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Die Visionen von Nelson Mandela. Wie viel Regenbogennation steckt im Südafrika von heute?

Hausarbeit 2018 22 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Afrika

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Abkürzungsverzeichnis

1 Südafrika während der Apartheid

2 Der Weg aus der Apartheid
2.1 Politische Herausforderungen
2.2. Soziale Herausforderungen - Nelson Mandelas Visionen einer multiethnischen Regenbogennation

3 Südafrika heute
3.1 Das Erbe von Nelson Mandela
3.2. Spaltung des ANC
3.3. Rache - Die Bekämpfung des kolonialen Geistes in Afrika durch umgekehrte Diskriminierung

4 Schlussbetrachtung

Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Einleitung

Mit dem Rückzug Nelson Mandelas aus der Politik, schwand im gleichen Maße auch der Einfluss des ehemaligen Präsidenten auf sein Land, Südafrika. Nicht nur aus politischer Sicht, sondern auch aus ethischer. Sein Werdegang, inklusive dem 27-jährigen Gefängnisaufenthalt, zeugt vor allem bei gewaltfreien Protestlern von großem Charakter. Er war in der Lage viele Menschen durch seine Weltanschauung zu inspirieren und somit ein friedliches Zusammenleben der schwarzen und weißen Bevölkerung Südafrikas nach der Apartheid in die Wege zu leiten. Obwohl sich Mandela darauf konzentrierte diesen Gedanken mit seinem Volk zu teilen, wird Südafrika heute immer noch häufig mit Rassismus und Gewalt in Verbindung gebracht. Auf politischer Ebene lassen sich Rückschlüsse auf Ursachen hierfür beispielsweise in der aktuellen Wirtschaftslage oder dem Bildungssystem finden. Auf soziologischer Ebene stellt sich die Frage, ob die Worte Mandelas und ihre Bedeutung überhaupt noch Anklang in Südafrika finden. Ein Begleit-Phänomen, das von den Medien Südafrikas nur selten aufgegriffen wird, aber in dieser Arbeit eine wesentliche Bedeutung hat, ist der Zuwachs der weißen Bevölkerung in den Slums Südafrikas. Betroffene sprechen nun von einem umgekehrten Rassismus der Seitens der schwarzen Bevölkerung ausgeübt wird. Dies zeigt, dass die von Mandela gewünschte Regenbogennation heute nicht existiert. So stellt sich die Frage, ob eine Abweichung der politischen Strategien Mandelas, eine bessere Zukunft des Landes herbeigeführt hätte. Bei der Behandlung dieser Frage ist nicht zu erwarten, eine alternative, bessere Strategie zu finden, sondern Problematiken während und nach der frühzeitig beendeten Amtszeit Mandelas als eventuelle Ursachen für heutige Auswirkungen benennen zu können. Durch die Identifikation der genannten, möglichen Ursachen für den Fortbestand von Rassismus und Gewalt, sowie der Ausübung von Rache an der weißen Bevölkerung, lässt sich auch ein möglicher Ausblick auf zukünftige Diskussionsthemen erstellen, die von der Regierung in Südafrika behandelt werden sollten, um die Visionen Mandelas zurück in das Parlament zu bringen.

1 Südafrika während der Apartheid

Die Zeit der Apartheid etablierte in Südafrika eine herrschende Rassentrennung zwischen der weißen und nicht weißen Bevölkerung, die sich durch sämtliche Bereiche der Gesellschaft zog. Zurückzuführen ist die Etablierung vor allem zu der Manifestierung der Rassentrennung durch Gesetzesbeschlüsse im 20. Jahrhundert. Ein zu nennender, sehr prägender Beschluss war beispielsweise der Natives Land Act aus dem Jahr 1913, wodurch die schwarze Bevölkerung Südafrikas räumlich von der weißen getrennt wurde und nur noch in für sie vorgesehenen Reservaten leben durfte1. Weitere Gesetzesbeschlüsse bauten auf der Rechtsgrundlage der geographischen Rassentrennung auf und passten sie an, wodurch die Reservate später in so genannte Homelands umstrukturiert wurden. Die Homelands waren in Ihrer Verwaltung vom übrigen Staatsgebiet nun unabhängig, was zunächst als Fortschritt der Rechte für die schwarze Bevölkerung angesehen wurde. Nur waren die Homelands auch von der Weltwirtschaft abgeschnitten, da sie außer Südafrika kein Land als eigenständige Staaten anerkannte und sie auch durch die Infrastruktur weiterhin vom Apartheidstaat abhängig waren.

