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Komponentialsemantik / Strukturelle Semantik

Seminararbeit 2001 12 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Gliederung

A. Vorwort

B. Hauptteil
1. Einige historische Aspekte/Herleitung der Komponentialsemantik
2. Aufgabe der Semantik/Idee der Komponentialsemantik
3. Methode der Komponentialsemantik
4. Eigenschaften der semantischen Merkmale
5. Anwendung der Komponentenanalyse auf diverse Wortschatzbereiche
6. Exkurs: Besonderheiten bei der Komponentenanalyse von Verben
7. Interpretation der semantischen Merkmale

C. Nachwort

A. Vorwort

Das Thema der vorliegenden Arbeit ist identisch mit dem Thema des ebenfalls vom Verfasser gehaltenen Referats vom 09.11.2000. Naturgemäß ist die Hausar­beit wesentlich umfangreicher ausgefallen; auch sind die Schwerpunkte aufgrund der im Vergleich zum Referat längeren Reflexionszeit bei der Hausarbeit anders gewichtet worden. Letzteres gilt insbesondere für die breiter angelegte Darstel­lung der komponentenanalytischen Methode unter B. 3.. Dagegen sind bei beiden Prüfungsteilen im wesentlichen dieselben Quellen verwendet worden.

Der Verfasser wünscht dem Leser viel Vergnügen bei der Lektüre.

B. Hauptteil

1. Einige historische Aspekte; Herleitung der Komponentialsemantik

Ursprünglich, das heißt im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts, war für die Sprachwissenschaft allein die Bedeutungsentwicklung einzelner Wörter – die Etymologie – interessant.[1] Der für die Semantik zentrale Begriff des „Wortfelds“ wurde zum Beispiel erst 1931 entwickelt: Hiernach ist die Bedeutung eines Wor­tes aus dessen Abgrenzung zu bedeutungsverwandten Wörtern zu ermitteln.[2] Es sind also bei der Bedeutungsanalyse eines einzelnen Wortes auch dessen Nach­barbegriffe zu berücksichtigen.[3] In einem späteren Versuch[4] wurde beispielsweise die Bedeutung der Wörter mit der Struktur ihrer Anwendungsbedingungen er­klärt.[5]

Die Komponentialsemantik beruht dem Grunde nach auf Theorien vom Begriff, welche die Logik im antiken Griechenland entwickelt hat; daher wird die Kompo­nentialsemantik auch als Aristotelische Semantik bezeichnet.[6] Neu ist dagegen der strukturalistische Charakter ihrer methodischen Vorgehensweise: Einerseits wird die Darstellung eines Wortfeldes als eines auf bestimmte Art strukturierten se­mantischen Verbandes als strukturalistisch bewertet, andererseits gilt die Kompo­nentialsemantik wegen ihrer im Vergleich zu früheren sprachwissenschaftlichen Theorien größeren methodischen Strenge und wegen ihres Versuchs, eine innere Ordnung sprachlicher Bereiche zu ermitteln, als strukturalistisch.[7]

2. Aufgabe der Semantik; Idee der Komponentialsemantik

Die Semantik im allgemeinen hat die Aufgabe zu erläutern, wie die Sätze einer Sprache verstanden und interpretiert sowie auf Vorstellungen und Sachverhalte der Umwelt bezogen werden. Dies geschieht sowohl durch Analyse der Wortbe­deutungen als auch durch die Feststellung, wie sich die einzelnen Wörter eines Satzes aufeinander beziehen. Die Art dieser Beziehung steht weiterhin im unmit­telbaren Zusammenhang mit der syntaktischen Struktur eines Satzes.[8]

Die Komponential- oder Merkmalsemantik[9] beruht auf dem sog. Kompositionali­tätsprinzip: Danach ergibt sich die Bedeutung eines komplexen Ausdrucks aus der Bedeutung seiner einzelnen Teile und der Art, wie dieser Ausdruck daraus ge­formt ist.[10] Das Kompositionalitätsprinzip gilt nicht nur für die Semantik von Wör­tern sondern auch für die Bedeutung von ganzen Sätzen.[11] Für die vorlie­gende Arbeit ist jedoch einzig seine Relevanz für die Analyse von Wortbedeutun­gen von weitergehendem Interesse. Ausgangspunkt der Komponentialsemantik ist die Betrachtung von Wortbedeutungen oder Morphemen (=kleinste bedeutungs­tragende Einheiten) als Grundeinheiten der Sprache: Sie werden nicht als etwas (unzerteilbar) Atomares sondern als etwas Zusammengesetztes (sog. Merkmal­komplexe) angesehen.[12]

