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Die Finanzierung von Fußballvereinen im europäischen Vergleich

Eine empirische Analyse

Bachelorarbeit 2017 43 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Innenfinanzierung von Fußballvereinen
2.1 Selbstfinanzierung
2.1.1 Einnahmen aus Spielbetrieb
2.1.2 Einnahmen aus Vermarktung von Medienrechten
2.1.3 Einnahmen aus Sponsoring
2.1.4 Einnahmen aus Merchandising
2.2 Finanzierung durch Kapitalfreisetzung
2.2.1 Vermögensumschichtung

3 Außenfinanzierung von Fußballvereinen
3.1 Aufnahme von Fremdkapital
3.1.1 Bankdarlehen
3.1.2 Anleihen
3.2 Kreditsurrogate und Mezzanine
3.2.1 Sale-and-Lease-back
3.2.2 Asset Backed Securities
3.3 Aufnahme von Eigenkapital
3.3.1 Finanzinvestoren und strategische Partner
3.3.2 Börsengang

4 Finanzierungsmodelle und aktuelle Marktübersicht

4.1 Finanzierungsmodelle in England
4.1.1 Überblick aktuelle Marktsituation
4.1.2 Beispiel Manchester United Football Club
4.2 Finanzierungsmodelle in Deutschland
4.2.1 Überblick aktuelle Marktsituation
4.2.2 Beispiel Borussia Dortmund

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Internetquellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Funktionsweise einer Schechter Anleihe

Abbildung 2: Umsatzentwicklung der europäischen Top-Ligen

Abbildung 3: Nationale TV-Einnahmen der europäischen Top-Ligen

Abbildung 4: Verteilung der TV-Einnahmen in der englischen Premier League

Abbildung 5: Inhaber Britischer Fußballvereine

Abbildung 6: Verlauf und Herkunft des Gesamtumsatzes von Manchester United

Abbildung 7: Ausrüsterverträge in Europa

Abbildung 8: Verteilungsschlüssel TV-Gelder Bundesliga

Abbildung 9: Übersicht der ausgegebenen Fan-Anleihen in Deutschland

Abbildung 10: Historischer Aktienkurs von Borussia Dortmund

Abbildung 11: Zusammensetzung des Umsatzes von Borussia Dortmund in der Saison 2015/2016

1 Einleitung

„Teuerster Transfer aller Zeiten - Neymar bringt den Fußball in neue Galaxien.“[1]

Mit dem Transfer des brasilianischen Superstars zu Paris St. Germain wurde jüngst eine neuer Rekord im internationalen Profifußball in Sachen Ablösesummen und Geh­älter für Fußballspieler durchbrochen.[2] Nur ein Jahr zuvor war es noch Paul Pogba gewesen, der für 105 Mio. Euro von Juventus Turin zu seinem früheren Club Manches­ter United wechselte und als teuerster Vereinstransfer aller Zeiten galt.[3] Die Ablöse­summen, die europäische Top-Vereine für neue Spieler investieren, steigen kontinuier­lich, wodurch mittlerweile für einen 16-Jährigen Fußballer, welcher erst ein Profifuß­ballspiel in seiner Laufbahn absolviert hat, insgesamt 61 Mio. Euro bezahlt werden.[4] Diese hohen Investitionen lassen in Europa viele Fragen aufkommen. Wie finanziert ein Fußballverein einen solchen Transfer und woher kommen die liquiden Mittel? Kann sich ein Fußballverein aus eigener Kraft finanzieren oder sind stets Investoren daran beteiligt?

Zur Beantwortung dieser Fragen werden im zweiten und dritten Kapitel zunächst die in der Praxis genutzten Finanzierungsmöglichkeiten der Fußballvereine beschrieben. Diese orientieren sich an der Pecking Order Theory, wonach die Finanzierungsinstru­mente eines Unternehmens gemäß der Reihenfolge des geringsten Aufwands bzw. Wi­derstands in Betracht gezogen werden sollen.[5] Zu Beginn wird gezeigt, wie sich ein Verein selbständig finanzieren kann. Danach werden die Möglichkeiten der Außenfi­nanzierung durch die Aufnahme von Fremdkapital, durch Verwendung von Kreditsur­rogaten und Mezzaninen sowie durch die Aufnahme von Eigenkapital beschrieben. Das vierte Kapitel gibt anschließend einen Überblick über die aktuelle Marksituation der englischen Premier League und der deutschen Fußball Bundesliga, vergleicht diese mit anderen europäischen Ligen und verdeutlicht die Anwendung der Finanzierungsinstru­mente in der Praxis durch jeweils ein Beispiel aus den entsprechenden Ligen. Abschlie­ßend fasst das fünfte Kapitel die Ergebnisse nochmals zusammen und gibt einen Aus­blick auf eine mögliche zukünftige Situation der Finanzierung von Fußballvereinen.

