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Ist die AfD eine kommunitaristische Partei?

Hausarbeit 2017 20 Seiten

Politik - Grundlagen und Allgemeines

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 EINBLICK

2 KOMMUNITARISMUS
2.1 BEGRIFF
2.2 DEUTSCHLAND UND AMERIKA
2.3 POLITIK UND PRAXIS
2.3.1 ;Deutsches Interesse
2.3.2 Verhältnis der CDU zum Kommunitarismus
2.4 ZWISCHENFAZIT

3 ALTERNATIVE FÜR DEUTSCHLAND
3.1ENTWICKLUNG
3.2 KOMMUNITARISMUS UND AFD

4 FAZIT

5 APPENDIX

6 LITERATURVERZEICHNIS

1 Einblick

Wenn in den Medien von der AfD gesprochen wird, werden häufig Wörter wie Werte, Moral und Sitten benutzt (Spiegel, 2016). Welche Verbindung besteht von der AfD zur Strömung des Kommunitarismus, bei der ein ähnliches Vokabular Verwendung findet. Ziel dieser Hausarbeit ist es, das Gedankengut des Kommunitarismus darzulegen und damit einen Zusammenhang zur AfD herzustellen.

In der folgenden Hausarbeit wird im ersten Abschnitt der Kommunitarismus vorgestellt. Dazu wird sich in Punkt 2.1 dem Begriff im allgemeinen Sinne genähert, in 2.2 das unterschiedliche Verständnis von Kommunitarismus in Amerika und Deutschland gegenübergestellt und in Punkt 2.3 im praktischen Kontext eine Annährung geschaffen. In 2.4 wird in einem Zwischenfazit versucht, die gegenwärtige Denkweise zusammenzufassen, um im zweiten Teil der Hausarbeit mit dem Begriff arbeiten zu können.

Nach der Darstellung des Kommunitarismus, wird das Grundsatzprogramm der AfD im Abschnitt Familien und Kinder mit der kommuntaristischen Denkweise verglichen. Hierzu werden die Passagen, die nach eigenem Verständnis kommunitaristische Denkweisen beinhalten, im Appendixe aufgeführt.

2 Kommunitarismus

2.1 Begriff

Der Kommunitarismus findet seinen Ursprung in den achtziger Jahren mit der Ausgangsthematik „Gerechtigkeit“ als Problem der praktischen Philosophie in einer (westlichen) Gesellschaft, die zugleich universalistisch (liberal) wie partikularistisch (kommunitär) zu funktionieren scheint“ (Opielka, 1995, S.54).

Der Urheber der Kontroverse ist John Rawls, der mit einer liberalen Gerechtigkeitstheorie, eine weitreichende wissenschaftliche Debatte auslöste.

11 Jahre nach der Veröffentlichung Rawls, veröffentlichte Michael Sandels das Buch „Liberalism and the Limits of Justice“. Zunächst als eine weitere Publikation in einer breitgefächerten Diskussion wahrgenommen, entwickelte sich etwa zeitgleich die entstanden Untersuchungen von Charles Taylor, Alasdair MacIntyres und Michael Walzers zu einem theoretischen Kreis unter dem Sammelbegriff des Kommunitarismus (Honneth, 1995, S.7).

Zu den prägenden Kommunitaristen in den USA zählen die Philosophen Alasair MacIntyres und Charles Taylor, die Soziologengruppe um Robert Belah, Ökonom Amitai Etzioni, der Historiker Christopher Lasch und der politische Historiker Michael Walzer (Kallscheuer, 1995, S.18)

Im Zentrum des Kommunitarismus steht die Kritik einer Regierungskultur in den USA, in der sozialstaatliche Eingriffe unbeliebt sind und die Rechte des Individuums an erster Stelle stehen. Im Mittelpunkt der Autorenschaft steht dabei nicht die sozial-philosophische Perspektive, sondern das Verfassen „eines ,Dritten Weges’ zwischen der Markt-Ideologie des Kapitalismus und der sozialstaatlichen Utopie eines bürokratisierten Sozialismus (Opielka, 1995, S.54). Der Wortführer Amitatai Etzioni (1994, zitiert nach Opielka, 1995, S.54) bringt es folgendermaßen auf den Punkt „Wir Kommunitarier sind der Meinung, daß die große Frage nicht Staat oder Markt lautet, sondern Community“.

Der zusammengesetzte Kreis von amerikanischen Kommunitaristen macht es sich in Ihren Studien zum Ziel, im Kontext von Partizipationsbereitschaft und Entwicklung von Gemeinschaftsbindungen den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und der politischen Programmatik in den USA eine neue Perspektive aufzuzeigen (Joas, 1995, S.29).

