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Die Private Altersvorsorge. Ein Überblick

Projektarbeit 2017 44 Seiten

VWL - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Anhangsverzeichnis

1. Einleitung und Aufbau der Arbeit

2. Dreischichtenmodell
2.1 Grundsätzliche steuerliche Thematik

3. Privat geförderte Vorsorge
3.1 Betriebliche Altersvorsorge
3.2 Riester-Rente
3.3. Private ungeförderte Altersvorsorge
3.4 Bankprodukte
3.4.1. Einordnung der Bankprodukte
3.4.2. Wohnungsgenossenschaften
3.5 Investmentfonds
3.5.1. Einordnung von aktiv und passiv gemanagten Fonds
3.5.2. ETF
3.6 Versicherungen
3.7 Immobilien

4. Resümee
4.1 Gegenüberstellung der Vorsorgemöglichkeiten
4.2 Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellenverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anhangsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung und Aufbau der Arbeit

„Daher bin ich davon überzeugt, dass sich künftig nur durch eine Mischung von gesetzlicher, betrieblicher und privater Altersvorsorge eine angemessene Absicherung im Alter aufbauen lässt.“1

Die Debatte über die Zukunft des deutschen Alterssicherungssystems stößt in den vergangenen Jahren zunehmend auf öffentliches Interesse. Aktuellen Studien, Recherchen sowie Prognosen zufolge haben immer mehr Menschen Angst vor Altersarmut. In Deutschland fußt das gesetzliche Rentensystem auf dem sogenannten Umlageverfahren. Die Erwerbstätigen finanzieren durch ihre Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung, diejenigen, die sich im Ruhestand befinden. Dieses Prinzip der Solidarität wurde schon vor über hundert Jahren, im Generationenvertrag, fest verankert.2

Voraussetzung für dieses Finanzierungssystem ist ein gesundes Verhältnis von Beitragszahlern und Rentenempfängern. Dem demographischen Wandel geschuldet, gerät dieses Verhältnis jedoch immer stärker in ein Ungleichgewicht, zulasten des Beitragszahlers.

Vor allem zwei Faktoren des demographischen Wandels bringen die Finanzierbarkeit des Umlageverfahrens zunehmend unter Druck:

(1) Resultierend aus der rückläufigen Geburtenrate sinkt die Zahl der Bevölkerung, folglich wird es weniger Beitragszahler geben. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts schrumpft die Bevölkerung von derzeit rund 82 Millionen bis 2030 auf etwa 78 Millionen und bis 2060 auf circa 69 Millionen Personen.3
(2) Die steigende Lebenserwartung führt unmittelbar zu einer längeren Rentenbezugsdauer. Lag die Anzahl der Rentenbezüge im Jahr 1995 noch bei 15,8 Jahren, beträgt diese bereits 2016 19,6 Jahre.4

Abb. 1: Altersaufbau der Bevölkerung in Deutschland

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statistisches Bundesamt, Bevölkerung Deutschlands bis 2060: 12. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, S. 6.

Die Verschiebung im Altersaufbau der Bevölkerung spiegelt sich im Altersquotienten wieder. Diese zentrale Kennziffer beschreibt das Verhältnis der 65 Jährigen oder älteren Personen, zu je 100 Personen im erwerbsfähigen Alter, d.h. Personen zwischen 15 und 64 Jahren. Aktuell beträgt dieser Quotient 32, sprich 32 Rentner werden von 100 Beitragszahlern finanziert. Bis 2030 soll diese Größe auf rund 49 steigen, was bedeutet, zwei Beitragszahler werden für einen Rentner aufkommen müssen. Diese Zahl soll bis 2060 auf rund 63 steigen.5

Abb.2: Jugend-, Alten- und Gesamtquotient, 1871 bis 2060

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statistisches Bundesamt, Bevölkerung Deutschlands bis 2060: 12. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, S. 6.

