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Wilhelm von Humboldts Bildungstheorie und Universitätsidee

Seminararbeit 2017 19 Seiten

Pädagogik - Geschichte der Päd.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Methoden der neuen Ideengeschichte/Sozialgeschichte der Ideen

3. Wilhelm von Humboldt
3.1. Zur Person
3.2. Historischer Kontext
3.3. Humboldts Bildungstheorie
3.4. Humboldts Universitätsidee

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Nur wenige unter den großen Namen er 19. Jahrhunderts dürfen einer breiteren Öffentlichkeit heute so geläufig sein wie der des Privatgelehrten, zeitweiligen Bildungspolitikers, Diplomaten und Ministers Wilhelm von Humboldt (1767–1835). Wie das? Was sind die Gründe für die Popularität dieses Mannes? Es ist das Stichwort „Bildung“, das hier den entscheidenden Hinweis liefert, denn die Frage nach der Bildung des Menschen hat Humboldt Zeit seines Lebens bewegt und zu tiefgründigen Reflexionen animiert.“ (Konrad 2010, S. 7)

Humboldts Interesse an der Bildung und sein Beitrag zum Bildungsdiskurs ist es auch, welche den Ansporn zu dieser Arbeit gab. Auch aktuell sind Schulen und Universitäten die Dauerbaustellen im Bildungssektor und Humboldts Ansichten von einer gleichmäßigen Ausbildung aller Kräfte als Ziel der Bildung und der Einheit von Forschung und Lehre an der Universität, werden auch heute noch kontrovers diskutiert. Konrad (2010) bezeichnet ihn als „Phänomen höchst selektiver und partieller Rezeption“ (ebd.), da seine Wirkung auf die Nachwelt oft etwas verschönt dargestellt wird. Dennoch verfasste Wilhelm von Humboldt in seinem Leben viele theoretische Abhandlungen, Beiträge zu Fragen der Kunsttheorie, Philosophie, Geschichte und Anthropologie, aber auch zur Psychologie, Staatstheorie oder Sprachwissenschaft, von denen viele erst posthum aus seinem Nachlass veröffentlicht wurden und dennoch einen gewissen Einfluss auf die Zukunft hatten. Sein Schreibstil war recht eigenwillig und redundant, sogar sein Freund Schiller ließ ihn wissen, „dass er ihn nicht gerade für einen geschmeidigen Stilisten hielt“ (ebd.), und trotzdem sind seine Schriften weltweit bekannt.

In dieser Arbeit soll es aber nicht darum gehen, wie weit die Tragweite der humboldtschen Schriften war, sondern um seine Theorie von Bildung und seine Idee von Universität.

Zunächst wird die Methode der neuen Ideengeschichte bzw. der Sozialgeschichte der Ideen erläutert, nach welcher ein Text immer auch im Kontext seiner Zeit gesehen werden soll. Im Anschluss daran widmet sich der Hauptteil der Arbeit Wilhelm von Humboldt, seinem Leben, den politischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten zu seiner Zeit und vor allem seiner Theorie von Bildung und seiner Idee von Universität. Im Laufe dieses dritten und noch expliziter im vierten und letzten Kapitel soll dann erwähnt und zusammengefasst werden, in welchem Zusammenhang diese Gegebenheiten und die Humboldts Theorien und Ideen zueinander stehen.

2. Die Methoden der neuen Ideengeschichte/Sozialgeschichte der Ideen

In diesem Abschnitt soll kurz erläutert werden, was es mit der Methode der Sozialgeschichte der Ideen, bzw. einer ideengeschichtlichen Untersuchung auf sich hat.

Eine ideengeschichtliche Untersuchung – ein Teilgebiet der Geschichtswissenschaft – galt lange als „antiquiert verpönt[]“ (Overhoff 2004, S. 321). Neue Entwicklungen ergaben ein neues „Innovationspotential“ (S. 321), dieses muss aber erweitert werden, da früher geforscht wurde „ohne auf den konkreten historischen oder sozialen Kontext […] einzugehen“ (ebd., S. 322)

Laut Tully und Skinner (1988) ist es einerseits wichtig „religious, political, and economic factors” (ebd., S. 29) in die Textanalyse miteinzubeziehen, denn diese Faktoren “determine[] the meaning of any given text“ (ebd.) und werden somit „for any attempt to understand it“ (ebd.) benötigt. Andererseits wurde zu der Zeit, aus der der Tully/Skinner-Text (1988) stammt auch oft die Meinung vertreten, bei einer Ideengeschichte stände „the autonomy of the text itself as the sole necessary key to it’s own meaning“ (ebd., S. 29), was eine Einbettung dessen in den historischen Kontext unnötig machen würde.