3. Methode der Komponentenanalyse

Die Erkenntnis von Wortbedeutungen als Komplexen von semantischen Merk­malen bildet die Grundlage für die komponentialsemantische Methode. Demnach lässt sich die Bedeutung eines Wortes in eine Reihe von Teilbedeutungen auf­spalten. Beispielsweise kann die Bedeutung von ‚Mann’ aufgeteilt werden in (LEBENDIG, MENSCHLICH, MÄNNLICH, ERWACHSEN). Hierdurch wird eine innere Struktur der Bedeutungen von Wörtern offenbar; diese Struktur kann als Merkmalbündel dargestellt werden. Zugleich wird deutlich, dass die Verknüp­fung bestimmter Merkmale für die Bedeutung eines Wortes konstitutiv ist.

Die semantischen Merkmale grenzen folglich Wortbedeutungen voneinander ab. Auf das obige Beispiel angewendet ergibt sich: Das Merkmal (LEBENDIG) grenzt die Bedeutung von ‚Mann’ unter anderem von der Bedeutung von ‚Män­nerleiche’ ab; durch das Merkmal (MENSCHLICH) erfolgt die Abgrenzung der Bedeutung von ‚Mann’ von der Bedeutung von ‚Hengst’ oder ‚Eber’; mit dem Merkmal (MAENNLICH) wird die Bedeutung von ‚Mann’ von der Bedeutung von ‚Frau’ abgegrenzt; schließlich wird mit dem Merkmal (ERWACHSEN) die Abgrenzung der Bedeutung von ‚Mann’ von der Bedeutung von ‚Knabe’ vorge­nommen. Wegen ihrer abgrenzenden Funktion werden die semantischen Merk­male auch als distinktive Merkmale oder „Seme“ bezeichnet.

Aus dem folgenden Schema, welches auf die Aristotelische Einteilung zurück­geht, erhellt sich die binäre (=zweiteilige) Konzeption der Merkmale:

Alle Dinge

abstrakt konkret

+belebt -belebt

+menschlich -menschlich +Artefakt -Artefakt

+männlich -männlich +männlich -männlich

Hiernach ist für jede Bedeutung die mittels der Symbole + und – dargestellte An- bzw. Abwesenheit einer bestimmten Anzahl von Merkmalen charakteristisch; die Merkmalzuschreibung erfolgt also nach dem Alles- oder Nichts-Prinzip mit Ja/Nein-Entscheidungen.[13]

Weitere Konsequenzen der komponentialsemantischen Methode ergeben sich bei ihrer Anwendung auf bedeutungsähnliche Ausdrücke wie zum Beispiel aus dem Wortfeld „Gewässer“. Man stelle die diversen Ausdrücke einzeln oder gruppen­weise gegenüber und suche nach dem Bedeutungsunterschied. So ergibt sich fol­gende Tabelle:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Neben der bereits oben erwähnten Erkenntnis, dass sich die Bedeutung eines Ein­zelausdrucks im Ergebnis als Bündel semantisch distinktiver Merkmale (sog. Se­mem) mit nun hinzukommenden jeweiligen Vorzeichen darstellt, gewinnen wir eine weitere Einsicht: Der Verband an semantisch ähnlichen Ausdrücken - hier das Wortfeld „Gewässer“ –scheint durch diese distinktiven Merkmale strukturiert zu sein.[15]

Zur Veranschaulichung soll die folgende Matrix[16] dienen:

[...]


[1] vgl. Bierwisch S. 657

[2] vgl.Trier S. 3

[3] vgl.Trier aaO

[4] vgl. Zusammenfassung bei Leisi auf S. 16

[5] weitere Nachweise bei Bierwisch S. 657 f.

[6] vgl.Linke S. 147

[7] vgl.Linke aaO mit weiteren strukturalistischen Charakteristika

[8] vgl. zu diesem Abschnitt Bierwisch S. 658

[9] Bierwisch S. 657 ff. verwendet noch den Begriff „Strukturelle Semantik“

[10] vgl. Linke S. 139

[11] vgl. hierzu Schwarz/Chur S. 117

[12] vgl. Linke S. 146

[13] vgl. zu B. 3. bis hierhin Schwarz/Chur S. 38

[14] Schema aus Linke S. 146

[15] vgl. Linke aaO

[16] vgl. Bierwisch S. 659

Details

Seiten
12
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638406499
ISBN (Buch)
9783638772709
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v42657
Institution / Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf – Germanistisches Seminar
Note
1,0
Schlagworte
Komponentialsemantik Strukturelle Semantik Sprachgebrauchs

Autor

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Titel: Komponentialsemantik / Strukturelle Semantik