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Über das Selbstwertgefühl bei sportlich aktiven Menschen

von Marcel von der Heide (Autor) Willy Winterfeld (Autor) Jonas Schulze (Autor)

Forschungsarbeit 2017 41 Seiten

Sport - Sportpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Hinführung zum Thema
1.2 Definition
1.3 Theoretische Grundlage

2 Methode
2.1 Testkonstruktion
2.2 Untersuchungsdurchführung
2.3 Auswertungsmethode

3 Ergebnisse
3.1 Stichprobenumfang
3.2 Itemanalyse
3.3 Faktorenanalyse
3.4 Korrelationen
3.5 t-Test für Gruppenunterschiede

4 Diskussion
4.1 Zusammenfassung der Ergebnisse
4.2 Interpretation der Ergebnisse
4.3 Bewertung der Methode
4.3.1 Kritische Bewertung
4.3.2 Hauptgütekriterien
4.3.2.1 Objektivität
4.3.2.2 Reliabilität
4.3.2.3 Validität
4.3.3 Nebengütekriterien
4.4 Ausblick und Praxisbezug

Quellenverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Screeplot

Abbildung 2: Histogramm der Gesamtskala

Abbildung 3: Histogramm der Subskala Selbstsicherheit

Abbildung 4: Histogramm der Subskala Selbstakzeptanz

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Itemanalyse

Tabelle 2 : Faktorenanalyse der Items

Tabelle 3 : Fakorenanalyse der Subskala Selbstsicherheit

Tabelle 4: Faktorenanalyse der Subskala Selbstakzeptanz

Tabelle 5: Korrelationen

Tabelle 6: Gruppenunterschied hinsichtlich des Geschlechts

Tabelle 7 : Normtabelle für Selbstsicherheit

Tabelle 8: Normtabelle für Selbstakzeptanz

Tabelle 9: Normtabelle für Selbstwertgefühl

1 Einleitung

1.1 Hinführung zum Thema

„Die Achtung vor deinem eigenen Selbst ist nächst der Religion der stärkste Damm gegen alle Laster“, postulierte bereits der englische Philosoph Sir Francis Bacon (1561-1626).

Auch Samuel Langhorne Clemens - besser bekannt unter seinem Pseudonym Mark Twain (1835-1910) war überzeugt: „Kein Mensch kann sich wohlfühlen, wenn er sich nicht selbst akzeptiert.“ Mit ihren Aussagen, über die Selbstwertschätzung und Selbstakzeptanz, erkannten diese beiden einflussreichen Persönlichkeiten schon damals zwei der fundamentalen Eigenschaften eines stabilen Selbstwertgef ü hls.

In den letzten Jahren entstanden in zunehmendem Maße neue Sichtweisen auf das Konstrukt des Selbstwertgefühls. Im deutschen Sprachraum treten bei der konkreten Begriffsdefinition jedoch vermehrt Unklarheiten auf. In der folgenden Arbeit bezieht sich der Begriff auf dessen englisches Äquivalent self-esteem, welches wörtlich mit Selbstwertschätzung und Selbstachtung zu übersetzen ist (Schütz, 2003). Um die Bedeutung dieses Begriffes detailliert verstehen zu können, ergibt es Sinn, sich zunächst mit der Geschichte des Selbstwertgefühls, und anschließend mit den Komponenten des Selbstkonzeptes zu befassen.

1.2 Definition

Der US-amerikanische Psychologe William James, der als Wegbereiter der Selbstkonzeptforschung gilt, lieferte bereits 1890 einen ersten Ansatz zur Definition des Selbstwertgefühls. Seiner Auffassung nach setzt sich das Selbstwertgefühl aus dem Verhältnis der eigenen Erfolge, in Relation zu den eigenen Ansprüchen, zusammen (James, W., 1890). William James’ Formel (self-esteem = success/pretensions) gilt heute allerdings nicht mehr als zeitgemäß, da die Beziehung zwischen den eigenen Ansprüchen und dem Erreichten nicht ausschlaggebend für das Selbstwertgefühl zu sein scheint.