Aufgrund der unterschiedlichen Ausgestaltungen der Rechtsform wird daher unabhän­gig dieser ausschließlich der Begriff „Fußballverein“ als Oberbegriff für lizenzierte Vereine und Kapitalgesellschaften verwendet. Des Weiteren wurden zur Vereinfa­chung alle Fremdwährungen anhand des durchschnittlichen Euro-Referenzkurses der Europäischen Zentralbank aus den Jahren 2015 und 2016 in Euro umgerechnet.[6]

2 Innenfinanzierung von Fußballvereinen

2.1 Selbstfinanzierung

2.1.1 Einnahmen aus Spielbetrieb

Einnahmen, die ein Verein direkt am Spieltag erzielen kann, sind Bestandteil der Selbstfinanzierung. Sie können ein wichtiger Faktor in der Finanzierung aus Umsatz­erlösen sein, da sie bei vielen Vereinen je nach Geschäftsjahr 20 Prozent und mehr des Gesamtumsatzes betragen.[7] Während der Saison tragen die Vereine meist im 14-Tage- Rhythmus Heimspiele im eigenen Stadion aus, wodurch der Verein in der Lage ist, Stadioneinnahmen zu erzielen, z.B. durch den Verkauf von Eintrittskarten. Je nach Land, Liga und Verein können diese Einnahmen höher oder geringer ausfallen, da sie stark von der Kapazität und der Attraktivität des Stadions, der Leistung und dem Erfolg der Fußballmannschaft in den einzelnen Wettbewerben sowie der Attraktivität des Gegners und der eigenen Mannschaft abhängig sind.[8] Durch diese Einflussfaktoren auf den Spielbetrieb kann es im Laufe der Saison häufig zu einer geringeren Auslastung des Stadions kommen. Der Verein kann diesen Schwankungen jedoch z.B. durch den Verkauf von Dauerkarten oder durch eine variable Preisstruktur für Tageskarten ent­gegenwirken, um den Besuch der eigenen Spiele attraktiver zu machen und die Stadi­onauslastung zu optimieren.[9] Beim Verkauf von Dauerkarten ist jedoch zu beachten, dass der Verein nur eine begrenzte Anzahl verkaufen sollte, um nicht zu viel Umsatz­potenzial zu verlieren, da diese Tickets günstiger sind als Tageskarten.[10] Der Vorteil des Verkaufs der Dauerkarten liegt hingegen darin, dass der Verein einen Teil der Ein­nahmen schon im Voraus erhält. Damit die Ticketnachfrage steigt, kann der Verein auch versuchen, die Spiel- und Stadionqualität zu verbessern.[11] Neben dem Verkauf von Eintrittskarten stellen Einnahmen aus dem Catering bzw. der Bewirtung der Besu­cher eine weitere Einnahmequelle aus dem Spielbetrieb dar. Insgesamt lässt sich fest­halten, dass die Auslastung des Stadions über die gesamte Saison möglichst hoch ge­halten werden sollte sowie gleichzeitig die Einnahmen aus dem Catering bzw. der Be­wirtung maximiert werden sollten, um möglichst hohe Einnahmen aus dem Spielbe­trieb zu generieren.

