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Gründe für den Wandel der Ghettos in den Städten der Vereinigten Staaten von Amerika

Hausarbeit 2004 24 Seiten

Soziologie - Wohnen, Stadtsoziologie

Leseprobe

1. Inhalt

2. Einleitung

3. Entstehung und Wandel des Ghettos in den Städten der USA
3.1 Entstehung des Schwarzenghettos
3.2 Suburbanisierung und das Wachsen des Ghettos
3.3 Fortbestand des Ghettos
3.3.1 Das Ghetto der Ausgeschlossenen
3.3.2 Hypersegregation
3.4 Die Situation im heutigen Ghetto
3.4.1 Situation der Bewohner des Ghettos
3.4.1 „Schwarzer Gürtel“, „Roter Gürtel“ – Die Eigenarten des Ghettos

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis:

2. Einleitung

Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit der Problematik des Schwarzenghettos in den Städten der Vereinigten Staaten von Amerika. In Anlehnung an den historischen Kontext sollen im Folgenden die Gründe für die Entstehung des Ghettos sowie seines Wandels aufgezeigt werden.

Zum besseren Verständnis meiner Ausführungen möchte ich die Definition sowohl des Ghettos, als auch der Enklave voranstellen. Bei Beiden handelt es sich um Formen separierten Wohnens, die sich jedoch u.a. in der Freiwilligkeit und dem Verhältnis zur umgebenden Gesellschaft unterscheiden. So steht das Ghetto stets in einer negativen Rangbeziehung zur übrigen Gesellschaft und wird von derselben dominiert (Massey/Denton:1993 S 32f.).[1]

„Ein Ghetto ist ein Gebiet, in welchem Raum und Rasse miteinander verbunden sind, um eine bestimmte Bevölkerungsgruppe, die von der herrschenden Gesellschaft als minderwertig angesehen und dementsprechend behandelt wird, zu definieren, zu isolieren und einzugrenzen.“ (Marcuse 1998: S. 179)

Eine Enklave ist ein Gebiet, in dem Mitglieder einer bestimmten Bevölkerungsgruppe, definiert nach Ethnizität, Religion oder anderen Merkmalen, auf einem bestimmten Raum zusammenkommen, um ihre ökonomische, soziale, politische und/oder kulturelle Entwicklung zu fördern.“ (Marcuse 1998: S. 186)

Die Idee des „melting pots“, des Schmelztiegels, in dem alle Ethnien in den Vereinigten Staaten von Amerika verschmelzen und letztendlich zu dem Typus des „US-Amerikaner“ werden, hat sich für alle ethnischen Gruppen, die im Laufe der Zeit in die USA emigrierten mehr oder weniger erfüllt. Nur eine Gruppe ist hiervon ausgenommen. Die schwarze Bevölkerung in den USA hat bis heute kaum Integration erfahren.

Bereits einige Dekaden nach dem Ende der Sklaverei wurden sie von der Mehrheitsgesellschaft isoliert und massiv segregiert.

In den USA gibt es keine ethnische Gruppe, die im Laufe der Geschichte so stark segregiert wurde, wie die der Schwarzen. Dieser Zustand hat sich bis in unsere heutige Zeit nicht gewandelt.

„Für die Schwarzen aus den Städten stellt das Ghetto die paradigmatische Wohnkonfiguration seit wenigstens achtzig Jahren dar.“(Massey/Denton:1993 S.18)

Warum dies der Fall ist, wie es zur Entstehung des Ghettos kam und wo die Gründe für dessen Wandel liegen, soll im weiteren Verlauf erläutert werden.

