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"Wenn Kinder Kinder kriegen". Schwangerschaft bei Minderjährigen

Welche Unterstützung kann Soziale Arbeit Teenagern und ihrem Umfeld in Bezug auf die Herausforderungen und Folgen einer frühen Schwangerschaft bieten

Hausarbeit 2018 21 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffserklärungen

3. Zahlen, Daten und Fakten
3.1 Ursachen
3.2 Herausforderungen von Teenagerschwangerschaften
3.3 Die Alternativen
3.4 Sozialarbeiterische Unterstützung

4. Praxisbezug

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abstract

Thema der vorliegenden Hausarbeit ist die Schwangerschaft bei Minderjährigen. Ziel ist es, herauszufinden, welche Unterstützung Soziale Arbeit Teenagern und ihrem Umfeld in Bezug auf die Herausforderungen und Folgen einer frühen Schwangerschaft bieten kann.

Zur Erlangung eines Ergebnisses, werden zunächst grundlegende Begriffe aus der Leitfrage geklärt. Im Folgenden wird ein Überblick über die Zahlen, Daten und Fakten zum Thema Teenagerschwangerschaften gegeben. Die Herausforderungen und Ursachen im Hinblick auf eine Schwangerschaft im Jungendalter werden weitergehend betrachtet. Auch die Alternativen, der Schwangerschaftsabbruch und die Adoption, werden erläutert. Die sozialarbeiterische Unterstützung wird, unter der besonderen Betrachtung der Minderjährigkeit der Klientin, genauer untersucht.

Als Ergebnis konnte erarbeitet werden, dass es zwar ein vielseitiges Angebot an finanziellen Hilfen, rechtlichen Ansprüchen und sozialarbeiterischer Unterstützung für Schwangere gibt, dieses jedoch nicht ausreichend auf die komplexe Lebenssituation minderjähriger Eltern ausgelegt ist.

1. Einleitung

Schwanger. Und das, obwohl man selbst eigentlich noch nicht erwachsen ist. In einem Alter, in dem viele andere Herausforderungen zu vermuten sind, aber nicht diese, ein Kind großziehen zu müssen. Die Pubertät ist ein Lebensabschnitt, in dem nicht ausschließlich körperliche Veränderungen bedeutend sind. Auch das Sozialverhalten und die psychische Situation der Jugendlichen werden beeinflusst. „Nicht selten kommt es in dieser Zeit zu Auseinandersetzungen, Spannungen und Konflikten in Beziehungen zu Freunden, der Familie oder innerhalb des sozialen Umfeldes“ (Kölbl, 2007, S.20). Besonders der, in der Pubertät beginnende, Prozess der Selbstfindung „ … kann durch emotionale Belastungen und Krisen gekennzeichnet sein“ (Stangl.eu, 2018). Wo ist hier noch Platz für die große Verantwortung der Elternschaft?

Egal ob gewollt oder ungewollt, ein minderjähriges Mädchen ist im Normalfall noch nicht bereit, mit den Herausforderungen und Folgen einer Schwangerschaft umzugehen. Zu groß sind die Veränderungen, die bevorstehen. Für die Heranwachsende und auch für ihr Umfeld. Es entstehen Schwierigkeiten, die es abzufedern gilt. Deshalb sind Teenager in einer solchen Situation auf Hilfe angewiesen (Vgl. Kölbl, 2007, S. 96-99.).

Ich habe mich entschieden, meine Hausarbeit über die sozialarbeiterische Unterstützung junger Schwangerer zu schreiben, da die Anzahl der vorgenommenen Abtreibungen verhältnismäßig hoch ist (Vgl. Matthiesen, 2009, S.20). Zudem werden Teenagerschwangerschaften auch in den Medien, besonders im Fernsehen, immer häufiger thematisiert: Sendungen wie „Wenn Kinder Kinder kriegen“ erzählen die Geschichten einiger „Teenie Mütter“. Vom ersten Schwangerschaftstest bis hin zur Geburt und darüber hinaus (Vgl. Thiessen und Anslinger, 2004). Dadurch entstand die Idee zum Titel meiner Hausarbeit. Außerdem habe ich Bezug zu dem Thema, da meine Tante im Alter von 17 Jahren ihr erstes Kind zur Welt brachte.