2.1.2 Einnahmen aus Vermarktung von Medienrechten

Eine weitere für Fußballvereine der europäischen Top-Ligen immer interessanter wer­dende Einnahmequelle ist die Vermarktung von Medienrechten. Sie gehört neben den Einnahmen aus Sponsoring und Werbung zu den größten Einnahmequellen der meisten Fußballvereine.[12] Bei diesen handelt es sich um Einnahmen, die durch den Verkauf von Übertragungsrechten (Free-TV, Pay-TV und Pay-per-View) für die Fußballspiele des Vereins in den nationalen und internationalen Wettbewerben erzielt werden.[13] Je er­folgreicher und populärer ein Verein ist und je mehr Menschen die Spiele eines be­stimmten Vereins über die einzelnen Plattformen schauen, desto mehr Einnahmen kann er durch diese Einnahmequelle erzielen.[14] Des Weiteren ist es für einen Fußballverein möglich, Einnahmen aus der Vermarktung weiterer Medienrechte, wie z.B. die der Nutzung von Online-Diensten, des Rundfunks oder weiterer Bild- und Tonträger, zu generieren.[15] Je besser die Tabellenposition am Ende der Saison, desto mehr Geld er­hält ein Verein.[16] Insgesamt lässt sich somit festhalten, dass dieses Instrument der Selbstfinanzierung stark erfolgsabhängig ist und sich somit in erster Linie nur durch die Leistung der Mannschaft beeinflussen lässt. Da jedoch die Leistung einer Mann­schaft über den gesamten Verlauf der Saison nur schwer vorherzusagen ist, sind auch die zu erwartenden Einnahmen je nach Liga im Voraus meist schwer zu ermitteln.

2.1.3 Einnahmen aus Sponsoring

Die Einnahmen aus Sponsoring generieren mittlerweile einen großen, zum Teil sogar den größten, Teil des Umsatzes eines Fußballvereins.[17] Bei einem Sponsor handelt es sich um ein Unternehmen, welches Personen, Gruppen oder Organisationen (in diesem Fall im sportlichen Bereich) durch die Bereitstellung von Geld, Dienstleistungen o.ä. fördert, um eigene unternehmensbezogene Ziele der Kommunikation und der Werbung zu erreichen.[18] Nach Dworak lassen sich die Sponsoren in Hauptsponsoren, Ausrüster und Co-Sponsoren unterteilen.[19] Durch die steigende Popularität der Fußballvereine werden diese immer mehr zu eigenen Marken und somit auch stetig attraktiver für re­gionale und überregionale Unternehmen, die mit dem Verein werben möchten.[20] Das Interesse der möglichen Sponsoren und die damit verbundene Einnahmequelle sind ebenfalls mit dem sportlichen Erfolg und der Attraktivität des Vereins verknüpft und von diesem stark abhängig.[21] Der Verein kann in diesem Bereich Einnahmen durch z.B. Ausrüsterverträge oder Bandenwerbung erzielen. Der größte Anteil dieser Einnah­men fällt auf die Trikotwerbung zurück, welcher meist durch den Hauptsponsor zu­stande kommt.[22] Demnach ist der Hauptsponsor häufig der Sponsor, durch den die höchsten Einnahmen für den Fußballverein erzielt werden und der spezielle Vorteile gegenüber den anderen regionalen oder überregionalen sog. Co-Sponsoren genießt, wie z.B. eine freie Wahl bei der Platzierung der Werbung.[23] Co-Sponsoren hingegen haben meist nur kleine Werbepräsenzen und auf sie zugeschnittene Sponsorenverträge.[24] Die Verträge mit den einzelnen Partnern haben i.d.R. erfolgsabhängige Komponenten oder Prämien für das Erreichen einer bestimmten vertraglich festgehaltenen Vorgabe.[25] Ebenfalls essentiell für das Zustandekommen solcher Partnerschaften sind auch die Leistungen an die Sponsoren und Werbepartner und deren damit verbundener Nutzen einer solchen Zusammenarbeit. Leistungen können z.B. Hospitality-Maßnahmen, spe­zielle Stände und Veranstaltungen, Betreuung von VIP‘s oder spezielle andere Rechte bei der Platzierung von Werbung umfassen.[26] Der Verein kann somit durch bestimmte Leistungen an die Partner die Einnahmen in diesem Segment erhöhen. Je erfolgreicher und bekannter der Verein ist, desto besser ist die Verhandlungsposition des Vereins und desto besser können die Vertragsmodalitäten für den Verein und somit auch die generierten Einnahmen aus dem Sponsoring und der Werbung gestaltet werden.

