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Die politische Idee "Volkssouverenität". Ein globalgeschichtlicher Knotenpunkt?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2018 28 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Neuere Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung

Die Geschichte der Weltgeschichtsschreibung

Globalgeschichte/Global History

Die Puritaner und der „Mayflower Compact“

John Locke und die Idee der „Volkssouveränität“.

Schlussbetrachtung

Sekundärliteratur:

Internet:

Anlage 1:

Anlage 2

Einleitung

Globalgeschichte ist ein Forschungsfeld, das – ausgehend von der USA - einen immer breiteren Raum in der Geschichtswissenschaft einnimmt. Seine Inhalte sind allerdings bisher nicht verbindlich definiert. Viele Forschungsansätze spiegeln sich in ihm wider. Einige Historiker setzen Globalgeschichte mit Weltgeschichte gleich und benutzen die beiden Bezeichnungen synonym.[1] Jürgen Osterhammel jedoch trennt die beiden Disziplinen und beschreibt Unterschiede. Weltgeschichte ist in seinen Augen eine dezentrierte, überregionale, vergleichende Betrachtungsweise von Einheiten wie zum Beispiel „Nationen“ oder „Zivilisationen“, während Globalgeschichte weltweite, von „Knotenpunkten“ ausgehende Netzwerke und deren Spannungsverhältnis behandelt.

World History is a de-centred, and certainly non-eurocentric, perspective, detached, as far as possible, from the concrete circumstances and the national identity of the observer, on the varieties of social and cultural life across time and space, focusing on distinct features of macro-units such as “civilizations°, “empires” or “nation-states”, on identities within such units, on special paths and trajectories and on particular ways of problem-solving in response to ecological and economic challenges. World History considers interactions between peoples, but does not privilege it at the expense of internal developments. It only deserves its name when it is more than a mere addition of regional histories. In other words: World History is meaningless without some kind of comparative approach.[2]

Global History […] (in a narrow sense) is the history of the continuous, but not linear intensification of interactions across vast spaces and of the crystallization of these interactions into extended networks or, sometimes, institutions which usually posses their own hierarchical structure. The tension between the global and the local is crucial for this approach. It makes little use of concept of “civilization” and considers places and regions as the nodal points from which networks are being constructed.[3]

Dominic Sachsenmaier spricht allerdings von „the necessary impossibility of defining global history“.[4] Im Forschungsfeld finden sich sowohl weltgeschichtliche Narrative als auch transnationale Untersuchungen. Die verschiedenen Ansätze firmieren zum Beispiel unter „global history“, „Weltsystem“ oder „Geschichte der Globalisierung“. Alle beinhalten eine über die Grenzen des Nationalstaats hinausgehende Sichtweise.[5] Globalgeschichtliche Perspektiven sollten allerdings nicht nur makrogeschichtliche ausgerichtet sein. Andrea Komlosy[6] zum Beispiel sieht in „der lokalen Ebene, der Mikrogeschichte, von der aus der Bezug zu anderen Räumen und zu größeren räumlichen Einheiten hergestellt werden kann“, [7] einen zentralen Aspekt von Globalgeschichte.

Als Fallbeispiele für Mikrogeschichte behandelt diese Hausarbeit die Geschichte des „Mayflower Compacts“ und die politischen Idee der „Volkssouveränität“, wie sie von John Locke[8] in seinen „Two Treatises of Government“ beschrieben wurde. Der Untersuchungs­zeitraum bezieht sich auf das 17. Jahrhundert und der Untersuchungsraum auf England und dessen junge Kolonien in Nordamerika. Die These von Christopher A. Bayly „dass alle lokalen, nationalen und regionalen Geschichten in wichtiger Hinsicht Globalgeschichten sein müssen“ und es nicht „länger möglich [ist], ‘europäische‘ und ‘amerikanische‘ Geschichte in einem engeren Sinn zu schreiben“[9] ist dafür die Grundlage. Für die ausgewählten Beispiele wird die vorher beschriebene Definition von Jürgen Osterhammel angewandt und die Frage gestellt, ob seine Begriffsbestimmung darauf anwendbar ist.