In dieser Hausarbeit erkläre ich, welche Lösungsansätze möglich sind, um die Anforderungen einer Schwangerschaft im Jugendalter bestmöglich bewältigen zu können.

Angeeignet habe ich mir das hierfür nötige Wissen durch die Recherche in Fachbüchern, Lexika und durch das Lesen der Masterarbeit einer ehemaligen Studentin der Universität Bielefeld. Außerdem hat mir auch das Internet wichtige Informationen geliefert, was besonders hilfreich in Bezug auf die Aktualität des Forschungsstandes war. Die Zahlen, Daten und Fakten über das Thema Teenagerschwangerschaften ändern sich schnell.

2. Begriffserklärungen

Unterstützung: Der Begriff Unterstützung kann in mehrere Aspekte unterteilt werden. Die soziale Unterstützung, zum Bespiel, wird durch James S. House in seinem Buch „Work Stress and Social Support“ in vier Bereiche gegliedert:

1. Emotionale Unterstützung: Hierbei handelt es sich um Verhaltensweisen, wie zum Beispiel Liebe, Vertrauen, Mitfühlen und Empathie.
2. Instrumentelle Unterstützung: Diese Klasse beinhaltet die direkte Hilfe einer Person, wie zum Beispiel Dienstleistungen und Güter.
3. Informative Unterstützung: Dieser Bereich beschreibt die Unterstützung einer Person durch das Zuführen von Informationen, welche zu Problemlösungen beitragen können (Hilfe zur Selbsthilfe).
4. Beurteilungs-Unterstützung: Diese Form umschreibt das Nutzen von Informationen, welche der Selbstevaluation einer Person dienen sollen (Vgl. House, 1981, S.24f.).

Die finanzielle Hilfe, laut dem Duden ein „ … bestimmter Geldbetrag, mit dem jemand unterstützt wird“ (Dudenverlag, o.J.), ist ebenfalls ein wichtiger Aspekt der Begriffserklärung.

Für die vorliegende Hausarbeit gilt die Definition nach House.

Soziale Arbeit:

Soziale Arbeit ist eine praxisorientierte Profession und eine wissenschaftliche Disziplin, dessen bzw. deren Ziel die Förderung des sozialen Wandels, der sozialen Entwicklung und des sozialen Zusammenhalts sowie die Stärkung und Befreiung der Menschen ist. Die Prinzipien der sozialen Gerechtigkeit, die Menschenrechte, gemeinsame Verantwortung und die Achtung der Vielfalt bilden die Grundlagen der Sozialen Arbeit. Gestützt auf Theorien zur Sozialen Arbeit, auf Sozialwissenschaften, Geisteswissenschaften und indigenem Wissen, werden bei der Sozialen Arbeit Menschen und Strukturen eingebunden, um existenzielle Herausforderungen zu bewältigen und das Wohlergehen zu verbessern (DBSH, o.J.), so der Deutsche Berufsverband für Soziale Arbeit.

Nach der International Federation of Social Workers (IFSW) wird Soziale Arbeit ähnlich erklärt:

Soziale Arbeit als Beruf fördert den sozialen Wandel und die Lösung von Problemen in zwischenmenschlichen Beziehungen und sie befähigt die Menschen, in freier Entscheidung ihr Leben besser zu gestalten. Gestützt auf wissenschaftliche Erkenntnisse über menschliches Verhalten und soziale Systeme greift Soziale Arbeit dort ein, wo Menschen mit ihrer Umwelt in Interaktion treten. Grundlagen der Sozialen Arbeit sind die Prinzipien der Menschenrechte und der sozialen Gerechtigkeit (Schilling u. Zeller, 2012, S.208).

Für die vorliegende Hausarbeit gelten beide Definitionen, da die jeweils genannten Punkte sich entsprechen.

Umfeld: Laut dem Duden gilt das Umfeld, besonders in der Psychologie und Soziologie, als die „ … auf jemanden, etwas unmittelbar einwirkende Umgebung“ (Dudenverlag, o.J.).

Es kann aber auch als „ … die Personen und Personengruppen, mit denen ein Mensch relativ dauerhafte zwischenmenschliche Beziehungen pflegt“ (Lexikon - Wissenswertes zur Erwachsenenbildung, 1998), verstanden werden. Außerdem gilt die physikalische Umgebung, also der „einen Ort umgebende … Bereich“ (wortbedeutung.info, 2018) als Umfeld.