2.1.4 Einnahmen aus Merchandising

Mit einem Anteil von weniger als 10 Prozent in den vergangenen Jahren stellen die Einnahmen aus dem Merchandising den geringsten Teil des Gesamtumsatzes eines Fußballvereins dar.[27] Dennoch sollte diese Möglichkeit der Selbstfinanzierung nicht unberücksichtigt bleiben, denn gerade für Vereine mit einer großen Fan-Gemeinde o­der für international bekannte und beliebte Vereine, wie z.B. der FC Bayern München oder Real Madrid, ist diese Einnahmequelle von großer Bedeutung.[28] Durch den Ver­kauf von Artikeln mit dem Vereinslogo und den Vereinsfarben wie z.B. T-Shirts, Tas­sen, Kreditkarten, Schokolade oder Weihnachtsdekoration kann ein Fußballverein zu­sätzlich zum Trikotverkauf Einnahmen generieren. Sollte der Verein die Vermarktung nicht selbst übernehmen wollen, kann er sog. Lizenzkooperationen mit speziellen Un­ternehmen eingehen, welche sich dann um die Herstellung und den Vertrieb (national und international) der Produkte kümmern. Hierbei handelt es sich um das sog. Li- censing.[29] Das Unternehmen, welches die Produkte produzieren möchte, erwirbt z.B. die Rechte an der Nutzung des Logos, des gesamtem Vereinsnamens oder der Vereins­farben. Der Verein erhält als Gegenleistung eine Lizenzgebühr dafür, dass er die Rechte an das Unternehmen für den vertraglich festgehaltenen Zweck bzw. die Produkte ab­gibt. Meist erhält der Verein eine Garantiesumme pro Jahr sowie einen gewissen Pro­zentsatz des Netto-Umsatzes, welcher durch den Verkauf der Produkte erzielt wurde. Die Garantiesumme wird mit der Lizenzgebühr verrechnet und wird somit vom Verein einbehalten, falls das Unternehmen weniger als die Lizenzgebühr erwirtschaftet.[30] Der Verein kann sich somit sicher sein, dass er einen gewissen Betrag pro Jahr aus der Kooperation erhält, um sich selbst zu finanzieren. Zudem entfallen für den Verein jeg­liche Kosten der Produktion und des Vertriebs.[31] Auf der anderen Seite muss dieser Umsatzeinbußen in Kauf nehmen, da das Unternehmen einen Teil der Umsätze einbe­hält. Es ist aber anzumerken, dass diese Art der Selbstfinanzierung stark abhängig von der nationalen und internationalen Beliebtheit des Vereins sowie der einzelnen Spieler ist.

2.2 Finanzierung durch Kapitalfreisetzung

2.2.1 Vermögensumschichtung

Bei dieser Art der Innenfinanzierung wird Anlage- oder Umlaufvermögen in liquide Mittel umgewandelt.[32] Im Falle eines Fußballvereins lässt sich die Vermögensum­schichtung in zwei Kategorien einteilen. Zum einen kann der Verein seine Infrastruktur verkaufen, um liquide Mittel zu generieren. Dazu zählen u.a. unternehmenseigene Trai­ningsgelände oder das Stadion. Der Verkauf dieser Anlagen führt dem Fußballverein kurzfristig große Mengen an liquiden Mitteln zu.[33] Dem Verein sollte allerdings be­wusst sein, dass er nach dem Verkauf von Anlagen auch die Nutzungsrechte an diesen verliert. Sollte er weiterhin auf eine Nutzung der zu veräußernden Anlagen bestehen, eignet sich das Sale-and-lease-back-Verfahren, welches unter Punkt 2.2.2.1 näher er­läutert wird. Zum anderen ist es dem Verein möglich, Spieler die er nicht mehr benö­tigt, zu verkaufen. Dies kann jedoch nur während den von der FIFA vorgegebenen Transferperioden vom 01. Juli bis zum 31. August und vom 01. Januar bis zum 31. Januar geschehen.[34] Der Finanzierungseffekt entsteht hierbei jedoch nur dann, wenn die Einnahmen aus Spielerverkäufen den Finanzbedarf für neue Spieler übersteigen.[35] Viele Vereine haben sich zeitweise selbst finanziert, indem sie einen gewissen Bestand an Nachwuchsspielern aufgebaut haben, um diese zu einem späteren Zeitpunkt für ei­nen weitaus höheren Preis zu verkaufen.