Die gesetzliche Rente stellt für den größten Teil der Bevölkerung derzeit das wichtigste Standbein der Altersvorsorge dar. Die folgenden Zahlen belegen dieses Bild: 80% gesetzlichen Rente, 13% privaten Vorsorge und 7% aus der betrieblichen Altersvorsorge. Für Sparer, die erst in 40 Jahren in den Ruhestand gehen, ändert sich die Zusammensetzung der Alterseinkünfte wesentlich: 45% gesetzlichen Rente, 40% privaten Vorsorge und 15% aus der betrieblichen Altersvorsorge.6

Das Vertrauen der jüngeren Generation in die gesetzliche Rentenversicherung als künftige Einkunftsquelle, schwindet und die Motivation zu einer privaten Altersvorsorge steigt. Der Fokus liegt zunehmend auf alternativen Instrumenten der Altersvorsorge. Auch der Staat möchte im Zuge dessen die private Altersvorsorge fördern. Er schafft Anreize durch staatliche Förderungen. Nichtsdestotrotz gewinnen nicht geförderte Vorsorgeformen ebenso an Bedeutung.

Um in das Thema Altersvorsorge einzusteigen, werde ich dem Leser im nachfolgenden Kapitel zunächst einen kurzen Überblick über die Schichten der Alterssicherung verschaffen sowie den Grundsatz über die steuerliche Thematik darlegen. Die steuerlichen Details werden sodann im jeweiligen Kapitel behandelt. Das dritte Kapitel befasst sich mit zwei Möglichkeiten der geförderten Altersvorsorge und Schwerpunkt des vierten Kapitals stellen die Instrumente der nicht geförderten Altersvorsorge dar. Abschließen werde ich meine wissenschaftliche Arbeit mit einem Resümee, bestehend aus einem zielgruppenorientierten Überblick der Vorsorgeformen.

2. Dreischichtenmodell

Seit Inkrafttreten des Alterseinkünftegesetzes am 1. Januar 2005 lässt sich das System der Altersvorsorge in dem Dreischichtensystem zusammenfassen. Das bis dahin verbreitete Dreisäulenmodell wurde abgeschafft, um die steuerrechtliche Orientierung der Vorsorgeformen zu verdeutlichen.7 Innerhalb einer Schicht erfolgt die steuerliche Gleichbehandlung. In der jeweiligen Schicht werden sodann die unterschiedlichen Vorsorgeformen subsumiert.

Tab.1: Dreischichtenmodell

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Eichenauer/ Köster/ Lüpertz/ Schmalohr, Versicherungen und Finanzen, S. 252.

Zu differenzieren sind:

- die Basisversorgung,
- die kapitalgedeckten, geförderten Zusatzvorsorgen
- die Kapitalanlageprodukte.

Die erste Schicht umfasst die gesetzliche Rente, die Basisrente (= Rürup-Rente), berufsständische Versorgungswerke und die landwirtschaftliche Altersklasse. Grundsätzlich sind alle Arbeitnehmer pflichtversichert und zahlen Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Kammerfähige freie Berufe sind in der Regel einem berufsständischen Versorgungswerk und bestimmte Berufe (z.B. Landwirte der landwirtschaftlichen Altersklasse) einer eigenständigen Klasse angeschlossen. Die Personenkreise, die diesen vergleichbaren Einrichtungen zuzuordnen sind, erhalten ihre Rentenleistungen von diesen. Personen, die nicht verpflichtet sind in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen, haben die Möglichkeit über die Basisrente vorzusorgen. Die Basisrente ist konzeptionell mit der gesetzlichen Rente zu vergleichen. Der Unterschied besteht darin, dass sie von der privaten Versicherungswirtschaft nach dem Kapitaldeckungsverfahren organisiert ist. Wie eingangs beschrieben, basiert die gesetzliche Rente hingegen auf dem Umlageverfahren.8

Das Kapitaldeckungsverfahren stellt eine andere Art der Finanzierung dar. Bei diesem Verfahren wird Kapital, während einer Laufzeit, angespart. Diese Beiträge werden in einem Kapitalstock zusammengefasst und am Kapitalmarkt zum Kapitalmarktzins angelegt. Faktoren, die die späteren Leistungen im Sinne von Auszahlungen beeinflussen, sind beispielsweise die Sparrate und der Kapitalmarktzins. Erworbene Ansprüche, die zur ersten Schicht angehören, sind grundsätzlich nicht vererbbar, nicht übertragbar, nicht veräußerbar und nicht kapitalisierbar.9

In der zweiten Schicht befindet sich, neben der Riester-Rente, auch die betriebliche Altersvorsorge. Man spricht auch von der kapitalgedeckten Zusatzvorsorge. Dieser Schicht ist die Idee zu Grunde gelegt als Zusatzbaustein zur gesetzlichen Rentenversicherung zu dienen. Charakteristisch ist die größere Flexibilität in der Leistungsgestaltung gegenüber den Versicherungsformen der Basisversorgung.

