Lade Inhalt...

Die Darstellung der Völker in "Hadschi Murat" und "Gefährliche Reise durch den wilden Kaukasus"

Inwiefern entsprechen die Beschreibungen der Reisenden über die Kaukasier der Wahrheit und sind sie auch wahrheitsgetreu?

Hausarbeit 2013 15 Seiten

Russistik / Slavistik

Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung

2. GeschichtlicherHintergrund
2.1 Die Eroberer
2.2 Nationalitaten im Kaukasus
2.3 Unabhangigkeitserklarungen

3. „Hadschi Murat“
3.1 Historischer Kontext
3.2DieDarstellungdesVolkes

4. „Gefahrliche Reise durch den wilden Kaukasus“
4.1 Alexandre Dumas
4.2 Die Darstellung des Volkes

5. Fazit

1. Einleitung

Der Kaukasus ist ein in Eurasien gelegenes Hochgebirge, das sich zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer befindet. Die Tatsache, dass dem Kaukasus eine uralte Geschichte zu eigen ist, die bis in die Steinzeit reicht, und dass er uber eine Vielzahl von unterschiedlichen Volkern verfugt, fuhrte dazu, dass er ein groBes Interesse erweckte. Zahlreiche Schriftsteller diverser Lander beschaftigten sich mit dem Kaukasus, nicht zuletzt Schriftsteller aus Russland, wie z. B. Nikolaj Karamzin, Ivan Goncarov, Aleksandr Puskin, oder Lev Tolstoj1. Die ersten Eindrucke und die Erfahrungen, die sie wahrend ihres Aufenthalts im Ausland sammelten, hielten sie meist in Form eines Reiseberichts fest, um sie den Lesern ebenfalls zuganglich zu machen. Einige dieser Reiseberichte bzw. Niederschriften sind Aleksandr Sergeevic Puskins ,,Der Gefangene im Kaukasus“ aus dem Jahre 1822, Viktor Borisovic Sklovskijs „Sentimentale Reise“, das zwischen den Jahren 1919-1922 entstand und die im Jahre 1912 posthum erschienene Novelle „Hadschi Murat“ des Schriftstellers Lev Nikolaevic Tolstoj. Durchaus interessant ist, wie unterschiedlich das angereiste Land und dessen Volker von den einzelnen Schriftstellern beschrieben wird. Diese Divergenz ist teils auf die negative oder positive Einstellung des Autors gegenuber dem Zielland und teils auf seinen ursprunglichen Reisegrund zuruckzufuhren. Doch inwiefem entsprechen die Beschreibungen der Reisenden uber die Kaukasier der Wahrheit und sind sie auch wahrheitsgetreu?

Diese Hausarbeit beschaftigt sich mit der oben angefuhrten Frage. Ihr Ziel ist es, anhand von zwei Werken, „Hadschi Murat“ und „Eine gefahrliche Reise durch den wilden Kaukasus“, die charakteristischen Merkmale des kaukasischen Volkes herauszuarbeiten. Um zu einem nachvollziehbaren Ergebnis zu gelangen, wird zunachst kurz auf die Geschichte des Kaukasus eingegangen. Hierbei sollen die sozialen Umstande und die politische Lage des Kaukasus im 18. bzw. 19. Jahrhundert vorgefuhrt werden, um dem Leser bestimmte Hintergrundinformationen zu verschaffen. Danach wird auf die von Tolstoj geschriebene Novelle eingegangen und die Beschreibung des Volkes naher betrachtet. Daraufhin wird die Darstellung des Volkes in dem Reisebericht „Eine gefahrliche Reise durch den Wilden Kaukasus“ aufgegriffen. Durch die Gegenuberstellung dieser Zwei Werke sollen Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausgearbeitet werden, um zu guter Letzt ein Fazit ziehen zu konnen.

