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Stottern aus einer pädagogischer Perspektive

Mein Kind stottert! Und nun?

Hausarbeit 2017 11 Seiten

Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Erscheinungsbild

3 Ursachen

4 Prävention

5 Diagnostik

6 Therapie
6.1 Indirekte Therapie
6.2 Direkte Therapie
6.3 Therapieansätze

7 Mein Kind stottert! Und nun?

8 Quellenverzeichnis
8.1 Literatur
8.2 Internetquellen

1 Einleitung

Beginnend wird in dieser Ausarbeit das Erscheinungsbild ״Stottern" und seine Symptomatik dargestellt. Weiterführend werden die Ursachen des Stotterns geklärt. Hier stellt sich vorweg die spannende Frage, ob die Schuld des Stotterns bei den Eltern oder den Bezugspersonen liegen kann. Es bestehen drei Präventionsmaßnahmen, welche im weiteren Verlauf kurz aufgezeigt werden. Auch die Frage, mit welchen Therapieansätzen das Stottern behandelt werden kann, soll nicht offen bleiben.

Im zweiten Teil dieser Ausarbeitung wird der Frage nachgegangen, welche Auswirkungen die sprachliche Beeinträchtigung auf das Kind hat und was Eltern tun können, wenn ihr Kind zu stottern beginnt. Hierzu werden die allgemeinen Komponenten, welche zur Bestimmung der Sprachlichkeit des Menschen beitragen, aufgeführt. Abschließend wird auf die Frage eingegangen, ob Eltern mit ihren Kindern über das Stottern sprechen sollten und welche positiven Verhaltensweisen das Leben des stotternden Kindes erleichtern.

2 Erscheinungsbild

Stottern ist eine Störung des Redeflusses und der Kommunikation. Die Störung tritt üblicherweise im Alter von drei bis sechs Jahren auf. Rund 5% aller Kinder stottern im Laufe der Entwicklung und 1% bis ins Erwachsenenalter. Im Jugendalter stottern viermal mehr Jungen als Mädchen.

Sprechsymptome, die den Redefluss stören, treten individuell unterschiedlich stark auf und variieren je nach Gesprächspartner. So können bei dem Kind im Gespräch mit unbekannten Gesprächspartnern vermehrt Störungen auftreten. Unterbrechungen lassen sich durch Wiederholungen von Silben, einzelnen Laute, Lauteinschübe oder Dehnungen charakterisieren. Diese passieren jedoch unfreiwillig und ungeplant. Durch Unterbrechungen verlängert sich die Aussagenübermittlung, obwohl das Kind genau weiß, was es sagen möchte und wie es dies formulieren kann.

Es wird zwischen der normalen Sprechunflüssigkeit und dem echten Stottern unterschieden. Die normalen Sprechunflüssigkeiten werden zur Zeitgewinnung genutzt. Es wird kurz über die Äußerung nachgedacht, wodurch es zur Wiederholung einzelner Wörter oder Satzteile kommen kann. Solche Unflüssigkeiten werden nicht als Stottern bezeichnet. Im Laufe der Sprachentwicklung treten eine oder mehrere funktionelle Unflüssigkeiten auf, auch Kernsymptome genannt. Diese entstehen aus einem Ungleichgewicht zwischen dem Mitteilungsbedürfnis und der Sprechfähigkeit des Kindes. Es ist ständig verschiedenen Faktoren gleichzeitig ausgesetzt, welche in untenstehender Grafik der Bedingungsgefüge verdeutlicht werden. So können sich lange Sätze zu Beginn der Entwicklung als schwierig gestalten und zu Wiederholungen, aufgrund von Nachdenken über die Äußerung, führen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Den Kindern sind ״normale" Unflüssigkeiten nicht bewusst, da sie durch die verschiedenen Faktoren, welche auf das Sprechmotorische System einwirken, abgelenkt sind. Beim Stottern hingegen bemerken die Kinder, die mit den Sprechunflüssigkeiten verbundenen Anstrengungen und versuchen sich an fehlerfreiem Sprechen. Ein solches kann jedoch nicht gelingen, da die Unflüssigkeiten willkürlich auftreten.[1] Das Kind entwickelt Strategien, um nicht mehr zu Stottern. Diese Begleitsymptome können jedoch das Stottern aufrechterhalten und erschweren.[2]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3 Ursachen

Es besteht nicht diese ״eine" Ursache. Eine verzögerte Sprachentwicklung, eine eingeschränkte Mundmotorik oder auch allgemeine Verzögerungen im Reifeprozess sind Risikofaktoren für das Stottern. Zu diesen Risikofaktoren kommen auslösende Faktoren, zum Beispiel einschneidende Erlebnisse wie eine Krankheit, hinzu. Das Kind kann mit seinen sprachlichen Fähigkeiten den Anforderungen, die auf es einwirken, nicht gerecht werden. Diese Anforderungen können auch aus der eigenen Person heraus gestellt werden. Durch dieses Misslingen kommt es zu einem Ungleichgewicht, aus welchem sich das Stottern entwickeln kann. Dieser Erklärungsansatz wird als Kontinuitätshypothese bezeichnet, bei welcher sich das Stottern aus normalen Sprechunflüssigkeiten heraus entwickelt.[3] Der Betroffene befindet sich in einem Teufelskreis, in welchem eine Wechselwirkung zwischen psychischen Faktoren und Stottern herrscht. Das Stottern beeinflusst die Psyche, wodurch Anspannung entsteht, da das Stottern erwartet wird, aber vermieden werden soll.[4] Stressoren, die zur Entstehung des Stotterns beitragen, können von Person zu Person unterschiedlich sein. Diesen heißt es somit in der Therapie auf den Grund zu gehen, um die tatsächlichen Ursachen des Stotterns zu erkennen.[5]