Kapitalanlagen bilden die übrige Vorsorge, die dritte Schicht der Altersvorsorge nach dem Dreischichtensystem. Insbesondere Kapitalanlageprodukte, wie die Lebens- und Rentenversicherung, Bankprodukte und Investmentfonds, sowie Immobilien, werden hier abgedeckt. Das Alleinstellungsmerkmal, welches die Vorsorgeformen aus der dritten Schicht innehaben, ist die freie Verfügbarkeit und die Vererbbarkeit.

2.1 Grundsätzliche steuerliche Thematik

Mit dem Alterseinkünftegesetz 2005 gingen weitreichende steuerliche Änderungen einher. Wichtig für diese Arbeit ist die Neuordnung der Besteuerung, die in einem sukzessiven Übergang zur nachgelagerten Besteuerung besteht.10

Dabei gilt: Die Beiträge zur Altersvorsorge, innerhalb der ersten Schicht, mindern bis zu einem jährlichen Höchstbetrag, das zu versteuernde Einkommen und stellen somit als Sonderausgabe (§10 (1) Nr. 2a EStG i.V.m. §10 (3) EStG) zunächst eine steuerliche Entlastung, während der Erwerbstätigkeit, dar. Die auf diesen Beiträgen beruhenden Leistungen, in Form von Rentenzahlungen, werden unter Berücksichtigung bestimmter Freibeträge, in vollem Umfang, der Einkommenssteuer unterworfen (§22 Nr.1 Buchstabe a) und Doppelbuchstabe aa) EStG) und fallen unter die sonstigen Einkünfte. Die Umstellung auf die nachgelagerte Besteuerung wird schrittweise, bis 2040, erfolgen. In dieser Übergangszeit wird der Sonderausgabenabzug bis 2025 und die Rentenbesteuerung bis 2040 stetig erhöht. Durch die Übergangszeit werden Doppelbesteuerungen vermieden. Ziel der Reformen ist die Entlastung der jüngeren Generationen, um so Anreize zu schaffen, privat für das Alter vorzusorgen.11

Grundsätzlich sind Beiträge zur zweiten Schicht, abhängig von der Wahl der Vorsorgeform, bis zu bestimmten Grenzen steuerfrei (§3 Nr. 63 EStG) und können als Sonderausgabe (§10 (1) Nr.2b Doppelbuchstabe aa) EStG und §10a EStG) geltend gemacht werden. Rentenzahlungen fallen zu 100% in die nachgelagerte Besteuerung, ohne Einhaltung von Übergangsfristen und unter Berücksichtigung von §22 Nr. 5 EStG.

Merkmal der dritten Schicht ist die Finanzierung dieser Vorsorgeformen aus bereits versteuerten Einkommen. Sowohl die Beitragszahlungen als auch die Einkünfte werden steuerlich nicht gefördert. Abhängig von der Art des Kapitalanlageproduktes, fallen die späteren Leistungen unter die Einkünfte aus Kapitalanlagen (§20 EStG), Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung (§21 EStG) oder unter die sonstigen Einkünfte (§22 EStG).12

3. Privat geförderte Vorsorge

3.1 Betriebliche Altersvorsorge

Arbeitnehmer haben seit 2002 das gesetzlich verbriefte Recht, über ihren Arbeitgeber vorzusorgen. Die betriebliche Altersvorsorge kann auf drei Wegen finanziert werden:

