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Die Entwicklung des Selbstwertes bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Diabetes Typ 1

Hausarbeit (Hauptseminar) 2018 17 Seiten

Psychologie - Entwicklungspsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Forschungsstände
1.1.1 Empirische Befunde zum Selbstwert
1.1.2 Befunde zu selbstwertbeinflussenden Faktoren
1.2 Forschungsleitende Hypothesen

2. Methodik

3. Auswertung
3.1 Stichprobe
3.2 Befunde
3.2.1 Selbstwert und Therapieform
3.2.2 Selbstwert und Messtechnik
3.2.3 Selbstwert und Messhäufigkeit
3.2.4 Selbstwert und die Besprechung persönlicher Anliegen
3.2.5 Selbstwert und Psychotherapie
3.2.6 Selbstwert und Alter bei der Diagnose
3.2.7 Selbstwert und Anzahl der Schulungen

4. Diskussion

Literaturverzeichnis

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Selbstbewusstsein, Selbstsicherheit, Selbstgewissheit oder Selbstvertrauen – in der alltäglichen Sprache gibt es viele Begriffe, die synonym für den Selbstwert verwendet werden. Besonders in der Adoleszenz nimmt die Beschäftigung mit dem Selbstwert einen großen und wichtigen Raum ein und stellt einen wichtigen Abschnitt in der psychosozialen Entwicklung der Heranwachsenden dar. Es ist Krise, Chance und Aufgabe zugleich – eine Phase, die jeder Mensch einmal in seinem Leben durchläuft. Dieser Lebensabschnitt gestaltet sich mitunter nicht ganz einfach. Hormonelle, physische und psychische Veränderungen stellen die Jugendlichen vor neue Aufgaben. Sie müssen diese Entwicklungen akzeptieren und verarbeiten. Langsam lernen sie, wer sie sind und was sie wollen. Die Integration der durch die Pubertät ausgelösten Veränderungen in das Ich und das Selbstkonzept vollzieht sich nicht automatisch, sondern werden in langen Prozessen, Interaktionen (besonders mit Gleichaltrigen) und der Beschäftigung mit sich Selbst erworben. Dies kann auch zu großen Verunsicherungen führen. Jugendliche beginnen sich miteinander in Bezug auf Merkmale wie Körperlichkeit, „Coolness“ oder auch der Anzahl an festen Partnerschaften zu vergleichen. Kritische Rückmeldungen stellen Selbstbild und Selbstwert in Frage und können es auch erschüttern.

Das Selbst eines Menschen besteht aus zwei Komponenten: dem Selbstkonzept und dem Selbstwert. Während das Selbstkonzept sich auf das Kognitive, also die Selbstwahrnehmung und um all das, was die eigene Person ausmacht, spiegelt der Selbstwert die affektive Komponente wieder. Es beruht auf den Bewertungen der eigenen Person bzw. auf Aspekten, die die eigene Person ausmachen. In der Forschung herrscht über diese Definitionen weitgehend Einigkeit (Lohaus & Vierhaus 2013: 169).

Für die Entwicklungspsychologie bei Kindern und Jugendlichen stellt eine chronische Erkrankung eine besondere Belastung dar. Neben den entwicklungspsychologischen Aufgaben, die Heranwachsende in diesem Alter bewältigen müssen, nimmt auch die Auseinandersetzung mit der eignen Erkrankung einen wesentlichen Raum ein. In Bezug auf ihre psychische und physische Entwicklung werden sie intensiver gefordert als ihre „gesunden“ Altersgenossen.

Je nach chronischer Erkrankung können auch körperliche Einschränkungen einhergehen. Dies kann zu einer geringeren Leistungsfähigkeit führen, die sich wiederum auf das Ansehen in der sozialen Gruppe niederschlagen kann.

