Lade Inhalt...

Demografie und sozialstaatliche Veränderungen. Gegenseitige Beeinflussung

Hausarbeit 2013 21 Seiten

Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische und Allgemeine Begründung
2.1 Ursachen der Alterung der Bevölkerung
2.2 Folgen des demografischen Wandels

3 Beispiel einer zukünftig schrumpfenden Kommune mit steigendem Medianalter
3.1 Busverbindungen und damit zusammenhängende Mobilität
3.2 Ärzte
3.3 Freiwillige Feuerwehren
3.4 Kindergärten
3.5 Schulen
3.6 Jugendliche
3.7 Ältere Menschen
3.8 Chancen für die Zukunft

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang 1

Anhang 2

Anhang 3

Anhang 4

Anhang 5

Anhang 6

1 Einleitung

Ich werden mich mit den demografischen und sozialstaatlichen Veränderungen befassen. Dies werde ich anfangs theoretisch angehen und dann am Beispiel Weilrods, einer Gemeinde des Demographietyps 5 näher beleuchten. Schließlich werde ich Chancen aufzeigen, wie der demografische Wandel beeinflußt werden könnte.

Aus Vereinfachungsgründen habe ich es vorgezogen, nur in der männlichen Form zu schreiben, beziehe aber auch alle weiblichen Personen mit ein.

2 Theoretische und Allgemeine Begründung

Die These ist, dass sich demografische und sozialstaatliche Veränderungen wechselseitig beeinflussen. Die demografische Entwicklung zeigt, dass die Bevölkerung abnimmt. Das bedingt wiederum sozialstaatliche Veränderungen, da es durch den Bevölkerungsrückgang weniger Einwohner und auch weniger Beitragszahler in die Beitragskassen gibt. Durch die sozialstaatlichen Veränderungen wie das Elterngeld, Kita-Anspruch bereits für 1jährige ab August 2013 und die geplante Einführung des Betreuungsgeldes soll es wiederum zu demografischen Veränderungen kommen.

Durch den demografischen Wandel nimmt die jüngere Bevölkerung ab und die ältere Bevölkerung zu (Bertelsmann Stiftung, o.J. b, 3). Dies stellt den Sozialstaat vor neue Aufgaben und Herausforderungen, beispielsweise beim Rentenmodell, beim Schulsystem und der (Klein-)Kinderbetreuung.

Durch die sozialstaatlichen Veränderungen wie die Rente mit 67 muss der Sozialstaat umdenken und anders handeln. Durch den Rechtsanspruch für 1jährige Kinder auf einen Kindergartenplatz, das Elterngeld und die Elternzeit sowie das umstrittene Betreuungsgeld erhofft sich der Sozialstaat, dass wieder mehr Kinder geboren werden und dadurch die Alterung der Bevölkerung aufgehalten oder sogar umgekehrt werden kann.

Durch demografische Veränderungen wie den Bevölkerungsrückgang wird die Sozialpolitik gezwungen zu reagieren. Gerade die Familienpolitik erhofft sich durch ihre Maßnahmen wie Kinder- und Elterngeld eine Gegensteuerung durch mehr Geburten und will dadurch Einfluß auf die demografische Entwicklung nehmen.

2.1 Ursachen der Alterung der Bevölkerung

Den Ursprung für die Alterung der Bevölkerung findet sich im deutlichen Rückgang der Kinderzahl bei gleichzeitiger Erhöhung der Lebenserwartung. Um 1900 bekam jede Frau in Deutschland im Durchschnitt 4 Kinder, heute sind es nur noch durchschnittlich 1,3 Kinder. Je weniger Kinder eine Frau bekommt, desto weniger Frauen kommen nach, die ihrerseits wieder Kinder bekommen können. Gleichzeitig ist die Lebenserwartung innerhalb dieses Zeitraums um 35 bis 40 Jahre gestiegen. Die Lebensspanne hat sich im vergangenen Jahrhundert in allen entwickelten Staaten verdoppelt. Dies ist ein einmaliger Vorgang in der demografischen Geschichte. (Michel, o.J., 5)

Viele junge Menschen warten mit der Familiengründung und bekommen das erste Kind Anfang dreißig. Dieses bleibt oft ein Einzelkind. (Sinn, 2003, 57)

Die im internationalen Vergleich besonders rasche Alterung Deutschlands liegt an der Verringerung der Geburtenzahl (Sinn, 2003, 61). Deutschland wies noch in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts die dritthöchste Fertilität auf (Sinn, 2003, 61) und ist unnerhalb von einhunderfünfzig Jahren von einem zum anderen Extrem übergegangen (Sinn, 2003, 63).