3. Entstehung und Wandel des Ghettos in den Städten der USA

Die Geschichte der Schwarzen in den USA nahm ihren Anfang, als immer mehr Afrikaner als Sklaven ins Land gebracht wurden. Sie wurden auf den Plantagen der Südstaaten zur Arbeit gezwungen, waren ihren Herren ausgeliefert und mußten unter unmenschlichen Bedingungen, meist auf den ausgedehnten Baumwollplantagen, Schwerstarbeit verrichten.[2] Diese prekäre Situation änderte sich erst mit dem Wahlsieg des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Abraham Lincoln (1860) und dem Austritt der Südstaaten aus der Union. Die elf Südstaaten bildeten die konföderierten Staaten von Amerika (1861). Dies führte zum Ausbruch des Bürgerkriegs, auch Sezessionskrieg genannt (1861-1865), und zur Aufhebung der Sklaverei (1863).[3] Neben dem Zusammenbruch des Plantagensystems im Süden brachte der Krieg einen massiven konjunkturellen Aufschwung für den Norden des Landes. Nach dem Sieg der Nordstaaten, begann die Phase der „Reconstruction“ unter Präsident Andrew Johnson (1865-1877), welche die Widereingliederung der Südstaaten beschreibt. 1877, mit dem Ende der „Reconstruction“ und einer weitergehenden Sklavenemanzipation unter Präsident Ulysses Grant, entwickelte sich im Süden ein gewaltbereiter Rassismus, so dass die Gleichstellung der ehemaligen Sklaven nur auf dem Papier existent war. So wurden im Süden erneut Gesetze erlassen, die die schwarze Bevölkerung quasi entrechteten (Verwehrung von Stimmrecht, etc.). Zu dieser Zeit (um 1870) lebten noch 80% aller Schwarzen im ländlichen Süden.

In den Städten des Nordens war die Segregation um 1860 moderat.[4] Dies, und die Tatsache, dass die Schwarzen nur einen kleinen Teil der Gesellschaft ausmachten, bedeutete, dass es zu sozialen Kontakten zwischen Schwarzen und Weißen kam. Es wurde zu diesem Zeitpunkt nur in geringem Maße nach Rasse differenziert, ein in dieser Hinsicht bedeutenderer Aspekt war die Klasse (Massey/Denton:1993 S.22). Ein Ghetto in den Städten des Nordens, in dem die schwarze Bevölkerung lebte, gab es zu dieser Zeit noch nicht.

3.1 Entstehung des Schwarzenghettos

Mit der Jahrhundertwende und der zunehmenden Industrialisierung änderte sich die Situation der Schwarzen. Der Norden hatte einen massiven wirtschaftlichen Aufschwung erfahren. Der Eisenbahnbau und die damit verbundene Eroberung des Westens brachte vielen Menschen Arbeit und die Schwerindustrie in den Städten des Nordens boomte[5]. So setzte bereits Ende des 19. Jahrhunderts eine stetige Migration von Schwarzen aus dem Süden in den Norden ein, da der Norden einen schnelleren wirtschaftlichen Aufstieg verzeichnete als der Süden. Episodisch widerkehrende Wirtschaftskrisen (1873-1878, 1882-1885, 1893-1897) verschärften die Situation der Arbeiter und führten zu einer Ausgrenzung von Gruppen (vor allem Nichteuropäer), seitens der weißen Arbeiterschaft. Dazu gehörte auch eine massive Diskriminierung der Schwarzen, die sich ausdrückte in einer verschärften Rassentrennung in öffentlichen Einrichtungen, Schulen und auch Verkehrsmitteln. Auf diese Weise wurde eine ganze Bevölkerungsgruppe ins soziale Abseits geschoben.

Es kam zu ersten Anti-Schwarzen Übergriffen, weil die weißen Arbeiter in den schwarzen Zuwanderern eine Gefahr für ihre Arbeitsplätze sahen. Diese Angst, die eigene wirtschaftliche Situation könne sich noch weiter verschlechtern, führte dazu, dass angestachelt durch einen breiten Teil der öffentlichen Medien Vorurteile geschürt wurden und es zu Angriffen auf Schwarze kam, die von körperlichen Angriffen, bis hin zu Mord, willkürlicher Lynchjustiz und Anschlägen reichte (Massey/Denton:1993 S.29).

Das negative Image der schwarzen Arbeiter beruhte auch auf der Tatsache, daß diese häufig als Streikbrecher eingesetzt wurden, und somit den Zorn der weißen Arbeiter heraufbeschworen (Massey/Denton:1993 S.28). Um 1900 schlugen Vorurteile und Haßgefühle gegenüber den Schwarzen in Rassenunruhen um. Diese fanden ihren vorläufigen Höhepunkt in Bombenanschlägen gegen schwarze Mittelständler in weißen Wohngebieten und gegen schwarze Wohnsiedlungen im Allgemeinen.