2. Geschichtlicher Hintergrund

2.1 Die Eroberer

Schon seit der Antike regierten verschiedene eurasische Imperien den Kaukasus. So stand das Gebiet bis zum 7. Jahrhundert unter der Herrschaft des byzantinischen Reiches und war uberwiegend christlich gepragt. Ab dem 7. Jahrhundert wurde es von den Arabem regiert, die das Gebiet teilweise islamisierten. Diese Islamisierung wurde vor allem im Laufe des 10. Jahrhunderts durch den Einzug der Perser verstarkt. Diese Gegebenheit fuhrte dazu, dass in dem kaukasischen Gebiet zwei Weltreligionen zusammenprallten und bis heute noch einige kaukasische Volker, wie z.B. die Abchasen, religios gemischt sind (christlich / moslemisch). Zu Beginn des 13. Jahrhunderts (ca. 1220) wurde der Kaukasus von den Mongolen, die Stuck fur Stuck in den Westen eindrangen, unter der Fuhrung von Dschingis Khan angegriffen und stand fortan unter der mongolischen Herrschaft2. Doch diese Herrschaft war nicht von langer Dauer, denn nachdem im Laufe des 15. Jahrhunderts die Osmanen zu einer GroBmacht aufstiegen, bluhte auch bei ihnen das Interesse, den Kaukasus zu annektieren. Ab dem 15. Jahrhundert hatte das osmanische Reich die Vorhand im Kaukasus und die Mongolen wurden nach nur zwei Jahrhunderte langer Herrschaft endgultig abgelost. In den darauffolgenden Jahren bzw. Jahrhunderten kampften die Osmanen (aus dem Westen) und die Perser (aus dem Suden) um die Herrschaftsanspruche im Kaukasus. Zu diesem Kampf gesellten sich im 17./18. Jahrhundert die Russen (aus dem Norden) und gingen aus diesem Machtstreit als Sieger hervor3 Die Sowjetunion investierte ca. ein ganzes Jahrhundert fur die Eroberung des Kaukasus und gab vor, dass hinter der Ersturmung dieses Gebiets die Intention stecke, „den »wilden [kaukasischen] Volkern« wenn schon nicht das Christentum, dann wenigstens die uberlegene russische, indirekt »westlich-europaische« Zivilisation zu bringen“ (Lerch 2000: 48).

2.2 Nationalitaten im Kaukasus

Der Kaukasus hat eine beachtlich groBe Palette an Volkem zu bieten. Die genaue Anzahl der Ethnien, die in diesem Gebiet vorzufinden sind, ist zwar bis heute unbekannt, geschatzt werden aber ungefahr 60 Volksgruppen4. Zu den wohl bekanntesten Volkern zahlen die Armenier, Iraner, Aserbaidschaner, Tschetschenen, Abchasen, Lazen, Inguschen und die Georgier, wobei die Georgier nicht nur eines der bekanntesten Volker des Kaukasus sind, sondem auch zu den altesten Volkem der Weltgeschichte zahlen5. Neben diesen eher „groBen“ Volksgruppen existieren auch viele kleine, wie z.B. die Kabardiner, Mingrelier, Awaren, Osseten, Balkaren und die Karatschaier, aber auch zahlreiche weitere, die nur (noch) aus einigen hundert Menschen bestehen. So kann der Kaukasus mit Recht als ein multiethnisches Gebiet betrachtet werden.

2.3 Unabhangigkeitserklarungen

Das voranschreitende Nationalbewusstsein der kaukasischen Volker und der Hass gegenuber den Russen, die sie im Laufe der Zeit immer intensiver pflegten, fuhrten schlieBlich dazu, dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts die sukzessiven Unabhangigkeitserklarungen folgten. Mit dem Ausklingen des machtpolitischen Wettkampfes zwischen den beiden GroBmachten USA und UdSSR, oder auch der sogenannten Bipolaritat, losten sich zuerst die baltischen und danach die kaukasischen Staaten von der Sowjetunion ab. Den Anfang machte Georgien, als es im April 1991 nach mehreren blutigen Konflikten seine Unabhangigkeit erklarte6. 5 Monate danach, am 21. September des selben Jahres, erfolgte auch von der armenischen Seite die Unabhangigkeitserklarung7, wobei erwahnt werden sollte, dass sich sowohl in Georgien als auch in Armenien heute noch tausende russische Soldaten befinden, die nach offiziellen Angaben fur den Frieden und die Sicherheit des Krisengebiets sorgen. Zu guter Letzt verselbststandigten sich auch die muslimisch gepragten Republiken Aserbaidschan, Turkmenistan, Usbekistan, Kasachstan, Kirgisistan und Tadschikistan.