2.2 Folgen des demografischen Wandels

Die Alterung der Bevölkerung stellt die europäischen Gesellschaften vor vollkommen neuartige und sehr kompexe Herausforderungen und führt zu gravierenden Veränderungen in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. Wegen des sehr dynamischen Alterungsprozesses ist die deutsche Bevölkerung davon besonders betroffen (Michel, o.J., 6).

Unter dem Einfluß der demografischen Probleme entwickelt sich Deutschland in eine Gerontokratie, in der die Alten das Sagen haben (Sinn, 2008, 69). 2050 wird die Hälfte der in Deutschland lebenden Wahlberechtigten über 56 Jahre alt sein und schon heute ist die Wahlbeteiligung älterer Menschen höher als die der jüngeren. Hierdurch werden die älteren Menschen ein zunehmendes politisches Gewicht erlangen. Politische Entscheidungen, die beide Altersgruppen betreffen, werden schwieriger durchsetzbar sein. (Michel, o.J., 6)

Auf die Wirtschaft hat eine älter werdende Gesellschaft insoweit Einflüsse, dass ihr die Arbeitskräfte knapp werden, wenn sich der Trend des Geburtenrückgangs fortsetzt, ältere Arbeitskräfte nicht bis zum Rentenalter beschäftigt werden und das Rentenalter künftig nicht weiter steigt. Zudem konsumieren ältere Menschen anders und weniger als jüngere, was zu einer Dämpfung des Wirtschaftswachstums führt, die auf bis zu 1 % geschätzt wird (Michel, o.J., 6). Der demografische Wandel führt dazu, dass ältere Arbeitnehmer deutlich zunehmen, was zusammen mit der Anhebung des Renteneintrittsalters zu erheblichen Herausforderungen für den deutschen Arbeitsmarkt führen wird. Bis 2030 wird das Erwerbspersonenpotential nur geringfügig sinken. Aktuell ist nur ein kleinerer Teil der Beschäftigten bis zum 65. Lebensjahr erwerbstätig, wobei insbesondere Geringqualifizierte bereits vor dem regulären Renteneintrittsalters eine deutlich niedrigere Erwerbsbeteiligung aufweisen. Hauptursache für Frühverrentung sind gesundheitliche Gründe wie hohe körperliche und psychische Belastung. Ältere Menschen sind überdurchschnittlich häufig von Arbeitslosigkeit betroffen und haben kaum Chancen auf einen Wiedereinstieg in den ersten Arbeitsmarkt, was das Altersarmutsrisiko verstärkt. (Conrads/Trischler, 2012, 63-64)

Die Alterung der Bevölkerung ist kein Vorteil für den Arbeitsmarkt, da nicht nur Arbeitnehmer, sondern auch Arbeitgeber altern. Daher ist eine Verschärfung des Mangels an Unternehmen und Arbeitsplätzen zu befürchten. (Sinn, 2008, 67-68)

Veränderungen in Familien- und Haushaltsstrukturen werden auch durch die Alterung der Gesellschaft bedingt. In Zukunft wird sich die Abnahme der Haushaltsgrößen weiter fortsetzen. Zunehmend ältere Menschen werden in 1-Personen-Haushalten leben, was den Wohnungsmarkt aus dem Gleichgewicht bringen wird. Schon heute ist Wohnraum knapp. Allerdings wird die Bauwirtschaft von notwendigen Um- und Neubaumaßnahmen profitieren. (Michel, o.J., 7)

Die Folgen für die umlagenfinanzierte Rentenversicherung stehen im Mittelpunkt der Folgen der demografischen Krise. Durch den Anstieg des Altersquotienten steigt die Zahl der Rentner, die von den arbeitenden Menschen versorgt werden müssen. Dies bedeutet entweder einen Anstieg des Beitragssatzes oder eine Senkung des Rentenniveaus. (Sinn, 2008, 64).

