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Professionalisierung im Feld der Kindertagespflegepersonen. Wie hat sich der Beruf weiterentwickelt?

von Marcel Paulsens (Autor)

Hausarbeit (Hauptseminar) 2017 18 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitionen

3. Tätigkeitsfelder und Ausbildung
3.1 Der KinderpflegerInnen Beruf
3.2 Der Beruf des Erziehers
3.3 Der Beruf der Kindertagespflegeperson
3.4 Bedarf und Inanspruchnahme

4. Erwartungen an den Beruf der Kindertagespflege

5. Lösungen und neue Ansätze zur Weiterentwicklung

6. Conclusio

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In den letzten Jahren hat sich enorm viel getan im Bereich der Kinderbetreuung. Neue Gesetze, Regelungen und Möglichkeiten wurden geschaffen. Relativ frisch ist der gesetzliche Anspruch auf Kinderbetreuung. Seit dem 01. August 2013 haben Eltern für ihre Kinder einen Rechtsanspruch auf Betreuung. Wahlweise in einem Kindergarten oder bezuschusst durch eine Kindertagesperson. Es ist im Sozialgesetzbuch verankert, dass Familien auch einen Rechtsanspruch auf frühkindliche Förderung haben. Dies heißt, dass die Kommune auch die Betreuung von Kindern unter drei Jahren Familien zusichern muss. Diese gesetzliche Regelung ist für Familien natürlich primär eine Entlastung und ein weiterer Mechanismus für garantierte Bildung im frühen Kindesalter vom Staat aus. Jedoch gab es nach dem Beschluss des Gesetzes große Probleme, die nun langsam abschwächen, jedoch noch präsent sind. Der Bedarf an Betreuung stieg immens schnell an und konnte von den Kommunen nicht gedeckt werden. Bei betroffenen Familien ohne Betreuungsplatz für ihr Kind sorgte dies für Frustration. Die Lage spitze sich zu und es gab eine große Klagewelle. Die Kommunen wurden verklagt, da sie den Anspruch auf Betreuung nicht geltend machen konnten. Für Familien gab es Schadensersatz. Gleichzeit wurden Kindergärten vergrößert und neue gebaut. Auch gab es einen enormen Anstieg an der Inanspruchnahme von Kindertagespflegepersonen. Diese sind meist gut zu erreichen für die Familien und bieten eine eher familiäre Betreuung an. Mithilfe der Kindertagespflegepersonen konnte der Bedarf auch schneller gedeckt werden. Zeitgleich stieg das Interesse an der Ausbildung zur Kindertagespflegeperson stetig an. Der große Bedarf und die schnelle Ausbildung weckte das Interesse vieler.

In dieser Hausarbeit werde ich anhand dieser Ausgangssituation den Beruf der Kindertagespflegeperson näher betrachten. Ich werde darüber informieren, wie die aktuelle Ausbildungssituation aussieht und vergleiche zum Erzieherberuf ziehen, da diese beiden Berufe in gewisser Art und Weise konkurrieren, wenn eine Familie sich zwischen Kindergarten und Kindertagespflege entscheidet. Welche Art von Betreuung bietet die Kindertagespflege und mit welchen Erwartungen treten Familien, Gesellschaft und Professionelle an diesen Beruf heran? Die Nachfrage ist gestiegen, doch wie wird die Qualität der Betreuung gesichert? Auf diese Fragen möchte ich auf den nachfolgenden Seiten detailliert Antworten finden. Auch wird es in einem großen Teil meiner Arbeit darum gehen herauszufinden, wie der Beruf in der Zukunft aussehen wird. Nicht nur durch die große Nachfrage, sondern auch durch das gestiegene Interesse an hohen qualitativen Standards in der Kinderbetreuung seitens der Politik muss der Beruf qualitativ weiterentwickelt werden. In dieser Hausarbeit versuche ich Ideen zu finden, wie dies zukunftsorientiert angegangen werden kann.

Ich versuche mich so oft wie möglich auf das Land NRW zu spezialisieren, da es schon Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern gibt. Jedoch muss ich vereinzelt auf Quellen auf Bundesebene oder von anderen Bundesländern zurückgreifen. Rückschlüsse auf die Situation in NRW sind vereinzelt möglich.