(1) Entgeltumwandlung: Der Arbeitnehmer verwendet einen Teil seines Gehalts bzw. Lohnes zum Aufbau einer Betriebsrente mit staatlicher Förderung.
(2) Entgeltumwandlung und Arbeitgeberbeteiligung: Der Arbeitgeber beteiligt sich am Aufbau der Betriebsrente aufgrund einer tarifvertraglichen Vereinbarung oder auf freiwilliger Basis.
(3) Finanzierung allein durch den Arbeitgeber: Der Arbeitgeber finanziert alleine die Versorgungszusage neben dem laufenden Gehalt bzw. Lohn.13

Der Durchführungsweg der betrieblichen Altersvorsorge lässt sich in zwei Gruppen einteilen. Interne und externe Durchführungswege unterscheiden sich vor allem dadurch, ob der Arbeitgeber die Betriebsrente selbst organisiert oder ob er die Verantwortung an einen externen Dritten abgibt. Leistungs- und Rechtsansprüche des Arbeitnehmers richten sich, bei der internen Variante, direkt an den Arbeitgeber. Bei der externen Variante delegiert der Arbeitgeber diese Ansprüche an ein Versicherungsunternehmen. Der interne Durchführungsweg kann in Form von einer Direktzusage oder einer Unterstützungskasse in Anspruch genommen werden. Im Rahmen des externen Durchführungswegs kann der Arbeitgeber zwischen einer Direktversicherung, einer Pensionskasse oder einem Pensionsfonds wählen. Der Arbeitgeber entscheidet frei, nach seinem Ermessen, welcher dieser Möglichkeiten er nutzen möchte.14

Die Funktionsweise, der betrieblichen Altersvorsorge bleibt stets gleich: Der Staat fördert die eingezahlten Beträge und auf die späteren Auszahlungen zahlt der Sparer Steuern und Abgaben. Das Prinzip der Entgeltumwandlung (1) lässt sich an einem einfachen Beispiel veranschaulichen: Der Arbeitnehmer mit einem Gehalt von 2.500 EUR brutto möchte mit monatlich 100 EUR über den Betrieb vorsorgen. Der Betrieb hat sich für den Durchführungsweg der Direktversicherung entschieden und schließt einen Vorsorgevertrag ab. Der Arbeitgeber ist Versicherungsnehmer und der Arbeitnehmer die versicherte Person. Der Arbeitgeber überweist das einbehaltene Entgelt steuer- und sozialabgabenfrei an die Direktversicherung. Die monatliche Sparrate von 100 EUR wird aus dem Bruttoverdienst abgeführt, sodass der Sparer nur 53 EUR weniger netto auf seinem Konto hat. Den Rest bekommt er vom Staat geschenkt. Konsequenz ist, dass der Sparer einen geringeren Bruttoverdienst hat und folglich eine geringere Rente.15 Geprüft sollte daher werden, ob der Sparer die Abstriche durch die Betriebsrente wieder ausgleichen kann.

Einen erheblichen Einfluss hat hingegen die Wahl des Durchführungswegs bei den Aspekten Renditechancen und der Möglichkeit die betriebliche Altersvorsorge mit einer Riester-Förderung zu kombinieren.16

Abhängig von der Wahl zwischen externem und internem Durchführungsweg, hat dies auch Auswirkungen auf die Besteuerung. Um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen, werden die steuerlichen Aspekte in der unten stehenden Tabelle dargestellt.

Tab. 2: Steuerliche Darstellung der betrieblichen Altersvorsorge

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung

2017 betragen 4% der BbmG (West) 3.048 EUR im Jahr, d.h. 254 EUR monatlich.17

3.2 Riester-Rente

Bei der Riester-Rente, auch Zulagenrente genannt, handelt es sich um eine zusätzliche Altersvorsorge privatrechtlicher Natur. Der Staat bietet unter bestimmten Voraussetzungen Anreize, einen Teil der Beträge durch direkte Zulagen oder durch Steuervorteile zu fördern. Die Förderung besteht aus zwei Komponenten: Der Grundzulage, gegebenenfalls der Kinderzulage für jedes kindergeldberechtigte Kind und dem Sonderausgabenabzug. Das Finanzamt prüft bei der Einkommenssteuererklärung im Rahmen einer sogenannten Günstigerprüfung, ob dem Anleger eine Steuererstattung zusteht. Dies ist dann der Fall, wenn die zu erwartende Steuerersparnis aus dem Sonderausgabenabzug den Zulagenanspruch übersteigt.18

