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Der informelle Wirtschaftssektor. Die Bedeutung für die Armutsbekämpfung

von Talha Tunc (Autor) Robin Figura (Autor)

Hausarbeit (Hauptseminar) 2016 19 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen der Armut und des informellen Sektors
2.1 Der informelle Sektor in der Praxis
2.1.1 Struktur und rechtliche Rahmenbedingungen
2.1.2 Entstehungs- und Wachstumsgrunde
2.2 Definition von Armut
2.3 Armutszustande in Indien

3. Analyse der gesammelten Daten
3.1 Tragt der informelle Sektor zur Armutsbekampfung bei?
3.2 Verursacht der informelle Sektor Armut?

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Verteilung der Erwerbstatigen auf die Wirtschaftssektoren

Abb. 2: GDP per capita - India

1. Einleitung

Der informelle Wirtschaftssektor in Indien und seine Bedeutung fur die Armutsbe- kampfung.

Aus welchen theoretisch- und praktischen Grundlagen besteht der informelle Wirt­schaftssektor und welcher Zusammenhang besteht zum Armutsproblem Indiens? 1st der informelle Wirtschaftssektor eine Methode zur Bekampfung der Armut, oder ist er vielmehr ein Grund fur seine Forderung bzw. fur sein Wachstum? Dies ist die zentra- le Fragestellung mit der sich diese Hausarbeit befasst. Das wirtschaftliche Wachstum in Indien ist nicht nur gepragt von beeindruckenden Wirtschaftswachstumsraten, zu- nehmenden Investitionen und einem ansteigendem Handelsaufkommen, in der Rea- litat ist das wirtschaftliche Wachstum verbunden mit vielen Nachteilen.7 Schwerwie- gende Defizite im Bereich der Infrastrukturentwicklung, der drohenden Energiever- sorgungskrise, eine extrem schwerfallige Burokratie sowie auftenwirtschaftliche Ab- hangigkeiten gefahrden das indische Wirtschaftswachstum.7 Ein moglicher Haupt- grund fur diese Nachteile konnte der grofte informelle Sektor, in dem ein Groftteil der indischen Bevolkerung beschaftigt ist, sein. Denn auch wenn der informelle Sektor uber 90% der indischen Bevolkerung beschaftigt, tragt dieser Sektor nur etwa 20% zum Bruttoinlandsprodukt bei.7 Denn Fakt ist, dass die weltweit groftte Konzentration von absolut Armen (siehe Kapitel 2.2.1) sich im informellen Sektor befinden.7 Im informellen Sektor beschaftigt zu sein bedeutet auch, in einem Sektor beschaftigt zu sein welcher extremste Mangel bei der Wasser- und Stromversorgung, der sozialen Absicherung und bei geregelten Beschaftigungsverhaltnissen aufweist.7

Angesichts dieser negativen Tatsachen und gleichzeitig dem extrem hohen Beschaf- tigungsanteil im informellen Wirtschaftssektor, ist es schwierig eine eindeutige Ant- wort auf die Forschungsfrage zu finden. Denn auch wenn die Beschaftigungsverhalt- nisse im informellen Sektor vergleichbar schlecht sind, sind etwa 90% der Beschaf- tigten indischen Bevolkerung, im informellen Bereich tatig.8 Dieser Sektor bietet demnach extrem vielen Menschen ein Einkommen und somit eine Existenzgrundla- ge. Im zweiten Kapitel dieser Hausarbeit werden definitorische Grundlagen erklart um den Leser mit dem notigen Fachwissen vertraut zu machen.

Das dritte Kapitel dient zur Analyse und Auswertung, sodass zum Schluss die zentra- le Fragestellung beantwortet und ein Fazit gezogen werden kann.

