten, muss diese als Quelle ebenso berücksichtigt werden.

Im zweiten Teil der Arbeit wird sodann die Struktur des Plans im Zusammenspiel mit den Quellen, den zeitgeschichtlichen Faktoren und der langjährigen Bautradition untersucht. Neben den in der Forschung bereits bekannten Korrelationen zwischen Plan und Quellenlage soll ein neues Strukturmodell anhand zentraler Determinanten des Klosterraums begründet werden. Angenendt spricht vom Raum Kloster als „Kosmos“. Es kann gezeigt werden, dass dieser Kos­mos sich in zwei wesentliche Sphären unterteilen lässt. Der zentrale, liturgisch-kulturelle Kern des Klosters wird dabei von einer sehr weitläufigen, pragmatisch-ökonomischen Schale um­schlossen. Gemeinsam bilden dieser Mikro- und Makrokosmos den Raum St. Galler Kloster­plan.

B) Der Klosterraum St. Gallen im Spiegel der Quellen

I) Quellenwahl und Forschungsstand

1.1 Der St. Galler Klosterplan

Für die vorliegende Untersuchung ist es zunächst einmal von Nöten, die maßgeblichen Quellen als Untersuchungsgegenstände in ihren zeitlichen Entstehungskontext einzuordnen, um auf diese Weise die intertextuellen Bezüge herauszustellen.

Die Datierung des St. Galler Klosterplans war in der Forschung lange umstritten und bis heute ist eine exakte zeitliche Begrenzung des Entstehungszeitraumes nur eingeschränkt möglich. Die Entstehungszeit des Codex Sangallensis 10922 ergibt sich einerseits aus den zeitgeschichtlichen Geschehnissen im ersten Drittel des 9. Jahrhunderts im Kloster St. Gallen und andererseits dem Entstehungsort des Plans, dem Kloster Reichenau3.

Das Kloster St. Gallen ist im Jahr 719 errichtet worden und konnte sich in der Karolingerzeit zu einem bedeutenden Machtfaktor der Region entwickeln.4 Nur fünf Jahre später wurde in ca. 50 Kilometern Entfernung das Kloster Reichenau5 gegründet, dessen Brüder fortan eng mit den St. Galler Mönchen verbunden waren, wie der Verbrüderungsvertrag aus dem Jahr 800 belegt.6 Während aber das Kloster Reichenau bereits unter Karl dem Großen den Rang eines Königs­klosters erlangte und damit reichsunmittelbar wurde, befand sich St. Gallen bis in die Mitte des 9. Jahrhunderts in steter Abhängigkeit vom Bistum Konstanz. Zwar gewährte Ludwig der Fromme St. Gallen 818 das Immunitätsrecht, eine vollständige Lossagung vom Konstanzer Metropoliten gelang jedoch erst 854.7 In eben diesen Zeitraum des Strebens nach Reichsunmit­telbarkeit lässt sich der Entstehungszeitraum des Klosterplans einordnen. Auch kann daraus zugleich der mutmaßliche Entstehungszweck der Architekturzeichnung abgeleitet werden. Der Plan liest sich unter einer Art Vorbildfunktion, die dem St. Galler Abt eine mustergültige An­lage eines Königsklosters vorführen sollte.8 Die neuere Forschung schließt aus, dass der Plan auf eine tatsächliche praktische Umsetzung abzielte. Mehrere bauliche Ungenauigkeiten, wie beispielsweise das Fehlen einer Klosterumfriedung oder einer Wasserversorgung sprechen da-gegen.9