Diese Art der Selbstfinanzierung stellt seit dem Bosman-Urteil des EuGH aus dem Jahre 1995 für viele Vereine ein hohes Risiko dar, da sie die Verträge der Spieler mit längeren Laufzeiten ausgestalten müssen, um die Chance auf eine Ablösesumme zu wahren. Das Bosman Urteil ermöglicht es Spielern mit auslaufenden Verträgen, den Verein ablösefrei zu wechseln.[36] Allerdings besteht keine Sicherheit dahingehend, ob sich ein Nachwuchsspieler (mit langer Vertragslaufzeit) auch gewinnbringend entwi­ckelt oder ob dieser während seiner Vertragslaufzeit überhaupt von einem anderen Ver­ein gekauft wird.[37] Beim Verkauf von Anlagevermögen sollte der Verein zudem be­denken, dass dies Auswirkungen auf andere Finanzierungsalternativen haben kann. Die Aufnahme von Bankdarlehen kann z.B. durch den Verkauf von Gebäuden, aufgrund der sinkenden Anzahl an Sicherheiten, erschwert werden. Des Weiteren stellt ein Über­schuss aus Spielertransfers meist auch einen Verlust der Konkurrenzfähigkeit des Ver­eins in den einzelnen Wettbewerben dar und kann sich somit auf die bereits erwähnten Einnahmequellen negativ auswirken.[38]

3 Außenfinanzierung von Fußballvereinen

3.1 Aufnahme von Fremdkapital

3.1.1 Bankdarlehen

Die Finanzierung über ein Bankdarlehen ist eine von mehreren Möglichkeiten der Au­ßenfinanzierung eines Fußballvereins und spielt auch heute noch eine zentrale Rolle bei den Vereinen in der deutschen Fußball-Bundesliga und in Europa.[39] Um ein Bank­darlehen zu erhalten, muss ein Fußballverein u.a. die Kreditsicherung, wie z.B. Sicher­heiten in Form von materiellem oder immateriellem Anlagevermögen, erfüllen. Als materielle Sicherheit können z.B. der Fuhrpark oder das Stadion dienen. Als immate­rielle Sicherheit bieten sich Transfer- oder Vermarktungsrechte an, welche aber nur schwer zu bewerten sind.[40] Insgesamt lässt sich festhalten, dass die Sicherheiten, die ein Fußballverein dem Gläubiger anbieten kann, stark begrenzt sind.[41]

Zusätzlich sind die geltenden Basel-Richtlinien zu beachten, denn durch diese ist die Kreditvergabe durch Banken an Unternehmen, wie z.B. Fußballvereine, deutlich er­schwert worden. Die Banken müssen nun je nach Ausfallrisiko des Kreditnehmers das Darlehen mit entsprechenden Eigenmitteln unterlegen.[42] Da Fußballvereine zum Teil über eine unzureichende Eigenkapitalausstattung und eine schwer vorhersehbare Er­folgssituation verfügen, werden die klassischen Bankdarlehen stetig teurer und unat- traktiver.[43] Dies bedeutet für Fußballvereine, dass sie bei einem schlechten Rating deut­lich höhere Finanzierungskosten haben oder das Bankdarlehen nicht gewährt wird.[44]

3.1.2 Anleihen

Aufgrund der immer unattraktiver werdenden Bankdarlehen bieten sich für Fußball­vereine zunehmend Anleihen als Form der Außenfinanzierung an.[45] Fußballanleihen können in zwei Kategorien eingeteilt werden, zum einen gibt es die sog. Fananleihe und zum anderen die Mittelstandsanleihe.[46] Die Fananleihe zielt direkt auf die Fange­meinschaft des Vereins ab, der Fan soll die Finanzierungquelle darstellen und seinen Club unterstützen.[47] Das Volumen der Anleihen ist abhängig von der Anzahl und der Zahlungsbereitschaft der Fans des jeweiligen Vereins. Diese Zahl kann der Verein durch die Mitgliederzahl oder die Anzahl der Follower in den sozialen Medien ablei- ten.[48] Die Fananleihe muss nicht zwingend an der Börse notiert werden, sondern kann im sog. Freiverkehr gehandelt werden, um den Nachteilen des regulierten Marktes wie Zugangsvoraussetzungen und Folgepflichten zu entgehen.[49] Des Weiteren muss diese Art von Anleihe nicht von einer externen Ratingagentur bewertet werden, die Risiko­bewertung kann der Emittent hier selbst durchführen.[50] Da der Anleger, in diesem Fall der Fan des Vereins, oftmals sehr emotional an den Verein gebunden ist, befreit er den Emittenten hin und wieder von seinen Pflichten der Zinszahlung oder sogar der Rück­zahlung des gesamtem Betrages, indem er seine sog. Schmuckurkunde als „Trophäe“ behält und die Zinscoupons nicht abtrennt.[51]