Es gibtjedoch auch Volker im Kaukasus, wie die Tschetschenen, fur die sich der Traum der volligen Emanzipation, trotz mehrerer Aufstande und Kriege gegen die russische Herrschaft, noch nicht erfullt hat.

3. „Hadschi Murat“

3.1 Historischer Kontext

Der Kaukasus stand stets auf einem wackeligen und unsicherem Fundament. Zu der Tatsache, dass die kaukasischen Volker nie im Einklang waren und eher gegeneinander als miteinander lebten, fugte sich noch der Streit der GroBmachte um die Vorherrschaft in diesem Gebiet hinzu. Wahrend einige Ethnien im Laufe des 20. Jahrhunderts die Unabhangigkeit erlangen konnten, gab es manch andere Volker, deren Versuche erfolglos blieben. Zu diesen Volkem, die bis heute noch um die Souveranitat kampfen, zahlen zum einen die Tschetschenen und zum anderen die „Dagestaner“. Die Dagestaner sind eine Zusammensetzung aus 30 bis 40 Ethnien, zu denen unter anderem die Awaren, die Kumuken und die Darginen zahlen8. Die Unzufriedenheit der im Nordkaukasus lebenden autochthonen Volksgruppen und ihr Begehren nach einem eigenen Staat mundete in dem von 1817 bis 1864 gefuhrten Muridenkrieg, in dem die russischen Besatzer die Zielscheibe waren. Die wohl bedeutendsten Manner des Muridenkrieges waren die zwei awarischen Widerstandskampfer Imam Schamil und Hadschi Murat. Hadschi Murat diente lange dem russischen Zaren, begab sich jedoch, nachdem er zu Unrecht wegen Verrat inhaftiert wurde, in Imam Schamils Obhut und fing an, als sein Unterfuhrer auf der Seite der Bergvolker zu kampfen. Die Entscheidung des Imams, seinen eigenen Sohn und nicht Hadschi Murat zum Nachfolger zu kronen, loste einen Streit zwischen den beiden awarischen Fuhrern aus. Nachdem er von Schamil zum Tode verurteilt wurde, ergriff er die Flucht und kam im Jahre 1854 bei einem Kampf urns Leben.

Abenteuerreisen in den Kaukasus waren zu jener Zeit weit verbreitet. Auch Tolstoi nutzte die Moglichkeit und machte sich im Jahre 1851 auf den Weg nach Tschetschenien. Seine Eindrucke und Erfahrungen aus dieser Zeit brachte er viele Jahre spater in Form einer Erzahlung zu Papier.

[...]


1 vgl. Lerch2000: 55.

2 vgl.Lerch2000:45.

3 Gasimov, Zaur: „Kaukasus“. In: Europaische Geschichte Online. Stand: 15. Marz 2011. URL: http://www.ieg-ego.eu/de/threads/crossroads/grenzregionen/zaur-gasimov-kaukasus (abgerufen am 30. Juni 2013).

4 vgl.Lercher 2000:42.

5 vgl.Lerch2000:66.

6 vgl.Lerch2000:71.

7 vgl. Lerch2000: 89.

8 vgl. Lerch2000: 129-132.

Details

Seiten
15
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668708549
ISBN (Buch)
9783668708556
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v426464
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Slavische Philologie
Note
2,0
Schlagworte
darstellung völker hadschi murat gefährliche reise kaukasus inwiefern beschreibungen reisenden kaukasier wahrheit

Autor

Zurück

Titel: Die Darstellung der Völker in "Hadschi Murat" und "Gefährliche Reise durch den wilden Kaukasus"