Dazu gehe ich wie folgt vor: Da das aktuelle Forschungsfeld „Global History“ eng mit „Weltgeschichte“ verknüpft ist, erfolgt im ersten Kapitel eine kurze Übersicht zur Weltgeschichtschreibung. In Kapitel 2 wird das heutige Verständnis von Globalgeschichte beschrieben. Danach folgen die beiden Beispiele „Mayflower Compact“ und eine knappe Ausarbeitung zu John Locke und seiner Staatstheorie. In der Schlussbetrachtung soll geklärt werden, ob beide Themen als „Knotenpunkte“ zu sehen sind und welches Spannungsverhältnis dazwischen besteht.

Die Geschichte der Weltgeschichtsschreibung

Die gesellschaftliche Entwicklung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die Ausbreitung der Informationstechnologie, das Denken in Netzwerken sowie die sich damit ergebende Möglichkeit weltumspannender Kommunikation ließen bei Historikern den Gedanken an das Narrativ „Weltgeschichte“ wieder in den Blickpunkt geraten.

Doch was wird darunter verstanden? Genaue Inhalte sind bisher nicht vorgegeben. Wo zum Beispiel können die Epochengrenzen gezogen werden? Wie trennt man Zivilisationen und Großräume? Wie gewichtet man sie zueinander? Eine Definition gibt Jürgen Osterhammel: aus „normaler“ Geschichte wird Weltgeschichte, „wenn sich der analytisch ausgeleuchtete Raum über kulturelle Grenzen hinweg erweitert“.[10] Seit Mitte des 20. Jahrhunderts befassen sich zeitgenössische Historiker und Verlage wieder verstärkt mit dem Thema. Einige wenige zeigt die nachstehende Auflistung:

Unter Golo Mann und Alfred Heuß wurden im Propyläen Verlag zwischen 1961 und 1986 das Werk „Propyläen Weltgeschichte. Eine Universalgeschichte“, herausgegeben. In zehn Bänden wurde, ausgehend von der „Vorgeschichte“ bis zur „ Welt von heute“, der Anspruch erhoben, eine Universalhistorie niedergeschrieben zu haben.

1963 erschien das einbändige Werk “The Rise of the West: A History of the Human Community”, verfasst von William Hardy McNeill (1917-2016).

Zwischen 1965 und 1967 wurde im Herder-Verlag das Saeculum Weltgeschichte verlegt. In den insgesamt sieben Bänden wurde die Zeit ab „Ursprung und Frühkulturen“ bis „Geschichte in Gegenwart“ behandelt.

Der Brockhaus-Verlag veröffentliche zwischen 1997 und 1999 „Die Weltgeschichte“, deren Inhalt von den „Anfängen der Menschheit“ in Band I bis zum „Aufbruch der Massen - Schrecken der Kriege : (1850 - 1945)“ in Band 5 handelt.

John Morris Roberts (1928-2003) veröffentlichte 2003 in Oxford University Press “The New History of the World”. In dem 1184 Seiten starken Werk wird Weltgeschichte von „the roots of history […] in the pre-human past“ bis zur Gegenwart beschrieben.

In “The Cambridge world history”, die 2015 von der Cambridge Univ. Press herausgegeben wurde, werden in neun Bänden Teilbereiche der Weltgeschichte behandelt.

Jürgen Osterhammel und Akira Iriye veröffentlichten 2017 als Herausgeber das sechsbändige Werk „Geschichte der Welt“, in dem Themen von der Antike bis zu unserer Gegenwart von unterschiedlichen Autoren behandelt werden.

Weltgeschichtsschreibung ist bis in vorchristliche Zeit nachweisbar. Von Herodot (ca. 484-424 v.Chr.) ist das neunbändige Bände umfassende Werk der „Historien“ überliefert, Polybios (ca. 200-120 v. Chr.) verfasst die „ Historíai“, die vierzig Bücher umfasste. Doch nicht nur griechische Historiker wollten die Welt, von der sie wussten, allumfassend zu beschreiben. Auch der chinesische Geschichtsschreiber Sima Qian (ca. 145-90 v, Chr.), der persische Wesir Raschīd ad-Dīn (1247-1318) und der arabische Politiker Ibn Khaldun (1332-1406) verfassten jeweils eine „Universalgeschichte“.[11]