In unserer aktuellen Zeit steht nun aber fest, dass „politische, pädagogische oder religiöse Ideen als in der Geschichte wirkende Kräfte einen nicht zu unterschätzenden Anteil am gesellschaftlichen Veränderungen hatten“ (Overhoff 2004, S. 322), weshalb Lottes (2002) fordert, dass man eine „modernisierte Ideengeschichte […] als ‚Sozialgeschichte der Ideen‘“ (Lottes 2002, S. 262 zit. n. Overhoff 2004, S. 322) betiteln sollte. Somit soll durch eine Kontextualisierung der Idee oder des Textes, eine angemessene Interpretation und Analyse dieser gewährleistet werden, indem eine „Rückbindung in die entsprechenden historischen ‚Handlungszusammenhänge‘ vorgenommen werde“ (ebd.).

„Konkret bedeute dies, dass eine modernisierte Ideengeschichte stets aufzuzeigen habe, welche Interessenlagen, gesellschaftliche Tätergruppen, Standorte, Strukturen und politische Konstellationen die Genese, Fortentwicklung und Durchsetzung neuer Ideen oder Mentalitäten tatsächlich ermöglicht haben.“ (Overhoff 2004, S. 322)

In diesem Sinne soll nun auch in dieser Arbeit zunächst die Biographie Humboldts vorgestellt werden und ebenso die gesellschaftliche Lage seiner Zeit, um anhand dieser besser verstehen zu können, wieso Humboldt überhaupt eine Theorie zur Menschenbildung und eine Idee der Universität entwickelt hat. Denn es trägt zum besseren Verständnis der Lage Humboldts bei, seine „Aussagen […] immer als Teil eines sehr spezifischen historischen Diskurses zu verstehen“ (ebd., S. 325) und somit – im Sinne Skinners – seine Texte „als eine sprachliche Reaktion, also als Antwort auf ein bestimmtes historisches Problem“ (ebd.) zu betrachten.

3. Wilhelm von Humboldt

Dieses Kapitel widmet sich vor allem den gesellschaftlichen Gegebenheiten zur Zeit Wilhelm von Humboldts, zunächst seiner persönlichen Biografie, die zum besseren Verständnis seines Werdegangs als Schriftsteller, Politiker und Reformer beitragen soll. Durch den sozialgeschichtlichen Kontext wird besser verständlich, was Humboldt seinerzeit zu seinen Werken und Schriften inspiriert hat und erklärt vielleicht seine Ansichten in manchen Punkten, die uns heutzutage abwegig erscheinen würden, aber damals dem Zeitgeist entsprochen haben.