Von der aktuellen Forschung werden der Reichenauer Abt und Basler Bischof Haito/Heito (762-836) als wahrscheinlichste Urheber10 des Plans betrachtet. Der Empfänger des Plans lässt sich durch die Widmungsinschrift eindeutiger identifizieren. Wie die Adressierung tibi dulcis- sime fili cozberte belegt, ist der St. Galler Abt Gozbert zweifelsfrei der Adressat.11 Gozbert bekleidete dieses Amt von 816 bis 837.12 Einen nahezu eindeutigen Terminus ante quem liefert der Baubeginn des Gozbert-Münsters, also der Umbau der Klosterkirche in St. Gallen in den Jahren 830-35.13 Alle Versuche hingegen den Zeitraum vor 830 genauer zu begrenzen sind un­zulänglich belegbar, um als gesichert gelten zu können.14 Als begründbar kann lediglich ange­nommen werden, dass der Plan in Folge der anianischen Reformsynoden unter Ludwig dem Frommen in den Jahren 816/17 und 818/19 entstand.15 Demnach wird der Entstehungszeitraum in der neuesten Klosterplanforschung ungefähr auf die Jahre 820-830 festgelegt.16 Zu bedenken bleibt allerdings, dass St. Gallen sein Ziel, reichsunmittelbar zu werden, bereits durch das Im­munitätsedikt17 Ludwigs des Frommen sichern konnte, sodass eine Frühdatierung vor 820 ebenfalls plausibel erscheinen könnte, da der Aufstieg zum Königskloster bereits ohne eine architektonische Umgestaltung, welche ab den Jahren 830 einsetzte, geglückt war. Rückt man die Entstehungszeit des Plans in die Nähe des Jahres 818, so tritt diese in den unmittelbaren zeitlichen Kontext der Aachener Reformsynoden. (siehe 1.3)

Für die vorliegende Arbeit wurde das neu erschienene Farbfaksimile von Ernst Tremp18 ver­wendet, der damit das, bisher der Forschung zur Verfügung stehende Exemplar von Hans Rein­hardt19 aus dem Jahr 1952, ablöste. Ergänzend wurde die seit 2010 verfügbare online-Daten­bank „Karolingische Kultur in Reichenau und St. Gallen“ hinzugezogen, die unter der Leitung von Prof. Patrick Geary entstand.20

1.2 Regula Benedicti

Nachdem das frühe Mönchtum durch eine Vielzahl verschiedener Regeltraditionen geprägt war, schuf Benedikt von Nursia21 (um 480-547) mit seinem Regelkanon ein umfangreiches Werk mit einem universellen Anspruch. Insgesamt formulierte er in einem Prolog und 73 Ka­piteln ein Regelkonzept, das in seiner Zielsetzung darauf ausgelegt war, das monastische Koinobitentum umfassend zu definieren.22 Die heute dem Autograph Benedikts am nächsten stehende Überlieferung bietet der, in St. Gallen im Jahr 841 entstandene, Codex 914.23 Der Umstand, dass der authentischste Textzeuge der Regula Benedicti aus St. Gallen stammt und eine enge zeitliche Nähe zur Entstehung des Klosterplans aufweist, stellt die beiden Quellen in einen gemeinsamen Interpretationszusammenhang. Als Grundlage dieser Arbeit diente die zweisprachige Ausgabe, welche von der Salzburger Äbtekonferenz heraus gegeben wurde.24

Die umfassende Wirkmächtigkeit der Benediktsregel ist nicht in den Folgejahren ihres Entste­hens - also um das Jahr 529 herum - anzusiedeln, sondern setzt erst mit den karolingischen Reformen ein. Das frühe Mönchtum des 6. - 8. Jahrhunderts war determiniert durch die sog. „Mischregeln“, welche sich aus mehreren Regelgrundlagen speisten.25 Erst mit dem Bestreben der Karolinger, diese Pluralität zu einer Vereinheitlichung zu führen, erlangte die Benediktsre­gel ihre dominante Stellung innerhalb der zahlreichen existierenden Klosterregeln26. Ziel der

Karolinger war es, die Benediktsregel als alleingültigen, reichsweiten Regelkanon für die Le­bensform des monastischen Koinobitentums festzusetzen. Für das Kloster St. Gallen geschah dies bereits im Jahr 747.27 Karl der Große erstellte ab dem Jahr 784 ein umfassendes Kloster­reformprogram.28 Sein Ziel war es, den benediktinischen Regelkanon möglichst rein zu halten und ihn als verpflichtende Grundlage für die Lebensform des Konvents reichsweit durchzuset­zen.