Der Anspruch der einzelnen Autoren war es, nicht nur die ihre eigene Gesellschaft zu beschreiben, sondern sie auch mit den ihnen bekannten Nachbarvölkern zu vergleichen und dabei die Überlegenheit der eigenen Kultur zu dokumentieren. Diese Abgrenzung war allerdings oft kombiniert mit ethnographischen Beschreibungen und Interesse an den Sitten der Fremden.[12]

Vielen Schriften war ein Ziel gemeinsam: die Entwicklung der Menschheit hin zu einem Reich des Göttlichen, das in den jeweiligen Religionen definiert war. Gelegentlich gab es zwar auch Versuche, die fremden Gesellschaften aus sich heraus zu beschreiben, aber die Bewertung dessen war immer nur vom eigenen Gesichtspunkt aus möglich.[13]

Der Willen, die Welt zu deuten, andere Kulturen kennen zu lernen und die eigene Zivilisation damit in Zusammenhang zu bringen, wuchs umso stärker, je weiter man den eigenen Kontinent entdeckte und je mehr transkontinentale Verbindungen entstanden. Das Wissen um die Hochkulturen in China und im Orient, die Entdeckung Amerikas und das noch unerforschte afrikanische Land waren eine Herausforderung für die zeitgenössischen Historiker. Seit dem 16. Jahrhundert entwickelte sich in verschiedenen Regionen der Welt das Interesse Historiographie auf globaler Ebene zu betreiben.[14]

Neben der traditionellen dynastischen Geschichtsschreibung wurde zum Beispiel um 1580 in Istanbul von einem unbekannten Autor die „Geschichte des westlichen Indien“ verfasst. Der osmanische Historiker Mustafa Ali (1541-1600) schrieb sowohl über das osmanische als auch über das mongolische Reich, über die Usbeken, der persischen Safawiden-Dynastie und das indische Mogulreich. Domingo Chimalpahin (1579-ca. 1650) berichtete über die Geschichte Mexikos ebenso wie über Europa, asiatische Gebiete und über Teile Afrikas. Zu Beginn des 17.Jahrhunderts schrieb Tahir Muhammad über Ceylon, die Reiche von Pegu, Aceh und Portugal.

Es waren vielerorts Amateur-Historiker, die versuchten, die bekannte Welt in Worte zu fassen. Ihre Schriften sind bis heute wenig beachtet. Es zeigt jedoch, dass weltgeschichtliche Entwürfe auch außerhalb Europas entstanden. Innerhalb Europas zählte die 65-bändige “Universal History“, die 1736-1765 in London veröffentlicht wurde, zu den bekanntesten Publikationen.

Besonders populär war die Weltgeschichtsschreibung im Europa des 18. Jahrhunderts. Der Philosoph Voltaire (1694-1778)[15] und der Historiker Edward Gibbon (1737-1794)[16] verfassten universal­­­­­geschichtliche Texte. Im Deutschen Reich galt die Universität Göttingen als Zentrum der Weltgeschichtsschreibung. Der Historiker Johann Gottfried Gatterer (1727-1799) beschäftigte sich dort mit Menschheitsgeschichte.

Das Grundmuster all dieser Texte war der Vergleich zwischen den Regionen der Welt, die nebeneinander und unverbunden und aus der Sicht der eigenen Zivilisation beschrieben wurden.[17]

Ab dem 18. Jahrhundert kam es zu einer Richtungsänderung in der Geschichtsschreibung. Es entwickelte sich eine eurozentrische Betrachtungsweise. Diese Perspektive wurde in Verbindung mit der Hegemonie des Westens gebracht.[18] Auf Grund der Dominanz, die die westliche Kultur über einen Großteil der Welt erlangt hatte, breitete sich die europäische Sichtweise weltweit aus.

Die Historiker legten ihren Fokus auf die Geschichte der Nationen, die Quellenkritik und die liberale Weltordnung des Westens. Säkularisierung, Wissenschaft und Forschung waren die vorherrschenden Themen. Teleologische, auf die europäische Zivilisation ausgerichtete Entwicklungsstufen wurden von dem französischen Philosophen Marie Jean Antoine Nicolas Caritat, Marquis de Condorcet ( 1743 - 1794) vertreten, in der schottischen „conjectural history“ formuliert und in Deutschland von Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770 - 1831) postuliert. Ab 1881 erschien das mehrbändige Werk „Weltgeschichte“ des deutschen Historikers Franz Leopold von Ranke (1795-1886).