3 Beispiel einer zukünftig schrumpfenden Kommune mit steigendem Medianalter

Die Gemeinde Weilrod gehört zu den Städten und Gemeinden in strukturschwachen ländlichen Gemeinden (Demographietyp 5). Das Medianalter, das die Bevölkerung in zwei gleich große Gruppen von älteren und jüngeren Personen teilt, ist bereits von 2007 bis 2011 von 44,2 Jahren auf 47,2 Jahre gestiegen und wird 2030 bei 53,1 Jahren liegen. Zudem wird die Bevölkerung von 2009 bis 2030 um 13,8 % abnehmen. Den größten Einfluß darauf hat die Bildungswanderung (-54,8 Personen je 1.000 Einwohner) und in sehr viel geringerem Umfang die Wanderung zu Beginn der 2. Lebenshälfte (-4,9 Personen je 1.000 Einwohner). Dies gleichen die Zuwanderungszahlen der Familienwanderung (3,2 Personen je 1.000 Einwohner) und der Alterswanderung (7,5 Personen je 1.000 Einwohner) bei weitem nicht aus. Daran läßt sich erkennen, dass die Bevölkerungsentwicklung ohne Wanderung der Bewohner zwar auch abnehmen würde, aber doch um gut 3 % geringer ausfallen würde und nur bei etwa 11% liegen würde. (Bertelsmann Stiftung, o.J. b, 4)

Das Medianalter liegt im Vergleich zum Hochtaunuskreis und zum Land Hessen, in dem die Gemeinde liegt, höher. 2009 liegt das Medianalter in Weilrod bei 47,2 Jahren, im Hochtaunuskreis bei 45,8 Jahren und im Land Hessen bei 44,6 Jahren. 2030 wird dies in Weilrod auf 53,1 Jahre, im Hochtaunuskreis auf 49,2 Jahre und im Land Hessen auf 48,2 Jahre gestiegen sein. (Bertelsmann Stiftung, o.J. b, 3)

Daran läßt sich ablesen, dass Weilrod keine Gemeinde ist, die von den zukünftigen Wanderungsbewegungen profitieren kann, aber auch der Hochtaunuskreis wird nicht zu den gefragteren Landkreisen gehören. Dadurch haben Gemeinde und Landkreis wirtschaftliche Probleme, die bisherigen Angebote und die notwendige Infrastruktur aufrecht zu erhalten. (Bertelsmann Stiftung, o.J. b, 3)

Weilrod ist die größte Flächengemeinde Hessens (Kreutz, 2013) mit 71,16 Quadratkilometern und hat 13 Ortsteile mit insgesamt 6.256 Einwohnern mit Erstwohnsitz im Jahre 2012 (Gemeinde Weilrod, 2008 a).

3.1 Busverbindungen und damit zusammenhängende Mobilität

Viele ältere Menschen wollen selbst nicht mehr Auto fahren. Zudem haben überwiegend ältere Frauen keinen Führerschein. Daher sind sie auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen. In der Gemeinde Weilrod, die aus 13 Ortsteilen besteht, gibt es keinen Bahnanschluß, sondern nur Busverbindungen. Diese sind in den letzten Jahrzehnten erheblich ausgebaut worden. Ende der 80er-Jahre gab es Schulbusse für die Grund-schulen, die Haupt- und Realschule sowie die Förderstufe innerhalb der Gemeinde. Das Gymnasium in der ehemaligen Kreisstadt war nur mit einem Linienbus erreichbar, der am ganzen Tag nur sechs mal fuhr (beide Richtungen zusammengerechnet). Dies war für die Menschen, die außer den Schülern auf Busse angewiesen waren, nicht befriedigend. Die Busverbindungen wurden mit Einführung des FVV, der vom RMV abgelöst wurde, verbessert. Allerdings wurde Mitte der 90er-Jahre die Busverbindung zu Gemeindeveraltung und Ärztehaus, die auch eine Grundschule versorgte, in den Schulferien praktisch eingestellt. Dies konnte durch Unterschriftensammlungen noch abgewendet werden. Heute ist die Anbindung erheblich besser als damals, wenn auch mit der Versorgung in Städten nicht vergleichbar. Allerdings wird es bei einer alternden Bevölkerung eine Herausforderung bleiben, den Öffentlichen Nahverkehr inner- und außerhalb der Gemeinde aufrechtzuerhalten, da schon heute die Busse nicht ausgelastet sind und große Strecken zurückzulegen sind. Hier ist zu bedenken, dass Weilrod die größte Flächengemeinde Hessens ist (Kreutz, 2013).

