Lade Inhalt...

Die Auswirkung von Schichtarbeit auf die Work-Life-Balance bei Pflegefachkräften

Hausarbeit 2018 17 Seiten

Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Abstract

2 Einleitung

3 Vorstellung der Studien
3.1 Effects of extended work shifts on employee fatique, health, satisfaction, work/family balance, and patient safety (Estryn-Behar, van der Heijden, NEXT Study Group, 2012)
3.2 Shift work to balance everyday life - a salutogenetic nursing perspective in home help service in Sweden (Tornquist Agosti, Andersson, Ejlertsson, Janlov, 2014)
3.3 Work Scheduling Satisfaction and Work Life Balance for Nurses: The Perception ofOrganizational Justice (Nelson, Tarpey, 2010)

4 Diskussion

5 Literaturverzeichnis

Abstract

Die folgende Studienarbeit befasst sich anhand der Zielgruppe 'Pflegefachkrafte' mit der Auswirkung von Schichtarbeit auf die Work-Life-Balance. Fur die Untersuchung habe ich zwei quantitative Studien und eine qualitative Studie gewahlt, um ein umfassenderes Bild zu erhalten. Die quantitativen Studien stellten je nach Schichtmodell keinen signifikanten oder einen negativen Einfluss auf die Work-Life-Balance fest. Die Autoren der qualitativen Studie betonten hingegen den positiven Einfluss von Schichtarbeit auf die Work-Life- Balance. Ein moglicher Ansatz hierfur ware eine Compressed Work Week. Aber auch protektiven und indirekten Faktoren (wie genug Erholung, Kinderbetreuung und TeambildungsmaRnahmen) sollte mehr Bedeutung beigemessen werden. Aufgrund der sehr homogenen Stichproben, was allerdings gerade in der Pflege schwer zu vermeiden ist, sollten pragnantere Gruppen mittels vielfaltiger Methoden untersucht werden, um spezifischere MaRnahmen ergreifen zu konnen. Nachfolgend sollte auch noch gesagt werden, dass eine zufriedenstellende Work-Life-Balance langfristig alien Beteiligten (Pflegefachkrafte, Patienten und der Organisation) zugutekommt.

2 Einleitung

Innerhalb der letzten Jahre hat sich der Arbeitsmarkt und die Arbeitsweise immer weiter gewandelt. Konditionen, Arbeitszeiten und -orte, das Gehalt und die Forderungen der Arbeit sind zunehmend flexibler, was zu einem hohen Anteil von Arbeitnehmer im Schichtdienst fuhrt. Bereits zum heutigen Zeitpunkt arbeiten 20% aller europaischen Arbeitnehmer in Schichten (Bambra et al., 2008) und der Anteil erhoht sich kontinuierlich (Greubel et al., 2016). Dies liegt v.a. daran, dass der groRte Teil der Schichtarbeitnehmer im medizinischen Bereich arbeitet (Tornquist Agosti et al., 2015) und sich gleichzeitig die Morbiditat infolge der Uberalterung und des negativen Lebensstils in der westlichen Welt erhoht (Buchheim, Cierpka & Seifert, 2013; Schneider, 2007).

Dennoch ist bekannt, dass Pflegefachkrafte oft in einem mangelhaften Verhaltnis von physischem und psychischem Anspruch zu geringem Lohn und hohem Zeitdruck arbeiten. Haufig arbeiten sie zeitgleich noch im Schichtdienst. Aufgrund der Desynchronisation des psychologischen, sozialen und biologischen Rhythmus' fuhrt dies fast unweigerlich zu einer problematischen Work-Life-Balance (WLB) - lediglich 2,94% aller Pflegefachkrafte berichten von einer guten WLB (Sanatombi, Rao & Mayya, 2010).

Als Folge der schlechten WLB erkranken Pflegefachkrafte uberdurchschnittlich haufig an stressbezogenen Krankheiten wie Burnout, Fatique und Schlafstorungen sowie Verdauungs- und kardiovaskularen Krankheiten (Albertsen et al., 2013; Bambra et al., 2008; Greubel et al., 2016) und scheiden oft vor dem 60. Lebensjahr aus dem Berufsleben aus, sodass deren Erfahrungswert fruher als notig verloren geht (Akerstedt, Ingre & Erikson, 2003; zitiert nach Tornquist Agosti et al., 2015).

Offensichtlich ist durch viele Studien belegt, dass Schichtarbeit langfristig starke negative Auswirkungen sowohl auf die Arbeitnehmer als auch auf die Organisationen hat. Aufgrund dieses relevanten Bezugs zur Praxis werde ich in meiner Arbeit mittels dreier Studien reflektieren, inwiefern Schichtarbeit Auswirkungen auf die WLB der Pflegefachkrafte hat.