Für die vorliegende Hausarbeit gilt die Erklärung laut dem Lexikon für Erwachsenenbildung.

Schwangerschaft: Nach dem Duden wird die Schwangerschaft (Gravidität) als der „ … Zustand der Frau von der Empfängnis (Befruchtung der Eizelle) bis zum Eintritt der Geburt“ (Duden-Lexikon, 1972, S.2018) beschrieben. Dieser Zustand bringt laut der Brockhaus Enzyklopädie körperliche und seelische Herausforderungen mit sich:

Die körperl. Veränderungen dienen der Anpassung die die erhöhte Leistung des Organismus während der S., an die Raumverdrängung durch die Gebärmutter sowie der Vorbereitung auf die spätere Geburt…. Da die S. die gesamte psychosomat. Einheit der Frau betrifft, können psychische Gereiztheit, Stimmungsschwankungen u.ä. auftreten. Häufig sind Schwangere belastet durch die Angst vor der Geburt oder von Befürchtungen, das Kind könnte sich nicht normal entwickeln…. Die S. kann aber auch konkreter Anlaß [ sic ] für innere Konflikte sein (z.B. nichteheliches Kind), die sich in Depressionen äußern können (Brockhaus Enzyklopädie, 1973, S.101f.).

„Schwangerschaft und Elternschaft erfordern [außerdem] Veränderungen und Umstellungen hinsichtlich der eigenen Persönlichkeit und der Organisation des Alltags“ (Kölbl, 2007, S.41), wie Doris Kölbl in ihrem Buch „Zwischen Schule, Disko und Babywindeln“ beschreibt. „Darüber hinaus finden Veränderungen auf sozialer Ebene statt. Die Beziehungen des Paares sowie die Beziehungen zu der Familie und Freunden können … einen Wandel erfahren“ (Kölbl, 2007, S.43).

Für die vorliegende Hausarbeit gilt die gesamte vorliegende Erklärung einer Schwangerschaft, mit allen genannten Folgen und Herausforderungen.

Minderjährig: Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch tritt die Volljährigkeit mit der Vollendung des 18. Lebensjahres ein (Vgl. Gesetze im Internet (o.J.)). Eine Person gilt demnach als minderjährig, wenn sie noch keine 18 Jahre alt ist.

Für die vorliegende Hausarbeit wird dem Ausdruck „Minderjährigkeit“ der Zeitraum zwischen dem Erreichen der Geschlechtsreife und dem 18. Lebensjahr zugeordnet.

Der Begriff Geschlechtsreife meint das Erreichen der Fortpflanzungsfähigkeit. Ein Tier bzw. der Mensch hat die Geschlechtsreife erreicht (= ist geschlechtsreif), wenn Nachkommen gezeugt werden können (= das Lebewesen sich fortpflanzen kann). Beim Menschen werden Mädchen in der Regel zwischen dem 12. und 14. Jahr geschlechtsreif, Jungen in der Regel zwischen dem 13. und 15. Lebensjahr (Koops, 2016).

3. Zahlen, Daten und Fakten

Ein Blick auf relevante statistische Daten zu den sogenannten

„Teenagerschwangerschaften“ in Deutschland scheint interessant, da „ … in der Diskussion um Schwangerschaften und Schwangerschaftsabbrüche Minderjähriger … oft der Eindruck [entsteht], dass derartige Fälle in den letzten zehn Jahren dramatisch zugenommen haben“ (Matthiesen, 2009, S.18).

Entgegen dieser Vermutungen ist jedoch festzuhalten, dass in Deutschland zwar viele Jugendliche sexuell aktiv sind, ihr Verhütungsverhalten jedoch, in der Regal, zuverlässig ist. Laut einer, 2005 erhobenen, Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, verhüten in Deutschland nur 5% der 14-17-Jährigen gar nicht oder unsicher (Vgl. Matthiesen, 2009, S.25f.). „Im internationalen Vergleich ist das Vorkommen von Teenagerschwangerschaft [somit] eher niedrig. Daraus kann man schließen, dass das Niveau der Prävention… hierzulande sehr hoch ist“ (Matthiesen, 2009, S.25).