2. Theoretische Grundlagen der Armut und des in- formellen Sektors

Um die Begrifflichkeit des informellen Wirtschaftssektors genauer ausfuhren zu kon- nen, dient das folgende Kapitel zur Einfuhrung und definitorischen Erlauterung. Da- bei sollen Aspekte wie politische Rahmenbedingungen und auch die Struktur des informellen Sektors, innerhalb Indiens, beschrieben werden. Denn vor allem in Ent­wicklungslandern wie Indien, wachst der informelle Sektor sehr stark. Fast die Halfte der in den Entwicklungslandern erwerbstatigen Menschen, sind in kleineren Mehr- Personen-Unternehmen oder als Selbstbeschaftigte, abseits staatlicher Einrichtun- gen, beschaftigt (informeller Wirtschaftssektor).8 Ein Hauptfaktor fur die Ausdehnung und Entstehung des informellen Wirtschaftssektors ist die Armut und der technologi- sche Ruckstand von Entwicklungslandern. Daher mussen auch die Zusammenhange der Armut in Indien und die daraus resultierende wachsende Beschaftigung, im in­formellen Wirtschaftssektor, erlautert werden. Hinzukommt dass die Bewaltigung der Probleme, die aus der Kombination der steigenden Bevolkerung und der Massenar- beitslosigkeit resultieren, die Hilfe der Industrienationen erfordert.1 Da die Unterstut- zung der Industrielander aber nicht ausreichend ist um die wirtschaftlichen Probleme der Entwicklungslander einzugrenzen, befinden sich etwa 90% der Beschaftigten Inder im informellen Wirtschaftsbereich.2 Denn dieser bietet oft die einzige Arbeits- moglichkeit fur die Mehrheit der indischen Bevolkerung.3

2.1 Der informelle Sektor in der Praxis

Zunachst ist zu sagen, dass es keine eindeutige Definition des informellen Sektors gibt.4 Der informelle Sektor ist ein Begriff der alle Aktivitaten umfasst, welche aufter- halb der staatlichen Kontrolle liegen.4 Dies bedeutet auch, dass die Arbeitsplatze dieses Sektors uber keinen staatlichen Schutz verfugen, oder uber eine staatliche Unterstutzung.4 Kleinraumige und Selbststandige Aktivitaten, mit einem in der Regel niedrigen Niveau von Organisation und Technik, sind Bestandteil des informellen Sektors. In der Praxis ist das vorrangige Ziel eine Beschaftigung und ein Einkommen fur die „Angestellten“ zu generieren. Dabei gilt, dass die Grenzen zwischen dem in­formellen- und dem formellen Sektor oft sehr flieftend sind.6 D.h. also dass in der Praxis auch informell Beschaftigte in einem formellen- und staatlich kontrollierten Ar- beitsumfeld beschaftigt sein konnen. Denn gerade durch die Liberalisierung der Wirt- schaft Indiens hat die Verflechtung beider Wirtschaftssektoren noch zugenommen.6 Ein Paradebeispiel ist der stark prasente „chaiwallah“ (Teejunge) welcher selbst eine informelle Tatigkeit ausubt, aber fortwahrend im formellen Arbeitsumfeld tatig ist.6 Der informelle Sektor umfasst weitestgehend Beschaftigungen welche nur ein gerin- ges Maft an Anerkennung haben und charakterisiert sich auch, durch folgende Ei- genschaften:1

- Die Arbeiter im informellen Sektor erlangen Ihre Kenntnisse bei der Arbeit und nicht durch Schulungen oder Seminaren.
- Der Ein- und Ausstieg ist leichter als der im formellen Sektor (einfache Erset- zung und Beschaffung von Arbeitskraften).
- Nur geringer Kapitalbedarf.
- Nur geringe Kenntnisse sind fur die meist arbeitskrafteintensiven Arbeiten er- forderlich.
- Normalerweise werden im informellen Sektor weniger als 10 Arbeiter (meis- tens Familienangehorige) beschaftigt.
- Der informelle Sektor ist heterogen, d.h. dass die Hauptaktivitaten welche aus Einzelhandel, Transport, Reparatur und Instandhaltung, Bauwesen, Personal-, Dienstbotentatigkeiten und Fabrikation bestehen, sind ungleichartig zusam- mengesetzt.
- Die Beziehung zwischen Unternehmer und Mitarbeiter ist ungeschrieben und informell, sodass nur wenig oder gar keine gewerblichen Zusammenhange und Arbeitsrechte berucksichtigt werden.
- Der informelle Sektor arbeitet vermehrt in Verbindung mit dem Formellen Sek- tor sodass, dieser mehr und mehr in die globale Wirtschaft integriert wird.
- Verwendung einfacher Techniken und Technologien.
- Verarbeitung meist einheimischer Rohstoffe.