3.2 Ärzte

Auch bei der Ärzteversorgung kann es küntig zu Problemen kommen. Es ist bekannt, dass es schwierig ist, Landärzte zu bekommen.

Allerdings hat Weilrod seit 1976 ein Ärztehaus und betreut Patienten im Weiltal und Umgebung (gesamte Gemeinde Weilrod, Waldems, Grävenwiesbach und Selters). Dies ist ein großes Einzugsgebiet, was derzeit von sechs Ärzten hausärztlich-allgemeinmedizinisch betreut wird (Ärztehaus Weilrod, 2010). Die Praxisgemeinschaft kann sich die Kosten für Mitarbeiter, Einrichtung und Geräte teilen. Zudem können sich die Ärzte während des Urlaubs und bei Krankheit untereinander vertreten, ggf. kann ein Vertretungsarzt von außen geholt und die Kosten können untereinander geteilt werden. Zudem ist es günstig, dass im gleichen Gebäude auch eine Apotheke untergebracht ist. Dies ist gerade für ältere Menschen hilfreich, da sie dort direkt vor bzw. nach dem Arztbesuch hingehen können. Sollte ein Medikament nicht vorrätig sein, kann es auf Wunsch ausgeliefert werden. Dies bedeutet, dass keiner erneut den Weg zur Apotheke machen muss.

Gerade für eine alternde Bevölkerung ist diese Ärzteversorgung innerhalb der Gemeinde sehr gut. Allerdings bleibt zu hoffen, dass sich auch weiterhin genügend Ärzte finden werden, die hier tätig sein möchten, und dass sich auch Apotheker finden, die hier die Apotheke auf diese Art weiterführen möchten.

3.3 Freiwillige Feuerwehren

Bisher hat jeder der dreizehn Ortsteile eine eigene Freiwillige Feuerwehr (mit Feuerwehrverein). Dies hat zur Folge, dass jede der Feuerwehren ein Gerätehaus und mind. 1 Feuerwehrfahrzeug hat. Die Gebäude und Fahrzeuge müssen von der Gemeinde unterhalten werden und auch die Einsätze kosten die Gemeinde Geld. Ein weiteres Problem ist, genügend Freiwillige zu finden, die dieses Ehrenamt neben ihrer Erwerbsarbeit übernehmen. Daher darf man sich nicht wundern, wenn schon heute Stimmen laut werden, verschiedene Stützpunkte aus finanzieller und personeller Hinsicht zusammenlegen zu wollen. Da das Höchstalter für Feuerwehrleute, die aktiv an einem Einsatz teilnehmen dürfen, bei 60 Jahren liegt, wird es künftig noch schwerer werden, eine arbeitsfähige Aktivengruppe zu bekommen und genügend Freiwillige für den Feuerwehrdienst zu finden. Dies wird dann zwangsläufig zu Zusammenlegungen von Ortsteilfeuerwehren zu Stützpunktfeuerwehren führen, was zu einer längeren Anfahrt der Einsatzkräfte zum Stützpunkt aber auch zur Einsatzstelle führen wird sowie zu einer schlechteren Brandschutzversorgung der Einwohner.

[...]

Details

Seiten
21
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668711228
ISBN (Buch)
9783668711235
Dateigröße
702 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v426290
Institution / Hochschule
Frankfurt University of Applied Sciences, ehem. Fachhochschule Frankfurt am Main
Note
2,3
Schlagworte
Demografie sozialstaat sozialstaatliche veränderungen Veränderungen

Autor

Zurück

Titel: Demografie und sozialstaatliche Veränderungen. Gegenseitige Beeinflussung