4 Prävention

Wie bereits im ersten Kapitel erwähnt, tragen beijedem Kind unterschiedliche Ursachen und Faktoren zum Stottern bei. Aufgrund dessen müssen die Vorsorgemaßnahmen individuell auf jedes Kind abgestimmt werden. Bei der Prävention werden drei Ebenen unterschieden[6]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

5 Diagnostik

Die Diagnostik eines Kindes wird von einer Sprachtherapeutin bzw. eines Sprachtherapeuten durchgeführt. Nach einem Erstgespräch mit den Eltern, unter möglicher Einbeziehung des Kindes, folgt die Untersuchung des Redeflusses in verschiedenen Sprechsituationen. Bei dem Erstgespräch wird durch gezielte Fragen seitens des Therapeuten eine genaue Beschreibung des Sachverhaltes und des Umfeldes des Kindes herausgearbeitet. Daraus sind die im zweiten Kapitel vorgestellten Risikofaktoren des Kindes genau zu erkennen. Diese sind für die spätere Therapie wesentlicher Bestandteil.[7]

Die Bereiche

-allgemeine und sprachliche Entwicklung
-häusliche und familiäres Umfeld
-Kindergarten und Schule
-Rolle des Kindes in seinem Umfeld
-Sozialverhalten und Sprachverhalten gegenüber unterschiedlichen Personen werden im Erstgespräch thematisiert.

Der Redefluss wird anschließend in verschiedenen Situationen, wie
-Spielsituationen mit den Eltern oder dem Therapeuten
-Fragerunden
-das Geschichten nacherzählen
-das Vorlesen von Texten herausgefordert und aufgenommen.

In den verschiedenen Situationen sollen unterschiedliche Niveaus an Gesprächssituationen und des Sprachgebrauches auftauchen, um die Form und Ausprägung des Stotterns erkennen zu können.

Die Aufnahmen werden anschließend auf die Häufigkeit von Sprechunflüssigkeiten, welche Eigenschaften diese besitzen und wie lange sie dauern untersucht. Taucht bei mindestens 3% der gesprochenen Silben eine Stottersymptomatik auf, wird von Stottern gesprochen. Der Therapeut kann erste Einschätzungen zu den vorhandenen Kernsymptomen und möglichen Begleitsymptomen treffen.

Eltern können mit der ״Screeningliste Stottern" herausfinden, ob ihr Kind einer Diagnose unterzogen werden sollte. Diese ist wie eine Art Checkliste aufgebaut und beinhaltet ähnliche Aspekte und Bereiche, welche bereits oben aufgelistet wurden.[8]

[...]


[1] Vgl. Wiecha, и. (2012): stottern. In: Niebuhr-Siebert, s. & Wiecha, и. (2012)(Hrsg.). Kindliche Sprach-, Sprech-, Stimm- & Schluckstörungen. Gezielte Elternberatung. München: Elsevier, s. 173 - 175

[2] Vgl. Decher, M. (2011): Therapie des Stotterns - Ein Überblick über aktuelle Therapieansätze für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Köln: Demonsthenes-Verlag der Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe e.v., S.12

[3] Vgl. Wiecha, и. (2012): stottern. In: Niebuhr-Siebert, s. & Wiecha, и. (2012)(Hrsg.). Kindliche Sprach-, Sprech-, Stimm- & Schluckstörungen. Gezielte Elternberatung. München: Elsevier, s. 176- 177

[4] Vgl. Brügge, W. & Mohs, K. (2006): Wenn ein Kind anfängt zu stottern. Ratgeber für Eltern und Erzieher. München: Ernst Reinhardt Verlag, S.35

[5] Vgl. Wiecha, и. (2012): stottern. In: Niebuhr-Siebert, s. & Wiecha, и. (2012)(Hrsg.). Kindliche Sprach-, Sprech-, Stimm- & Schluckstörungen. Gezielte Elternberatung. München: Elsevier, s. 176- 177

[6] Vgl. Wiecha, и. (2012): stottern. In: Niebuhr-Siebert, s. & Wiecha, и. (2012)(Hrsg.). Kindliche Sprach-, Sprech-, Stimm- & Schluckstörungen. Gezielte Elternberatung. München: Elsevier, s. 177 -178

[7] Vgl. Wiecha, и. (2012): stottern. In: Niebuhr-Siebert, s. & Wiecha, и. (2012)(Hrsg.). Kindliche Sprach-, Sprech-, Stimm- & Schluckstörungen. Gezielte Elternberatung. München: Elsevier, s. 177 -178

[8] Vgl. Wiecha, и. (2012): stottern. In: Niebuhr-Siebert, s. & Wiecha, и. (2012)(Hrsg.). Kindliche Sprach-, Sprech-, Stimm- & Schluckstörungen. Gezielte Elternberatung. München: Elsevier, s. 178 -179

Details

Seiten
11
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668723719
ISBN (Buch)
9783668723726
Dateigröße
626 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v428816
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg – Sprache
Note
1,5
Schlagworte
Stottern Stottern unter pädagogischer Perspektive

Autor

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Titel: Stottern aus einer pädagogischer Perspektive