3.1. Zur Person

Wilhelm von Humboldt wurde am 22. Juni 1767 in Potsdam, als Sohn von Alexander Georg und Marie-Elisabeth von Humboldt, geboren. Er und sein zwei Jahre später geborener, heutzutage ebenso berühmter, Bruder Alexander von Humboldt (1769-1859) genossen, dank ihrer wohlhabenden Eltern, eine „adäquate Erziehung und Ausbildung“ (Kopetz 2002, S. 35). 1787 gingen die Geschwister gemeinsam an die Universität in Frankfurt an der Oder, Wilhelm zog es aber nach kurzer Zeit an die Universität Göttingen, die als Reformuniversität der Aufklärung hohes Ansehen genoss. Neben seinem Studium der Rechtswissenschaften und der Philosophie – hier hatte es ihm vor allem Kant angetan – entdeckte er hier auch seine „Liebe zum Altgriechischen und erweiterte seine Bildung durch Reisen nach Deutschland, Frankreich und in die Schweiz“ (ebd. S. 36). 1790 versuchte sich Humboldt als Referendar am Kammergericht im Staatsdienst, trat aus diesem aber nach nur einem Jahr wieder aus „um sich als reiner Privatmann der Pflege der eigenen Interessen und Bildung der Persönlichkeit zu widmen“ (ebd.). Im selben Jahr heiratete er Caroline von Dacheröden (1766-1829), welche den beiden, dank ihrer wohlhabenden Familie, eine finanzielle Absicherung brachte und Humboldt dadurch eine „Zeit der Unabhängigkeit, des Landlebens und der Studienreisen, aber auch erster staatstheoretische Untersuchungen unter dem Eindruck der Französischen Revolution“ (ebd.) ermöglichte. Im Jahre 1794 zog es Humboldt nach Jena, wo er Friedrich Schiller und Johann Wolfgang von Goethe kennenlernte und sich mit ersterem sogar eine Freundschaft entwickelte. Er unternahm in den nächsten Jahren viele philosophische und sprachliche Studienreisen, beispielsweise nach Frankreich und Spanien, bis er sich schließlich für sechs Jahr als preußischer Resident am Heiligen Stuhl niederließ und seine Zeit dort zur Erforschung der Antike nutzt.

„Von der forschenden Passivität wurde Humboldt unvermittelt in die politische Aktivität geschleudert“ (Kopetz 2002, S. 37), denn im Februar 1809 wurde er geheimer Staatsrat und Direktor der Sektion Kultus und Unterricht im preußischen Innenministerium. In dieser Zeit begann er mit einer Umstrukturierung – und zum Teil sogar einem Neuentwurf – des gesamten Bildungswesens „aufbauend auf den theoretischen Vorarbeiten Pestalozzis, Fichtes und Schleiermachers“ (Kopetz 2002, S. 37), er schuf in dieser Zeit neue Organisationsformen und begann auch mit deren Umsetzung, beispielsweise vielen Initiativen zur Reform des Schulwesens oder der Vorbereitung zur Gründung der Uni Berlin 1809. Nach seiner Zeit im Ministerium des Inneren hatte Humboldt dann verschiedene Gesandtenposten inne und widmete sich später vor allem der Sprachforschung und Sprachphilosophie bis zu seinem Tod mit 67 Jahren am 08. April 1835 in Berlin/Tegel.

3.2. Historischer Kontext

Der historische und sozialgeschichtliche Kontext soll nun die gesellschaftliche Lage zu Humboldts Zeit näher beleuchten und somit ein wenig „Hintergrundwissen“ beisteuern.

Der Sieg des französischen Heeres über die preußische Armee bei Jena/Auerstedt zog im Juli 1807 den Tilsiter Frieden nach sich. Dieser wurde zwischen Frankreich und Russland geschlossen, Berlin wurde von Frankreich besetzt, Preußen verlor alle Gebiete westlich der Elbe. Dank des Zaren blieb Preußen zwar als Staat bestehen, jedoch machte die Zahlung hoher Kriegskontributionen diesem einige Probleme. Es folgte eine Zeit, die Haase (2012) als „Kultur der Niederlage“ (ebd., S. 29) beschreibt: die Niederlage und der damit verbundene Zusammenbruch der Kultur wird gefolgt von einer „Phase der Selbstfindung des Verlierers […] nach welcher die Nation trotz ihrer Niedergeschlagenheit den Blick optimistisch in die Zukunft richtet“ (ebd.). Es kommt zu einer Art „Erwachen“, wobei schließlich der Verlust realisiert wird und der Gesellschaft bewusst wird, dass ein Neuanfang die einzige Möglichkeit bleibt. Die Widerherstellung des Zustandes vor der Niederlage wird zum Ziel, dessen Erreichen die Nation wieder zusammenschweißt, denn „[i]m Besiegtsein liegt offenbar ein unausschöpfbares Potential der Erkenntnis“ (ebd., S. 30).