1.3 Die Aachener Reformsynoden 816/17

Das aber wohl umfassendste Reformprogramm auf dem Weg zum „einheitlichen Benediktiner- tum[s]“29 brachte Benedikt von Aniane unter Ludwig dem Frommen mittels der Reformsyno­den von 816 bis 819 auf den Weg. Eine fortschreitende Klerikalisierung des Mönchtums ver­langte nach einer strikten Differenzierung zwischen dem ordo monasticus und dem ordo cano- nicus. Im Zuge dessen musste dem ordo monasticus ein ebenso verbindliches Regelwerk zur Seite gestellt werden, wie sie den Kanonikern, in Form der Chrodegangsregel, schon seit Mitte des 8. Jahrhunderts zur Verfügung stand.30

Im Gegenzug wurde die Struktur des ordo monasticus durch mehrere Reformbeschlüsse des Jahres 816 definiert. Dabei bildete die Regula Benedicti die Grundlage der Reformen. Des Wei­teren beriefen sich die Reformer auf die vorbenediktische Klosterkultur.31 So kulminierten die Zielsetzungen der Reformsynode auf das große Ziel der Vereinheitlichung der bestehenden Re­gelpluralität.32 Durch die fortan gültige Verbindlichkeit der Benediktsregel für das monastische Koinobitentum erhielt diese im Sinne eines kanonischen Textes einen absoluten Alleinstel- lungswert.33

Die beiden maßgeblichen Regularien der Reformsynoden aus dem Jahr 816 und 17, die, wie bereits in Kapitel 1.1 gezeigt werden konnte, im direkten Vor- oder Umfeld der Entstehung des St. Galler Klosterplans stehen, sollen im Folgenden in ihrer Bedeutung kurz dargestellt werden.

1.3.1 Die Synodi Primae Aquisgranensis Decreta Authentica

Die in der Literatur zumeist als Legislatio Aquisgranensis (LAI) beschriebenen Kapitularien bilden den Abschluss der ersten Synode in Aachen im Jahr 816. Sie stellen das wohl bedeut­samste Zeugnis der ersten Reformsynode im Hinblick auf die Neuordnung des ordo monasticus dar.34 Erstmals ediert wurden die Kapitularien 1963 in der Gesamtausgabe der Gesetzgebung Ludwigs des Frommen.35 Astronomus einer der beiden Biographen Ludwigs des Frommen er­läutert in seiner „Vita Hludowici imperatoris“ das Ziel der Reformbeschlüsse von 816 kurz und präzise. Alle Nonnen und Mönche sollten nach der regula[m] sancti benedicti incommutabilem morem36 leben. Von besonderer Bedeutung ist hier sicherlich die Betonung, dass die Regel in- commutabilis - unveränderlich sein muss. Bereits die frühe Forschung zu den Beschlüssen der Synode 816, maßgeblich durch Josef Semmler vorangetrieben, stellt das Streben nach einer Ausdifferenzierung zwischen klerikaler und monastischer Lebensweise, durch eine prägnante Definierung des ordo monasticus als Hauptziel der ersten Reform dar.37

In seiner auf unitas ausgerichteten Politik versuchte Ludwig der Fromme demnach eine „allge­mein verbindliche[n] fränkische[n] Reichsobservanz“38 zu etablieren. Die Dekrete des Jahres 816 waren gezeichnet vom Willen der Reformer zu möglichst drastischen Veränderungen. Dadurch erscheinen sie, im Vergleich mit den Beschlüssen der Synode im Folgejahr, als deut­lich radikaler. Im Entstehungskontext der ersten Synodalbeschlüsse müssen darüber hinaus die sogenannten Murbacher Statuten (SM) mit berücksichtigt werden.39 Diese 27 Kapitel, welche der Feder Haitos entflossen, wurden als vorläufige Beschlüsse der ersten Synode angefertigt und weisen aufgrund ihres Verfassers eine hohe Verbindung zum Klosterplan auf.40

1.3.2 Synodi Secundae Aquisgranensis Decreta Authentica

Die am 10. Juli 817 in einer zweiten Synode beschlossenen Kapitularien, welche insgesamt 43 Kapitel umfassen, werden ebenfalss als Legislatio oder Capitula Aquisgranensis (LAII) be­zeichnet. Sie sind, wie auch die Kapitularien des Jahres 816, in der Hallinger Ausgabe ediert.41 Die Synodalbeschlüsse des Jahre 817 stellen bereits teilweise eine Revision der Vorjahreskapi­tularien dar. Der Umstand, dass innerhalb eines knappen Jahres eine Überarbeitung erfolgen musste, kann als Indikator dafür gelten, dass die ersten Beschlüsse unzureichend umgesetzt wurden. Auch lesen sich die Forderungen der 2. Synode deutlich moderater, als die teils para- digmatisch-reformerischen Ansätze des Vorjahres. Die Reformer unter Führung Benedikts von Aniane sahen sich einem erheblich liberaleren Lager am Hofe Ludwigs gegenüber, welchem offenbar Zugeständnisse gemacht werden mussten.42