2. Definitionen

Zum vereinfachten Verständnis und als zusätzliche Information möchte ich direkt am Anfang meiner Hausarbeit den Begriff der „Kindertagespflege“ genauer definieren. Ausbildung und Tätigkeitsfelder werde ich in einem späteren Kapitel näher beleuchten. Die Stadt Siegen hat eine, wie ich finde, treffende kurze Definition herausgearbeitet.

„Kindertagespflege ist eine Leistung der Kinder- und Jugendhilfe zur Erziehung, Bildung und Betreuung von Kindern bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres. … Das Gesetz zur frühen Förderung von Kindern ( KiBiz) - Viertes Gesetz zur Ausführung des Kinder - und Jugendhilfegesetzes - SGB VIII des Landes NRW regelt die Ausführungsbestimmungen der Kindertagespflege. Der Förderauftrag im § 22 SGB VIII gilt gleichermaßen für die Kindertageseinrichtungen wie für Kindertagespflege. Kindertagespflege trägt neben Kindertageseinrichtungen wesentlich zum bedarfsgerechten Ausbau der Tagesbetreuung von Kindern bei. Sie reagiert durch verlässliche, qualifizierte und flexible Betreuung entscheidend auf die Bedarfe von Familien, insbesondere im Kleinkindalter.“[1]

Interessant ist bei dieser Definition oder Erklärung, dass es rechtliche parallelen gibt zwischen den Kindertageseinrichtungen und der Kindertagespflege. Sie werden sogar gleichgesetzt, als Betreuungsgeber.

Meine Hausarbeit bearbeitet das Thema der Professionalisierung stark. Was man unter diesen Begriff verstehen kann, möchte ich hier noch kurz definieren. Der Begriff der Professionalisierung ist vielfältig auslegbar, jedoch gibt es gerade zu dem Themenbereich meiner Hausarbeit treffende Formulierungen. Im Fachbuch „Erziehungswissenschaft“ wird der Begriff im Hinblick auf soziale Berufe, von Diplom Sozialpädagogen wie folgt ausgelegt. „Unter Professionalisierung wird der Prozess verstanden, in dessen Verlauf ein Beruf jene Kriterien erwirbt, die ihn von anderen Berufen unterscheiden und ihn als Profession mit einem bestimmten beruflichen Ansehen ausweisen.“[2]. Hier wird betont, dass zwei Aspekte für diesen Begriff als besonders wichtig gelten: Berufliche Autonomie und berufliche Kompetenz. Die berufliche Autonomie bezeichnet die Organisationsebene des Berufes, also inwieweit ein eigenständiger Gestaltungsfreiraum gegeben ist. Die berufliche Kompetenz ist hier ein weiterer Indikator, der bei dem Erzieherberuf „nicht ausreichend entwickelt [ist], da dieser Beruf im Vergleich zu anderen, professionalisierten Berufen nicht über eine ähnlich explizite und systematisierte Wissensbasis verfügt.“ [3]

Inwieweit sich der Beruf der Kindertagespflegepersonen professionalisiert, sich zu einer eigenen Profession entwickelt und inwieweit der Beruf sich abgrenzen lässt versuche ich in meiner Hausarbeit herauszufinden.

3. Tätigkeitsfelder und Ausbildung

In diesem Kapitel möchte ich den Beruf der ErzieherInnen, KinderpflegerInnen und der Kindertagespflegepersonen vorstellen. Sie sollen Informationen darüber bekommen, wie die Ausbildung hauptsächlich in NRW aussieht und wie die Berufe in Anspruch genommen werden.