In der Praxis beschreibt der informelle Sektor also einen Querschnitt aus den drei klassischen Wirtschaftssektoren (Landwirtschafts, Industrie, Dienstleistungen).7 Vor allem aber die indische Landwirtschaft, in der ein Groftteil der informell Beschaftigten tatig ist, dient oft als Auffangbecken fur frei gewordene Arbeitskrafte.8 Die folgende Darstellung zeigt den prozentualen Beschaftigungsanteil in der indischen Landwirt­schaft, wobei zu erkennen ist, dass die Landwirtschaft im Verlauf der Zeit immer mehr an Beschaftigungsanteilen verliert und die Bereiche Dienstleistung und Indust­rie immer starker werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung nach Daten der Weltbank

Grund dafur sind sowohl Push-Faktoren im landlichen Raum, als auch Pull-Faktoren des urbanisierten, informellen Sektors. Push-Faktoren, welche die Bevolkerung aus den landlichen Raum drangen, sind unteranderem Faktoren wie:13

- Arbeitslosigkeit
- Hungersnot
- Krieg
- Diskriminierung
- okologische Grunde (Naturkatastrophen)

Pull-Faktoren, welche Bevolkerung aus den landlichen Raum in den urbanisierten Raum „ziehen“ sind beispielsweise:13

- genugend Nahrungsmittel
- viele Arbeitsangebote (soziookonomische Grunde)
- Gleichberechtigung/Frieden (politische Grunde)
- bessere klimatische Bedingungen (okologische Grunde)

2.1.1 Struktur und rechtliche Rahmenbedingungen

Schwerpunkte der informellen Wirtschaftsstruktur sind Tatigkeiten in den Bereichen Dienstleistung, Handel und Transport. Hinzukommt auch der grofte Bereich des eher ruckstandigen traditionellen Handwerks und der des innovativen Handwerks von Kleinbetrieben.5 Auf Erfahrungen und Tatsachen basierendem Wissen, bezuglich des informellen Sektors, lasst sich dieser erganzend in drei geordnete Teilsektoren gliedern:5

- Der household-based subsector. Dies sind Unternehmensformen welche durch einen Haushalt und einer Familie gepragt sind (Familienunternehmen). Hier werden also uberwiegend unbezahlte Familienmitglieder beschaftigt, wo- bei Regeln und Struktur der Arbeit aus der jeweiligen Kultur gepragt ist.

[...]


7 Vgl. DGB Bildungswerk (Andreas Merx): Strukturen, soziale Sicherung, Beschaftigungsschutz und Ansatze gewerkschaftlicher Arbeit im informellen Sektor in Indien, S.6f.

8 Vgl. DGB BILDUNGSWERK (2007), S.16

1 Vgl. Escher, Anton: Der informelle Sektor in der dritten Welt, Pladoyer fur eine kritische Sicht, (1999), S.658

2 Vgl. Weltbank, India’s Employment Challenge (2006), S.47

3 Vgl. Escher, (1999), S.659

8 Vgl. DGB Bildungswerk (Andreas Merx): Strukturen, soziale Sicherung, Beschaftigungsschutz und Ansatze gewerkschaftlicher Arbeit im informellen Sektor in Indien, (2007), S.16

6 Vgl. DGB BILDUNGSWERK (2007), S.13

4 Vgl. Weltbank, India’s Employment Challenge (2006), S.46f.

1 Vgl. Escher, (1999), S.658

7 Vgl. DGB BILDUNGSWERK (2007), S.6f.

8 Vgl. DGB BILDUNGSWERK (2007), S.16

5 Vgl. Escher, (1999), S.660

13 Vgl. Weltbank, India’s Employment Challenge (2006), S.30

Details

Seiten
19
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668710207
ISBN (Buch)
9783668710214
Dateigröße
680 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v426692
Institution / Hochschule
Hochschule Ruhr West
Note
2.6
Schlagworte
Länderanalyse Indien BRIC Emerging Markets informeller Sektor Armutsbekämpfung

Autoren

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