Zudem stehen chronische Erkrankungen in einem Zusammenhang mit dem Auftreten von Komorbiditäten stehen. Zur Komorbidität bei Diabetes mellitus Typ 1 schreiben Rölver und Lange (2017): „Die Manifestation eines Typ-1-Diabetes im jungen Erwachsenenalter ist ein kritisches Lebensereignis, das zunächst viele alterstypische Zukunftspläne und Lebensziele infrage stellt.“ Es zeigt sich also, dass junge Diabetespatienten ihr Leben anderes gestalten müssen als ihre gesunden Altersgenossen. In Praxis und Forschung hat sich zudem eine hohe Komorbidität zwischen Diabetes mellitus Typ 1 und weiteren Autoimmunerkrankungen (zum Beispiel Hashimoto Thyreoiditis, eine Schilddrüsenunterfunktion), sowie eine Komorbidität zwischen einem Typ 1-Diabetes und psychischen Erkrankungen wie etwa Angststörungen, Belastungsreaktionen und Depressionen (Rölver & Lange 2017, Reynolds et al. 2011) oder Essstörungen (Young et al. 2013; Herpertz et al. 2006). Dabei sind Mädchen und junge Frauen eher von psychischen Erkrankungen in Verbindung mit einem Diabetes mellitus Typ 1 betroffen, als Jungen und junge Männer.

Zudem kommt es häufig zu Akzeptanzschwierigkeiten, ein Leben lang mit der Erkrankung zu leben oder dem Gefühl der Überforderung betreffend der Anpassung des Lebensstils und des Therapiemanagements (vgl. hierzu Maier 2012: 47).

In einer Studie von Seiffge-Krenker (2000) hat sich gezeigt, dass Jugendliche mit einem Diabetes mellitus Typ 1 als chronische Erkrankung, sich in einem „Entwicklungsdilemma“ befinden. Obwohl diabetische und gesunde Jugendliche die gleichen Entwicklungsnormen anstreben, konnte die Autorin nachweisen, dass sich Unterschiede beim realisierten Entwicklungsstand zeigten.

An einem ähnlichen Punkt soll die vorliegende Überblicksstudie ansetzen. Es soll der Zusammenhang zwischen dem Selbstwert und Diabetes mellitus Typ 1 als chronische Erkrankung untersucht werden.

1.1 Forschungsstände

Schon seit einigen Jahrzehnten hat sich die Forschung um das Selbst und der Selbstwert zu einem wichtigen Forschungsschwerpunkt, insbesondere im Bereich der Entwicklungs-, Persönlichkeits-, Sozial- und Differentiellen Psychologie, etabliert.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass eine Vielzahl von Studien existieren, die sich mit der Entwicklung des Selbstwertes beschäftigen. Hierbei ist anzumerken, dass nicht nur das Selbstwert in der Adoleszenz im Forschungsmittelpunkt steht. Vielmehr besteht das Interesse daran, einen Überblick über das Selbstwert über die gesamte Lebensspanne hinweg, zu erhalten.

1.1.1 Empirische Befunde zum Selbstwert

Erol und Orth im Jahr 2011 die Ergebnisse ihrer Längsschnittstudie veröffentlicht. Anhand der Studie sollte gezeigt werden, wie sich der wahrgenommene Selbstwert über die Zeit hinweg verändert. Des Weiteren galt es herauszufinden, welche Eigenschaften die Versuchspersonen die Entwicklung des Selbstwertes beeinflussen. Vorhergegangene Studien legten die Vermutung nahe, dass der Selbstwert während der Jugendphase und weiter bis ins Erwachsenenalter kontinuierlich steige. Untersucht wurden dabei 7100 Personen im Alter von 14 bis 30 Jahren. Die Laufzeit der Studie betrug 14 Jahre und ging von 1994 bis 2008.

Beobachtet wurde neben dem Einfluss der Big-Five- Persönlichkeitsmerkmale auf das Selbstwert, auch Merkmale wie das Gefühl, Dinge erreichen zu können, Risikobereitschaft, Herkunft, Geschlecht, Gesundheit und Einkommen.