3.1 Der KinderpflegerInnen Beruf

Der Beruf der KinderpflegerInnen werde ich zuerst vorstellen, da man ihn als Vorstufe zum ErzieherInnen Beruf verstehen kann.[4]

Die Ausbildung kann man in NRW an einem Berufskolleg absolvieren. Die Ausbildung dauert zwei Jahre und beinhaltet sowohl die Ausbildung zum Beruf als auch den Erwerb der mittleren Reife (Fachoberschulreife). Die Voraussetzung ist ein Hauptschulabschluss. Insgesamt sind 16 Wochen für die Praktika vorgesehen, die zum Beispiel in einem Kindergarten absolviert werden können. Doch was ist das Tätigkeitsfeld eines Kinderpflegers oder einer Kinderpflegerin? Es soll vorbereitet werden auf die Betreuung und Erziehung von Kindern im Alter von Drei bis Sechsjährigen. In der Jugendhilfe sind die KinderpflegerInnen nur unterstützend tätig und können in solchen Einrichtungen unter Anleitung eines Erziehers oder eines Sozialpädagogen arbeiten. Im Lehrplan für diese Ausbildung vom Land NRW sind verschiedene Haupttätigkeiten genannt, auf die in der Ausbildung vorbereitet werden soll. Dazu gehören zum Beispiel erzieherische Tätigkeiten wie zum Beispiel das Anwenden von geeigneten Erziehungsmethoden, Unterstützen des kindlichen Spiels, pflegerische Tätigkeiten, Bildungsprozesse initiieren und begleiten oder die partnerschaftliche Kooperation mit Kollegen und Eltern. Es gibt dazu vier verbindliche Lernfelder mit denen in der Ausbildung gearbeitet wird.

„Folgende vier Lernfelder sind verbindlich:

Lernfeld 1: Berufliche Identität entwickeln

Lernfeld 2: Beziehungen im pädagogischen Alltag aufbauen, Bedürfnisse des Kindes und in das berufliche Handeln einbeziehen

Lernfeld 3: Erziehungs- und Bildungsprozesse sowie Pflege- und

Versorgungshandlungen planen, durchführen, initiieren und evaluieren

Lernfeld 4: Konzeptionell und kooperativ im sozialpädagogischen Handlungsfeld agieren“[5]

Gut zu wissen ist, dass die Lernfelder nicht in einer strikten Reihenfolge abgearbeitet werden. So kann die berufliche Identität sich innerhalb der gesamten Zwei Jahren entwickeln. Die verschiedenen Lernfelder sollten aber mit Abschluss der Ausbildung weitestgehend bearbeitet worden sein und zum Arbeiten in den verschiedenen Tätigkeitsfeldern befähigen. Lernfeld 2 und 3 sind mit jeweils einer Mindeststundenanzahl von 600 Stunden die intensivsten Lernfelder.

Mit dem Abschluss der Ausbildung erwirbt man die Berechtigung, zum Beispiel eine Fachoberschule/Berufsfachschule zu besuchen um die Fachhochschulreife zu erwerben. Auch kann man sich weiterbilden und den Beruf des Erziehers oder Krankenpflegers erlernen. Das Gehalt eines Kinderpflegers nach der Ausbildung wird auf 1.200 bis 2.000 Euro Brutto geschätzt. Der Beruf wird der Entgeltgruppe S3 eingeordnet. [6]

3.2 Der Beruf des Erziehers

Der Beruf des Erziehers ist ein sehr vielfältiger Beruf und es kann in den verschiedensten Arbeitsfeldern gearbeitet werden. Die Ausbildung ist höher qualifiziert als die des Kinderpflegers und dauert daher in NRW drei Jahre. In der Regel wird die Ausbildung an einer Fachschule für Sozialwesen absolviert. Zugangsvoraussetzung ist der Realschulabschluss/ die mittlere Reife. Zwei Jahre der Ausbildung sind fachtheoretisch und das dritte Jahr endet mit einem Berufspraktikum. Die Ausbildung kann verkürzt werden, wenn der Betroffene schon eine einschlägige Ausbildung absolviert hat, wie zum Beispiel die des Kinderpflegers. Möglich ist auch die Ausbildung zum Erzieher mit dem Erwerb der allgemeinen Hochschulreife. Dieser Bildungsgand wird an Berufskollegs angeboten und dauert mit dem Berufspraktikum vier Jahre und befähigt den Absolventen neben der Tätigkeit als Erzieher an einer Hochschule fachungebunden zu studieren. In anderen Bundesländern kann die Ausbildung bis zu fünf Jahre dauern. Erzieher dürfen nicht nur in Kindertageseinrichtungen arbeiten, sondern sind auch in der Jugendhilfe oder in sozialpädagogischen Einrichtungen sehr gefragt. So findet man Erzieher in Intensivwohngruppen, analogem Jugendwohnen oder auch in psychatrischen Einrichtungen. Das Einstiegsgehalt wird auf 1.700 bis 4.300 Euro geschätzt.[7] Es ist dadurch höher als das Gehalt des Kinderpflegers.

