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Gesundheitssituation älterer Muslime in Deutschland

Hausarbeit 2011 18 Seiten

Soziologie - Medizin und Gesundheit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Aufbau der Arbeit

2 Epidemiologie und Gesundheitsberichterstattung
2.1 Begriffsklärung
2.2 Aufgabenbereiche der Epidemiologie
2.3 Verhältnis von Epidemiologie und Gesundheitsberichterstattung

3 Gesundheitssituation älterer Muslime in Deutschland
3.1 Bevölkerung mit Migrationshintergrund
3.2 Einflussfaktoren auf die Gesundheitssituation
3.2.1 Bildung und Beruf
3.2.2 Materielle Lebensbedingungen
3.2.3 Soziale Lebensbedingungen
3.3 Muslimisches Gesundheits- und Krankheitsverständnis
3.4 Gesundheitsverhalten
3.5 Muslime als Patienten

4 Schlussbetrachtung

5 Literaturverzeichnis

1. Aufbau der Arbeit

Demographische Veränderungen sind wohl die maßgeblichen Ursachen der zu­nehmenden Probleme in der gesundheitlichen Versorgung. Durch die höhere Le­benserwartung steigt auch die Zahl der älteren Menschen immer weiter. Bereits 22% der Bevölkerung in Deutschland sind mindestens 60 Jahre alt; 2030 wird vermutlich jeder Dritte über 65 Jahre alt sein (vgl. Schwartz 2003: S. 675). Diese Annahme ist allerdings nur grob geschätzt, da die Einwanderungszahl als unkal­kulierbar gilt. Der gleichzeitige Rückgang der Geburtenrate vergrößert das Prob­lem. Dieser Wandel wirkt sich auch auf die Familienstruktur aus, d.h. es gibt im­mer weniger Mehrgenerationenhaushalte, in denen sich die Jüngeren um die Älte­ren kümmern. Pflegebedürftige Menschen können sich folglich nicht mehr auf die Versorgung durch Angehörige verlassen und sind auf professionelle Hilfe ange­wiesen. Es wird deutlich, wie wichtig das Thema „Gesundheits situation älterer Menschen“ bereits heute ist, denn ihre Versorgung droht in Zukunft zu einem gra­vierenden Problem zu werden.

Parallel zur Zunahme der Rentnerzahl nimmt auch die Anzahl der Migranten zu. Ein großer Anteil der Migranten sind Muslime - heute leben etwa 4 Millionen in Deutschland (vgl. DIK-Redaktion: 2010). Ältere Zuwanderer haben den Großteil ihres Lebens in einem Einwanderungsland mit andersartiger kultureller Prägung verbracht, was wiederum zu zusätzlichen gesundheitlichen Problemen führt.

Die vorliegende Hausarbeit stellt die Gesundheitssituation älterer Muslime in Deutschland dar. Es werden vor allem die Unterschiede des Gesundheitszustandes zwischen deutschen und muslimischen Menschen betrachtet sowie die Maß­nahmen, die bei der Pflege zu beachten sind. An dieser Stelle sei hervorgehoben, dass in dieser Arbeit Menschen ohne Migrationshintergrund als Deutsche be­zeichnet werden.

Als besondere Schwierigkeit beim gewählten Thema hat sich nach erfolgter Re­cherche herausgestellt, dass es keine statistischen Erhebungen und epidemiolo­gischen Kennzahlen über Muslime gibt, da diverse Statistiken, die als Grundlagen für Studien genutzt werden, lediglich das Herkunftsland beinhalten, nicht aber die Religionszugehörigkeit (vgl. Statistisches Bundesamt Deutschland). Aus diesem Grund beinhaltet diese Arbeit wenig wissenschaftliche Daten, sondern befasst sich hauptsächlich mit dem sozialen und wirtschaftlichen Umfeld der Muslime sowie deren religiösen Einstellungen - denn auch diese haben enormen Einfluss auf die Gesundheitssituation.

Diese Arbeit gliedert sich in vier Kapitel. In Kapitel 2 wird die theoretische Grundlage geschaffen. Nach der Definition der Begriffe Epidemiologie und Ge­sundheitsberichterstattung in Kapitel 2.1 werden in Kapitel 2.2 deren Arbeitsme­thoden und Aufgaben dargestellt. Beide sind für die Gesundheitsforschung von enormer Bedeutung, denn sie liefern geprüfte Daten über Krankheiten und deren Ursachen bzw. beschreiben diese. Kapitel 2.3 beschäftigt sich mit dem Verhältnis der Begriffe zueinander.