Im Jahr 2001 gab es in Deutschland, „ … ohne die Berücksichtigung von Fehl- und Totgeburten, mindestens 15 036 Schwangerschaften Minderjähriger. Von 2001 zu 2009 ist ein Rückgang um 35,3% auf 9 725 zu verzeichnen“ (Laue, 2010). Es fällt auf, dass die Zahl der Lebendgeborenen ausschließlich in den Jahren 2002 und 2008 über der Anzahl von Schwangerschaftsabbrüchen lag. „In den anderen Jahren wurden von Minderjährigen mehr Schwangerschaften abgebrochen als Kinder zur Welt gebracht“ (Laue, 2010).

Bei Betrachtung der Altersverteilung von minderjährigen Schwangeren wird deutlich, dass drei Viertel der Betroffenen 16 oder 17 Jahren alt sind. „Nur 1% ist 13 Jahre oder jünger“ (Block, Matthiesen, Mix, Schmidt, Thoß, Weiser, 2006, S.339).

Laut einer Studie der Organisation „pro familia“, aus den Jahren 2005 und 2006, sind über 90% der Schwangerschaften Minderjähriger ungewollt und somit nicht geplant. Nur 4% der Befragten wollten schwanger werden, weitere 4% gaben an sich ihrer Intention unsicher zu sein (Vgl. Block, Matthiesen, Mix, Schmidt, Thoß, Weiser, 2006, S.338).

Es ist auffällig, dass die jugendlichen Schwangeren überwiegend zur Gruppe der Hauptschülerinnen (54%) gehören. Seltener betroffen sind Gymnasiastinnen (11%) (Vgl. Block und Matthiesen, 2007). „Da in der Population der Jugendlichen Hauptschülerinnen und Gymnasiastinnen etwa gleich häufig sind, kann man davon ausgehen, dass das Risiko einer Hauptschülerin etwa fünfmal so hoch ist, minderjährig schwanger zu werden, wie das einer Gymnasiastin“ (Block und Matthiesen, 2007).

3.1 Ursachen

„Obwohl durch die Möglichkeiten der Verhütung heute nahezu hundertprozentiger Schutz vor Schwangerschaft möglich geworden ist [und] Sexualität offen thematisiert [wird] … “ (Kölbl, 2007, S.64) werden Minderjährige schwanger. Durch welche Faktoren wird die Verbreitung von Jugendschwangerschaften beeinflusst?

Bei den Mädchen, die ungewollt schwanger werden, handelt es sich häufig um Verhütungsfehler. Jugendliche werden immer früher geschlechtsreif und kommen früher mit Sexualität in Kontakt. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, haben Erfahrungen mit Geschlechtsverkehr besonders bei den jüngeren Jahrgängen zugenommen (Vgl. Osthoff, 2003). Obwohl sie aufgeklärt wurden, wissen viele Jugendliche „ … nicht genau, wie sie ihr Verhütungswissen in die Praxis umsetzten können, ihnen fehlt [aufgrund ihres jungen Alters] häufig das Verständnis zwischen dem eigenen Körper, Fruchtbarkeit und Verhütung“ (Kölbl, 2007, S.64f.). Aber auch fehlende oder fehlgeschlagene Kommunikation über Verhütung mit dem Partner führt zu ungewollten Schwangerschaften (Vgl. Busch und Franz, 2004).

Neben den Mädchen, die ungeplant schwanger werden, gibt es auch die verhältnismäßig kleine Anzahl der Mädchen, die sich schon früh ein Kind wünschen. Hier wird die Schwangerschaft bewusst herbeigeführt. In diesem Fall wird das Kind häufig als „ … Ausweg aus einer schwierigen sozialen Lebenssituation“ (Kölbl, 2007, S.72) gesehen. Erfahrungen, welche durch wechselnde Bezugspersonen, wenig verlässliche Beziehungen und Trennungen gekennzeichnet sind, führen bei den Jugendlichen zu dem Wunsch nach einer festen Bindung. Geborgenheit und Nähe, die sie in der eigenen Kindheit vermissten, möchten sie nun durch das eigene Kind spüren (Vgl. Busch und Franz, 2004). „Die Flucht in die Zukunft ist Ausdruck für die Unfähigkeit der Mädchen, sich von der Vergangenheit abzulösen“ (Kölbl, 2007, S.72).