Entscheidender hingegen ist, nach Rosenberg und Coopersmith, die Einstellung sich selbst gegenüber sowie das subjektive Empfinden des eigenen Wertes. (Rosenberg, M.J., 1 1965) (Coopersmith, S., 1967). Dieser Definition schließen sich die Autoren der vorliegenden Arbeit an. Sie definieren das Selbstkonzept zunächst als die individuelle Beurteilung der eigenen Person bzw. die subjektive Vorstellung über die eigene Person. (Wells, L.E., & Marwell, G., 1976). Infolgedessen beruht das individuelle Selbstwertgefühl eines Menschen auf der subjektiven Bewertung dieses Selbstkonzeptes. (Wylie, R. C., 1974).

Aufgrund der Annahme, dass das Selbstwertgefühl auf der Bewertung des Selbstkonzeptes basiert, stellt sich die Frage, wie sich das Selbstkonzept eines Menschen zusammensetzt, beziehungsweise auf welcher Grundlage dessen Wert definiert wird. Der Psychologe und Psychotherapeut Carl Rogers geht davon aus, dass Menschen sozial konstruierte Wesen sind und somit das Bedürfnis nach positiver Wertschätzung durch ihre Mitmenschen haben (Rogers, 1959). Andere Studien greifen diesen Gedanken auf und betonen die Wichtigkeit sozialer Faktoren, wie beispielsweise Beliebtheit, soziale Integration und soziale Kompetenz, bei der Entwicklung des Selbstwertgefühls (Kanning, 2000).

Eine weitere wichtige Komponente für ein gesundes Selbstkonzept scheint die bedingungslose positive Wertsch ä tzung der eigenen Person zu sein. Wertschätzung bedeutet hierbei so viel wie Akzeptieren und Schätzen (Rogers, 1951).

1.3 Theoretische Grundlage

Der Zusammenhang zwischen dem Selbstwertgefühl und Sport wird deutlich, wenn man bedenkt, dass das äußere Erscheinungsbild, welches durch Sport in erheblichem Maße beeinflussbar ist, häufig der Indikator für den vorhandenen Selbstwert einer Person ist (Harter, 1993). Menschen, die mit ihrem eigenen Körper nicht zufrieden sind, leiden vermehrt unter einem mangelnden Selbstwertgefühl und haben ein negatives Selbstbild (Folk et. al., 1993). Ein negatives Körperbild gilt häufig als Ursache psychischer Erkrankungen und kann auch zu Depressionen führen (McCabe, 1993).

Brown und Lawton eruieren, dass Sport als Mittel zur Erhöhung des körperlichen Wohlbefindens dient und somit zur physischen und psychischen Gesundheit beiträgt, indem er zum Beispiel Stress reduziert (Brown, 1986). Stoll, Pfeffer und Alfermann befürworten in ihrem Lehrbuch der Sportpsychologie, diese Annahme ebenfalls. Ihrer Ansicht nach hat aktive körperliche Betätigung einen positiven Einfluss auf psychologische Konstrukte des Menschen.

Auch eine Vielzahl weiterer wissenschaftlicher Studien belegen, dass sich Sport nicht nur auf die physische, sondern auch auf die psychische Gesundheit positiv auswirkt und somit zur Verbesserung der Lebensqualität beiträgt (Stoll et.al., 2010). Das stetig ansteigende Gesundheitsbewusstsein unserer Gesellschaft führt zu einer wachsenden Nachfrage nach Möglichkeiten körperlich aktiv werden zu können. Ein hohes psychisches und physisches Wohlbefinden geht, wissenschaftlich fundierten Studien zu Folge, ebenfalls mit einem hohen Grad an Selbstwirksamkeit einher (Luszczynska, Guitérrez-Dona & Schwarzer, 2005). Diese geht auf den kanadischen Psychologen Albert Bandura zurück. Er bezeichnet Selbstwirksamkeit als die subjektive Überzeugung einer Person, schwierige Aufgaben und Probleme mithilfe eigener vorhandener Fähigkeiten lösen zu können (Bandura, 1977). Die Selbstwirksamkeit spielt eine entscheidende Rolle für den Beginn und die kontinuierliche Weiterführung einer sportlichen Aktivität und steht deshalb häufig unmittelbar mit einer solchen in Zusammenhang (Bandura, 1998).