Den Kern der Arbeit bildet das Kapitel 3. In Abschnitt 3.1 wird auf die Bevölke­rungsstruktur muslimischer Migranten in Deutschland sowie auf drei der Grund­prinzipien des Islams eingegangen. Im Anschluss werden Einflussfaktoren auf die Gesundheit muslimischer Migranten im Hinblick auf Bildung und Beruf als auch auf materielle und soziale Lebensbedingungen geschildert. Kapitel 3.3 beschreibt das islamische Gesundheits- und Krankheitsverständnis. Kapitel 3.4 stellt das Ge­sundheitsverhalten der Muslime dar und in Kapitel 3.5 werden Möglichkeiten und Maßnahmen, die den Muslimen die pflegerische Versorgung in Deutschland an­genehmer machen und religiöse Konflikte vermeiden könnten, herausgearbeitet.

Abschließend folgt eine kurze Zusammenfassung der in dieser Arbeit gewonnen Erkenntnisse.

2. Epidemiologie und Gesundheitsberichterstattung

2.1 Begriffsklärung

Im Mittelpunkt der Epidemiologie stehen stets die Bevölkerung und deren Krank­heiten. Die Epidemiologie versucht durch wissenschaftliche Methoden alle Ein­flussfaktoren auf die Gesundheit und Krankheit der Menschen zu erkennen und präventive Maßnahmen zu liefern. Diese werden wiederum durch epidemiolo­gische Methoden auf ihre Wirksamkeit untersucht. Die Epidemiologie geht nicht davon aus, dass Risiken zufällig in der Bevölkerung verteilt sind, sondern dass es für ein höheres bzw. niedrigeres Risiko innerhalb bestimmter Bevölkerungsgrup­pen Gründe gibt - diese es herauszufinden gilt.

Der Gesundheitsbericht für Deutschland 1998 definiert Epidemiologie folgender­maßen: „ Wissenschaft, die sich vor allem mit der Verbreitung und Verteilung von Krankheiten, ihren Ursachen und ihren Folgen in der Bevölkerung befasst.“

Der Begriff der Epidemiologie setzt sich aus den griechischen Wörtern „epi“ (über), „demos“ (Bevölkerung) und „logos“ (Wort bzw. sinngemäß Lehre) zu­sammen. Es handelt sich somit um die Lehre von der Bevölkerung und Dingen, die zu Gesundheitsproblemen führen. Da Epidemie auch als Seuche definiert wird gebrauchen einige den Begriff „Seuchenlehre“ als Synonym der Epidemiologie, obwohl sie jedoch viel mehr als nur Infektionskrankheiten untersucht. Unter ande­rem beobachtet sie das wirtschaftliche, geografische und soziale Umfeld von Er­krankungen z.B. den Zugang zu Gesundheitsdiensten oder soziale Benachteili­gungen.

Die Epidemiologie ist eines der wichtigsten Grundbausteine der Gesundheits­berichterstattung, die mit ihren Berichten die gesundheitliche Lage und Versor­gung verschiedener Bevölkerungsgruppen in einer Region beschreibt und die notwendigen Handlungen ermittelt. Ihr Ziel ist die Beschreibung und Verbesse­rung der Situation und Versorgung der Bevölkerung.

2.2 Aufgabenbereiche der Epidemiologie

Die Epidemiologie wird in drei Teildisziplinen eingeteilt, die jeweils ein Aufga­bengebiet beinhaltet. Die deskriptive Epidemiologie gibt Auskunft über die An­zahl der Kranken sowie die Verteilung bzw. Häufigkeit der Krankheit in der Be­völkerung und erklärt dessen regionale Unterschiede. Die hierdurch gewonnen Daten nutzt die analytische Epidemiologie zur Erforschung der Ursachen und Ri­sikofaktoren einer bestimmten Krankheit. Die dritte Disziplin ist die experimen­telle Epidemiologie Sie beurteilt den Erfolg von Interventionsmaßnahmen gegen bereits aufgetretene Erkrankungen oder von Präventionsmaßnahmen. Außerdem liefert sie Erkenntnisse über den Bedarf und die Inanspruchnahme von Versor­gungsangeboten. Desweiteren informiert die Epidemiologie über den Verlauf und Ausgang einer Erkrankung und deren beeinflussenden Faktoren. Letztlich führt sie Evaluationen von präventiven und therapeutischen Maßnahmen durch. (vgl. Weyerer/Bickel 2007: S.17)

2.3 Verhältnis von Epidemiologie und Gesundheitsberichterstattung

Die Gesundheitsberichterstattung nutzt epidemiologische Daten und Informatio­nen, analysiert und bewertet sie. Die Epidemiologie ist somit eine Basis der Ge­sundheitsberichterstattung. Während die Epidemiologie eher wissenschaftlich gesehen wird und neue Ursachen, Risikofaktoren etc. für Erkrankungen erforscht, beobachtet die gesundheitspolitisch-orientierte Gesundheitsberichterstattung die gegebenen Verhältnisse. Desweiteren wird in letzterer in einer für alle Bürger verständlichen Sprache diskutiert, während epidemiologische Forschungsergeb­nisse meist wissenschaftlich erläutert werden.

