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Der Placebo-Effekt. Wirkung ohne Wirkstoff

Facharbeit (Schule) 2018 44 Seiten

Psychologie - Methoden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theorie
2.1 Definition
2.1.1 Placebo
2.1.2 Placebo-Effekt
2.2 Geschichte des Placebos
2.2.1 Etymologie
2.2.2 Erste Anwendungen von Placebos in der Medizin
2.3 Wie kann dieser Effekt erzielt werden?
2.3.1 Menschenkenntnisse
2.3.2 Beziehung zwischen Arzt und Patient
2.3.3 Art der Verabreichung
2.3.4 Erwartung
2.4 Arten von Placebos
2.4.1 Reine Placebos
2.4.2 Unreine Placebos
2.4.3 Placebospritzen
2.4.4 Scheinoperationen
2.5 Problematik von Placebos
2.5.1 Rechtliche Problematik
2.5.2 Ethische Problematik

3 Praxis
3.1 Interview zu Placebo-Effekt
3.1.1 Absichten meines Interviews
3.1.2 Methode
3.1.3 Mein Interviewpartner
3.1.4 Interviewbogen
3.1.5 Interpretation
3.2 Fragebogen zu Placebo-Effekt
3.2.1 Absichten meines Fragebogens
3.2.2 Methode .'
3.2.3 Meine Fragebogenpartner
3.2.4 Ergebnisse
3.2.5 Interpretation

4 Fazit

5 Quellenverzeichnis

6 Abbildungsverzeichnis

7 Anhang
7.1.1 Interview zum Placebo-Effekt
7.1.2 Fragebogen zum Placebo-Effekt

Abstract

Die vorliegende vorwissenschaftliche Arbeit mit dem Titel ״Der Placebo-Ettekt - Wir­kung ohne Wirkstoff“ wurde im Zuge der Matura am Bundesgymnasium Dornbirn er­stellt und basiert auf umfassender Literaturrecherche und einem empirischen Teil mit qualitativen Forschungselementen.

Zu Beginn der Arbeit wird der Begriff ״Placebo“ definiert. Nach einer kurzen Erwägung der Geschichte von Placebos wird darauf eingegangen, wie dieser Effekt erzielt wer­den kann und was für verschiedene Arten von Placebos verwendet werden. Zum Schluss des theoretischen Teils wird noch kurz die Problematik von Placebos behan­delt.

Im praktischen Teil werden dann die empirischen Elemente behandelt. Einerseits wurde ein Interview zum Thema ״Placebo-Ettekt“ durchgeführt und ein Fragebogen zum gleichen Thema wurde von etlichen Ärzten in Vorarlberg ausgefüllt. Die Ergeb­nisse werden ausgewertet, interpretiert und einige Schlüsse daraus gezogen.

Wenn man sich mit dem Thema beschäftigt stellt man sich im Laufe derzeit folgende Fragen: Was ist der Placebo-Effekt? Wie kann dieser Effekt erzielt werden? Können Hoffnung und Vorstellungskraft den Selbstheilungseffekt beeinflussen? Diese Fragen und viele weitere werden im Zuge dieser Arbeit beantwortet.

Vorwort

Ich habe in meinem Leben bereits persönlich Erfahrung mit dem Placebo-Effekt ge­macht. Als ich als Schilehrer tätig war, beklagte sich ein Kind bei mir, dass sein Ohr so brannte. Das Ohr des Kindes war tatsächlich stark gerötet. Ich als Schilehrer hatte leider nichts dabei außer einem Lippenstift. Daraufhin sagte ich dem Kind, dass ich eine gute Salbe gegen Juckreiz am Ohr hätte. Ich schmierte etwas von dem Lippenstift an sein Ohr und siehe da, der Schmerz ist verschwunden. Ein typisches Beispiel von dem Placebo-Effekt.

Oft habe ich schon etwas von dem Placebo-Effekt gehört, doch als ich damals selbst die verblüffende Erfahrung machte, dass eine offensichtlich unwirksame Substanz ei­nen solchen Heilungseffekt erzielte, entschied ich mich, meine vorwissenschaftliche Arbeit zu diesem Thema zu verfassen.