In einem letzten Schritt gilt es zu beachten, in welchem Maße die Synodalbeschlüsse der beiden Aachener Synoden auch tatsächlich in den Klöstern umgesetzt wurden. Dabei lässt sich eine deutliche Tendenz zu hoher Regelkonformität im allamannischen Reichsgebiet feststellen.43 Nicht zuletzt versuchte Abt Heito dort die Reformbestrebungen durchzusetzen, in deren Nach­folgetradition auch der St. Galler Klosterplan einzuordnen ist.

Die Klosterentwicklung bis ins 11. Jahrhundert hinein war geprägt von Reformversuchen, die eine möglichst umfassende und strikte Observanz der Benediktsregel verfolgten. Im Rückbezug zur Auswahl der Quellen wird nun absolut deutlich, warum der stete Bezug zur Regula Bene­dicti ebenso notwendig ist, wie die Berücksichtigung der Quellen aus dem direkten Enstehungs- umfeld des Plans. Daraus kann gefolgert werden, dass das Mönchtum gerade unter den Karo­lingern und darüber hinaus, bis ins hohe Mittelalter ein nahezu ausschließlich benediktinisches war.44

1.4 Forschungslage zur Reform - Klosterplan Korrelation

Erste Ansätze in der Geschichtsforschung, welche Zusammenhänge zwischen den Reformbe­schlüssen und dem St. Galler Klosterplan vermuteten, gehen bis auf die Arbeit Hugo Grafs aus dem Jahr 1892 zurück. Graf berief sich auf einige ausgewählte Kapitularien der Legislatio Aquisgranensis. Anhand baulicher Kriterien versuchte er zu belegen, dass der Plan lebenswelt­liche Regeln der Reform in architektonischer Weise berücksichtigte, was ihm in einigen Fällen auch gelang.45

Einige der neueren Werke geben fälschlicherweise die Arbeit Alfons Dopschs aus dem Jahr 191646 als Ausgangspunkt des Forschungsbereichs an und ignorieren die früheren Erkenntnisse Grafs.47 Dopsch ging bei seiner Analyse nicht wie Graf von direkten Korrelationen zwischen Kapitularien der Synoden und baulichen Merkmalen aus. Dadurch gelang es ihm auch nicht, einen engeren Zusammenhang zwischen dem Plan und den Textquellen zu begründen.48 So­wohl diese beidenältesten Ansätze, wie auch die Forschungen von Hans Reinhardt aus dem Jahr 195249, Walter Boeckelmanns aus dem Jahr 195650 und schließlich Edgar Lehmanns 9 Jahre später51 lassen eine detaillierte Analyse vermissen., weshalb sie nur im Zuge des For­schungsabrisses berücksichtigt wurden.

Eine erste ausführlichere Untersuchung, die spezifische Korrelationen nachweisen konnte, stammt von Walter Horn aus dem Jahr 1962 und ist Teil des Sammelbandes „Studien zum St. Galler Klosterplan I“, welcher eine neue Beschäftigungswelle mit dem Gegenstand einläutete.52 In einer weiteren maßgeblichen Publikation fasst Horn die Erkenntnisse der sehr verstreuten Klosterplanforschung der 60er- und 70er- Jahre zusammen, um mithilfe einer einheitlicheren Heuristik fest definierte Thesen formulieren zu können.53

[...]


1 Angenendt, Arnold: Das Frühmittelalter. Die Abendländische Christenheit von 400 bis 900. Stuttgart, Berlin u.a.

2 St. Gallen, Stiftsbibliothek, Cod. Sang. 1092. Fortan als Cod. Sang 1092 zitiert.

3 Für einen ausführlichen Überblicküber die Entstehung siehe: Schedl, Barbara: Der Plan von St. Gallen. Wien u.a. 2014, S. 13-21.