Das Fortschrittsparadigma und das eurozentrische Narrativ waren lange Zeit bestimmend und überbordend. Die nicht-westliche Welt sah darin ein Vorbild für die eigene Entwicklung und besann sich nur mit wenigen Ausnahmen, wie zum Beispiel China, Japan und Indien, auf die eigene Zivilisation.

Während Weltgeschichte in Europa und in den USA an den Rand gedrängt und im Unterricht nur in Verbindung mit der Vergangenheit des eigenen Landes vermittelt wurde, hatte dieses Thema zum Beispiel in China und Japan ein größeres Gewicht. In vielen Ländern wurde Weltgeschichte und Nationalgeschichte jeweils in einem eigenen Fach behandelt.[19] Das eurozentrische Narrativ blieb nicht ohne Kritik. Der chinesische Gelehrte und Philosoph Liang Qichao (1873-1929) empörte sich, dass „die Geschichte der arischen Rasse […] sehr oft fälschlicherweise als ‘Weltgeschichte‘ betitelt“ werde.[20]

Ein Großteil der Geschichtswissenschaftler ging davon aus, dass man sich zwar gegenwärtig an den fortschrittlichen Gesellschaften Europas orientieren solle, aber dies nicht unbedingt auch in Zukunft so sein müsse.[21] Diese Sichtweise stand wohl auch im Zusammenhang mit einem Reforminteresse innerhalb der nicht-westlichen Gesellschaften. Dominic Sachsenmaier schrieb 2009 dazu „Es wäre falsch, die Ausbreitung vom Westen zum Rest als die einzige Kraft hinter der weltweiten Genese der akademischen Geschichtsschreibung zu betrachten.“[22]

Der westlich geprägte Gesellschaftsentwurf war nicht unangefochten. Der japanische Ideologe Okakura Tenshin (1862- 1913) und der bengalische Philosoph Rabindranath Tagore (1861-1941) stellten in ihren Zivilisationskonzepten den spirituell geprägten Orient gleichberechtigt neben den materialistisch ausgerichteten Okzident. Die unterschiedlichen Weltkulturen, deren Existenz er durch das eurozentrisch ausgerichtete Weltbild als gefährdet ansah, beschrieb Johann Gottfried Herder (1744-1803) in seinem Werk „Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit“. Eine umgekehrte Denkrichtung – den Niedergang der europäischen Kultur - entwickelte sich im „fin de siècle“ des ausgehenden 19. Jahrhunderts und wurde ab 1918 durch Oswald Spenglers (1880-1836) „Untergang des Abendlandes“ noch verfestigt.

In dem 10-bändigen Werk „The study of History“ beschrieb Arnold Toynbee (1889-1975) die Geschichte von 21 Zivilisationen, deren Aufstieg und Niedergang. Die Veröffentlichung begann in den 1930-er Jahren, der letzte Band erschien circa 20 Jahre später. Toynbee negierte darin die Sichtweise eines linearen universalen Fortschritts. Seine größte Popularität erlangte das Werk nach der Katastrophe des zweiten Weltkriegs.[23]

Trotz des anschließend wieder verstärkt einsetzenden Interesses an „Weltgeschichte“ ist die Nationalgeschichtsschreibung immer noch sehr dominant. Der Kontakt zwischen den beiden Disziplinen wird nicht sehr gepflegt. Der Historiker Christopher A. Bayly (1945-2015) bedauerte dies, denn er sah durch einen möglichen Dialog zwischen „Weltgeschichte“ und „Globalgeschichte“ eine Bereicherung für die Geschichtsschreibung.[24] Eine Annäherung erkennt allerdings Sebastian Conrad[25]: „Die neueren weltgeschichtlichen Arbeiten vergleichen nicht nur, sondern beziehen Interaktionen und Austausch ebenso mit ein.“[26]