Ich möchte mich noch herzlich bedanken, einerseits bei Herrn Professor Matthias Blank, welcher mich beim Verfassen meiner Arbeit stets freundlich unterstützt hat und andererseits bei Primarius Professor Dr. med. univ. Anton Robert Schurz, mit wem ich im Zuge meiner Recherchearbeit ein spannendes Interview zu diesem Thema führen durfte. Darüber hinaus bedanke ich mich noch bei den zahlreichen Ärzten aus Vorarl­berg, die sich die Zeit genommen und meinen Fragebogen ausgefüllt haben.

Felix Rümmele Dornbirn, 28. Januar 2018

1 Einleitung

״Das muss man sich mal vorstellen: Ein Patient bekommt anstelle einer medizinisch wirksamen Therapie eine Pille verabreicht, die nur aus reinem Zucker besteht. Der Patient - tief im Glauben, ein wirkungsvolles Medikament erhalten zu haben - spürt schon nach kurzer Zeit eine Linderung der Symptome sowie eine deutliche Verbesse­rung seines allgemeinen Gesundheitszustandes. Und dass, obwohl er kein einziges Molekül einer wirksamen Substanz erhalten hat. Diese Begebenheit wird in der Medi­zin als Placebo-Effekt bezeichnet.1

Der Placebo-Effekt. Höchstwahrscheinlich hat jeder schon einmal etwas davon gehört, doch die wenigsten wissen, was er wirklich ist und was er bewirken kann. Diese und viele weitere Fragen werden in dieser Arbeit beantwortet.

Um die Arbeit möglichst übersichtlich zu gestalten, ist sie grob gegliedert in einen The­orie- und Praxisteil.

Im ersten Teil werden zuerst die Begriffe Placebo und Placebo-Effekt detiniert. Danach wird kurz aut die Geschichte des Placebos eingegangen. Fragen wie: ״Wann wurde der Placebo-Effekt erstmals eingesetzt?“ werden in diesem Kapitel beantwortet. In den nächsten Kapiteln wird beschrieben, durch welche Mittel der Placebo-Effekt erzielt werden kann und welche verschiedenen Arten von Placebos eingesetzt werden. Zum Schluss des ersten Teils wird noch aut die verschiedenen Problematiken des Einsat­zes von Placebos eingegangen.

Als Hilfsmittel bei der Recherchearbeit wurden verschiedene Bücher, Zeitungsartikel und Beiträge in Internetseiten verwendet.

2 Theorie

2.1 Definition

2.1.1 Placebo

Das Wort ״Placebo“ stammt aus dem lateinischen und heißt übersetzt ״Ich werde ge­fallen“. Dabei spricht man von einem Scheinmedikament oder einer Scheinbehand­lung, welche die ähnliche Wirkung erzielt, wie die eines herkömmlichen Medikaments, das Ganze jedoch ohne die Beinhaltung von Pharma.2

Ein Placebo wird von Ärzten für gewöhn­lieh als ״Leermedikament“ oder auch als ״Scheinmedikament“ bezeichnet. Dabei handelt es sich meistens um eine Art Pille (siehe Abb. 1 ), die aber nur aus Zu­cker oder sonstigen Materialien ohne den Inhalt von Wirkstoffen besteht, doch bei der Einnahme durch einen Patienten denselben Heilungseffekt erzielen kann, wie ein normales Medikament. Das Besondere daran ist, dass ein Placebo zwar kein echtes Medikament ist, aber wie ein solches wirken kann.3

Der Schein im Scheinmedikament ist dementsprechend vielleicht mehr als ein Schein und das Leermedikament ist offenbar gar nicht so leer, wenn das Placebo dem Pati­enten als echte Arznei gegeben wird. Damit der Placebo-Effekt eintritt, ist es nicht ein­mal notwendig, dass der Patient getäuscht werden muss und im Glauben sein muss, ein echtes Pharmakon zu sich zu nehmen. Laut modernen Studien kann ein Placebo­Effekt sogar dann eintreten, wenn Patienten davon wissen. Vorausgesetzt das Pia- cebo sieht wie ein echtes Medikament aus.4 Dieser T riek täuscht Geist und Körper und ermöglicht es, dass Menschen gesund werden, ohne ein echtes Medikament einge­nommen zu haben.5

Genauso, wie ein Placebo nicht von einem echten Medikament zu unterscheiden ist, so ist auch am Therapieerfolg nicht zu erkennen, ob er von einem Placebo oder einem regulären Medikament herbeigerufen wurde.6