Erol und Orth fanden keinen signifikanten Unterschied im Selbstwert zwischen den Geschlechtern. Damit wiedersprach das Resultat gegen die geläufige Annahme, dass Männer tendenziell ein höheres Selbstwert besitzen. Zudem nimmt der wahrgenommene Selbstwert im Jugend über die Zeit hinweg zu und steigt auch später im Erwachsenenalter noch leicht an. Die wichtigsten Faktoren für ein starken Selbstwert war das Gefühl, das Leben in der eigenen Hand zu haben, emotionale Stabilität, Extrovertiertheit und Gewissenhaftigkeit.

Auf die Entwicklung des Selbstwertes im Kindes- und Jugendalter fokussiert sich die Querschnittsstudie von Robins et al. (2002). Relativ hohe Werte zeigen sich dabei in der mittleren Kindheit. Dieser Befund wird dabei vor allem darauf zurückgeführt, dass sich das Selbstkonzept von Kindern in dieser Altersgruppe sich als verstärkt positiv darstellt. Spätestens mit dem Schuleintritt orientieren sich Kinder vermehrt an Fremdurteilen und sozialen Vergleichen. Die Integration von negativem Feedback in das eigene Selbstkonzept erscheint daher als sehr wahrscheinlich. Als Folge zeigte sich in den Entwicklungsverläufen, dass der Selbstwert in der späten Kindheit kontinuierlich sinkt. Dieser Zustand setzt sich in der Adoleszenz weiter fort und erreicht hier seinen Tiefpunkt. Robins et al. argumentieren, dass körperliche Veränderungen, Persönlichkeitseigenschaften, sowie Biographie und Zukunftsperspektiven hierbei eine Rolle spielen. Anders als bei Erol und Orth, stellte sich ein Unterschied zwischen den Geschlechtern ein. Während Mädchen und Jungen sich in der Kindheit in ihrem Selbstwert nicht unterscheiden, zeigen Mädchen im Jugendalter einen weniger starken Selbstwert als ihre männlichen Altersgenossen.

Zimmerman et al. (1997) konnten vier Verlaufsformen des Selbstwertes bei Jugendlichen zwischen der sechsten und zehnten Klasse bestätigen: Konstant hoch, moderat steigend, leichtfallen, und konstant niedrig. Diese Einteilung des Selbstwertes bei Jugendlichen fand sich bereits in einer Untersuchung von Hirsch und DuBois (1991). Zimmerman et al. replizierten die Ergebnisse jener Untersuchung. In Bezug auf die Geschlechter konnten Zimmerman et al. festhalten, dass sich mehr Jungen in der Gruppe mit dem konstant hohen Selbstwert befanden, während mehr Mädchen in der Gruppe, deren Selbstwert absank. 48 Prozent der Teilnehmer zeigten während der Untersuchung einen stabil hohen Selbstwert.

1.1.2 Befunde zu selbstwertbeinflussenden Faktoren

Neben Studien, die sich mit einer allgemeinen Entwicklung des Selbstwertes beschäftigen, gibt es auch zahlreiche Untersuchungen über die Reziprozität von Faktoren die das Selbstwert beeinflussen bzw. welche Aspekte im Leben durch den Selbstwert bestimmt werden.

So konnten Trezniewski et al. (2006) feststellen, dass ein niedriger Selbstwert in der Adoleszenz das Auftreten von schlechter Gesundheit, kriminellem Verhalten und negativen ökonomischen Aussichten im Erwachsenenalter begünstigt.

Orth et al. (2012) untersuchten die Entwicklung des Selbstwertes über die Lebensspanne hinweg und dessen Effekte auf wichtige Lebensereignisse. Hierbei wurden besonders die Zufriedenheit von Beziehungen, Jobzufriedenheit, Berufsstatus, Gehalt, positive und negative Emotionen, sowie Depressionen und physische Gesundheit betrachtet. In einer 12 Jahre andauernden Langzeitstudie wurde 1.824 Teilnehmer im Alter von 16 bis 97 Jahre untersucht. Die Analyse brachte unter anderem hervor, dass der Selbstwert einen mittelstarken Effekt auf Emotions- und Depressionsbezogene Merkmale hat, sowie einen kleinen Effekt auf gesundheitsbezogene Merkmale. Kriterien, die in der vorliegenden Studie unter anderem auch relevant sind.