Eine weitere Kehrseite der Homelands war ein Gesetzesbeschluss aus dem Jahr 1953. Der Bantu Education Act übertrug jegliche Kontrolle über die Bildung der so genannten Bantu (Wobei Bantu in diesem Zusammenhang für „Mitglied jeder eingeborenen Rasse oder jedes Stammes in Afrika“ steht. Also de facto alle Homeland-Bewohner) auf das Apartheidregime2. So war es der Regierung möglich eine gezielte gesellschaftliche Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung zu schaffen, indem die weiße Bevölkerung in den Städten eine deutlich bessere Bildung genießen konnte.

Der Teil der schwarzen Bevölkerung, der dennoch außerhalb der Homelands arbeitete, durfte oder wollte teilweise nicht mehr in den Homelands leben. In den Städten erhielten sie jedoch auch kein dauerhaftes Wohnrecht, weshalb sich informelle Siedlungsgebiete (Townships genannt) mit menschenunwürdigen Bedingungen an den Stadträndern bildeten. Mit steigender Bevölkerung in den Townships, begann auch die Regierung zunehmend Townships anzulegen, um die nicht weiße Bevölkerung aus dem Stadtkern zu halten. Dabei achtete die Regierung darauf, dass die Townships durch natürliche Barrieren, wie Flüsse, Autobahnen oder Ähnlichem von der gängigen Infrastruktur abgeschnitten blieben.

Hinzu kommt, dass es aufgrund der schlechten Jobperspektiven, der schwarzen Bevölkerung kaum möglich war sich sozial abzusichern. Bis heute gibt es keinen gesetzlichen Anspruch auf eine Krankenversicherung in Südafrika und auch auf alle anderen sozialen Förderungen und Absicherungen hatte die schwarze Bevölkerung ebenfalls lange keinen Anspruch, während das Regime zur Zeit der Apartheid einen Wohlfahrtsstaat für Weiße schuf.

2 Der Weg aus der Apartheid

Es dauerte nicht lange, bis sich der Drang nach Veränderung in den Köpfen der unterdrückten Bevölkerung Südafrikas breitmachte. Bereits in den 1920er Jahren gelang es den Ureinwohnern Afrikas durch die Umstrukturierung des South African Native National Congress (SANNC) in den African National Congress (ANC) ihre protestantische Stimme, formellen Ausdruck zu verleihen. Und dies sogar über die Grenzen Südafrikas hinweg. Immer mehr aktionsbereite linke Gruppierungen schlossen sich dem ANC an, um die Massen zu Protesten zu mobilisieren.

Ein nennenswerter politischer Durchbruch blieb jedoch bis 1955 aus. Man realisierte, dass Reformen allein durch Forderungen der unterdrückten Bevölkerung nicht umzusetzen waren, so lange die weiße Bevölkerung allein in der Regierung saß. Also berief man einen Volkskongress ein, dem Mitglieder aller Ethnien Südafrikas beiwohnten. Darunter auch Nelson Mandela. Dazu gehörten neben Mitgliedern des ANC, Vertreter der Bevölkerung mit indischer, beziehungsweise asiatischer Abstammung, Vertreter der so genannten Mischlings-Bevölkerung, sowie Vertreter der weißen Bevölkerung. Das wichtigste Ergebnis des Kongresses war die Freiheitscharta, in der die Forderungen der unterdrückten Bevölkerungen Südafrikas nach Demokratie, Gleichberechtigung und Menschenrechten festgehalten wurden. Auch wenn die Umsetzung der Forderungen noch Jahrzehnte auf sich warten lassen sollten, galt dieses Papier bereits als zentrale Grundlage für den Widerstand und noch heute als unumgängliches Grundlagendokument des ANC.

Dennoch gab es Mitglieder des ANC, die den Weg über einen Volkskongress nicht für den richtigen hielten und eine eher nationalistische Ansicht in Bezug auf den Wiederstand hatten. Unter der Philosophie „Afrika den Afrikanern“ entwickelte sich 1959 eine Abspaltung des ANC unter dem Namen Pan African Congress of Azania (PAC). Diese Einstellung schien der Regierung Südafrikas jedoch offenbar zu radikal, weshalb schon bei einer der ersten Demonstrationen der Organisation 60 unbewaffnete Demonstranten von der Polizei erschossen

[...]


1 O’Malley, Padraig (o.J.): Kurzbeschreibung des Natives Land Act No. 27 auf nelsonmandela.org (06.03.2018).

2 O’Malley, Padraig (o.J.): Kurzbeschreibung des Bantu Education Act 1953 auf nelsonmandela.org (06.03.2018).

Details

Seiten
22
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668720183
ISBN (Buch)
9783668720190
Dateigröße
448 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v427561
Institution / Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
1.0
Schlagworte
nelson mandele südafrika apartheid visionen umgekehrter rassismus weiße slums armut gewalt zustände heute betrachtung auswirkungen entwicklung

Autor

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Titel: Die Visionen von Nelson Mandela. Wie viel Regenbogennation steckt im Südafrika von heute?