Der deutliche Unterschied zwischen einem Placebo und einem Verum ist aberfolgen­der: Das Verum bringt aufgrund seiner Inhaltsstoffe die sich an einen Biorezeptor an­koppeln eine spezifische Wirkung hervor. Sozusagen heilt das Medikament das, was geheilt werden soll. Im Gegensatz dazu wird die Wirkung eines Placebos als unspezi­fisch bezeichnet. Da im Placebo keine Wirkungsstoffe enthalten sind wird auch keine gezielte stelle im Körper erreicht. Das heißt aber auch, dass ein Placebo ungezielt und breit prinzipiell jedes Symptom behandeln kann. Bei wirklich ernsten und lebensge­fährlichen Krankheiten ist die Verwendung eines Placebos jedoch nicht mehr erlaubt. Bei dramatischen Verletzungen oder Krankheiten können Ärzte nicht mehr auf Place­bos setzen, sondern müssen echte Medikamente einsetzen. Ein gutes Beispiel dafür ist eine Krebserkrankung. Auch wird es kaum einen Nutzen haben, wenn versucht wird, einen bewusstlosen Körper mithilfe eines Placebos zu heilen. Mit einem Verum können solche Erfolge aber sehr wohl erzielt werden.7

Der Placebo-Effekt existiert! Wissenschaftler müssen sich daher heute nicht mehr da­mit beschäftigen, die Wirksamkeit von Placebos nachzuweisen, sondern erforschen, wie ein Placebo tatsächlich funktioniert.8

2.1.2 Placebo-Effekt

Das Placebo ist natürlich nur unter der Voraussetzung interessant, dass es wirkt. Ist dies der Fall, spricht man von dem Placebo-Effekt.9

2.2 Geschichte des Placebos

2.2.1 Etymologie

Placebo als Wortbegriff ist in der medizinischen Fachsprache noch nicht allzu lange in Gebrauch. Heute ist der Placebo-Effekt nicht nur den Medizinern, sondern auch den Laien bekannt. Jedoch wurde das Phänomen des Placebo-Effekts bereits im 16. Jahr­hundert verwendet. Der französische Philosoph und Schriftsteller Michel de Montaigne (1533-1592) schilderte beispielsweise die Wirkung von der Kraft der Einbildung eines Menschen anhand eines Kranken, der regelmäßig Scheinklistiere von einem Arzt er­hielt. Der Patient verspürte nach dem simplen Einführen von lauwarmen Wasser den gleichen Effekt als bei Klistieren, die Arzneisubstanzen enthielten.10

Jedoch erst im zweiten Drittel des 18. Jahrhunderts wird dieses Phänomen als Placebo bezeichnet. Der aus Schottland stammende Arzt und Pharmakologe William Cullen (1710-1790) gilt als Schöpfer des Wortes Placebo. 1772 hatte er diesen Begriff zum ersten Mal nachweislich in seinen Clinical Lectures verwendet, und zwar in Zusam­menhang mit einem Patienten, dem er eine äußerliche Arznei gab (in diesem Fall Senf­pulver), von dessen spezifischer Wirkung er selbst aber nicht überzeugt war:11 ״/ own that I did not trust much to it, but I gave it because it is necessary to give a medicine, and as what I call a placebo. If I had thought of any internal medicine it would have been a dose of the Dover’s powders.”12

In einer weiteren Behandlung, die Cullen als hoffnungslos sah, verabreichte er eben­falls ein Mittel, das er für unwirksam hielt und sagte:13

״I prescribed therefore in pure placebo, but I make it a rule even in employing placebos to give what would have a tendency to be of use to the patient.14

Unter Placebo verstand Cullen noch keine Substanz, die unter den jeweilig gegebenen Bedingungen mit potentiellen Reaktionspartnern nicht oder nur in geringem Maße re­agiert, sondern setzte meist eine niedrige Dosis von Medikamenten ein, die er auf­grund der Schwere der Erkrankung für wirkungslos hielt. Für den schottischen Arzt war es nicht von Bedeutung, was er dem Kranken gab, sondern, dass er damit dem Willen eines Patienten nach Medikamenten entsprach.15

Im 18. Jahrhundert, als der Begriff Placebo zum ersten Mal durch William Cullen in der Medizin verwendet wurde, war dieses Wort im Englischen bereits bekannt, jedoch un­ter einer anderen Bedeutung. Schon seit dem 14. Jahrhundert wurde die Redewen­dung ״to sing a placebo“ in England verwendet, was übersetzt so viel bedeutet wie ״einer hochgestellten Persönlichkeit schmeicheln“. Autor Geoffrey Chaucer (ca. 1343­1400) schreibt in seinen Canterbury Tales (ca. 1386) über den ״placebo-singer“. Damit ist ein Schmarotzer oder auch Schmeichler gemeint.16