Auch zu den Aspekten der physischen Gesundheit bzw. der Körperlichkeit, die wichtige Faktoren für die folgende Studie darstellen, gibt es bereits Forschungsergebnisse.

In Bezug auf die chronische Erkrankung des Diabetes Mellitus führten Hoare und Mann (1994) eine Untersuchung durch. Sie untersuchten dabei das Verhältnis von Selbstwert und Verhaltensanpassung bei Kindern und Jugendlichen mit chronischen Erkrankungen. Neben Kindern und Jugendlichen mit Diabetes wurden in einer zweiten Stichprobe Kinder und Jugendliche mit Epilepsie einbezogen. In der diabetesbezogenen Stichprobe befanden sich 91 Teilnehmende im Alter von acht bis 15 Jahren. Selbstwert und Verhaltensanpassungen wurden anhand der Harter und Achenbach-Fragebögen erfasst. Die Ergebnisse zeigten, dass die Diabetes-Stichprobe weniger verhaltensauffällig waren und einen höheren Selbstwert aufwiesen, als die Epilepsie-Stichprobe.

Eine frühere Untersuchung in Bezug auf chronische Erkrankung und deren Auswirkung auf den Selbstwert führten Seigl et al. (1990) durch. Sie überprüften die Hypothese, ob sich chronisch kranke Heranwachsende in ihrem Selbstwert von ihrer gesunden Peer-Gruppe unterscheiden. In der Stichprobe befanden sich auch 20 adoleszente Diabetiker. Seigel et al. kamen zu dem Resultat, dass Heranwachsende mit chronischer Erkrankung neben einem niedrigeren Selbstwert, gemessen durch die Rosenberg Self-Esteem Scale, ebenso höhere Depressionswerte (gemessen mit dem Beck’schen Depressions Inventar) aufwiesen.

1.2 Forschungsleitende Hypothesen

Die bereits vorhandenen Forschungsergebnisse rechtfertigen daher auch eine weitere Betrachtung zwischen dem reziproken Einfluss von Selbstwert und chronischer Erkrankung. Es werden daher folgende Hypothesen aufgestellt, die es zu prüfen gilt:

(1) Diabetes mellitus Typ 1 hat als chronische Erkrankung einen Einfluss auf den Selbstwert bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.
(2) Faktoren, die für das Therapiesetting bzw. Therapiemanagement wesentlich sind, haben einen Einfluss auf das Selbstwert.

2. Methodik

Um die aufgestellten Hypothesen zu untersuchen wurde eine empirische Studie durchgeführt. Es wurde ein Online-Fragebogen verfasst, der mittels sozialer Netzwerke verbreitet wurde. Die Verbreitung des Fragebogens über Online-Medien erschien aus diversen Gründen als sinnvoll. Soziale Netzwerke sind ein Ort der schnellen und einfachen Teilnehmergenerierung. In Netzwerken wie Facebook existieren zahlreiche Gruppen zu bestimmten Themen, darunter auch einige Gruppen speziell für Typ 1 Diabetiker. Eine der größten Gruppen weißt mehr als 15,000 Mitglieder auf, und verpsricht damit eine heterogene und hohe Mischung von Typ 1-Diabetikern. Zum anderen hat sich in der Vergangenheit der subjektive Eindruck verstärkt, dass Diabetiker in sozialen Netzwerken in Bezug auf Fragebogen-Studien äußerst kooperativ sind und damit eine aufwändige Suche nach bereitwilligen Teilnehmern entfällt.