3. Gesundheitssituation älterer Muslime in Deutschland

3.1 Bevölkerung mit Migrationshintergrund

Nach dem Statistischen Bundesamt lebten im Jahre 2009 16 Mio. Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland, was ca. 19,6% der Gesamtbevölkerung entspricht und die Zahl nimmt kontinuierlich zu (vgl. Statistisches Bundesamt Deutschland 2010). Es sind Menschen, die auch als Zuwanderer bezeichnet wer­den, die ihr Heimatland verlassen und ihren Lebensmittelpunkt in ein anderes Land verlegt haben.

Das Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko aller Migranten ohne Alterseinschränkung ist laut dem „Bundesamt für Migration und Flüchtlinge“ in den ersten Jahren nach der Einwanderung geringer als bei Nicht-Migranten (vgl. Martin Kohls 2011). Dieser Healthy-Migrant-Effect wird mit der Auswanderung meist gesunder Men­schen begründet, es sei denn die Migration hatte keine sozioökonomischen Grün­de wie z.B. bei Flüchtlingen.

Betrachtet man jedoch die über 60-jährigen Migranten, ist dagegen ein höheres Risiko festzustellen. Ein Grund hierfür ist der Anstieg der Rückwanderungen ge­sunder Migranten kurz nach dem Renteneintrittsalter.

Ein Großteil der Einwanderer sind Muslime, deren Religion auf dem Koran ba­siert, die als die Heilige Schrift des Islam gilt. Der Glaube fordert eine gänzliche Unterwerfung unter Allahs (=Gott) Willen.

Im Islam werden fünf Grundpflichten festgelegt, die alle Muslime einzuhalten haben. Drei dieser „fünf Säulen“ sind für das Thema dieser Arbeit relevant, denn sie beeinflussen massiv das Verhalten im Krankheitsfall:

- „Den Glauben an die Einheit Allahs und das Ablegen des Bekenntnisses zu diesem Glauben mit den folgenden Worten: ”Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allah, und ich bezeuge, dass Muhammad Sein Diener und Sein Ge­sandter ist.”“ (Islamisches Zentrum München 2004)
- „Die Wohltätigkeit gegenüber den Mitmenschen. Der Islam legt großen Wert auf Großzügigkeit und Mildtätigkeit als Mittel zur Läuterung der eigenen Seele und zur Annäherung an Allah. Dem Muslim ist auferlegt, freiwillige Gaben zu verteilen, wenn immer es ihm möglich ist. “ (Islamisches Zentrum München 2004)
- „Das Fasten während des Ramadan, dem neunten Monat im islamischen Ka­lender.“ (Islamisches Zentrum München 2004)

Diese religiösen Grundpflichten spielen eine große Rolle im Leben der Muslime.

Sie beschreiben die wichtigsten Pflichten und Verbote des Korans und geben so­mit eine Orientierungshilfe im Alltag der Menschen.

3.2 Einflussfaktoren auf die Gesundheitssituation 3.2.1 Bildung und Beruf

Bereits bei der schulischen Bildung erkennt man die ersten Barrieren für Muslime. Einwanderer aus der Türkei, die die Heimat der meisten Muslime in Deutschland (vgl. Muslimisches Leben in Deutschland 2009) ist, weisen hier den niedrigsten Bildungsgrad auf. Über 50% der über 64-jährigen haben keinen beruflichen Aus­bildungsabschluss (vgl. Deutsches Zentrum für Altersfragen 2006: S. 26), hinzu kommen meist noch sprachliche Probleme, was oft körperlich anspruchsvolle Ar­beit sowie Stressbelastung durch Schicht- und Akkordarbeit zur Folge hat. Ein derartiges Arbeitsleben führt zu gesundheitlichen Verschleißerscheinungen und möglicherweise zum früheren Ausscheiden aus dem Erwerbsleben. Erfahrungs­gemäß werden körperlich anstrengende Tätigkeiten schlechter bezahlt; dies führt neben Arbeitslosigkeit oder der Tatsache, dass nicht das ganze Erwerbsleben in Deutschland verbracht wurde, zu einer niedrigen Rente.

Während bei älteren Deutschen die Rente den überwiegenden Lebensunterhalt finanziert, sind türkische Bürger zusätzlich auf Unterhalt, Sozialhilfe und teilwei­se auf zusätzliches Arbeitseinkommen angewiesen (vgl. Deutsches Zentrum für Altersfragen 2006: S. 36).

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Details

Seiten
18
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783668711242
ISBN (Buch)
9783668711259
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v426480
Institution / Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule
Note
2,0
Schlagworte
gesundheitssituation muslime deutschland

Autor

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Titel: Gesundheitssituation älterer Muslime in Deutschland