Nach und nach tauchte der Begriff Placebo öfters in der Literaturgeschichte, in allen möglichen Kulturen Europas, auf. Die Bedeutung war dabei immer ähnlich wie sie da­mals von Geoffrey Chaucer eingeführt wurde.17

2.2.2 Erste Anwendungen von Placebos in der Medizin

Der Placebo-Effekt an sich trat in der Geschichte zum ersten Mal in der Antike in Er­scheinung. Der griechische Arzt Hippokrates verwendete wirkungslose Methoden, die aber trotzdem halten, zu heilen.18

Auch Samuel Hahnemann (1755-1843), der Erfinder der Homöopathie, verwendete zumindest zeitweise richtige Placebos (Milchzucker, Himbeersatt). Seine Homöopa­thie hingegen soll Gleiches mit Gleichem behandeln. Das heißt: wirksame Substanzen sollen in extrem niedrigen Dosen im Stande sein, jene Krankheiten zu heilen, die sie in Normdosen selbst hervorrufen.19 Naturwissenschattlich ist diese Theorie nach wie vor hettigst umstritten. Heilungserfolge der Homöopathie werden aut Placebo-Effekte zurückgetührt.20

Nach einem Vorfall im zweiten Weltkrieg begann die naturwissenschattliche Beschät- tigung mit dem Thema Placebo-Effekt. Der Militärarzt Henry Beecher machte eine er­staunliche Beobachtung. Eine Krankenschwester spritze einem verwundeten Kämpfer aufgrund der Morphium-Knappheit eine Kochsalzlösung. Dem Patienten ging es aber trotzdem besser. Ab diesem Zeitpunkt begann Beecher sich genauer mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Ein bekanntes Studiendesign geht ebenfalls aut Henry Beecher zurück. Das Verfahren beruht daraut, dass neue Medikamente, bevor sie in den Markt eingetührt werden, in einer sogenannten Doppelblindstudie gegen ein Pia- cebo antreten müssen. So wird festgestellt ob die neue Arznei auch wirklich eine Wir­kung aut den Patienten hat. Manchmal schneiden bei dieser Studie die Placebos sogar besser ab als die Medikamente und sind damit als unwirksam demaskiert.21

2.3 Wie kann dieser Effekt erzielt werden?

2.3.1 Menschenkenntnisse

Die Wirkung des Placebo-Effekt kann nur unter idealen Konditionen erzielt werden. Aufgrund der Tatsache, dass es sich um ein psychobiologisches Phänomen handelt, kann dieser Effekt nur dann möglich sein, wenn sich das Gehirn des Patienten aktiv beteiligt. Die individuelle Kenntnis des Patienten spielt neben anderen Faktoren eine besonders wichtige Rolle. Mehrere verschiedene therapeutische Elemente bringen eine Verbesserung des Symptomes hervor. Auch andere wichtige Elemente wie die Beziehung zwischen Arzt und Patienten und die Art der Verabreichung werden in die­sem Kapitel erwähnt. Je mehr dieser Faktoren positiv zutretfen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Wirkung des Placebos erzielt wird.22

2.3.2 Beziehung zwischen Arzt und Patient

Um eine positive Wirkung des Placebo-Ef­fekts zu ermöglichen ist es ganz wichtig, dass die Beziehung zwischen Arzt und Pa­tienten stimmt. Ott kommen schon positive Rückmeldungen der Patienten allein dadurch zustande, weil sie die investierte Zeit des Doktors schätzen. Die Persönlich­keit des Doktors alleine kann schon einen Placebo-Effekt hervorrufen.23

Beispielsweise sagt auch Professor Schurz in meinem Interview, dass allein die An­Wesenheit des Arztes schon zu einer Besserung von Symptomen führen kann. Er gibt folgendes Beispiel an: Ein Patient mit Zahnschmerzen betritt die Zahnarztpraxis und der Schmerz ist vorbei.24