Der Fragebogen gliederte sich in drei Fragekategorien. (Eine vollständige Version des Fragebogens befindet sich im Anhang). In der ersten Kategorie wurden demographische Daten abgefragt, wie Geschlecht, Alter, Beruf. Die zweite Kategorie beschäftigt sich mit Informationen über die Diabeteserkrankung. Hier waren die Teilnehmer aufgefordert folgende Fragen zu beantworten:

- Alter bei der Diagnose
- Jahr in der die Diagnose gestellt wurde
- ob weitere Familienmitglieder mit einer Diabeteserkrankung existieren
- ob die Neueinstellung nach der Diagnose ambulant oder stationär stattfand
- wie viele Diabetesbezogene Schulungen seit der Diagnose besucht wurden
- welche Therapieform derzeit angwendet wird
- wie der Blutzucker gemessen wird
- wie häufig der Blutzucker gemessen wird
- ob schonmal eine psychologische / psychotherapeutische Behandlung aufgrund des Diabetes in Anspruch genommen wurde
- ob mit dem behandelnden Diabetologen auch persönliche Probleme und Anliegen besprochen werden, die das Therapiemanagement behindern.

In der dritten Kategorie wurden die Probanden schließlich dazu aufgefordert, ihr Selbstwertgefühl zu bewerten. Diese Bewertung wurde mithilfe der Rosenberg Self-Esteem Scale (1965) vorgenommen. Hierbei handelt es sich um eine vielfach genutzte und bewährte Methode zur subjektiven Messung des Selbstwertes. Der Proband ist dazu aufgefordert zehn Items, die sich mit positiven und negativen Gefühlen gegenüber sich selbst zu beantworten. Zur Beantwortung jedes Items kann der Proband auf einer Likert-Skala zwischen den Antwortmöglichkeiten „Stimme voll und ganz zu“, „Stimmt zu“, „Stimme nicht zu“, „Stimme überhaupt nicht zu“ wählen. Im Anschluss werden die Antworten für jedes einzelne Item mit Punkten bewertet. Für die positiven Items 1,3,4,7 und 10 wird „Stimme voll und ganz zu“ mit vier Punkten, „Stimme zu“ mit drei Punkten, „Stimme nicht zu“, mit zwei Punkten und „Stimme überhaupt nicht zu“ mit einem Punkt bewertet. Für die negativen Items 2,5,6,8 und 9 wird in umgekehrter Reihenfolge bewertet. Im Anschluss werden alle Punkte aufaddiert. Es können dabei Werte zwischen zehn Punkten und 40 Punkten erreicht werden. Je höher die Punktzahl, desto höher der Selbstwert.

Die Rosenberg Self-Esteem Scale erwies sich für dieses Vorgehen für besonders geeignet. Mit den zehn Items lässt sich in recht kurzer Zeit das Selbstwert der Probanden messen. Die schnelle und einfache Durchführung für die Probanden, erhöht die Chance, dass diese häufiger den Fragebogen ausfüllen. Zudem handelt es sich bei der vorliegenden Studie um eine recht kleine Stichprobe, die einen ersten Überblick über die Thematik bieten soll. Die RSES ist frei verfügbar und unterliegt keinen kostenpflichtigen Lizenzen. Zudem lässt sie sich unkompliziert auswerten.