Die volle Förderung gibt es, wenn 4% des sozialversicherungspflichtigen Vorjahreseinkommens, aber maximal 2.100 EUR (§10a EStG), in einen geförderten Vertrag eingezahlt werden. In diesem Zusammenhang spricht man vom Altersvorsorgeaufwand. Über der Höchstgrenze liegende Beträge genießen keine Förderung. Zieht man vom Altersvorsorgeaufwand die Grund- und Kinderzulage, die der Staat beisteuert, ab, ergibt sich der jährliche Eigenbetrag, d.h. der tatsächlich zu zahlende Betrag. Die Eigenvorsorge besteht somit aus dem Eigenanteil und der Zulage, die der Staat direkt in den Altersvorsorgevertrag einzahlt.19

Geringverdiener, deren Vorjahreseinkommen so gering ausfällt, dass es unter einen sogenannten Sockelbetrag i.H.v. 60 EUR p.a. fällt, müssen lediglich diesen Sockelbetrag zahlen, um die volle staatliche Förderung zu erhalten (§79 Satz 2 EStG und §86 (1) Satz 4, 5 und (2) EStG). Ist der Mindesteigenbetrag unterschritten, wird die Zulage im Verhältnis des tatsächlich gezahlten Eigenbeitrags zum Mindesteigenbeitrag gekürzt. Ein Beispiel: Wird 70% des vollen Eigenbeitrags eingezahlt, werden auch nur 70% der möglichen Zulagen gewährt.20

2017 beträgt die jährliche Grundzulage 154 EUR. Die Kinderzulage wird auf 185 EUR beziffert (§84 EStG). Diese wurde für alle ab 2008 geborenen Kinder auf 300 EUR pro Jahr erhöht (§85 EStG) Darüber hinaus wurde festgelegt, dass alle unmittelbar Förderberechtigten, die jünger als 25 Jahre sind einmalig eine Bonuszahlung in Höhe von 200 EUR erhalten, einen sogenannten Riester- Berufseinsteigerbonus (§84 EStG).21

Zum Personenkreis, die unmittelbar „Riester-förderfähig“ sind und damit die Zulagen gewährt bekommen, zählen i.S.d. §10a (1) EStG:

- Pflichtversicherte in der gesetzlichen Rentenversicherung
- Beamte, Richter und Soldaten sowie gleichgestellte Empfänger von Amtsbezügen
- Wehr- und Zivildienstleistende
- Nicht Erwerbstätige innerhalb der dreijährigen Kindererziehungszeit
- Empfänger von Arbeitslosengeld und Arbeitslosengeld II
- Empfänger von Vorruhestands- oder Krankengeld
- Nicht erwerbsmäßig tätige Pflegepersonen
- Künstler und Publizisten
- Geringfügig Beschäftigte, die auf die Versicherungsfreiheit verzichtet haben.22

Nicht begünstigte Personen haben dennoch die Möglichkeit zu „riestern“, sofern der Ehepartner zu einem der förderfähigen Personenkreise gehört (§79 EStG). Diese Personen nennt man mittelbar „Riester-förderfähig“.

Das Riester-Sparen ist auf mehreren Wegen möglich: Mit einer Rentenversicherung, einer fondsgebundenen Rentenversicherung, einem Fonds- oder Banksparplan. Neben diesen Möglichkeiten gibt es, seit jüngster Vergangenheit eine Eigenheimförderung „Wohn-Riester“.23

Tab. 3: Riester Formen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Stiftung Warentest Finanztest, Private Altersvorsorge, S. 34-35.