Bedingt durch den Rassismus der Weißen zentrierten sich schwarze Wohngebiete immer mehr. Etablierte schwarze Mittelständler lebten nun mit Wanderarbeiter aus dem Süden Tür an Tür, um in der Gemeinschaft Schutz vor Übergriffen der weißen Mehrheitsgesellschaft zu finden (Massey/Denton:1993 S.30).

As the tide of violence rose in northern cities, blacks were increasingly divided from whites by a hardening color line in employment, education, and especially housing.

Whites became increasingly intolerant of black neighbors and fear of racial turnover and black “invasion” spread. (Massey/Denton:1993 S.30)

Im selben Maße, in der Klassenunterschiede an Bedeutung zu verlieren begannen, stieg die Bedeutung der ethnischen Zugehörigkeit an. Dem Ghetto wurden zu dieser Zeit und in späteren Untersuchungen tatsächlich positive Eigenschaften zugeschrieben. So definierte man es als Ort, wohin sich Schwarze „…vor den Spannungen, die aus dem Kontakt der Weißen entstehen flüchten können“ (Drake/Cayton:1945). Die psychologische Sicherheit, die ein Ghetto für seine Bewohner bedeuten kann wurde ebenfalls thematisiert (Clark:1965).

Das so entstandene Ghetto stellte für die Schwarzen eine Art Schutz da. Gemäß der Überlegung „Gemeinschaft (u.v.a Anzahl) macht stark“ bildeten sie Rückzugsgebiete, in denen sie vor Übergriffen von außen relativ sicher waren.

Die Ballung der Wohngebiete führte dazu, dass die Segregation und Isolation der Schwarzen zuzunehmen begannen.[6]

Ab 1910 erlebte auch der Süden einen wirtschaftlichen Aufschwung und die Städte wurden ebenfalls zum Ziel des Zuzugs schwarzer Zuwanderer. Jedoch brach nicht wie im Norden eine regelrechte Panik unter den Weißen aus, was hauptsächlich auf die diskriminierende Gesetzgebung zurückzuführen war (Jim Crow System). Dennoch kam es soweit, daß sich 1915 der Ku-Klux-Klan, ursprünglich ein Geheimbund der Südstaaten (gegr. 1866), welcher sich aus Farmern zusammensetzte und Anschläge gegen emanzipierte Schwarze und radikale Republikaner durchgeführt hatte, neu gründete. Dieser agierte nun nicht mehr als Geheimbund, aber dafür mit einer noch nie dagewesenen Mitgliederzahl von 4-5 Mio. (1927). Der Clan versuchte vergeblich die Durchsetzung der Bürgerrechte in den Südstaaten zu verhindern.

In den 20er Jahren, mit dem Aufbau neuer Industriezweige, wie der Elektrotechnik und der Automobilproduktion, entwickelte sich die US-Gesellschaft zu einer relativ wohlhabenden Konsumgesellschaft. Dies brachte einige soziale Probleme mit sich, wie den weiter anwachsenden Rassismus, der sich auch weiterhin gegen Nichteuropäer und vor allem die Schwarzen richtete.

[...]


[1] s. Anlage 1 Seite III Grafik 07 – Taxonomie von Ghetto und Enklave

[2] s. Anlage 1 Seite II Grafik 03 – Einwanderung und Besiedlung

[3] s. Anlage 1 Seite III Grafik 08 – Der Bürgerkrieg

[4] s. Anlage 2 Seite IV Tabelle 2.1/2.2 – Segregation u. Isolation der Schwarzen von 1900

[5] s. Anlage 1 Seite II Grafik 03 – Einwanderung und Besiedlung

[6] s. Anlage 2 Seite IV Tabelle 2.1 – Segregation der Schwarzen vor 1900

Details

Seiten
24
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638407786
ISBN (Buch)
9783638656856
Dateigröße
2.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v42842
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
2,1
Schlagworte
Gründe Wandel Ghettos Städten Vereinigten Staaten Amerika

Autor

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