Neben den Tätigkeiten, die auch ein Kinderpfleger beherrschen muss, wird von einem staatlich anerkannten Erzieher mehr abverlangt. Das Tätigkeitsfeld ist breit gefächert und somit müssen auch die Lernfelder und Kompetenzen erweitert werden. So werden Erzieher auf Tätigkeiten im schulischen Bereich vorbereitet, im Bereich der Hilfen zur Erziehung (§8a SGB8) und der offenen Kinder- und Jugendarbeit. Die Lernbereiche und Inhalte in der Ausbildung werden erweitert mit intensiveren Einheiten zu den Themenkomplexen der Jugendhilfe, Sozialpädagogik, Recht, heilpädagogischen Inhalten oder zukunftsorientierten Kompetenzen wie zum Beispiel die der Medienkompetenz. Die Prognosen für die Zukunft sind überdurchschnittlich gut. Erzieher ist einer gefragtesten Berufe und vor allem männliche Pädagogen werden auf dem Markt gesucht.[8]

3.3 Der Beruf der Kindertagespflegeperson

Umgangssprachlich werden Kindertagespflegepersonen auch Tagesmutter oder Tagesvater genannt. Diesen Beruf kann jeder ausüben und erfordert nur eine Qualifizierung über 160 Unterrichtsstunden. Zusätzlich muss auch ein erweitertes Führungszeugnis ohne Eintragung vorliegen. Ansprechpartner, für alle die sich für die Ausbildung interessieren ist das örtliche Jugendamt. Das Jugendamt wacht über die Kindertagespflegepersonen und ist auch für die Förderung des Berufes zuständig. Die Erteilung der Erlaubnis der Kindertagespflegepersonen und auch die Eignungsprüfung erfolgt auch über das Jugendamt. Der Beruf kann im Haushalt der Tagespflegeperson, bei den Inanspruchnehmern zu Hause oder in geeigneten Räumen stattfinden. Interessant ist die Feststellung der Eignung als Kindertagespflegeperson. Aus der Handreichung zum Thema der Kindertagespflege des Landes NRW, geht folgendes hervor: „Um auch in der Kindertagespflege die Anforderungen an die frühkindliche Bildung einschließlich einer alltagsintegrierten individuellen sprachlichen Bildung der Kinder erfüllen zu können, sollte die Tagespflegeperson in der Regel mindestens über einen Hauptschulabschluss (bzw. vergleichbaren ausländischen Schulabschluss) und deutsche Sprachkenntnisse mindestens auf Niveaustufe B nach dem gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen verfügen.“[9]

Außerdem scheint es verschiedene Hauptkriterien zu geben: „ Geeignet sind Personen, die sich durch ihre Persönlichkeit, Sachkompetenz und Kooperationsbereitschaft mit Erziehungsberechtigten und anderen Tagespflegepersonen auszeichnen sowie über kindgerechte Räumlichkeiten verfügen und vertiefte Kenntnisse hinsichtlich der Anforderungen der Kindertagespflege besitzen. Das Jugendamt überprüft die Eignung der Tagespflegeperson anhand von konkreten und nachprüfbaren Tatsachen.“[10] Die angeforderten Kompetenzen und Voraussetzungen zur Eignung sind vom Land NRW auch näher definiert, jedoch gibt es keine einheitlichen Regelungen zur Überprüfung dieser Kompetenzen.