Das Körperbild wird in der vorliegenden Arbeit, basierend auf dem Dresdner Körperbildfragebogen, mitsamt den Facetten (1) Vitalit ä t, (2) K ö rperakzeptanz und (3) K ö rpernarzissmus erfasst. Es beschreibt damit die Einstellung eines Menschen zu seinem eigenen Körper (Pöhlmann K. et al., 2008). Eine weitere Dimension, welche das Selbstwertgefühl in dieser Studie umfasst, ist die Selbstwirksamkeit. Hierbei wurde eine Subkomponente des FERUS Fragebogen, zur Erfassung von Ressourcen und Selbstmanagementfähigkeiten von Jack (2007), eingesetzt. Diese Subkomponente misst den Optimismus hinsichtlich der Kompetenzerwartung, welcher dabei das Vertrauen in eigene Kompetenzen, durch das Meistern schwieriger Lagen beschreibt (Schwarzer & Jerusalem, 1999).

Als Konsequenz aus den genannten Aspekten, ergaben sich für den eigens erstellten Fragebogen (SBSAM) folgende Subfacetten: (1) Selbstakzeptanz, (2) Selbstsicherheit und (3) Verunsicherung durch sozialen Vergleich. Diese fragten jeweils Bereiche der Kognition, Emotion und des Verhaltens ab. Der Fragebogen befindet sich im Anhang.

Im folgenden Kapitel wird auf die Generierung der erstellten Fragen sowie die Beschreibung der gewählten Testkonstruktions- und Validierungsstrategie eingegangen. Im dritten Kapitel werden die erzielten Ergebnisse schließlich vorgestellt und analysiert. Das letzte Kapitel diskutiert die Methodik und beinhaltet eine kritische Bewertung der Vorgehensweise und der Ergebnisse. Abschließend wird ein Blick in die Zukunft geworfen und auf den möglichen weiteren Forschungsbedarf eingegangen.

2 Methode

2.1 Testkonstruktion

Zur Erfassung des Selbstwertgefühls wurde ein eigens angefertigter Fragebogen „Selbstwertgefühl bei sportlich-aktiven Menschen“ (SBSAM) genutzt. Die Grundlage für diesen Fragebogen bildete primär die Literaturquelle „Psychologie des Selbstwertgefühls“ (Schütz A., 2003), welche erstmals eine umfassende Gesamtdarstellung des Forschungsstandes zu diesem Thema lieferte. Carl Rogers` Ansatz zur bedingungslosen positiven Wertschätzung lieferte außerdem ein weiteres breites Spektrum an Informationen, welches die Autoren zur Generierung ihrer Subfacetten in den Fragebogen integrieren konnten.

Zur Validierung wurden der „Dresdner Körperbildfragebogen“ sowie der „Selbstwirksamkeitsfragebogen“ genutzt. Das Konstrukt wurde, zur genaueren Erfassung, zunächst in folgende drei Subfacetten unterteilt: (1) Selbstsicherheit, (2) Selbstakzeptanz und (3) Verunsicherung durch sozialen Vergleich.

Auf Basis dieser Unterteilung wurden 6 Items, welche jeweils mindestens eine emotionale, eine kognitive und eine Verhaltensfacette abdecken, formuliert. Hierdurch ergab sich für den Fragebogen eine Gesamtanzahl von 18 Items. Diese Items wurden, in Form von Aussagen über die eigene Person, präsentiert. Die fünf-stufige Likert-Skala hierfür reichte von trifft nicht zu bis trifft v ö llig zu. Aufgabe der Versuchsteilnehmer war es nun anzugeben, in welchem Ausmaß die Aussagen im Augenblick auf sie zutreffen. Zusätzlich wurden Fragen zu Geschlecht und Alter der Teilnehmer erhoben, um gegebenenfalls Korrelationen zwischen Selbstwertgefühl, Alter und Geschlecht feststellen zu können. Darüber hinaus wurde ein standardisierter Instruktionstext gestellt, um mögliche Störvariablen, wie beispielsweise den Versuchsleitereffekt, ausschließen zu können.

2.2 Untersuchungsdurchführung

Die Erhebung beschränkte sich auf den Zeitraum vom 21.11.2016 bis zum 28.11.2016. Um für eine höhere Reliabilität zu sorgen, wurden die Daten ausschließlich im Asporta Fitness & Health Club Heidelberg-Rohrbach erhoben. Um etwaige Versuchsleitereffekte auszuschließen wurden die Mitglieder, mittels eines Aushangs an der Empfangstheke des besagten Fitnessstudios, darum gebeten an der freiwilligen Studie teilzunehmen.