Als zweite Form der Anleihe gibt es noch die Mittelstandsanleihe. Die Mittelstandsan­leihe zielt im Gegensatz zur Fananleihe nicht auf die Fangemeinde, sondern auf insti­tutionelle Investoren ab.[52] Im Grunde ist diese der Fananleihe sehr ähnlich, jedoch weist sie auch einige Unterschiede auf. Mittelstandsanleihen müssen börsennotiert sein, einem regelmäßigen Rating unterzogen werden und der Verein muss regelmäßig Informationen, die für die Kursentwicklung und Investitionsentscheidungen von gro­ßer Bedeutung sind, bereitstellen. Außerdem muss der Verein einer Mitwirkung durch einen Kapitalmarktberater, welcher von der jeweiligen Börse zugelassen ist, zustim­men. Er stellt die Anleihefähigkeit fest und strukturiert die Anleihe.[53] Durch diese An­leiheformen werden dem Fußballverein mitunter große Summen liquider Mittel zuge­führt, welche dieser zur Finanzierung von langfristigen Investitionsprojekten wie z.B. dem Stadionaus- oder umbau, der Aufwertung des Mannschaftskaders oder der allg. Liquiditätsbeschaffung nutzen kann.[54]

3.2 Kreditsurrogate und Mezzanine

3.2.1 Sale-and-Lease-back

Das sog. Sale-and-Lease-back (z. Dt. Rückmietkauf), eine Sonderform des Leasings, wird immer dann in Betracht gezogen, wenn Fußballvereine Anlagevermögen veräu­ßern, jedoch die Nutzungsrechte dieser Anlage behalten möchten. Der Verein verkauft hierbei zunächst das Objekt an eine Leasing-Gesellschaft, um es anschließend von die­ser für einen bestimmten Zeitraum gegen eine Leasinggebühr wieder zurück zu lea­sen.[55] Der Finanzierungseffekt entsteht hierbei durch die kurzfristig generierten Men­gen an liquiden Mitteln durch den Verkauf der Anlage an das Leasingunternehmen sowie durch eine Reduzierung der steuerlichen Belastung durch die in der Gewinn- und Verlustrechnung als Aufwand zugrunde gelegten Leasinggebühren.[56] Der Verein kann zudem zum Ende der Vertragslaufzeit eine Festpreisoption, eine Rücknahmemöglich­keit zum Verkehrswert oder lediglich ein Recht auf Mietverlängerung mit dem Lea­singunternehmen vereinbaren. Kommt es dem Verein lediglich auf die Nutzung ohne Rückkaufoption an, verzichtet er auf diese Ausgestaltungen des Sale-and-Lease-back- Verfahrens.[57]

3.2.2 Asset Backed Securities

Als neuartige Finanzierungsalternative für Fußballvereine zählen die sog. Asset Backed Securities (ABS). Bei der Finanzierung von Fußballvereinen in dieser Form spricht man meist von sog. „Schechter Anleihen“. Der Verein verkauft hierbei z.B. seine planmäßigen Forderungen aus dem Verkauf von Tickets an eine Finanzierungs­gesellschaft, auch Special Purpose Vehicle (SPV) genannt, wie z.B. die dafür bekannte Investmentbank Schechter & Co ltd. Diese emittiert festverzinsliche Anleihen, die ABS, welche durch die abgetretenen Forderungen des Fußballvereins besichert sind und wie eine klassische Anleihe fungieren. Der Verein erhält somit eine zum Teil große Summe an liquiden Mitteln und zahlt die jährliche Tilgung sowie die zu zahlenden Zinsen an die Investoren (Siehe Abb. 1: Funktionsweise einer Schechter Anleihe).[58] Der Verein ist z.B. durch die Ausgabe von ABS im Stande, kurzfristige Verbindlich­keiten durch langfristige Verbindlichkeiten zu ersetzen. Vor der Ausgabe sind jedoch die Emissionskosten zu beachten, welche durchaus beträchtlich sein können.[59]

Stadionbesucher / Fans

Einnahmen aus den Tlcketverkäufen

Fußballunternehmen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Funktionsweise einer Schechter Anleihe [60]

[...]


[1] Schmitt, T., Neymar bringt den Fußball in neue Galaxien, http://www.handelsblatt.com, (17.08.2017 - Doku­ment 28 der CD)

[2] Ebenda.