„Neue Antworten erfordern, daß die alten versagt haben“ (Opielka, 1995, S.55).

Die Kommunitaristen identifizieren eine soziale Anomie der modernen westlichen Gesellschaften und sehen Indikatoren der Krise wie zum Beispiel Drogenprobleme, Steigung der Alleinerziehenden, Jugendkriminalität, fehlende Autorität gegenüber Älteren, Gewalt in Schulen, Armut, Verteilungsungerechtigkeit und Arbeitslosigkeit. Der Auslöser dieser Indikatoren ist das Markt- und Staatsversagen mit der primären Problematik einer „Entwurzelung“ und „Entgemeinschaftung“ der Gesellschaft zu (Opielka, 1995, S.55). Das Streben nach Individualismus und Selbstverwirklichung, „der Siegeszug der Markt- und Konsumlogik einer globalen Ökonomie, die lokale Gemeinschaftsformen auf Teilmärkte reduziert“, ist der Auslöser eines Wertewandels der Gesellschaft. Die Verlierer dieses Wertwandels, mit der Konzentration auf sich selbst, sind die „Kinder und Jugendlichen in Familie und Gesellschaft“ (Opielka, 1995, S.55).

Im Kommunitarismus sind die Akteure in unterschiedlichen politischen Lagern verortet. Obwohl sich Konservative, Sozialisten oder Liberale im „Kontext und dem Inhalt der Moral“ uneinig sein, verbindet sie im Kern, die „Herzenshaltung“ für das „Gemeinschaftliche[n] in der Gesellschaft“ (Opielka, 1995, S.55).

2.2 Deutschland und Amerika

Wie bereits in Abschnitt 2.1 dargestellt, ist die, in den achtziger Jahren entfachte, Kommunitarismusdebatte in Nordamerika entstanden. Die Übertragung von Schlüsselbegriffen kann im Kontext der deutschen Erfahrung anders interpretiert werden. Der Politikwissenschaftler Hans Vorländer verdeutlicht die Diskrepanz mit den Worten „so litt die deutsche Kommunitarismusdebatte von vornherein an der Vorgabe verschobener intellektueller wie kultureller Fronten“ (Vorländer, 1995, S.41). Die Begrifflichkeiten wie beispielsweise „Gemeinschaft, Tugend und Gemeinwohl wurden vielmehr als Prinzipien der kulturellen Homogenität des deutschen Volkes und damit als Antithese zu Liberalismus und Demokratie westlicher, vor allem anglo-amerikanischer Provenienz verstanden“ (Vorländer, 1995, S.41). Im Gegensatz zur allgemeinen deutschen Interpretation der Begriffe bilden sie in Amerika zweifellos die „Grundlage einer aktiven und stabilen Demokratie“ (Vorländer, 1995, S.41).

Am Beispiel „neighbourhood watches“ lässt sich die kulturelle Diskrepanz aufzeigen. Während in den Staaten das gegenseitige Überwachen in der Nachbarschaft, um Kriminalität zu verhindern durchaus beliebt ist, sind solche Handlungen im Hintergrund von „Blockwart-Taditionen“ aus dem dritten Reich negativ konnotiert (Mielke, 1995, S.92 f.).

Das politische Umfeld, in dem der Kommunitarismus verwendet wird, beziehungsweise entstanden ist, unterscheidet sich in beiden Ländern grundlegend. In den USA wurde in den Jahren der Reagan-Regierung das kulturelle und politische Umfeld stark (neo-)konservativ geprägt. Die politischen Akteure, die eher links gerichtet und damit in den USA eher linksliberal motiviert waren, inspirierten sich in ihrer Neubestimmung und ihrem Vokabular an „republikanischen Gründungssituation“ und den „religiöse motivierten Siedlungsbewegungen“. Die Gegenwartsgesellschaft mit ihrem „Egoismus und Rücksichtlosigkeit, um überbordenden Individualismus und kruden Kapitalismus im Lichte der alten Vorstellungen von Tugend und Gemeinwohl, von Gemeinschaft und sozialer Einbindung des einzelnen zu kritisieren“ (Vorländer, 1995, S.39).

In Deutschland herrschte mit der Wiedervereinigung und den Umbrüchen Ende der achtziger Jahre eine weit verbreitete „Orientierungslosigkeit unter den Intellektuellen“. Das Ende des realen Sozialismus und die obsoleten Großideologien ließen ein „ideenpolitisches Vakuum“ entstehen. Die verschiedenen politischen Seiten suchten nach „jenen philosophischen Programmen und Theorieangeboten [...] die, in der Tradition kritischer Gesellschaftsanalyse, nicht bloß zur Apologie der neuen gesellschaftlichen und politischen Status quo taugten“ (Vorländer, 1995, S.39).