Diese Zeit wurde zudem geprägt durch die „‚Maschinisierung‘ von Politik und Staat“ (Menze 1975, S. 9), die Ablösung des Handwerks durch Industrie aufgrund der einsetzenden Industrialisierung und durch die ständig zunehmenden Kenntnisse in verschiedenen Wissensbereichen. Infolge der Entstehung vieler neuer Wissenschaften wurden neue Erfahrungen gemacht, weshalb sich in vielen Teilbereichen neue Forschungsthematiken herausbildeten. In dieser Blütezeit von Kunst und Literatur wurden daher viele neue Werke zum Thema Bildung und Erziehung geschaffen, die laut Menze (1975) zwar eine Veränderung aber keine Verbesserung der Menschheit bewirkten und dadurch die Diskrepanz zwischen neuen Erkenntnissen und moralischer Entwicklung nur noch verschärften (ebd., S. 9). Wegen der sozialen Emanzipation des Bürgertums wurde der Auseinanderfall von politischer und sozialer Elite eingeläutet und eine Verwissenschaftlichung der Lebensbedingungen und -verhältnisse, sowie der Erziehung vorangetrieben. Es folgten „Überlegungen und Folgerungen, wie [dies; BH] menschlich bewältigt werden könnte“ (ebd.) und all das „bestimmt[e] die Ausgangssituation dieses Denkens und g[ab] zugleich die Richtung an, in die sich die Lösung dieses Problems bewegen soll[te]“ (ebd.).

Auch in religiösen Aspekten gab es zu Humboldts Zeit Veränderungen: der Glaube an Gott war durch die Aufklärung erschüttert und ins Wanken geraten (ebd., S.10). Religion galt nicht länger als „vernünftig“ (ebd.), Glaube wurde zu einer „unbeweisbare[n] Sache des Gemüts“ (ebd.).

Die Menschen wurden durch die Entfremdung der Menschen und die „ständische Anonymität“ (ebd.) von einem Gefühl der Hilflosigkeit gegenüber vorgeordneten Zwängen übermannt, weshalb sich der Neuhumanismus zum Ziel setzte „[d]as Volk nicht als Objekt der Veränderungen zu belassen, sondern zum Stifter und Träger des Neuen zu machen“ (ebd., S. 11).

Die Reaktion des pädagogischen Denkens darauf ließ nicht lange auf sich warten. Das Leben der Menschen verlief nicht länger in den ihnen bekannten, vorgezeichneten Bahnen, daher befassten sich viel Schriftsteller mit der „Erziehung als eigene[r] selbstständige[r] Macht“ und dem Glaube an deren Allmacht. Die Folge dessen waren einige Schriften zum Thema Erziehung und die Neugründung von Erziehungsinstitutionen mit dem Bezugspunkt der „Lehre von der Glückseligkeit aller“ (ebd.). Dieses humanistisches Bildungsdenken war eine „Reaktion auf einen Umbruch in der Zeit, in der die überlieferten und als gültig angesehenen Traditionen in Frage gestellt“ (ebd., S. 13) wurden und überdacht werden mussten. In dieser Zeit des geistigen Aufbruchs wurde die Reorganisation der staatlichen Verwaltung und der Bildung nötig, welcher sich Humboldt als Minister für Kultus und Bildung annahm und in den folgenden Jahren eine Neustrukturierung des Schul- und Erziehungswesens und die Neugründung der Uni Berlin vorantrieb (Kopetz 2002, S. 40).

Der Zustand der Universität

Da sich diese Arbeit auch mit Humboldts „Idee der Universität“ befassen wird, soll auch der Zustand der Universität um 1800 etwas näher beschrieben werden, um sich die damalige Situation Humboldts verbildlichen zu können.