[3] Vgl. Crocoll, S., Die teuersten Fußballer aller Zeiten, https://www.welt.de, (17.08.2017 - Dokument 27 der CD)

[4] Vgl. o.V., Real Madrid lässt sich Teenager 45 Millionen Euro kosten, http://www.rp-online.de, (17.08.2017 - Dokument 26 der CD)

[5] Vgl. Tilly, R. (2003), Geld und Kredit in der Wirtschaftsgeschichte, S. 29.

[6] Vgl. Deutsche Bundesbank, Euro-Referenzkurse der Europäischen Zentralbank, https://www.bundesbank.de, (25.08.2017 - Dokument 35 der CD)

[7] Vgl. Deutsche Fußball Liga GmbH (2017), DFL Report 2017, S. 26.

[8] Vgl. Mauer, R., Schmalhofer, A. (2001), Gestaltung der Kapitalmarktreife von Profifußball-Vereinen, S. 27.

[9] Vgl. Korthals, J. P. (2005), Bewertung von Fußballunternehmen, S. 85.

[10] Vgl. o.V., Stadionplan undPreistabelle 17/18, https://www.borussia.de, (22.08.2017 - Dokument 30 der CD)

[11] Vgl. Korthals, J. P. (2005), Bewertung von Fußballunternehmen, S. 77 ff.

[12] Vgl. Deutsche Fußball Liga GmbH (2017), DFL Report 2017, S. 26.

[13] Vgl. Dworak, A. (2010), Finanzierung für Fußballunternehmen, S. 139 f.

[14] Vgl. o.V., PremierLeague value of centralpayments to Clubs, https://www.premierleague.com, (12.08.2017 - Dokument 10 der CD)

[15] Vgl. Korthals, J. P. (2005), Bewertung von Fußballunternehmen, S. 10.

[16] Vgl. o.V., Premier League value of central payments to Clubs, https://www.premierleague.com, (12.08.2017 - Dokument 10 der CD)

[17] Vgl. Deutsche Fußball Liga GmbH (2017), DFL Report 2017, S.13; Vgl. Manchester United Plc (2017), Inves­tor Presentation, S. 14; Vgl. Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA (2016), Jahres- und Konzernabschluss - Geschäftsbericht 2015/2016, S. 18.

[18] Vgl. Bruhn, M. (2010), Sponsoring: Systematische Planung und integrativer Einsatz, S. 6 ff.

[19] Vgl. Dworak, A. (2010), Finanzierung für Fußballunternehmen, S. 165.

[20] Vgl. Mauer, R., Schmalhofer, A. (2001), Gestaltung der Kapitalmarktreife von Profifußball-Vereinen, S. 29.

[21] Vgl. Korthals, J. P. (2005), Bewertung von Fußballunternehmen, S. 102.

[22] Vgl. Wehrheim, M. (2005), Marketing der Fußballunternehmen, S. 137 ff.; Vgl. Mauer, R., Schmalhofer, A. (2001), Gestaltung der Kapitalmarktreife von Profifußball-Vereinen, S. 29.

[23] Vgl. Wehrheim, M. (2005), Marketing derFußballunternehmen, S. 137 ff.

[24] Vgl. Ebenda, S. 138.

[25] Vgl. Mauer, R., Schmalhofer, A. (2001), Gestaltung der Kapitalmarktreife von Profifußball-Vereinen, S. 29.

[26] Vgl. Ebenda.

[27] Vgl. Deutsche Fußball Liga GmbH (2017), DFL Report 2017, S. 26.

[28] Vgl. Korthals, J. P. (2005), Bewertung von Fußballunternehmen, S. 13.

[29] Vgl. Elter, V. C. (2003), Verwertung medialer Rechter der Fußballunternehmen, S. 32.

[30] Vgl. Will, A., Merchandising: Lizenzkooperationen im Profi-Sport, http://www.sportmarketing-sponsoring.biz, (31.07.2017 - Dokument 2 der CD)

[31] Vgl. Dworak, A. (2010), Finanzierung für Fußballunternehmen, S. 180.

[32] Vgl. Beißer, J., Read, O. (2016), Investition und Finanzierung, S. 113.

[33] Vgl. Teichmann, K. (2007), Strategie und Erfolg von Fußballunternehmen, S. 128.

[34] Vgl. Deutscher Fußball Bund (2017), Spielordnung, S. 24.

[35] Vgl. Teichmann, K. (2007), Strategie und Erfolg von Fußballunternehmen, S. 129.