Eine weitere, häufig unbewusste, Motivation schwanger zu werden, kann es sein, den Partner zu testen oder an sich zu binden. Eine frühe Schwangerschaft stellt für beide Elternteile eine Herausforderung dar und kann Einfluss auf die Paarbeziehung nehmen (Vgl. Kölbl, S.75).

Einige Mädchen erhoffen sich, durch die Mutterschaft den Status eines Erwachsenen zu erreichen, um gesellschaftliche Anerkennung und Wertschätzung zu erfahren (Vgl. Busch und Franz, 2004). Diese Hoffnung „ … endet jedoch nicht selten mit der schmerzlichen Erfahrung, als minderjährige Mutter als Sozialfall angesehen zu werden und mit dem Vorwurf der Unverantwortlichkeit konfrontiert zu sein“ (Kölbl, 2007, S. 73).

Auch mangelnde berufliche Perspektiven können zu einer frühen Schwangerschaft führen. Wenn kein Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zur Verfügung steht, kann die Mutterschaft im Jugendalter „ … aus der finanziellen Abhängigkeit von den Eltern befreien und … zu einer eigenen Wohnung und eigenen monatlichen Einkünften – aus staatlichen Transferleistungen nach SGB II und Erziehungsgeld – verhelfen“ (Kölbl, 2007, S.73). Passend dazu ist die Erkenntnis, dass in Stadtstaaten, in strukturschwachen Regionen und Gebieten mit hoher Arbeitslosigkeit und hoher Sozialhilfequote (Vgl. Thiessen und Anslinger, 2004) die Zahlen der minderjährigen Schwangeren vergleichsweise höher sind. Geringe Bildung erhöht somit das Schwangerschaftsrisiko und es wird deutlich, dass das Vorkommen von Jugendschwangerschaften auch vom sozialen Hintergrund abhängt (Vgl. Busch und Franz, 2004).

3.2 Herausforderungen von Teenagerschwangerschaften

Eine frühe Schwangerschaft bedeutet in vielerlei Hinsicht einen Neubeginn. Die zentralen Entwicklungsaufgaben des Jugendalters stehen dem, „ … für die Adoleszenz non-normativen kritischen Lebensereignis der Mutterschaft und den damit verbundenen Aufgaben“ (Kölbl, 2007, S.77), gegenüber. Schon einzeln betrachtet sind diese Veränderungen relativ komplex. Bei minderjährigen Schwangeren überschneiden sich die beiden Lebensabschnitte, samt ihrer Herausforderungen. „Das bedeutet, dass Entwicklungsaufgaben, die im Leben eines Menschen eigentlich aufeinander folgen, hier gleichzeitig stattfinden“ (Kölbl, 2007, S.77).

Das Finden der eigenen Identität und die damit verbundene intensive Beschäftigung mit sich selbst ist wesentlicher Bestandteil des Unabhängigkeitsstrebens im Jugendalter. Dieser Prozess kann jedoch, durch eine frühe Schwangerschaft, vor Abschluss unterbrochen werden. „Minderjährige Mütter müssen quasi von heute auf morgen erwachsen werden“ (Kölbl, 2007, S.84). Es kann für die Heranwachsende deshalb schwierig sein, sich bedingungslos ihrem Kind zu widmen, weil sie, parallel dazu, noch Zeit für ihre eigene Entwicklung braucht.

Auch die Ablösung von den Eltern, finanzielle Selbstständigkeit und emotionale Unabhängigkeit sind normalerweise die Ziele eines Jugendlichen. Durch eine frühe Schwangerschaft wird die ersehnte Eigenständigkeit jedoch „ … schnell in erneute Abhängigkeit [von der Herkunftsfamilie] umgekehrt“ (Kölbl, 2007, S.80). Unterstützung der Eltern in praktischer, emotionaler und finanzieller Hinsicht ist häufig nötig. Reagieren diese jedoch mit Ablehnung auf die Mutterschaft ihrer Tochter und Verweigern ihre Hilfe, kann dies zu Konflikten und sogar zum Abbruch der Beziehung führen (Vgl. Kölbl, 2007, S.80).