Globalgeschichte/Global History

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelte sich ein Umdenken in der Geschichtsforschung. Nach der, besonders im deutschsprachigen Raum nationalgeschichtlich ausgerichteten Geschichtsschreibung des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sollten jetzt neue Ansätze sollten gefunden werden. Welt- oder Universalgeschichte war zwar in den vergangenen zwei Jahrhunderten in Hintergrund getreten, jedoch Staaten wie Frankreich, die Niederlande oder Spanien hatten die Geschichte ihrer Kolonien in ihre Landesgeschichte mit eingebunden und „Arealgeschichte“ geschrieben.[27]

Die eurozentrisch geprägte Geschichtsschreibung musste ihre Grenzen überwinden. In der Welt des 20. Jahrhunderts durften die Nationalstaaten nicht mehr die einzig nennenswerten Akteure sein. Die Hegemonie der westlichen Staaten schwächte sich ab, die europäischen Zivilisationen verloren allmählich ihren Vorbildcharakter, asiatische Staaten entwickelten sich zu „Global Players“. Mit dem, durch das Internet möglichen Datenaustausch war ein weltweites digitales Netz geschaffen worden, das Informationen schneller um den Globus jagte, als je zuvor. Das Zeitalter der „Globalisierung“ hatte begonnen.

Globalisierung ist nicht gleichzusetzen mit Globalgeschichte. Zwar sind die Inhalte der beiden Subdisziplinen von Geschichte bisher noch nicht genau definiert, aber Osterhammel bezeichnet Globalisierung als „das engere Konzept“ von beiden. Sie sei „die nicht stetige und lineare, aber doch kontinuierliche Verdichtung von ökonomischen und migratorischen Weltzusammenhängen in der Neuzeit und insbesondere in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Mit einer historischen Sicht auf Globalisierung muss daher ein gewisser (…) Akzent auf wirtschaftliche Zu­sammen­hänge verbunden sein und ebenso ein unausweichliches Minimum an Teleologie, also der Hinführung zur Gegenwart.“[28]

Im Unterschied dazu, sei Globalgeschichte

„nicht unbedingt mit solch einem Richtungssinn verbunden (…). Im extremen Fall des synchronen Querschnitts fehlt ihr diese Dimension ganz. Die Geschichte der Globalisierung ist daher ein wichtiger Teilaspekt oder auch ein Themenfeld von Globalgeschichte, ohne mit ihr identifiziert werden zu dürfen. “[29]

Der Begriff “Global History“ erschien wahrscheinlich erstmalig 1962 in englischsprachigen Publikationen. In diesen Studien wurde er vielfach als Synonym zu „Weltgeschichte“ benutzt. Das sich entwickelnde neue Forschungsfeld war noch sehr diffus, ohne genaue Abgrenzungen und Inhaltsdefinitionen. Es knüpft in vielem an die ältere Tradition der Weltgeschichtsschreibung an, an deren Strömungen und Teilgebiete wie zum Beispiel Bereiche wie Wirtschaftgeschichte, Kulturgeschichte oder Ideengeschichte. Globalgeschichte ist noch weit davon entfernt eine Einheit zu bilden. Die international unterschiedlichen Ansätze ergeben sich aufgrund der verschiedenen disziplinären Traditionen und deren intellektueller Umgebung. Die globalgeschichtliche Herangehensweise ermöglicht es wahr­scheinlich Zusammenhänge zu erkennen, die bisher als unwichtig angesehen oder übersehen wurden.[30]

[...]


[1] Vergl. Sieder, Reinhard, Langthaler, Ernst: Was heißt Globalgeschichte?, in dies. (Hg.): Globalgeschichte.
1800-2010, Wien u.a. 2010, S. 9.

[2] s. Osterhammel, Jürgen: Global History in a National Context: The Case of Germany, in: Vries, Peer (Hg.): Global History, zit. nach Sieder, Reinhard/Langthaler, Ernst: Was heißt Globalgeschichte ?, in dies. (Hg.): Glo­balgeschichte. 1800-2010, Wien u.a. 2010, S. 9f.