4 Vgl. Tremp, Ernst 2014, S. 3

5 Vgl. dazu Zettler, Alfons: Art. Reichenau, in: LdMA (Bd. 7), Sp. 612-614.

6 Vgl. St. Gallen, Stiftsbibliothek, Cod. Sang. 915 (Kapiteloffiziumsbuch), S. 19; 25.

7 Vgl. Schedl, S. 16f.

8 Vgl. Zettler, Alfons: Art. St. Galler Klosterplan, in: LdMA (Bd. 7), Sp. 1155-1156. Fortan als Zettler (2) zititert.

9 Vgl. Brenk, Beat: Der Klosterplan und die Regula S. Benedicti. In: Cassanelli, Roberto; Lopez-Tello Garcia, Eduardo (Hrsg.): Benediktinische Kunst. Kultur und Geschichte eines europäischen Erbes. Milano 2007, S. 73­81, hier: S. 73f.

10 Urheberschaft meint hier die geistige Urheberschaft. Der Plan wurde von mindestens zwei Reichenauer Mön­chen verfasst, wie die Paläographie belegen konnte. Vgl. Tremp 2014, S. 9.

11 Eindeutige Adressierung belegt durch die Widmung in der rechten oberen Ecke des Pergaments. Siehe dazu: Tremp 2014, S. 5-7. Zur Nieden, Andrea: Der Alltag der Mönche. Studien zum Klosterplan von St. Gallen. Hamburg 2008, S. 20f.

12 Zur Bedeutung Gozberts siehe: Duft, Johannes: Geschichte des Klosters St. Gallen im Überblick vom 7. bis zum 12. Jahrhundert, in: Ochsenbein, Peter (Hrsg.): Das Kloster St. Gallen im Mittelalter. Die kulturelle Blüte vom 8. bis zum 12. Jahrhundert. Darmstadt 1999, S. 11-31, hier S. 17f.

13 Vgl. Schedl 2014, S. 18.

14 Vgl. Tremp, Ernst: Der St. Galler Klosterplan. Faksimile. Begleittext. Beischriften und Übersetzung. St. Gallen 2014, S. 9-11.

15 Ebd. S. 11.

16 Vgl. Zettler (2) 1995, Sp. 1155. Duft 1999, S. 12. Tremp 2014, S. 9-11. Auffallend ist, dass sowohl Schedl 2014, S. 15-21 als auch Zur Nieden 2008, S.19, 20f., 29f. den Versuch einer genaueren Datierung umgehen. Zur Nieden distanziert sich am deutlichsten von einer engen zeitlichen Nähe zwischen Reformsynode und Enste- hungszeit. Vgl. ebd. S. 29, FN 100.

17 Zur Bedeutung des Immunitätsediktes vgl. Steinhauser, Regula; Schoch, Willi; Zangger, Alfred: Sankt Galler Geschichte 2003. Band 1 Frühzeit bis Hochmittelalter: in: Wissenschaftliche Kommission der Sankt Galler Kantonsgeschichte (Hrsg.): Sankt Galler Geschichte 2003 in neun Bänden. St Gallen 2003, S. 201, 204f., 250. Ausführlicher siehe: Duft 1999, S. 13-23. Zum Edikt siehe: Mühlbacher, Engelbert; Böhmer, Johann Friedrich: Die Regesten des Kaiserreichs unter den Karolingern 751-918, in: RI 1,1. Innsbruck 1908, Nr. 663.

18 Vgl. dazu Tremp 2014.

19 Reinhardt, Hans: Der St. Galler Klosterplan. St. Gallen 1952.

20 Siehe dazu: Weblink 1. Besonders die Kartenlegende wurde ergänzend zu Schedls Auflösung verwendet, da die Datenbank Legende andere Details aufschlüsselt, als Schedl dies tut. Vgl. Weblink 2.

21 Vgl. dazu: Binding, Günther: Art. Benedikt von Nursia, in: LdMA (Bd. 19), Sp. 1867f.

22 Vgl. Gleba, Gudrun: Klöster und Orden im Mittelalter. Darmstadt 20024, S. 27.

23 St. Gallen, Stiftsbibliothek, Cod. Sang. 914.

24 Regula Benedicti. Die Benediktusregel lateinisch/deutsch. Hrsg. im Auftrag der Salzburger Äbtekonferenz, Be- uron 1992. Der Text richtet sich nach der Edition von Rudolf Hanslik. Vgl. Hanslik, Rudolf (Hrsg.): Benedicti regula, in: Corpus scriptorum ecclesiasticorum Latinorum 75. Wien 1960. Fortlaufend als RB, Kapitel, Vers zitiert.