Menschen haben häufig Probleme, ihre Symptome richtig einzuschätzen und diese dann dem Arzt weiterzugeben. Wenn ein Kranker zum Arzt geht, ist er krank oder hat ein unerwünschtes Symptom. Das Ziel dieses Kranken ist es, durch seinen Besuch beim Arzt, wieder gesund zu werden. Der Arzt gibt dem Patienten dann entweder ein Medikament (siehe Abb. 2) oder schreibt ihm eine andere Therapie vor. Allein dieser Eindruck löst im Gehirn des Kranken schon eine Erwartung der Heilung aus, was dann durch den Placebo-Effekt zur Besserung führen kann. Die Kommunikation zwischen Arzt und Patienten spielt dabei auch eine große Rolle. Wirkt der Arzt professionell und übergibt seinem Kunden seriös das Medikament, so ist die Erwartung von Besserung beim Patienten gleich viel höher als wenn dieser unprofessionell wirkt oder dem Kran­ken zu wenig Aufmerksamkeit schenkt. Auch Sympathie trägt dazu bei, dass der Pati­ent einen lindernden Einfluss auf sein Leiden verspürt. All diese genannten Faktoren geben dem Patienten eine Sicherheit, in guten Händen zu sein, was wiederum eine positive Denkweise über die Resultate der Behandlung auslöst und in der Schlussfol­gerung den Placebo-Effekt erzielt.25

2.3.3 Art der Verabreichung

Bei der Art der Verabreichung eines Placebos kommt es darauf an, wie professionell die Verpackung und deren Inhalt aussieht. Ist dies der Fall, insbesondere wenn es sich um große, dunkelfarbene, schlecht schmeckende und teure Placebos handelt, wirken diese eher und zeigen mehr Wirkung als kleine, bunte, wohlschmeckende und billige Placebos. So ist das Design der Verpackung und generell die Kunst der Vermarktung des Produkts von Bedeutung. Auch wenn Namen bekannter Arzneimittelfirmen auf­scheinen, hat das Einfluss auf die Wirkung. Dies hat jedoch nicht mehr allein mit dem Placebo-Effekt zu tun, sondern ist eine bekannte Reaktion vom Menschen auf Wer­bung. Wenn das Medikament mithilfe von Marketing vom Kunden erworben worden ist, eine Tablette zum Beispiel wie oben erwähnt groß, dunkelfarben und schlecht­schmeckend ist, so wird der Placebo-Effekt mit größerer Wahrscheinlichkeit erzielt.26

2.3.4 Erwartung

״Als er bereits in einem fortgeschrittenen Alter war, berichtete Dr. Gregory von einem Fall, in dem ein Patient, der fünfundzwanzig Tropfen Laudananum in dem Glauben eingenommen hatte, es sei ein Abführmittel, die ganze Nacht keine Ruhe hatte, da er seinen Darm entleeren musste. [Laudanum enthält Opium, das dafür bekannt ist, starke Verstopfungen hervorzurufen.] (The Lancet; 1836)“27

Die Theorie der Erwartung klingt prinzipiell ziemlich einfach. Folgendes wird besagt: Rechnet jemand fest damit, dass es einem nach der Einnahme eines Medikaments bessergeht, so besteht dementsprechend auch eine hohe Chance, dass das der Fall sein wird - auch wenn die Besserung nicht durch die pharmakologischen Substanzen des Medikaments erklärt werden kann. Genau das stellt das Beispiel von Dr. Gregory dar. Daraus lässt sich schließen, dass die Erwartungshaltung eines Patienten selbst einen Einfluss auf den Gesundheitszustand haben kann. Die Erwartung eines Men­sehen kann durchaus eine körperliche Wirkung erzielen, und das eben auch dann, wenn der Mensch ein Placebo erhält.28

[...]


1 Vgl. placeboforschung.de (Hrsg.): DEFINITION PLACEBO UND NOCEBO. http://placeboforschung.de/de/defln¡- tlon-placebo-und-nocebo (Zugriff: 11.10.2017)

2 Vgl. Poser, Manfred: Der Placebo Effekt. Wie die Seele den Körper hellt. Amerang 2015, s. 9.

3 Vgl. Hollersen, Wlebke: Selbst wenn Placebo draufsteht, helfen die Pillen. 05.08.2015. https://www.welt.de/gesundhelt/artlcle144787881/Selbst-wenn-Placebo-drauf-steht-helfen-dle-Plllen.html (Zugriff: 19' 11.2017).

4 Vgl. Poser, 2015, s. 9.

5 Vgl. ebd. s. 9f.

6 Vgl. ebd. s. 10.

7 Vgl. ebd. s. 10.

8 Vgl. ebd. s. 20.

9 Vgl. Bundesärztekammer (Hrsg.): Placebo In der Medizin. 2011, s. 21 http://www.bundesaerztekam- mer.de/flleadmln/user_upload/downloads/Placebo_LF_1_17012011 .pdf (Zugriff: 27.10.2017).