Außerdem müssen in der Pubertät körperliche Veränderungen, wie die Entwicklung der Geschlechtsmerkmale und die zunehmenden weiblichen Rundungen, akzeptiert werden. Gefühle wie Scham und Unsicherheit hinsichtlich des eigenen Körpers sind keine Seltenheit. Die zusätzlichen enormen hormonellen und körperlichen Veränderungen während einer Schwangerschaft, die Beschwerden und Einschränkungen mit sich bringen, stellen häufig eine Belastung dar, die das Mädchen überfordern kann. „Durch eine Schwangerschaft muss die werdende junge Mutter, ihr Körperkonzept erneut anpassen“ (Kölbl, 2007, S.79).

Während in der Pubertät das Interesse am anderen Geschlecht erwacht und erste Erfahrungen mit Sexualität gemacht werden, wird durch die Elternschaft eine Paarbeziehung zu etwas Verbindlichem. Zeit für Zweisamkeit und Zärtlichkeiten wird, durch die neue Situation zu dritt, reduziert. Stress und Überforderung können zu Streitigkeiten führen. Die innere Reife, die zu der Bewältigung der anstehenden Herausforderungen benötigt wird, ist möglicherweise noch nicht vorhanden (Vgl. Kölbl, 2007, S.81). Der Kontakt zum Kindesvater kann abbrechen. Sein Rückhalt und seine Unterstützung sind somit nicht immer vorhanden. Häufig entziehen sich die jungen Männer der Verantwortung ihrer Vaterschaft. Das bedeutet für die Mutter, alleinerziehend zu sein, was zu zusätzlicher Belastung führt (Vgl. Kölbl, 2007, S86).

Des Weiteren kann die Mutterrolle dahingehend problematisch werden, dass die Heranwachsende den Kontakt zu Gleichaltrigen verliert. Konträre Interessen und veränderte Zeitkapazitäten führen zur Isolation. Dies bedeutet für die junge Mutter den Verlust des Rückhalts, welchen Jugendliche sich innerhalb ihres Freundeskreises bieten. Die sogenannten „Peers“ sind jedoch, gerade in der Pubertät, sehr bedeutend. Es wird Gemeinschaft und Zugehörigkeit vermittelt. Fehlt diese Komponente können Selbstzweifel und Einsamkeit die Folge sein (Vgl. Kölbl, 2007, S.82).

Auch der Besuch der Schule dient unter anderem dazu, soziale Kontakte zu Gleichaltrigen aufzubauen. Doch da jugendliche Mütter häufig die gesetzlich gewährte Elternzeit in Anspruch nehmen, bedeutet dies einen vorrübergehenden Ausstieg aus Schule oder Beruf. Hier beginnt ein finanzielles Problem, welches weitreichende Folgen für die Zukunft von Mutter und Kind haben kann. In den meisten Fällen haben die Heranwachsenden zum Zeitpunkt ihrer Schwangerschaft keinen, oder nur einen geringen Schulabschluss. Die beruflichen Perspektiven sind somit eingeschränkt. Nach Ablauf der Elternzeit kommt es häufig zum Bruch in der Bildungsbiographie. Ein erneuter Wiedereinstieg in Schule oder Beruf wird erschwert, da die Jugendlichen es teilweise nicht schaffen, ihre zweijährige Pause zu kompensieren. „Viele junge Mütter starten … nicht zuletzt aufgrund ihrer vielfältigen Belastungssituation … ohne jegliche berufliche Qualifikationen in eine Zukunft, die wenig Hoffnung auf ein eigenständiges Leben zulässt“ (Kölbl, 2007, S.88).

Es wird deutlich, dass schwangere Teenager einer Vielzahl von Herausforderungen gegenüberstehen. Sie befinden sich im Spannungsfeld zwischen Jugendlichkeit und Erwachsensein und sind somit zentralen Entwicklungsaufgaben in doppelter Weise ausgesetzt. Hinzu kommen mögliche negative Reaktionen aus dem Umfeld und häufig auch die soziale Geringschätzung früher Mutterschaft (Vgl. Thiessen und Anslinger, 2004).