25 Vgl. Niederkorn-Bruck, Meta: Kartäusisches Denken und daraus resultierende Netzwerke: Zur Einleitung zwei Beispiele von Meta Niederkorn-Bruck, in: Niederkorn-Bruck, Meta (Hrsg.): Kartäusisches Denken und daraus resultierende Netzwerke (Bd. 1). Salzburg 2012, S.25-37, hier S. 27.

26 Vgl. Schwaiger, Georg(Hrsg.) Mönchtum, Orden, Klöster. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. München 1993, S. 286f.

27 Steinhauser; Schoch; Zangger 2003, S. 247f.

28 Vgl. Frank, Karl Suso: Geschichte des christlichen Mönchtums. Darmstadt 1993, S. 52-54.

29 Angenendt 1990, S. 367.

30 Die Chrodegangsregel erfuhr auf der Synode im Jahr 816 eine umfassende und verbindliche Überarbeitung. Als „Institutio canonicorum“ wurde sie für sämtliche Stifte verbindlich. Institutio canonicorum Aquisgranensis. In: Werminghoff, Albert (Hrsg.): MGH Concilia 2, 1. Hannover 1906, S. 307-421.

31 Vgl. Frank 1993, S. 54.

32 Vgl. Horn, Walter: On the Author of the plan of St. Gaul and the relation of the plan tot he monastic reform movement, in: Duft, Johannes (Hrsg.): Studien zum St. Galler Klosterplan. St. Gallen 1962, S. 103-127, hier S. 109f.

33 Vgl. Engelbert, Pius: Das frühe benediktinische Mönchtum. Spiritualität und bildende Kunst. In: Cassanelli, Roberto; Lopez-Tello Garcia, Eduardo (Hrsg.): Benediktinische Kunst. Kultur und Geschichte eines europäi­schen Erbes. Milano 2007, S. 47-69, hier: S. 53f.

34 Für einen Gesamtüberblicküber die Beschlüsse des Konzils von 816 siehe: Semmler, Josef: Die Beschlüsse des Aachener Konzils im Jahre 816. In: ZKG 74 (1963), S, 15-83.

35 Synodi Primae Aquisgranensis Decreta Authentica. In: Hallinger, Kassius (Hrsg.): Initia Consuetudinis Bene- dictinae: consuetudines saeculi octavi et noni. Siegburg 1963, S. 457-468. Fortlaufend als LAI zitiert.

36 Astronomus: Vita Hludowici imperatoris. In: Tremp, Ernst (Hrsg.): MGH SS rer. Germ. LXIV (1995), S. 376.

37 Vgl. Semmler, Josef: Reichsidee und kirchliche Gesetzgebung bei Ludwig dem Frommen. In: ZKG 71 (1960), S. 37-66, hier S. 45-53.

38 Haubrichs, Wolfgang: Das monastische Studienprogramm der Statuta Murbacensia und die altalamannischen Interlinearversionen. In: Greule, Albrecht; Ruberg, Uwe (Hrsg.): Sprache, Literatur, Kultur. Studien zu ihrer Geschichte im deutschen Süden und Westen. Stuttgart 1989, S. 239.

39 Actuum Praeliminarium Synodi Primae Aquisgranensis Commentationes sive Statuta Murbacensia. In: Hal­linger, Kassius (Hrsg.): Initia Consuetudinis Benedictinae: consuetudines saeculi octavi et noni. Siegburg 1963, S. 437-450. Fortlaufend als SM zitiert.

40 Vgl. . Segal, Edward. A.: The Plan of Saint Gall and the Monastic Reform Councils of 816 and 817. In: Cuya­hoga Review 1 (1983), S. 56-71, hier: S: 59.

41 Synodi Secundae Aquisgranensis Decreta Authentica. In: Hallinger, Kassius (Hrsg.): Initia Consuetudinis Ben- edictinae: consuetudines saeculi octavi et noni. Siegburg 1963, S. 469-481. Fortlaufend als LAII zitiert.