[36] Vgl. Ashelm, M., Die Fußball-Revolution, http://www.faz.net, (21.08.2017 - Dokument 29 der CD)

[37] Vgl. Teichmann, K. (2007), Strategie und Erfolg von Fußballunternehmen, S. 129 ff.

[38] Vgl. Ebenda, S. 130.

[39] Vgl. Hasler, P. T. (2014), Anleihen von Fußballunternehmen in Deutschland, S. 1.

[40] Vgl. Chemnitzer, F., Leißle, N., Dr. Quitzau, J. (2015), Finanzierung im Profifußball, S. 14.

[41] Vgl. Mauer, R., Schmalhofer, A. (2001), Gestaltung der Kapitalmarktreife von Profifußball-Vereinen, S. 30.

[42] Vgl. Bundesverband deutscher Banken e. V. (2013), Basel III - Die Folgen für den Mittelstand, S. 5 ff.; Vgl. Keller, C. (2006), Corporate Finance im Profifussball, S. 66.

[43] Vgl. Hasler, P. T. (2014), Anleihen von Fußballunternehmen in Deutschland, S. 1 ff.

[44] Vgl. Kern, M., Haas, O., Dworak, A. (2002), Finanzierungsmöglichkeiten für die Fußball-Bundesliga und an­dere Profisportligen, S. 434.

[45] Vgl. Hasler, P. T. (2014), Anleihen von Fußballunternehmen in Deutschland, S. 4.

[46] Vgl. Hasler, P. T. (2015), Fußballvereine am Kapitalmarkt, S. 17.

[47] Vgl. Schuster, F., Unterhitzenberger, C. (2014), Bälle, Tore, FinanzenXI, S. 60.

[48] Vgl. Hasler, P. T. (2015), Fußballvereine am Kapitalmarkt, S. 17.

[49] Vgl. Hasler, P. T. (2014), Anleihen von Fußballunternehmen in Deutschland, S. 16.

[50] Vgl. Ebenda, S. 17.

[51] Vgl. Mersch, T., Merx, S., Gute Schulden, schlechte Schulden, http://www.handelsblatt.com, (04.08.2017 - Do­kument 3 der CD); Vgl. Hasler, P. T. (2014), Anleihen von Fußballunternehmen in Deutschland, S. 35.; Vgl. Eberhardt, H., Fan-Anleihen im Profifußball, http://www.spiegel.de, (15.08.2017 - Dokument 20 der CD)

[52] Vgl. Hasler, P. T. (2015), Fußballvereine am Kapitalmarkt, S. 39.

[53] Vgl. Hasler, P. T. (2014), Anleihen von Fußballunternehmen in Deutschland, S. 27 ff.

[54] Vgl. Schuster, F., Unterhitzenberger, C. (2014), Bälle, Tore, FinanzenXI, S. 60 ff.

[55] Vgl. Schmalen, H., Pechtl, H. (2013), Grundlagen und Probleme der Betriebswirtschaft, S. 278.

[56] Vgl. Dworak, A. (2010), Finanzierung für Fußballunternehmen, S. 196 ff.

[57] Vgl. Soethe, R, Sale-and-lease-back - Substanz in der Krise erhalten, http://www.handelsblatt.com, (02.08.2017 - Dokument 4 der CD)

[58] Vgl. Teichmann, K. (2007), Strategie und Erfolg von Fußballunternehmen. S. 134; Vgl. Hartmann, R., Asset Backed Securities - Beispiele der Geldbeschaffung, http://www.gevestor.de, (07.08.2017 - Dokument 5 der CD)

[59] Vgl. Teichmann, K. (2007), Strategie und Erfolg von Fußballunternehmen, S. 134.

[60] Vgl. Dworak, A. (2010), Finanzierung für Fußballunternehmen, Abb. 32., S. 239; Vgl. Keller, C. (2008), Steuerung von Fußballunternehmen, Abb. 36., S. 269.

Details

Seiten
43
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668712492
ISBN (Buch)
9783668712508
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v426590
Institution / Hochschule
Hochschule RheinMain – Wiesbaden Business School
Note
2.0
Schlagworte
Fußball Finanzierung Investition Europa Außenfinanzierung Innenfinanzierung Eigenkapital Fremkapital Vergleich Verein Club Dortmund Manchester Bachelor Thesis

Autor

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Titel: Die Finanzierung von Fußballvereinen im europäischen Vergleich