[3] s. Osterhammel, Jürgen: Global History in a National Context: The Case of Germany, in: Vries, Peer (Hg.): Global History, zit. nach Sieder, Reinhard/Langthaler, Ernst: Was heißt Globalgeschichte ?, in dies. (Hg.): Globalgeschichte. 1800-2010, Wien u.a. 2010, S. 9.

[4] s. Sachsenmaier, Dominic: Global Perspectives on Global History. Theories and Approaches in a Connected World, Cambridge 2011, S. 70.

[5] Vergl. Conrad, Sebastian, Eckert, Andreas. Globalgeschichte, Globalisierung, multiple Moderne: Zur Geschichtsschreibung der modernen Welt, in: Conrad, Sebastian, Eckert, Andreas, Freitag, Ulrike (Hg.): Globalgeschichte. Theorien, Ansätze, Themen, Frankfurt, New York 2007 (= Globalgeschichte, Bd. 1), S. 14.

[6] Andrea Komlosy (*1957): österreichische Historikerin und Politikerin.

[7] s. Komlosy, Andrea: Was ist Globalgeschichte? Neue Herausforderungen an den Geschichtsunterricht, in Praxis Globales Lernen, Heft 2: http://www.praxisglobaleslernen.at/uploads/ tx_pglbooks/­­Heft2_­Was_ist_­Global­geschichte_02.pdf , Seite 7-8.

[8] John Locke: englischer Philosoph und Arzt. Locke wird zu den Vordenkern der Aufklärung gezählt.

[9] Bayly, A. Christopher: Die Geburt der modernen Welt. Eine Globalgeschichte 1780-1914, Frankfurt/New York 2006, S. 14.

[10] s. Osterhammel, Jürgen: Alte und neue Zugänge zur Weltgeschichte, in: ders.(Hg.):Weltgeschichte, Stuttgart 2008, S. 9.

[11] Vergl. Conrad, Sebastian: Globalgeschichte. Eine Einführung. München 2013, S. 29.

[12] Vergl. Conrad: Globalgeschichte, S. 30.

[13] Ebd., S. 32.

[14] Ebd., S. 33 ff.

[15] 1750 - 1751: Abrégé de l’Histoire universelle.

[16] 1776-1788: History of the Decline and Fall of the Roman Empire.

[17] Vergl. Conrad: Globalgeschichte, S.36.

[18] Ebd., S. 37.

[19] Vergl. Conrad : Globalgeschichte, S. 41 f.

[20] Vergl. Karl, Rebecca: Asien erschaffen. China in der Welt zu Beginn des 20. Jahrhunderts, in: Conrad, Eckert, Freitag (Hg.): Globalgeschichte., S. 248-281.

[21] Vergl. Conrad: Globalgeschichte, S. 43.

[22] s. Sachsenmaier, Dominic: Global History, Pluralism, and the Question of Traditions, New Global Studies 3, Nr.3 (2009), Artikel 3, Zitiert nach Conrad: Globalgeschichte, S. 38.

[23] Vergl. Conrad: Globalgeschichte, S. 45 f.

[24] Vergl. Bayly, A. Christopher: Geschichte und Weltgeschichte, in: Rublack, Ulinka (Hg).: Die Neue Geschichte. Eine Einführung in 16 Kapiteln, Frankfurt am Main 2013, S.33.

[25] Sebastian Conrad (* 1966): deutscher Historiker, Schwerpunkte: Globalgeschichte, Kolonialgeschichte, Geschichte Ostasiens und Geschichte der Geschichtsschreibung.

[26] Vergl. Conrad: Globalgeschichte, S.14.

[27] Vergl. Komlosy, Andrea: Globalgeschichte, S.7f.

[28] s. Osterhammel, Jürgen: Alte und neue Zugänge zur Weltgeschichte, in: ders. (Hg.): Weltgeschichte, S. 19.

[29] Ebd., S. 19.

[30] Vergl. Conrad: Globalgeschichte, S. 26.

Details

Seiten
28
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668710672
ISBN (Buch)
9783668710689
Dateigröße
662 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v426859
Institution / Hochschule
Technische Universität Darmstadt
Note
2,7
Schlagworte
Globalgeschichte

Autor

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Titel: Die politische Idee "Volkssouverenität". Ein globalgeschichtlicher Knotenpunkt?