Gemein haben alle Arten, dass jeder Anbieter dem Sparer mindestens die eingezahlten Beträge, sowie die staatlichen Zulagen bei Rentenbeginn vertraglich zusichern muss. Zusätzlich erwirtschaftetes Geld wird zu dem eingezahlten Betrag und den Zulagen hinzugerechnet. Zu Beginn der Rentenphase muss der Anbieter einen in der Ansparphase eventuell aufgelaufenen Verlust ausgleichen.24

Die Intention, seitens des Staates, ist es, ein dauerhaftes und verlässliches Zusatzeinkommen zu gewähren.25 Aus diesem Grund müssen die Anlageformen strenge, vom Staat festgelegte und überwachte Mindestanforderungen erfüllen. Werden diese Kriterien erfüllt, so erfolgt eine Zertifizierung von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und wird als förderfähig anerkannt. Mit der Anerkennung wird aber nur bestätigt, dass die Voraussetzungen für die Förderung gegeben sind, aber keine Aussage über die Qualität und Güte getroffen. Der Zertifizierungskatalog enthält fünf Kriterien, die dem Anhang 1 zu entnehmen sind.

3.3. Private ungeförderte Altersvorsorge

Angenommen man hätte 1000 EUR unter das eigene Kopfkissen gelegt, um diesen Betrag im Rentenalter zur Verfügung zu haben. Dieses Geld würde bei einer jährlichen Inflationsrate von 2% in 20 Jahren nur noch eine Kaufkraft von 673 EUR haben. In 30 Jahren könnte man sich nur noch Güter im Wert von 552 EUR leisten. Um einen Inflationsausgleich und etwaige Erträge für die Alterssicherung zu erwirtschaften, ist es nahe liegend, das Geld, im Rahmen einer Geldanlage zu investieren.

Eine Geldanlage präsentiert eine Form der Rücklagebildung. Überschüssige Gelder werden am Kapitalmarkt angelegt und erwirtschaften im besten Fall einen Ertrag oder zumindest den Ausgleich der Inflation.26 Das klassische Modell des „magischen Dreiecks der Geldanlage“ greift diese Idee auf und nennt drei Ziele: Rendite, Sicherheit und Liquidität. Die Rendite bezeichnet den Ertrag, den das eingesetzte Kapital innerhalb eines bestimmten Zeitraums, üblicherweise ein Jahr, erwirtschaftet. Die Sicherheit beschreibt die Wahrscheinlichkeit, dass das eingesetzte Kapital am Ende der Laufzeit, wieder vollständig zurückerhalten wird. Bei der Liquidität einer Geldanlage wird die Frage behandelt, wie schnell über die Geldanlagen verfügt werden kann.27 Zurecht trägt das Dreieck der Geldanlage das Attribut magisch, denn die ideale Geldanlage, in der alle Ziele gleichzeitig erreicht werden, gibt es nicht. Je nach individuellem Anlageziel, abhängig von Risikobereitschaft und Risikotragfähigkeit des Anlegers, beeinflusst dies die Art der Anlage und bei mehreren Anlagen die jeweilige Gewichtung innerhalb eines Portfolios.

Diese wissenschaftliche Arbeit beschäftigt sich ausschließlich mit dem Zweck der Altersvorsorge. Dies führt zur folgenden vereinfachenden Annahme: Liquidität spielt eine tendenziell untergeordnete Rolle, da das Kapital erst zu Rentenbeginn wieder verfügbar sein muss. Wichtiger hingegen sind Rendite und Sicherheit.

3.4 Bankprodukte

3.4.1. Einordnung der Bankprodukte

Laut einer TNS Infratest Umfrage bleibt das Sparbuch bzw. die Spareinlagen mit 55% die beliebteste Form der Geldanlage, in Deutschland. Darauf folgt das Sparen auf dem Girokonto mit 42%. Bei dieser Umfrage waren Mehrfachnennungen möglich.28

Charakteristisch für diese Zinsanlagen sind die Pflegeleichtigkeit und vor allem sehr geringe bzw. keine Wertschwankungen, was dem Bedürfnis „Sicherheit“, von Seiten des Anlegers, entgegen kommt.