2.3 Politik und Praxis

2.3.1 Deutsches Interesse

Um sich dem Ziel der Hausarbeit zu nähern, wird im Folgenden ein Übergang zur deutschen Politik und dem konkreten Interesse am Kommunitarismus gemacht. Dazu wird sich auf den Soziologen Hans Joas gestützt.

Hans Joas begründet mit drei Punkten das deutsche Interesse am amerikanischen Kommunitarismus. Den ersten Grund sieht Joas in der Wiedervereinigung. Die Vereinigung im Oktober 1990 führte zu einem Ansteigen der „Spannung zwischen einer ethnisch begründeten ,nationalen Identität‘ und einem normativ fundierten ,Verfassungspatriotismus’ in dem Maße, in dem langfristige ökonomische Opfer für die westdeutsche Bevölkerung nach einer Rechtfertigung verlangten“ (Joas, 1995, S.29). Wie bereits in Punkt 2.2 dargelegt, sind die vom dritten Reich negativ konnotierten Begrifflichkeiten wie nationale Solidarität, Vorrang der Gemeinschaft und Opfer in diesem Zusammenhang begrenzt einzusetzen. Der Zweifel wurde größer, die Herausforderungen die sich um die Wiedervereinigung ergeben haben, auf der Grundlage eines individualistischen Liberalismus bewältigen zu können (Joas, 1995, S.29). Der zweite Grund für eine deutsches Interesse am Kommunitarismus sieht Joas in den Entwicklungen des demokratisch- kapitalistischen Westens und das steigende Interesse einem „weniger staatszentrierten und mehr gemeinschafts-orientierten Typen sozialen Handelns und sozialer Reform“ (Joas, 1995, S.29). Im letzten Grund sieht er den Kommunitarismus als Chance eine neue Perspektive zwischen individualistischen Liberalen und staatszentrierter Reformer einzunehmen, im Hintergrund von „internationalen Wettbewerb, die Neustrukturierung des Arbeitsmarkts angesichts hoher struktureller Arbeitslosigkeit [und] die zunehmende Zahl von Wechselwählern“ (Joas, 1995, S.29).

2.3.2 Verhältnis der CDU zum Kommunitarismus

Als zweite praktische Annährung, um die kommunitaristische Perspektive zu verstehen, wird der Text „Programmatik und Politik der CDU und ihr Verhältnis zu kommunitaristischen Konzepten“ von Thomas M. Gauly aufgegriffen. Gauly war 1994 Mitarbeiter der CDU und direkt an der Verabschiedung des Grundsatzprogramms der CDU involviert. Hierzu können im Hinblick auf den begrenzten Rahmen dieser Hausarbeit nur einzelne Kernthesen aufgegriffen werden (Gauly, 1995, S.76).

Gauly stellt fest, dass Grundbegriffe des Kommunitarismus wie Gemeinsinn, Verantwortung und Werte, gerade im konservativen Kontext durchaus als positiv verstanden werden. Beim Kommunitarismus handelt es sich nicht um ein „festumrissenes Theoriekonzept [...], sondern um unterschiedliche normative Positionen, die zum Teil sehr unterschiedlich, ja gegensätzlich und in sehr unterschiedlichen Kontexten verwandt werden“ (Gauly, 1995, S.76). Am exemplarischen Beispiel eines Manifests von prägenden Autoren, wie zum Beispiel Amitai Etzioni, betitelt Gauly das Kernproblem der Kommunitarismusdebatte. In dem Artikel ist die Rede von moralischen Werten, Verantwortung, starke Demokratie bis hin zum guten Staatsbürger. Diesen Begriffen lässt der Kommunitarismus breiten Erklärungsspielraum. „Was ist ein ,guter Staatsbürger’?“, „Was ist eine ,moralische Erziehung’?“, „Welche Wertmaßstäbe sind gemeint, welche Moral wird beschworen, welche Anthropologie liegt ihr zugrunde?“, Wenn „über die ,Rückbesinnung auf traditionelle Werte’ geredet wird, auf welche Werte soll sich genau bezogen werden?“(Gauly, 1995, S.76,77).

Gauly sieht die Ursachen der Probleme in der westlichen Gesellschaft mit folgender Frage konfrontiert: „Wofür sind wir eigentlich gut?“. Die immer verbreitendere Perspektive des Kommunitarismus dient dabei den Sinn der Gesellschaft zu erkennen (Gauly, 1995, S.77).

[...]

Details

Seiten
20
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668716100
ISBN (Buch)
9783668716117
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v427048
Institution / Hochschule
Zeppelin University Friedrichshafen
Note
2,0
Schlagworte
AfD Partei Kommunitaristisch Alternative Politik

Autor

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