10 Vgl. Bundesärztekammer, 2011, s. 21.

11 Cullen, 1772 zitiert nach Bundesärztekammer, 2011, s. 21.

12 Vgl. Bundesärztekammer, 2011, s. 21.

13 Cullen, 1772 zitiert nach Bundesärztekammer, 2011, s. 21.

14 Vgl. Bundesärztekammer, 2011, s. 21.

15 Vgl. ebd. s. 21.

16 Vgl. ebd. s. 21.

17 Vgl. Tovar, Christiane: Der Placebo-Effekt. 26.05.2017. http://www.planet-wissen.de/gesellschaft/medizin/alternativmedizin_hilfreich_oder_hokuspokus/pwiederplacebo- effekt100.html (Zugriff: 29.10 2017).

18 Vgl. Deutscher Zentralverein homöopathischer Ärzte (Hrsg.): Definition der Homöopathie. http://www.homoeo- pathie-online.info/definition-der-homoeopathie/ (Zugriff: 29.10.2017).

19 Vgl. Bundesärztekammer, 2011, s. 23.

20 Vgl. Tovar, Christiane: Der Placebo-Effekt. 26.05.2017. http://www.planet-wissen.de/gesellschaft/medizin/alternativmedizin_hilfreich_oder_hokuspokus/pwiederplacebo- effekt100.html (Zugriff: 29.10.2017).

21 Vgl. Nayak, Devdutt: Psycho-Social Mediators of Placebo Effects. In: Heallo, 2014, s. 81.

22 Vgl. Braunmiller, Helwl: Placebo und Nocebo - Die erstaunliche Kraft des «Nichts». 10.9.2014. https://www.srf.ch/sendungen/puls/psyche/placebo-und-nocebo-dle-erstaunllche-kraft-des-nlchts (Zugriff: 12'11.2017)

23 Vgl. Schurz, Prof. Dr. med. univ. Robert: Interview, geführt von Felix Rümmele, Feldkirch 20.11.2017.

24 Vgl. Braunmiller, 2014.

25 Vgl. Kihlstrom, John F.: Hypnosis in Mind and Body. 04.10.2013. http://socrates.berkeley.edu/~klhlstrm/SCEH2013.htrn (Zugriff: 19.11.2017)

26 Brody, Howard und Daralyn: Der Placebo-Effekt. Die Selbstheilungskräfte unseres Körpers. München 2002, s. 79.

27 Vgl. Brody, Howard und Daralyn: Der Placebo-Effekt. Die Selbsthellungskräfte unseres Körpers. München 2002, s. 81. 1g-netz (Hrsg.): Wenn allein der Glaube wirkt. https://www.g-netz.com/wenn-der-glaube-wlrkt/ (Zugriff: 28.01.2018) Im zweiten Teil, dem praktischen Teil, wird zuerst das Interview, das mit Primarius Professor Dr. med. univ. Anton Robert Schurz geführt wurde, behandelt. Dieser be­richtet von spannenden Erfahrungen mit Placebos aus seiner Praxis und gibt seine klare Meinung über die Relevanz von Placebos wieder. Das Interview wird zuerst zu­sammengefasst und dann interpretiert. Danach werden die Fragebögen ausgewertet. Der Fragebogen wurde erstellt, um zu erforschen, ob Placebos heutzutage auch tat­sächlich in therapeutischen Praxen relevant sind und wie verschiedene Ärzte dazu stehen. Die Ergebnisse werden anhand von Diagrammen dargestellt und einige Schlüsse daraus gezogen. Grundsätzlich kann man unterscheiden zwischen einem Verum, das ist ein Medika­ment, dass eine nachweislich wirksame Substanz enthält, und einem Placebo, das nur so aussieht, als wäre es ein Verum.

28 Vgl. Brody, Howard und Daralyn: Der Placebo-Effekt. Die Selbstheilungskräfte unseres Körpers. München 2002, S. 81.

Details

Seiten
44
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668726055
ISBN (Buch)
9783668726062
Dateigröße
564 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v428444
Note
1
Schlagworte
placebo-effekt wirkung wirkstoff

Autor

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Titel: Der Placebo-Effekt. Wirkung ohne Wirkstoff