Das Prinzip von Zinsanlagen ist simpel: Ein Anleger leiht sein Geld als Darlehen, im Rahmen eines Einmalbetrags oder in regelmäßigen Sparraten, einer anderen Person, einem Unternehmen oder einer Institution für einen bestimmten oder unbestimmten Zeitraum. Als Preis für das Überlassen des Kapitals erhält der Anleger ein Entgelt in Form des Zinses. Der Darlehensnehmer kann nun das Geld investieren. Nach Ablauf des vereinbarten Zeitraums oder der Kündigung, erhält der Darlehensgeber vom Darlehensnehmer sein Geld, samt Zinsen, zurück. Häufig wird die Laufzeit von Zinsanlagen zu Beginn festgelegt, wodurch der genaue Zeitpunkt, wann das eingesetzte Kapital wieder verfügbar ist, bestimmt werden kann und bei festem Zins die Rendite auch feststeht. An diese Zinsanlagen sind unterschiedliche Bedingungen geknüpft, welche dann, unmittelbar, die Höhe des Zinses beeinflussen.29

Die Rendite ist angesichts der nahezu Nullprozentzinsen dementsprechend gering. Der Inflationsausgleich gelingt nicht jeder Zinsanlage, denn Zinsanlagen sind nur „nominalwertsicher“. Am Ende der Laufzeit, bekommt der Anleger den nominellen Wert, aber nicht den realen Geldwert zurück. Die Frage, ob er sich mit diesem Betrag noch so viel leisten kann, wie zu dem Zeitpunkt als das Geld angelegt wurde, ist nicht sicher. Maßgeblich ist die Inflation. Ist die Inflationsrate höher als der Zins, für das angelegte Geld, verliert der Anleger an Geld.

Die Liquidität hingegen ist stark abhängig von der Wahl des Produktes und reicht von täglicher Verfügbarkeit, bis hin zu 25 Jahren.30

Bankprodukte genießen ein hohes Maß an Sicherheit, denn in Deutschland gilt die europäische Einlagensicherung. Bis zu 100.000 EUR pro Kunde und Bank sind gesetzlich geschützt. Bei besonders hohem Kontostand infolge von besonderen Lebensumständen wie Ruhestand oder Renteneintritt, kann sich der Einlageschutz für bis zu sechs Monaten auf 500.000 EUR erhöhen.31

Aufgrund der Tatsache, dass Zinsanlagen aktuell eine unattraktive Rendite abwerfen und der Großteil der Sparer bereits über dergleichen verfügt, wird lediglich ein Überblick dargestellt. Die Rendite lehnt sich eng an die Ergebnisse von Stiftung Warentest Finanztest an und stellen bereits eine Auswahl der bestmöglichen Renditen dar.32

Kategorisiert werden Zinsanlagen in: Sparbuch, Tagesgeldkonten, Festgeldkonten, Sparbriefe, Banksparpläne, Sparangebote der Wohnungsgenossenschaften. Grundsätzlich besteht eine positive Korrelation zwischen Laufzeit und Zinshöhe: Je länger auf das Geld verzichtet werden kann, desto höher die Verzinsung.33

Tab. 4: Formen der Zinsanlage

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung

3.4.2. Wohnungsgenossenschaften

Eine interessante Form der Zinsanlage, selbst bei Berücksichtigung des aktuellen Niedrigzinsumfelds, präsentieren Wohnungsgenossenschaften.

Eine Wohnungsgenossenschaft, auch Baugenossenschaft, Bauverein oder Wohnungsbaugenossenschaft genannt, ist ein Zusammenschluss von Personen mit dem alleinigen Geschäftszweck, seine Mitglieder mit bezahlbarem Wohnraum zu versorgen.34

Wohnungsgenossenschaften mit einer sogenannten Spareinrichtung stellen eine Rarität bei den verzinslichen Geldanlagen dar. Ob eine Genossenschaft zusätzlich Spargelder benötigt, ist abhängig vom Investitionsplan der Genossenschaft und vom jeweiligen Einzugsgebiet. Das bedeutet, nicht jede Wohnungsgenossenschaft verfügt über eine Spareinrichtung. Lediglich 47 Wohnungsgenossenschaften, von deutschlandweiten 1800, besitzen eine solche Spareinrichtung.35

[...]


1 Merkel, Rede zum 125. Geburtstag der gesetzlichen Rentenversicherung.

2 Vgl. Schelauske, Altersvorsorge mit kleinem Budget, S. 9.

3 Vgl. Statistisches Bundesamt, Bevölkerung Deutschlands bis 2060: 12.koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, S. 5.