Ich habe mich daher fur diejenigen Studien entschieden, die zusammen einen moglichst vielfaltigen Blick auf mein Thema werfen. Es werden quantitative und qualitative Studienmodelle betrachtet, bei denen Teilnehmer aus verschiedensten Gesundheitsorganisationen partizipieren und samtliche Schichtarbeitsmodelle untersucht werden.

In dieser Arbeit wird die WLB als „a global assessment that work and family resources are sufficient to meet work and family demands to such an extent that participation is effective in both domains" (Voydanoff, 2005; zitiert nach Tornquist Agosti et al., 2014) definiert, da samtliche Studien mit dem sinnhaften Inhalt dieses Zitates arbeiten. Weiterhin ist die Schichtarbeit einheitlich als abweichende Standardarbeitszeit auRerhalb von 08.00- 17.00Uhr und Montag bis Freitag beschrieben.

3 Vorstellung der Studien

3.1 Effects of extended work shifts on employee fatique, health, satisfaction, work/family balance, and patient safety (Estryn-Behar, van der Heijden, NEXT Study Group, 2012)

Es sind viele negative Einflusse von Schichtarbeit auf die Gesundheit der Krankenpfleger und daraus resultierender Gefahrfur die Patientensicherheit bekannt (Olds & Clarke, 2010; Siegrist et al., 2004). Allerdings sind diese Ergebnisse methodisch nicht einwandfrei, weshalb eine hochwertigere Untersuchung zu den Auswirkungen von Schichtarbeit benotigt wird. Unbedingt mussen auch die individuellen Voraussetzungen und Umweltfaktoren berucksichtigt werden. Die Indikatoren hierfur sind personliche Risikofaktoren (Alter, Geschlecht, Familiensituation, etc.), Gesundheitsprobleme (Burnout, Einzelfragen, etc.) und die Arbeitsbedingungen (Storungen und Unterbrechungen bei der Arbeit, Sorge uber Fehler, Teamwork, etc.).

Das Hauptinteresse der Studie ist der Einfluss der Zufriedenheit mit den Arbeitsplanen auf die WLB. Ermittelt wird die WLB als die Zufriedenheit mit dem Wohlbefinden, dem Familienleben und dem AusmaR des Work-Family-Conflict (WFC).

In zehn europaischen Landern wurden insgesamt 77.681 Teilnehmer aus verschiedenen Gesundheitsorganisationen (n=408, Krankenhauser, Pflegeheime, ambulante Pflege) befragt, von denen 51,7% antworteten; eingeschlossen wurden aber nur 25.924 Krankenpfleger. Der WFCwird mittelseiner 5-ltem-Skala ermittelt.

Bei der Analyse werden fur die Hauptvariablen mithilfe eines Chi2- Test bivariate Tabellen erstellt. Fur die einzelnen abhangigen Variablen werden mehrere binare Regressionsanalysen mit einem Konfidenzintervall von 95% durchgefuhrt. In einem weiteren Schritt fugen die Autoren dieser Multivariaten Analyse zudem die Variable „Geschlecht" hinzu, um deren Einfluss zu berucksichtigen.

Die Autoren haben herausgefunden, dass Pflegefachkrafte, die in Teilzeit oder in einer 12- Stunden-Tag- bzw. 8-Stunden-Nachtschicht arbeiten, prozentual einen geringeren WFC vorweisen als Pflegefachkrafte, die in einer 10-Stunden-Tagschicht oder 10- bzw. 12- Stunden-Nachtschicht eingeteilt werden. Keines dieser Ergebnisse ist signifikant. Eindeutige Parallelen lassen sich zwischen dem WFC und der Unzufriedenheit mit der Verteilung der Zeit von Arbeit und Familie erkennen. Unzufrieden sind hier ebenfalls die Pflegefachkrafte der 10-Stunden-Tag***- und Nachtschicht. Zufrieden hingegen die Pflegefachkrafte in Teilzeit und mit der 12-Stunden-Tagschicht. Pflegefachkrafte, die in einer 8-Stunden-Nachtschicht* arbeiten, sind auRerdem zufriedener mit dem Verhaltnis von Arbeit zu Wohlbefinden und weisen eine bessere Gesundheit aufals Pflegefachkrafte, die in anderen Schichtmodellen tatig sind. Dennoch neigen Arbeitnehmer in der 8-* und 10-Stunden-Nachtschicht* am haufigsten dazu, den Arbeitsplatz zu wechseln.