Die Universität befand sich zur Zeit Wilhelm von Humboldts in einer Krise, einer Zeit der existentiellen Bedrohung sogar. Die Zahl der Universitäten sank beträchtlich, diejenigen, die noch existierten hatten, durch die Aufklärung, mit dem Vorwurf der Verschulung – dem Überwiegen veralteter „scholastische[r] Traditionen“ (Kopetz 2002, S. 38) gegenüber der Forschung – zu kämpfen oder drohten aufgelöst zu werden. Kritik an der Lehre wurde laut, diese „wirkte vertrocknet. Die Studenten reagierten oft mit Albernheiten“ (Ellwein 1992, S. 111) und auch der erstarrende Lehrbetrieb, der an das Erstarren im ausgehenden Mittelalter erinnerte, wurde thematisiert. Beispielweise wurde hier der Kathedervortrag kritisiert, da er ganz im Widerspruch zu lebendigeren Formen der Kommunikation, die durch Aufklärung verbreitet wurden, stand. Aufgrund all dieser Kritik wurde diskutiert, ob nicht die Neugründung von Akademien zur Lösung des Problems beitragen könnte, indem z.B. die forschende Wissenschaft in diese außeruniversitären Einrichtungen ausgelagert würde. Dies hätte eine Schwächung der Universität als Institution zufolge und wurde daher von deren Befürwortern sehr streng kritisiert. Die „Aufklärung verlangte von ihren Untertanen brauchbare Kenntnisse und weltliche nüchterne Urteilsfähigkeit“ (Kopetz 2002, S. 39), weshalb Berufserziehung und praxisbetonte Ausbildung bei vielen Vertretern dieser Bewegung im Vordergrund standen, „das Verständnis für die Beschäftigung mit Wissenschaft in ihrem Gesamtzusammenhang und das Erkennenwollen um seiner selbst willen nahm ab“ (ebd., S. 39). Dieses Denken führte zur Gründung von Fachhochschulen mit Ausbildungsauftrag, die zur speziellen Berufsausbildung gedacht waren. Durch die allgemeine Kritik an Universitäten und deren Verschulung wurden sogar Forderungen nach einer allgemeinen Aufhebung von Universitäten laut, diese Forderungen wurden wiederum von Vertretern des Idealismus und des Neuhumanismus vehement abgelehnt. Sie forderten dagegen eine radikale Erneuerung und Neuschaffung der Universität, in der allgemeines Gelehrtentum herrschen solle und das Studium in Einsamkeit und Freiheit im Vordergrund stehen sollte, da zum Beispiel Schelling vor „der geistigen Vereinseitigung durch vorzeitige Spezialisierung warnt“ (S. 39). Ellwein (1992) zeigt sich erstaunt darüber, dass das Universitätssterben zwar eine mögliche Entwicklung der Situation gewesen wäre, dass sich dieses jedoch nicht durchgesetzt habe komme einem Wunder gleich (Ellwein 1992, S. 111): die neue Universitätsidee habe dank tiefgreifender Veränderungen nie dagewesene Unabhängigkeit für diese Institution errungen und „[d]aß man dabei die alten Formen übernahm und doch neue Wege ging, verweist auf die Klugheit der Beteiligten und erklärt ein Stück von diesem Wunder“ (ebd., S. 111). Die Veränderung begann beispielweise mit der Öffnung der Universitäten Halle und Göttingen für die ‚modernen‘ Wissenschaften und die Zuwendung zur Erforschung der Natur (ebd., S. 112). Es wurde die Suche nach der Wahrheit und allgemein gültigem Wissen in den Vordergrund gestellt, jedoch auch ein Bewusstsein dafür entwickelt, dass es nur einen sich erweiternden Bestand an überprüfbaren Erkenntnissen gibt. Diese Veränderung der Rolle von Wissenschaft und Universität brachte es auch mit sich, dass die Wahrheit über die Vernunft gestellt wurde und die Suche neben die Weitergabe getreten ist. Dadurch sollten auch Lehrer und Lernende näher aneinander rücken und sich eher als Gleichberechtigte gegenüberstehen. Ellwein sieht in diesem Zusammenhang auch die Gründung Universität Berlin „nicht als isolierte Tat eines großen Mannes […], sondern eher als Station in einem umfassenden Prozeß“ (ebd., S. 112), in dessen Folge ein Konzept für das gesamte staatliche Bildungswesen hervorgebracht wurde. Diese Reform führte zu einer „sinnvolle[n] Aufgabenteilung zwischen Schule und Universität und innerhalb der Schule zwischen Elementarschule und Gymnasium, unterschied [auch; BH] zwischen allgemeiner und beruflicher Bildung, zwischen Unterricht und Studium“ (ebd., S. 113).

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Details

Seiten
19
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668722453
ISBN (Buch)
9783668722460
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v428332
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Pädagogik
Note
1,7
Schlagworte
wilhelm humboldts bildungstheorie universitätsidee

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Titel: Wilhelm von Humboldts Bildungstheorie und Universitätsidee