Die erste Eignungseinschätzung erfolgt erstmal durch Beratungstelefonate, Gespräche und Informationsmaterial vom Jugendamt. Gängig ist die Praxis der Hausbesuche und gilt als zentrales Element der Eignungsfeststellung. Mit Hilfe von Fragebögen, Dokumentationen und Beobachtungen soll so mit mindestens einem Hausbesuch die Eignung festgestellt werden. Gut zu wissen ist, dass es keine einheitlichen Fragebögen oder Rahmenbedingungen für diese Hausbesuche gibt. Am Ende entscheidet das Jugendamt vor Ort. Grundlegendes wie zum Beispiel die geeigneten Räumlichkeiten zur Betreuung sind festgelegt, wie solche Räumlichkeiten jedoch genau auszusehen haben ist nicht einheitlich geregelt. Die Eignung kann auch durch pädagogisches Fachpersonal erfolgen, währen die betreffende Person zum Beispiel in einer Einrichtung hospitiert und von Fachpersonal beobachtet wird. Ein polizeiliches Führungszeugnis und ein Gesundheitszeugnis von einem Arbeitsmediziner sind auch eine Voraussetzung. Es existiert außerdem eine Qualifizierungsmaßnahme für angehende Kindertagespflegepersonen. Der Bundesgesetzgeber bezieht sich in auf das Curriculum des Deutschen Jugendinstituts (DJI) mit einer Grundqualifikation von 160 Unterrichtseinheiten. Das Curriculum unterteilt sich in eine Einführungs- (praxisvorbereitend) und eine Vertiefungsphase (praxisbegleitend). Kritisiert wird an dieser Qualifizierungsmaßnahme, dass 160 Unterrichtsstunden nicht ausreichend seien.

Es dürfen maximal fünf Kinder gleichzeitig von einer Kindertagespflegeperson betreut werden. Dies ist einheitlich geregelt. Interessant ist, wodurch sich die Kindertagespflege auszeichnen soll. Hierzu zitiere ich wieder aus der Handreichung des Landes NRW. „Auch Studien belegen, dass gerade die emotionale Sicherheit, die individuelle Unterstützung und die Alltagsnähe große Pluspunkte der Kindertagespflege sind. Die Kindertagespflege zeichnet sich durch ihre hohe und verlässliche Bindungsbeziehung zwischen Kindern und Tagespflegeperson, durch die besonders individuellmögliche Explorationsunterstützung, die individualisierten Kommunikationsabläufe und dieKörpernähe, die enge Erziehungspartnerschaft mit den Eltern, sowie hohe Bedarfsgerechtigkeit und zeitliche Flexibilität aus.“[11]

Die Gestaltung des Gehalts einer Tagespflegeperson ist eher kompliziert und es kommt auf verschiedene Faktoren an. Es macht einen erheblichen Unterschied, ob die Tagespflegeperson rein durch das Jugendamt bezahlt wird oder nur durch die Beiträge der Eltern. Bei letzterem hat die Tagespflegeperson den vollen Entscheidungsspielraum über ihre Preise. Wird die betreffende Person durch das Jugendamt bezahlt, gibt es einen festen Satz. Dieser unterscheidet sich auch von Stadt, Region und Land. Angeblich bewegen sich die Preise einer Tagesmutter zwischen 2,08 € je Stunde und Kind, zuzüglich 2,00 € Verpflegungskosten, bis zu 9,00 € je Stunde, zuzüglich 3,50 € Verpflegungskosten.[12]

3.4 Bedarf und Inanspruchnahme

Laut des statistischen Bundesamtes gab es 2015 642.269 Beschäftige in Kindertageseinrichtungen. Im Jahr 2016 arbeiteten 666.455 Personen in Kitas. Innerhalb eines Jahres kamen also 24.186 Stellen dazu. Interessant ist auch noch wie viele Erzieher und Kinderpfleger in den Kitas arbeiten. 2016 waren es 385.456 Erzieher und relativ gering die Anzahl der eingesetzten Kinderpfleger mit einer Anzahl von 64.480 Personen. [13]

Doch wie sieht es mit der Tagespflege aus? Wie hat sich die Inanspruchnahme entwickelt?