4 Vgl. Bertelsmann Stiftung, Alterssicherung, Arbeitsmarktdynamik und neue Reformen, S. 23.

5 Vgl. Statistisches Bundesamt, Bevölkerung Deutschlands bis 2060: 12. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, S. 6.

6 Vgl. Dommermuth/ Hauer/ Nobis, Sichere Altersvorsorge, S. 14.

7 Vgl. Dommermuth/ Hauer/ Nobis, Sichere Altersvorsorge, S. 14.

8 Vgl. Eichenauer/ Köster/ Lüpertz/ Schmalohr, Versicherungen und Finanzen, S. 252.

9 Vgl. Eichenauer/ Köster/ Lüpertz/ Schmalohr, Versicherungen und Finanzen, S. 253.

10 Vgl. Dietz/ Lindmayer, Geldanlage und Steuer 2016, S. 269.

11 Vgl. Dietz/ Lindmayer, Geldanlage und Steuer 2016, S. 475.

12 Vgl. Eichenauer/ Köster/ Lüpertz/ Schmalohr, Versicherung und Finanzen , S. 383.

13 Vgl. Eichenauer/ Köster/ Lüpertz/ Schmalohr, Versicherung und Finanzen , S. 266.

14 Vgl. Stiftung Warentest Finanztest, Private Altersvorsorge, S. 52, Sp.1.

15 Vgl. Stiftung Warentest Finanztest, Private Altersvorsorge, S. 52, Sp.2.

16 Vgl. Stiftung Warentest Finanztest, Private Altersvorsorge, S. 55, Sp.1.

17 Vgl. https://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2016/10/2016-10-12-bemessunggrenzen-sozialversicherung.html, Zugriff: 02.08.2017.

18 Vgl. Dietz/ Lindmayer, Geldanlage und Steuer 2016, S. 483.

19 Vgl. http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Monatsberichte/2013/07/Inhalte/Kapitel-3-Analysen/3-4-die-gefoerderte-private-altersvorsorge.html, Zugriff: 02.08.2017.

20 Vgl. Dommermuth/ Hauer/ Nobis, Sichere Altersvorsorge, S. 24.

21 Vgl. Dommermuth/ Hauer/ Nobis, Sichere Altersvorsorge, S. 23.

22 Vgl. Dommermuth/ Hauer/ Nobis, Sichere Altersvorsorge, S. 19-20.

23 Vgl. Stiftung Warentest Finanztest, Private Altersvorsorge, S. 32.

24 Vgl. Stiftung Warentest Finanztest, Private Altersvorsorge, S. 32.

25 Vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Zusätzliche Altersvorsorge, S. 40.

26 Vgl. Dietz/ Lindmayer, Geldanlage und Steuer 2016, S. 2.

27 Vgl. Dietz/ Lindmayer, Geldanlage und Steuer 2016, S. 3.

28 Vgl. http://www.wiwo.de/finanzen/geldanlage/trotz-niedrigzins-sparbuch-bleibt-die-liebteste-geldanlage-der-deutschen/13376274.html, Zugriff: 05.08.2017.

29 Vgl. Stiftung Warentest Finanztest, Handbuch Geldanlage, S. 45, Sp. 1.

30 Vgl. Stiftung Warentest Finanztest, Handbuch Geldanlage, S. 45-59.

31 Vgl. Stiftung Warentest Finanztest, Handbuch Geldanlage, S. 62, Sp. 2.

32 Vgl. Stiftung Warentest Finanztest, Ausgabe 01/2016, S. 36-45 (Stand 2016).

33 Vgl. Stiftung Warentest Finanztest, Private Altersvorsorge, S. 81, Sp. 1.

34 Vgl. Stiftung Warentest Finanztest, Handbuch Geldanlage, S. 63, Sp. 1.

35 Vgl. Stiftung Warentest Finanztest, Private Altersvorsorge, S. 88, Sp. 1.

Details

Seiten
44
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668716629
ISBN (Buch)
9783668716636
Dateigröße
7.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v427382
Institution / Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Villingen-Schwenningen, früher: Berufsakademie Villingen-Schwenningen
Note
1,2
Schlagworte
private altersvorsorge überblick

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Titel: Die Private Altersvorsorge. Ein Überblick