Aspekte, die die WLB beeinflussen, sind die Verfugbarkeit von Kinderbetreuung wahrend der Arbeit***, die Familiensituation, Fruhaufstehen vor 05.00Uhr*** oder Wochenendarbeit*** sowie Belastung und Unterbrechungen wahrend der Arbeit***. Weniger relevant ist das Alter* oder die physische Belastung wahrend der Schicht*. Auffallig ist, dass gerade Frauen mit Kindern und alleinerziehende Manner zu erweiterten oder alternativen Schichten arbeiten, und gleichzeitig groRere Schwierigkeiten im privaten und familiaren Leben herrschen***.

Zusammenfassend stellen die Autoren fest, dass die Arbeitszeit an sich kein grower determinierender Faktor fur die WLB, Zufriedenheit und Gesundheit ist. Hingegen sind Probleme wahrend dem Schichtwechsel oder der Arbeit, 8- oder 10-Stunden- Nachtschichten, Fruhaufstehen und mangelnde Betreuung der Kinder wahrend der Arbeitszeit starke Risiken fur die Zufriedenheit zwischen den Schichten und dem Privatleben und Wohlbefinden. Das fuhrt bis zu der Idee, den Arbeitsplatz zu wechseln.

Die Studie soil schlussendlich einen AnstoR dazu geben, MaRnahmen zu ergreifen. Um eine bessere WLB zu erreichen, ist eine umfassende Kinderbetreuung, mehr Zeit wahrend des Schichtwechsels und Powernaps. Denkbar sind aber auch 9- oder 10-Stunden- Nachmittagsschichten und TeambildungsmaRnahmen.

3.2 Shift work to balance everyday life - a salutogenetic nursing perspective in home help service in Sweden (Tornquist Agosti, Andersson, Ejlertsson, Janlov, 2014)

Bisherige Studien (Innstrand, 2009; Emslie & Hunt, 2009) haben gezeigt, dass sich die Work- Life-lnteraktion bei Frauen mehr von der Familie auf die Arbeit (und umgekehrt) auswirkt. Insgesamt existiert aber ein Mangel an qualitativen Forschungen mit einem Blick der Beschaftigten auf die WLB. Diese schwedische Studie will daher den traditionellen Fokus brechen und den salutogenetischen Aspekt hervorheben. So sollen Ressourcen ermittelt werden, trotz Schichtarbeit in der Hauslichen Krankenpflege eine ausgewogene WLB zu gestalten. Das langfristige Ziel der Studie ist daher, die Gesundheit und das Wohlbefinden von Pflegefachkraften zu erhohen und somit fur eine bessere Leistung in der Organisation zu sorgen.

Pflegefachkrafte der Hauslichen Krankenpflege in Schweden werden in Assistenten (praktische Pfleger und Heifer) mit niederem Bildungsabschluss und zugelassene Pfleger, die einen hoheren Bildungsabschluss haben, unterteilt. Die Autoren kontaktieren n=280 Assistenten und zugelassene Pfleger, von denen n=42 Personen teilnehmen mochten. Zugelassen werden hiervon aber nur n=13 Teilnehmer (n=12 Assistenten, n=l zugelassener Pfleger), die allesamt weiblich sind und bis auf einer in Schichten arbeiten (n=3 Teilnehmer in Vollzeit, n=10 in Teilzeit); dieser hat aber bereits Schichtarbeitserfahrung. Die Selektion basiert auf der Absicht, eine differenzierte Belegschaft und somit vielfaltige Sichtweise auf die WLB zu erreichen.

Fur ein moglichst umfassendes Bild wurde zunachst ein semistrukturelles Individualinterview durchgefuhrt, bei dem salutogenetische Ansatze fokussiert werden. AnschlieRend wurden zweistundige Fokusgruppeninterviews durchgefuhrt. Dafur wurden zwei Gruppen gebildet mit n=6 Teilnehmern und n=7 Teilnehmern. Zu Anfang wurden die Daten der Personen offen abgeglichen, woraufhin sich die Kollegen gegenseitig kommentieren konnen.

[...]

Details

Seiten
17
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668714281
ISBN (Buch)
9783668714298
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v427370
Institution / Hochschule
MSB Medical School Berlin - Hochschule für Gesundheit und Medizin
Note
1,3
Schlagworte
Work-Life-Balance WLB Pflegekräfte Pflegefachkräfte Schichtarbeit Schichtarbeit WLB Schichtarbeit Work-Life-Balance WLB Pflegefachkräfte WLB Pflegekräfte

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die Auswirkung von Schichtarbeit auf die Work-Life-Balance bei Pflegefachkräften