42 Vgl. Horn 1962, S. 110-112.

43 Haubrichs, Wolfgang: Band I: Von den Anfängen zum hohen Mittelalter. Teil 1: Die Anfänge: Versuche volks­sprachiger Schriftlichkeit im frühen Mittelalter (700-1050/60), in: Heinzle, Joachim (Hrsg.): Geschichte der deutschen Literatur von den Anfängen bis zum Beginn der Neuzeit. Tübingen 1995, S. 197.

44 Vgl. Angenendt 1990, S. 366f.

45 Siehe dazu: Graf, Hugo: Neue Beiträge zur Entstehungsgeschichte der kreuzförmigen Basilika. In: Repertorium für Kunstwissenschaft XV (1892), S. 327-331.

46 Siehe dazu: Dopsch, Alfons: Das Capitulare de Villis, die Brevium Exempla und der Bauplan von St. Gallen. In: Vierteljahresschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte XIII (1916), S. 41-70.

47 Die drei neuesten Werke zur Klosterplanforschung, welcheüber ein umfangreiches Literaturverzeichnis verfü­gen, zitieren lediglich die Studien Dopschs.
1)Vgl. Semmler, Josef: Die Reform geistlicher Gemeinschaften in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts und der Klosterplan von St. Gallen. In: Ochsenbein, Peter; Schmuki, Karl (Hrsg.): Studien zum St. Galler Kloster­plan II. St. Gallen 2002, S. 87-105, hier: S. 87.
2)Vgl. Zur Nieden 2008, S. 433.
3)Schedl 20014, S. 137.
Einzig Segal 1983, S. 60f. verweist darauf. Für einen ausführlichen Forschungsüberblick der letzten 300 Jahre siehe: Jacobsen, Werner: Der St. Galler Klosterplan - 300 Jahre Forschung. In: Ochsenbein, Peter; Schmuki, Karl (Hrsg.): Studien zum St. Galler Klosterplan II. St. Gallen 2002, S. 13-57.

48 Vgl. dazu: Segal 1983, S. 61.

49 Siehe dazu: Reinhardt 1952, S. 17.

50 Siehe dazu: Boeckelmann, Walter: Der Widerspruch im St. Galler Klosterplan. In: Zeitschrift für schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte XVI (1956), S. 125-134, hier: S. 131f.

51 Siehe dazu: Lehmann, Edgar: Die Architektur zur Zeit Karls des Großen. In: Braunfels, Wolfgang (Hrsg.): Karl der Große Bd. 3. Düsseldorf 1965, S. 301-319, hier: S. 312. Fortan zitiert als Lehmann (1)
Ebenso: Lehmann, Edgar: Kaisertum und Reform in hochkarolingischer Zeit. In: Schlegel, Ursula; Zoege von Manteuffel, Claus (Hrsg.): Festschrift für Peter Metz. Berlin 1965, S. 74-98, hier: S. 84-89. Fortan zitiert als Lehmann (2)

52 Siehe dazu: Duft, Johannes (Hrsg.) Studien zum St. Galler Klosterplan. St Gallen 1962.

53 Siehe dazu: Horn, Walter; Born, Ernest: New theses about the Plan of St. Gall. A Summary of Recent Views. In: Maurer, Helmut (Hrsg.): Die Abtei Reichenau. Sigmaringen 1974, S. 407-476. Aufschlussreicher als der lange Artikel ist die Zusammenfassung, welche auf den Seiten 477 -480 die Kemthesen in Horns Analyse heraus stellt. (Diese wird ebenfalls als Horn 1974 zitiert)

Details

Seiten
30
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668731400
ISBN (Buch)
9783668731417
Dateigröße
947 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v428930
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Note
1,0
Schlagworte
St. Gallen Kloster Benedikt Regula Benedicti Klosterplan Mönche Mönchtum Klausur Habit Aachen Reformsynode Benedikt von Aniane Benedikt von Nursia Ludwig I Großkloster Grundherrschaft Klosterkultur Reichenau Codex Sangallensis Gozbert Heito Haito Hatto Ludwig der Fromme Karl der Große Karolinger

Autor

Zurück

Titel: Der Raum des St. Galler Klosterplans im Spiegel der zeitgeschichtlichen Quellen und Ereignisse