3. Auswertung

3.1 Stichprobe

Insgesamt haben 30 weibliche Jugendliche und junge Frauen an der Untersuchung teilgenommen. Das aktuelle durchschnittliche Alter der Probandinnen beträgt 20.8 Jahre (Range= 16 – 25 Jahre; SD = 2.6). Bei allem Probanden wurde ein Diabetes mellitus Typ 1 im Kindes- oder Jugendalter diagnostiziert worden (Range= 2 bis 21 Jahre; SD = 5.882). Der Mittelwert des Alters der Diagnose liegt bei 11.77 Jahren. Nur ein Sechstel der Teilnehmerinnen gaben an, dass in der Familie noch mindestens ein weiterer Fall von Diabetes mellitus Typ 1 vorliegt. Auf die Frage, wie die Ersteinstellung direkt nach der Diagnose erfolgte gaben 17 Teilnehmerinnen an, dass diese stationär im Krankenhaus erfolgte. Bei den restlichen 13 Teilnehmerinnen erfolgte die Ersteinstellung ambulant. Auch in Bezug auf die Anzahl der besuchten Schulungen (ambulant und stationär) sind deutliche unterschiede zu erkennen. Das arithmetische Mittel liegt bei 5, der Range variiert von 1 bis 20 (SD = 4.7). Von den Befragten tragen aktuell 18 eine Insulinpumpe, während 12 mit der Intensivierten Konventionellen Therapie (ICT) und somit durch die manuelle Gabe von Basal- und Bolusinsulin therapiert werden. Ähnlich die Art der Insullingabe unterscheiden sich die Probandinnen auch in der Methode des Blutzuckermessens. 14 von ihnen messen ihren Blutzucker mithilfe eines herkömmlichen Blutzuckermessgerätes, welches die Entnahme von Kapillarblut an der Fingerbeere bzw. Fingerkuppe erfordert. Mit dem sogenannten Flash Glucose Monitoring-System (FGM) arbeiten 13 Probandinnen. Dieses Messsystem misst mittels eines Glukosesensors, der auf der Haut befestigt ist, und einem Sensorfaden, der unter der Haut liegt, den Wert der Glukose im Gewebszellwasser. Die Daten werden drahtlos an einen speziellen Reader oder Smartphone gesendet. Die herkömmliche Messung des Blutzuckers entfällt, bzw. ist bei fraglichen Werten angebracht. Lediglich drei Probandinnen nutzen ein sogenanntes Continouse Glucose-Monitoring-System (CGM). Hierbei klebt ebenfalls ein Sensor auf der Haut, welcher den Glukosewert im Zellwasser des Gewebes misst und diesen an einen Empfänger (Reader oder Smartphone) weiterleitet. Anders als beim FGM ist beim CGM zweimal täglich eine Kalibrierung anhand von Blutzuckerwerten notwendig. Zudem unterscheidet sich das CGM von FGM dahingehend, als dass das CGM bei Hyper- oder Hypoglykämien durch akustische Signale warnt. Weiterhin wurden die Teilnehmerinnen nach der Häufigkeit der Blutzucker- /Gewebszuckerkontrolle pro Tag befragt. Hierbei gaben Zehn Teilnehmerinnen an, dass sie zwischen 1 bis 3 mal täglich ihren Glukosewert kontrollieren. Elf Teilnehmerinnen prüfen täglich etwa 4 bis 6 mal täglich, 2 Teilnehmerinnen 7 bis 8 mal täglich und mehr als 8 mal pro Tag kontrollieren sieben Teilnehmerinnen ihren Glukosewert. In Bezug auf die Besprechung persönlicher Anliegen mit dem*r behandelnden Diabetologen*in gaben 22 Teilnehmerinnen dies wahrzunehmen, während acht Probandinnen keine persönlichen Anliegen in der ärztlichen Sprechstunde thematisieren. Etwas anders fallen die Werte in Bezug auf die Inanspruchnahme von psychotherapeutischer Unterstützung aufgrund der Diabeteserkrankung aus. Hier gaben 13 Versuchspersonen an, dass sie mindestens einmal seit der Diagnose psychotherapeutische Hilfe in Anspruch genommen haben, während 17 dies verneinten. Die Ermittlung des Selbstwertes anhand der Rosenberg Self-Esteem Scale ergab einen Mittelwert von 26.93 (Range = 17 bis 40; SD = 7.07).

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Details

Seiten
17
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668721913
ISBN (Buch)
9783668721920
Dateigröße
622 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v427693
Institution / Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)
Note
1,3
Schlagworte
Psychologie Entwicklungspsychologie Selbstwert Selbstbewusststein Jugendliche junge Erwachsene Adoleszenz Diabetes Typ 1 Diabetes Entwicklung

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