2016 waren 1.992.998 Kinder zwischen drei und sechs Jahren in einer Betreuung. Circa 14.000 waren in einer Kindertagespflege untergebracht. Interessant ist, dass 2014 bei fast der gleichen Anzahl an zu betreuenden Kinder nur circa. 12.500 Kinder von Tagespflegepersonen betreut wurden. Über die Jahre hinweg hat diese Betreuungsform also an Beliebtheit gewonnen.

Die Inanspruchnahme ist gestiegen.[14] Auch diese Zahlen gehen aus Erhebungen des statistischen Bundesamtes für das Land hervor. Leider gab es keine zuverlässigen Quellen für das Land NRW. Welche Familien nehmen die Kindertagespflege in Anspruch?

- Familien, die eine Betreuung ihrer Kinder zu besonderen Zeiten benötigen (wenn die Eltern z.B. im Schichtdienst oder in der Gastronomie arbeiten),
- Familien, die keinen anderen Betreuungsplatz finden und die Tagespflege als „Notlösung“ oder „Überbrückung“ nutzen,
- Familien, die keine Betreuungseinrichtung in akzeptabler Entfernung finden,
- Familien, die über ein gutes Einkommen verfügen und ihre Kinderbetreuung privat organisieren und finanzieren (meist in der Form der Kinderfrau)[15]

Während der Bedarf an Personal an Kitas für Kinder unter drei Jahren weitestgehend gedeckt ist, ist noch viel Bedarf an Personal für die Betreuung der Kinder über drei Jahre. Dies geht aus einer aktuellen Studie der Bertelsmann Stiftung hervor. Der empfohlene Personalschlüssel für Kinder über drei Jahre liegt bei 1:7,5. Die meisten Kreise wie zum Beispiel der Kreis Dortmund liegt mit einem Personalschlüssel mit 1:9,1 über den empfohlenen Wert. Es gibt vereinzelt Spitzenwerte, wie der Kreis Olpe mit einem Schlüssel von 1:10,3.[16] Es zeigte sich in der Studie, dass nicht unbedingt das Bundesland entscheidend dafür ist, wie die Personalsituation an Kindertageseinrichtungen aussieht, sondern der Kreis entscheidend ist.

„Für einen kindgerechten Personalschlüssel müssen die Bundesländer unseren Berechnungen nach zusätzlich 107.200 vollzeitbeschäftigte Fachkräfte einstellen und weitere 4,9 Milliarden Euro jährlich bereitstellen. Der hohe Bedarf kommt auch zustande, weil die Geburtenzahlen wieder steigen und mehr Kinder aus anderen Ländern einwandern.“ - Aus dem aktuellen Bericht der Bertelsmann Stiftung (Stand 28.08.2017)[17]

In NRW fehlen laut der Studie 16 000 Pädagogen und insgesamt fordert die Berthelsmann Stiftung Investitionen über 700 Millionen Euro.

4. Erwartungen an den Beruf der Kindertagespflege

Die Statistiken zeigen ganz klar, dass es noch große Skepsis gibt bei Familien. Nur ein Bruchteil der Familien nehmen Kindertagespflegepersonen in Anspruch und diese Familien haben eher speziellere Bedürfnisse, wie zum Beispiel Betreuungsbedarf zu bestimmten Zeiten, da die Eltern in Schichten arbeiten. Als besonderes Merkmal der Kindertagespflege sticht der eher familiäre Betreuungsrahmen hervor, obwohl schon immer mehr Familien diese Art der Pflege in Anspruch nehmen, gibt es wohl noch Skepsis bei vielen Familien. Gerade als der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz geltend wurde und es noch nicht genügend Plätze gab, stieg das Interesse für die Betreuungsform der Tagespflegepersonen. Jedoch scheint dem klassischem Kita Modell noch am meisten Vertrauen von den Familien gegenüber gebracht zu werden.