3.3 Die Alternativen

Wie schon oben genannt, sind 90% der Schwangerschaften Minderjähriger ungewollt (Vgl. Block, Matthiesen, Mix, Schmidt, Thoß, Weiser, 2006). Bei einem derart hohen Anteil sind die Möglichkeiten der sekundären Prävention bedeutend. Dazu zählen solche, die Jugendliche nach der Feststellung einer Schwangerschaft nutzen können:

Schwangerschaftsabbruch

Der Begriff „Schwangerschaftsabbruch“ fasst alle Möglichkeiten zusammen, eine ungewollte Schwangerschaft künstlich zu beenden. In Deutschland kann man zwischen dem instrumentellen und dem medikamentösen Schwangerschaftsabbruch wählen.

Gesundheitliche Risiken sind bei beiden Methoden gering (Vgl. profamilia.de, 2015). Es kann jedoch zu langfristigen psychischen Belastungen und Schuldgefühlen kommen (Vgl. Merz, 1979, S.42-49).

Bei Mädchen unter 18 Jahren gelten die gleichen gesetzlichen Voraussetzungen wie bei Volljährigen. Das bedeutet, seit der Befruchtung dürfen nicht mehr als zwölf Wochen vergangen sein und die Teenager müssen sich vor einem Abbruch rechtzeitig beraten lassen. Hierbei handelt es sich um die Schwangerschaftskonfliktberatung nach §219 StGB. Die behandelnden ÄrztInnen müssen sich vergewissern, dass das Mädchen „ … die Tragweite des Eingriffs begreift und das Für und Wider verantwortlich abwägen kann“ (profamilia.de, 2015). Bei Schwangeren unter 16 Jahren ist die Zustimmung mindestens eines Elternteils Pflicht. „Wie bei allen Frauen gilt auch für Jugendliche: Gegen ihren Willen darf kein Schwangerschaftsabbruch vorgenommen werden.“ (profamilia.de, 2015). Es gilt als belegt, dass sich Mädchen mit höherer Bildung und beruflicher Perspektive eher für eine Abtreibung entscheiden, als junge Frauen mit eingeschränkten Berufs- und Lebensperspektiven (Vgl. Hünert, 2007).

Adoption

Eine humane Alternative zum Schwangerschaftsabbruch ist die Adoption. Hier wird das leibliche Kind eines Elternpaares zum rechtlichen Kind eines anderen Paares. Es entsteht ein „ … Eltern-Kind-Verhältnis ohne Rücksicht auf natürliche Abstammung“ (Brockhaus Enzyklopädie, 2006, S.91). Die Vermittlung des Kindes in eine Adoptivfamilie erfolgt durch eine Adoptionsvermittlungsstelle des zuständigen Jugendamtes.

In Deutschland bestehen verschiedene Formen der Adoption: Offene, halboffene und Inkognito-Adoption. Der Unterschied liegt darin, ob und wenn ja, wie viel Kontakt zwischen den leiblichen und den Adoptiveltern gehalten wird. Die gängigste Form ist die Inkognito-Adoption. Hier besteht keinerlei Kontakt. Bei der halboffenen Adoption besteht nur indirekter Kontakt über das Jugendamt, während bei der offenen Adoption die Möglichkeit besteht, direkt am Aufwachsen des leiblichen Kindes teilzuhaben (Vgl. Familien-Wegweiser.de, o.J.).

Auch minderjährige Eltern müssen persönlich in die Adoption ihres Kindes einwilligen. Die Einwilligung kann nicht von anderen, zum Beispiel von den Eltern, gegeben werden.

„Das Kind kann entweder direkt nach der Geburt oder zu einem späteren Zeitpunkt in eine Adoptivfamilie vermittelt werden“ (Familien.Wegweiser.de, o.J.). Die Beurkundung der Adoption vor einem Notar kann jedoch erst nach acht Wochen Bedenkzeit erfolgen. Rückgängig gemacht werden kann diese Entscheidung danach nicht mehr (Vgl. Familien-Wegweiser.de, o.J.).

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Details

Seiten
21
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668710085
ISBN (Buch)
9783668710092
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v426815
Institution / Hochschule
Fachhochschule der Diakonie GmbH
Note
1,7
Schlagworte
Schwangerschaft Teenagerschwangerschaft Schwangerschaft bei Minderjährigen
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Titel: "Wenn Kinder Kinder kriegen". Schwangerschaft bei Minderjährigen