Zu Beginn wurden die Teilnehmer in einem standardisierten Einleitungstext explizit darauf hingewiesen, dass es keine richtigen oder falschen Antworten gäbe und einzig die persönliche Einschätzung von Interesse sei. Die Beantwortung eines Fragebogens nahm circa 10 Minuten in Anspruch. Abschließend wurde sich bei den Versuchspersonen, für die Teilnahme an der Untersuchung, bedankt. Auf der Schlussseite erfolgte eine Aufklärung über den eigentlichen Sinn des Fragebogens, sprich die Erfassung des Selbstwertgefühls bei sportlich-aktiven Menschen. Die anonym ausgefüllten Fragebögen konnten anschließend in eine nicht einsehbare Box geworfen werden um mögliche Störvariablen, wie beispielsweise soziale Erwünschtheit, zu verringern. Insgesamt nahmen 100 Probanden an dieser Studie teil.

2.3 Auswertungsmethode

Die Auswertung des Datensatzes erfolgte durch das renommierte Statistikprogramm SPSS der Firma IBM. Die Daten wurden manuell in SPSS eingefügt. Mit Hilfe des Programms konnten zunächst deskriptive Kennzahlen der Items erfasst werden. Verneinte Items wurden zuvor bereits umgepolt. Es folgte eine Item-Analyse, in welcher alle ItemMittelwerte, die Item-Streuung, die Item-Schwierigkeiten und die korrigierten ItemTrennschärfen erfasst wurden, sowie eine Faktorenanalyse, um zu überprüfen, ob die erstellten Faktoren logisch gewählt wurden.

3 Ergebnisse

3.1 Stichprobenumfang

Die Stichprobe umfasste N = 100 Mitglieder des „Asporta Fitness & Health Club“ Heidelberg-Rohrbach. Insgesamt nahmen 47 weibliche (47%) und 53 männliche (53%) Probanden an der Untersuchung teil. Die Teilnahme erfolgte auf freiwilliger Basis. Das Alter der Probanden lag zwischen 18 und 75 Jahren, das Durchschnittsalter bei M = 34.18 (SD = 15.85 ).

3.2 Itemanalyse

Die Itemanalyse erfolgte mithilfe einer Reliabilitätsanalyse über Cronbachs-Alpha. Die 18 Items ergaben anfangs eine Trennschärfe von .797. Um die interne Konsistenz zu erhöhen wurde das Item 12 „Ich genieße es, wenn ich beobachtet werde“ gestrichen, da die Trennschärfe von .039 das Kriterium von mindestens 0.2 nicht erfüllt hat und somit nicht ausreichend war. Infolgedessen ergab sich nachfolgend tabellarisch ein Cronbachs-Alpha von .81.

Tabelle 1: Itemanalyse

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.3 Faktorenanalyse

Anschließend wurde eine Faktorenanalyse mit den zuvor festgelegten drei Faktoren durchgeführt. Die Hauptkomponentenanalyse zeigte jedoch Faktorladungen, die nicht eindeutig zuzuordnen waren, woraufhin jene Items entfernt wurden. Infolgedessen wurde eine Analyse mit zwei Faktoren durchgeführt. Die grafische Analyse mittels Screeplot bestätigt diese Durchführung (siehe Abbildung 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Screeplot der Faktorenanalyse über alle Items

Im darauffolgenden Schritt wurden die Items, entsprechend ihrer Korrelation mit den Faktoren verteilt, wobei das Item 5 „Um zufrieden zu sein, muss ich zuerst einmal meine Ziele erreichen“ keine Zuordnung erhielt, da es eine zu geringe Faktorladung besaß (siehe Tabelle 2). Der erste Faktor „Selbstsicherheit“ enthält 9 Items (α = .764) (Tabelle 3). Der zweite Faktor „Selbstakzeptanz“ enthält 7 Items (α = .736) (Tabelle 4). Im Anhang befinden sich die deskriptiven Ergebnisse der jeweiligen Faktoren. Die Item-Zuordnungen variierten aufgrund der Korrelationen mit anderen Faktoren.

Tabelle 2: Faktorenanalyse aller Items

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Details

Seiten
41
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668708273
ISBN (Buch)
9783668708280
Dateigröße
649 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v426806
Institution / Hochschule
SRH Fachhochschule Heidelberg
Note
1,0
Schlagworte
Selbstwertgefühl Sport Fragebogen Selbstwirksamkeit Selbstachtung Sportpsychologie

Autoren

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Titel: Über das Selbstwertgefühl bei sportlich aktiven Menschen