Familien wollen einen vertrauensvollen Partner für die Betreuung ihrer Kinder, jedoch scheint das Vertrauen an das Modell der Kindertagespflegepersonen noch ausbaufähig zu sein. Woran kann das liegen? Der Beruf muss aufgewertet werden und die Sicherstellung der Qualität der Betreuung muss gewährleistet werden. Wie diese Qualitätssicherung aussieht und inwiefern die Tagespflegepersonen ausgebildet sind, darüber müssen die Familien informiert werden. Ein erster Schritt zur Aufwertung wurde getan, indem die rechtliche Gleichstellung des Berufes im Vergleich zu anderen Betreuungsformen wie zum Beispiel den klassischen Kitas erfolgte.

„Mit der formal-rechtlichen Gleichstellung tritt die KTP aus dem Nischendasein heraus und verliert den Charakter einer Notlösung. Nur wenn vor Ort die Betreuungsformen tatsächlich gleichgestellt werden, wird die KTP tatsächlich anerkannt werden.“[18]

[...]


[1] http://www.familie- siegen.de/cms/upload/pdf/RichtlinienTagespflege_zu_Vorlage_889.201_endgltige_Fassung.pdf

[2] (Mathieu et al. 2006, S. 23)

[3] (Mathieu et al. 2006, S.24)

[4] In anderen Bundesländern auch SozialassistentIn genannt

[5] https://www.berufsbildung.nrw.de/cms/upload/_lehrplaene/b/lp-kinderpflege_2010.pdf, Seite 11

[6] http://www.oeffentlichen-dienst.de/component/content/article/31-glossar/107-entgeltgruppe-s-3.html

[7] https://www.ausbildung.de/berufe/erzieherin/gehalt/

[8] https://www.bmfsfj.de/blob/94268/a974404ff4a9f51a20136bfc8a1e2047/maennliche-fachkraefte-kitas- data.pdf, Seite 15

[9] Handreichung Kindertagespflege in Nordrhein-Westfalen, Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein Westfalen, Haroldstr. 4, 40213 Düsseldorf, Seite 12, Stand 15. April 2017

[10] Handreichung Kindertagespflege in Nordrhein-Westfalen, Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein Westfalen, Haroldstr. 4, 40213 Düsseldorf, Seite 13, Stand 15. April 2017

[11] Handreichung Kindertagespflege in Nordrhein-Westfalen, Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein Westfalen, Haroldstr. 4, 40213 Düsseldorf, Seite 36, Stand 15. April 2017

[12] https://www.tagesmutter.com/tagesmuetter-ratgeber/tagesmutter-verdienst/

[13] https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Soziales/Sozialleistungen/Kindertagesbetreuun g/Tabellen/Tabellen_Beschaeftigte.html;jsessionid=B8E7F9F48FEAA6D14CBEA1007A24DF4B.cae3

[14] https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Soziales/Sozialleistungen/Kindertagesbetreuun g/Tabellen/Tabellen_KitabetreuungMerkmale.html;jsessionid=B8E7F9F48FEAA6D14CBEA1007A24DF4B.cae3

[15] Kindertagespflege: Tätigkeitsfeld und Betreuungsform mit Potenzial Ansätze einer qualitätsorientierten Weiterentwicklung, Heike Wiemert, Stefan Heeg. Deutsches Jugendinstitut e.V..2012. Seite 25.

[16] https://www.bertelsmannstiftung.de/fileadmin/files/Projekte/Laendermonitoring_Fruehkindliche_Bildungssysteme/Laendergrafik_LM17 _PS_Kreise_NW_20170828.pdf

[17] https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2017/august/kita-qualitaet-steigt- haengt-aber-vom-kreis-ab/

[18] Kindertagespflege: Tätigkeitsfeld und Betreuungsform mit Potenzial Ansätze einer qualitätsorientierten Weiterentwicklung, Heike Wiemert, Stefan Heeg. Deutsches Jugendinstitut e.V..2012. Seite 29.

Details

Seiten
18
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668726949
ISBN (Buch)
9783668726956
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v428854
Institution / Hochschule
Technische Universität Dortmund
Note
2,3
Schlagworte
professionalisierung feld kindertagespflegepersonen beruf

Autor

  • Marcel Paulsens (Autor)

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Titel: Professionalisierung im Feld der Kindertagespflegepersonen. Wie hat sich der Beruf weiterentwickelt?